Die Vergewaltigung der Dina in Gen 34,1-31

Eine bibelwissenschaftliche Exegese


Hausarbeit, 2010

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einstieg

2. Der Text

3. Abgrenzung

4. Strukturanalyse
4.1. Struktursynthese
4.2. Beschreibung der Struktur
4.3. Personenkonstellation

5. Inhaltsanalyse
5.1. Erläuterung wichtiger Begriffe
5.1.1. Vergewaltigung der Dina
5.1.2. Warum Beschneidung?
5.2. Bewertung des biblischen Erzählers
5.3. Massaker trotz Brautpreis
5.4. Pragmatik

6. Überlieferungskritik

7. Kontexteinbettung
7.1. Kontext im Buch Genesis
7.2. Kontext in der ganzen Bibel

8. Zusammenfassende Interpretation

1. Einstieg

Genesis 34, eine Erzählung über die Vergewaltigung einer Jüdin mitten in der Jakobsgeschichte. Doch ist es wirklich eine Vergewaltigung, die sich innerhalb eines einzigen Verses abspielt? Welche Gründe treiben die Brüder Dinas zu der Tat, die durch die Beschneidung aller Sichemiten verhindert werden sollte und die sogar von ihrem eigenen Vater aufs Schärfste kritisiert wird?

Diese und andere Fragen, die sich im Laufe der Untersuchung ergeben werden, sind es, die innerhalb dieser wissenschaftlichen Exegese diskutiert werden sollen, um zu klären, welche Motive hinter dem Text Stehen, der ״Sex, Love and Crime" in sich vereint.

2. Der Text (Einheitsübersetzung)

Verwendet Ausgabe: DIE BIBEL: Altes und Neues Testament, Einheitsübersetzung, Herder, Stuttgart, 1980.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Abgrenzung

Da es in Genesis 33 um die Versöhnung Jakobs mit seinem Bruder Esau geht, findet sich hier eine klare Grenze, denn semantisch und syntaktisch sind beide Erzählungen weitestgehend voneinander getrennt. Lediglich 33,18 - 20 könnt als kurzer Verweis gedeutet werden, denn hier wird erwähnt, dass Jakob in die Nähe der Stadt Sichern gelangt ist und dort seine Zelte auf einem Grundstück aufspannt, das er zuvor von den Söhnen Hamors erworben hat. Die Übersiedlungsnotiz sollte jedoch eher als Hintergrundinformation, bzw. Überleitung zu Gen 34 angesehen werden. Dies zeigt sich zusätzlich durch das Auftreten der Dina, die bisher nur in einer Geburtsnotiz aufgetaucht ist.

Der Zusammenhang zu Gen 35 zeigt sich lediglich in Vers 5: ״Dann brachen sie auf. Da überkam ein Gottesschrecken die Städte ringsum und so verfolgten sie die Söhne Jakobs nicht." (Gen 35,5). Hier wird die Androhung Jakobs negiert, dass sich die Völker des Landes gegen seine Sippe zusammentun werden. Ansonsten gibt es jedoch in diesem Kapitel keinen Verweis auf die Tat der Brüder.

Dennoch wirkt die Unabgeschlossenheit von Gen 34 sehr irritierend auf den Leser; es fehlt der klare Abschluss des Textes, da die Perikope mit einer offenen Frage endet. Dies ist umso verwirrender, wenn man sich an den Anfang des Textes erinnert, der eine klare Einleitung aufzeigt. Grade durch diese Irritation wird jedoch eine Spannung aufgebaut, die den Leser zum Nachdenken anregt. Auf diesen Spannungsbogen wird jedoch in einem späteren Schritt weiter eingegangen werden.

Sucht man in der Genesis nach einer weiteren Anspielung, die auf das Geschehen des behandelten Textes eingeht, so wird man höchstens in Gen 49 fündig, denn hier deutet Jakob an, dass Simeon und Levi ein Verbrechen begangen haben, das er ihnen nicht verzeihen kann. Es zeigt sich also, dass die Perikope eine in sich geschlossene Handlung in Mitten der Jakobserzählung darstellt.

4 Strukturanalyse

4.1. Struktursynthese

I. 34,1-4: Exposition: Auftritt der Protagonisten Dina und Sichern
1. 34,1: Auftritt Dinas
2. 34,2 - 3 : Auftritt Sichems; Vergewaltigung Dinas
3. 34,4: Auftritt Hámor; Forderung Sichems, Dina zu heiraten; Liebe zu Dina

II 34,5-12: Bitte um Heirat bei Jakob und der Zorn der Jakobssöhne
1. 34,5 : Auftritt Jakob; Kenntnis der Vergewaltigung und Schweigen
2. 34,6: Beginn der Verhandlung um Dina
3. 34,7: Zorn der Jakobssöhne
a) 34,7a-d: Verletzung des Ehrgefühls der Jakobssöhne
b) 34,7e-g: Exkurs: Hinweis auf den Frevel Sichems an Israel
4. 34,8: Hamors Rede (Bitte)
a) 34,8a-c: Festellung der Liebe Sichems (1)
b) 34,8d: erste Bitte um Dinas Hand
5. 34,9-10: Hamors Rede (Angebote)
a) 34,9: Angebot Π) der Schwägerschaft
b) 34,10: Angebot (2) der Ansiedlung des Jakobgeschlechts
6. 34,11-12: Sichems Rede
a) 34Л1-12С: Sichems Angebote (3)
b) 34,12d: zweite Bitte um Dinas Hand

III. 34,13-19: Die Bedingung der Jakobsbrüder um Beschneidung aller Sichemiten
1. 34,13 : Verweis an den Leser: eine hinterhältige Verhandlung
2. 34,14: Exkurs: Beschneidung als Notwendigkeit bei den Israeliten
3. 34,15-17: Angebot der Verschwägerung bei Beschneidung aller Sichemiten
4. 34,18: Ende der Verhandlung mit Einigung
5. 34,19: Feststellung der Liebe Sichems (2) und seiner besonderen Stellung

IV. 34,20-24: Rede zu den Sichemiten; Beschneidung aller Sichemiten
1. 34,20 - 21 : Wiederholung der Angebote (Verschwägerung und Niederlassung)
2. 34,22: Wiederholung der Bedingung (Beschneidung)
3. 34,23 : Darlegung der Vorteile
4. 34,24: Beschneidung

V. 34,25-29: Überfall Simeons und Levis auf die Sichemiten
1. 34,25: Vertragsbruch; Überfall auf die Wundfieberkranken
2. 34,26: Mord an Sichern und Hámor; Rückführung Dinas
3. 34,27 - 29: Plünderung und Versklavung

VI. 34,30-31: Klage Jakobs und Rechtfertigung Simeons und Levis
1. 34,30: Jakobs Klage
2. 34,31 : Offene Frage der Rechtfertigung

4.2. Beschreibung der Struktur

Im ersten Grobabschnitt der Perikope (VV. 1-4) treten die beiden Protagonisten Sichern, der Sohn des Hiwiters Hámor, und Dina, die Tochter Leas und Jakobs auf, wobei die Herkunft der beiden besonders hervorgehoben wird. Dies lässt darauf schließen, dass diese (Herkunft) sehr bedeutsam für den weiteren Verlauf sein wird. Sichern begeht hier die Tat, die alle weiteren Geschehnisse innerhalb der Geschichte bestimmen wird; die Vergewaltigung der Dina. Diese hatte sich auf den Weg gemacht, um die Töchter des Landes zu sehen (Gen 34,1), als sie von Sichern erblickt und vergewaltigt wird. Beachtenswert sind hier vor allem zwei Dinge: Erstens beschränkt sich die aktive Handlung Dinas auch im gesamten weiteren Text auf den einen Vers des Ausgehens. Zweitens wird die Vergewaltigung in nur einem Vers (V.2) durch drei Verben abgehandelt. Direkt darauf folgt jedoch auch die erste Liebesbekundung Sichems.

Als dritter Akteur tritt Hámor auf, an den sich der Sohn wendet, um Dina zur Frau zu bekommen.

In dem darauf folgenden großen Abschnitt (VV. 5-12) findet ein Orts- und Personenwechsel statt. Jakob, der Vater Dinas, tritt nun in Erscheinung und es zeigt sich, dass auch er eine eher passive Rolle einnimmt, denn anstatt eine Handlung zu begehen, hüllt er sich in Schweigen. Ab V.6 beginnen die Verhandlungen um Dina, bei denen zunächst Hámor der Wortführer ist. In V.7 kommen nun die Jakobssöhne, die entscheidenden Handlungsträger der Geschichte, hinzu. Diese geben durch ihren Zorn über die Vergewaltigung einen kurzen Exkurs über die Normvorstellung Israels. Es folgt nun ein Wechsel von Bitten und Angeboten Hamors und Sichems (VV. 8-12), der zum erneuten Mal seine Liebe zu Dina bekundet. Diese Vorschläge sollen die Jakobssöhne von den Vorteilen der Schwägerschaft überzeugen. Auch hier verharrt Jakob weiter auf seiner schweigenden Rolle.

[...]

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Details

Titel
Die Vergewaltigung der Dina in Gen 34,1-31
Untertitel
Eine bibelwissenschaftliche Exegese
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Katholisch-theologische Fakultät)
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V174017
ISBN (eBook)
9783668795518
ISBN (Buch)
9783668795525
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dina, Vergewaltigung, Genesis, Gen 34, Exegese, Jakobserzählung
Arbeit zitieren
Dominic Bärsch (Autor:in), 2010, Die Vergewaltigung der Dina in Gen 34,1-31, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174017

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