Die Hisbollah: Integrierte nationallibanesische Partei oder "Staat im Staat"?


Bachelorarbeit, 2010

58 Seiten, Note: 2.0

Anton Frey (Autor)


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung und Hinführung zum Thema

2. Nation und Staatlichkeit
2.1. Nation- „eine vorgestellte Gemeinschaft“
2.2. Staat und Staatlichkeit
2.3. „Failing States“

3. Die libanesische Nation als Produkt der Mandatszeit
3.1. Geschichte des Libanon im 19. und 20. Jahrhundert
3.2. Die fragmentierte libanesische Gesellschaft und Konfessionalismus

4. Die Hisbollah- Integrierte nationallibanesische Partei, oder Staat im Staat?
4.1. „(...) Seid gerecht, das entspricht mehr der Gottesfurcht. Und fürchtet Allah. Siehe, Allah kennt euer Tun“. Gründungsgeschichte der Hisbollah:
4.2. „Allah segne sein erhabenstes Geschöpf, Mohamed, und alle seine Nachkommen“! Theologische Identität der Hisbollah:
4.3. „Weder West noch Ost, sondern die Islamische Republik“! Politische Positionen der Hisbollah:
4.4. „Seid Feinde des Unterdrückers! Seid Helfer der Unterdrückten“ Soziale Aktivitäten der Hisbollah:
4.5. „Wisset, dass das Paradies im Schatten der Schwerter liegt!“ Militärische Aktivitäten der Hisbollah:
4.6. Beziehungen der Hisbollah zur Islamischen Republik Iran
4.7. Beziehungen der Hisbollah zur Arabischen Republik Syrien

5. Fazit und Ausblick

Die Hisbollah: Integrierte nationallibanesische

Partei oder „Staat im Staat“?

1. Einleitung und Hinführung zum Thema

Seit Ende des „Kalten Krieges“ sieht sich die westliche Staatengemeinschaft mit einer neuen, sehr komplexen Art von Konflikten, den sogenannten asymmetrischen Auseinandersetzungen, konfrontiert. Mit dem Verschwinden der Rivalität der beiden Supermächte USA und UdSSR verminderte sich auch ihr Interesse, schwächere Staaten aus geostrategischen Gründen zu unterstützen. Allerdings verschwand mit der Konkurrenz der beiden Weltmächte auch die „Stabilität“ dieser bipolaren Welt. Es war nun schlichtweg nicht mehr erforderlich, fragile Staaten zu unterstützen, um sie auf die jeweilige Seite zu ziehen und sie eventuell als Akteure in Stellvertreterkriegen zu nutzen. Diese schwachen, instabilen und teilweise vom Zerfall bedrohten Staaten stellen heute allerdings eine enorme Gefährdung für die sogenannte „westliche Welt“ dar, denn das Konfliktpotential dieser failing states1 reicht von organisierter Kriminalität, Proliferation von Massenvernichtungswaffen bis hin zu Rückzugs- oder Aktionsräumen für den internationalen Terrorismus (STRAßNER et al. 2007: 13).

Zurzeit existieren global 193 politische Organisationen, die sich als Staaten definieren und auch völkerrechtlich als solche anerkannt werden. Nun stellt sich die Frage, wie ein Staat oder eine Nation definiert wird, beziehungsweise wie sie entstanden. Die Nationalstaaten, die heute die territoriale Organisation der Erde prägen, werden von den meisten Menschen als eine Art naturgegebene Form des kollektiven Zusammenlebens aufgefasst und akzeptiert. Allerdings existieren über das Entstehen bzw. das Konstruieren von Nationalstaaten unterschiedliche Auffassungen. Marx beschreibt das Entstehen einer Nation folgendermaßen:

„Die Bourgeoisie hebt mehr und mehr die Zersplitterung der Produktionsmittel, des Besitzes und der Bevölkerung auf. Sie hat die Bevölkerung agglomeriert, die Produktionsmittel zentralisiert. Die notwendige Folge hiervon war die politische Zentralisation. Unabhängige, fast nur verbündete Provinzen mit verschiedenen Interessen, Gesetzen, Regierungen und Zöllen wurden zusammengedrängt in eine Nation, eine Regierung, ein Gesetz, ein nationales Klasseninteresse, eine Douanenlinie“ (MARX 1848: 21).

Deutlich wird hier nicht nur die Naturgegebenheit der Nation negiert, sondern es werden ökonomische Gründe für ihre Erschaffung genannt. Die Nation existiert aber aufgrund der Tatsache, dass sie der Bevölkerung die innerhalb ihres Herrschaftsgebietes lebt eine Gemeinschaft ethnischer, kultureller und territorialer Art suggeriert. Die Nation muss ein „Wir-Gefühl“ erschaffen, um ihren Bestand zu legitimieren. Sie ist also ein aus verschiedenen Aspekten bestehendes Konstrukt, welches sowohl Geschichte, als auch Kultur und Raum erfindet, um sich von „den Anderen“ abzugrenzen, sie kreiert ein imaginäres Kollektiv (ANDERSON 2005: 15). Damit dieses Gebilde auch erfolgreich bestehen kann, muss die Nation eine gemeinsame Identität erfinden, die meist als eine Art Leitkultur verstanden wird. Des Weiteren muss ein funktionierender Überbau gebildet werden, der das Zusammenleben regelt. Das bedeutet, dass eine Regierung, ein Verwaltungsapparat, eine Justiz und eine Organisation geschaffen werden müssen, die das Recht auf nationale Souveränität nach innen und außen durchsetzen, kurz ein Staat. Wie oben bereits erwähnt, existieren Staaten, in denen diese Form der Konstruktion von Gemeinschaft nicht erfolgreich vonstattengeht. Dies kann die verschiedensten Gründe haben: Es kann zum einen daran liegen, dass der staatliche Überbau nicht in der Lage ist, seine Souveränität durchzusetzen, zum anderen könnte das konstruierte „Wir-Gefühl“ nicht mehr existent sein, was zur Folge hätte, dass sich diverse Gruppen versuchen sich aus dem Konstrukt Nation zu lösen.

Der Libanon ist ein Beispiel dafür, wie Nationen erfunden werden. Dieser Staat ist ein sehr junges Gebilde, welches seit seiner Gründung im Jahre 1920 durch die ehemalige Mandatsmacht Frankreich, von den typischen Problemen eines „übergestülpten“ nationalen Überbaus betroffen ist. Hier wird deutlich, dass die gemeinsame Identität nicht erfolgreich geschaffen wurde. Die Ursachen hierfür sind vielseitig. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass sich der Libanon sprachlich und kulturell nicht wesentlich von seinen arabischen Nachbarländern abhebt. Vor allem die konfessionelle Heterogenität stellt den Libanon vor große Probleme. Dazu kommen noch stark ausgeprägte soziale Unterschiede, die traditionelle, auf den Familienclan fixierte gesellschaftliche Beschaffenheit und das vorhandene Staatsterritorium, das in seiner momentanen Ausprägung von verschiedenen Akteuren in Frage gestellt wird. Der Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 hat gezeigt, wie instabil diese Nation ist und wie schnell die vorhandenen Gegensätze zu einer Eskalation führen können (STRAßNER et al.: 150-151).

Das Regierungssystem ist nach einem konfessionellen Proporz geregelt, der ursprünglich ein Zusammenleben der Religionsgemeinschaften und deren Regierungsbeteiligung in friedliche Bahnen lenken sollte. Es zementiert aber auch die vorhandenen Differenzen und erschwert eine Überwindung der konfessionellen Unterschiede und somit die Schaffung einer gemeinsamen nationalen Identität. Während des libanesischen Bürgerkrieges 1985, gründete sich die schiitische Hisbollah2, als Reaktion auf die israelische Besatzung des Südlibanon. Sie trat ursprünglich als eine Guerillatruppe auf, die ihren Auftrag darin sah, den Widerstand gegen die Streitkräfte Israels zu organisieren und durchzuführen. Dieser Aufgabe kam sie auch effektiv nach, da der libanesische Staat nicht in der Lage war sein Territorium erfolgreich zu verteidigen. Nach dem Ende der Besatzung löste sich die Hisbollah aber nicht auf, sondern bestand weiterhin als militärische Kraft im Libanon. Allerdings durchlebte sie im Laufe der Zeit eine Transformation. Sie stellte ihre Organisationsform auf die neuen Aufgabengebiete um, die sie innerhalb des Libanon übernehmen wollte. Die Hisbollah trat nun als politischer Akteur und sozialer Dienstleister auf und übernahm staatliche Aufgaben, die der libanesische Staat ihrer Meinung nach nicht erfüllte (SAKMANI 2008: 95). Die schiitische Gruppierung unterhält enge Beziehungen zur Islamischen Republik Iran und Syrien, die sie vor allem in ihrer Rolle als militärischer Gegner Israels unterstützen. Aufgrund ihrer politischen und auch religiösen Standpunkte, ihrer Entstehungsgeschichte, ihrer Auslandsbeziehungen und ihrer Aktivitäten im Libanon, ist die Hisbollah nach wie vor eine sehr umstrittene Organisation (RIECK 1989: 415). Es wird kontinuierlich nach der Rolle gefragt, die die „Partei Gottes“ im Konstrukt Libanon einnimmt. Ist sie ein eigenständiger Akteur oder ein Instrument externer Mächte? Sieht sie sich als nationallibanesische Kraft oder als panislamischer Akteur? Wie steht sie zu der libanesischen Nation? Wirkt sie eher als integrierender oder desintegrierender Faktor?

Der Libanon ist seit dem Abkommen von Ta`if 1989 von innerlibanesischen gewalttätigen Auseinandersetzungen im Ausmaße des vorhergegangenen Bürgerkrieges verschont geblieben. Es kommt aber immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Fraktionen. Dadurch wird deutlich, dass der libanesische Staat nicht vollständig stabilisiert ist, sondern immer noch ein fragiles Gebilde darstellt. Die verschiedenen Konfessionen bilden zusammen mit dem Familienverband, die wahrscheinlich wichtigsten Bezugsgruppen innerhalb des gesellschaftlichen Lebens. Allerdings finden auch innerhalb der Glaubensgemeinschaften immer wieder Kämpfe statt. Besonders die Hisbollah ragt hier als straff organisierte Partei heraus. Sie unterhält ein gut organisiertes Sozialsystem, praktiziert mancherorts ein eigenes Rechtsystem3, verfügt über eine hochgerüstete Miliz und beteiligt sich als parlamentarische Kraft. Diese Organisation stellt tagtäglich das staatliche Gewaltmonopol und somit den libanesischen Staat in Frage. Sie erfüllt Aufgaben, die nach westlichem Staatsverständnis4, der Regierungs- gewalt unterstehen. Die „Partei Gottes“5 präsentiert sich in Teilen des Staates als ernstzunehmende Alternative zur libanesischen Nation. Wie der Name „Partei Gottes“ schon suggeriert, ergreift die Gruppe primär Partei für „Gott“ und fühlt sich an seine Weisungen gebunden. Sie ist folglich panislamisch ausgerichtet und müsste darauf bestehen den universalistischen Anspruch des Islam durchzusetzen, was eine weltliche Organisationsform wie die Nation ausschließt. Auf der anderen Seite gibt sich die Partei auch national gesinnt und betont ihre Rolle als nationallibanesische Partei (SAKMANI 2008: 72-73). Die Hisbollah unterstreicht weiterhin, dass sie nicht gewillt ist die Nation Libanon zu eliminieren, um eine islamische Theokratie zu errichten, verwirft diese Organisationsform aber nicht endgültig, sondern behält sie als präferierte Lösung bei. Die Gruppe fällt aber auch immer wieder durch ihre pragmatische Bündnispolitik auf. Sie unterhält internationale Netzwerke und sieht sich als Teil einer weltweiten Vereinigung gegen Imperialismus sowie Neoliberalismus und arbeitet hier mit einer Vielfalt von säkularen Gruppen zusammen (SAKMANI 2008: 47).

Es stellt sich demnach die Frage, was die Aktivitäten der Hisbollah innerhalb des Konstrukts Libanon bewirken. Über welche Konflikt- und Stabilisierungspotentiale verfügt die „Partei Gottes“? Die Forschung ist sich über die Motive einer Beteiligung islamistischer Gruppen an demokratischen Prozessen uneinig. Die Möglichkeit, dass diese Gruppen über einen parlamentarischen Weg an die Macht kommen und dann den Staat nach ihren Vorstellungen umgestalten liegt nahe, ist aber nicht zwingend die Folge. Im Nahen Osten übertreffen fundamental-islamische Fraktionen weltliche Oppositionsbewegungen mittlerweile größtenteils an Bedeutung und Effektivität6, allerdings stellt die Hisbollah auch hier eine Ausnahme dar. Sie ist diesbezüglich eine der stärksten und am besten organisierten Gruppen in diesem Raum. Die Partei wird von den USA als zweitgefährlichste Terrororganisation nach Al Qaida als bezeichnet, was für ihren umstrittenen Ruf spricht (QASSEM 2005: 248). Aus diesem Grund ist es auch folgerichtig, dass die aktuelle Forschung sich eher auf die Konfliktpotenziale der Hisbollah bezieht und ihre Rolle als stabilisierender Faktor in den Hintergrund tritt. In der Literatur findet sich wiederholt die These, dass die Hisbollah negative Auswirkungen auf den Libanon habe. So könne sie gegebenenfalls alleine über Krieg und Frieden mit Israel oder innerhalb des Libanon entscheiden. Es ist aber auch unumstritten, dass sie durch ihre sozialen Aktivitäten dem Libanon eine gewisse Stabilität verleiht. Fakt ist aber auch, dass die Situation im Nahen Osten in ständiger Bewegung ist und die verschiedenen territorialen Einheiten durch den historischen Kontext in einer komplexen Art von Symbiose miteinander existieren. Das bedeutet, dass sich lokale Ereignisse immer in „ spill-over7 -Effekten auf das Umfeld auswirken und dieses nachhaltig beeinflussen können. Das hat zur Folge, dass der Nahe Osten insgesamt von einer enormen Fragilität geprägt ist, die es nicht zulässt, sichere Prognosen bezüglich einer kommenden Entwicklung zu treffen (PERTHES 1994: 8-9).

Aus diesem Grunde halte ich es für wichtig, die Rolle der Hisbollah innerhalb des Konstrukts Libanon zu untersuchen. Wie verhält sie sich innerhalb dieses fragilen Staatsgebildes? Ist sie ein Stabilisierungsfaktor in einer multikonfessionellen Nation, die darüber hinaus noch sozial und territorial fragmentiert ist? Oder stellt die Hisbollah ein Konfliktpotential dar, weil sie sich, wenn auch inoffiziell, als erfolgreiche Alternative zum libanesischen Staat präsentiert und dessen Gewaltmonopol nicht akzeptiert? Die „Partei Gottes“ pendelt zwischen Integration und Eskalation, zwischen politischen Pluralismus und „Staat im Staat“. Welcher Kurs zeichnet sich ab und welche Rolle wird sie in Zukunft im Libanon spielen?

Da es mir nicht möglich ist im Rahmen dieser Arbeit eine eigene umfangreichere Feldforschung vor Ort zu betreiben, stützt sich diese Arbeit größtenteils auf durch Literaturrecherche gewonnene Erkenntnisse. Natürlich ist es bei einer solchen Aufgabenstellung wichtig, möglichst viele Blickwinkel hinsichtlich der Thematik zu untersuchen, da Organisationen wie die Hisbollah und ihre Aktivitäten selten vollständig objektiv betrachtet werden können. Weiterhin ist es notwendig von der Hisbollah selbst publizierte Papiere zu untersuchen, da diese die Position der „Partei Gottes“ ungefiltert und ursprünglich wiedergeben. Dazu zählen in erster Linie das Werk „Hizbullah, The story from within“ von Naim Qassem 2005, dem stellvertretenden Generalsekretär der Hisbollah und das 2009 veröffentlichte aktuellste Manifest der Partei. Des weiteren sollen Interviews mit Kadern und andere Publikationen der Partei als eine Grundlage meiner Untersuchung dienen.

2. Nation und Staatlichkeit

Um die komplexen Vorgänge innerhalb der libanesischen Nation besser verstehen zu können, ist es nötig zu Beginn die Entstehung von Nationen und Staatlichkeit zu erläutern. Denn das Wissen über den Entwicklungsprozess eines solchen Gebildes erlaubt den Zerfall desselbigen und die dafür verantwortlichen Faktoren besser nachvollziehen zu können. Wie entstanden die Nationalstaaten, die die territoriale Aufteilung unseres Planeten bestimmend prägen, und die von vielen Menschen subjektiv als naturgegeben angesehen werden? Die Nation vermittelt die zufällige Zugehörigkeit zu ihr als Schicksalsgemeinschaft und die politische Strömung des Nationalismus lässt sich laut Anderson am ehesten mit „Verwandtschaft“ oder „Religion“ umschreiben (ANDERSON 2005: 15). Die Nation ist folglich eine imaginäre Gemeinschaft, deren Fortbestehen davon abhängt inwieweit sie in der Lage ist ihre Bevölkerung zu integrieren und sich selbst als Staatsapparat immer wieder zu legitimieren.

2.1. Nation: „Eine vorgestellte Gemeinschaft“

Innerhalb der wissenschaftlichen Literatur existiert keine Einigkeit über eine adäquate Definition für das Gebilde Nation. Die Erläuterung des Begriffes von Anderson erachte ich für sehr treffend: „Sie ist eine vorgestellte politische Gemeinschaft - vorgestellt als begrenzt und souverän“ (ANDERSON 2005: 15). Vorgestellt ist sie deshalb, weil die verschiedenen Individuen auch in der kleinsten Nation sich höchstwahrscheinlich nicht alle gegenseitig kennen oder begegnen werden. Des Weiteren wird die Nation als Gemeinschaft vorgestellt und suggeriert, da sie völlig unabhängig von real existierenden Ungleichheiten und Ausbeutung, als „kameradschaftlicher“ Verband von „gleichen“ verstanden und propagiert wird. Die verbindende Gemeinschaft ist also imaginär, da sie nicht in der Realität existiert und somit vorgestellt ist. Es wird eine Art Nationalbewusstsein erfunden, welches vorher nicht existierte. Ein „Wir-Gefühl“ wird erzeugt, um die Bevölkerung einer Nation aneinander und somit an die Nation zu binden. Diese identitätsstiftende Wirkung ist eine hochgradig emotionale Angelegenheit, die teilweise auf mystische Elemente baut. „Es ist das Wunder des Nationalismus, den Zufall in Schicksal zu verwandeln“ (HOBSBAWM 2004: 20). Die „vorgestellte Gemeinschaft“ ist für den emotionalen Zusammenhalt und die Identifikation mit der Nation von immenser Bedeutung. Wie der Bürgerkrieg im Libanon zeigte, kann die fehlende Identifikation mit der Nation und die Verschiebungen von Loyalitäten zu anderen Akteuren8, wie dem Clan oder der Konfessionsgruppe, zu einem Zerfall des Konstrukts Nation führen. Deshalb ist es vor allem für ethnisch, sozial oder konfessionell fragmentierte Nationalstaaten wichtig, diese Gegensätze durch eine gemeinsame Selbstwahrnehmung zu überbrücken.

Die Nation ist begrenzt und wird auch als solche vorgestellt, da jede Nation innerhalb festgelegter territorialer Grenzen liegt, jenseits derer sich andere Nationen befinden. Die Nation erhebt keinen universellen Anspruch dahingehend, dass sie es als Ziel betrachtet irgendwann alle Menschen der Erde als Teil der Gemeinschaft zu umfassen. Sie ist eine bewusste Abgrenzung gegenüber „den Anderen“ (ANDERSON 2005: 15). Nationen formen im Idealfall einen effektiven Integrationsverband für unterschiedliche Ethnien und soziale Schichten, deren Differenzen nicht eingeebnet, sondern überwölbt werden von einem gemeinsamem Identifikationssystem. Im Allgemeinen lassen sich hierzu zwei unterschiedliche Interpretationen dieser Visionen feststellen. Zum einen existiert die Vorstellung einer „politisch- subjektiven Nation“, die auf gemeinsamen Werten aufbaut und dem Willen der Gruppe kollektiv unter einer bestimmten staatlichen Ordnung zu leben. Zum anderen die „kulturell- objektive Nation“, die gemeinsame kulturelle Merkmale wie Sprache und Geschichte hervorhebt (STRAßNER et al. 2007: 16). Hier wird die Auffassung vertreten, dass die Nation das Endergebnis des rationalen Handelns politischer Akteure ist. Nationen sind folglich nicht durch Prozesse entstanden, in welchem eine gemeinsame Sprache, Geschichte oder Kultur nach und nach eine kollektive Identität erschufen, deren angestrebte Organisationsform die Nation darstellt. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass die Nation nichts naturgegebenes darstellt, sondern meist durch variierende, ideologische, kulturelle und politische Strategien, nicht selten eine von Eliten erfundene Gemeinschaft ist, in welcher ethnische und soziale Unterschiede durch ein einheitsstiftendes Identifikationsangebot vertuscht werden (STRAßNER et al. 2007: 16). So unterschiedlich die einzelnen Nationen auch in ihrer individuellen Organisationsform sein möchten, so haben sie doch alle eines gemeinsam, ihre „Modernität“. Denn auch wenn eine nationale Identifikation als etwas so selbstverständliches, natürliches und schon immer da gewesenes akzeptiert wird, ist das Gefühl der Identifikation mit diesem relativ jungen Gebilde dahingehend irrational, weil der Terminus Nation in dieser Art erst seit Ende des 18. Jahrhunderts besteht (HOBSBAWM 2004: 25).

Vor allem marxistisch geprägte Theorien heben die Unnatürlichkeit der Nation hervor und setzen an die Stelle von mystifizierenden Erklärungsansätzen9, ökonomische Faktoren der Nationenentstehung. Diese Thesen beschreiben den Prozess des Entstehens einer Nation folgendermaßen:

„Nation als ideelle Legitimitätsbasis der bürgerlichen Herrschaft. (...) Mit statischen Kategorien wie gemeinsame Sprache und Kultur oder gar gemeinsame Abstammung und territoriale Einheit lassen sich die historischen Phänomene Nation und die ihr zugrunde liegende Nationalität nicht adäquat definieren. Die Nationalitäten sind nicht Ausdruck zu sich gekommener mit gemeinsamen Merkmalen und Nationalcharakter ausgestatteten Völker; vielmehr löste die sich entfaltende kapitalistische Produktionsweise gesellschaftliche Mobilisierungsprozesse aus, die die Bildung von Nationalitäten aus diversen kulturellen, ethnischen und linguistischen Gruppierungen durch kulturelle Assimilation und politischer Integration ermöglichten“ (TIBI 1991: 19).

Bei dieser Theorie über die Entstehung von Nationen werden ganz klar die Akkumulationsprozesse der sich entwickelnden kapitalistischen Produktionsweise als entscheidender Faktor hervorgehoben, der unterschiedlichste Menschengruppen zu Nationalitäten zusammenfasst und deren kulturellen, ethnischen und linguistischen Diversitäten regrediert und neu organisiert. Marx selbst hebt die aktive Rolle des sich gegenüber dem Adel und des Klerus emanzipierenden Bürgertums hervor und unterstreicht dessen fortschrittliche Rolle. Seiner Ansicht nach ist die Geschichte eine Geschichte der Klassenkämpfe (MARX 1884: 11). Demzufolge stellt das Aufbegehren der Bourgeoisie gegen die Aristokratie einen Klassenkampf dar. Das siegreiche Bürgertum errichtet nun seinerseits eine Klassenherrschaft, um seine ökonomischen Interessen durchzusetzen und organisiert diese innerhalb der Nation. Die Konstituierung der europäischen Völker zu Nationen ist also ein Emanzipationsprozess des Bürgertums. „Erst wenn die dynastische Souveränität von der Souveränität der Nation abgelöst worden ist, können Freiheitsrechte in einer warenproduzierenden Gesellschaft: Eigentumsrechte, als Bürgerrechte in einem (national-) staatlichen Zustand verankert werden“ (TIBI 1991: 18-20). Der mit der Französischen Revolution aufkommende Nationalstaat stellt eine Veränderung der Herrschaftsverhältnisse dar. Er entspricht in seiner derartigen Form noch heute mit seinen Ordnungsprinzipien den Organisationsstrukturen der bürgerlichen Gesellschaften westlicher Demokratien. Insbesondere die in den Verfassungen fixierten Bürgerrechte und hier vor allem das „Recht auf Eigentum“ bilden den Kern der Zementierung bürgerlicher Herrschaft und deren Organisationsform der Nation. „So oder so bedeutete Nation eine Wirtschaft innerhalb nationaler Grenzen und deren systematische Förderung durch den Staat, und das hieß im 19. Jahrhundert nichts anderes als Protektionismus“ (HOBSBAWM 2004: 41). Auch Engels sieht in der Entstehung von Nationalstaaten handfeste ökonomische Interessen und verneint die politischen Theorien, die Nation mit Sprachgemeinschaften, gemeinsamer Geschichte und Kultur oder gar mit rassentheoretischen Kategorien erklären wollen. Er bezieht sich in seiner Analyse auf Deutschland und stellt folgende These auf:

„Mit der Entwicklung des Handels, des Ackerbaus, der Industrie und damit der sozialen Machtstellung der Bourgeoisie hob sich (...) überall das Nationalgefühl, verlangten die zersplitterten und unterdrückten Nationen Einheit und Selbständigkeit. (...) Dieser sich mächtig hebenden Industrie und dem sich an sie knüpfenden Handel aber musste die deutsche Kleinstaaterei mit ihren vielfachen verschiedenen Handels- und Gewerbegesetzgebungen bald eine unerträgliche Fessel werden. (...) Man sieht hieraus, wie das Verlangen nach einem einheitlichen, Vaterland einen sehr materiellen Hintergrund besaß. (...) Es war das aus der unmittelbaren Geschäftsnot hervorbrechende Begehren des praktischen Kaufmanns und Industriellen nach Wegfegung all des historisch überkommenen kleinstaatlichen Plunders, der der freien Entfaltung von Handel und Gewerbe im Wege stand, nach Beseitigung all der überflüssigen Reibung, die der deutsche Geschäftsmann erst zu Hause überwinden musste, wenn er den Weltmarkt betreten wollte, und deren alle seine Konkurrenten überhoben waren. Die deutsche Einheit war eine wirtschaftliche Notwendigkeit geworden“ (Engels 1870).

Das bedeutet, dass die Ausbildung einer Nation eine rational geplante Aktion, in diesem Fall eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist, die meist von einer geistig, politisch oder ökonomisch führenden Klasse angestrebt wird, ihr Ziel ist die politische Selbstbestimmung, im neuen, den eigenen Vorstellungen entsprechenden, Nationalstaat. (TIBI 1991: 18). Da die Nation für ihre Bevölkerung nicht direkt erfahrbar ist, wird ein symbolisches Bezugssystem entwickelt, welches die Menschen an das Konstrukt bindet und es kollektiv erfahrbar macht. Hierzu werden politische Symbole10 verwendet wie zum Beispiel Nationalfeiertage, Nationalflaggen, Nationalmannschaft. Auch werden Nationalhymnen und Gedenkstätten erschaffen, sowie eine Hauptstadt ernannt. Es wird ein „Image der Nation“ konstruiert, wozu eine gemeinsame Geschichte und Vergangenheitsbilder gehören. Diese abstrakten Bilder und Mythen erzeugen ein greifbares erfahrbares Nationalgefühl, mit welchem sich die Bevölkerung identifizieren und es gemeinsam praktizieren kann (STRAßNER et.al. 2007: 19). Diese Herstellung politischer Symbole ist eine der schwierigsten Aufgaben der libanesischen Nation. Diese muss eine Gesellschaft umfassen, welche durch konfessionelle- und soziale Unterschiede fragmentiert ist. Des Weiteren hatte sie nie einen langwierigen, wie von Engels beschriebenen Prozess durchlaufen, sondern ist das Ergebnis von Verhandlungen zwischen Frankreich und England nach dem Ersten Weltkrieg. Die Nation muss ihrer Bevölkerung nachhaltig ihre Legitimität vermitteln, weil sie sonst von verschiedenen Akteuren in Frage gestellt werden könnte, welche deren Konstruktion sogar als Werk der imperialen Mächte11 betrachten. Wie dies im Libanon der Fall war. Ein fundiertes gemeinsames Nationalgefühl ist meist nur in Krisen vorhanden. Bei israelischen Attacken werden die Gegensätze innerhalb der libanesischen Gesellschaft vergessen und aufgrund der Bedrohung das „Wir-Gefühl“ entwickelt. Diese gemeinsame Identität verschwindet aber in der Regel so schnell wie sie entstand. Die libanesische Nation hat es bisher noch nicht geschafft eine nachhaltige nationale Identität zu entwickeln.

2.2. Staat und Staatlichkeit

Da eine Nation an sich nur eine vorgestellte Gemeinschaft ist, die innerhalb eines bestimmten Territoriums besteht, braucht sie noch ein Gerüst, welches das künstliche Gebilde zusammenhält und organisiert, den Staat. Auf den Libanon bezogen ist die Analyse von Staatlichkeit und den Aufgaben eines Staates dahingehend wichtig, zu untersuchen was für „output“ ein Staat erbringen sollte, um seine Legitimität erfolgreich zu erhalten. Da der libanesische Staat als failing state betrachtet wird, ist die Erläuterung von effektiver Staatlichkeit in diesem Fall unerlässlich, um sein aktuelles partielles Versagen zu verstehen. Genauso wie bei dem Begriff Nation existiert zu dem Terminus Staat eine Vielzahl von Definitionsvorschlägen. Das westliche Verständnis von Staatlichkeit betont meist die Trias von Staatsgebiet, Staatsvolk und Staatsgewalt. Hier liegt der Schwerpunkt gewissermaßen auf dem Minimum von Aufgaben, die ein Staat bewältigen muss, um existieren zu können: Die Etablierung einer einheitlichen, souveränen Staatsgewalt und die vollständige Kontrolle über die Bevölkerung eines ausgewiesenen Gebietes (STRAßNER et. al. 2007: 14). Der Staat steht also vor der permanenten Aufgabe seinen territorialen Herrschaftsbereich nach außen zu sichern und seinem staatlichen Gewaltmonopol konkurrenzlos nach innen Geltung zu verleihen.

Des Weiteren muss der Staat leistungsfähige Institutionen und einen funktionierenden Verwaltungsapparat schaffen. Dieser muss in der Lage sein öffentliche Ressourcen in Form von Steuern und Arbeitskraft zu mobilisieren, sowie ein effektives Polizei- und Rechtssystem zu installieren, um seine Herrschaft zu zementieren (STRAßNER et. al. 2007: 15). Das staatliche Monopol an Entscheidung und Gewalt ist auf eine gewisse Legitimität angewiesen, ohne welche dieses Monopol nicht aufrecht zu erhalten wäre. Aus diesem Grund ist der Staat in mancher Hinsicht darauf angewiesen, dass die Bevölkerung, die er regiert, sich mit ihm identifiziert. Wenn dies nicht der Fall wäre, würde dieses politische Kollektiv aufgrund der in ihm herrschenden Gegensätze zwangsläufig auseinanderbrechen. Der Staat muss folglich die Gesellschaft möglichst umfassend durchdringen. Um seine Legitimität und Effektivität zu erhalten, muss er die Menschen emotional an sich binden. Die Aufrechterhaltung der Legitimität wird am ehesten durch eine wirkungsvolle Funktionserfüllung, die sogenannte „Outputlegitimität“12 erreicht. Das bedeutet, dass sich der Staat aufgrund der von ihm erbrachten Leistungen, beispielsweise in Form von Sicherheit, Bildung, Gesundheitswesen und einem funktionierenden Rechtssystem innerhalb der Bevölkerung als effektiv arbeitende, alternativlose politische Körperschaft präsentiert (STRAßNER et. al. 2007: 33-34).

Im Idealfall wächst der Staat mit seiner Bevölkerung auf einer emotionalen Ebene zusammen und es entsteht ein „Wir-Gefühl“, welches sich als eine Form von Abgrenzung gegenüber anderen Nationalstaaten äußert, der Nationalismus13. Adorno beschreibt den Nationalismus folgendermaßen: „Aktuell aber ist der Nationalismus insofern, als allein die überlieferte und psychologisch eminent besetzte Idee der Nation, stets noch Ausdruck der Interessengemeinschaft in der internationalen Wirtschaft, Kraft genug hat, Hunderte von Millionen für Zwecke einzuspannen, die sie nicht unmittelbar als die ihren betrachten können“ (Adorno 1971: 21).

Dieses kollektive Bewusstsein wird vor allem durch eine festgelegte einheitliche Sprache und ein staatliches Schulsystem das den Lehrplan bestimmt erreicht. In den Schulen legt der Staat die Lerninhalte fest. So kann er zum Beispiel durch nationales Bildungsgut, Identität sowie Kollektivität und eine gemeinsame Geschichte erzeugen, die für den staatlichen Zusammenhalt von immanenter Bedeutung sind. Der Staat hat durch das Monopol auf Lerninhalte gleichzeitig die alleinige Verfügung über das Identifikationsangebot und legt somit fest, wie sich der Nationalstaat definiert, wer der Gemeinschaft zugehörig ist und wer nicht14 (STRAßNER et. al. 2007: 19-20). Marxistische Theorien vertreten eine andere Auffassung von Staat und Staatlichkeit. Laut Lenin entsteht Staat immer dort wo Klassengegensätze unversöhnlich sind. Das bedeutet, dass die Gesellschaft in einen unlösbaren Widerspruch mit sich selbst verwickelt ist. Damit die verschiedenen Klassen mit ihren unterschiedlichen ökonomischen Interessen die Gesellschaft nicht durch einen Bürgerkrieg zerstören, ist eine über der Gesellschaft stehende Macht von Nöten, die die Konflikte dämpft, unterdrückt und die Ordnung der herrschenden Klasse aufrechterhält.

[...]


1 Failing state wird als versagender Staat übersetzt. Ausführliche Ausführungen dazu in Kapitel 2.3. „ Failing states “ .

2 Hisbollah (deutsche Schreibweise) arab.: Hizb Allah, dt.: Partei Gottes.

3 Vgl. (SAKMANI 2008: 145): Mancherorts wurde die Scharia (Islamische Gesetzgebung) von der Hisbollah installiert, seit 1990 aber ohne Zwangscharakter, das bedeutet, dass diese Gerichte bei Bedarf in Anspruch genommen werden können.

4 Vgl. hierzu (HEINRICH 2005: 179): Die systematische Förderung von Wissenschaft und Technik, die der Kapitalismus aufgrund der permanenten Konkurrenz benötigt und vorantreibt, unterminiert vorhandene Vorurteile und religiöse Welterklärungen. Auf dieser Basis entstand das Selbstverständnis der bürgerlich- kapitalistischen Gesellschaft als Zentrum von Aufklärung, Zivilisation und Kultur (...) aus diesem Blickwinkel erscheinen alle differierenden Gesellschaftsformen als unterentwickelte Vorstufen zur bürgerlichen Gesellschaft.

5 Diese Kurzbezeichnung stammt aus einer Koransure, welche der Leitspruch der Hisbollah ist: "Wahrlich, die Partei Gottes ist die siegende Partei“.

6 Vgl. hierzu (SAKMANI 2008 : 9).

7 Von einem „ spill-over “ Effekt (dt.: Übertragungseffekt) spricht man, wenn ein Ereignis direkte Auswirkungen auf sein Umfeld hat.

8 Diese Gemeinschaften sind aber größtenteils ebenfalls vorgestellt (z.B. Konfession).

9 Vgl. hierzu (TIBI 1991: 15): Hier sind mystifizierende Erklärungsansätze zu finden, wie z.B. rassetheoretischen Kategorien, die eher einer völkisch geprägten Konstruktion eines xenophoben, bzw. integralen Nationalismus dienen, als einer objektiven Analyse.

10 Diese Symbole werden mystifiziert und eine Beleidigung der selbigen unter Strafe gestellt. In der BRD existiert im Strafgesetzbuch der Paragraph 90, der die Sanktionierungen gegenüber Personen regelt, welche die BRD und ihre Symbole verunglimpfen (§ 90a Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole).

11 Die Hisbollah bezeichnete den Libanon als Konstrukt der imperialen Macht Frankreich.

12 Straßner führt diesen Begriff ein und beschreibt damit die Leistungen eines Staates, die dieser erbringen muss um sich in den Augen seines Staatsvolkes als legitim zu erweisen.

13 Wie durchdringend nationalistische Identifikation sein kann, veranschaulichen die Kriege zwischen Nationalstaaten, in welchen Millionen von Menschen mit „Hurra“ für ein abstraktes Konstrukt wie ihre Nation starben und sterben. Zur Veranschaulichung zählt aber auch das Vorgehen gegen „Landsleute“ die dieses Konstrukt in Frage stellen, welches nicht selten mit verbaler Gewalt beginnt („Nestbeschmutzer“, „vaterlandslose Gesellen“ usw.) und mit physischer Gewalt endet (z.B. Vorgehen der Nationalsozialisten gegen Kommunisten).

14 Wie effektiv diese Abgrenzung verinnerlicht werden kann zeigen ausländerfeindliche Pogrome z. B. in Rostock Lichtenhagen 1992. Das oft genannte Motiv für solche Entgleisungen ist: „Die nehmen uns die Arbeitsplätze weg“. Dieser Standpunkt zeigt aber auch, wie erfolgreich der nationale „Wir-Gedanke“ die sozialen Ungleichheiten kanalisiert und auf die „Fremden“ projiziert, die als Konkurrenz empfunden werden.

Ende der Leseprobe aus 58 Seiten

Details

Titel
Die Hisbollah: Integrierte nationallibanesische Partei oder "Staat im Staat"?
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Kulturgeographie)
Note
2.0
Autor
Jahr
2010
Seiten
58
Katalognummer
V174738
ISBN (eBook)
9783640953790
ISBN (Buch)
9783640953950
Dateigröße
673 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Libanon, Bürgerkrieg, Schiiten, Israel, Islamismus, Terrorismus, Staat, Nahost
Arbeit zitieren
Anton Frey (Autor), 2010, Die Hisbollah: Integrierte nationallibanesische Partei oder "Staat im Staat"?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174738

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