Barbie. Eine kulturelle Ikone mit gesellschaftlicher Bedeutung


Hausarbeit, 2000
24 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1: Einleitung

Kapitel 2: Making of an Icon

Kapitel 3: Barbies Geschichte

Kapitel 4: Barbies Welt
4.1 Weiblichkeit
4.2 Sex
4.3 Rasse

Kapitel 5: Barbie und Konsum

Kapitel 6: Zusammenfassung und Beurteilung

Literaturverzeichnis:

Kapitel 1 Einleitung

Darf ich vorstellen? Barbara Millicent Rogers. Ihre Freunde nennen sie Barbie. Geboren 1959 und seit dem keinen Tag gealtert.

Sie ist groß, blond, hat riesige, blaue Augen, ist schlank, hat Beine bis zum Himmel und sie ist eine Puppe von 29 Zentimeter. Schade, sagen jetzt viele Männer, die hätte ich schon genommen.

Aber Barbie hat mehr zu bieten als nur gutes Aussehen:

Barbie ist eine kulturelle Ikone. Was dies bedeutet und warum gerade Barbie zu einer geworden ist, soll in dieser Arbeit gezeigt werden.

Kultur ist der konstante Prozess, unserer sozialen Erfahrung Bedeutungen zuzuschreiben und aus ihr Bedeutungen zu produzieren, und solche Bedeutungen zu schaffen notwendigerweise eine soziale Identität für die Betroffenen.“ (Fiske 2000:14) schreibt Fiske. Im Folgenden soll - natürlich exemplarisch - gezeigt werden, inwiefern Barbie als kulturelles Objekt eine Bedeutung angenommen hat und es soll auch erläutert werden, dass diese Bedeutung nicht einheitlich ist, sondern je nach Anhänger- bzw. Kritikergruppe variiert.

Es wird sich zeigen, dass Barbie nicht nur ein Kinderspielzeug ist, sondern entgegen der Vermutung vieler, die Barbie nur als solches kennen, auch etwas mit der Weiblichkeit an sich, Sexualität - obwohl Spielzeuge dies eigentlich tunlichst vermeiden sollte - und Rasse zu tun hat.

Fiske beschreibt Popularkultur als eine Kultur des Konflikts, die immer auch einen Kampf beinhaltet und soziale Bedeutungen erzeugen will (Fiske 2000), das heißt wenn Barbie dieser Kultur angehören möchte, und das tut sie wie sich im Folgenden zeigen wird, muss sie auch einen Kampf führen. Wie aber sieht dieser Kampf aus und was kann eine 29Zentimeter große Plastikdame schon ausrichten?

Um die verschiedenen Bedeutungen Barbies erläutern zu können, muss zunächst einmal beschrieben werden, wie eine Ikone entsteht und wie Barbie dazu kommt, eine solche zu sein. Dieses „Making of an Icon“ wird im nächsten Kapitel beschrieben. In Kapitel 3 wird Barbies Geschichte von ihrer Geburt an bis heute ausführlich dargestellt, damit auch Nichtkenner sich ein Bild von ihr machen können und ihre tatsächliche Popularität überblicken können. Schließlich brauchen sogar Sammler Kataloge, um den Überblick über Barbies Welt zu haben oder vielleicht eher den Durchblick sicher zu stellen.

Daran anschließend soll in Kapitel 4 ein Einblick in das Bedeutungsspektrum, das Barbie Interpreten und Kritikern bietet, gegeben werden. Anhand der Themen Weiblichkeit, Sexualität und Rasse soll gezeigt werden, wie unterschiedlich eine Ikone wahrgenommen wird, wie sie einerseits als Errungenschaft gefeiert und andererseits als Gefahr verteufelt wird.

In einem weiteren Kapitel wird schließlich das Thema Konsum behandelt, das, wie schon in Kapitel 2 deutlich werden wird, eng mit Barbie als Konsumobjekt, aber auch mit Barbie als Konsumentin verbunden ist. Wie sich zeigen wird, weist Barbie sogar über sich hinaus auf grundsätzlich gesellschaftliche Phänomene hin, die aber nicht unabhängig von Barbie vertieft werden. Am Schluss steht eine kurze Zusammenfassung mit kritischen Bemerkungen zu den von verschiedenen Interpreten gelieferten Bedeutungsansätzen. Letztlich muss der Leser sich seine Meinung zu der kleinen Plastikikone aber selbst bilden, da sich die dargestellten Ansätze nicht zu einem Gesamtbild zusammenfügen lassen, was Fiskes Ansicht über die Popkultur schließlich stützt.

Kapitel 2 Making of an Icon

Um die Barbie Kultur zu verstehen, muss man zunächst einmal verstehen, was eine Ikone ist und wie sie entsteht.

Was also ist eine Ikone und was macht gerade Barbie zu einer solchen?

Rogers beschreibt eine Ikone als kulturelles Objekt, das Werte, Glauben und Normen einer Gesellschaft beinhaltet. Sie sagt: „A cultural icon gets enmeshed in people’s everyday life and social relations” und erklärt weiterhin, dieses Objekt sei nicht länger nur eine Idee der Gesellschaft. (Rogers 1999:6) Rogers sieht also ein Icon als einen Teil der Gesellschaft mit einem festen Platz im alltäglichen Leben ihrer Mitglieder.

Wie aber kann ein Produkt, wie in unserem Fall Barbie, eine solche Bedeutung gewinnen?

Rogers beantwortet diese Frage anhand unseres Sprachgebrauchs. So übernehmen Ikonen ein eigenes Leben. Sie sind nicht länger unbelebte Gegenstände, sondern schaffen sich eine eigene Geschichte und eine eigene Welt. Im englischen Sprachgebrauch bedeutet dies laut Rogers, „that it becomes difficult to referto them with neuter pronouns reserved in English for mere objects. The Statue of Liberty becomes Lady Liberty, just as Barbie becomes „she“ instead of „it“. (Rogers 1999:4) Ikonen werden durch die Erfahrungen, Erinnerungen und Fantasien von vielen Individuen belebt. Die Summe dieser, dem Objekt zugeschriebenen, Eigenschaften schafft seinen Charakter und die ihm zugeschriebenen Fähigkeiten seine Welt und sein vermeintliches handeln.

Nicht zuletzt wird diese Welt aber auch von den Herstellern des Objekts, in diesem Fall von Mattel, geprägt und die Fantasien des Einzelnen gelenkt. So kann Barbie beispielsweise nicht verheiratet sein, solange Mattel ihr keinen Ehemann zur Seite stellt.

Warum aber wurde gerade Barbie eine Ikone?

Wie kommt es, dass in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein Satz zu lesen ist, wie: „Barbie lebt, und die Träume vom Sieg der Schönheit und der Wahrheit unserer Kultur waren nicht umsonst.“? (FAZ 1995)

„Die Firma Mattel sieht den Grund für den großen anhaltenden Erfolg Barbies darin, dass sie optisch immer im Trend der Zeit lag.“ (Götze 1999) Tatsächlich wurde Barbies Aussehen immer den Gegebenheiten der jeweiligen Zeit angepasst. So wurde im Laufe der Zeit ihr Augenabstand vergrößert, ihr Mund zu einem Lächeln geformt und wieder geschlossen, ihre Taille verbreitert und ihr Brustumfang verkleinert.

Weiterhin macht aber auch Barbies ständige Präsenz im Zusammenhang mit anderen aus dem alltäglichen Leben nicht wegzudenkenden Marken ihren Kultstatus aus. So tritt sie zum Beispiel gemeinsam mit Coca-Cola, Pepsi, Mc Donald’s, Pizza Hut und Disney World auf.

Barbie ist nicht einfach nur eine Puppe, mit der Mädchen sich im Alter zwischen drei und zehn Jahren ihre Zeit vertreiben. Sie hat auch eine Vielzahl erwachsener Anhänger, die sich in zahlreichen Fanclubs organisieren. Die größte Zahl erwachsener Fans bilden aber die Sammler. Das Barbie Magazin „Barbie Bazaar“, ein Forum für Fans aus aller Welt, hat über 20.000 Abonnenten in 25 Ländern, (Rogers 1999:5) was aufgrund der Tatsache, dass Barbie in 140 Ländern vermarktet wird schon fast wenig erscheint.

Eine kulturelle Ikone wird folglich auch durch die Anzahl ihrer Anhänger geprägt. Erst viele Anhänger beleben ein Kultobjekt.

Letztlich erlangt Barbie aber ihren Kultstatus durch ihre vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten. So gilt sie beispielsweise einerseits als emanzipiert und dient als Vorbild im Kampf gegen das Patriarchat, andererseits aber kritisieren Feministinnen Barbie als Abbildung aller Vorurteile, die Frauen in ihrer Geschichte jemals entgegengebracht wurden. Ähnlich verhält es sich in allen Bedeutungsbereichen, die man in Barbie hineininterpretieren kann. Wahrscheinlich ist es auch die Kontroverse, die vielen Ikonen zu Eigen ist und ihre Beliebtheit unterstützt, da diese öffentliches Interesse weckt und den Bekanntheitsgrad erhöht.

Barbie soll wie bereits erwähnt, exemplarisch für andere Ikonen dargestellt werden. Um sie verstehen zu können, sollen, nachdem ihre Geschichte dargestellt wurde, ihre vielfältigen Bedeutungen und Kritikpunkte näher betrachtet werden.

Kapitel 3 Barbies Geschichte

Barbie ist die wohl bekannteste Puppe der Welt. Nicht umsonst! Bislang wurde sie schon über eine Milliarde Mal gekauft. Die Verkaufszahlen steigen stetig an, bis 1985 waren erst 250 Millionen Barbies verkauft worden. (Hogel 1994)

Wer aber kam auf diese geldbringende Idee?

Ruth Handler, die mit ihrem Mann und einem Freund der Familie 1944 die Firma Mattel[1] gründete, traf eher zufällig auf Barbie. Diese hieß 1956, als Ruth Handler sie in der Schweiz entdeckte, noch Lilli und war die Puppe zu der Comic-Figur Lilli, die Reinhard Beuthien seit 1952 für die Bild-Zeitung zeichnete. Die Hartplastikpuppe im Pin-up Format war als Herren-Partygag gedacht und wurde mit dem Slogan: „Wer mit Liebe schenkt - an Lilli denkt“ vermarktet. (Cosack 1999) Ruth Handler sah aber einen anderen Absatzmarkt: Ihre Tochter war begeistert von der Puppe, die eine willkommene Abwechslung zu den bis dato ausschließlich vorhandenen Babypuppen bildete. Schließlich erwarb sie die Rechte an Lilli und verwandelte sie in Barbie, benannt nach ihrer Tochter Barbara. Proportionen und Form der beiden Puppen waren identisch, lediglich Make-up und Gesichtsform wurden verändert. So wirkte die am 09. März 1959 auf der Spielwarenmesse in New York erstmals präsentierte Barbie etwas modischer als ihr Vorbild. Sie wurde als „Shapely Teenage-Fashion-Model“ angepriesen und machte somit schon damals klar, dass sie nicht vor hatte, sich an das gemeine Frauenbild anzupassen. Das Original kostete drei Dollar und ist heute über 10 Tausend Dollar wert. (Kaiser 1999) Sie „trug einen Badeanzug aus schwarz-weiß gestreiftem Jersey, vergoldete Kreolen und – natürlich - hochhackige Sandaletten.“ (Cosack 1999) Schon die erste Barbie legte also ihr Hauptaugenmerk auf Mode.

Obwohl Barbie die ersten beiden Jahre ein Ladenhüter war, ist ihr Erfolg seit dem unaufhaltsam. Heute wird alle zwei Sekunden auf der Welt eine Barbie verkauft, das heißt, es sind 54 Tausend am Tag und 20 Millionen in einem Jahr.

Laut Mattel ist dieser Erfolg in der ständigen Veränderung und Anpassung des Produkts begründet. So war Barbie beispielweise Hippie, Astronautin, Sekretärin oder Zahnärztin und änderte ihre Frisuren, Haarfarben und nicht zuletzt in der Nativ American, Hispanic und schwarzen Version sogar mehrmals ihre Hautfarbe. Aber auch ihr Körper unterlag dem ständigen Wandel. Barbie wurde immer beweglicher, ihr Augenabstand wurde in den 60ern vergrößert und ihr anfänglicher Schmollmund wurde Ende der 70er zu einem offenen Lächeln, das aber zu dümmlich wirkte und in den 90ern in ein geschlossenes verwandelt wurde. (Cosack 1999) Ihre letzte entscheidende Veränderung erfuhr Barbie 1997: Ihr Brustumfang wie auch die Nase wurden verkleinert und ihre Hüfte schlanker, die Taille hingegen breiter. Man kam somit endlich den langjährigen Forderungen von zahlreichen Kritikern entgegen. Dies bedeutet aber nicht, dass diese letztlich gewinnen werden, da Gegenkampagnen mit pummeligen Barbies bereits gescheitert sind. (Götze 1999) Selbst die Barbie Imitate Steffi und Petra, die ihrem Vorbild fast bis aufs Kleinste gleichen, konnten dem Original nie Konkurrenz machen. (Hogel 1994)

Barbie hat eben eine eigene Welt und diese ist im Laufe ihrer Geschichte auch erstaunlich gewachsen. Anfangs auf sich alleine gestellt bekam Barbie 1961 einen Freund zur Seite gestellt, Ken, benannt nach dem Sohn der Familie Handler. Ken folgte 1963 Barbies erste Freundin Midge. Aber die drei sollten nicht lange alleine bleiben. Um das Ausmaß zu schildern, dass die Barbie Welt mittlerweile erreicht hat, seien an dieser Stelle hoffentlich alle ihre Errungenschaften einmal aufgezählt: 27 Freunde, 4 Geschwister, 2 Cousinen

(Praschl, Schwan 1994), 13 Pferde, 3 Katzen und Kätzchen, 5 Hunde und Welpen – wobei es allein zu einem Hund 15 verschiedene Teile an Zubehör gibt -, 1 tropischer Vogel, 1 Zebra, 1 Giraffe, 6 Autos, 1 Bus, 1 Fahrrad und 1 Roller, hinzu kommen etliche Häuser und Einrichtungsgegenstände, sowie einzelne Räume eines Hauses. (Rogers 1999:66/67)

Doch Barbie lebt von den Kleidungsstücken und Accessoires, die ihr in Unmengen zugedacht sind, denn das häufigste Barbiespiel beschränkt sich auf Einkleiden und Kämmen der Puppe. Jedes Jahr entstehen 150 neue Outfits, allein im ersten Jahr hatte Barbie schon 21 Kombinationen. Den Rekord hält das Brautkleid in verschiedenen Versionen: Es wurde mehr als 500 Millionen Mal verkauft und das, obwohl Barbie in nunmehr 41 Jahren nie geheiratet hat. (Cosack 1999) Selbst die ganz Großen der Mode, wie z.B. Karl Lagerfeld, Yves Saint Laurent und Guy Laroche designten für sie. (Günther 1994)

Erstaunlich ist, wie fortschrittlich Barbie immer gewesen ist: Sie war Astronautin, bevor Armstrong einen Fuß auf den Mond gesetzt hatte und sie war Präsidentin, bevor dies jemals eine Frau geschafft hat. (Kaiser 1999)

Schließlich hat Barbie auch den Sprung in das Zeitalter der Technologie und der neuen Medien geschafft. 1996 wurde Barbie virtuell, Mattel präsentierte die ersten drei CD-ROMs von Barbie. Aber nicht nur Barbie, sondern auch ihre Kleidung und ihr Make-up wurden auf CD-ROM transferiert. Nun können Barbie Fans bzw. Kinder auch anhand ihres Lieblingsspielzeugs den Umgang mit dem PC lernen und die Absatzzahlen des Produzenten[2] steigen. Laut Doug Glen, dem Präsidenten der Firma, wurden allein 1996 in 20 Millionen Haushalten die CD-ROMS installiert, auf denen Barbie wahlweise auf französisch, englisch, spanisch, deutsch oder italienisch zu hören ist. (Parkes 1996)

Wie jeder, der in der heutigen Zeit etwas auf sich hält, besitzt natürlich auch Barbie eine eigene Webseite. Unter www.Barbie.com kann jeder Fan sich seine eigene Barbie erschaffen.

Wahrscheinlich hat kein existierendes Spielzeug eine größere und realere Welt als Barbie. Nicht zuletzt trägt auch dies dazu bei, dass sie von vielen als reale Person gesehen wird.

Zu ihrer Geschichte bleibt nur noch zu sagen, dass die beiden Frauen, die Barbie berühmt gemacht haben, ihre Welt mittlerweile verlassen haben.

Ruth Handler, Barbies leibliche Mutter, ist mittlerweile 84 Jahre alt und hat den Mattel-Konzern, dem sie durch ihre Erfindung zu seiner heutigen Größe verholfen hat, längst verlassen und eine zweite Firma ins Leben gerufen: „Nearly Me“ stellt Brustprothesen her. In gewisser Weise steht dies auch in einem Zusammenhang mit dem, was Barbie symbolisiert, aber Kritiker würden eine solche Ausführung wahrscheinlich in der Luft zerreißen.

2000 schließlich verließ die zweite reale Frau Barbies Welt. Die 43-jährige Jill Barad, hatte seit 1981 die Verantwortung für Barbie übernommen und war eine ebenso schillernde Persönlichkeit wie ihr Schützling. Sie trat aufgrund von Verlustgeschäften[3] von ihrem Posten als Mattel-Chefin zurück, obwohl die Absatzzahlen Barbies weiter steigen und sie maßgeblich dafür verantwortlich war. (Berliner Morgenpost 2000) Tatsächlich gibt es auch ein Leben ohne Barbie.

Fast ist Barbie eine reale Persönlichkeit. Sie hat zumindest alles, was man dazu braucht. Sogar einen vollständigen Namen: Barbara Millicent Roberts, warum auch immer gerade diesen.

Kapitel 4: Barbies Welt

4.1 Weiblichkeit

Mattel beschreibt Barbie in der Werbung mit Adjektiven wie bewundernswert, atemberaubend, charmant, chic, delikat, dramatisch, elegant, exquisit, modisch, ergreifend, glamourös, schillernd, liebenswert und romantisch. (Rogers 1999:11) Rogers schreibt diese Attribute ebenso der modernen Frau aus der Mittelklasse zu. Sie beschreiben eine junge, heterosexuelle, weiße Frau. Nicht zuletzt wünschen sich wahrscheinlich viele Frauen mit solchen Komplimenten belegt zu werden.

Aber könnte Barbie tatsächlich eine reale Frau sein?

Weiblichkeit und somit das durch Barbie vermittelte Frauenbild sind die im Zusammenhang mit Barbie wohl am häufigsten diskutierten Themen. Hier ist Barbie jedoch nicht alleine, da sie sich in bester Gesellschaft mit Madonna und anderen Pop- und Filmstars befindet, die sich ähnlicher Kritik stellen müssen.

Das wohl auffälligste an Barbie, betrachtet man sie als Frau, ist ihre Figur. Angeblich ist Barbie nach dem Vorbild mehrer populärer Schönheiten kreiert worden. In ihr vereinen sich die Beine von Esther Williams, die Brüste Gina Lollobrigidas und der Mund von Brigitte Bardots, laut FAZ Bericht radikal in Form von Plastik. (FAZ 1999)

Die 29 Zentimeter große Puppe hätte real ca. eine Größe von 1,80 m und damit einen Brustumfang von 101 Zentimeter, einen Taillenumfang von 48 Zentimeter und einen Hüftumfang von 90 Zentimeter. Findige Statistiker haben ausgerechnet, dass Barbie mit diesen Maßen unmöglich stehen könnte und zwangsläufig nach vorne fallen müsste. (FAZ 1997) Andere behaupten, ihre Taille würde das Gewicht der Brust nicht aufrecht halten können. Letztlich stellt sich bei solchen Rechenexempeln aber die Frage, ob sie überhaupt stimmen, da sogenannte Busenwunder immerhin auch stehen können. Die kleine Barbie ist nicht in der Lage zu stehen, was natürlich eindeutig an ihren deformierten Füßen liegt. Der Vorwurf einiger Kritiker, diese seien eine Verkaufstrategie Mattels, da Kinder so gezwungen seien, ihrem Spielzeug immer die passenden Pumps zu jedem Outfit zu kaufen, scheint dem Barbiekenner aber weit hergeholt, denn Barbie steht auch mit den höchsten Absätzen nicht. Wie jeder, der schon einmal eine in der Hand hatte, weiß, fällt sie immer nach vorne, auch mit ihrer mittlerweile verkleinerten Oberweite. Dies ist aber nicht das tatsächliche Problem an Barbies Figur. Vielmehr vermuten Kritiker, dass der Wunsch, so auszusehen wie Barbie, viele Mädchen schon in sehr jungen Jahren in den Diätenwahn und zur Magersucht treibt. So berichtet die Psychiaterin Carole Liebermann dem Wochenanzeiger: „Viele meiner Patienten, die unter Magersucht leiden, haben früher mit Barbie-Puppen gespielt und dabei die Phantasie entwickelt so aussehen zu wollen wie sie.“ (Günther 1999) Diese Aussage ist mit Sicherheit richtig, aber es bleibt fraglich, ob sie tatsächlich statistisch nachweisbar ist. Sieht man sich die anfangs bereits beschriebenen Verkaufszahlen Barbies an, wird man feststellen, dass annähernd jedes Mädchen der westlichen Kultur mit einer Barbie gespielt hat, wobei Magersucht aber nur einen geringen Teil der weiblichen Bevölkerung trifft. Anlässlich ähnlicher Befürchtungen fordert die amerikanische Feministin Sharon Shuster, „daß Barbie entweder zunehmen oder über eine gesunde Ernährung aufklären sollte. Ihre Kollegin Cathy Mereding schließlich fordert einen Warnaufkleber: Das Spielen mit dieser Puppe gefährdet Deine psychische Gesundheit! “ (Günther 1999)

[...]


[1] Der Firmenname setzt sich aus den Namen Elliot Handler und Harold Matson, genannt „Matt“ zusammen: Matt plus El(liot). (Rogers 1999:103)

[2] eine Tochter Mattels mit Namen „Mattel Media“

[3] Sie hatte die Learning Company übernommen, die Verluste von 206 Millionen Dollar Verlust in 1999 einfuhr.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Barbie. Eine kulturelle Ikone mit gesellschaftlicher Bedeutung
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Soziologie)
Veranstaltung
Einführung in die Kultursoziologie
Note
1,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
24
Katalognummer
V173570
ISBN (eBook)
9783640937608
ISBN (Buch)
9783656013181
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kultur, Barbie, Kultursoziologie, Ikone
Arbeit zitieren
Nicole Neuberger (Autor), 2000, Barbie. Eine kulturelle Ikone mit gesellschaftlicher Bedeutung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173570

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