Zeichenfelder: Kleidung und Mode

Die Semiotik von Kleidung und Mode und die subversive Aneignung des Punk


Seminararbeit, 2011
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

1. Einleitung

Der Fokus dieser Arbeit ist die Untersuchung von der Semiotik von Kleidung und Mode. Dabei soll Kleidung generell als ein Zeichensystem verstanden werden, welches der nonverbalen Kommunikation dient. Die Arbeit zieht sowohl theoretische Ansätze als auch die Analyse von Kleidung als praktisch gelebtes Kommunikationsmedium ein, um ein umfassendes Bild von den Möglichkeiten und Grenzen vestimentärer Semiotik zu zeichnen.

Zunächst wird daher der Versuch unternommen, den Zeichencharakter von Kleidung und Mode zu beschreiben und ihn mit der gesprochenen, bzw. geschrieben Sprache zu vergleichen. So sollen Unterschiede und Analogien zwischen verbaler und nonverbaler Kommunikation aufgedeckt werden. Des Weiteren skizziert die Arbeit inhaltlich Roland Barthes‘ Schrift zur „Sprache der Mode“. Barthes Vorgehen soll dargestellt werden, in welchem er sich klassischen Termini der Sprachwissenschaft bediente um ein theoretisches Sinnsystem der Kleidung zu erstellen.

Im Weiteren widmet sich die Arbeit dem besonderen Umgang von Jugend und Subkulturen mit Mode. Dies beinhaltet vor allem die soziologischen und psychologischen Faktoren, die jene drei Elemente miteinander in Beziehung treten lässt: Wie Jugend mit Mode agiert, welche wechselseitige Beeinflussung stattfindet und wie sich letztendlich (jugendliche) Subkulturen Kleidung und Mode zu ihren Zwecken aneignen. Exemplarisch soll des Weiteren die Subkultur des Punk untersucht werden. Subkulturen haben einen besonderen Stellenwert im Prozess der diskursiven Konstitution und Transformation von Zeichen, der am Beispiel der Punkbewegung dargestellt werden soll.

2. Kleidung und Mode in der Semiotik

2.1 Der Zeichencharakter von Kleidung und Mode

Die Sprache sowie die Kleidung und Mode sind jeweils kommunikative Systeme mit Hilfe derer wir uns verständigen. Auf der verbalen Ebene sind es die sprachlichen Zeichen, das geschrieben und gesprochene Wort, mit dem wir kommunizieren. Die Sprache der Kleider hingegen ist „ein nonverbales Kommunikationsmedium. Lesen und gelesen werden sind Handlungen in der Öffentlichkeit, auf der Straße, die dabei helfen, den enormen Informationsfluss zu verarbeiten.“[1]

So hilft uns die äußere Erscheinung und die Kleidung anderer, Menschen zu kategorisieren. Nicht im Sinne einer vorurteilsbehafteten Begegnung, sondern als Orientierungshilfe: Weil wir unser Gegenüber genau beobachten und auf seine Gestik, Mimik und seinen Körper achten, sehen wir vor allem auch die Kleidung. Wir versuchen, uns anhand der Kleidung eine Vorstellung von diesem Menschen zu machen, also beispielsweise etwas über sein Geschlecht, seine Nationalität und seinen gesellschaftlichen Status zu erfahren, um unser Verhalten darauf einzustellen.[2] Ein Kommunikationsprozess vollzieht sich also in jedem Fall, denn „die Kleidung wird als Zeichen konstruiert und evaluiert, auch wenn beides ohne Intention entsteht“[3].

Die vestimentäre Kommunikation ist allerdings multipel determiniert, das heißt dass sie auch durch extra-vestimentäre Zeichen beeinflusst wird wie Körperhaltung, Bewegungen oder Mimik.[4] Dieser sogenannte „symbolische Interaktivismus“[5] beschreibt das kulturell geprägte menschliche Verhalten, welches uns ermöglicht Symbole zu verwenden und auf diese zu reagieren - vorausgesetzt es herrscht eine kulturelle Übereinkunft über ihre Bedeutung. Die Bedeutung dieser Symbole wird durch einen Prozess der Sozialisation erlernt. Da auch Kleidungsstücke Teil unserer symbolischen Datenbank sind, erlernen wir auch ihre Bedeutung und unsere Reaktion auf Dieselbigen[6].

Ferner erfüllt Kleidung für das Individuum vor allem drei Zwe name="_ftnref7" title="">[7]

Hier zeigt sich die Ambivalenz der Bekleidung: Einerseits verdecken wir aus Scham die Körperteile, die von anderen nicht gesehen werden sollen, andererseits schmücken wir unseren Körper um die Blicke anderer auf uns zu ziehen.[8] Kleidung ist also ein Kompromiss, welcher grundsätzliche Tendenzen vereint. Demnach ist die Existenz von Kleidung sachlich begründet, da sie den menschlichen Bedürfnissen angepasst ist.

Die Mode erscheint hingegen unbegründet und überflüssig, dabei übt auch sie gewisse psychologische Reize auf uns aus. Der deutsche Philosoph und Soziologe Georg Simmel geht beispielsweise davon aus, dass es in unserer Gesellschaft zwei Gruppierungen von Menschen gibt: Diejenigen, die stets das Bleibende und die Fusion mit der Gemeinschaft suchen und die andere Gruppe, welche Individualität und Differenzierung anstrebt.[9]

Die Mode als solche ist dessen zufolge abermals der Versuch, die gegensätzlichen Bedürfnisse beider Gruppierungen zu befriedigen. Einerseits bietet sie soziale Anlehnung, da sie durch ihr Diktat dessen, was modisch ist, ein Muster zur Nachahmung vorgibt. Auf der anderen Seite bietet sie Abwechslung, da ihre Inhalte saisonal wechseln, und Differenzierung, wenn innerhalb der Mode eine soziale Klassifizierung möglich ist.

Ein anschauliches Exempel für diese Vereinbarung unterschiedlicher Bedürfnisse bieten Jugendgruppen, bzw. Subkulturen (Dieses Beispiel wird im weiteren Verlauf der Arbeit genauer erläutert). Innerhalb der Mode existiert also immer auch die Möglichkeit, ein bestimmtes Grad an Individualität innerhalb der modischen Kollektivität zu bewahren.

Der besondere Reiz der Mode ist jedoch ihre Verbindung von Neuheit und Vergänglichkeit, ihr ständiger Wechsel und ihre dagegen besonders ausgeprägte Gegenwärtigkeit.

Vergleicht man Mode nun mit der Sprache, können einige Parallelen aufgewiesen werden. Die Sprache und die Mode sind veränderlich, weil jeder immer und überall durch sie beeinflusst wird und dagegen auch auf sie Einfluss nimmt und sie somit abändert. Das sprachliche Zeichen wird umgestaltet, weil es sich immer mit der Zeit entwickelt, dabei aber auf Bestehendem aufbaut, nämlich jener sprachlichen Konvention, die das Ergebnis einer kollektiven Übereinkunft, bzw. einer natürlichen Entwicklung ist und derer wir uns als Sprecher nicht entziehen können. Das Vorherrschende bei jeder Modifizierung ist daher, dass die ursprüngliche Basis weiterhin besteht.

Die Mode ist in diesem Fall radikaler und endgültiger als die Sprache, es wird zwar auf einer Basis aufgebaut, also elementaren Kleidungsgegenständen wie einer Beinbedeckung oder einem Oberteil, doch die Mode und ihre Bedeutung unterläuft einem stetigen Wandel. Anders als die Sprache verleugnet die Mode ihre Erbschaft vergangener Mode. Jedes Jahr, bzw. jede Saison wird sie von einigen wenigen Designern neu erschaffen, ihre Zeichen und ihre Lexik sind jedes Jahr neu.[10] Eine Veränderung des Zeichens führt auch immer zu einer Verschiebung der Beziehung zwischen Vorstellung und Bezeichnung.

[...]


[1] Von Cossart, Axel: „(Anti-)Mode“, Köln, 1995, S.131

[2] Flügel, J.C.: „Psychologie der Kleidung“, in: Bovenschen, Silvia (Hrsg.): „Die Listen der Mode“, S.208

[3] Von Cossart, Axel: „(Anti-)Mode“, S.128

[4] Vgl.: Baacke, Dieter; Dollase, Rainer; Dresing, Uschi; Volkmer, Ingrid: „Jugend und Mode“, Leverkusen, 1988, S.103

[5] Ebd.: S.99

[6] Vgl. Baacke, Dieter; Dollase, Rainer; Dresing, Uschi; Volkmer, Ingrid: „Jugend und Mode“, S.106

[7] Vgl.: Flügel, J.C.: „Psychologie der Kleidung“, in: Bovenschen, Silvia (Hrsg.): „Die Listen der Mode“, S.210

[8] Vgl. ebd.: S.213 Vgl.: Simmel, Georg: „Die Mode“, in: Bovenschen, Silvia (Hrsg.): „Die Listen der Mode“, S.181

[10] Vgl.: Barthes, Roland: „Die Sprache der Mode“, Frankfurt am Main, 1985, S. 221

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Zeichenfelder: Kleidung und Mode
Untertitel
Die Semiotik von Kleidung und Mode und die subversive Aneignung des Punk
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Kultur und Medien)
Veranstaltung
Zeichen und Wahrnehmung
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V177344
ISBN (eBook)
9783640989263
ISBN (Buch)
9783640989485
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zeichenfelder, kleidung, mode, semiotik, aneignung, punk
Arbeit zitieren
Marie Beckmann (Autor), 2011, Zeichenfelder: Kleidung und Mode, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177344

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