Politische Bildung im Sachunterricht der Grundschule


Hausarbeit, 2011
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Situation der grundschulbezogenen politischen Bildung in Deutschland

2. Der Begriff „Politik

3. Die Notwendigkeit politischer Bildung in der Bundesrepublik Deutschland

4. Politische Bildung im Sachunterricht der Grundschule
4.1. Ist politische Bildung bereits in der Grundschule notwendig und auch möglich?
4.2. Wie lässt sich politische Bildung in der Grundschule durchführen?
4.2.1. Die Vorgaben des Lehrplans der bayerischen Grundschule
4.2.2. Mögliche Gefahren der praktischen Umsetzung im Sachunterricht
4.2.3. Didaktische Prinzipien der politischen Bildung in der Grundschule
4.2.4. Methodische Umsetzung im Sachunterricht

5. Bestehender Handlungsbedarf der grundschulbezogenen Politikdidaktik

Literaturverzeichnis

1. Die Situation der grundschulbezogenen politischen Bildung in Deutschland

Politische Bildung hat in Deutschland eine wechselhafte Geschichte erlebt und wird in der Öffentlichkeit vielmals – oft aufgrund negativer Erfahrungen unter den Nationalsozialisten, der sogenannten Reeducation der Alliierten oder in der DDR – mit Skepsis betrachtet. Nachdem in den 50er und 60er Jahr die Kindheit als un- oder zumindest vorpolitisch wahrgenommen wurde, wuchs das Interesse an politischer Bildung erst wieder in den siebziger Jahren, als Folge der gesellschaftlichen und bildungspolitischen Umbrüche der 68er. Da eine durchgreifende Demokratisierung der Gesellschaft gefordert wurde, wurden gleichzeitig auch die Rufe nach Politikunterricht in den Schulen lauter. (Reeken 2007, 18-29)

Heute sind sich Fachwissenschaftler einig, dass politische Bildung für eine demokratische Gesellschaft notwendig und unumgänglich ist. Des Weiteren haben verschiedene Studien ergeben, dass diese bereits im Grundschulalter erfolgen sollte. Dennoch wird die politische Bildung in der Grundschule bis heute vernachlässigt – in die Lehrerbildung findet sie wenig Eingang, im Lehrplan ist sie nur wenig konkret und ausdifferenziert verankert, es mangelt an repräsentativen grundschulspezifischen Forschungsergebnissen und Bildungsstandards. (vgl. Reeken 2007, 44-47) Fachwissenschaftler bemängeln das Verschwinden der politischen Bildung aus den Schulen. (Gerold 2003, 39/40) Es besteht sogar auf die Grundschule bezogen die These, dass es „zu den tradierten Grundzügen des Sachunterrichts (…) [gehöre] politische Bildung [weitgehend zu verhindern].“ (Richter nach Gerold 2003, 40) Der folgende Aufsatz versucht zu verdeutlichen, was unter politischer Bildung zu verstehen ist und warum diese generell und speziell in der Grundschule notwendig ist. Er beleuchtet die aktuelle Stellung der politischen Bildung im Lehrplan der bayerischen Grundschule und erläutert, wie politisches Lernen in dieser Schulart aussehen sollte.

2. Der Begriff Politik

Das Wort Politik kommt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt in etwa „die öffentlichen Angelegenheiten“(Meendermann & Meyer 1999, 16). Dieser Übersetzung folgt auch das allgemein verbreitete Verständnis, dass es sich bei Politik um die Regelung dieser öffentlichen und damit alle Mitglieder einer Gesellschaft betreffenden Angelegenheiten handelt (Zeuner nach Richter 2008, 75). Richter zufolge genügt diese zutreffende, wenn auch nicht sehr differenzierte Definition für die Arbeit im Sachunterricht.

Dennoch soll hier versucht werden, auf den Begriff der Politik etwas genauer einzugehen.

Eine genaue Klärung fällt zunächst schwer – die präzise Bedeutung ist unter Fachwissenschaftlern umstritten und es ist ihnen bis heute nicht recht gelungen, sich auf eine einheitliche Definition zu einigen (Reeken 2007, 8). Je nach wissenschaftlich-politischer Richtung und Ideologie, ist der Politikbegriff anders akzentuiert: Während Machiavelli unter Politik schlicht die „Kunst des Machterwerbs und der Machtbehauptung“ verstand, definierte Noack 1974 sie als „die Kunst, die Leute zu veranlassen, sich um das zu kümmern, was sie angeht“ und Suhr 1950 wiederum als den „Kampf um die rechte Ordnung“ (nach Reeken 2007, 8). Dennoch gibt es bestimmte grundlegende Aspekte, bezüglich deren unter Fachwissenschaftlern heutzutage ein gewisser Konsens herrscht.

So wird Politik zumeist als sogenanntes dreifaches Prinzip, als Begriff mit drei Dimensionen beschrieben. Diese drei Dimensionen werden mit den englischen Begriffen polity, policy und politics bezeichnet.

Polity meint hierbei die institutionelle Dimension der Politik – auch bezeichnet als Kategorie der Ordnung (Schneider 2007, 4). Polity bezieht sich damit auf den feststehenden politischen Handlungsrahmen in Form von Verfassungen und Legislation und den daraus resultierenden sichtbaren Institutionen wie Regierungen, Gerichten und öffentlichen Einrichtungen wie Krankenhäuser, Schulen und Arbeitsämtern.

Policy bezieht sich auf inhaltliche und ideologische Aspekte der Politik, bestimmte politische Ziele und Programme, sowie Wert- und Weltvorstellungen, auf die sich diese Programme und Ziele gründen.

Politics beschreibt schließlich die prozessuale Dimension der Politik – die Vorgänge der Vermittlung von Interessen, Willensbildung und Entscheidungsfindung durch politische Handlungsformen wie Demonstrationen, Koalitionsverhandlungen oder Streiks. (vgl. Reeken 2007, 9/10; Meendermann & Meyer 1999, 18/19; Schneider 2007, 4/5)

Diese drei Prinzipien oder Dimensionen „machen zusammen das aus, was man als Systematik der Politik bezeichnen kann.“ (Alemann nach Reeken 2007, 10).

Der Begriff Politik lässt sich durch bestimmte zentrale Kategorien näher illustieren. Solche Kategorien sind beispielsweise Macht, Gemeinwohl, Interessen, Öffentlichkeit, Legitimation, Solidarität und Konflikt. Auch hier setzen die unterschiedlichen Fachwissenschaftler jeweils andere Akzente. (vgl. Massing 2007, 31-33; Reeken 2007, 10) Jedoch spielen diese zentralen Kategorien für die politische Bildung in der Grundschule eine Rolle, worauf noch genauer eingegangen werden wird.

3. Die Notwendigkeit politischer Bildung in der Bundesrepublik Deutschland

Doch warum sollte man sich mit Politik befassen? Warum sollen Kinder in der Schule politisch gebildet werden? Laut Sander, ist Politik für den Menschen essentiell:

„Anthropologische Grundlage für die Notwendigkeit von Politik sind Sozialangewiesenheiten und Instinktarmut des Menschen. Wir können nur in Gesellschaft leben, um überleben zu können; zugleich aber ist die Art und Weise, wie wir das gesellschaftliche Zusammenleben organisieren und gestalten, nicht oder jedenfalls nicht überwiegend aus unserer biologischen Konstitution heraus determiniert.“

Der Mensch kann nur in einer Gesellschaft überleben – diese aber verfüge nicht über ausreichende Ressourcen, um alle Mitglieder ihren Wünschen gemäß zu versorgen. Die Verteilung dieser knappen Ressourcen lässt sich nur mit Hilfe von Politik bewerkstelligen. (Sander nach Reeken 2007, 11)

Ohne Politik kann eine Gesellschaft dementsprechend nicht funktionieren. Doch warum sollten sich die Mitglieder dieser Gesellschaft mit Politik befassen? Würde es nicht ausreichen, wenn dies nur ein kleiner Teil tut, der dann im Anschluss mit politischen Aufgaben betreut wird? Die Notwendigkeit politischer Bildung liegt im politischen Charakter der Bundesrepublik Deutschland als einer Demokratie. Demokratie bedeutet in etwa Volksherrschaft. Das Volk hat die Macht beziehungsweise wählt repräsentative Machtinhaber aus.

„Zum Kern der Demokratie gehört die Beteiligung der Individuen an Entscheidungen, von denen sie betroffen sind – und zwar mit dem Ziel, auch dann Selbstbestimmung zu ermöglichen, wenn das Individuum nicht alleine steht, sondern auch andere betroffen sind.“ (Burk 2003, 22)

Um dazu in der Lage zu sein, muss das Volk aus politisch mündigen Bürgern bestehen (Reeken 2007, 12). Um fortzubestehen, ist eine demokratische Gesellschaft auf bestimmte Unterstützungsleistungen, aber auch Forderungen ihrer Mitglieder angewiesen: diese müssen das politische System an sich unterstützen und gleichzeitig in der Lage sein, die politische Praxis kritisch zu beobachten und ihre eigenen Bedürfnisse zu reflektieren und zu artikulieren. (Massing 2007, 27/28) Anders ausgedrückt, stützt sich eine demokratische Gesellschaft auf politisch intervenierende beziehungsweise interventionsfähige Bürger - im Gegensatz zu bloßen reflektierenden Zuschauern oder gar völlig Desinteressierten (Reeken 2007, 13).

Dies ist das Ziel politischer Bildung – die Vermittlung von Reflektionsvermögen, Entscheidungsfähigkeit und Selbstbestimmung und damit politischer Mündigkeit (Reeken 2007, 29/30; Richter 2008, 73; Schneider 2007, 6). In einer demokratisch verfassten Gesellschaft bedarf es der politischen Bildung, um den einzelnen Bürger zu gesellschaftlicher Partizipation und der Übernahme von Aufgaben zu befähigen. (Meendermann & Meyer 1999, 11).

4. Politische Bildung im Sachunterricht der Grundschule

4.1 Ist politische Bildung bereits in der Grundschule notwendig und auch möglich?

Es kann demnach festgehalten werden, dass in Deutschland die politische Bildung aller Bürger notwendig ist. Doch ist es notwendig, dass politische Bildung schon in der Grundschule erfolgt? Wie eingangs erwähnt, wird von vielen Menschen die Kindheit als „politikfreier Raum“ (Reeken 2007, 15) wahrgenommen – Kinder dürfen noch nicht wählen, sehen keine Nachrichten und können den Unterschied zwischen Bundesrat und Bundestag im Normalfall nicht erklären. Dies mag zwar stimmen, dennoch sind auch Kinder von Politik betroffen. Wenn die Hartz IV-Regelsätze gekürzt werden und deshalb vielen Familien weniger Geld zu Verfügung steht, wenn Schulreformen beschlossen werden oder aufgrund der Einrichtung des Elterngeldes die Erziehungsberechtigten vermehrt zu Hause bleiben, so betrifft das direkt den Alltag der Kinder.

Kinder machen demnach bereits früh erste Erfahrungen im Umgang mit politischen Sachverhalten und Phänomenen. Aber sind sie kognitiv in der Lage, diese auch zu verstehen? Sind die Elemente der politischen Bildung für Kinder nicht viel zu komplex und abstrakt? Lange Zeit wurden diese Fragen oft deshalb mit Ja beantwortet, da man Jean Piagets Theorien über die kognitive Entwicklung von Kindern folgte. Nach Piaget wären Grundschüler kaum in der Lage, „über eine Beispielargumentation hinauszugehen, (…) Möglichkeiten in Erwägung zu ziehen und auszuloten, von konkreten Inhalten zu abstrahieren und vom Einzelnen auf das Allgemeine zu schließen.“ (Schneider 2007, 15/16) Dies würde bedeuten, dass es Kindern nur schwer möglich wäre, sich mit politischen Inhalten zu beschäftigen und diese zu verstehen – die nötigen kognitiven Lernvoraussetzungen wären hierfür nicht vorhanden.

[...]

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Details

Titel
Politische Bildung im Sachunterricht der Grundschule
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V173748
ISBN (eBook)
9783640939831
ISBN (Buch)
9783640939848
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
politische, bildung, sachunterricht, grundschule
Arbeit zitieren
Elisabeth Würtz (Autor), 2011, Politische Bildung im Sachunterricht der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173748

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