Die Familienmodelle in Hartmann von Aues "armen Heinrich" im Vergleich zu Wernhers der Gartenære "Helmbrecht"

Literarische Familienmodelle vom Mittelalter bis zur Frühen Neuzeit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Der arme Heinrich
1.2 Helmbrecht
1.3 Fragestellung und verwendete Literatur

2. Familienkonstellationen
2.1 Die Familie im armen Heinrich
2.2 Die Familie im Helmbrecht
2.3 Beide Familien im Vergleich

3. Personen und ihre Bedeutung
3.1 Die Tochter im armen Heinrich
3.2 Der Sohn Helmbrecht in der Mære von Helmbrecht
3.3 Vergleich des jungen Helmbrecht mit der Tochter im armen Heinrich

4. Hierarchie
4.1 Stellenwert im armen Heinrich
4.2 Stellenwert im Helmbrecht

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der Forschung der deutschen Literatur wird sich seit Längerem mit den verschiedensten Familienmodellen und Genealogien der einzelnen Epochen beschäftigt.

In dieser Semesterarbeit soll es vor allem um die beiden Mære Der arme Heinrich von Hartmann von Aue und Helmbrecht von Wernher dem Gartenære und die darin beschriebenen familiären Situationen gehen.

1.1 Der Arme Heinrich

Der arme Heinrich ist in zwei Handschriften überliefert, in Fassung A und Fassung B (Ba und Bb), die in einigen Teilen voneinander abweichen.

Im Prolog beschreibt Hartmann sich selbst oder zumindest ein Idealbild seiner selbst. Das Werk weißt immer wieder autobiographische Züge auf, sodass viele Literaten in früheren Jahren glaubten Hartmann von Aue würde sich exakt in seinen Texten wiederspiegeln. Dies kann bis heute aber nicht wirklich belegt werden, daher geht man davon aus, dass er Wirklichkeit und Fiktion vermischt hat.

Heinrich repräsentiert alle Rittertugenden und höfisches Verhalten, wozu auch der Minnesang zählt. Bis er von Gott mit Aussatz gezeichnet wird und so Ansehen verliert und sich alle von ihm abwenden. Er sucht sich Hilfe bei Ärzten und erfährt, dass ihn nur das Herzblut einer Jungfrau im heiratsfähigen Alter heilen kann, die sich freiwillig für ihn opfert. Die Tochter des Meiers will Heinrich helfen und beschließt sich für ihn zu opfern. Sie glaubt durch ihre Opferung würde sie der Sünde des Lebens entgehen und bei Gott ein ewiges Leben erhalten. Sie überzeugt mit ihren Argumenten ihre Eltern und Heinrich. Ihre Worte klingen so gewaltig, dass die Eltern glauben Gott würde selbst aus ihr sprechen.

Heinrich und das Mädchen suchen einen Arzt in Salerno auf, der dem Mädchen das Herz heraus operieren soll. Als Heinrich aber das Mädchen auf dem Tisch liegen sieht, nackt und festgebunden, da will er sie nicht opfern, weil sie einfach so wunderschön ist. Er akzeptiert seinen Aussatz, was dem Mädchen die Fassung raubt. Sie beschimpft Heinrich weil er sie um ihr ewiges Leben gebracht hat. Als sie wieder nach Hause zurückkehren wird Heinrich durch Gottes Gnade wieder gesund und so heiraten das Mädchen und Heinrich, trotz des Standesunterschieds. Heinrich erhält seine gesellschaftliche Stellung wieder und ernennt den Meier zum Freibauern. Heinrich wie auch das Mädchen erhalten die ewige Seligkeit.

1.2 Helmbrecht

Auch von diesem Werk gibt es zwei verschiedene überlieferte Handschriften. Es existiert einmal die Handschrift A, das sogenannte Ambraser Heldenbuch, welches Anfang des 16. Jahrhunderts für Kaiser Maximilian von dem Zollschreiber Hans Ried verfasst wird. Die Handschrift B, der Berliner Kodex, wird Mitte des 15. Jahrhunderts geschrieben. Man vermutet, dass es aus dem österreichischen Traungau stammt. Mit dem Helmbrecht haben sich schon eine ganze Reihe von Literaturwissenschaftlern beschäftigt. Wernher der Gartenære bringt in seinem Werk mit gekonnter Satire immer wieder zum Ausdruck, wie schlecht es den Bauern zu dieser Zeit geht.

Helmbrecht, ein Bauernsohn, der Protagonist des Werkes, hat von einer Nonne eine wunderschöne Kappe geschenkt bekommen und so fängt Helmbrecht an vom höfischen Leben zu träumen. Er möchte ein Ritter werden und ein leichtes, unbeschwertes Leben bei Hofe führen. Die Mutter näht ihm aus teuren Stoffen, die sie mit Mühe erwerben kann, Kleidung, damit er auch aussieht wie ein Adliger. Der Vater versucht ihn vergeblich davon abzuhalten und so zieht Helmbrecht aus um sein Glück bei Hofe zu finden.

Er schließt sich, unter dem Namen Schlingsland, einer Truppe Raubrittern an und überfällt Bauerndörfer. Nach einer Weile kehrt er nach Hause zurück, spricht jeden in einer anderen Sprache an und tut so, als wäre er etwas Besseres. Seiner Schwester verspricht er Reichtum, schöne Kleider und nie mehr harte Arbeit, wenn sie mit ihm kommt und einen seiner Raubritter-Kumpane heiratet.[1] Kurz nach dieser Hochzeit werden alle Raubritter von der Obrigkeit umgebracht, bloß Helmbrecht wird nach altem Brauch begnadigt, weil er der Zehnte war. Ihm werden die Augen ausgestochen, ein Fuß und eine Hand abgehackt und so lässt man ihn laufen. Er kehrt zurück zu seines Vaters Haus und erfährt dort nur Hohn und Spott. Er wird nicht lange danach von Bauern, die er einmal beraubt hat, im Wald aufgeknüpft.

Wernher der Gartenære spricht diese Geschichte als Warnung aus, damit andere, die so denken wie Helmbrecht nicht den gleichen Fehler machen.

1.3 Fragestellung und verwendete Literatur

„Das Mittelalter kannte den Begriff ‚Familie’ in der uns geläufigen Bedeutung nicht. Lateinische Quellen sprechen zwar von „familia“, meinen damit aber die ‚Haushaltsfamilie’. Sie setzt sich zusammen aus allen in einem Haus lebenden Personen: Ehegatten, Kindern, Verwandten, aber auch Dienerschaft, Gesellen, Handwerkern usw.“[2]

In dieser Semesterarbeit werden die Familienmodelle und einzelne Personen des Helmbrechts und des a rmen Heinrichs miteinander verglichen und gegebenenfalls Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede aufgezeigt. Hierfür wird vor allem das Werk Zeitkritik im Helmbrecht von Wernher dem Gärtner und ihre sozialgeschichtlichen Hintergründe eine große Rolle spielen. Dieses Werk wurde von Günter Lange geschrieben und ist 2009 im Schneider Verlag erschienen. Das Werk von Jürgen Wolf mit dem Titel Einführung in das Werk Hartmann von Aue ist ebenfalls sehr wichtig. Und natürlich die beiden Quellen, die da wären Der arme Heinrich von Hartmann von Aue, hg. von S. Grosse und U. Rautenberg. Und Helmbrecht von Wernher dem Gartenære, hg. von F. Tschirch. Außerdem wurde Literatur von Petra Menke, Prof. Dr. Claudia Brinker-von der Heyde, Klaus Arnold und Silvan Wagner verwendet, sowie einige andere, die im Literaturverzeichnis aufgeführt sind.

2. Familienkonstellationen

2.1 Die Familie im armen Heinrich

Im Werk von Hartmann von Aue geht es um einen Meier, seine Frau und seine Tochter. Er hat eigentlich noch mehr Kinder, die werden aber so gut wie nicht erwähnt. Auch die Anzahl der Kinder bleibt ungewiss. Einzig der Freiherr Heinrich wird namentlich genannt. Der Meier, seine Frau und auch die Tochter haben keine Namen. In den Versen 459-472, in der vom zu Bett gehen gesprochen wird, wird deutlich wie wichtig die Tochter für die Eltern ist. Sie schläft als einziges Kind zu Füßen des Vaters und ihrer Mutter. Das Gespräch im Bett findet zu Anfang nur zwischen dem Meier und seiner Tochter statt. Die Mutter meldet sich erst im weiteren Verlauf zu Wort. Der Vater versucht die Tochter durch drohen und bitten von ihrem Vorhaben abzuhalten. Die Mutter wiederum erinnert die Tochter daran, wie mühselig sie die Tochter geboren und erzogen hat und appelliert an das Pflichtbewusstsein der Tochter ihr gegenüber. Und dass sie ja ein Gebot brechen würde, wenn sie sich opfern würde, denn man soll Mutter und Vater ehren. Denn wenn sie dies nicht tut wird die Gnade Gottes ihr für immer verwehrt bleiben.

2.2 Die Familie im Helmbrecht

Im Helmbrecht von Wernher dem Gartenære ist die Familienkonstellation etwas anders. Es geht vorrangig um Helmbrecht, den Sohn. Sein Vater heißt ebenfalls Helmbrecht. Die Schwester Gotelint spielt auch eine wesentliche Rolle, während die Mutter nur auf das Mutter sein reduziert wird und namentlich nicht benannt wird. Auch Helmbrecht hat noch weitere Geschwister, die aber ebenfalls keine Rolle spielen in der Geschichte. Das Gespräch findet hauptsächlich zwischen Vater und Sohn statt, während die Mutter den stillen Part in dieser Konstellation übernimmt. Sie tut alles für ihren Sohn und opfert sich für ihn auf, um ihn glücklich zu sehen. Seine Schwester Gotelint schwärmt für die Träumereien ihres Bruders und schaut zu ihm auf. Sie erhofft sich durch sein höfisches Gehabe, dass sie irgendwann auch aus dem Bauernalltag ausbrechen kann. Erst später wird dann Gotelint mit einbezogen und erhält dann eine große Rolle im Verlauf. Denn nicht lange nach ihrer Hochzeit mit einem der Raubritter wendet sich das Blatt und die Raubritter werden ermordet.

[...]


[1] Vgl. Silvan Wagner, Nichts Neues unter der Sonne?, in: Hartwin Brandt (Hrsg.), Familie – Generation – Institution., 2008, S. 69

[2] Claudia Brinker-von der Heyde, Familienmodelle in mittelalterlicher Literatur. ein Überblick, in: Claudia Brinker-von der Heyde und Helmut Scheuer (Hrsg.), Familienmuster – Musterfamilien, 2004, S. 13

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Familienmodelle in Hartmann von Aues "armen Heinrich" im Vergleich zu Wernhers der Gartenære "Helmbrecht"
Untertitel
Literarische Familienmodelle vom Mittelalter bis zur Frühen Neuzeit
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Literarische Familienmodelle vom Mittelalter bis zur Frühen Neuzeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V173795
ISBN (eBook)
9783640940608
ISBN (Buch)
9783640941216
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
familienmodelle, hartmann, aues, heinrich, vergleich, wernhers, gartenære, helmbrecht, literarische, mittelalter, frühen, neuzeit
Arbeit zitieren
Tamara Bretthauer (Autor), 2011, Die Familienmodelle in Hartmann von Aues "armen Heinrich" im Vergleich zu Wernhers der Gartenære "Helmbrecht", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173795

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