Immobilienwirtschaftliches Potenzial bei der Umnutzung von Kirchen


Masterarbeit, 2011

142 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

Vorwort

1 Einleitung
1.1 Problem- und Zielstellung
1.2 Methodisches Vorgehen
1.3 Begriffsbestimmung
1.3.1 Kirche als Bauwerk
1.3.2 Sakral und profan
1.3.3 Umnutzung

2 Ursachen und Auswirkungen ungenutzter Kirchen
2.1 Veränderung in der Gesellschaft
2.2 Finanzielle Rahmenbedingungen
2.3 Auswirkungen auf den Immobilienbestand

3 Cluster von Kirchen des Bistums Hildesheim
3.1 Grundlagen
3.2 Ergebnisse und Auswertung
3.2.1 Kategorisierung
3.2.2 Bedeutsame Denkmale
3.2.3 Eigentumsverhältnisse
3.2.4 Bauliche Bewertung
3.2.5 Lagebeurteilung als Vorauswahl
3.3 Schlussfolgerungen

4 Umnutzungen mit zugehörigen Praxisbeispielen
4.1 Sakrale und erweiterte Nutzung
4.1.1 Kolumbarium
4.1.2 Gemeinderaum und Gemeindezentrum
4.1.3 Erweiterte Nutzung mit Gastronomie
4.2 Gemeinnützige Nutzung
4.2.1 Sport- und Veranstaltungshalle
4.2.2 Wohnungen
4.2.3 Bibliothek
4.3 Kommerzielle Nutzung
4.3.1 Buchhandlung
4.3.2 Restaurant
4.3.3 Büro
4.4 Schlussfolgerungen

5 Bautechnische Möglichkeiten
5.1 Denkmalschutz
5.2 Umgesetzte Lösungen
5.3 Modellvorhaben und Überlegungen

6 Kirche aus wirtschaftlicher Sichtweise
6.1 Finanzierung der Umnutzung
6.2 Berechnung und Bewertung
6.3 Die Kirche als eingeschränktes Wirtschaftssubjekt

7 Umnutzung von Kirchen aus immobilienwirtschaftlicher Betrachtung
7.1 Erfolgsfaktoren
7.2 Immobilienwirtschaftlicher Beitrag
7.2.1 Beratung
7.2.2 Immobilienbewertung
7.2.3 Interessentengewinnung und Vermarktung
7.3 Kritische Betrachtung
7.3.1 Gescheiterte Nachnutzungen
7.3.2 Erhaltung von Kirchen
7.3.3 Angemessene Umnutzung oder Abriss

8 Fazit
8.1 Zusammenfassung
8.2 Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhangsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1 - Preisträger-Modell St. Nikolai Kirche in Eilenburg

Abbildung 2 - Die Kirche - Gottes Haus im Schnittpunkt zwischen Himmel und Erde

Abbildung 3 - Anteil der Katholiken 2009 zur Bevölkerung im (Erz-)Bistum

Abbildung 4 - Einnahmen der Evangelischen Kirche

Abbildung 5 - Ausgaben der Evangelischen Kirche

Abbildung 6 - Kategorisierung der Kirchen im Bistum Hildesheim

Abbildung 7 - Bedeutsame Kirchen aufgeteilt nach Kategorisierung vom Bistum Hildesheim

Abbildung 8 - Eigentumsverhältnisse bei den Kirchen im Bistum Hildesheim

Abbildung 9 - Bewertung der Kirchen aus baulicher Sicht vom Bistum Hildesheim

Abbildung 10 - Vorauswahl durch Lagebeurteilung von 48 Kirchen („C 2“ und profaniert)

Abbildung 11 - Mehrgeschossiger Einbau in die Stadtpfarrkirche St. Marien in Müncheberg

Tabelle 1 - Beschreibung der Kategorien für die Einordnung von Kirchen

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorwort

Im Rahmen meines Masterstudiums an der HAWK Holzminden traf ich auf die Problematik des geringer werdenden Bedarfes an Kirchengebäuden und die damit verbundenen Diskussionen über die weitere Nutzung. Insbesondere bei dem Gebäude „Kirche“, das sogenannte Gotteshaus, ist eine fortführende Nachnutzung wegen der besonderen Umstände, angefangen von den baulichen Gegebenheiten bis hin zu wirtschaftlichen Aspekten, kompliziert.

Mir wurde mit zunehmender Aufmerksamkeit für diese Problematik bewusst, dass das Thema der Umnutzung von Kirchen umstritten und vielseitig ist. Dies zeigt sich in zahlreichen Diskussionsbeiträgen von Architekten, Denkmalschützern sowie den kirchlichen Vertretern und deren Glaubensangehörigen. Das Sachgebiet wird auch weiterhin eine hohe Brisanz bieten, da auch in den nächsten Jahren nicht weiter oder nur gering genutzte Kirchen vor dem Verfall, Verkauf oder Abriss stehen.

Den Weg zu dieser Arbeit fand ich mit Hilfe von Herrn Prof. Dr.-Ing. Erbach und dem Mitstudenten Herrn xyz. Ihnen danke ich für den Hinweis auf dieses interessante Thema.

Neben Herrn Prof. Dr.-Ing. Erbach hat sich Frau Prof. Dr.-Ing. Franz für die Betreu- ung der Arbeit bereiterklärt. Sie haben diese Masterthesis durch Ihre engagierte Betreuung, zahlreichen Denkanstößen, zur Verfügung gestellten Materialien sowie ihrer gegensätzlichen Ansichten über das Themengebiet ermöglicht und gefördert.

Weiterhin danke ich Herrn xyz und xyz für die interessanten und informativen Ge- spräche sowie die zur Verfügung gestellten Materialien. Insbesondere die vorab durchgeführte Einstufung der Pfarrkirchen und Filialkirchen im Bistum Hildesheim haben erst die Analyse des Bestandes an Kirchen in dieser Masterthesis ermöglicht.

Xyz und xyz gilt mein Dank, für die persönlichen Gespräche sowie die zur Verfügung gestellten Materialien, rund um die St. Johanneskirche in Wangelnstedt im Landkreis Holzminden.

Den Mitarbeitern in der Stadtbibliothek Mühlhausen danke ich für sachkundige Informationen zur Nutzung der ehem. St. Jakobi-Kirche als Stadtbibliothek, sowie der Erlaubnis zum Fotografieren.

Zudem werden mir die Stadtrundgänge in Mühlhausen und Hildesheim, mit ihren zahlreichen Kirchen und anderen historischen Bauwerken, in guter Erinnerung blei- ben.

Mein besonderer Dank gilt meiner Familie, die mir dieses Studium ermöglichten und mich immer unterstützt haben.

1 Einleitung

In fast jeder Stadt und größeren Ortschaft in Deutschland stehen ein oder mehrere dieser Bauwerke. Die außergewöhnliche und vielseitige Architektur beeindruckte gleichermaßen bereits die Vorfahren und die Nachkommen, bis in die heutige Zeit. Jeder Bürger kennt mindestens eine mit Namen und dem dazugehörigen Standort. Es ist ein Ort der Stille und des Gedenkens. Ein Großteil der Bevölkerung verbindet mit diesen Bauwerken Erinnerungen an besondere Momente in ihrem Leben. In guten Zeiten ist es Treffpunkt und in schweren Zeiten Haltepunkt vieler Bürger. Eini- gen Menschen bietet es Zuflucht vor Verfolgung und Obdachlosigkeit. Im gleichen Moment kann eins dieser Bauwerke eine ganze Stadt überragen und anderenorts sich in ein Wohngebiet maßvoll einfügen. Von der Kirche ist die Rede!

Es gibt die verschiedensten Kirchen: Mal groß, mal klein, mal mehrere in näherer Umgebung und anderenorts vereinzelt verstreut. Die Baustile können sich je nach Errichtungsjahr und Wunsch der Kirchenmitglieder unterscheiden. Die Innenausstat- tung ist unter anderem geprägt durch christliche Symbole und Zeichnungen, Altar, Kanzel, Taufbecken und spartanische Holzbänken im Kirchenschiff. Ergänzt wird die Inneneinrichtung oftmals durch obergeschossige Galerieebenen oder einer Empore, um weitere Sitzplätze oder den Einbau des wohl typischsten Musikinstruments, der Orgel, zu ermöglichen. An den Wänden und Glasfenstern wurden meistens histori- sche Ereignisse oder biblische Erzählungen in Bilderform verewigt. Der Ort der Stille wird genutzt für Gottesdienste, Beichten, Gebete und Festlichkeiten. Es ist ein Ort, wo sich Traurigkeit und Heiterkeit begegnen. Angefangen von der Beerdigung eines geliebten Menschen und Verarbeitungen von Schicksalsschlägen, bis hin zu freudi- gem Kindergeschrei bei der Taufe oder dem herzerweichenden Kuss bei einer Hochzeit.

In der heutigen Zeit müssen sich die Vertreter der Kirche, wie viele andere Unter- nehmen und Organisationen, auf zahlreiche Veränderungen in Deutschland einstel- len. Genannt sei hier im Vorfeld die Entwicklung der Einwohnerzahl, die Zuwande- rung von nichtchristlichen Menschen, die Folgen aus Entwicklungen nach dem Zweiten Weltkrieg und der Wiedervereinigung, von Austritten der Kirchenmitglieder sowie veränderte Lebensgewohnheiten der Bürger. Ein spürbares und öffentliches Zeichen für diese Anpassung der Kirche als Institution auf die heutige Zeit, sind die Überlegungen rund um die Weiter- und Umnutzungen von Kirchen als Gotteshäu- ser.

Darüber können sich Interessierte scheibchenweise in Zeitungen, Büchern, sonsti- gen Veröffentlichungen und auf diversen Veranstaltungen in aller Regelmäßigkeit informieren. In Zeitungen tauchen dann Überschriften auf, wie z.B. „Wohnen und Tafeln im Gotteshaus“1 oder „Millionen für bröckelnde Kirchen“2. In diesen Zeitungs- artikeln geht es vor allem darum, eine grobe Zusammenfassung zu geben, inwieweit es um die finanzielle Situation der Kirche bestellt ist und noch ein oder mehrere un- gewöhnliche Umnutzungen vorzustellen. Dabei ist allgemein festzustellen, dass die zukünftige Entwicklung der Finanzlage bei den Kirchengemeinden als negativ und die Umnutzung von Kirchen durch interessante Beispiele als positiv eingeschätzt wird.

Die ersten öffentlichen Überlegungen zu diesem Thema wurden wohl von der Evan- gelischen Kirche begonnen. Als Vorreiter ist hier die Evangelische Kirche in Berlin- Brandenburg mit den „Berliner Gesprächen“ im November 1987 zu nennen, welche erstmalig die Verwendung von nicht genutzten Kirchen zur öffentlichen Diskussion stellte. Anschließend beteiligten sich in den nächsten Jahren andere Religionsge- meinschaften sowie Architekten und Denkmalpfleger an der Diskussion.3 Der Schwerpunkt der bisherigen Veröffentlichungen lag vorwiegend auf dem Aspekt des kirchengerechten Umgangs sowie des Denkmalschutzes mit dem Ziel der langfristi- gen Erhaltung von nicht genutzten Kirchen.4

1.1 Problem- und Zielstellung

Die Problematik der zukünftig steigenden Anzahl an ungenutzten Kirchen wurde von kirchlichen Vertretern, den Kirchengemeinden, dem Denkmalschutz, den Architek- ten und Teilen der Bevölkerung bereits aufgegriffen und thematisiert. Da Kirchen bisher die Sonderstellung einer „Immobilie“ für religiöse Zwecke besaß, wurde sich seitens der Immobilienwirtschaft nicht umfassend genug mit dem Thema beschäftigt. Erste themenbezogene Zeitungsartikel haben zum einen die Neugierde geweckt und zum anderen erste Ansätze gegeben, welche unterschiedlichsten Ansichten und Meinungen über dieses Problem bestehen.

Es befinden sich ca. 15.000 ungenutzte Kirchen in Deutschland.5 Einige Kirchen konnten bereits durch eine Umnutzung vor dem Verfall bewahrt werden. Bei anderen Kirchen werden Überlegungen angestrebt, wie die jeweilige Kirche zu erhalten ist. Aufgrund dieses Sachverhaltes ergibt sich die Kernthese dieser Master-Thesis: Es besteht ein Potenzial für immobilienwirtschaftlich agierende Unternehmen und Privatinvestoren bei der Umnutzung von ungenutzten Kirchen.

Daraufhin ist das Ziel der vorliegenden Master-Thesis, das immobilienwirtschaftliche Potenzial bei der Umnutzung von Kirchen, zu untersuchen. Dieses Hauptziel teilt sich in drei Untersuchungsschwerpunkte. Der erste Schwerpunkt liegt in der quanti- tativen Ermittlung der Anzahl an Kirchen, die bisher und zukünftig für eine Umnut- zung zur Verfügung stehen. Als zweites ist eine qualitative Analyse der möglichen und bereits durchgeführten Umnutzungen von Kirchen für die realistische Einschät- zung von Umnutzungspotenzialen vorzunehmen. Als dritter Schwerpunkt sind die möglichen Arbeitsfelder der Immobilienwirtschaft - immobilienwirtschaftlich tätige Unternehmen und Privatleute - in Bezug auf den künftigen Umgang mit Kirchen dar- zustellen.

Die Absicht besteht darin, den möglichen immobilienwirtschaftlichen Beitrag sowohl innerhalb der Immobilienwirtschaft, als auch bei bisherigen Akteuren im Themengebiet aufzuzeigen. Dabei wird angestrebt, dass die gewonnenen Erkenntnisse und Schlussfolgerungen, weitere Schritte in Richtung einer zweckmäßigen gesamtgesellschaftlichen Lösung für ungenutzte Kirchen beisteuern.

1.2 Methodisches Vorgehen

Zur Erreichung und Beantwortung der Zielstellung wird die Master-Thesis in acht Gliederungspunkten unterteilt. Der 1. Gliederungspunkt ist die Einleitung mit Prob- lem- und Zielstellung, Methodisches Vorgehen und Begriffsbestimmung. Dem jetzi- gen Kapitel - Methodisches Vorgehen - folgt die Begriffsbestimmung des Wortes „Kirche“, dem Unterschied zwischen „Sakral und Profan“ sowie der Bezeichnung „Umnutzung“.

Im Hauptteil wird als erstes die Analyse der Ursachen für ungenutzte Kirchen - 2. Gliederungspunkt durchgeführt. Hierbei wird auf die Veränderungen in der Gesell- schaft sowie deren Auswirkungen auf die finanzielle Situation und letztendlich auf den Bestand der Kirchen eingegangen. Eine Konkretisierung der Auswirkungen auf den Bestand an Kirchen erfolgt im 3. Gliederungspunkt, durch die Auswertung eines Clusters, der Kirchen des Bistums Hildesheim. Die Auswertung beruht auf der durchgeführten Bestandsaufnahme des Bistums Hildesheim. Dies dient als Grund- lage für konkrete Aussagen über die zu erwartende Anzahl und Qualität an Kirchen, die für eine Umnutzung zur Verfügung gestellt wurden bzw. werden. Des Weiteren dient die Analyse des Kirchenbestandes eines Bistums der Verifizierung oder Falsi- fizierung von bisherigen Veröffentlichungen über die mögliche Anzahl von ungenutz- ten Kirchen. Nach der Bestimmung von potentiellen Kirchen für eine Umnutzung, werden bereits erfolgreich durchgeführte Umnutzungen erläutert. In diesem 4. Glie- derungspunkt werden anhand von Praxisbeispielen ausgewählte Möglichkeiten von Umnutzungen einer Kirche vorgestellt. Die ausführliche Beschreibung der einzelnen Praxisbeispiele befindet sich im Anhang Teil 2.

Die bautechnischen Möglichkeiten sind im 5. Gliederungspunkt aufgeführt. In die- sem Abschnitt geht es zum einen um die Darstellung der Spannungen zwischen Denkmalschutz, technischer Machbarkeit und Anforderungen von Nutzern. Zum anderen werden hierbei umgesetzte Lösungen erläutert sowie eine Zusammenfas- sung von Überlegungen zur bautechnischen Realisierung von Umnutzungen gege- ben. Dem folgt im 6. Gliederungspunkt - Kirche aus wirtschaftlicher Sichtweise - eine Betrachtung der Wirtschaftlichkeit. Es wird hier die Finanzierung von Kirchen- umnutzungen und die mögliche wirtschaftliche Berechnung und Bewertung betrach- tet. Anschließend werden die gewonnen Erkenntnisse kritisch auf ihre Anwendbar- keit hinterfragt. Die Analyse von bautechnischen Möglichkeiten und die Wirtschaft- lichkeitsbetrachtung sind ergänzende Gliederungspunkte zu den ersten beiden Untersuchungsschwerpunkten, um den dritten Untersuchungsschwerpunkt, die Bestimmung des immobilienwirtschaftlichen Potenzials bei der Umnutzungen von ungenutzten Kirchen, bearbeiten zu können.

Im 7. Gliederungspunkt erfolgt eine immobilienwirtschaftliche Betrachtung von Um- nutzungen von Kirchen. Der Abschnitt dient als erstes zur Sammlung von Erfolgs- faktoren, die bisherige Umnutzungen ermöglichten und einer Auswertung, inwiefern diese für zukünftige Kirchenumnutzungen anwendbar sind. Danach erfolgt die Erläu- terung des ermittelten immobilienwirtschaftlichen Potenzials. Anschließend folgt die kritische Betrachtung des Themas. Zum einen dient der dritte Gliederungspunkt zum Zusammenfügen einzelner Kritikpunkte und zum anderen werden bisher unerwähn- te Probleme und Schwierigkeiten aufgeführt, welche zur Vervollständigung einer umfassenden Betrachtung notwendig sind. So kann bspw. die kritische Betrachtung als Bestandteil einer möglichen Beratungsleistung seitens eines immobilienwirt- schaftlichen Unternehmens Anwendung finden.

Zum Abschluss der Master-Thesis folgt als erstes ein Fazit mit der Zusammenfas- sung der wichtigsten Erkenntnisse. Die gewonnenen Erkenntnisse aus den einzel- nen Gliederungspunkten sorgen für einen weiteren Schritt zur Gewinnung eines umfassenden Lagebildes. Einhergehend mit der Zusammenfassung erfolgt die Be- antwortung der Zielstellung. Anschließend folgt ein Ausblick über gegenwärtige und zu erwartende Entwicklungen im Themengebiet der Umnutzung von Kirchen.

1.3 Begriffsbestimmung

In dieser Master-Thesis werden die Begriffe „Kirche“, „Sakral“ und „Profan“ sowie „Umnutzung“ in den verschiedenen Gliederungspunkten häufig verwendet. Bei den Wörtern „Kirche“ und „Umnutzung“ handelt es sich um allgemeine Wörter, die einer Definition für die weitere Ausarbeitung bedürfen. Bei den Fachbegriffen „Sakral“ und „Profan“ ist eine Definition und Erläuterung zu geben, um die Entweihung bzw. Entwidmung einer Kirche beschreiben zu können.

1.3.1 Kirche als Bauwerk

Das Wort „Kirche“ ist u. a. der umgangssprachliche Oberbegriff für die ganzheitliche christliche Religionslehre und dessen Vertreter. In dieser Ausarbeitung wird bei Be- zug auf eine Religionsgemeinschaft immer der diesbezügliche Name, z.B. katholi- sche Kirche, evangelische Kirche, Bistum Hildesheim oder Landeskirche Hannover direkt angegeben. Bei der einzelnen Verwendung des Wortes „Kirche“ ist darunter ein christlicher Sakralbau für die religiöse Nutzung als Gotteshaus zu verstehen. „Das Wort Kirche stammt von [!] griechischen Wort kyriakon, "dem Herrn gehörig" ab. Kirche ist also ein symbolischer Wohnort Gottes auf Erden, ein Ort, an der [!] Menschen Gott nahe sein, ihm begegnen können, an dem sie seine Größe feiern, von ihm und seinen Taten sprechen und durch das Gebet gestärkt werden. […] Die zur Kirche und dann zum Altarraum führenden Stufen versinnbildlichen den Weg vom irdischen Dunkel zum himmlischen Licht.“6 Die Kirche ist für die Christen also mehr als ein Bauwerk, es ist ein heiliger Ort, an dem Menschen zusammenkommen und ihren Glauben leben können. Nach dem kanonischen Recht der katholischen Kirche, wird die Kirche als Bauwerk wie folgt definiert: „Can. 1214 - Unter Kirche versteht man ein heiliges, für den Gottesdienst bestimmtes Gebäude, zu dem die Gläubigen das Recht freien Zugangs haben, um Gottesdienst vornehmlich öffentlich auszuüben.“7

Eine einheitliche Form von Kirchen ist durch die zahlreichen Jahrhunderte, mit den jeweils unterschiedlich vorhandenen Baustoffen und Ansprüchen an Ästhetik sowie den regionalen Gegebenheiten, nicht vorhanden. Die Kirchen können nach dem Baujahr in die jeweilige Bauepoche eingeordnet werden. Die Einteilung der Bauepo- chen kann sich je nach Land unterscheiden, wobei hier die Bauepochen für Deutschland aufgeführt werden. Als erstes ist die Romanik von 700 bis 1250 n. Chr. zu nennen, wobei hier eine weitere Unterteilung in Vorromanik-Karolingische Zeit (700 - 900 n. Chr.), Frühromanik-Ottonische Zeit (900 - 1030 n. Chr.), Hochromanik- Salische Zeit (1040 - 1140 n. Chr.) und Spätromanik-Staufische Zeit (1140 - 1250 n. Chr.) möglich ist. Es folgten die Gotik von 1235 bis 1520 n. Chr., die Renaissance von 1520 bis 1660 n. Chr., der Barock von 1660 bis 1770 n- Chr., der Klassizismus von 1755 bis 1830 n. Chr., der Historismus von 1820-1910 n. Chr., der Jugendstil von 1890 bis 1910 n. Chr., die Moderne von 1918 bis ca. 1970 und seit den 1970-er Jahren die Postmoderne.8 Zudem kam es vor, dass Kirchen zwar in einer der ge- nannten Jahre einer Bauepoche errichtet wurden, aber dies in Form und Gestalt eines früheren Baustils geschah. Zugleich sind auch Mischformen und die Verwen- dung von modernen Formen für die jeweilige Zeit, für den Kirchenbau zu beobach- ten, was wiederum eine klare Zuordnung eines Kirchenbaus in eine Bauepoche er- schwert.

Die folgende Abbildung 1 - Preisträger-Modell St. Nikolai Kirche in Eilenburg dient als Orientierungsmaßstab für die allgemeine äußere Vorstellung von einer Kirche. Auf der Abbildung ist ein Modell der St. Nikolai Kirche in Eilenburg dargestellt. Im Zentrum des Bildes ist der Glockenturm zu erkennen. Nach rechts weitergehend befindet sich das Kirchenschiff mit anschließendem Chor bzw. Altarraum.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 - Preistr ä ger-Modell St. Nikolai Kirche in Eilenburg

Quelle: Deutsche Stiftung Denkmalschutz (Hrsg.), Heilig? Konzept zur modernen Nutzung histori- scher Kirchen in Ostdeutschland, Modell von Daniel Drewlani und Remo Wüst, S. 20.

In der Regel entspricht dieses Modell des äußeren Erscheinungsbildes einer mittel- alterlichen Kirche. Im Laufe dieser Master-Thesis werden einige Beispiele anderer Bauformen oder zusätzlicher Merkmale vorkommen, was mit der Vielfältigkeit beim Kirchenbau nicht in einem einzigen Musterbeispiel zu verdeutlichen ist.

Genauso schwer ist es, den Raum innerhalb einer Kirche zu bestimmen. „Kirchen- räume sind unterschiedlich. Das Land und die Region, die Tradition und die Konfes- sion bestimmen den Kirchenraum. Der Baustil lässt unterschiedliche Raumeindrü- cke entstehen. Kirchenräume sind vielfältig in Farbe und Form, in Größe und Höhe, mal hell und mal dunkel.“9 Die Abbildung 2 stellt den inneren Aufbau einer Kirche beispielhaft dar. Insbesondere die Beziehung zwischen architektonischen Aufbau, Ausstattung und christlichen Beweggründen, eine Kirche nach ähnlichem Muster aufzubauen, wird an dieser zusammenfassenden Grafik sichtbar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 - Die Kirche - Gottes Haus im Schnittpunkt zwischen Himmel und Erde

Quelle: Martin Weimer, Kleiner Wegweiser durch den Kirchenraum, Abrufdatum 18.03.2011.

In dieser beispielhaften Darstellung einer mittelalterlichen Kirche ist der Hauptein- gang bzw. das Hauptportal gegenüber dem Altarraum positioniert. In der Abbildung ist der Unterschied zwischen Mittel-, Seiten und Querschiff graphisch dargestellt.

Die Seitenschiffe beim basilikalen Bautyp haben geringere Raumhöhen und Säulen hin zum Mittelschiff, was eine räumliche Trennung bewirkt. Beim Bautyp der Hallen- kirchen sind die Mitte- und Seitenschiffe gleich hoch gestaltet. Zudem lassen sich in den mittelalterlichen Kirchen die heilsgeschichtliche Zeiträume an Fenstern, Skulp- turen oder anderen Motiven erkennen.10 Im Bereich des Chores sind dann Altar und Sakristei untergebracht. In diesem Bereich sind i. d. R. auch größere Fenster, im Vergleich zu denen im Kirchenschiff, eingebaut, um einen größtmöglichen Lichtein- fluss zu gewährleisten.

Desöfteren werden Kapellen und Kirchen gleichfalls unter den Begriff „Kirchenge- bäude“ zusammengefasst. Beide Formen werden für den Gottesdienst verwendet, wobei eine Kapelle für einen zusammenkommenden Kreis von Gläubigen bestimmt ist. Das Bauwerk „Kapelle“ hat ebenfalls verschiedene Bauformen, wobei i. d. R. von einem eher kleinen Bauwerk oder Kirchenraum, bspw. in einem Gemeinderaum, auszugehen ist.11

Im 20 Jh. wurden mit Fortschreiten der Baukunst ebenso Kirchen in „modernen“ Formen erbaut, wie dies in entsprechender Fachliteratur: „Neue Architektur für Sakralbauten“12, „Gottes Neue Häuser“13, „Frömmigkeit und Moderne“14 ersichtlich wird. Dies erschwert die Erstellung von allgemeingültigen Aussagen für alle Kirchen sowie deren zukünftige baulichen Umgestaltungsmöglichkeiten.

Die Kirche als Bauwerk, wird mittlerweile nicht nur mit der Verortung des christlichen Glaubens verbunden, sondern genießt mit ihrer ortsbildprägenden Funktion und des öffentlichen Raums, eine besondere Stellung innerhalb einer Stadt oder Gemeinde. Es wird dabei unterstellt, dass die Kirche sich in einer zentralen Lage befindet und sich mit einer architektonischen Unverwechselbarkeit gegenüber anderem Gebäude hervorhebt.15

1.3.2 Sakral und profan

Gemäß Duden stammt das Wort sakral vom lateinischen Wort „sacer“ ab, was so viel wie heilig, geweiht oder religiösen Zwecken dienend, bedeutet. Dagegen stammt das Wort profan vom lateinischen Wort „profanus“ ab, was so viel bedeutet, wie ungeheiligt, gewöhnlich und vor dem heiligen Bezirk liegend.

Unter der Bezeichnung Profanierung bzw. profaniert ist die Entwidmung bzw. Ent- weihung einer ungenutzten Kirche von einem sakralen, heiligen Ort, in einen profa- nen, weltlichen Ort, zu verstehen. Eine Profanierung geht in der Regel mit einem Abschlussgottesdient einher, welcher als öffentliches Zeichen für die Profanierung der Kirche steht. Während des Gottesdienstes soll gleichzeitig ein Übergang zur „neuen“ Kirche vollzogen werden, in der in Zukunft die Gemeinde zum Gottesdient zusammenkommen soll.16

Eine Profanierung ist nach kanonischen Recht notwendig: „Can. 1222 - § 1. Wenn eine Kirche in keiner Weise mehr zum Gottesdienst verwendet werden kann und keine Möglichkeit besteht, sie wiederherzustellen, kann sie vom Diözesanbischof profanem, aber nicht unwürdigem Gebrauch zurückgegeben werden.“17 Was hier unter „unwürdigem Gebrauch“ bzw. im weiteren Text unter angemessener Umnut- zung zu verstehen ist, wird im 4. Gliederungspunkt erläutert. „Die Profanierung ei- nes Kirchenbauwerks ist kein in sich geschlossener gleichförmiger Prozess. Die Beendigung der gottesdienstlichen Nutzung wird nicht selten durch äußere Fakto- ren, wie Priestermangel oder Gemeindestrukturreform, verursacht.“18 Mit der Profa- nierung ist kein automatischer Eigentumswechsel verbunden, sondern es besteht ab diesem Zeitpunkt die Möglichkeit des Veräußerns oder Verpachtens des Grundstü- ckes, samt Bauwerkes der ehemaligen Kirche, für gemeinnützige oder kommerzielle Zwecke.

1.3.3 Umnutzung

Bei dem Wort „Umnutzung“ handelt es sich um ein umgangssprachliches Wort, wo- rüber es keine einheitliche Definition gibt. Als Synonyme können die Wörter „Nach- nutzung“ oder „Folgenutzung“ verwendet werden. In dieser Master-Thesis ist allge- mein unter dem Wort „Umnutzung“, eine veränderte Nutzung gegenüber der vorigen sakralen Nutzung einer Kirche, zu verstehen. Im engeren Sinne bedeutet dies, den Wechsel von der christlichen religiösen Nutzung, zu einer gemeinnützigen oder kommerziellen Nutzung. Geprägt ist die Umnutzung im engeren Sinne von einer Profanierung, dem Eigentümer- bzw. Betreiberwechsel und einer Nutzungsände- rung. Im weiteren Sinne kann auch die erweiterte Nutzung als Umnutzung bezeich- net werden. Bei der erweiterten Nutzung bleibt ein Teil der Kirche für die religiöse Nutzung erhalten und der restliche Teil wird durch Umbau für eine anderweitige Nutzung nutzbar gemacht.19

„Der eigentliche Prozess der Umnutzung ist das Ergebnis eines längeren Dialogs, häufig mit kontroversen Positionen und emotionalen Verletzungen.“20 Die Umnut- zung ist somit einerseits die Bezeichnung für den Wechsel der Nutzung und ande- rerseits das Resultat, einer Auseinandersetzung mit dem komplexen Sachverhalt von ungenutzten Kirchen.

Liegt hingegen eine fehlende Strategie für eine Umnutzung vor, so steht der Abriss des Bauwerkes zur Diskussion. Der Abriss einer ungenutzten, profanierten Kirche führt zur Freilegung des Grundstückes und ermöglicht eine geänderte bzw. neue Nutzung. Da hierbei die Kirche nicht als solches erhalten bleibt, ist der Abriss nicht unter Umnutzung zu verstehen. Um eine Kirche zu bewahren, können die Wirkungs- felder von immobilienwirtschaftlichen Unternehmen eine Umnutzung ermöglichen. Die Wirkungsfelder lassen sich in folgende Dienstleistungsbereiche unterteilen zu- sammenfassen: Mitwirkung bei Bodenordnung und Baulanderschließung, Beschaf- fung und Versorgung mit Baugrundstücken, Beschaffung von Finanzierungsmitteln, Betreuung bei der Errichtung von Gebäuden, Bewirtschaftung von Gebäuden, Ver- mietung oder Verkauf von Objekten und Mitwirkung bei städtebaulichen Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen.21

2 Ursachen und Auswirkungen ungenutzter Kirchen

In diesem Abschnitt werden die Ursachen für ungenutzte Kirchen analysiert. Dazu werden Veränderungen in der Gesellschaft und deren Auswirkungen auf die finanzi- elle Situation sowie den Bestand bei den evangelischen und katholischen Kirchen betrachtet. Zum einen dient diese Analyse dem besseren Verständnis, weshalb kirchliche Vertreter einige Kirchen nicht mehr nutzen und quasi aufgeben. Zum an- deren ist es die Grundlage, um die mögliche Anzahl an zukünftig ungenutzten Kir- chen bestimmen zu können.

2.1 Ver ä nderung in der Gesellschaft

Als erstes ist die Entwicklung der Anzahl an Kirchenmitgliedern zu überprüfen. Es sind insgesamt 51.504.422 Mitglieder christlicher Kirchen, was einem Anteil von 62,8 % entspricht. Die Mitglieder verteilen sich auf die Römisch-katholischen Kirche mit 25.176.517 Personen und die Landeskirchen der EKD mit 24.514.929 Personen. Die weiteren Kirchen sind die evangelischen Freikirchen mit 323.202 Personen, die Orthodoxen Kirchen mit 1.456.500 Personen und andere christliche Kirchen mit 33.274 Personen.22 Die Zahlen für das Jahr 2009 gehen von 50.917.000 Mitgliedern und einem Anteil von 62,2% an der Bevölkerung aus.23 Die Entwicklung von 2008 bis 2009, mit einer Reduzierung von insgesamt 587.442 Kirchenmitgliedern und einer prozentualen Veränderung von 0,6 %, ist ein deutlicher Beweis für die Ab- nahme der Mitgliederzahlen in der katholischen und evangelischen Kirche.

Es kann nun angeführt werden, dass es sich hierbei um eine außergewöhnliche Entwicklung von 2008 bis 2009 gehandelt haben könnte und kein Nachweis für eine langfristige Entwicklung ist. Um dies vorab widerlegen zu können, sind die Zahlen von der Deutschen Bischofskonferenz, die eine Gesamterfassung von den Jahren 1990 bis 2009 zusammengefasst haben, zu betrachten. In dieser Mitgliedererfas- sung konnte für das Jahr 1990 eine Anzahl von 28.252.000 Katholiken und für das Jahr 2009 von 24.910.000 Katholiken ermittelt werden.24 Dies entspricht einer Ab- nahme von ca. 12 % über 19 Jahre, was wiederum einen Wert von ca. 0,63 % für ein Jahr bedeutet.

In der Abbildung 3 ist der Anteil der Katholiken 2009 zur Bevölkerung, je nach (Erz-)Bistum, grafisch dargestellt. Hierbei wurde eine farbliche Unterteilung, beginnend bei dunkelrot mit einem Anteil von 3 - 4 %, bis zu dunkelgrün mit einem Anteil von 66 - 90 %, für Deutschland vorgenommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 - Anteil der Katholiken 2009 zur Bevölkerung im (Erz-)Bistum

Quelle: Deutsche Bischofskonferenz (Hrsg.), Flyer: Katholische Kirche in Deutschland, S. 1.

Das Bistum Hildesheim liegt im nördlichen Teil der Karte zwischen den Bistümern Hamburg, Magdeburg und Paderborn und hat einen Anteil zwischen 10 - 19 %, was mit der Farbe orange verdeutlicht wird. Die Bistümer Fulda, Erfurt und Osnabrück haben ähnlich geringe Anteile an der Gesamtbevölkerung der Region. Im Gegensatz zu diesen Bistümern können die Bistümer Regensburg, Passau, Trier usw. einen Anteil von über 50 % Katholiken an der Bevölkerung vorweisen. Diese enormen Unterschiede an der prozentualen Verteilung von Katholiken zur Gesamtbevölkerung, sind eine Ursache für die unterschiedliche Situation der einzelnen Bistümer und deren Umgang mit Kirchen. In einem Bistum mit einem relativ hohen Anteil - über 50 % - an der Gesamtbevölkerung, ist von einer höheren religiösen Nutzung auszugehen. Zudem ist wegen der demokratischen Mehrheitsverhältnisse eine größere politische Untersützung, bei der Aufbringung von Kosten für den Bauunterhalt, zu erwarten.

Ebenso zeigt sich eine zusätzliche Abnahme der Anzahl von Gottesdienstbesu- chern. Nahmen 1990 noch 21,9 % der Kirchenmitglieder in der katholischen Kirche, ca. 6,19 Mio. Menschen, an den Gottesdiensten teil, so waren es 2009 nur noch 13,0 % der Kirchenmitglieder (ca. 3,24 Mio. Menschen). Im Bistum Hildesheim ist ein ähnlicher Verlauf zu erkennen. Im Jahre 1990 hatte das Bistum ca. 742.000 Mit- glieder, mit einem Anteil von 17,6 % an Gottesdienstbesuchern und 2009 sank die absolute Zahl auf 627.000 Mitglieder, mit einem Anteil von 10,3 % an Gottesdienst- besuchern.25 Es ließen sich die Zahlen für jedes Bistum einzeln fortschreiben. In der evangelischen Kirche ist ein ähnlicher Verlauf der Mitgliederzahlen und Gottes- dienstbesuchern zu unterstellen.

Die Zukunftsaussichten versprechen auch keine Lageänderung. Die Anzahl der Ge- burten in Deutschland ging von 1990 bis 2008 um ca. 25 % zurück und im selben Zeitraum nahm die Anzahl der Taufen um ca. 35 % ab, was zu einem deutlich stär- keren Rückgang der Christen im Verhältnis zu der ohnehin abnehmenden Gesamt- bevölkerung führen wird.26 Somit wird in Zukunft mit einer weiteren negativen Ent- wicklung zu rechnen sein.

Der Rückgang an Mitgliedern und Gottesdienstbesuchern in den letzten Jahren ist deutlich erkennbar. Die Zukunftsprognosen gehen von weiteren Austritten und weniger werdenden Taufen aus. Dies hat zwangsläufig negativen Einfluss auf die Einnahmen durch die Kirchensteuer und das Spendenaufkommen.

2.2 Finanzielle Rahmenbedingungen

Es ist systemimmanent, dass die Abnahme an Kirchenmitgliedern mit einer Sen- kung der Einnahmen aus der Kirchensteuer einhergeht. Hierbei ist zu beachten, dass durch Lohnsteigerungen bei den verbleibenden Kirchenmitgliedern sich wiede- rum der prozentual abgeführte Betrag gegenüber dem Vorjahr in absoluten Zahlen erhöhen kann. Nichtsdestotrotz ist dann von einer Verringerung von den maximalen Einnahmen ohne Kirchenaustritte auszugehen. Ebenso ist durch die Verringerung der Anzahl an Gottesdienstbesuchern, mit einer Senkung der Einnahmen aus Spenden zu rechnen.

In der folgenden Abbildung 4 sind stellvertretend die Einnahmen der Evangelischen Kirche aufgeführt. Die mit Abstand größten Einnahmequellen sind die Kirchensteuer und der Gemeindebeitrag i. H. v. 3.991 Mio. € und einem prozentualen Anteil von 40,1 %.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 - Einnahmen der Evangelischen Kirche

Quelle: EKD, Zahlen und Fakten zum kirchlichen Leben 2010, S. 36.

Weitere Einnahmequellen sind kirchliche Dienstleistungen mit 1.995 Mio. €, För- dermittel und Zuschüsse der öffentlichen Kasse mit 1.777 Mio. €, Darlehensauf- nahme und Fördermittel für Bauunterhalt mit 1.692 Mio. €, Staatsleistungen27 mit 232 Mio. € sowie Spenden mit 266 Mio. €. Die Einnahmen i. H. v. 9.954 Mio. € ent- sprechen in gleicher Höhe den Ausgaben. Ein ausgeglichenes Verhältnis von Ein- nahmen und Ausgaben ist ein charakteristisches Merkmal für eine gemeinnützige Organisation. Es beinhaltet die Absicht keinen Gewinn zu erzielen und die zur Ver- fügung gestellten Mittel für die Erfüllung eines bestimmten Ziels des Gemeinwohles zu verwenden. In der nächsten Abbildung 5 sind die Ausgaben der Evangelischen Kirche dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 - Ausgaben der Evangelischen Kirche

Quelle: EKD, Zahlen und Fakten zum kirchlichen Leben 2010, S. 37.

Die wichtigsten Ausgabenpositionen sind der Pfarrdienst mit 1.874 Mio. €, Kinderta- gesstätten mit 1.758 Mio. €, Weitere Ausgaben mit 1.627 Mio. €, Gemeindearbeit mit 1.212 Mio. € sowie die Unterhaltung und Pflege kirchlicher Grundstücke und Gebäude mit 1.068 Mio. €, was mit 10,7 % dem fünftgrößten Kostenblock entspricht.

Wird nun überlegungshalber unterstellt, dass die Kosten für den Erhalt der Kirchen gleichbleiben sollen, dann sind diese Kosten an anderer Stelle, wie z.B. des Pfarr- dienstes, Gemeindearbeit, Kindertagesstätten usw., um den fehlenden Betrag zu erhöhen. Dies würde neben der vorliegenden Einsparung in anderen Bereichen, zu einer zusätzlichen Einsparungspflicht führen. Somit besteht logischerweise ein überdurchschnittlicher Abbau der Wahrnehmung von kirchlichen Aufgaben. Letztendlich kann gesagt werden: Wenn der Erhalt einer Kirche beschlossen wird, dann bedeutet dies, dass die dafür notwendigen finanziellen Mittel nicht für andere kirchliche Aufgaben verwendet werden können.

Bei der finanziellen Situation von katholischer und evangelischer Kirche und der häufigen öffentlichen Darstellung, die Kirchen hätten kein Geld mehr, handelt es sich um eine unzureichende Darstellung der finanziellen Lage. Bei Einnahmen und Ausgaben i. H. v. von rund 9,95 Mrd. € bei der evangelischen Kirche und bei der Unterstellung einer gleichwertigen Situation bei der katholischen Kirche, kann von einer soliden finanziellen Ausstattung zur Wahrnehmung der kirchlichen Aufgaben ausgegangen werden.

Vielmehr ist in Anbetracht der gegenwärtigen Entwicklung, die Verwendung der fi- nanziellen Mittel zu überprüfen. Da bei einer gemeinnützigen Organisation die Ein- nahmen den Ausgaben entsprechen müssen, sind die Ausgaben der geschilderten Verringerung der Einnahmen gleichermaßen anzupassen. Bei dieser Anpassung von Ausgaben an die Einnahmeseite ist die fünftgrößte Kostenposition mit der Un- terhaltung und Pflege kirchlicher Grundstücke und Gebäude ebenso betroffen.

2.3 Auswirkungen auf den Immobilienbestand

„Die evangelische Kirche besitzt zirka 75 000 Gebäude. Von den knapp 21 000 Kir- chen und Kapellen stehen mehr als 16 000 unter Denkmalschutz. Erhaltung, Sanie- rung und Betrieb besonders der denkmalgeschützten Bauwerke verursachen erheb- liche Kosten, die an den Gesamtausgaben in der EKD jährlich mit 11 Prozent zu Buche schlagen. Die an dringend sanierungsbedürftigen Baudenkmälern besonders reichen östlichen Landeskirchen [,] werden durch diese Verpflichtungen noch we- sentlich stärker belastet. Nicht alle Kirchen können angesichts steigender Kosten und sinkender Mitgliederzahlen auf Dauer unterhalten werden.“28 Das Missverhältnis aus der Betrachtung der Veränderungen in der Gesellschaft und den finanziellen Rahmenbedingungen führt zur Einsicht, dass für einen gewissen Teil der Kirchen nicht länger die notwendigen Instandhaltungskosten übernommen werden können.

„Noch ist die Zahl der anders als für den Gottesdienst genutzten oder aufgegebenen Kirchen gemessen an der Gesamtzahl aber verhältnismäßig gering. In den Jahren 1990 bis einschließlich 2005 wurden 41 Kirchen und Kapellen umgewidmet, 26 an Dritte vermietet, 97 verkauft und 46 abgerissen. 130 wurden nicht mehr genutzt. Mehr als die Hälfte davon (79) waren baufällig.“29 Die Verringerung des Immobilienbestandes und insbesondere der Bestand an Kirchen werden als eine Einsparmöglichkeit in Betracht gezogen, wobei nach Meinung des Autors der Verlust einer Kirche sicherlich schwerer fällt als ein Pfarrhaus aufzugeben.

Die katholische Kirche besitzt ca. 24.500 Kirchengebäude.30 Zusammen mit dem Bestand an Kirchengebäuden der evangelischen Kirche ergibt sich ein Gesamtbe- stand von 45.500 Kirchengebäuden. Kritisch ist zu erwähnen, dass einerseits in diesem Wert Kapellen eingerechnet sind. Andererseits fehlt noch die Anzahl an Kir- chengebäude von anderen christlichen Kirchen. Für diese kleineren christlichen Gemeinschaften, ohne Zugehörigkeit zu den zwei großen Kirchenvertretungen mit katholischen und evangelischen Glauben, fehlen geeignete Informationen.

Wird die Anzahl von 45.500 Kirchengebäuden durch die Anzahl an Kirchenmitglie- dern der römisch-katholischen und evangelischen Kirche (49.691.446) geteilt, so kommen auf ein Kirchengebäude rund 1.092 Kirchenmitglieder. Diese Zahl wird wiederum als Basis für die Berechnung der Anzahl an Kirchengebäuden bei ande- ren christlichen Gemeinschaften (1.812.976) herangezogen, dann ist von weiteren rund 1660 Kirchen auszugehen.31 Insgesamt ist ein Wert von 47.160, rund 47.000, zu schätzen, welcher für die weitere Bearbeitung als Grundlage verwendet wird.

Ein bisher oftmals unerwähntes Thema sind zahlreiche Neubauten und Instandsetzung von zerstörten Kirchen nach dem 2. Weltkrieg. In der damaligen Zeit war eine derartige Abnahme von Christen in Deutschland nicht zu erwarten. Des Weiteren „erfolgten in den letzten zwanzig Jahren so viele Renovierungen von Kirchen, dass man sich fragt, wer soll denn da überall predigen und wer vor allem wird die Predigt hören.“32 Ohne langfristige Planung zur Notwendigkeit von Kirchengebäuden, führte dies letztendlich zu einem Überangebot an Kirchen.

Durch die ca. 47.000 Kirchen und die Abnahme der Anzahl an Gottesdienstbesu- chern, entsteht ein Missverhältnis zwischen Angebot an Kirchen und Nachfrage durch die Gläubigen. „Für die Gebäudeunterhaltung würde das dann im Jahre 2030 bedeuten, dass zwei Drittel der heutigen Mitglieder mit der Hälfte der Finanzkraft diese Baulast tragen müssen, also im Jahr 2030 die doppelte Summe aufbringen müssen, um die gleiche Anzahl der Gebäude zu unterhalten. Eine Konsequenz könnte natürlich sein, dass bis 2030 bis zu einem Drittel weniger an Gebäuden ge- braucht werden, die dann verkauft, umgenutzt, umgewidmet oder abgerissen wer- den müssten.“33 Unter diesen Gebäuden wird gezwungenermaßen die eine oder andere Kirche fallen. Zu den steigenden Kosten bei der Instandhaltung für Kirchen kommen noch Kosten für gestiegene Betriebskosten, wie z.B. Heizkosten hinzu. Durch dieses Missverhältnis ist zu schlussfolgern, dass Einsparungen auch bei Kir- chen sinnvoll sind, um eine zweckmäßige Verwendung der Ressourcen zu errei- chen.

Die Problematik endet im Balanceakt zwischen der Verwendung der vorhandenen Mittel, um einerseits alle Kirchen auf jetzigem Niveau zu erhalten oder anderseits einige, nach jetziger Einordnung unnötigen Kirchen, zur Einsparung aufzugeben. Bei der Entscheidung für die Erhaltung aller Kirchen sind der geringe Aufwand bei der Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Situation sowie der zu erwartende geringere Ärger mit Kirchenmitgliedern, als Vorteil zu sehen. Die Nachteile dieser Entscheidung beherbergen gleichzeitig die Vorteile für die Entscheidung bei einem Teil der Kirchen die Instandhaltung einzustellen. Hierdurch werden Kosten für den Gebäudeunterhalt und in der zugehörigen Verwaltung eingespart. Die freiwerden- den Mittel und Ressourcen sind zum einen für den Ausgleich der geringer werden- den Einnahmen bestimmt und zum anderen können Investitionen in die Attraktivi- tätssteigerung anderer Kirchen getätigt werden. Um diese zielgerichtete Verwen- dung der finanziellen Mittel für Bauunterhalt und Neuinvestitionen zu erreichen, hat sich das Bistum Hildesheim für die Kategorisierung der eigenen Kirchen entschie- den.

3 Cluster von Kirchen des Bistums Hildesheim

Das Bistum Hildesheim umfasst den östlichen Landesteil von Niedersachsen. In Anbetracht der Grenzen vom Bistum Hildesheim liegen in diesem Gebiet Großstäd- te, wie bspw. Bremen, Göttingen, Hannover und Wolfsburg. Abseits der Großstädte und insbesondere zwischen Hannover und der Nordseeküste ist das Bistum ländlich geprägt.

Von 1990 bis 2009 hat das Bistum 115.000 Kirchenmitglieder verloren und zusätz- lich einen Rückgang von 7,3 % an Gottesdienstbesuchern verzeichnet.34 Aufgrund des Rückganges an Mitgliedern und der verschärften Finanzlage wurden die Mittel- zuweisungen für die Kirchen auf den Prüfstand gestellt. Es sollte geklärt werden, welche Kirchen in Zukunft für die seelsorgerischen Aufgaben notwendig sind und welche für eine Umnutzung freigegeben werden oder gar zum Abriss. Dazu wurden die vorhandenen Kirchen des Bistums Hildesheim analysiert und anschließend ka- tegorisiert. Durch diese Kategorisierung erhalten einige Kirche bereits keine finanzi- ellen Zuweisungen mehr und andere Kirchen sollen in den nächsten Jahren aus selbiger genommen werden.

3.1 Grundlagen

Zur Einordnung verwendete das Bistum Hildesheim die Buchstaben „A“, „B“ und „C“. Hinzu kommen die Buchstaben „D“ für Kirchen, die bauhistorisch, architektonisch oder künstlerisch bedeutsam sind und „S“ als Sonderstatus für Zentral- oder Wall- fahrtskirchen.35

Die Einstufung der Kirchen unterlag nicht der monetären Bewertung der einzelnen Kirche, z.B. mit der Erzielung des höchsten Verkaufserlöses. Ebenfalls wurden ver- anschlagte Kosten für Instandsetzung oder zukünftige Kosten für Gebäudeunterhalt nur zweitrangig in der Entscheidungsfindung berücksichtigt. Das Hauptkriterium für die Einstufung in „A“, „B“ oder „C“ war die Notwendigkeit der Kirche für die Wahrnehmung von seelsorgerischen Aufgaben in der Kirchengemeinde, wie dies in der folgenden Tabelle 1 nachzulesen ist.

Tabelle 1 - Beschreibung der Kategorien für die Einordnung von Kirchen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Vgl. Bistum Hildesheim, Einstufung der Pfarrkirchen und Filialkirchen im Bistum Hildesheim vom 21.09.2010.

Bei den „nicht unbedingt notwendigen“ Kirchen wurde eine weitere Unterteilung in „C 1“ und „C 2“ vorgenommen. In beiden Fällen sind die finanziellen Zuweisungen einzustellen, aber bei „C 1“ ist die Profanierung nicht vorgesehen.

Als Datengrundlage für die Ermittlung der Ergebnisse und der folgenden Auswer- tung dienen die Excel-Tabellen „Abt. Pastoral“ und „Abt. Immobilien“ vom Bistum Hildesheim. In der Excel-Tabelle „Abt. Pastoral“ sind die Pfarrkirchen und Filialkir- chen im Bistum Hildesheim mit einer laufenden Nummer, Kirchenname, Ort, Straße, Baujahr und der jeweiligen Kategorisierung in drei Stufen von der Verwaltungsvorla- ge, über den Dekanatspastoralrat bis letztendlich zur bischöflichen Entscheidung aufgelistet. In einer weiteren Excel-Tabelle „Abt. Immobilien“ sind für jede einzelne Kirche der Instandhaltungsrückstau, die Bewertung aus baulicher Sicht sowie die Eigentumsverhältnisse aufgeführt.36

3.2 Ergebnisse und Auswertung

Nach der laufenden Nummer, welche jeder Kirche zugeordnet wurde, handelt es sich um 436 Kirchen im Bistum. Durch eine Zählung der ausgewiesenen Kirchen wurde eine Anzahl von 433 Kirchen festgestellt. Von diesen 433 Kirchen können nur 377 Kirchen für eine Auswertung bezüglich Kategorisierung, Denkmalschutz und für die spätere Lagebeurteilung der „C 2“ und profanierten Kirchen als Ausgangsbasis verwendet werden. Die restlichen Kirchen befinden sich in den Dekanaten Borsum- Saarstedt und Untereichsfeld. Für diese Dekanate stehen Fusionen der Kirchenge- meinden bevor und somit stehen noch Entscheidungen für die zukünftigen Pfarrkir- chen aus.

Die 433 Kirchen des Bistums entsprechen im Verhältnis zu den ca. 24.500 katholi- schen Kirchengebäuden einem prozentualen Anteil von rund 1,77 %. Zum geschätz- ten Gesamtbestand von ca. 47.00037 Kirchengebäuden ergibt sich zu den 433 Kir- chen des Bistums ein prozentualer Wert von rund 0,92 %. Durch die Kombination eines 0,92 %-igen Anteils an der Gesamtheit sowie einer guten Mischung aus Großstädten, Kleinstädten und ländlichem Gebiet, in den Grenzen des Bistums Hil- desheim, eignen sich die Ergebnisse als Prognose für den Gesamtbestand.

Bei der Prognose für den Gesamtbestand ist ein differenziertes Auftreten von Kir- chenschließungen je nach Region zu berücksichtigen. Eine Recherche von Kirchen- schließungen von 2004 bis 2009 ergab, dass überwiegend Kirchen aus Nordrhein- Westfalen, Nordhessen, südliches Niedersachsen und Brandenburg geschlossen wurden. Dagegen in Bayern, Baden-Württemberg und im nördlichen Niedersachsen nur eine geringe Anzahl an Kirchenschließungen gegenüber standen. Deshalb ist die Prognose nicht pauschal auf alle Regionen in Deutschland zu verteilen.38

3.2.1 Kategorisierung

Die Kategorisierung erfolgte in drei Stufen und endete mit der bischöflichen Ent- scheidung. Im überwiegenden Teil der Fälle wurden die Einstufungen von der Ver- waltungsvorlage und dem Dekanatspastoralrat übernommen. In einigen Fällen kam es zu Auf- oder Abstufungen und bei 56 Kirchen wurde, wegen anstehender Kirchenfusionen, auf eine endgültige Entscheidung verzichtet.

Gemäß den Zeitungsartikeln aus „Die Welt“ und der „Immobilien Zeitung“ ist die Rede von ca. 1/3 der ca. 45.000 = 15.000 Kirchen, die nicht mehr benötigt werden.39 Es ist nun zu untersuchen, inwiefern sich solche Aussagen, am Beispiel des Bistums Hildesheim, bestätigen bzw. widerlegen lassen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6 - Kategorisierung der Kirchen im Bistum Hildesheim

Quelle: Eigene Berechnung und Darstellung in Anlehnung an Bistum Hildesheim, Einstufung der Pfarrkirchen und Filialkirchen im Bistum Hildesheim vom 21.09.2010.

Nach Zusammenfassung der einzelnen Einstufungen in dem obigen 3D- Kreisdiagramm ist festzustellen, dass 48 % der Kirchen die Einstufung „A“ - für die Seelsorge unentbehrlich - erhalten haben. Für weitere 27 % wurde die Einstufung „B“ gewählt und hiermit mittelfristig eine Überprüfung im Jahre 2018 geplant. Bei „A“ und „B“ mit insgesamt 75 %, ist mindestens mit einem Verbleib für die nächsten 10 Jahre innerhalb der Kirche auszugehen.40 Anschließend ist erneut eine Anpassung gemäß der weiteren Entwicklung durchzuführen.

Mit „C 1“ wurden 12 % und „C 2“ mit 9 % eingestuft. Die restlichen 4 % wurden be- reits profaniert und deren Erfassung begann ab 1992. Somit wurden in den letzten 18 Jahren 16 Kirchen entwidmet. Die zur Profanierung vorgesehenen Kirchen und die bereits profanierten Kirchen ergeben insgesamt einen Wert von 13 %. Somit stehen diese 13 % bzw. 48 Kirchen unmittelbar für eine Umnutzung zur Verfügung. Da bei „C 1“ ab 2014 keine Zuweisungen mehr erfolgen, stehen auch diese Kirchen in den nächsten Jahren für eine Umnutzung zu Verfügung. Es kann insgesamt von 25 % nicht mehr genutzten Kirchen ausgegangen werden, die mittelfristig für eine Umnutzung zur Verfügung stehen. Innerhalb der Kategorien „C 1“ und „C 2“ sind keine Kirchen mit dem Sonderstatus „S“ versehen.41

Als Hochrechnung für den Gesamtbestand an den ca. 47.00042 christlichen Kirchen bedeutet dies, dass unmittelbar rund 6.110 Kirchen (13 %) keiner religiösen Nutzung unterliegen. Mittelfristig stehen rund 11.750 Kirchen (25 %) für eine Umnutzung zur Verfügung.43

3.2.2 Bedeutsame Denkmale

Des Öfteren wird in der Literatur auf den besonderen Denkmalwert von Kirchen hin- gewiesen. In diesem Abschnitt wird untersucht, inwiefern die bauhistorisch, architek- tonischen und künstlerisch bedeutsamen Kirchen sich in den jeweiligen Einstufun- gen wiederfinden lassen. In der folgenden Abbildung 7 - bedeutsame Kirchen auf- geteilt nach Kategorisierung vom Bistum Hildesheim - ist die Anmerkung „D“, bei den einzelnen Kirchen, mengenmäßig erfasst sowie je Kategorie zugeordnet wur- den. In dem folgenden Balkendiagramm ist die Verteilung der bedeutsamen Kir- chen, je Kategorie in rechts aufsteigende Balken nach Prozent, farblich dargestellt.

Abbildung 7 - Bedeutsame Kirchen aufgeteilt nach Kategorisierung vom Bistum Hildesheim

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Berechnung und Darstellung in Anlehnung an Bistum Hildesheim, Einstufung der Pfarrkirchen und Filialkirchen im Bistum Hildesheim vom 21.09.2010.

Von den 377 Kirchen wurden 94 Kirchen als bedeutsame Kirchen eingestuft, was rund 25 % aller Kirchen entspricht. Die Mehrheit von 62 Kirchen - 2/3 der bedeut- samen Kirchen - ist in der Kategorie „A“ eingeordnet. Weitere 11 Kirchen folgten in „B“, 16 Kirchen in „C 1“ und 5 Kirchen in „C 2“. Somit droht 21 bedeutsamen Kirchen aus den Kategorien „C 1“ und „C 2“ eine Umnutzung oder gar der Abriss. Dies ent- spricht einem Wert von 5,57 %, rund 5,6 %, an den untersuchten Kirchen.44

3.2.3 Eigentumsverhältnisse

Für die Analyse der Eigentumsverhältnisse kann auf 431 von 433 Kirchen zurück- gegriffen werden, da bei zwei Kirchen45 keine Eigentumsverhältnisse vorliegen. In der folgenden Abbildung 8 ist die Verteilung der Eigentümer der Kirchengebäude im Bistum Hildesheim in einem 3D-Kreisdiagramm dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8 - Eigentumsverh ä ltnisse bei den Kirchen im Bistum Hildesheim

Quelle: Eigene Berechnung und Darstellung in Anlehnung an Bistum Hildesheim, Einstufung der Pfarrkirchen und Filialkirchen vom 21.09.2010.

Die Mehrheit von 52 % der Kirchen gehört dem bischöflichen Stuhl. Weitere 38 % gehören direkt den katholischen Kirchengemeinden. Die restlichen 10 % verteilen sich auf die katholische Pfarre, Klosterkammer Hannover, katholische Kapellenge- meinde und Sonstige. Unter Sonstige fallen die Karthaus Fundation, Blumsche Waisenhausstiftung zu Henneckenrode, Domkirche Hildesheim, dem Gesamtver- band und fremde Eigentümer.46 Somit ist zwar die Bezeichnung „Die Kirche gehört der Kirche“ allgemein richtig, aber bei Verkauf oder Vermietung kann der jeweilige Eigentümer selbst über die Wahl der anschließenden Umnutzung oder Käufer ent- scheiden. Hierbei ist anzumerken, dass eine gegenseitige Absprache und Beratung mit der übergeordneten Hierarchieebene, entweder Landeskirche oder Bistum, er- folgt.

3.2.4 Bauliche Bewertung

Bei der Analyse der Bewertung des baulichen Zustandes kann auf 402 Kirchen zu- rückgegriffen werden. Bei den restlichen 31 Kirchen war keine Beurteilung vorhan- den. Die Einschätzung erfolgte in „gut“, mittel“ und „schlecht“ für einzelne Gewerke und mündete als Durchschnittswert in einer Gesamtbewertung des baulichen Zu- standes.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9 - Bewertung der Kirchen aus baulicher Sicht vom Bistum Hildesheim

Quelle: Eigene Berechnung und Darstellung in Anlehnung an Bistum Hildesheim, Einstufung der Pfarrkirchen und Filialkirchen vom 21.09.2010.

Im 3D-Kreisdiagramm ist „gut“ mit grün, „mittel“ mit gelb und „schlecht“ mit rot farb- lich dargestellt. Mit einer guten Bewertung konnten 32 % der Kirchen abschneiden. Die Mehrheit von 59 % befindet sich in einem mittelmäßigen baulichen Zustand. Die restlichen nur 9 % der Kirchen sind in einem schlechten baulichen Zustand.47

Zwischen der Höhe des wertmäßig angegebenen Instandhaltungsrückstaus und der Bewertung aus baulicher Sicht, waren keine direkten Zusammenhänge zu erken- nen. Die Einschätzung in „gut“, „mittel“ und „schlecht“ erfolgte vielmehr aufgrund jahrelanger Vorortbegehungen, mit Begutachtung der einzelnen Gewerke und dem Vergleich mit anderen Kirchen aus dem Bistum.

3.2.5 Lagebeurteilung als Vorauswahl

Als nächstes wäre die Einschätzung der Lage von ungenutzten Kirchen interessant. Als erstes wurden dazu die „C 2“ und profanierte Kirchen mit insgesamt 48 Kirchen ausgewählt. Als zweites wurden die möglichen Standorte in 5 Lagen bzw. Katego- rien unterteilt: „Großstadt-Innenstadt“, „Großstadt-Stadtgebiet“, „Großstadt- Randgebiet“, „Kleinstadt-Zentral“ und „Kleinstadt-Randlage“. Als Großstädte gelten Ortschaften mit >100.000 Einwohner und umfassen in Anbetracht der Grenzen vom Bistum Hildesheim die Städte Braunschweig, Bremen, Bremerhaven, Göttingen, Hannover, Hildesheim, Salzgitter und Wolfsburg.

Es wird hierbei unterstellt, dass die Großstädte in den Grenzen des Bistums Hildesheim am ehesten eine ausreichend hohe Nachfrage, für eine sinnvolle Umnutzung bieten. Die individuellen Möglichkeiten der einzelnen Kirchen und Gemeinden für eine erweiterte Nutzung oder dem Bedarf an gemeinnütziger Fläche in einer bestimmten Region, bleiben bei dieser Betrachtung ohne Berücksichtigung. Zudem wird darauf hingewiesen, dass es sich bei der Lagebeurteilung nur um eine Vorauswahl handelt, um festzustellen, bei welchen Kirchen eine Machbarkeitsstudie mit ausführlicher Standort- und Marktanalyse anzustreben ist.

Durch die Angabe von Ort und Straße der jeweiligen Kirche, wurde anhand einer digitalen Landkarte48 eine Lagebeurteilung vorgenommen. Die Lagebeurteilung ist eine Vorauswahl, welche Kirchen sich in einer bevölkerungsreichen Region befin- den und somit mit höherer Wahrscheinlichkeit als andere Kirchen für Umnutzungen in Frage kommen.

[...]


1 Richard Haimann, Wohnen und Tafeln im Gotteshaus, in: Die Welt, S. IM1.

2 Immobilien Zeitung (Hrsg.), Millionen für bröckelnde Kirchen, S. 1.

3 Vgl. Rainer Fisch, Umnutzung von Kirchengebäuden in Deutschland, S. 11.

4 Vgl. Rainer Fisch, Umnutzung von Kirchengebäuden in Deutschland, S. 15.

5 Vgl. Immobilien Zeitung (Hrsg.), Millionen für bröckelnde Kirchen, S. 1.

6 Martin Weimar, Kleiner Wegweiser durch den Kirchenraum, Abrufdatum: 18.03.2011.

7 Libreria Editrice Vaticana (Hrsg.): Codex des kanonischen Rechtes (dt.), Buch IV, Kapitel 1.

8 Vgl. Frank W. Rudolph, Kirchenbau, Abrufdatum: 18.03.2011.

9 Frank W. Rudolph, Kirchenbau, Abrufdatum: 18.03.2011.

10 Vgl. Martin Weimer, Kleiner Wegweiser durch den Kirchenraum, Abrufdatum: 18.03.2011.

11 Vgl. Libreria Editrice Vaticana (Hrsg.), Codex des kanonischen Rechtes (dt.), Buch IV, Kapitel II, Can. 1223.

12 Vgl. Till Wöhler, Neue Architektur - Sakralbauten.

13 Vgl. Matthias Ludwick / Reinhard Mawik, Gottes Neue Häuser.

14 Vgl. Hans Körner / Jürgen Wiener (Hrsg.), Frömmigkeit und Moderne.

15 Vgl. Rainer Fisch, Umnutzung von Kirchengebäuden in Deutschland, S. 26 - 43.

16 Vgl. Deutsche Bischofskonferenz (Hrsg.), Umnutzung von Kirchen, S. 26 - 29; vgl. Rainer Fisch, Umnutzungen von Kirchengebäuden in Deutschland, S. 65.

17 Libreria Editrice Vaticana (Hrsg.): Codex des kanonischen Rechtes (dt.), Buch IV, Kapitel I.

18 Rainer Fisch, Umnutzungen von Kirchengebäuden in Deutschland, S. 65.

19 Die erweiterte Nutzung ist im Kapitel 4.1 erläutert.

20 Rainer Fisch, Umnutzungen von Kirchengebäuden in Deutschland, S. 65.

21 Vgl. Egon Murfeld, Spezielle Betriebswirtschaftslehre der Immobilienwirtschaft, S. 18.

22 Vgl. evangelische Kirche in Deutschland (EKD), Zahlen und Fakten zum kirchlichen Leben 2010, Stand 31.12.2008, S. 6.

23 Vgl. evangelische Kirche im Rheinland, Übersicht christliche Kirchen in Deutschland, Stand

31.12.2009, S. 1.

24 Deutsche Bischofskonferenz (Hrsg.), Tabelle: Eckdaten des kirchlichen Lebens in den Bistümern - Deutschland 1990 - 2009, S. 1.

25 Deutsche Bischofskonferenz (Hrsg.), Tabelle: Eckdaten des kirchlichen Lebens in den Bistümern - Deutschland 1990 - 2009, S. 1.

26 Vgl. Jörg Beste, Modellvorhaben Kirchenumnutzungen, S. 2.

27 Eine rechtliche Verpflichtung zur Zahlung durch die Bundesländer wegen staatlicher Enteignung von kirchlichen Grundstücken vor 1918.

28 Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), Zahlen und Fakten zum kirchlichen Leben 2010, auf Basis der Erhebung 2006, S. 34.

29 Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), Zahlen und Fakten zum kirchlichen Leben 2010, auf Basis der Erhebung 2006, S. 34.

30 Vgl. Deutsche Bischofskonferenz, Fast 99 % der Kirchen liturgisch genutzt, Abrufdatum: 21.04.2011.

31 Vgl. Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), Zahlen und Fakten zum kirchlichen Leben 2010, Stand 31.12.2008, S. 6 und eigene Berechnungen.

32 Pfarrer Heinrich Herbst, Superintendant Evangelische Kirche Weimar, Grußwort in: Erweiterte Nut- zung von Kirchen - Modell mit Zukunft, Manfred Keller u.a. (Hrsg.) S. 20.

33 Thomas Erne, EKD-Institut für Kirchenbau, Neue Wahrnehmung des Kirchenraums im Protestantis- mus in: Erweiterte Nutzung von Kirchen - Modell mit Zukunft, Manfred Keller u.a. (Hrsg.), S. 53.

34 Vgl. Deutsche Bischofskonferenz (Hrsg.), Tabelle: Eckdaten des kirchlichen Lebens in den Bistü- mern - Deutschland 1990 - 2009, S. 1.

35 Im Anhang Teil 1 - Ergebnisse und Auswertung von der Einstufung der Pfarrkirchen und Filialkirchen im Bistum Hildesheim - ist die Einordnung mit den ausführlichen Beschreibungen und den daraus resultierenden Konsequenzen aufgeführt.

36 Vgl. Bistum Hildesheim, Einstufung der Pfarrkirchen und Filialkirchen im Bistum Hildesheim vom 21.09.2010; Anhang Teil 1 - Ergebnisse und Auswertung von der Einstufung der Pfarrkirchen und Filialkirchen im Bistum Hildesheim.

37 Vgl. Berechnung in Kapitel 2.3 - Auswirkungen auf den Immobilienbestand.

38 Vgl. Matthias Stolz und Nina Pauer, Kirchensterben, Abrufdatum: 23.05.2011.

39 Vgl. Richard Haimann, Wohnen und Tafeln im Gotteshaus, in: Die Welt, S. IM1; vgl. Immobilien Zeitung (Hrsg.), Millionen für bröckelnde Kirchen, S. 1.

40 Eigene Berechnungen sind in Anhang Kapitel 1.1 - Datengrundlage für Grafiken - zusammenge- fasst; vgl. Bistum Hildesheim, Einstufung der Pfarrkirchen und Filialkirchen im Bistum Hildesheim vom 21.09.2010.

41 Eigene Berechnungen sind in Anhang Kapitel 1.1 - Datengrundlage für Grafiken - zusammenge- fasst; vgl. Bistum Hildesheim, Einstufung der Pfarrkirchen und Filialkirchen im Bistum Hildesheim vom 21.09.2010.

42 Vgl. Berechnung in Kapitel 2.3 - Auswirkungen auf den Immobilienbestand.

43 Eigene Berechnungen sind in Anhang Kapitel 1.1 - Datengrundlage für Grafiken - zusammenge- fasst; vgl. Bistum Hildesheim, Einstufung der Pfarrkirchen und Filialkirchen im Bistum Hildesheim vom 21.09.2010.

44 Eigene Berechnungen sind in Anhang Kapitel 1.1 - Datengrundlage für Grafiken - zusammenge- fasst; vgl. Bistum Hildesheim, Einstufung der Pfarrkirchen und Filialkirchen im Bistum Hildesheim vom 21.09.2010.

45 Für die Kirchen „Heilig Geist“ (Heimstatt Röderhof) und „St. Antonius“ (Gut Röderhof) aus dem Dekanat Alfeld-Detfurth ist kein Eigentümer genannt.

46 Eigene Berechnungen sind in Anhang Kapitel 1.1 - Datengrundlage für Grafiken - zusammenge- fasst; vgl. Bistum Hildesheim, Einstufung der Pfarrkirchen und Filialkirchen im Bistum Hildesheim vom 21.09.2010.

47 Eigene Berechnungen sind in Anhang Kapitel 1.1 - Datengrundlage für Grafiken - zusammenge- fasst; vgl. Bistum Hildesheim, Einstufung der Pfarrkirchen und Filialkirchen im Bistum Hildesheim vom 21.09.2010.

48 Vgl. Microsoft Corporation, digitale Landkarte auf www.bing.de/maps, Abrufdatum: 31.03.2011.

Ende der Leseprobe aus 142 Seiten

Details

Titel
Immobilienwirtschaftliches Potenzial bei der Umnutzung von Kirchen
Hochschule
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst - Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen  (Management, Soziale Arbeit, Bauen)
Veranstaltung
Bau- und Immobilienmanagement
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
142
Katalognummer
V175211
ISBN (eBook)
9783640963799
ISBN (Buch)
9783656355441
Dateigröße
3502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Immobilienwirtschaft, Kirchen, Umnutzung, Cluster, Bestandsanalyse, bautechnische Möglichkeiten, wirtschaftliche Betrachtung, immobilienwirtschaftlicher Beitrag, Potenzial von Kirchengebäuden, Enrico Gorges, Analyse von Nutzungsvarianten
Arbeit zitieren
Enrico Gorges (Autor:in), 2011, Immobilienwirtschaftliches Potenzial bei der Umnutzung von Kirchen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175211

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