Wirksamkeit von Entwicklungshilfe


Seminararbeit, 2010

27 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Symbolverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einführung

2 Ziele der Entwicklungshilfe und der Wirksamkeitsbegriff

3 Kurzüberblick: Die Effektivitätsdebatte

4 Die Collier-Dollar-Allokationsregel
4.1 Der empirische Einfluss der Politikqualität
4.2 Ableitung von Allokationsempfehlungen
4.3 Kritik und eine Alternativhypothese: Der Klimaeinfluss

5 Ausblick und Schlussbetrachtungen

Literaturverzeichnis

Anhang A: Vergleich von Politik-Wachstums-Regressionen VII

Anhang B: Zusammensetzung des Weltbank CPIA-Index VIII

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildungen:

Abbildung 1: Entwicklungshilfe und Wachstum in Afrika

Abbildung 2: Relative Entwicklungshilfe in Abhängigkeit von der Politikqualität

Abbildung 3: Isoquanten der Entwicklungshilfe

Tabellen:

Tabelle 1: Rangkorrelationskoeffizient zwischen dem Tropenflächenanteil und dem CPIA-Index in den Jahren 2001 und 2008 16

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung

Oftmals wird unkritisch angenommen, dass Entwicklungshilfe die Menschen vor Armut schützen kann. „Das Gegenteil trifft zu. Entwicklungshilfe in ihrer gegenwärtigen Form hilft, das Gewissen der Geber zu beruhigen. Den Armen hilft sie nicht“, bemerkt dazu Axel Dreher, Professor für Development Economics (vgl. Dreher (2005)). Betrachtet man beispielsweise die Entwicklung in Afrika, so ist diese Skepsis erklärlich: Abbildung 1 lässt fast schon einen entgegengesetzten Verlauf von Entwicklungshilfe und Wachstum erkennen. Grund genug, sich dem Thema der Wirksamkeit von Entwicklungshilfe näher zu widmen:

Eine Wirksamkeitsbeurteilung setzt immer einen Abgleich von Soll- mit Istzustand voraus. Dafür ist es zunächst notwendig, die Ziele und Motive für Entwicklungshilfe herauszuarbei- ten. Schnell stellt man fest, dass die poli- tisch verkündeten Ziele so vielfältig sind, dass diese eine methodische Beurteilung schwierig machen. Im Folgenden wird daher, wie in der wissenschaftlichen Lite- ratur verbreitet, der Schwerpunkt auf die Effektivität im Hinblick auf die Wachs- tumsförderung gelegt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Entwicklungshilfe und Wachstum in Afrika (5-Jahre gleitende Durchschnitte). Quelle: Eigene Darstellung und Berechnungen. Daten: ADI.

Bei einem - nicht abschließenden - Über- blick über die Wirksamkeitsdebatte fällt auf, dass bisher kein eindeutiger Nutzen der Entwicklungshilfe auf makroökonomischer Ebene gezeigt werden konnte. Eine vielfach herangezogene Erklärung dafür kam von Burnside und Dollar (2000), die zeigten, dass die Wirksamkeit von der Politikqualität des Empfängerlandes abhängt. Ausgehend von diesem Ergebnis wurden von Collier und Dollar (2002) Politikimplikationen vorgestellt, um die Effektivität der Entwicklungshilfe zu steigern.

Da dieser Vorschlag das Verhalten der Entwicklungshilfegeber, wie etwa der Weltbank, präg- te, soll im Weiteren die Herleitung der Politikempfehlung nachgezeichnet werden. Eine kriti- sche Auseinandersetzung und die Vorstellung einer Alternativhypothese schließen sich an; beides folgt im Wesentlichen Dalgaard et al. (2004), mit einem Schwerpunkt auf der Empirie.

Ob oder wann Entwicklungshilfe wirksam ist, kann nicht abschließend beantwortet werden. Vielmehr zeigt sich, dass viele der empirischen Ergebnisse sehr sensitiv auf Änderungen der Spezifikation reagieren und sich dem Thema daher in Zukunft entweder mit anderen Methoden oder mit anderen Zielmaßstäben genähert werden sollte.

2 Ziele der Entwicklungshilfe und der Wirksamkeitsbegriff

Wirksamkeit oder Effektivität bezeichnet üblicherweise das Verhältnis von definiertem zu erreichtem Ziel. Will man daher zu einer zieladäquaten Effektivitätsbeurteilung der Entwick- lungshilfe kommen, so muss dieser zunächst eine Diskussion über die angestrebten Ziele vo- rangestellt werden.

Der Entwicklungshilfeausschuss der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ist ein Koordinierungsgremium der bedeutendsten bilateralen Entwicklungshilfegeber. Er stellt die offiziellen Definitionen, Daten und Informationen über Entwicklungshilfe bereit und liefert in seiner Definition offizieller Entwicklungshilfe u.a. eine erste Eingrenzung des Zielkriteriums: Sie soll die ökonomische Entwicklung und die Wohlfahrt der Empfängerländer als Hauptaufgabe haben (vgl. Tarp (2010), S.22).

Wie umfassend „ökonomische Entwicklung und Wohlfahrt“ dabei verstanden werden soll, darauf gab bereits Mrydal (1974, S.729) eine Antwort bei seinem Versuch, den Begriff der Entwicklung handhabbar zu machen:

„By development I mean the movement upward of the entire social system […]. This social system encloses, besides the so-called economic factors, all noneco- nomic factors, including all sorts of consumption by various groups of people; consumption provided collectively; educational and health facilities and levels; the distribution of power in society; and more generally economic, social, and po- litical stratification; […]”

Dieses weit gefasste Verständnis vertraten dann im September 2000 auch die Vereinten Nationen, als sie einen Katalog möglicher Zielgrößen wirtschaftlicher Entwicklung nebst konkreten Zielvorgaben bis zum Jahr 2015 verabschiedeten. Die acht Ziele sind: Beseitigung der extremen Armut und des Hungers, Verwirklichung der allgemeinen Primarschulbildung, Förderung der Gleichheit der Geschlechter und Ermächtigung der Frau, Senkung der Kindersterblichkeit, Verbesserung der Gesundheit von Müttern, Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen Krankheiten, Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit sowie Aufbau einer weltweiten Entwicklungspartnerschaft (vgl. UN (2003), S.1-4).

Bezieht man die nichtstaatlichen Organisationen mit ein, so ergibt sich ein sehr heterogenes Bild von zu erreichenden Zielgrößen, nicht alle davon mit klar messbaren Indikatoren. Eine mehrdimensionale Zielfunktion macht es jedoch schwierig, die Wirksamkeit von Entwicklungshilfe zu beurteilen, sodass man sich laut Tarp (2010, S.33) häufig auf das ökonomische Wachstum als Messlatte beschränkt. Dieses sei zum einen Selbstziel, zum anderen aber auch notwendige Bedingung, um andere Entwicklungsziele zu erreichen.

Problematisch ist ebenfalls die Analyse der zugrunde liegenden Motive für Entwicklungshilfe, welche die Wirksamkeit beeinflussen, wobei sie nicht nur altruistischer Art sind. Tarp (2010, S.33) fasst den Stand der ökonomischen Literatur zusammen: Demnach spielten auch politi- sche Motive wie die Förderung bestimmter Wirtschaftssysteme, der Machterhalt in ehemaligen Kolonien, die Beeinflussung des Abstimmungsverhaltens in der UN sowie handelsstrategische Motive eine Rolle bei der Vergabe von Entwicklungshilfen.

Zusammengefasst lässt sich also feststellen, dass eine Wirksamkeitsdiskussion sehr erschwert wird: Die politischen und strategischen Vergabemotive decken sich nicht immer mit den Ent- wicklungszielen, und die international-heterogenen Entwicklungsziele werden zur Operatio- nalisierbarkeit zumeist auf die notwendige Bedingung des Wirtschaftswachstums als Indikator vereinfacht.

3 Kurzüberblick: Die Effektivitätsdebatte

Die rund 40 Jahre Forschung zur Entwicklungshilfe waren maßgeblich vom so genannten „Mikro-Makro-Paradox“ geprägt: Obwohl viele Einzelprojekte hinsichtlich der Verbesserung der Lebensumstände in den betroffenen Ländern als sehr positiv bewertet wurden, war der Gesamteffekt der Entwicklungshilfe auf das Wirtschaftswachstum strittig (vgl. Tarp (2010), S.35f).

Betrachtet man die jüngsten Metastudien, welche die ca. 100 ökonometrischen Untersuchungen zum Verhältnis von Entwicklungshilfe und Wachstum auswerten, so stellt man fest, dass die daraus zu ziehenden Schlüsse auch heute noch wenig eindeutig, wenn nicht gar widersprüchlich, sind. Während beispielsweise Doucouliagos und Paldam (2008) feststellen, dass trotz besserer Methoden und höherer Datenqualität die Forschungsergebnisse nicht gegen einen statistisch gesicherten, positiven Einfluss der Entwicklungshilfe konvergieren, so stellen McGillivray et al. (2006) genau dieses fest.

Zunehmend verlagerte sich daher der Fokus auf die Frage nach den Bedingungen, unter denen Entwicklungshilfe wirksam werden würde. Am meisten diskutiert wurden dabei die folgenden Thesen:

a) Entscheidend für einen positiven Einfluss von Entwicklungshilfe ist die Politikqualität des Empfängerlandes (Burnside/Dollar (2000)).
b) Der Einfluss der Entwicklungshilfe hängt von deren Art ab. Manche Hilfen werden kei- nen Einfluss auf das Wachstum haben (bspw. Notfallhilfe), andere werden kurzfristig wirken (Investitionen in Infrastruktur, direkte Budgeterhöhungen, etc.) und wieder ande- re, wie die Förderung der Demokratie, greifen eher langfristig (Clemens et al. (2004)).
c) Entwicklungshilfe kann in ihrer Wirksamkeit durch beständige strukturelle Bedingungen eines Landes beeinflusst werden, wie z.B. dessen geografische Lage (Dalgaard et al. (2004)).

Besondere Aufmerksamkeit - sowohl innerhalb der wissenschaftlichen Debatte als auch in Presse und Politik - erregte unter diesen der in „The American Economic Review“ veröffent- lichte Artikel von Burnside und Dollar (2000). Die Autoren kommen darin zu dem Schluss, dass Entwicklungshilfe nur in Ländern wirksam ist, welche eine hohe Politikqualität, gesi- cherte Eigentumsrechte sowie ein niedriges Korruptionslevel aufweisen (vgl. z.B. Dreher (2005)). Daraus leiten Collier und Dollar (2002) als Politikempfehlung eine optimale Alloka- tionsregel vor dem Hintergrund der Armutsbekämpfung ab, deren Diskussion in den folgen- den Kapiteln nachgezeichnet wird.

Die drei obigen Thesen fanden insbesondere deshalb Beachtung, weil sie in der Lage waren, die bisher uneindeutigen Ergebnisse zu erklären, indem sie der Entwicklungshilfe nur konditionell-gebundene Wirksamkeit unterstellten. Rajan und Subramanian (2008) zeigten jedoch, dass keine der Thesen sich als ökonometrisch robust erweist.

Bourguignon und Sundberg (2007, S.316) stellen fest: „The empirical literature on aid effec- tiveness has yielded unclear and ambiguous results. This is not surprising given the hetero- geneity of aid motives, the limitations of the tools of analysis, and the complex causality chain linking external aid to final outcomes.” Sie schlagen daher als weiteren Weg die Analy- se der Kausalkette vor, um diese Prozesse nicht weiterhin als „Black Box“ zu behandeln; von der Politik der Empfängerländer zu deren Wachstum, von den politischen Entscheidungsträ- gern zur Politikqualität und von den Entwicklungshilfegebern zu den Entscheidungsträgern des Empfängerlandes.

Eine andere Reaktion auf die unklaren empirischen Ergebnisse kommt von White (2007): Er sieht die Möglichkeiten einer Analyse von Einzelprojekten nicht ausgeschöpft. Die Zurechenbarkeitsproblematik auf der Mikroebene, die dadurch entsteht, dass man bei „vorher- nachher“-Betrachtungen die vielfältigen Einflussfaktoren nicht eindeutig den Wirkungen zuordnen kann, könne verringert werden. Dazu schlägt er die Anwendung experimenteller Prinzipien und insbesondere die Erstellung treffenderer Basis-Szenarien vor, um so durch den Vergleich von Basis- zu Entwicklungshilfe-Szenario die Wirkung der Hilfe isoliert von anderen Einflussfaktoren beurteilen zu können.

Ein dritter Weg folgt dem Ansatz von Boone (1996), der nicht Wachstum, sondern vielmehr soziale Indikatoren für die Wirksamkeitsanalyse der Entwicklungshilfe herangezogen hat. So sind - erstaunlicherweise erst jüngst - einige Arbeiten erschienen, welche die Wirksamkeit direkt an Indikatoren der Millenniums-Entwicklungsziele der UN messen. Beispielsweise wurden Kindersterblichkeit (Pettersson (2007)), Analphabetismus (Masud/Yontcheva (2005)), Verbesserungen des Gesundheitssystems im Allgemeinen (Mishra/Newhouse (2007)) und die Ansteckungsquote mit HIV/AIDS im Speziellen (Nunnenkamp/Öhler (2007)) untersucht. Je- doch ergibt sich auch hier bisher ein heterogenes Bild, das die Wirksamkeit der Entwick- lungshilfe nicht per se ausschließt, zumeist aber an weitere Bedingungen knüpft.

[...]


Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Wirksamkeit von Entwicklungshilfe
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
27
Katalognummer
V173466
ISBN (eBook)
9783640936571
ISBN (Buch)
9783640936861
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Collier-Dollar-Allokationsregel, Politikqualität, Wirksamkeit, Effizienz, Entwicklungshilfe, Entwicklungszusammenarbeit, United Nations Millennium Development Goals, Millennium-Entwicklungsziele, Effektivität
Arbeit zitieren
Sven Steinkamp (Autor), 2010, Wirksamkeit von Entwicklungshilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173466

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