Die Auswirkungen der französischen Revolution auf Deutschland

Die öffentliche Rezeption der französischen Revolution in Deutschland


Seminararbeit, 2011
14 Seiten, Note: 5.5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Deutschlandum 1800

3. Deutschlands Rezeption der Französischen Revolution
3.1. Anfängliche Euphorie
3.2. Wandel
3.3. Auswirkungen

4. Fazit

5. Ausblick

6. Bibliographie

1. Einleitung

Die Französische Revolution von 1789 bis 1799 hat in Europa anhaltende Spuren hinterlassen. Neben kulturellen, sozialen und politischen Veränderungen in Frankreich kam es durch sie auch zu kulturellen und politischen Wandlungsprozesse im Ausland.1 Einzig Deutschland scheint von der Französischen Revolution unberührt zu bleiben. Die Geschichtsbücher schreiben, dass eine potentielle deutsche Revolution schon früh gescheitert sei. Es wird entsprechend von der deutschen Sonderentwicklung gesprochen. Dabei stellt sich jedoch die Frage, welche genauen Auswirkungen die Französische Revolution Deutschland hatte. Die Hinterfragung des Nachbarlandes Frankreichs ist insofern interessant, da es trotz den Geschehnissen in Paris absolutistisch blieb.2 Es stellt sich die Frage, wie die Rezeption der französischen Revolution in Deutschland überhaupt ausgesehen hat. Kann man wirklich sagen, dass Deutschland von jeglichen Auswirkungen verschont geblieben ist, gab es denn wirklich keine revolutionären Tendenzen?

In dieser Arbeit geht es entsprechend darum, wie die Französische Revolution in der preussischen Öffentlichkeit rezipiert worden ist. Dies ist insofern interessant, da die Öffentlichkeit als politischen Entscheidungsfindungsprozess der Bevölkerung dient. 3 Unter Anbetracht der Rezeption der Französischen Revolution in Deutschland wird so versucht ein potentielles Revolutionsverhalten heraus zu filtrieren. Dabei wird auch die Rezeptionsentwicklung unter Betracht gezogen. Durch potentielle allgemeine Auswirkungen der französischen Revolution in Deutschland wird dann versucht, das Konstrukt einer möglichen deutschen Revolution zusammengeführt.

Als Quellen dienen primär die Arbeiten von Axel Schumann „Berliner Presse und französische Revolution“, Helmut Berdings „Soziale Unruhen in Deutschland während der Französischen Revolution“ und Nikolas Dörrs „Friedrich Schiller und die Französische Revolution“. Die Quellen zeigen, wie aus dem jeweiligen Titel herausgelesen werden kann, jeweils einen Standpunkt der deutsche Rezeptionen der Französischen Revolution, welche ich versuchen werde zusammenzutragen und zu einer Einheit zu bringen. Zum Literaturstand zu dieser Thematik ist zu sagen, dass es zwar mehrere Bücher zur preussischen Situation während der Französischen Revolution gibt,jedoch wurde bis anhin die öffentliche Rezeption in den verschiedenen Plattformen der Öffentlichkeit kaum untersucht. Direkte Primärquellen existieren also wegen der begrenzten Seitenzahl nicht, da es zum Beispiel für den ausgewählten Zeitraum über 100 Zeitschriften gibt.4 Die Quantität gilt sowohl auch für die sozialen Bewegungen wie auch für den Informationsaustausch respektive Äusserungen der Intellektuellen zur Französischen Revolution. Die Arbeit fokussiert sich entsprechend wirklich nur auf die verschiedenen Arten der Öffentlichkeit, welche damals in Preussen generiert wurden.

Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut. In einem ersten Schritt wird die Situation in Preussen zwischen 1789 und 1806 erläutert. Danach wird auf die Rezeption der Französischen Revolution in Preussens Öffentlichkeit eingegangen. In einem ersten Schritt wird auf die anfängliche Euphorie Deutschlands eingegangen. Diese wird auf unterschiedlichen Ebenen durchleuchtet. Danach wird der plötzliche Wandel gegen die Französische Revolution der deutschen Gesellschaft analysiert. Auch dieser wird von verschiedenen Seiten gezeigt. Zuletzt werden noch auf die direkten Auswirkungen Frankreichs auf Deutschland eingegangen. Am Ende der Arbeit wird ein Fazit gezogen.

2. Deutschland um 1800

In diesem Abschnitt wird kurz einen Überblick auf die Situation Deutschlands zwischen 1789 und 1806 gegeben.

Deutschland, wenn man es überhaupt schon so nennen konnte, bestand zu Beginn der Französischen Revolution aus über 300 souveränen Kleinstaaten. Das sogenannte Römische Reich Deutscher Nation hielt kaum mehr zusammen, da die Macht des Kaisers, Leopold II, immer mehr schrumpfte.5 Als die Revolution 1789 in Frankreich ins Rollen gekommen war, reagierten die Preussen unter Friedrich Wilhelm II. darauf mit Gelassenheit.6 Die Revolution war sogar sehr willkommen, da man dachte, dass die Handlungsfähigkeit der Franzosen so geschwächt würde.7 Als dann aber die Monarchie Frankreichs immer mehr ins Schwanken kam, versuchten die Preussen und die Österreicher zusammen mit anderen Mächten den französischen König zu retten. Dieser Plan kam jedoch nie zu Stande, da Grossbritannien nicht einwilligte. Kurze Zeit später erklärt Lius XVI. Habsburg den Krieg, worauf sich Preussen und Österreich zusammen tun. Weitere Länder schlossen sich an und es kam zum ersten Koalitionskrieg, den die französischen Truppen schlussendlich für sich behaupten konnten.1975 schloss Preussen mit Frankreich den sognannten „Basler Frieden“. Österreich hingegen war gezwungen weiter zu kämpfen, so dass es schlussendlich 1796 gegen Napoleon bei Italien verlor. Mit den territorialen Expansionsbestrebungen Napoleons kam es 1798 bis 1801 zum zweiten Koalitionskrieg. Preussen beteiligte sich unter inzwischen Friedrich Wilhelm III. nicht, da das „Basler Frieden“ Abkommen noch in Kraft war. Napoleon setzte 1806 ein für Friedrich Wilhelm III. unerfüllbares Ultimatum, so dass Preussen diesem den Krieg erklärt. Nur zwei Wochen darauf marschierte Napoleon in Berlin ein.8

Wie man sehen kann, hat sich in diesen wenigen Jahren in Deutschland Einiges geändert und es ist Einiges passiert. Was nach 1806 mit Deutschland geschehen ist, wird zu einem späteren Zeitpunkt erläutert.

3. Deutschlands Rezeption der Französischen Revolution

Wie in der Einleitung bereits angedeutet, war Deutschland zu Beginn der französischen Revolution sehr euphorisch. Das aufklärerische Gedankengut wurde in der Öffentlichkeit Preussens sehr positiv aufgenommen. Dennoch entwickelte sich die Meinung der deutschen Öffentlichkeit im Verlaufe der Revolution in eine andere Richtung. Die meisten lehnten die Französische Revolution plötzlich ab.9 Es stellt sich die Frage, wie sich diese anfängliche Euphorie in eine Abkehr der Revolution in Deutschland entwickeln konnte. In den folgenden Kapiteln wird die anfängliche Euphorie von verschiedenen Seiten durchleuchtet und analysiert. Danach wird auf die spätere Abwendung eingegangen und wie sich diese äusserte.

3.1. Anfängliche Euphorie

In diesem Kapitel wird demonstriert, wie die anfängliche Euphorie in Deutschland gegenüber der Französischen Revolution ausgesehen hat.

Durch den Ausruf der Republik in Frankreich gründeten sich in Deutschland immer mehr Tageszeitungen nach 1790, welche über die Weltsensation berichteten.10 Das Bildungsbürgertum war entsprechend der Französischen Revolution gut gesinnt. Auch die Intellektuellen Kreise befürworteten den aufklärerischen Gedanke des Aufstandes.11 So schrieb der zeitgenössische Schriftsteller Friedrich Wilhelm Klopstock zur Beginn der Revolution:

„Frankreich schuf sich frei. Des Jahrhunderts

edelste That hub

Da sich zu dem Olympus empor.

Bist Du so eng begrenzt, dass Du sie verkennest, umschwebet

Diese Dämmerung Dir noch den Blick,

Diese Nacht: so durchwandre die Weltannalen und finde

Etwas darin, das ihr ferne nur gleicht,

Wenn Du kannst! O Schicksal! Das sind sie also, das sind sie,

Unsere Brüder, die Franken; und wir?

Ach, ich frag’ umsonst. Ihr verstummet, Deutsche!“12

In diesem Gedicht ist ersichtlich, dass einige der Intellektuellen die Revolution auch nach Deutschland bringen wollten. Dabei kritisiert er aber das deutsche Volk, welches eine solche Revolution nicht initiieren kann. Neben solch Äusserungen kam es sogar zur Etablierung des deutschen Jakobinerklubs, welcher nur zwei Tage nach dem in Frankreich gegründeten Club hervorgerufen wurde. 13 Der deutsche Club rief die Mainzer Republik hervor, welcher der erste deutsche souveräne Staat mit bürgerlichen Wahlen darstellte. In dieser Republik wurde nach den idealen der Französischen Revolution gelebt. Sie wies circa 500 Mitglieder vor. Nach drei Monaten jedoch wurde die Mainzer Republik durch das preussische Militär niedergeschlagen.14 In Deutschland herrschte in den intellektuellen Kreisen eine Frankophilie;

[...]


1 Thamer 2009, 7.

2 Büsch/Neugebauer-Wölk 1991,6.

3 Kriesi 2001, 1.

4 Becker 1999, 12.

5 Schulz 2000,21-22.

6 Schumann 2001, 41.

7 Geschichts- und Kulturverein EV 2011, 1.

8 Ebd., 1-5.

9 Becker 1999, 48-49.

10 Becker 1999, 48.

11 Ebd., 49.

12 Vgl. Dörr 2006, 37-38.

13 Krebs 2009, 9.

14 Dörr 2006, 44.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Auswirkungen der französischen Revolution auf Deutschland
Untertitel
Die öffentliche Rezeption der französischen Revolution in Deutschland
Hochschule
Universität Zürich  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Die Französische Revolution
Note
5.5
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V177456
ISBN (eBook)
9783640991662
ISBN (Buch)
9783640991846
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Französische Revolution, Deutschland, Auswirkungen, öffentlich, Rezeption, Frankreich, Preussen, Kaolitionskrieg
Arbeit zitieren
Nathalie Jacobs (Autor), 2011, Die Auswirkungen der französischen Revolution auf Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177456

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