Erster Teil weltlicher Liebesgesänge von Christopherus Antonius


Notenwerk, 2010
27 Seiten

Leseprobe

Liederverzeichnis

I Wie, daß doch der Menschenleben

II O schwarzbraune Sylvia

III Ach geht ihr schönsten Sternlein, geht

IV Tausendmal fröhliche liebliche Stunden

V Daphnis ging vor wenig Tagen

VI O wie so selig muß doch sein

VII Ach Sylvia, du Preis der Schäferinnen

VIII Daphnis, du getreuste Seele

IX Ach Amaryllis hastu denn

X Ihr helle Tränen sagt mir doch

XI O Phyllis, edle Schäferin

XII O allerschönste Schäferinnen

Vorwort

Von Christopherus Antonius sind nur wenige Daten erhalten. 1639 trat er als Nachfolger von Andreas Hammerschmidt die Kantorenstelle in der St. Petri in Freiberg/Sa. an. Zuvor war er 6 Jahre im gleichen Dienst an der Jakobikirche in Freiberg tätig. Zweimal trat er als Komponist hervor: 1643 erschienen bei Beuther „Erster Theil weltliche Liebesgesänge“ und 1651 folgte „Daphnis wohl eingerathene Liebeserwählung“. Die zwölf weltlichen Liebesgesänge sind in der Möller - Bibliothek der Stadt Freiberg archiviert und die Akademie zur Wahrung musikhistorisch angewandter Kunst e.V. hat dieses Notenmaterial samt der deutschen Ausdrucksweise in die heutige Verständlichkeit übertragen. Leider gelang es uns nicht, alle Wörter zu entziffern. Deshalb findet man in den Nummern 7 , 11 und 12 Lücken, die in dieser Ausgabe nicht zu schließen sind.

Die zwölf weltlichen Gesänge haben eher volkstümlichen Charakter und einen umgänglichen Schwierigkeitsgrad.

Freiberg/Sa. 2010

Martina Möwes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

I.

1. Wie, daß doch der Menschenleben
sich der schnöden Eitelkeit
all so heftig hat ergeben
und bedenkt zu keiner Zeit?
Daß da nur allein besteht Tugend,
da sonst all´s vergeht.

2. Was sind doch des Glückes Gaben
und der vielen Güter Pracht
sie ja bald ein Ende haben
denn so lieget ihre Macht.
Tugend nur allein besteht,
so das ander all´s vergeht.

3. Roter Mund, Corallenwangen,
der liebreichen Augen Glanz,
aller dieser Zier und Prangen
gleicht sich einem Rosenkranz.
Tugend nur allein besteht
so das ander all´s vergeht

4. Bei den Menschen man hoch achtet
hoher Botentaten Gunst
so man dieses recht betrachtet
sind sie nichtig und umsonst.
Tugend nur allein besteht
so das ander all´s vergeht.

5. Cato wäre längst gestorben
niemand wüßte von ihm mehr
daß er aber nicht verdorben
macht der Tugend hohe Ehr
Tugend nur allein besteht
so das ander all´s vergeht

6. Könntest du die Welt bezwingen
liebetest die Tugend nicht
würd es wenig Nutzen bringen
sie ist aller Taten Licht
weil sie nur allein besteht
so das ander all´s vergeht.

7. Drum auf Geld und Liebessachen
mag ein ander halten viel,
sich damit berühmet machen
Tugend ist und bleibt mein Ziel.
Weil sie nur allein besteht
wenn das ander all´s vergeht.

Anmerkung: Cato war ein Feldherr und Schriftsteller.Er lebte 234 Jahre vor Christus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

II.

1. O schwarzbraune Sylvia
du bist und bleibst mein Leben
obgleich tausend hier und da
nach meiner Liebe streben
doch bleib ich dir, o Wälder Zier
zu Dienst allein ergeben.

2. Sollt ein ander lieber sein
so müßte schwerlich strafen mich
der Himmel, aber nein -
eh würde mich hinraffen
die Parcen Hand bei Lethersstrand
in Charons Rachen schaffen.

3. Amaryllis fahr nur hin
die Flavia mag bleiben.
Wer sie ist, auch meinen Sinn
wird nicht wie vor umtreiben
der Fillis Gunst, so wird umsonst
mich Chloris ihr zuschreiben

4. Meine braune Sylvia
vor jenen mir beliebet,
weil sie schlechtes nein und ja
vor große Worte giebet.
Mit falschem Schein und Höhnischsein
hat sie mich nie betrübet.

5. Drum ihr andern fahret hin
die Sylvia mein Leben
heget einzig treuen Sinn
sie wird nun völlig geben
der Liebe Frucht, die ich gesucht
bei euch, nicht konnt erheben.

6. Freu dich du grüne Wälderlust,
du buntes Wiesenprangen,
lege ab des Winters Wust,
jetzt stillet mein Verlangen
die Sylvia, drum Cynthia
komm, komme doch gegangen.

7. Bringe an die schwarze Nacht
in der sich wird einstellen
Sylvia, der Nymphenpracht
mir einen Kuß zu fällen.
Was mich betrübt und Anlaß gibt
zum heißen Tränen Quellen.

Anmerkungen der Metapher :

Parcen = Göttin des Schicksals
Charon = Fährmann der die Toten auf die Insel des Seeligen bringt
Amaryllis = Blume
Flavia = weibl. Vorname (blond) Namenstag der 7.Mai
Gloris = griech. Göttin der blühenden Natur
Fillis = Frauengestalt, die den Mann verspottet und ihn unterwirft.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

III.

1. Ach geht ihr schönsten Sternlein geht
geht einmal noch herfür
euch Lichtern mein ich, die ihr steht
am Antlitz meiner Zier
mein Herz ohn euch nicht lebet
wo ihr nicht selber gebet
euch bald zu eigen mir.

2. Nur dich mein Schatz bei Tag und Nacht
mit Lust zu schauen an
wer mein Begier, du hast gemacht
daß ich kaum leben kann
Fürstinne meiner Seelen
wie magstu doch so quälen
mich, und nicht abelan.

3. Nichts ist das so die Herzen bricht,
das so die Herzen zwingt
als deiner klaren Augenlicht
das mich ins Leiden bringt
unselig ist zu nennen
dem deine Fackeln brennen
und dich doch nicht erringt.

4. Ach laß mich doch in solcher Pein
nicht sterben jämmerlich
gib mir der beiden Sonnenschein
daß ich nur schaue dich
O Preis der Schäferinnen
du schönste der Göttinnen
Komm bald und tröste mich.

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Erster Teil weltlicher Liebesgesänge von Christopherus Antonius
Veranstaltung
Musikgeschichte und Aufführung
Autor
Jahr
2010
Seiten
27
Katalognummer
V177236
ISBN (eBook)
9783640988686
ISBN (Buch)
9783640988822
Dateigröße
1697 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erster, teil, liebesgesänge, christopherus, antonius
Arbeit zitieren
Martina Möwes (Autor), 2010, Erster Teil weltlicher Liebesgesänge von Christopherus Antonius, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177236

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