Die Klage als zeitgenössische Interpretation des Nibelungenlieds


Referat (Ausarbeitung), 1997
15 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhalt

1 Überlieferung

2 Form

3 Titel

4 Inhalt

5 Inhaltliche Differenzen zum Nibelungenlied

6 Weitere Namen und Einzelheiten

7 Auftrag von Bischof Pilgrim von Passau? „Nibelungias“?

8 Deutsche Nibelungendichtung, Entstehungszeit

9 Fassung *C des Nibelungenlieds

10 Auf der Suche nach dem Dichter

11 Christlich-moralische Lehrdichtung

12 leit

13 Hagens übermuot

14 triuwe

15 Rüdiger

16 Brünhilds Schuld

17 Rumolt, der Küchenmeister

18 Zeitgenössische Interpretation des Nibelungenlieds

19 Bibliographie:

1 Überlieferung

Mit Ausnahme der späten Wiener Piaristenhandschrift überliefern uns alle vollständigen Handschriften des Nibelungenlieds zusammen mit diesem auch die Klage. Die beiden Dichtungen wurden also gemeinsam tradiert und rezipiert.

2 Form

Die Klage ist in 4360 Reimpaarversen (nach der Ausgabe von Bartsch, auf die ich mich mit meinen Angaben beziehe) verfaßt, der üblichen Form der von Anfang an unter christlichem Vorzeichen stehenden höfischen Erzähldichtung. Damit unterscheidet sie sich schon metrisch-formal von der strophischen Nibelungendichtung, dem Nibelungenlied.

Neben der unterschiedlichen Bewertung des Geschehens, das im Nibelungenlied geschildert wird, existieren unverkennbar auch künstlerisch-ästhetische Mängel, weswegen sie von der Forschung lange Zeit vernachlässigt wurde: der Wortschatz des Dichters ist nicht groß, seine Reime wiederholen sich. Doch ihr historischer Stellenwert ist weitaus wichtiger als ihr künstlerischer Rang. Die Literarisierung der mündlichen Nibelungenepik und die Entstehung der von Anfang an als Buchdichtung existierenden Klage sind vielfach miteinander verzahnt: möglicherweise wurde die Frühgeschichte des Nibelungenlieds als Buchepos von der Klage beeinflußt und mitbestimmt.

3 Titel

Der Titel „Die Klage“ entspricht dem Willen des Dichters: ditze liet heizet diu klage (4322), bemerkt er am Ende seiner Dichtung ausdrücklich. Mit dem Titel ist keine Gattungsbezeichnung gemeint, wie die der Totenklage, sondern lediglich ein charakteristischer, wesentlicher Teil des Inhalts zum Ausdruck gebracht.

4 Inhalt

Was im Epos von der Nibelunge nôt erzählt ist, setzt der Verfasser der Klage mehr oder weniger als bekannt voraus und stellt es deshalb nur in der Form eines Überblicks, versehen mit einigen zusätzlichen Informationen, an den Anfang seines Werks. Die Klage selbst erzählt, wie nach und nach die Toten (Kriemhilt, ihr Sohn Ortlieb und die Helden, die auf Seiten der Burgunden und der Hunnen gekämpft haben) an dem Ort des Schlachtens gefunden, aufgebahrt und bestattet werden.

Ein großer Teil der Dichtung schildert ausführlich das Klagen über den Tod der vielen Helden, von Etzel, von den Überlebenden Hildebrant und Dietrich, von den vielen zurückbleibenden Frauen und auch vom Volk, das dabei hilft, den Gefallenen die zerschlagenen, blutverschmierten Rüstungen abzunehmen, sie aufzubahren und, teilweise in Massengräbern, zu bestatten.

Schließlich schickt Etzel seine Boten los, darunter den Spielmann Swemmel (der bereits aus dem Nibelungenlied bekannt ist: er brachte Kriemhilts folgenschwere Einladung nach Worms), um über den Tod der vielen Helden zu berichten. Sie bringen die Nachricht nach Wien, Bechelaren, Passau, wo wieder Bischof Pilgrim auftritt, und schließlich nach Worms, wo sie Brünhild und Ute, der Mutter Kriemhilts und der Könige, berichten. Ute stirbt nach sieben Tage vor leide (3959), wegen des großen Leids, und Brünhild kann nur mit Mühe vor dem Tode bewahrt werden. Aber die Burgunden wollen nicht ohne Herrscher bleiben, und so wird die Krönung von Gunthers Sohn zum Anlaß eines Festes, das wieder, wie im Nibelungenlied, viele Gäste nach Worms strömen läßt.

Schließlich, nach dem Epilog, also wohl falsch plaziert, berichtet ein kürzerer Abschnitt noch davon, daß Dietrich, zusammen mit seiner Gemahlin Herrat und Hildebrant, vom Hunnenhof in sein eigenes Land aufbricht.

5 Inhaltliche Differenzen zum Nibelungenlied

Abgesehen von der grundsätzlich unterschiedlichen Bewertung der im Nibelungenlied dargestellten Ereignisse und Personen (Kriemhilt wird aufgewertet, Hagen abgewertet), gibt es auch einige inhaltliche Differenzen in der Klage. So wird zum Beispiel berichtet, Dietrich habe zuerst Gunther und danach Hagen überwältigt (3900-3907), während es sich im Nibelungenlied gerade andersherum verhält.

6 Weitere Namen und Einzelheiten

Neben den aus dem Nibelungenlied bekannten Figuren werden in der Klage einige andere mit Namen versehen, und es wird näheres über sie berichtet. Rüdigers Tochter etwa heißt Dietlinde, der Vater der Burgunderkönige ist Dankrat, wie in der Fassung *C des Nibelungenlieds. Man erfährt näheres darüber, wie Dietrich an Etzels Hof kam und was er dem Hunnenkönig, dessen verstorbener Frau Helche und dem getöteten Freund Rüdiger zu verdanken hat. Auch über den tapferen Kampfgefährten Hagens erfährt man Details: Volker stammt aus Alzey (1361). Ebenso treten aus den Gefolgen Etzels und Dietrichs einige Figuren aus der Namenlosigkeit heraus und werden von den Überlebenden beklagt.

Einige der Namen könnten sich auf zu der damaligen Zeit bekannte Personen beziehen, so etwa Hermann von Polen (345), der tatsächlich um 1100 gelebt hat. Andere hat der Dichter älteren Sagen entnommen, andere wiederum einfach erfunden.

Vielleicht versuchte er damit, seinem Werk Authentizität bzw. Glaubwürdigkeit zu verleihen, wie er es auch am Ende seines Werkes tut.

7 Auftrag von Bischof Pilgrim von Passau? „Nibelungias“?

Zu den viel erörterten Problemen, die mit der Klage verbunden sind, gehört die Angabe im Epilog, daß Bischof Pilgrim von Passau das Schicksal der Nibelungen habe aufschreiben lassen:

Von Pazowe der biscof Pilgerîn (4295)

durh liebe der neven sîn

hiez scrîben ditze maere,

wie ez ergangen waere,

im latînischen buochstaben,

daz manz für wâr solde haben,

swerz dar nâh erfunde,

von der alrêrsten stunde,

wie ez sih huob und ouh began,

und wie ez ende gewan,

umbe der guoten knechte nôt,

und wie si alle gelâgen tôt.

daz hiez er allez schrîben.

ern liez es niht belîben,

wand im seit der videlaere

diu kuntlîchen maere,

wie ez ergie und gescach;

wand erz hôrte unde sach,

er unde manec ander man.

daz maere prieven dô began

sîn schrîber, meister Kuonrât.

getihtet man ez sît hât

dicke in tiuscher zungen. (4317)

(„Bischof Pilgrim von Passau befahl aus Liebe zu seinen Neffen, diese Geschichte aufzuschreiben, wie sie sich ereignet hat, in lateinischer Sprache, daß sie als wahr verbürgt sein sollte für jeden, der später von ihr hörte, von Anfang an, wie sie anhob und begann, und wie sie endete, von den Leiden der tapferen Helden und wie sie alle den Tod fanden. Das ließ er alles aufschreiben. Nichts davon ließ er übergehen, denn der Spielmann hatte ihm genaue Auskunft gegeben, wie es ergangen war und sich ereignet hatte; denn er hatte es gehört und gesehen, er und viele andere Männer. Die Geschichte wurde niedergeschrieben von seinem Schreiber, Meister Konrad. Seither hat man sie oft in deutscher Sprache gedichtet.“)

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Klage als zeitgenössische Interpretation des Nibelungenlieds
Hochschule
Universität Mannheim  (Ältere Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Hauptseminar Das Nibelungenlied
Note
1
Autor
Jahr
1997
Seiten
15
Katalognummer
V17721
ISBN (eBook)
9783638222174
ISBN (Buch)
9783640409723
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Alle vollständigen Handschriften des Nibelungenlieds überliefern uns auch die &quot,Klage&quot,. Die beiden Dichtungen wurden also gemeinsam tradiert und rezipiert. Die Klage ist keine bloße Aneinanderfügung weinerlicher Szenen, sondern ein zeitgenössischer Kommentar zum Nibelungenlied. Das Epos entfachte wohl schon in der damaligen Zeit Diskussionen. Die Klage lieferte eine (oder auch die) Interpretation.
Schlagworte
Klage, Interpretation, Nibelungenlieds, Hauptseminar, Nibelungenlied
Arbeit zitieren
Timo Witschaß (Autor), 1997, Die Klage als zeitgenössische Interpretation des Nibelungenlieds, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17721

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Klage als zeitgenössische Interpretation des Nibelungenlieds


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden