Der Inquisitionsprozess gegen Jeanne d'Arc


Seminararbeit, 2001

9 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Der Inquisitionsprozeß gegen Jeanne d´Arc

A: Der Inquisitionsprozeß

B: Der Inquisitonsprozeß gegen Jeanne d´Arc
1. Der Prozessaufbau
a wichtige Personen
b formeller Aufbau
c Hauptvorwürfe
2. Die zwölf Schuldartikel
a Artikel 5
b Artikel 8
c Artikel 12
3. Das Prozessende
a Urteilsverkündung und Abschwörung
b Rückfälligkeitsprozess, Verurteilung und Vollstreckung

C: Meinungen und Beurteilungen zum Prozess

D: Anhang

Der Inquisitionsprozeß gegen Jeanne d´Arc

A: Der Inquisitionsprozeß

Der Inquisitionsprozeß der Kirche fand seine Entstehung in der sogenannten „Inquisitio“1

die auf Papst Innozenz III zurückgeht und im Jahre 1215 auf dem Laterankonzil2 beschlossen

wurde. Später wurde die Inquisition zu einem Gerichtsverfahren gegen Ketzer bzw. Häretiker3 und vom rechten Glauben abweichende Personen, deren Seelenheil auf diese Weise gerettet werden sollte. Nach und nach entwickelte sich die Inquisition jedoch zu einem unbarmherzigen Mittel der Kirche indem sie durch Angst und „Terror“4 ihre Gläubigen an sich band5. Ein Inquisitionsverfahren konnte auf dreierlei Weise eingeleitet werden:

Erstens durch accusatio (vergleichbar einer Privatklage6 ), zweitens durch denuntatio (vergleichbar einem Strafantrag7 )8 und drittens durch die inquisitio (von Amts wegen)9.

Ihren Höhepunkt erreichte die Inquisition zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert und in genau

diese Zeit fällt der hier untersuchte Prozess gegen Jeanne d´Arc im Jahre 1431.

B: Der Inquisitionsprozeß gegen Jeanne d´Arc

Dieser Prozess wird im Jahr 1431 geführt gegen eine junge Frau aus Domremy10 die aufgrund ihrer Engelserscheinungen und ihren Vision (von ihr selbst als „Stimmen“ bezeichnet) ihre Heimat verließ und den sich zurückziehenden Herrscher Karl VII und dessen Anhängerschaft11 zum Widerstand gegen die Engländer und den Regenten zur Krönung führte12.

1. Der Prozessaufbau

Für das Verständnis des Prozesses erscheint besonders wichtig der Aufbau, die Personen die daran teilgenommen haben und die Vorwürfe die gegen die Angeklagte erhoben wurden bzw.

den zentralen Punkt in der Verhandlung eingenommen haben.

a) Wichtige Personen

Zweifelsohne standen im Prozessmittelpunkt die Angeklagte Jeanne d´Arc13 und der Oberste Richter Pierre Cauchon14. Dem Prozess wohnten immer Notare, Protokollanten, Theologen und Gelehrte und eine Unterschiedlich große Zahl an Beisitzern bei15. Eine wichtige Rolle erhielt der Protokollant Guillaume Manchon16 der vor allem im Prozess 1456 zur Aufklärung des Inquisitionsprozesses gegen Jeanne d´Arc beigetragen hat.

b) Der formelle Aufbau

Der gesamte Prozess nahm einen Zeitraum von etwas über drei Monaten in Anspruch, am 21.2.1431 begann die erste öffentlich Sitzung und wurde durch die sechste öffentliche Sitzung am 3.3.1431 abgeschlossen. Die darauf folgenden neun Sonderverhöre erstreckten sich über den Zeitraum vom 10.3.1431 bis zum 17.3.1431, daran schlossen sich an: Prozessberatung (18.3.), Ermahnung an die Angeklagte (25.3.) und zwei Mahnreden (18.4. und 2.5.), der Folterandrohung (9.5.) und der Verlesung der 12 Schuldartikel17 (23.5.).

Die Urteilsverkündung bei der Johanna plötzlich abschwört fand am 24.5. statt, der darauffolgende Rückfälligkeitsprozess am 28.5. Die Verurteilung folgte am nächsten Tag und am 30.5.1431 wurde die Angeklagt hingerichtet.18

[...]


1 „Eine Inquisitio konnte eingeleitet werden, wenn ein Gerücht über ein Vergehen eines Klerikers dem zuständigen Prälaten zu Ohren kam. Dieser musste daraufhin einschreiten und den Wahrheitsgehalt prüfen.“ Lothar Kolmer: „...ad terrorem multorum. Die Anfänge der Inquisition in Frankreich“ (S. 77-103) in: Peter Segl (Hrsg.) „Die Anfänge der Inquisition im Mittelalter“, Köln 1993, S. 87.

2 a) ibid, S. 86.

b) Aufruf zum Kreuzzug mit den Zielen der Kirchenreform und der Wiedergewinnung des Heiligen Landes. Nach W.Maleczek: Art. „4.L., IV“ in Lexikon des Mittelalters Bd. 5, München/Zürich 1991, Sp. 1742-1744.

3 „Dazu hatten die Bestimmungen des Laterankonzils von 1215 ihre Auswirkungen: Auf dem Konzil wurde festgelegt, daß Nichtübereinstimmung mit der Lehre der katholischen Kirche künftig Häresie bedeutete.“ Lothar Kolmer: „ ad terrorem multorum. Die Anfänge der Inquisition in Frankreich (S.77-103) in: Peter Segl (Hrsg.) „Die Anfänge der Inquisition im Mittelalter“, Köln 1993, S.86.

4 ibid, S.78.

5 „Es bestand nämlich die für unser heutiges Gerechtigkeitsgefühl unfaßbare Bestimmung, daß jemand, der im Verdacht der Ketzerei stand, vor die Schranken des Gerichts geschleppt und - ohne , daß er tatsächlich der Ketzerei überführt zu werden brauchte, - wegen des auf ihm lastenden Verdachts verurteilt werden konnte.“ Richard Bauer, „Der Strafprozeß der Inquisition in Südfrankreich“, Heidelberg 1917, <zugl.: Heidelberg, Uni., Jur. Fak., Diss., 1917> S.65.

6 ibid, S.61.

7 ibid, S.61.

8 Diese Formen der Anzeige kamen vor allem durch die „allgemeine Denunzationsplicht“ zustande an die die Gläubigen recht häufig von der Kanzel herunter von ihrem Pastor erinnert wurden. ibid, S. 54ff.

9 „Die Anklage fiel hier mithin nicht ganz weg, sondern sie wurde durch die fama publica - auch clamosa insinuatio genannt - ersetzt. Nicht also der Richter, sondern das Gerücht begann der Prozeß.“ ibid, S.63.

10 Ruth Schirmer-Imhoff, „Der Prozeß Jeanne d´Arc Akten und Protokolle 1431, 1456“ München, 1987, S.18.

11 Allgemein bezeichnet mit dem Begriff „Armagnacs“ .

Henry Charles Lea: „Geschichte der Inquisition im Mittelalter III“, Nördlingen 1987, S. 384.

12 „Am nächsten Tage, Sonntag, dem 17. Juli (1429, Anm. d. Verfassers), wurde er zum Könige von Frankreich gekrönt.“ Ibid, S.395.

13 Lebte von 1412 bis 1431. Vgl. Ruth Schirmer-Imhoff: „Der Prozeß Jeanne d´Arc Akten und Protokolle 1431/1456“, München 1987.

14 Pierre Cauchon wurde 1371 geboren und starb als Bischof von Lisieux im Jahre 1442 Ph. Wolff : Art. „Cauchon, Pierre“, in: Lexikon des Mittelalters, München/Zürich 1991, Sp. 1578-1579.

15 a)Ruth Schirmer-Imhoff, „Der Prozeß Jeanne d´Arc Akten und Protokolle 1431, 1456“ München, 1987, S. 17ff.

b) „Bei der Vernehmung müssen ständig fünf Personen zugegen sein: Richter, Notar, Angeschuldigter und zwei Gerichtszeugen.“ Richard Bauer, „Der Strafprozeß der Inquisition in Südfrankreich“, Heidelberg, 1917 S.72.

16 Manchon, Guillaume, Schreiber (1396-1456) Thomas Heinz: „Jeanne d´Arc“, Berlin 2000, S.618.

17 siehe dazu: Kapitel B.2.

18 Ruth Schirmer-Imhoff, „Der Prozeß Jeanne d´Arc Akten und Protokolle 1431, 1456“ München, 1987.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Der Inquisitionsprozess gegen Jeanne d'Arc
Hochschule
Universität Regensburg
Note
2,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
9
Katalognummer
V175072
ISBN (eBook)
9783640959471
ISBN (Buch)
9783640959679
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inquisition, Jeanne d´Arc
Arbeit zitieren
Simon Baar (Autor:in), 2001, Der Inquisitionsprozess gegen Jeanne d'Arc, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175072

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