Der US-amerikanisch-philippinische Krieg

Neue Fragestellungen und Ansätze zu einem wenig erschlossenen Thema


Hausarbeit, 2008
19 Seiten, Note: 1.3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtlicher Hintergrund
2.1 Die Geschichte der Philippinen
2.1.1 Vorkoloniale Zeit
2.1.2 Spanische Kolonialzeit
2.2 Der Imperialismus der USA

3. Der US-amerikanisch-philippinische Krieg
3.1 Die Besatzung des Landes
3.2 Der Krieg
3.3 Die Zeit nach dem Krieg

4. Die Philippinen heute - Konflikte auf den Philippinen
4.1 New Peoples‘ Army
4.2 Mindanao

5. Aufwerfen offener Fragen und Forschungsdesiderata

6. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit sollen sowohl der US-amerikanisch-philippinische Krieg als auch die daraus entstandenen Folgen behandelt werden. In der Wissenschaft der Internationalen Beziehungen wird die Eroberung der Philippinen durch die USA zwar aufgeführt, doch US-amerikanisch-philippinische Beziehungen und besonders die Folgen auf die Philippinen heute stehen eher im Hintergrund. Aus diesem Grunde scheint es interessant, die Ereignisse des Krieges und die heutige politische (Konflikt-)Situation in den Philippinen näher zu betrachten, offenen Fragen - und Relationen nachzuspüren, die bisher nicht eindeutig benannt wurden.

Eine zentrale Rolle in dieser Arbeit spielen die Begriffe Krieg, Konflikt sowie auch der Imperialismus, der große Auswirkungen auf beide Länder hatte. Im Folgenden sollen diese für das Verständnis der Arbeit relevanten Begriffe kurz definiert werden:

„Krieg“ wird in einem Politiklexikon1 folgendermaßen definiert: „Krieg bezeichnet einen organisierten, mit Waffen gewaltsam ausgetragenen Konflikt zwischen Staaten bzw. zwischen sozialen Gruppen der Bevölkerung eines Staates…“2

Das Phänomen „Konflikt“ wird von dem Konfliktforscher Norbert Ropers dargestellt als „…unvermeidbare und für den sozialen Wandel notwendige Begleiterscheinung des Zusammenlebens in allen Gesellschaften. Sie sind ein Ausdruck von Spannungen und Unvereinbarkeiten zwischen verschiedenen, voneinander abhängigen Parteien im Hinblick auf ihre jeweiligen Bedürfnisse, Interessen und Wertvorstellungen. Zu gesamtgesellschaftlichen Krisen und destruktiven Eskalationen führen solche Auseinandersetzungen vor allem in Phasen tiefgreifender sozioökonomischer Veränderungen und politischer Transformation. Also dann, wenn es um die Neuverteilung von Lebenschancen und Partizipationsmöglichkeiten zwischen verschiedenen Gruppen geht."3

„Imperialismus“ wird von Michael Heinrich wie folgt definiert:

„Unter Imperialismus wird […] die Politik eines Staates verstanden, die auf Machtausdehnung und Einfluß (sic) jenseits seiner Grenzen abzielt, sei es direkt durch Vergrößerung des Staatsgebietes, sei es indirekt, indem eine politische, ökonomische oder militärische Dominanz gegenüber anderen Staaten angestrebt wird.“4

Zur Darstellung des Themas meiner Hausarbeit werde ich folgendermaßen vorgehen: Zunächst werde ich den historischen Hintergrund der Philippinen vorstellen (Kapitel 1.2) und dabei auch die imperialistische Politik der USA erläutern (Kapitel 2.2), um ein besseres Verständnis für das Geschehen während des US-amerikanisch- philippinischen Krieg zu schaffen. Im Anschluss werde ich den Hergang dieses Krieges darstellen (Kapitel 3). In Kapitel 4 werde ich auf die Konfliktsituation in den Philippinen heute eingehen. Anschließend werde ich nach den Verbindungen zwischen dem US-amerikanisch-philippinische Krieg und der heutigen Lage fragen (Kapitel 5) um damit sowohl die Relevanz des Themas für die jetzige Situation auf den Philippinen deutlich zu machen, als auch um Forschungsdesiderata aufzuzeigen.

2. Geschichtlicher Hintergrund

2.1 Die Geschichte der Philippinen

2.1.1 Vorkoloniale Zeit

Die Philippinen wurden seit ca. 25000 Jahren vor Christus von Negroiden bewohnt. Später kamen Menschen aus Indonesien, Malaysia und China hinzu.5 Die indigene Bevölkerung lebte in kleinen Dörfern am Rand von Flüssen und an den Küsten. Diese Dorfgemeinschaften waren keiner übergeordneten Struktur unterlegen, sondern bauten hauptsächlich Reis in Subsistenzwirtschaft an, die von dem Dorfoberhaupt, dem sog. Datu verwaltet wurde, aber im Besitz der Gemeinschaft war. In größeren Dörfern, die über ihre eigenen Bedürfnisse hinaus anbauten, herrschte der jeweilige Datu über freie und unfreie Untertanen, also über Abgaben leistende Untertanen und Sklaven. Hier soll es auch schon Privateigentum gegeben haben.

Diese vorgefundene Situation nutzten im 14. Jahrhundert die Sultane, die nach islamischen Händlern besonders in den Süden der Inseln kamen und bildeten mit den Datus die Gruppe der Herrschenden über die Bewohner der einzelnen Dörfer. Die hierarchischen Strukturen zwischen Herrscher und freien und unfreien Untertanen blieben bestehen.6 Der Islam breitete sich mit der Gründung des Sultanats Maguindanao 1474 bis in den Norden des Landes aus.7 Im Süden blieben nur einige Stämme im Landesinneren nicht von der Verbreitung des Islams betroffen.8

2.1.2 Spanische Kolonialzeit

1565 erreichten die Spanier die Inseln und es kam zu einer strukturierten Eroberung des Landes. In nur sechs Jahren wurden große Teile des Landes unter spanische Herrschaft gestellt. Die Cordilleras im Norden des Landes und der islamische Süden konnten jedoch nie von den Spaniern erobert werden,9 so blieb der Süden des Landes letztendlich von den Spaniern fast unberührt.10

Nach 200 Jahren Christianisierung kam es im dritten Jahrhundert der spanischen Kolonialzeit zur erfolgreichen Ausdehnung der Landwirtschaft auf den (Welt-)Markt seitens der Spanier und durch die dazu nötige Landnutzung zu Verdrängung und verstärkter Armut der einheimischen Bevölkerung. Dies führte zu mehrfachen sozialen Unruhen.11 Zum eigenen Machterhalt kauften die Kolonialherrscher einheimische Landbesitzer, die Datus, indem sie ihnen verschiedene Vorteile wie Steuerbefreiung verschafften, um deren Loyalität zu sichern. So kam es zur Verstärkung der Machtstrukturen innerhalb der philippinischen Bevölkerung im 18. und 19. Jahrhundert.12 Ende des 19. Jahrhunderts folgte eine Revolution, die durch die gebildete halb spanisch, halb philippinische Mittelschicht geleitet wurde. Ihre friedlichen Forderungen basierten jedoch auf politischer Gleichberechtigung für die einheimische, bessergestellte Bevölkerung und nicht auf Änderungen sozialer Bedingungen für das von Ausbeutung betroffene Volk.

Der Kampf um Unabhängigkeit und soziale Reformen,13 wie die Aufhebung der Feudalherrschaft, begann derweil unter dem linken, volksnahen Flügel der gebildeten indigenen Bevölkerung.14 Der bewaffnete Kampf um die Unabhängigkeit 1896 war allerdings nicht erfolgreich. Erst 1898, als der spanisch-amerikanische Krieg ausbrach und die spanische Flotte vor Manila zerstört wurde, konnte die Region Manila von den Revolutionären erobert werden. Spanien verlor den Krieg gegen die USA und die Philippinen wurden im Pariser Vertrag für 20 Mio. US-Dollar an die USA verkauft.15

2.2 Der Imperialismus der USA

Ende des 19. Jhdt. kam es durch die Industrialisierung zu einem veränderten Expansionsverhalten der USA. Durch die Expansion und die Konzentration der US- amerikanischen Wirtschaft konnte der Imperialismus möglich gemacht werden und auch das Interesse für die Eroberung fremder Märkte geweckt werden. Nachdem sowohl Kanada als auch Lateinamerika nicht offen für wirtschaftliche Kooperation waren, bereitete sich die US-amerikanische Regierung schnell darauf vor, militärisch zu intervenieren, um andere Regierungen zu unterwerfen. Die Expansion der USA wurde durch den Sozialdarwinismus gerechtfertigt, der besagt, dass der Sieg des Stärkeren über den Schwächeren Naturgesetz sei und die angelsächsische Rasse und besonders die USA somit nur ihrer Bestimmung folge, die Welt zu erobern, wenn sie andere Länder unterwirft, da sie ihre Stärke schon bewiesen habe.16 Auch der missionarische Gedanke, dass die USA auserkoren sei, den „’zurückgebliebenen’“17 Menschen auf der Welt „[...]den richtigen Weg zu weisen.“18, ihnen Demokratie zu bringen und sie vor Tyrannei zu beschützen, legitimierte den Imperialismus. In der Politik ging es jedoch eher um die Weltmachtsicherung. Es herrschte die Angst, dass die USA im Kampf um die Eroberung fremder Länder und Märkte zu spät sein könnten und auch die Möglichkeit des Krieges wurde deshalb nicht abgelehnt. Durch parteiische Medien, die die Spanier auf Kuba kritisierten und durch den unerklärten Untergang eines US-Schlachtschiffes vor Havanna konnte 1898 auch der derzeitige Präsident McKinley überzeugt werden, einen Krieg gegen Spanien zu beginnen. In nur vier Monaten besiegten die USA Spanien und erhielten die Philippinen, Puerto Rico und Guam. Kuba wurde unabhängig. Unter Roosevelt kam es 1901 zu einer radikalen Expansionspolitik und sowohl militärische Interventionen, wie auch Schutzmaßnahmen gegen andere imperiale Mächte wurden angestellt.19

[...]


1 aus Schubert, Klaus und Martina Klein: 4., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2006.

2 Vgl. http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=GV0OHL vom 20.02.2008.

3 Vgl. http://www.bpb.de/themen/V24LGM,0,0,Was_ist_ein_Konflikt.html vom 20.02.2008.

4 Vgl. Heinrich, Michael: Imperialismustheorie, in: Schieder, Siegfried/Spindler, Manuela (Hrsg.): Theorien der internationalen Beziehungen, 2. Aufl., Opladen & Farmington Hills, Verlag Barbara Budrich 2006, S. 295.

5 Vgl. Oldenburg, Vivian/ Reese, Niklas: Unterwegs zur Freiheit, Ein historischer Überblick, in: Reese, Niklas/Werning, Rainer (Hrsg.): Handbuch Philippinen. Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur, Horlemann 2006, S. 19- 29.

6 Vgl. Polley, Uwe: Krieg auf den Philippinen, in: Siegelberg, Jens (Red.): Die Kriege 1985 bis 1990. Analyse ihrer Ursache, in: Kriege und militante Konflikte Bd. 2, Münster/ Hamburg, Lit 1991, S. 432- 463.

7 Vgl. Oldenburg, V./Reese, N.: Unterwegs zur Freiheit, S. 19.8 Vgl. Polley, U.: Krieg auf den Philippinen, S. 450.

9 Vgl. Oldenburg, V./Reese, N.: Unterwegs zur Freiheit, S. 19.

10 Vgl. Polley, U.: Krieg auf den Philippinen, S. 434.

11 Vgl. Oldenburg, V./Reese, N.: Unterwegs zur Freiheit, S. 20.

12 Vgl. Polley, U.: Krieg auf den Philippinen, S. 435.

13 Vgl. Vgl. Oldenburg, V./Reese, N.: Unterwegs zur Freiheit, S. 22.

14 Vgl. Levinson, G.I.: Die Philippinen - Gestern und heute, in: Markov, Walter: Studien zur Geschichte Asiens, Afrikas und Lateinamerikas Bd. 14/15, Berlin, Akademie - Verlag 1966, S. 21.

15 Vgl. Oldenburg/Reese 2006, S. 22 f.

16 Vgl. Avery, Donald H./Steinisch, Irmgard: Industrialisierung und ihre sozialen politischen Folgen, in: Lösche, Peter/Loeffelholz, Hans-Dietrich von (Hrsg.): Länderbericht USA. Geschichte, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Frankfurt/New York: Campus 2004, S. 78-108.

17 Vgl. Frey, Marc: Dekolonialisierung in Südostasien. Die Vereinigten Staaten und die Auflösung der europäischen Kolonialreiche, in: Loth, Wilfried (Hrsg.): Studien zur Internationalen Geschichte Bd. 17, München: R. Oldenbourg 2006.

18 Vgl. Avery, D./Steinisch, I.: Industrialisierung und ihre sozialen politischen Folgen, S. 104.

19 Vgl. ebd.: S. 105.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Der US-amerikanisch-philippinische Krieg
Untertitel
Neue Fragestellungen und Ansätze zu einem wenig erschlossenen Thema
Hochschule
Universität Osnabrück
Veranstaltung
Strukturen und Probleme der internationalen Beziehungen
Note
1.3
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V177678
ISBN (eBook)
9783640993673
ISBN (Buch)
9783640995080
Dateigröße
621 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Philippinen, USA, Imperialismus, Krieg, Kolonialismus, politische Konflikte, Entwicklung
Arbeit zitieren
Debora Mendelin (Autor), 2008, Der US-amerikanisch-philippinische Krieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177678

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