Das Alexanderlied des Pfaffen Lamprecht in der Straßburger Version

Die mittelhochdeutsche Kulturrezeption urzivilisatorischer Kausalzusammenhänge


Seminararbeit, 2011

12 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Frühhöfische Rezeption der Candacis-Szenerie
2.2 Bedeutung der Minneszene
2.2.1 Die sexual-evolutionäre Dimension
2.2.2 Alexandrinische Quellenherkunft als kerngedankliche Adaption mesopotamischer Abstammung
2.3 Kulturelle Analogien im Gilgamesch-Epos

3. Schlussbetrachtung

Quellen- und Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wir haben die Tempel der Griechen und der Arianer betreten, der Hethiter und Horiter, der Kanaaniter, Ägypter und Amoriter. Wir sind den Wegen gefolgt, die uns über Erdteile und Meere mehrere Jahrtausende rückwärts getragen haben. Und alle Gänge in allen Tempeln haben uns zu einem einzigen Ursprung geführt: Sumer.[1]

Dieses lakonische Zwischenfazit zieht die im letzten Jahr verstorbene Koryphäe typografischer Altertumsforschung Zecharia Sitchin in seinem Bestseller „The Twelth Planet“. Jenes Werk dient dieser als Ergebnis zweier schlafbefreiter Nächte unter Hinzuziehung extensiven Kaffeegenusses hervorgebrachten Ausarbeitung als gedankliches Fundament. Zielorientiert verfolgt sie außerdem den Anspruch einer wissenschaftlichen Wertschöpfung um empirisch Neues zu initiieren statt einer bloßen, redundanten Nacherzählung monotoner Forschungsliteratur zu entsprechen. Besonders günstig stellt sich nämlich die Quellen- und Literaturlage dar - orientiert wird sich neben dem bereits angeführten Werk Sitchins selbstverständlich auch an „klassischer“ Sekundärliteratur, namentlich Hilkert Weddige mit seinem Standardwerk zur Einführung in die Germanistische Mediävistik, ebenso wie dem erst einmal deplatziert anmutenden Quellenzugriff des Engelschen Klassikers. Die entsprechende Auflistung der residualen Schriftwerke ist im Literaturverzeichnis einsehbar. Die Primärquelle[2] ist selbstredend der Alexanderroman des Pfaffen Lambrecht in seiner Straßburger Version von 1170. Die methodische Vorgehensweise gründet sich zum einen auf die üblich analytische Erörterung, welche insbesondere im ersten Teil zum Ausdruck kommt. Zum anderen basiert eine separate Erkenntnisgewinnung auf der kausaldialektischen Sprachkatalyse der Gegebenheiten hin zu einer Synthese scheinbar ambivalenter, unvereinbarer Ideologiekonstrukte. Um den auf zehn Reintextseiten beschränkten Rahmen dieser mannigfachen Thematik nicht zu überspannen, muss die Fragestellung bereits anfänglich explizit und wohlbegründet pointiert untersucht werden. Zuvorderst wird dazu die materiell dekadente Illustration des Merovschen Hofes samt stereotyper Höfisierung hinsichtlich seiner partiellen Rolle als Avantgarde der epischen Großform des höfischen Romans herausgearbeitet. Nach einem additiv notwendigen (S-)Exkurs durch die von Morgan und Engels begründete sexual-(r)evolutionäre Ethnologie wird hierzu deren Relation zu Candacis beispielgebend ergründet, ehe die Schwerpunktsetzung der religionsphilosophischen Kernabhandlung rund um die sogenannte „Minneszene“ mit einhergehender Untersuchung des Gilgamesch-Epos auf deren wahren Ursprung erfolgt. Im Schlussteil wird die geführte Analyse und ihre etwaig hervorgebrachten Ergebnisse mit aufkommenden, weiterführenden Fragen prägnant zusammengefasst. Schließlich soll zu einem geeigneten Zeitpunkt eine volkswirtschaftliche Exkursion in die Zinsproblematik und ihrer Adaption in der Alexanderdichtung gewagt werden.

2. Hauptteil

2.1 Frühhöfische Rezeption der Candacis-Szenerie

Alexander der Große erweitert mit seinem stets siegreichen Heer das makedonische Reich von Schlacht zu Schlacht und gelangt so zu den außergewöhnlichsten Ortschaften der ihm bekannten Welt. Als er die Stadt Meroves mit ihrer Königin Candacis erreicht, wird er zu ihr geladen. Die Erzählung vom Aufenthalt im Palast der Königin Candacis beginnt mit einer überraschend detailreichen Schilderung des Ortes. So steht ihr Palast auf dem Säulenfundament wertvollen Gesteins, dessen opulente Inneneinrichtung durch Elfenbeinschnitzereien, Edelsteinschmuck und anderen Prächtigkeiten nur vom Glanz des goldenen Palastdaches überstrahlt scheint (Vgl. V. 5880 ff.).

Hier stellt sich eingangs die Frage, weshalb eine solch koextensionale Beschreibung des räumlichen Ambientes in das Lamprechtsche Epos Einzug findet. Brummak entdeckt[3] an dieser Stelle Analogien zur mittelalterlichen Ausschmückung eines Herrschaftshofes, w odurch die anfängliche These der Vorläuferrolle des höfischen Romans eine erste Bestätigung erfährt. Dies wird zudem durch die Tatsache des im 12. Jahrhundert vermehrt beginnenden Baus befestigter Burganlagen gestützt[4], deren innenarchitektonische Beschaffenheit der prunkvollen Darstellung im Alexanderlied ähneln. Diese Form der materiellen Dekadenz ist es, welche den orientalischen Herrschaftshof als zielweisende Idealfigur des mittelalterlichen Königtums fixieren. Verdeutlicht wird dieser an absolutistische Verschwendungssucht erinnernde Hedonismus durch die ausufernde Festlichkeit zu Hof: zwischen reichem Speise- und Getränkeaufgebot sorgen nach einer weiteren Heldentat[5] Alexanders je funf hundrit junchêren (V. 6039) und funf hundrit juncfrowen (V. 6046) für musikalische und tänzerische Unterhaltung der Gäste (Vgl. V. 6030 ff.). Bemerkenswert ist an dieser Stelle die eindringliche Beschreibung der Attraktivität Candacis, die nicht nur wol gewasen unde smal gewesen war, sondern deren ougen, [auch – U.P.] mit guldînen bougen versehen waren (V. 6047 - 6050) und damit die adligen Ideale der körperlichen Makellosigkeit im lyrischen Minnesang des Hochmittelalters eindrucksvoll illustriert.

[...]


[1] Sitchin, Zecharia: Der zwölfte Planet. Wann, wo, wie die ersten Astronauten eines anderen Planeten zur Erde kamen und den Homo Sapiens schufen, veränd. Neuaufl., Rottenburg 2003, S. 81.

[2] Hier und im Folgenden zitiert nach: Pfaffe Lambrecht, Alexanderroman. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch. Herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Elisabeth Lienert, Stuttgart 2007.

[3] Vgl. Brummak, Jürgen: Die Darstellung des Orients in der deutschen Alexandergeschichte des Mittelalters, Berlin 1966, S. 126 ff.

[4] Vgl. Isenberg,Gabriele; Scholkmann, Barbara: Die Befestigung der mittelalterlichen Stadt, Köln/Weimar 1997, S. 80 ff. u. S. 112.

[5] Der Makedonier rettet Candacis ältesten Sohn Candaulus aus einer Bredrouille, möchte aber unerkannt bleiben und gibt sich deshalb als sein eigener Untergebener Antigonus aus.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Das Alexanderlied des Pfaffen Lamprecht in der Straßburger Version
Untertitel
Die mittelhochdeutsche Kulturrezeption urzivilisatorischer Kausalzusammenhänge
Hochschule
Universität Potsdam
Autor
Jahr
2011
Seiten
12
Katalognummer
V176185
ISBN (eBook)
9783640972128
ISBN (Buch)
9783640973101
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
alexanderlied, alexanderroman
Arbeit zitieren
Tom Zeddies (Autor:in), 2011, Das Alexanderlied des Pfaffen Lamprecht in der Straßburger Version, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176185

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Alexanderlied des Pfaffen Lamprecht in der Straßburger Version



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden