Unterrichtsstunde: Konsum und Gerechtigkeit

Im Rahmen einer Unterrichtsreihe zum Thema „Gerechtigkeit und Freiheit im Wandel der Zeit“


Unterrichtsentwurf, 2008
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. LERNGRUPPENBESCHREIBUNG

2. EINORDNUNG DER STUNDE IN DIE UNTERRICHTSEINHEIT

3. SACHANALYSE
3.1 Vorwort zur Sachanalyse
3.2 Die Coca-Cola-Company (CCC)
3.3 Die CCC in Indien
3.4 Coca-Cola’s Hilfsprojekte
3.5 Fazit

4. VERLAUFSPLAN DER STUNDE

5. DIDAKTISCH-METHODISCHE ANALYSE NACH KLAFKI

6. LEHRPLANRELEVANZ

7. LERNZIELE

8. ANHANG
8.1 Arbeitszettel I(Darstellung der Situation in Indien durch die CCC)
8.2 Arbeitszettel II(Darstellung der Situation in Indien durch Menschen aus Plachimada)
8.3 Foto/Folie

1. Lerngruppenbeschreibung

Da es sich hier um eine Ausarbeitung einer fiktiven Stunde innerhalb einer Unterrichtseinheit handelt, wird in diesem Abschnitt keine Lerngruppe im engeren Sinne beschrieben. Daher wird dieser Abschnitt sehr kurz gehalten, er gehört jedoch in jede Ausarbeitung einer Stunde und ist von großer Wichtigkeit. Die fiktive Lerngruppe besteht aus einer 12. Klasse der gymnasialen Oberstufe.

2. Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit

In den vergangenen Wochen haben sich die Schüler ausführlich mit dem Thema Gerechtigkeit auseinandergesetzt. Nach einer Einführung, in der unterschiedliche Vorstellungen von Gerechtigkeit behandelt wurden wurde auf das Thema Freiheit eingegangen. In der dritten Stunde wurde dann die Gerechtigkeitstheorie von John Rawls behandelt, die auch für diese Stunde eine gewisse Relevanz haben wird. Nach diesem theoretischen Zugang zur Gerechtigkeit haben sich die Schüler mit dem Verhältnis von Gerechtigkeit und Strafe anhand des deutschen Strafrechts auseinandergesetzt. Basis für kommende Einheiten wird die Stunde über die Bedeutung von Eigentum sein, die sich in einer Stunde über Modelle der Verteilungsgerechtigkeit und Marktwirtschaft mündet. Die letzten beiden Stunden sollen sich nun mit Gerechtigkeit in einem gesellschaftlichen Kontext anhand konkreter Beispiele beschäftigen. Auf die Stunde zum Thema Umweltethik, die sich mit Massentierhaltung beschäftigt folgt meine Stunde, die als Abschluss das Thema Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit im Welthandel verursacht durch die großen Weltkonzerne behandelt. Diese Ungerechtigkeit soll an einem Beispiel, der Coca-Cola-Company (CCC), erarbeitet werden mit dem Ziel, dass Bewusstsein dafür geschaffen wird, dass durch Konsum nicht nur Geld ausgeben wird, sondern auch damit ein kleines Stück Verantwortung für mehr Gerechtigkeit in der Welt einher geht.

3. Sachanalyse

3.1 Vorwort zur Sachanalyse

In der folgenden Sachanalyse werden die Probleme in Plachimada (Indien) beschrieben, Dabei wird versucht, möglichst beide Seiten darzustellen, da an einigen Punkten oft eine Position gegenüber der anderen steht und eine objektive Beurteilung der Vorgänge nur schwerlich möglich erscheint, weil neben dem Konzern und den direkt Betroffenen auch Staaten, Gewerkschaften und andere Verbände involviert sind, die ebenfalls ihre Interessen vertreten. Außerdem wird der Coca-Cola Konzern kurz dargestellt.

Es erscheint mir als Ethiklehrer von großer Wichtigkeit, sich auch mit solchen Konflikten, die sich abseits der Lehrbücher abspielen, zu beschäftigen. Die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen wie diesem, welches die Lebenswelt der Schüler direkt betrifft, ist eine der Stärken des Ethik-Unterrichts und macht ihn interessant für Schüler und Lehrer, die sich auf diese Weise auch gemeinsam einer Problemstellung nähern können.

3.2 Die Coca-Cola-Company (CCC)

Die CCC ist eins der größten und wohl das weltumspannendste Unternehmen der Welt. In knapp 200 Staaten der Erde werden ca. 2800 unterschiedliche Produkte vertrieben. Die Palette reicht dabei von der klassischen Coca-Cola über diverse Limonaden und Tafelwässer bis hin zu Sport- und Teegretränken, die jeweils dem regionalen Bedarf angepasst werden. In Zahlen bedeutet dies: Jedes Jahr werden weltweit 125 Milliarden Liter Getränke der CCC verkauft und konsumiert. Dies entspricht etwa dem 2,5-Fachen Volumen des Bodensees (48 Milliarden Liter). Um dieses unvorstellbar große Volumen zu produzieren und zu vertreiben hat die CCC ca. 600.000 Mitarbeiter weltweit, davon 12.000 in der Bundesrepublik Deutschland. Die in Deutschland vertriebenen Produkte werden zu 99 % an hiesigen Standorten hergestellt, 90 % der dazu benötigten Zutaten kommen aus dem Inland1. Damit gehört Coca-Cola zu den großen Arbeitgebern in Deutschland. Darin nicht enthalten sind zahlreiche Getränkehändler und Supermärkte sowie Gaststätten, die ebenfalls durch den Verkauf von Coca-Cola profitieren. In Deutschland wird Coca-Cola seit 1929 produziert und verkauft. 1940 wurde die Orangenlimonade „Fanta“ in Köln aufgrund des durch den zweiten Weltkrieg verursachten Rohstoffmangels erstmals hergestellt.2

Das zunächst als Kopfschmerzmittel in Apotheken verkaufte Getränk Coca-Cola ist nach „Okay“ der weltweit best-verstandene Ausdruck. Allein die Marke „Coca-Cola“ hat einen Wert von 67,5 Milliarden US-Dollar3, die markante und einprägsame rote Farbe des Schriftzuges ist geschütztes Eigentum der CCC. Im Jahr 2005 hat die CCC einen Umsatz von 19,4 Milliarden Euro gemacht, davon 4,1 Milliarden Euro Gewinn.4 Allein diese kurze Zusammenfassung einiger weniger Fakten über die CCC zeigen die enorme Marktmacht und Wirtschaftskraft, die CCC zueigen sind. Im Vergleich zu anderen Unternehmen erscheint die CCC jedoch wieder als relativ kleiner Fisch, Unternehmen wie Shell oder BP (beides Petrochemie) verbuchen Umsätze, die das Bruttoinlandsprodukt von Staaten wie Norwegen, Dänemark oder Finnland bei weitem übersteigen. Aber der Wert des Unternehmens, der bei ungefähr 72,5 Milliarden US- Dollarn liegt, überragt alle anderen Konzerne. Zum Vergleich hat BP einen Wert von 3,1 Milliarden US-Dollar, Shell ist unter den ersten sechzig Firmen nicht zu finden.5 Einen Großteil der 72,5 Milliarden Dollar Wert macht tatsächlich der Markenname „Coca-Cola“ aus. Das Selbstverständnis des Konzerns lässt sich durch folgendes Zitat eindrucksvoll darstellen:

„Coca-Cola isn't only a drink. It's an idea, a vision, a feeling. It's connection and refreshment.“ - Muhtar Kent, President and Chief Operating Officer.6

Coca-Cola ist nicht nur ein Getränk, es ist eine Idee, eine Vision, ein Gefühl. Es ist Verbindung und Erfrischung heißt es hier. Die CCC verkauft also nicht nur ein Getränk, sondern ein ganzes Lebensgefühl. Coca-Cola steht für den amerikanischen Traum, für Freiheit. Im zweiten Weltkrieg wurden trotz Zuckerknappheit in den USA auf Befehl von Präsident Eisenhower ca. 250 Fachangestellte nach Europa und andere Kriegsschauplätze gebracht, um dort Produktionsanlagen für Coca-Cola aufzubauen und damit die amerikanischen Soldaten mit Cola zu versorgen. Dies zeigt den enormen Einfluss der CCC in der Geschichte und auf die Menschen, der bis heute ungebrochen ist.

3.3 Die CCC in Indien

Der Ort Plachimada in Indien hat in den letzten Jahren einen relativ hohen Bekanntheitsgrad erreicht. Denn dort ließ die CCC eine neue Produktionsanlage bauen, die aus 60 Brunnen täglich 1,5 Millionen Liter Wasser schöpft. Das Land, vorher verpachtet, bot einem Reisbauerndorf Arbeitsplätze für mehrere tausend Bauern, heute arbeiten im Schnitt 140 Mitarbeiter in der Abfüllanlage. Das Ergebnis war ein drastisches Absinken des Grundwasserspiegels und damit verbunden eine Austrocknung der Brunnen in Plachimada, sowie die entsprechende Arbeitslosigkeit. Es gingen nicht nur die Ernteerträge der dortigen Bauern nach unten, sondern die teilweise mit Schwermetallen belasteten Abfälle wurden den Bauern als Düngemittel gegeben und damit günstig entsorgt. Blei, Cadmium und Chrom wurden in diesen „Düngemitteln“ nachgewiesen. Indische Bauern berichten von Hautausschlägen, Durchfall und entzündeten Augen. Und dies in einem Land, in dem Millionen von Kindern an den folgen von unsauberem Wasser sterben, wo hunderte Millionen von Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Seit Jahren tobt nun ein Rechtsstreit, ob und inwieweit die CCC Wasser in Plachimada entnehmen darf, da sie das Grundrecht der Menschen auf sauberes Wasser eingrenzt. Die CCC besitzt sogar die Rechte an einem Fluss in unmittelbarer Nähe, die Entnahme von Wasser ist hier gänzlich verboten.

Im Bezirk Kerala wurde der Verkauf von Coca-Cola verboten, da giftige Pestizide in den entsprechenden Produkten gefunden wurden. Daraufhin musste Coca-Cola in Indien Verkaufsrückgänge von 12% hinnehmen.7 Pro Jahr entziehen CCC und Pepsico (PepsiCola) 40 Milliarden Liter Wasser aus dem indischen Grundwasser. Bei Protesten in Plachimada wurden mehr als 300 Menschen verhaftet.

Als Folge darauf entschieden mehrere Universitäten in den USA Coca-Cola zu boykottieren. Auch englische Universitäten erwägen einen Boyk]ott8. In Deutschland haben neben Verdi auch Jugendverbände zum Boykott aufgerufen.

3.4 Coca-Cola’s Hilfsprojekte

Seit 2004 ist Coca-Cola eine Kooperation mit dem WWF eingegangen. 20 Millionen Dollar sollen in die entsprechenden Wasserprojekte fließen. Neville Isdell, Konzernchef wird mit den Worten „Unser Ziel ist, jeden Tropfen Wasser zu ersetzen, den wir für unsere Getränke und deren Herstellung verwenden“9 zitiert.

[...]


1 http://www.coca-cola-gmbh.de/pdf/cc_imagebroschuere.pdf, S.2, abgerufen am 11.08.2008 4

2 Ebd. S.5

3 http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,366406,00.html, abgerufen am 11.08.2008

4 Klaus Werner, Hans Weiss: Das Schwarzbuch der Markenfirmen, Ullstein-Verlag, 2007, S. 284

5 Edd. S.62 - 64

6 http://www.coca-cola-gmbh.de/unternehmen/index.html, abgerufen am 11.08.2008 5

7 http://www.heise.de/tp/r4/artikel/16/16577/1.html, abgerufen am 14.08.2008

8 Klaus Werner, Hans Weiss: Das Schwarzbuch der Markenfirmen, Ullstein-Verlag, 2007, S. 285 6

9 http://sc.tagesanzeiger.ch/dyn/news/wirtschaft/758569.html, abgerufen am 14.08.2008

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsstunde: Konsum und Gerechtigkeit
Untertitel
Im Rahmen einer Unterrichtsreihe zum Thema „Gerechtigkeit und Freiheit im Wandel der Zeit“
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V177873
ISBN (eBook)
9783656016007
ISBN (Buch)
9783656016243
Dateigröße
1184 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit ist Teil einer von unterschiedlichen Studierenden vorgelegten Unterrichtsreihe und nimmt Bezug auf die Gerechtigkeitstheorie von Rawls u.a. Die Arbeiten der anderen Studierenden liegen nicht vor.
Schlagworte
Ethik, Unterrichtsentwurf, Konsum, Gerechtigkeit
Arbeit zitieren
Alexander Becker (Autor), 2008, Unterrichtsstunde: Konsum und Gerechtigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177873

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