Wandel der Berufsstrukturen und Berufsperspektiven von Angestellten im Zusammenhang mit der Einführung von EDV und Mikroelektronik


Seminararbeit, 2003
24 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Entwicklung der Angestellten

3. Kurze Einführung in die Studie

4. Die Berufsperspektiven
4.1. Die Polarisierungshypothese
4.2. Eine Kaltfront zieht herauf- die neue Situation für untere, nicht einschlägig qualifizierte Angestellte
4.3. Die Ruhe vor dem Sturm- die noch guten Zukunftsperspektiven für einschlägig qualifiziertes Fachpersonal

5. Neue Unternehmensstrategien: Aus- und Weiterbildung

6. Rückblick und Kritik

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Proseminar „Grundfragen und Ansätze der Arbeitssoziologie“ war mein erstes Proseminar einer speziellen Soziologie. Als Erstsemester war es für mich am Anfang etwas mühsam die Textauszüge, die wir behandelten, richtig zu verstehen. Dennoch, je länger ich mich mit der Arbeitssoziologie, in diesem Fall der Angestelltensoziologie, befasste, desto mehr weckte sie mein Interesse.

Ich hatte Gelegenheit während meines Nebenjobs als Sekretariatsaushilfe die Arbeit und Mentalität von Angestellten auch in der Realität näher kennen zu lernen. Dabei hat das Proseminar mir sehr viele neue Ansätze vermittelt.

Da ich aus einer Generation komme, die mit Computern und Internet quasi aufgewachsen ist und sich diese Hilfsmittel aus ihrem Leben nicht wegdenken kann, war die Studie von Baethge/ Oberbeck zu Beginn etwas ungewöhnlich. Ich konnte mir kaum ein Büro ohne technische Geräte, ohne Fax, Computer, Kopierer und sogar Internet, vorstellen. Deshalb war die Studie schon allein unter diesem Aspekt interessant, zu erfahren, wie die Arbeit früher war und wie sie sich in den letzten, jetzt schon gut 20 Jahren, verändert hat.

In meiner Hausarbeit „Wandel der Berufsstrukturen und Berufsperspektiven von Angestellten im Zusammenhang mit der Einführung von EDV und Mirkoelektronik“ gehe ich nicht so sehr auf die technische Seite der EDV ein, sondern eher auf die konkreten Aspekte der Veränderungen für Angestellte selbst. Interessant war vor allem für mich das emotionale Empfinden von Angestellten, die mit diesen neuen und unbekannten Geräten und Systemen konfrontiert wurden.

Zuerst gehe ich in Kapitel 2 sowohl auf das Selbstverständnis und Selbstbild von Angestellten als auch auf ihre Wirkungsweise nach außen hin ein. Des Weiteren erläutere ich in Kapitel 3 kurz den Inhalt der Studie. Dies beinhaltet eine Kurzbeschreibung der Autoren, der Erhebungsmethoden, des Ziels und des Hintergrunds. In Kapitel 4 befasse ich mich hauptsächlich mit einer großen Hypothese der Autoren, der Polarisierungshypothese. Anschließend beleuchte ich in Kapitel 5 noch die neuen Trends der Unternehmensstrategien. Beenden werde ich meine Hausarbeit damit, rückblickend aus heutiger Sicht, gut 20 Jahre nach Erscheinen der Studie, mit Lob und oder Kritik für die Zukunftsprognosen von Baethge/ Oberbeck.

2. Historische Entwicklung der Angestellten

Witze über Beamte- also Angestellte des Staates- gibt es seit langer Zeit und sie erfreuen sich großer Beliebtheit. Man mokiert und ärgert sich über gewisse Privilegien, die diese Berufsgruppe gegenüber Anderen hat, z.B. ein relativ freies Zeitmanagement und die Zahlung des Gehalts bereits am 15. des Monats, also im Voraus.

Aber warum haben Angestellte bis heute einen höheren sozialen Stellenwert als z.B. Beschäftige in der Produktion?

Angestellte waren, seit sich diese Berufsgruppe begann gegen Mitte des 19. Jahrhunderts hervorzuheben, schon immer besser bezahlt und besser qualifiziert. Sie sahen sich von Anfang an eher dem Bürgertum als dem Proletariat verbunden. Dies hatte vor allem damit zu tun, dass sie geistige Arbeit leisteten und sich die Finger nicht schmutzig machten. Sie unterschieden sich außerdem in „Herkunft, Vorbildung, Kleidung und Lebensgewohnheiten“[1]

vom Proletariat. Keinesfalls konnten sie aber vollständig mit dem Bürgertum verschmelzen, auch wenn sie mit diesem in „Konservativismus und Sicherung ihrer Situation“ übereinstimmten. Daher bildete sich mit der Entstehung von Angestellten eine neue, wenn auch nicht homogene Schicht, die sich zwischen Proletariat und Bürgertum einordnen lässt. Dieser Prozess bewirkte allerdings kein übermäßiges Zusammengehörigkeitsgefühl, was neben der politischen Orientierung den mangelnden Zusammenschluss dieser Berufsgruppe in Gewerkschaftsverbände erklärt. Zu Beginn fand man Angestellte hauptsächlich im öffentlichen Bereich. Mit der „Bürokratisierung und Hierarchisierung“ der Betriebe jedoch, weiteten sie sich auch in den Industriebetrieben aus und wurde nach und nach zu einer Großgruppe. Aufgrund dieser Ausbreitung wuchs auch die Bedeutung an Expertenwissen, was Angestellte in der funktionalen Hierarchie nach oben hub und ihnen immer mehr Autorität im Rahmen ihres Amtes verlieh. Diese neu entstandenen Karrieremöglichkeiten riefen bei den Angestellten ein zusätzliches Statusbewusstsein hervor, zogen jedoch auch eine starke vertikale Differenzierung dieser Berufsgruppe nach sich. Je mehr sich die Schicht der Angestellten ausweitete, desto mehr war ein Polarisierungsprozess zu erkennen. Auf der einen Seite standen Beschäftigte im privaten und öffentlichen Bereich, bezeichnet als Dienstklasse, die noch weiter nach oben stiegen und somit eine noch günstigere Soziallage erhielten. Auf der anderen Seite waren die Büro- und Handelsangestellten zu finden, deren Arbeitsbedingungen sich immer mehr denen von Arbeitern anglichen. Sie hielten jedoch an der aus „traditionellen Differenzen begründeten Illusion des höheren Status“ im Gegensatz zu Arbeitern fest. Bereits nach dem zweiten Weltkrieg und insbesondere nach den 50er Jahren änderten sich im Allgemeinen die wirtschaftlichen, technischen und organisatorischen Grundlagen von Industriegesellschaften. Während im primären und sekundären Bereich die Beschäftigung stagnierte bzw. schon zurückging, stieg die Nachfrage im tertiären Sektor signifikant an. Damit erfuhr die bereits als Großgruppe bezeichnete Angestelltenschaft nochmals einen erheblichen Zuwachs. Je mehr Menschen sich zu dieser Berufsgruppe zählten, desto heterogener im Bezug auf Einkommen, Qualifikation und Arbeitssituation wurde sie.

Nach der Rationalisierung von Produktionsprozessen erfuhr auch die Büro- und Verwaltungsarbeit Arbeitsteilung. Dies beschnitt die Angestellten der unteren Ebene massiv und führte zu Verlust an sozialem Ansehen. Anfang und Mitte der 70er Jahre erwartete man mit Einführung der EDV und Mikroelektronik in Büros in der Angestelltenklasse einen noch tiefgreifendären Verlust an Ansehen und eine umfangreiche Abschaffung von Privilegien.

Diesem Sachverhalt widmeten sich Martin Baethge und Herbert Oberbeck in ihrer Studie

„Zukunft der Angestellten- Neue Technologien und berufliche Perspektiven in Büro und Verwaltung“.

Ob und in wie weit die Erwartungen an die Technisierung des Büros zutrafen oder nicht, soll nachfolgend erörtert werden.

3. Kurze Einführung in die Studie

Prof. Dr. Martin Baethge, heute Professor für Soziologie an der Universität Göttingen und Direktor des soziologischen Forschungsinstituts Göttingen, genannt SOFI, schreib zusammen mit Prof. Dr. Herbert Oberbeck, der heute an der Universität Braunschweig tätig ist, die Studie „Zukunft der Angestellten- Neue Technologien und berufliche Perspektiven in Büro und Verwaltung“. Sie erschien Ende 1985 beim Campus Verlag und hatte einen Erhebungszeitraum von 5-7 Jahren. Sie stand im Zentrum von mehreren empirischen Projekten, die während dieses Zeitraums im SOFI durchgeführt wurden.

Aus Sicht der Autoren war die Gruppe der Angestellten die am meisten dominierende für die Zukunft der Sozialstruktur. Das Verhalten dieser Gruppe als Mehrheit, so die Autoren, präge die Physiognomie der Gesellschaft am nachhaltigsten. Schwerpunkt der Studie war die Untersuchung der Veränderung der Beschäftigungsverhältnisse, welche durch den „Rationalisierungszugriff durch neue Technologien“ initiiert worden war. Baethge/Oberbeck wollten einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaftstheorie leisten, indem sie die Entwicklung der Arbeits- und Berufsstrukturen von Angestellten analysierten, die nachhaltig Einfluss auf die zukünftige Sozialstruktur haben würden.

Problematisch im Bezug auf die Untersuchungen, wurde der Prozess, der als systemische Rationalisierung bezeichnet wird. „Gegenstand systemischer Rationalisierung

ist die Optimierung der zeitlichen Wechselbeziehungen der mechanischen und informatorischen Schnittstellen zwischen den einzelnen Teilprozessen und deren steuernden und rückkoppelnden Verknüpfungen mit anderen Teilprozessen in der Verwaltung und in der Fertigung“ (ALTMAN 1986)[2]. Sie zeichnet sich durch einen zeitlich lang gestreckten Prozess aus, welcher kontinuierlich und nicht endlich ist. Sie ist nicht exakt planbar und daher auch nicht voraussehend beobachtbar. Außerdem zeichnet sie sich durch hohe Komplexität aus. Daher wurde für Baethge/Oberbeck die Planung, Erhebung und Interpretation eine herausfordernde Angelegenheit, die Platz für neue Methoden in der Sozialforschung schuf. Neben einer längeren Haupterhebungsphase, die sich zwischen 1979 und 1982 erstreckte, fanden bis zum Herbst 1984 weitere Kontrolluntersuchungen statt. Intensivuntersuchungen fanden in 3 Kommunalverwaltungen, 5 Industriebetrieben, 3 Kreditinstituten, 2 Versicherungen und 4 Einzel- und Großhandelsbetrieben, also insgesamt in 17 Betrieben statt.

Die Auswahl der Betriebe konzentrierte sich im Wesentlichen auf die hohe technologische Fortgeschrittenheit sowie der Betriebsart und -größe.

Die Durchführung der Erhebung erfolgte nach einem Multi-Methoden-Mix:

- Arbeitsplatzbeobachtung ( 92 Funktionsanalysen in den Abteilungen )
- Expertengespräche mit Vertretern des Managements und des Betriebsrats (291)
- Halbstandardisierte und offen gehaltene Interviews mit Sachbearbeitern(527).

Ausgewählt wurden Abteilungen, deren Mitarbeiter eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung besaßen- also qualifizierte Sachbearbeitertätigkeiten ausführten. Die Themen der Interviews wurden in genau formulierten Indikatoren und Leitfragen operationalisiert.

Baethge/Oberbeck bezeichnen ihr Vorgehen selbst als „Mehr-Ebenen-Analyse“, die keine wirkliche Cross-examination ist, wohl aber Elemente von ihr enthält. Die neue Analyseebene, die die Autoren einbezogen, waren die überbetrieblichen Interessenverbände und Gewerkschaften, die von ihnen befragt wurden. Bezüglich der Interpretation der Ergebnisse war das Ziel die Herausarbeitung von Entwicklungstendenzen neuer Technologien, die die betrieblichen Arbeitsverhältnisse beeinflussten. Kernstück der Empirie von Baethge/Oberbeck war nach eigenen Angaben jedoch die klassische ex-post Analyse mit Blick auf die Zukunft.

Die Studie umfasst die Herausarbeitung des Begriffs der systemischen Rationalisierung, die Ursachen und Verlaufsformen von Rationalisierungswellen in Dienstleistungsbereichen, die Veränderungen von Tätigkeitsstrukturen und Qualifikationsprofilen von Angestellten und, neben Zukunftsperspektiven für Politik und Wissenschaft,

den Wandel von Berufstrukturen und Berufsperspektiven von Angestellten .

Diesem Kapitel werde ich mich nun ausführlich widmen und versuchen die wichtigsten Kernaussagen und Hypothesen herauszuarbeiten.

4. Die Berufsperspektiven

4.1 Die Polarisierungshypothese

Mit der Expansion des tertiären Sektors seit Mitte der 50er Jahre eröffneten sich für die Angestellten- die Mehrheit der Beschäftigten in diesem Sektor- beispiellose neue Perspektiven. Die Karrieremöglichkeiten waren immens, vor allem für Männer, egal auf welcher hierarchischen Ebene. Die Möglichkeiten in der betrieblichen Struktur gefördert zu werden bestanden sowohl inner- als auch außerbetrieblich. Angestellte entwickelten ein hohes Loyalitätsbewusstsein gegenüber ihrem Unternehmen. Sie waren sich dennoch sehr wohl darüber bewusst, dass die Betriebe abhängig von ihrer Fachqualifikation waren, zumal eine wachsende Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt bestand. Bis zum Ende der 60er Jahre stieg die Anzahl von Beschäftigten kontinuierlich an, erst in den 70er Jahren zeichnete sich eine Stagnation- allen voran im Handel und in Versicherungen ab. Mit der Bedarfsverengung auf dem Arbeitsmarkt vollzogen sich bezüglich der Arbeitssituation für Angestellte erste Veränderungen. Zwar stieg die Gesamtzahl der Angestellten zufolge von Sonderauswertungen der Bundesanstalt für Arbeit im Zeitraum von 1976- 1982 noch immer leicht an- für Beschäftigte auf der unteren bis mittleren Ebene waren die Zahlen erstmals rückläufig. Dies gilt z.B. für Berufsbilder wie Schreib- und Bürohilfskräfte, Rechnungskaufleute, Kassierer, Sekretärinnen, Steno- und Datentypistinnen.[3]. Dem gegenüber stehen Berufe wie qualifizierte Kaufleute, Unternehmensberater, Organisatoren und Datenverarbeiter[4], die zunahmen. Für Baethge/ Oberbeck gibt es nur eine logische Schlussfolgerung für diese Entwicklung- Der erhöhte Einsatz von EDV Technik, zumal die Einführung von elektronischer Datenverarbeitung am frühesten in den Arbeitsbereichen von Rechnungskaufleuten und Kassierern stattfand. Die Autoren konstatierten außerdem, dass, abgesehen von konjunkturellen Schwankungen, die Nachfrage von frisch Ausgebildeten aufgrund von Rationalisierungsprozessen schwindet. Die zunehmenden Schwierigkeiten, mit denen hauptsächlich die weniger qualifizierten Angestellten zu kämpfen hatten, lassen sich auf Rationalisierungsprozesse zurückführen. Der Mythos der Nicht- Rationalisierbarkeit des dritten Sektors ist für die Autoren bezüglich ihrer Beobachtungen hinfällig. Neben der zweiten Trendlinie, der Weiterbildung, zeichnet sich im Angestelltenbereich ein klarer Polarisierungsprozess ab. Dies beinhaltet laut der Verfasser jedoch nicht automatisch, dass nach qualifiziertem Fachpersonal unbegrenzt Nachfrage bestehen wird.

[...]


[1] Alle Zitate dieses Kapitels nach Mikl-Horke

[2] Herrmann

Alle folgenden Zitate aus Baethge, Martin/ Oberbeck, Herbert

[3] Vergl. S. 303

[4] Vergl. S.303

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Wandel der Berufsstrukturen und Berufsperspektiven von Angestellten im Zusammenhang mit der Einführung von EDV und Mikroelektronik
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Soziologie)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
24
Katalognummer
V17374
ISBN (eBook)
9783638219624
Dateigröße
1067 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Anhand der Studie 'Zukunft der Angestellten' von M. Baethge und H. Oberbeck.
Schlagworte
Wandel, Berufsstrukturen, Berufsperspektiven, Angestellten, Zusammenhang, Einführung, Mikroelektronik, Proseminar
Arbeit zitieren
Christiane Stümke (Autor), 2003, Wandel der Berufsstrukturen und Berufsperspektiven von Angestellten im Zusammenhang mit der Einführung von EDV und Mikroelektronik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17374

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