Die Logik des kollektiven Handelns nach Mancur Olson

Eine Darstellung und Diskussion der Theorie mit Einbezug der empirischen Studie des Allmende-Dilemmas


Hausarbeit, 2011
9 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Logik des kollektiven Handelns – Eine Darstellung
2.1 Die Eigenschaften der Gruppen
2.2 Selektive Anreize

3. Das Allmende-Dilemma als empirische (Beleg-)Studie

4. Die (soziale) Diskussion über die Logik des kollektiven Handelns

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Selbstständigkeitserklärung

1. Einleitung

„Wenn jeder in der Gruppe von Individuen oder Unternehmen ein bestimmtes Interesse teilt, dann wird die Gruppe dazu neigen, dieses Interesse zu fördern.“ (Olson 1991: 20).

Diese „traditionelle Theorie der Gruppen“ (vgl. Olson 2004: 15 ff.) nehmen viele Wissenschaftler als selbstverständlich an. Dabei ist sie in den Augen des US-amerikanischen Nationalökonom Mancur Olson falsch und übt 1965 mit seinem Werk „The Logic of Collective Action“ (deutsch: Die Logik des kollektiven Handelns) an ihr Kritik. Aufbauend auf die Rational Choice-Theorie ist er der Überzeugung, dass ein gemeinsames Gruppeninteresse von rationalen Individuen keinesfalls garantiert, dass dieses Interesse realisiert wird. Für mich erschließen sich dadurch zwei Fragen: Kann Olson seine Kritik widerspruchsfrei darlegen? Gibt es Grenzen der Theorie?

In dieser Hausarbeit versuche ich meine Antworten darauf zu finden. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf die von Olson formulierte Logik des kollektiven Handelns, die im zweiten Kapitel genauer beleuchtet wird. Anschließend stelle ich die empirische Studie von Elinor Ostrom zur Problematik der Allmende vor, um die Olsons Theorie weiter zu untermauern. Im vierten Kapitel diskutiere ich die Logik des kollektiven Handelns und offenbare die Grenzen der Theorie. Zum Abschluss fasse ich die gewonnenen Erkenntnisse im Kapitel fünf überschaubar zusammen.

2. Die Logik des kollektiven Handelns – Eine Darstellung

Mancur Olsons Logik des kollektiven Handelns (kurz: Logik) fußt auf der Rational Choice- Theorie und dem damit verbundenem methodologischen Individualismus. Dies bedeutet, dass ein rationales Individuum nicht nur seine Bedürfnisse kennt, sondern auch seine Entscheidungen hin zur Realisierung seiner Ziele orientiert. Somit entsteht das Menschenbild des „Homo Oeconomicus“, der versucht, seinen Nutzen zu maximieren und seine eigenen Kosten zu reduzieren (vgl. Busch 2008: 5 f.). Durch dieses rationale Verhalten kann nicht gewährleistet werden, dass ein gemeinsames Gruppeninteresse realisiert wird.

Erklären lässt sich dies durch die Kollektivgüter (Synonym für Gemein- und öffentliche Güter), die von Organisationen bereitgestellt werden und „als jedes Gut definiert [werden, S.F.], das den anderen Personen in einer Gruppe praktisch nicht vorenthalten werden kann, wenn irgendeine Person (...) in einer Gruppe (...) es konsumiert.“ (Olson 2004: 13). Ein Konflikt entsteht, da alle Mitglieder der Gruppe am Kollektivgut profitieren, auch diejenigen,

die nichts zur Bereitstellung beitrugen. Das so entstandene Trittbrettfahrer-Problem (englisch: free-rider problem) wird von den rational handelnden Individuen noch gefördert, da sie sich an den geringsten individuellen Kosten und maximalen Nutzen orientieren. Dadurch entstehen Probleme in der Organisation von Gruppen, da vor allem in großen Gruppen die Rationalität die Tendenz zur Suboptimalität fördert, wodurch in Abwesenheit von selektiven Anreizen (siehe 2.2) kein Kollektivgut hergestellt und nicht im Gruppeninteresse gehandelt werden kann (vgl. Busch 2008: 8). Somit ist eine Unterscheidung von verschiedenen Gruppenarten und -größen notwendig.

2.1 Die Eigenschaften der Gruppen

Zuerst lassen sich zwei Grundtypen von Gruppen festlegen: die exklusiven und inklusiven Gruppen. Die exklusive Gruppe ist marktorientiert und daran interessiert, dass wenige Mitglieder der Gruppe beitreten. Sie will Konkurrenz meiden, da sie den zu erreichenden Preis für ein Produkt, dem exklusiven Kollektivgut, senken. Im Gegensatz dazu sind die inklusiven Gruppen nicht-marktorientiert und streben eine höhere Mitgliederzahl an, wodurch sich ihr inklusives Kollektivgut automatisch ausdehnt (vgl. Olson 2004: 35 f.).

Ferner sieht Olson einen Zusammenhang zwischen Größe und Zusammenhalt einer Gruppe und unterscheidet deswegen zwischen drei Gruppengrößen: der privilegierten, mittelgroßen (beides nicht-marktorientierte Gruppen) und latenten Gruppe. Die privilegierte Gruppe ist eine kleine, möglichst homogene Gruppe mit wenigen Mitgliedern. Sie sind am ehesten dazu fähig, Kollektivgüter ohne Gruppenorganisation oder –koordination zu produzieren und bereitzustellen, da Trittbrettfahrer dank eines hohen Gruppeninteraktionsgrads identifizierbar und sanktionierbar sind. Darüber hinaus sind die Kosten für die Bereitstellung gering, wodurch einzelne Gruppenmitglieder selbst das Kollektivgut bereitstellen könnten, da ihr „ (...) persönlicher Gewinn aus dem Kollektivgut die Gesamtkosten der Bereitstellung einer gewissen Menge dieses Kollektivgutes übersteigt.“ (ebd.: 32). So findet eventuell eine Ausbeutung der Großen, die sich für das Kollektivgut einsetzen, durch die Kleinen, den restlichen Mitgliedern, statt (vgl. ebd.: 48 f.).

Eine mittelgroße Gruppe besitzt eine durchschnittlich große Mitgliederzahl. Die Mitglieder sind weder absolut persönlich abhängig von der Gruppe, noch haben sie die Motivation, sich an der Beschaffung eines Kollektivguts zu beteiligen, da ihre Mitwirkung kaum auffällt. Nur mit Gruppenübereinkünften und Organisation lassen sich Kollektivgüter bereitstellen (vgl. ebd.: 49).

Im Gegensatz dazu zeichnet sich eine latente Gruppe durch eine sehr große Mitgliederanzahl aus, wodurch die Mitglieder eine sehr geringe persönliche Abhängigkeit gegenüber der Gruppe verspüren. Hier wird nicht zur Kenntnis genommen, ob ein Mitglied zur Bereitstellung des Kollektivguts beiträgt, wodurch das rationale Individuum sich als Trittbrettfahrer verhält und lediglich das Gut konsumiert, sich dieses aber nichts kosten lässt. Olson definiert diese Gruppe deshalb als latent, ,,weil sie eine latente Macht oder Fähigkeit zum Handeln hat, aber diese mögliche Macht nur mit Hilfe von „selektiven Anreizen“ realisieren oder „mobilisieren“ [kann; S.F.]." (ebd.: 50). Solange die Gruppe also lediglich kollektive Güter bereitstellt und keine selektiven Anreize anbietet, sind diese Organisationen suboptimal ausgerichtet.

2.2 Selektive Anreize

Selektive Anreize sollen den Organisationen die Möglichkeit geben, Trittbrettfahrer anders zu behandeln als jene, die sich für das Kollektivgut beteiligen. Dabei können sie negativer, wie Zwang oder Bestrafung, sowie positiver Art, wie Prämien oder diverse Vorteile, sein. Eine besondere Form der selektiven Anreize lässt sich in privilegierten oder großen föderativen Gruppen finden: die sozial selektiven Anreize. Diese sind wiederum negativer, wie Bestrafung durch Verachtung/ Verbannung, oder positiver Art, Respekt oder Lob (Olson 1991: 25 ff.). Diese Form von selektiven Anreizen wird durch Heterogenität begrenzt, da lediglich bei Übereinstimmung die Chance für kollektives Handeln steigt und sonst Sonderkosten entstehen. Ausnahmen bilden privilegierte Gruppen, bei denen Heterogenität einen Anreiz zum Meinungsaustausch liefert (ebd.: 28 f.).

3. Das Allmende-Dilemma als empirische (Beleg-)Studie

Olsons Logik macht theoretisch Sinn, doch kann sie auch praktisch angewendet werden? Elinor Ostrom hat sich 1990 in ihrem Werk „Governing the Commons: The Evolution of Institutions for Collective Action“ (deutsch: Die Verfassung der Allmende: jenseits von Staat und Markt) mit der Thematik des kollektiven Handelns sowie dem Allmende-Dilemma auseinandergesetzt und sie mithilfe von empirischen Befunden erklärt.

Ein Allmende-Dilemma liegt dann vor, wenn eine gemeinsam genutzte, knappe (natürliche) Ressource (Allmende; englisch: CPR [common-pool resource]) existiert, mehrere Personen über die Ressource verfügen und keine Person das Ausmaß der Nutzung der anderen kontrollieren kann (vgl. Diekmann/ Preisendörfer 2001: 78 f.). So ist es beispielsweise in Alanya, einem Fallbeispiel, dass Ostrom in ihrem Werk systematisch analysiert.

Der kleinen Gemeinschaft von Küstenfischer von Alanya in der Türkei drohte die Überfischung. Um die Fischgründe zu erhalten, teilten sie diese in mehrere Sektoren auf, die täglich aufgrund unterschiedlicher Fangergebnisse zwischen den Fischern rotieren. Die Einhaltung wird mithilfe der Selbstkontrolle und -sanktionierung gewährleistet, da die Fischer Fehlverhalten im eigenen Interesse sanktionieren. Dies stellt eine institutionelle Regelung ohne Kontroll- und Überwachungskosten sowie einem Minimum an Bürokratie dar, sodass die Fischer den Anreiz haben, die Regeln im Eigeninteresse zu befolgen (vgl. ebd.: 89). Das Allmende-Dilemma wurde also mithilfe von institutionellen Regeln abgewendet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Die Logik des kollektiven Handelns nach Mancur Olson
Untertitel
Eine Darstellung und Diskussion der Theorie mit Einbezug der empirischen Studie des Allmende-Dilemmas
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Grundzüge der Soziologie II
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
9
Katalognummer
V174765
ISBN (eBook)
9783640954261
ISBN (Buch)
9783640954131
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Logik des kollektiven Handelns, Mancur Olson, Olson, Allmende, Allmende-Dilemma, Soziologie, Selektive Anreize, Kollektivgut, Elinor Ostrom, Ostrom, soziale Bewegungen
Arbeit zitieren
Sandra Friedrichs (Autor), 2011, Die Logik des kollektiven Handelns nach Mancur Olson, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174765

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