Eine Interpretation von Georg Friedrich Puchtas "Cursus der Institutionen"


Hausarbeit, 2011
14 Seiten, Note: 10 Punkte

Leseprobe

GLIEDERUNG

A. Georg Friedrich Puchta
I. Biografische Vorbemerkungen
II. Einordnung in die historische Epoche und Situation
III. Wissenschaftliche Positionen Georg Friedrich Puchta: Begriffsjurisprudenz und die Genealogie der Begriffe.

B. “Cursus der Institutionen” - eine auszugsweise und kurze Zusammenfassung

C. “Cursus der Institutionen” - eine Interpretation
I. Der Rechtsbegriff des Autors
II. Entstehung von Recht, verschiedene Ansätze hierzu und die Verhältnisse der Ansätze zueinander
III. Aufgaben des Rechts
IV. Werte und politische Überzeugungen in Georg Friedrich Puchtas Rechtsauffassung
V. Wirtschaftspolitische Überzeugungen des Autors und Implikationen auf Staat und Recht
VI. Die Freiheit des Menschen

LITERATURVERZEICHNIS

BOHNERT, JOACHIM: Georg Friedrich Puchta. In: Zeitschrift der Savigny- Stiftung für Rechtsgeschichte; Band Nr. 96; Weimar 1979.

HAFERKAMP, HANS-PETER: Georg Friedrich Puchta und Begriffsjurisprudenz. In: Studien zur europäischen Rechtsgeschichte; Band 171; Frankfurt am Main 2004

HAFERKAMP, HANS-PETER: Recht als System bei Georg Friedrich Puchta. In: Forum Historiae Iuris, erste europäische Internetzeitschrift für Rechtsgeschichte; Schröder, Rainer et al. (Hrsg.); o. O. 2003. http://www.forhistiur.de/zitat/0311haferkamp.html

KLEINHEYER, GERD und SCHRÖDER, JAN: Deutsche und Europäische Juristen aus neun Jahrhunderten, eine biographische Einführung in die Geschichte der Rechtswissenschaft; 5. neu bearbeitete Auflage; Heidelberg 2008

LANDAU, PETER: Puchta und Aristoteles. In: Zeitschrift der Savigny Stiftung für Rechtsgeschichte; 109. Band; Köln, Wien, Weimar 1992

LARENZ, KARL: Methodenlehre der Rechtswissenschaft. In: Enzyklopädie der Rechtswissenschaft; Hrsg. W. Kunkel, H. Peters, E. Preiser; Berlin, Göttingen, Heidelberg 1960.

O. V. : Puchta, Georg Friedrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie; sechsundzwanzigster Band; Hrsg. Historische Kommission an der Königlich-Bayerischen Akademie der Wissenschaften; o. O. 1888.

O. V. : Puchta, Georg Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie; Hrsg. Hockerts, Hans Günter; Berlin 2001.

PUCHTA, GEORG-FRIEDRICH: Cursus der Institutionen; 9. Auflage nach dem Tod des Verfassers; 1. Band; Leipzig 1881

REUTER, FRIEDRICH: Die Erlanger Burschenschaft 1816-1833; Erlangen 1896 (aus dem Archiv der Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung e.V., Koblenz)

SCHMID, STEFAN: Freiheit als Keim des Rechts. In: Die praktische Philosophie Schellings und die gegenwärtige Rechtsphilosophie; Stuttgart, Bad Cannstatt 1989

SCHMOECKEL, MATHIAS: Auf der Suche nach der verlorenen Ordnung, 2000 Jahre Recht in Europa - Ein Ü berblick; Köln, Weimar, Wien 2005

WILHELM, WALTER: Zur juristischen Methodenlehre im 19. Jahrhundert, Die Herkunft der Methode Paul Labands aus der Privatrechtswissenschaft;

Frankfurt am Main o. J.

A. Georg Friedrich Puchta

I. Biografie

Georg Friedrich Puchta wurde als ältester Sohn des Landrichters Wolfgang Heinrich Puchta am 31. August 1798 1 im fränkischen Cadolzburg bei Ansbach 2 geboren.

Von 1811 bis 1816 besuchte Puchta das Ägidengymnasium zu Nürnberg 3, wo zu der Zeit Georg Wilhelm Friedrich Hegel Rektor war und seinen Schülern die Philosophie vortrug. Die Lehren Hegels haben aber bei Puchta wenig Haftung gefunden 4. Im Jahr 1816 begann Puchta an der Universität Erlangen das Studium der Rechtswissenschaft. Nachdem er das Studium abgeschlossenen hatte, promovierte er 1820 mit der Dissertation “ de itinere, actu et via ” und habilitierte im noch im gleichen Jahr im römischen Recht 5.

Nach der Beendigung des Studiums unternahm Puchta eine Reise durch Deutschland - größtenteils zu Fuß 6 - und besuchte die Universitäten von Jena, Berlin, Göttingen, Bonn und Heidelberg. Auf jener Reise machte er die Bekanntschaft mit Persönlichkeiten wie dem Rechtsgelehrten Friedrich Carl von Savigny 7 8. 1823 erhielt Puchta einen Ruf als Romanist, also Rechtshistoriker der römischen Geschichtsquellen 9 nach Dorpat (heute Tartu, Estland), lehnte diesen jedoch ab, um eine außerordentliche Professur des Rechts in Erlangen im selben Jahr anzutreten. Seine Ehefrau Christiane, geb. Stahl heiratete Puchta 1824 wohl in Erlangen 10.

Dort begann er auch 1828 an der Arbeit seines wohl einflussreichsten Werkes “ Das Gewohnheitsrecht ” . Einen Ruf im Jahr 1828 nach München nahm er an 11. 1835 folgte ein Lehrauftrag in Marburg, wo Puchta am zweiten Band seines Gewohnheitsrechtes schrieb 12.

Dem schloss sich von 1837 bis 1842 eine Professur in Leipzig, dann in Berlin an, wo Puchta der Nachfolger von Carl von Savigny wurde. Ab 1841/1842 schrieb Georg Friedrich Puchta auch an seinem Werk “ Cursus der Institutionen ”13 14. Ab 1844 wurde Puchta Geheimer Obertribunal-Rat am Geheimen Obertribunal und im Jahre 1845 Mitglied des Staatsrates und der Gesetzgebungskommission von Preußen15.

Am 26. Dezember 1845 erkrankte Puchta und starb bereits am 8. Januar 1846 im Alter von 47 Jahren 16 in Folge einer Zirrhose17.

II. Historische Einordnung und Epoche

1798 wurde Georg Friedrich Puchta geboren - also neun Jahre nach dem Sturm auf die Bastille: so verwundert es nicht, dass er in der Phase des Vormärzes, zu der Europa einerseits aus jungen Republiken, andererseits aber sich dem Konstitutionalismus versperrenden Monarchien von Gottes Gnaden zu seiner Studienzeit in Erlangen um 1816 in einer umstürzlerischen Burschenschaft (in der [...] der Bubenreuther zu Erlangen 18 ) korporiert war. 19. Allgemein galten die Universitäten und insbesondere die Studentenschaft als nachrückende Generation zu der Zeit als radikal, das heißt nach Demokratie strebend 20.

Zur Zeit von Puchtas wissenschaftlichem Schaffen jedoch, hatten sich die Machtverhältnisse endgültig mit dem Fall Napoleons 1815 zugunsten der restaurativen, feudalen Kräfte stabilisiert21.

III. Wissenschaftliche Positionen des Autors

Zunächst attestiert BOHNERT in seinem Aufsatz in der Zeitschrift der Savigny Stiftung Georg Friedrich Puchta einen gewissen Gesinnungsopportunismus und arbiträre wissenschaftliche Positionen: war Puchta zwar einerseits korporiert in einer Burschenschaft 22 - zu jener Zeit aber auf keinen Fall Ausdruck einer konservativen, sondern eher gegenmonarchischen Gesinnung - so machte es ihm aber andererseits wenig Schwierigkeiten sich den politischen Rahmenbedingungen staatlicher Universitäten anzupassen und der herrschenden juristischen Meinung anzuschließen. Puchta stand während seiner Studienzeit in Erlangen unter polizeilicher Aufsicht wegen “ demagogischer Umtriebe ”, seine Zulassung zur Promotion wurde lediglich mit Befremden seitens des zuständigen Staatsministeriums hingenommen: Georg Friedrich Puchta galt 1821, im Jahr seiner Promotion als “ politisch unzuverlässig ”23. Nichtsdestotrotz gelang es Puchta, indem er wissenschaftlich an Savigny anschloss - beide sind wichtige Vertreter der historischen Rechtsschule 24, also der Auffassung, dass Recht keine willkürliche Aufstellung von Geboten durch einen Gesetzgebungskörper, sondern gewissermaßen natürlich aus der Seele und den Erfahrungen des Volkes gewachsen ist 25, welche sich wiederum in den Juristen konzentrieren26 27 - recht zügig zu wissenschaftlichem Ansehen zu gelangen sowie bereits als junger Absolvent mehrere Rufe an deutsche Universitäten zu erhalten 28. Als einer der bedeutendsten Pandektisten bereitete er das in Deutschland als Gewohnheitsrecht rezipierte römische Recht so auf, dass er daraus abstrakte Rechtssätze und Rechtsbegriffe extrahierte, sie systematisch strukturierte und somit letztendlich mit die Grundlage für die Schaffung des Bürgerlichen Gesetzbuches von 1900 schuf.

Puchta gilt zudem als Begründer der Begriffsjurisprudenz 29, also einem in sich geschlossenen System, in dem man mit Hilfe eines deduktiven Schlusses sämtliche Antworten auf rechtliche Fragen finden kann 30. Das bis dahin relativ frei aus dem römischen Recht und Volkswillen entlehnte und allgemein praktizierte Gewohnheitsrecht sollte in geometrischer, exakter Form, gewissermaßen einer Pyramide 31 ähnelnd in ein System überführt werden, mit dem man eben jene klaren und deduktiven Schlüsse ziehen kann: “ Das Ideal des logischen Systems ist vollendet, wenn an der Spitze [der Pyramide] ein allgemeinster Begriff steht, unter dem sich alleübrigen Begriffe, also solche von Arten und Unterarten, subsumieren lassen, zu dem man also von jedem Punkte der Basis aus, durch eine Reihe von Mittelgliedern, im Wege jeweils der Weglassung des Besonderen aufsteigen kann ”32.

So gelten für einen niedriger stehenden Begriff nach Puchta zwangsläufig die gleichen Aussagen, die über den höher stehenden getroffen wurden33 - die Essenz der Genealogie der Begriffe.

[...]


1 O. V. : Puchta, Georg Friedrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie, sechsundzwanzigster Band, Historische Kommission an der Königlich-Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Hrsg.); o. O. 1888; S. 685, Z. 11-13, 18

2 BOHNERT, JOACHIM: Georg Friedrich Puchta. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Band Nr. 96; Weimar 1979; S. 230, Z. 14

3 BOHNERT, JOACHIM: Georg Friedrich Puchta; S. 231, Z. 7-8

4 Puchta, Georg Friedrich; HISTORISCHE KOMMISSION (Hrsg.); S. 685, Z. 20-24

5 Puchta, Georg Friedrich; HISTORISCHE KOMMISSION (Hrsg.); S. 685, Z. 26-27, 34-37

6 BOHNERT, JOACHIM: Georg Friedrich Puchta; S. 232, Z. 9

7 Puchta, Georg Friedrich; HISTORISCHE KOMMISSION (Hrsg.); S. 685, Z. 37-39

8 Puchta, Georg Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie, HOCKERTS, HANS GÜNTER (Hrsg.), Berlin 2001; S. 757, Z. 24

9 SCHMOECKEL, MATHIAS: Auf der Suche nach der verlorenen Ordnung, 2000 Jahre Recht in Europa - Ein Überblick; Köln, Weimar, Wien 2005; S. 369, Z. 20-24

10 O.V.: Puchta, Georg Friedrich; HOCKERTS, HANS GÜNTER (Hrsg.); S. 757, Z. 15 1

11 O.V.: Puchta, Georg Friedrich; HISTORISCHE KOMMISSION (Hrsg.); S. 685, Z. 44-48

12 O.V.: Puchta, Georg Friedrich; HISTORISCHE KOMMISSION (Hrsg.); S. 686, Z. 3-6

13 O.V.: Puchta, Georg Friedrich; HISTORISCHE KOMMISSION (Hrsg.); S. 685, Z. 12-14, 39

14 BOHNERT, JOACHIM: Georg Friedrich Puchta; S. 229, Z. 1-2

15 O.V.: Puchta, Georg Friedrich; HISTORISCHE KOMMISSION (Hrsg.); Seite 686, Z. 14-17

16 O.V.: Puchta, Georg Friedrich; HISTORISCHE KOMMISSION (Hrsg.); Seite 686, Z. 18-20

17 BOHNERT, JOACHIM: Georg Friedrich Puchta; S. 230, Z. 12

18 REUTER, FRIEDRICH: Die Erlanger Burschenschaft 1816-1833; Erlangen 1896 (aus dem Archiv der Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung e.V., Koblenz)

19 BOHNERT, JOACHIM: Georg Friedrich Puchta; S. 231, Z. 19 2

20 BOHNERT, JOACHIM: Georg Friedrich Puchta; S. 230, Z. 17-18

21 WILHELM, WALTER: Zur juristischen Methodenlehre im 19. Jahrhundert; Frankfurt am Main o. J.; S. 71, Z. 26-29

22 BOHNERT, JOACHIM: Georg Friedrich Puchta; S. 230, Z. 12

23 BOHNERT, JOACHIM: Georg Friedrich Puchta; S. 231, Z. 17-23

24 KLEINHEYER, GERD und SCHRÖDER, JAN: Deutsche und Europäische Juristen aus neun Jahrhunderten, eine biographische Einführung in die Geschichte der Rechtswissenschaft; 5. neu bearbeitete Auflage; Heidelberg 2008; S. 341, Z.28

25 WILHELM, WALTER: Zur juristischen Methodenlehre im 19. Jahrhundert; S. 76, Z. 9-14

26 WILHELM, WALTER: Zur juristischen Methodenlehre im 19. Jahrhundert; S. 76, Z. 13

27 SCHMOECKEL, MATHIAS: Auf der Suche nach der verlorenen Ordnung ... ; S. 369, Z. 1-5

28 KLEINHEYER, GERD und SCHRÖDER, JAN: Deutsche und Europäische Juristen aus neun Jahrhunderten; S. 341, Z. 13-15

29 KLEINHEYER, GERD und SCHRÖDER, JAN: Deutsche und Europäische Juristen aus neun Jahrhunderten; S. 341, Z. 16

30 LARENZ, KARL: Methodenlehre der Rechtswissenschaft. In: Enzyklopädie der Rechtswissenschaft; Hrsg. W. Kunkel, H. Peters, E. Preiser; Berlin, Göttingen, Heidelberg 1960; S. 17, Z. 1-4

31 HAFERKAMP, HANS-PETER: Recht als System bei Georg Friedrich Puchta. In: Forum Historiae Iuris, erste europäische Internetzeitschrift für Rechtsgeschichte; Schröder, Rainer et al. (Hrsg.); o. O. 2003; S. 2, Z. 4

32 LARENZ, KARL: Methodenlehre der Rechtswissenschaft; S. 18, Z. 9-14

33 LARENZ, KARL: Methodenlehre der Rechtswissenschaft; S. 19 Z. 34-37, S. 20 Z. 1-2 4

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Eine Interpretation von Georg Friedrich Puchtas "Cursus der Institutionen"
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
10 Punkte
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V173492
ISBN (eBook)
9783640937035
ISBN (Buch)
9783640937226
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Georg Friedrich Puchta, Cursus der Institutionen, Deutsche Rechtsgeschichte, Schmoeckl
Arbeit zitieren
Jan Fell (Autor), 2011, Eine Interpretation von Georg Friedrich Puchtas "Cursus der Institutionen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173492

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