Das teleologische Argument


Hausarbeit, 2009

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Der teleologische Gottesbeweis

3. Kritik am Teleologischen Argument

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. EINLEITUNG

Der teleologische Gottesbeweis hat eine lange Tradition: Erwachsen aus dem teleologischen Weltbild von Aristoteles wurde dieser im 13. Jahrhundert von Thomas von Aquin formuliert und ist bis heute unter Gläubigen eines der wichtigsten Argumente für die Existenz ihres Gottes. In dieser Hausarbeit wird die Frage aufgeworfen, ob diese Argumentation von philosophischer und naturwissenschaftlich- biologischer Seite stichhaltig ist, oder sich aus den modernen Betrachtungen Gegenstandpunkte entwickeln, die den teleologischen Gottesbeweis letztendlich widerlegen. Im ersten Abschnitt werden zunächst der teleologische Gottesbeweis sowie sein philosophischer Unterbau beschrieben. Dazu werde ich mich auf die Texte von Thomas von Aquin beziehen, aber auch schon die Zusammenfassungen von John Leslie Mackie und Richard Dawkins einfließen lassen, die sich beide mit dem teleologischen Argument auseinandergesetzt haben. Im zweiten Teil dieser Hausarbeit wird dann die Kritik von Richard Dawkins, John Leslie Mackie und David Hume am teleologischen Argument beschrieben und verglichen und im Fazit die Frage beantwortet, inwiefern man von biologischer Seite (Dawkins) oder philosophischer Seite (Hume) dem teleologischen Argument zu Rande rücken kann und darf.

2. DER TELEOLOGISCHE GOTTESBEWEIS

Der teleologische Gottesbeweis ist ein namhafter Versuch, die Existenz eines Gottes durch eine logische Beweisführung unwiderlegbar zu machen. Der Gottesbeweis um den es in dieser rbeit gehen soll, ist der von Thomas von quin. In seinen ͣQuinque viae“ (Fünf Wege) beschreibt Thomas1, wie die Existenz Gottes logisch bewiesen werden kann.

Der erste ͣWeg“, den Thomas beschreibt, argumentiert mit der Bewegung, die mittels der Sinne in der Welt wahrgenommen werden kann. Mit Bewegung ist dabei nicht nur das Fortkommen von A nach B gemeint, sondern auch die Veränderung. In einem Beispiel erläutert er, dass um Beispiel Feuer ein Stück Holz (ein Ding) in Glut umwandeln kann, da im Holz die Möglichkeit der Glut ruht und diese in ihre entsprechende Wirklichkeit durch das Feuer gebracht wird2.

Bewegung, so Thomas, kann aber nicht aus sich selbst resultieren, sondern ausschließlich daraus, dass das Bewegte durch etwas anderes, einen Beweger bewegt wurde. Verfolgt man nun alle Bewegungen bis zum Anfang, kommt man, so Thomas, zwangsläufig auf einen unbewegten Beweger, den schon Aristoteles, auf den sich Thomas immer wieder bezieht und der in der Thomas’schen Philosophie eine tragende Rolle einnimmt, beschrieben hat. Auch Aristoteles gelangt über das Bewegungsargument zu einem Gott, den unbewegten Beweger, den ersten Anstoß. Der zweite Weg, den Thomas beschreibt, versucht die Existenz Gottes über das Prinzip von Ursache und Wirkung zu beschreiben. Wirkungen haben eine Ursache, die wiederum die Wirkung einer Ursache war und so weiter. Betreibt man dieses Gedankenspiel bis in die Unendlichkeit, dann kommt man nicht zu einer ersten Ursache und alle anderen Ursachen und Wirkungen werden hinfällig. Da dies aber nicht so ist, muss man eine erste Ursache annehmen, die für Thomas nur Gott sein kann.

Im dritten Weg versucht Thomas Gott über das kosmologische Argument zu beweisen. Alles was ist, möglicherweise noch kommt oder war könnte auch rein theoretisch nicht gewesen sein. Wenn alles auch nicht da gewesen sein könnte, muss es auch ein Nichts ganz am Anfang der Dinge gegeben haben. Theoretisch könnte doch aber dann auch heute nichts sein. Weil dem nicht so ist, gibt es einen Gott, der aus dem Nichts die Welt geschaffen hat. Er ist das einzige, zwingend Notwendige in der Welt. Er ist der Grund für alles danach Notwendige, hat dies also geschaffen.3 Dieser dritte Weg ähnelt stark dem ersten und zweiten Weg und zielt ebenso wie die beiden auf das teleologische Argument hin.

Der vierte Weg von Thomas fünf Wegen beschreibt, dass zum Beispiel Menschen unterschiedlich stark, mutig, tugendhaft, gut und so weiter sind. Wenn es diese Unterschiede gibt, muss es auch ein höchstes dieser Kategorien geben. Dieses Höchste ist für Thomas Gott.

Der fünfte Weg ist der eigentliche teleologische Gottesbeweis. Dazu schreibt Thomas:

„Wir sehen, dass4

In Anschauung der Natur hat Thomas das Gefühl, dass alles scheinbar in zauberhafter wundersamer Ordnung zu sein scheint, welche auf ein ͣfestes Ziel hin tätig sind“, also einen Sinn dahingehend haben, einen Zweck bezüglich eines Zieles zu erfüllen, ganz unabhängig davon, ob es sich um eine Giraffe, einen Stein oder die Sonnenblume um die Ecke handelt. Woran sieht er das? Die Naturkörper, von denen er spricht, sind immer wieder gleichförmig ͣtätig“, auf ͣdas Beste“ aus. Die Tatsache, dass dies nicht zufällig passiert, sondern scheinbar zielstrebig, macht für Thomas deutlich, dass es sich hier um einen geordneten Prozess handelt. Er vergleicht dies mit dem Pfeil, der einmal abgeschossen, zielstrebig ein Ziel verfolgt. Wenn eine solche Ordnung existiert, und dies ist für Thomas klar ersichtlich, dann muss sie von einem ͣgeistig- erkennenden Wesen“ geschaffen worden sein, welches für ihn Gott ist.

Die ersten drei Wege sind sich eigentlich sehr ähnlich. Sie beschreiben alle die gleiche „Regression“, wie Dawkins schreibt5, da sie letztendlich immer wieder auf einen Gott als unbewegten Beweger, die erste Ursache, den Schöpfer aus dem Nichts abzielen, also den Schöpfer auf drei Arten postulieren, sich in ihrer Argumentation und Struktur nicht wesentlich unterscheiden. Sie liefern aber den Nährboden für den fünften Weg, den eigentlichen teleologischen Gedanken: Ein Schöpfer, Ursache aller Dinge, der unbewegte Beweger ist auch der, der alles in eine zielgerichtete, harmonisch zusammenspielende Ordnung gebracht hat, die Thomas so scheinbar ins Auge springt.

Im 18./19. Jahrhundert fand sich die Welt in bahnbrechenden Umschwüngen. Kopernikus und Keppler verworfen endgültig das geozentrische Weltbild, Charles Darwin veröffentlichte die Evolutionstheorie. Dem alten Selbstbild der Krönung der Schöpfung mit privilegierter Sonderstellung im Universum wurde der Boden unter den Füßen weggezogen. Die Menschen mussten sich mit dem Gedanken abfinden, eine Laune der Natur zu sein, abstammend von den gleichen Ahnen wie sie die Affen haben. Und selbst die Erde genießt keine Sonderstellung, sondern ist ein fliegendes Staubkorn im unendlichen Universum, über alle Maßen unbedeutend im Vergleich zu den Sternen, schwarzen Löchern (die damals noch nicht entdeckt waren) und anderen Himmelsgebilden. In dieser Zeit gab es eine Art Renaissance des teleologischen Gedankens, den schon Thomas formuliert hatte. Der Reiz dieses Gedankens liegt in seiner Struktur, da er den naturwissenschaftlichen Beweisen entspricht und darin, sich eben nicht als das Staubkorn zu fühlen, sondern Teil eines großen Ganzen zu sein und damit nicht in der kosmischen Bedeutungslosigkeit zu versinken.

In der Naturwissenschaft gibt es nur wenige verifizierbare Tatsachen. Vielmehr gilt eine Theorie als wahr, wenn sie nicht falsifizierbar ist oder die beste, wahrscheinlichste Hypothese ist. Das beste Beispiel dafür sind die unterschiedlichen Atommodelle von Demokrit bis hin zu Bohr, Schrödinger und Heisenberg, die sich in der Geschichte durchgesetzt haben um dann wieder abgelöst zu werden. Selbst das aktuelle Modell, das auf quantenmechanischen Überlegungen basiert, ist zwar rechnerisch relativ genau und lässt sich gut beweisen, aber es lässt noch viele Fragen offen. Es ist letztendlich nur ein Modell. Aber es ist so lange die wahrscheinlichste Hypothese, bis es neue Erkenntnisse gibt, die die Theorie erweitern oder widerlegen. Das teleologische Argument hat eine ganz ähnliche Struktur: Man schaut die Welt an, und fragt sich, wie die Dinge so wunderbar zusammenspielen. Und dann stellt man unterschiedliche Hypothesen auf, die aufgrund der Erfahrung bewertet werden.

Nichts anderes tut man auch bei einem naturwissenschaftlichen Experiment. Es gibt unterschiedliche Erklärungen für ein beobachtbares Phänomen. Die plausibelste Hypothese wird herangezogen, um das Phänomen zu erklären. Thomas und andere Verfechter des teleologischen Arguments haben im Prinzip nichts anderes getan: In faszinierter Betrachtung der mannigfaltigen Ausgestaltung der Welt erscheint das teleologische Argument, die zielgerichtete Schöpfung der Welt, als die wahrscheinlichste und plausibelste Erklärung und ist bis zu ihrer Widerlegung gültig. Damit halten sich die Vertreter des teleologischen Arguments weitestgehend an die Vorgabe naturwissenschaftlicher Wahrheitsfindung. Gegenüber anderen Beweisführungen bzgl. eines Gottes ist d]ies eine absolute Stärke, da man nicht aufgrund von nicht überprüfbaren Prämissen argumentiert, sondern aufgrund der Empirie. Das kosmologische Argument beispielsweise setzt voraus, dass jede Wirkung eine Ursache hat. Setzt man diese Prämisse aus, ist das kosmologische Argument hinfällig. So einfach ist das teleologische Argument jedoch nicht aus den Angeln zu heben, da man letztendlich immer auf die Empirie pochen kann und die wahrscheinlichste Hypothese heranzieht.

Zusammengefasst würde man das teleologische Argument vielleicht so formulieren:

Es ist viel zu unwahrscheinlich, dass sich das Universum und das Leben zufällig entwickelt haben. Daher ist die Gotteshypothese, die besagt, dass Gott das Universum zweckmäßig erschaffen hat, wahr.

Eine Welt, in der Alles einen höheren Zweck hat, geschaffen von einem Gott, scheint also zunächst bewiesen oder zumindest beweisbar.

[...]


1 b sofort ist mit ͣThomas“ immer Thomas von quin gemeint

2 Thomas von Aquin: Die Summe der Theologie, Alfred-Kröner-Verlag, Leipzig, Bd.1 S. 23

3 Vgl. SdT S. 23

4 SdT S. 25

5 Richard Dawkins: Der Gotteswahn, Ullstein-Verlag, Berlin 2008, S. 109

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das teleologische Argument
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V177876
ISBN (eBook)
9783640997374
ISBN (Buch)
9783640997091
Dateigröße
849 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Thomas von Aquin, Richard Dawkins, John Leslie Mackie, Religionskritik, Gottesbeweis
Arbeit zitieren
Alexander Becker (Autor), 2009, Das teleologische Argument, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177876

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