Politische Bildung in fiktionaler Spionageliteratur

Die Darstellung von Faschismus und Spionage bei Eric Ambler's Werk "Anlass zur Unruhe/Cause for Alarm"


Seminararbeit, 2009

17 Seiten, Note: Gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Textinterpretation
2.1. Inhaltliche Zusammenfassung
2.2. Formaler Aufbau
2.3. Interpretationshypothese

3. Politische Bildung
3.1. Darstellung des Faschismus in Italien
3.2. Darstellung der Achse Berlin-Rom
3.3. Darstellung der Spionage und ihrer Methoden

4. Fazit

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Der englische Schriftsteller Eric Ambler (1909-1998), geboren in London, wird vielfach als Begründer des Spionageromans bezeichnet. Als Sohn von zwei Schaustellern war er anfangs selbst als solcher tätig, begann dann ein Studium zum Elektroingenieur, das er aber nicht beendete und arbeitete im Werbebereich, bevor er schließlich Schriftsteller wurde. Zwischen 1940 und 1943 diente Ambler als Freiwilliger der britisch königlichen Artillerie und war ab 1943 britischer Verbindungsoffizier in Italien. In dieser Zeit betätigte sich Ambler auch als Drehbuchautor und Produzent zahlreicher Propaganda und Trainingsfilme der britischen Armee. In seiner literarischen Schaffensperiode zwischen 1936 und 1993 veröffentlichte er mehrere Romane und arbeitete an diversen Drehbüchern mit. Charakteristisch an seinen Werken sind die gut recherchierte Beschreibungen der politischen und örtlichen Gegebenheiten und die Thematisierung der Gefahren faschistischer und nationalistischer Ideologien (http://de.wikipedia.org/wiki/Eric_Ambler, http://www.kirjasto.sci.fi/eamber.htm).

Im dritten Roman von Eric Ambler, „Anlass zur Unruhe“ (‚Cause for Alarm’) - erschienen 1938, versetzte Ambler seine Handlung in das vom Mussolini-Faschismus geprägte Italien, kurz vor Ausbruch des 2. Weltkriegs.

Ich werde zunächst eine Textinterpretation an Ambler’s Werk durchführen und im zweiten Teil meiner Arbeit auf die im Roman implizierte politische Bildung eingehen.

2. Textinterpretation

2.1. Inhaltliche Zusammenfassung

Der Protagonist des Werks, Nicholas Marlow, verliert seine Arbeitsstelle als leitender Ingenieur im Zuge der Rezession in England 1937. Nach längerer Jobsuche und vielen Ablehnungen erhält er die Möglichkeit die mailändische Vertretung des englischen Rüstungsunternehmens Spartacus zu übernehmen. Der vorherige Leiter der Außenstelle Mr. Ferning hatte, nach offizieller Version, einen tödlichen Autounfall. Der Leser erfährt aber bereits im ersten Kapitel des Romans, dass der vermeintliche Unfall ein Mord von Auftragstätern war. Aufgrund der Tatsache, dass Marlow italienisch spricht, er bis zu diesem Zeitpunkt keine andere seriöse Arbeitsstelle gefunden hatte und seine Verlobte Claire ihm zu dieser Möglichkeit rät, entschließt er sich das Angebot anzunehmen.

Marlow’s Aufgabe in Mailand ist es neue Auftraggeber für den Verkauf einer patentierten Maschine zur Granatenproduktion zu akquirieren. Das Gewerbe der Firma Spartacus, und die führende Technik auf dem Gebiet der Granatenproduktion, machen die Position Marlow’s interessant für diverse Akteure des Romans. So gerät Marlow, der sich seiner Relevanz überhaupt nicht bewusst ist, sehr früh in Kontakt mit dubiosen Charakteren. Nach der ersten Kontaktaufnahme mit seinem Assistent Bellinetti bekommt Marlow gleich am ersten Abend in seinem Hotel Besuch von General Vagas, der sich als jugoslawischer General und Freund des verunglückten Mr. Ferning vorstellt. Vagas lädt Marlow in die Mailänder Oper ein. Nach dieser Kontaktaufnahme kommt ein Abendessen mit einem Amerikaner namens Zaleshoff zustande, der im selben Gebäude wie Marlow ein Büro gemietet hat. Zaleshoff warnt Marlow vor Vagas und verrät, dass ihm Vagas ein Angebot machen wird. In der Zwischenzeit bemerkt Marlow, dass sein Pass von der italienischen Polizei zurückgehalten wird, dass seine Briefe an Claire geöffnet wurden und er beschattet wird. Skeptisch aber noch nicht wirklich beunruhigt nimmt Marlow die Einladung zu der Opernaufführung an. Im Laufe des Abends bietet General Vagas an für Informationen über die Rüstungsgeschäfte der Firma Spartacus zu bezahlen. Nach diesem Gespräch vertraut sich Marlow Zaleshoff an. Dieser eröffnet ihm nun, dass Vagas ein getarnter deutscher Spion sei, der die italienischen Rüstungsbemühungen beobachtet, denn trotz der Achse Berlin-Rom, trauen sich die zwei faschistischen Regime nicht über den Weg. Die Männer die Marlow beschatten sind von der italienischen Geheimpolizei O.V.R.A. (‚Opera Vigilanza Repressione’ Antifascismo). Diese hat naturgemäß Interesse daran jemanden der Zutritt zu italienischen Rüstungsfabriken hat zu überwachen. So sei zum Beispiel Bellinetti, Marlow’s Assistent, ebenfalls Mitglied der Geheimpolizei. Zaleshoff erzählt weiter, dass Ferning mit General Vagas kooperiert hatte und deshalb von der O.V.R.A. umgebracht wurde. Obwohl Marlow seine naive Betrachtungsweise noch nicht ganz ablegen kann, unterbreitet ihm nun Zaleshoff seinerseits einen Vorschlag. Marlow solle das Angebot von General Vagas annehmen und ihm fingierte Informationen zukommen lassen. In weiterer Folge, wenn das Vertrauen Vagas’ aufgebaut ist, will Zaleshoff Vagas gezielt mit Teilinformationen über den Standort dreier auf Deutschland ausgerichteter Fliegerstützpunkte versorgen. Diese sollten, nach italienisch-deutschem Übereinkommen, nicht auf Deutschland ausgerichtet sein, sondern sich an der französisch- schweizerischen Grenze befinden. Der Vertrauensbruch der durch diese Informationen ausgelöst werden könnte, solle die Achse Berlin-Rom aufbrechen um Europa Schlimmeres zu ersparen. Marlow will sich allerdings nicht in solche Pläne hineinziehen lassen und lehnt ab. Am selben Abend bekommt Marlow wieder Besuch von General Vagas der ihm zu verstehen gibt, dass seine Kooperation entscheidend für die Auftragsvergabe an Spartacus sein kann. Dieses Ereignis und vor allem dass Marlow am Nachhauseweg, wegen seines häufigen Kontakts mit Vagas, von Mitgliedern der Geheimpolizei verprügelt wird, geben den Ausschlag für seine Umbesinnung. Fast in einer Art Affekthandlung nimmt er das Angebot Zaleshoff’s an. In weiterer Folge kann Marlow, mit der Unterstützung Vagas’, einen Großauftrag des italienischen Beschaffungsamtes an Land ziehen und liefert Vagas die ersten gefälschten Informationen. Dieser beißt an, setzt Marlow aber nach anfänglicher Zufriedenheit unter Druck, ihm detailliertere Informationen direkt aus den Rüstungsfabriken zu beschaffen. Falls Marlow nicht zustimmt wolle er der Firmenleitung von Spartacus über Marlow’s Spionagetätigkeiten berichten. Marlow hatte ohnehin den Beschluss gefasst zu kündigen und Zaleshoff befand die Zeit nun für reif Vagas mit einem Teil der Informationen über die Ausrichtung der italienischen Fliegerhorste zu ködern. Als dieser Plot offensichtlich aufzugehen schien, ist Marlow in Gedanken schon mehr in England als in seiner derzeitigen Tätigkeit. Doch als Marlow von einer Dienstreise nach Rom zurückkehrt beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen. Die O.V.R.A hatte offenbar Wind von den Spionagetätigkeiten rund um die Firma Spartacus bekommen, denn sein Büro wurde durchsucht, Vagas war überstürzt nach Belgrad abgereist und nach Marlow selbst wird gefahndet. Zaleshoff passt Marlow gerade noch rechtzeitig am Mailänder Bahnhof ab und bietet an, ihn auf der Flucht zu unterstützen. Allerdings will Zaleshoff nach Belgrad flüchten, damit Marlow Vagas noch den Rest der Informationen über die Fliegerhorste überbringen kann, um den Plan die Achse Berlin-Rom zu torpedieren nicht aufgeben zu müssen. Marlow sieht die Notwendigkeit dieser Flucht und vor allem Belgrad als Ziel nur äußerst widerstrebend ein, doch bleibt ihm schlussendlich nichts anderes übrig als einen beschwerlichen Weg, großteils zu Fuß, teils versteckt in einem Güterzug bis zur jugoslawischen Grenze auf sich zu nehmen. Nachdem sie mehrmals knapp einer Verhaftung entgehen konnten, gelingt es ihnen schließlich, als Wanderer getarnt, über einen Bergpass nach Yugoslawien zu flüchten. Marlow trifft Vagas in Belgrad, überbringt ihm die restlichen Informationen unter dem Vorwand die Vergütung von 5.000 Lire erhalten zu wollen. Nach erfolgreicher Aktion trennen sich die Wege von Marlow und Zaleshoff. Marlow reist zurück nach England zu seiner Claire und nimmt in Birmingham einen Job als Betriebsingenieur an.

2.2. Formaler Aufbau

Der Roman wird aus der Ich-Perspektive des Protagonisten Nicolas Marlow geschrieben. Nach einem Einstiegskapitel folgt ein Vorwort, in dem Ambler Marlow selbst erklären lässt, warum er sich entschieden hat seine Erlebnisse niederzuschreiben.

Der formelle Aufbau hat eine einfache, geradlinige Struktur. Der Protagonist Marlow erhält den Auftrag ins Ausland zu gehen. Er reist zu diesem Schauplatz, muss sich dort diversen Bewährungsproben stellen, bevor er schließlich vor der letzten großen Aufgabe steht. Diese erfüllt er, kann seinen Wider]sacher austricksen und kehrt über eine abenteuerliche Route wieder nach Hause zurück.

Der autobiographische Stil des Romans und vor allem die gut recherchierten Details, auf die ich später noch eingehen werde, verleihen ihm eine gewisse gefühlte Authentizität. Dieses Gefühl verstärkt sich, indem der Protagonist Marlow die Figur eines „Jedermanns“ darstellt, der zufällig in die Ereignisse des Romans verstrickt wird und durchaus menschlich, teilweise sogar naiv, darauf reagiert. So kann sich der Leser gut in den Titelhelden selbst und auch in die Örtlichkeiten hineindenken, da Ambler versucht die Lebenswirklichkeit des Romans besonders realistisch und in nicht übertriebener Weise darzustellen. Gut erkennbar ist die Aufforderung zur Identifikation oder zumindest zur komplizenhaften Partnerschaft mit dem Protagonisten, in der von Marlow „verfassten“ Einleitung.

„Wahrscheinlich werden Sie zu dem Schluß kommen, daß ich sehr dumm war und mir alles selbst zuzuschreiben habe. Ich kann Ihnen nur zustimmen. Allerdings wird meine Zustimmung so höflich wie unaufrichtig sein. Ich würde Sie nämlich gerne fragen, was Sie an meiner Stelle getan hätten“ (Ambler 1999: 12).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Politische Bildung in fiktionaler Spionageliteratur
Untertitel
Die Darstellung von Faschismus und Spionage bei Eric Ambler's Werk "Anlass zur Unruhe/Cause for Alarm"
Hochschule
Universität Wien  (Politikwissenschaft)
Veranstaltung
SE Literatur und politische Bildung
Note
Gut
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V172882
ISBN (eBook)
9783640929313
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eric Ambler, Spionage, Politische Bildung, Faschismus, Italien, Literatur, Topic Spionage
Arbeit zitieren
Mag. phil. Marcus Wohlgemuth (Autor), 2009, Politische Bildung in fiktionaler Spionageliteratur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172882

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