Video Killed The Pornstar

Die Auswirkungen des Mediums Video auf die Pornoindustrie


Hausarbeit, 2010

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte der Pornografie

3. Der Film BOOGIE NIGHTS

4. Einführung des neuen Mediums Video
4.1 Der Deutsche Markt
4.2 Der US Markt
4.3 Auswirkungen auf das (Porno-)Kino

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Filmverzeichnis

1. Einleitung

Pornografische Filme wurden seit Anfang des 20. Jahrhunderts nur unter speziellen örtlichen Rahmenbedingungen wie z.B. in Bordellen, in Hinterzimmern von Kneipen oder in Versammlungsräumen von Männerverbindungen konsumiert und legitimiert. Mit der öffentlichen Filmvorführung von Filmen wie z.B. DEEP THROAT in einem herkömmlichen Kino wurde ein moralischer Wertewandel innerhalb der Gesellschaft eingeleitet. Der Pornofilm war somit zu einem kulturellen, abendfüllenden Ereignis geworden und wurde gesellschaftsfähig. Ende der 70er Jahre erfolgte allerdings ein Umbruch in der Pornoindustrie: das neue Medium Video verdrängte den Pornofilm aus den Kinos. Der Pornofilm suchte sich stattdessen einen anderen Ort - das heimische Wohnzimmer. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit eben diesem Wandel.

2. Geschichte der Pornografie

Die Anfänge der Pornografie sind schwer zu verorten. In klassischen Filmgeschichten werden Pornografische Filme ausnahmslos ausgeklammert. Aber die wenigen Versuche einer Geschichtsschreibung der Pornografie lassen sich grob in zwei Ansätze aufteilen. Pornografie BefürworterInnen verorten die Ursprünge der Pornografie häufig in der Antike oder führen sie z.B. auf de Sade1 zurück. KritikerInnen konzentrieren sich dagegen in der Regel auf Pornografie als massenmediales Phänomen wie es das 19. und 20. Jahrhundert hervorgebracht haben.2 Wie viele pornografische Filme in der frühen Phase produziert wurden, lässt sich nur annähernd rekonstruieren. Es gibt nur wenig Aufzeichnungen und keine repräsentativen Zahlen. Insgesamt wird die Menge aller bis Ende der 1960er Jahre produzierten pornografischen Kurzfilme sehr wahrscheinlich auf nicht mehr als 2000 geschätzt.3

Man kann davon ausgehen, dass die ersten erotischen Filme des 19. Jahrhunderts in Frankreich erschienen sind. In dieser frühen Phase des pornografischen Films machte “die bloße Zurschaustellung des offenbar von Lust gepackten, nackten weiblichen Körpers das primäre visuelle Vergnügen des Genres aus.”4 Die französischen Filmemacher verstanden sich im besonderen auf Filme, die mit dem Erotischen spielten, jedoch die Grenzen zum wirklich ‚schmutzigen‘ nicht überschritten.5 Die französischen Filme waren in den 10er Jahren die technisch besten in Europa und wurden zum Exportschlager - sie erreichten sogar den amerikanischen Markt.6

Der amerikanische Porno entwickelte sich Ende der zehner Jahre. Einer der vermutlich ersten Pornofilme in Amerika, der mit einer Geschichte versehen war, war A FREE RIDE7, der um 1915 in die Kinos kam. In den zwanziger Jahren wagte es dann ein Regisseur namens Bernard Nathan in allen seinen Filmen “über die bloße Abbildung sexueller Akte hinauszugehen und echte Tabuverstöße zu unternehmen.”8 Er zeigte in seinen Filmen erstmals lesbische Liebe, Sodomie und Fetischismus.

Der Pionier des erotischen Films in Deutschland war Oskar Messter, der in seinen kurzen Filmen Frauen zeigte, die sich auszogen, nackt oder spärlich bekleidet tanzten oder ein Bad nahmen. 1917 drehte Richard Oswald, Begründer der deutschen Aufklärungs- und Sittenfilme, den ersten Aufklärungsfilm ES WERDE LICHT- er sollte über Gefahren der Geschlechtskrankheiten informieren.9 1919 entstanden weitere Aufklärungsfilme wie ANDERS ALS DIE ANDEREN, der über das Thema Homosexualität informieren sollte, und KEIMENDES LEBEN, indem es um Schwangerschaftsabbruch ging. In der Zeit vom Ende des Weltkriegs bis 1920 bestand keinerlei Zensur für den Film. Die so entstandene Freiheit wurde für das Angebot einer recht stupiden Form der erotischen Unterhaltung genutzt.10

Der weltweit einsetzende Boom des pornografischen Films in den 20er Jahren hängt mit zwei historischen Daten zusammen: Der Einführung des Fließbandes und dem Ausbruch des Weltkriegs 1914. Beide Ereignisse führten zu einer radikalen Veränderung der Wahrnehmung und zu einer Entwertung des Körpers. Denn der Körper drohte in hohem Maße zu einem Beiwerk der Maschinen zu werden. Der pornografische Film in den Jahren zwischen 1915 und 1925 erreichte so etwas wie eine Versöhnung von Sexualität und Maschinisierung.11

In der Zeit zwischen 1930 und 1938 entstanden besonders in Frankreich Filme, die mehr als zuvor vor allem einen künstlerischen Aspekt in pornografische Filme einfließen ließen. In dieser Zeit wurden in Frankreich etwa 40 Filme im Jahr hergestellt.12

In den 40er flachte die Produktion pornografischer Filme ab, da Pornografie wieder verboten war. In diesen Jahren wurden pornografische Filme fast ausschließlich von Amateuren im Untergrund gedreht. Die Distribution dieser Filme erfolgte dann privat oder über reisende Händler, obwohl man mit Gefängnisstrafen rechnen musste, wenn man beim Betrachten oder als Besitzer erwischt wurde.13

In Deutschland kehrte das Thema Sexualität bereits in den frühen 1950er Jahren, wenn auch unter dem Deckmantel der Moral, in den Film zurück. Große Aufmerksamkeit erhielten die Sitten- und Aufklärungsfilme. Thematisiert wurden wie in den 10er Jahren vor allem Geschlechtskrankheiten, aber auch das Thema Abtreibung. Die Entwicklung des deutsche Sexfilms vollzog sich mit Hilfe der Bundesregierung: Der Aufklärungsfilm HELGA14 war mit Beteiligung des Bundesgesundheitsministerium produziert worden.15 Auf die Welle der Aufklärungsfilme folgte eine Reihe von ‚Report‘-Filmen, deren größte Erfolge die SCHULMÄDCHEN-REPORTs waren. Die Report-Filme waren begehrte Exportprodukte der deutschen Filmindustrie, da sie wegen der Großzügigkeit der FSK in dieser Zeit mehr bieten konnten, als vergleichbare Filme des Genres in anderen Ländern.16

Die Bewegung der ‘68er, die sexuelle Revolution und die Emanzipations- Bestrebung von Frauen und Homosexuellen führten zu einer Neubewertung von Sexualität. Im Zuge dieser Freiheitsbewegung erfreuten sich Sexfilme großer Beliebtheit und liefen zunehmend in den großen Kinos.17 Auch die Präsentations- und Inszenierungsauflagen wurden freizügiger gehandhabt - denn bis 1966 stand die offizielle Filmproduktion in den USA unter dem Einfluss des Hays Code. In Hollywood verbannte dieser ‘Production Code’ sexuelle Darstellungen in fast jeglicher Form von der Leinwand.18 Die Neubewertung der Pornografie führte dazu, dass sich die Pornoindustrie legal organisieren konnten. Das führte zu einem maßgebenden Wachstum der Branche, was auch wesentliche Auswirkungen auf die Ästhetik der Filme hatte. Die Anmietung von Drehorten und Studios wurde erleichtert. Die Industrie ging dazu über, pornografische Filme im 35mm Format aufzunehmen.19 Diese qualitative Aufwertung der Produktionen führte dazu, dass insbesondere in den USA die 70er zum Golden Age of Porn avancierten. 1972 eroberten schließlich zwei Pornofilme erfolgreich die großen Kinopaläste - DEEP THROAT20 und BEHIND THE GREEN DOOR21. DEEP THROAT brach mit jeglichen Sehgewohnheiten und stieß auf enorme Resonanz bei Presse und Publikum. Während es DEEP THROAT aber noch an überzeugender Qualität mangelte und der Film eigentlich nur durch geschicktes Marketing so erfolgreich wurde, konnte BEHIND THE GREEN DOOR auf Grund seiner künstlerischen Ästhetik auch kritischeres Publikum überzeugen. Mit Erscheinen dieser Filme entsprach es für einen Zeitraum von zwei oder drei Jahren der Mode, entsprechende Filme zu betrachten und über sie zu diskutieren. Es entstand der Begriff porn chic22, der diese Phase des pornografischen Films kennzeichnet.

Anfang der 80er Jahre setzte der Videoboom ein und das pornografische Vergnügen wurde wieder vom öffentlichen in den privaten Raum verlagert, sprich vom Kino ins heimische Wohnzimmer. Damit kam es zu einer Rückkehr zum frühen pornografischen Film- die pure, meist primitive Darstellung des Sex stand wieder im Mittelpunkt. Für künstlerische Ambitionen war jetzt kein Platz und kein Geld mehr da.

[...]


1 Donatien-Alphonse-Francois, Marquis de Sade. Bekannt dank einer Reihe von Romanen, deren Handlungen mit pornografischen Szenen durchsetzt sind.

2 vgl. Antonia Ingelfinger, Meike Penkwitt: Entfesselung des Imaginären? Zur neuen Debatte um Pornografie. In: Freiburger FrauenStudien 15. S. 27.

3 vgl. Enrico Wolf: Bewegte Körper - bewegte Bilder. Der pornografische Film: Genrediskussi]on, Geschichte, Narrativik. München 2008. S. 117.

4 vgl. Linda Williams: Filmkörper: Geschlecht und Genre. In: Peter Weibel (Hrsg.): Feminismus und Medien. Frankfurt/M. 1990, S. 260.

5 vgl. Georg Seeßlen: Der pornographische Film. Frankfurt/M. u.a. 1990, S. 80.

6 vgl. ebd. S. 82.

7 alternativer Titel: A GRASS SANDWICH

8 vgl. Georg Seeßlen: Der pornographische Film. S. 84.

9 vgl. Georg Seeßlen/ Claudius Weil: Ästhetik des erotischen Kinos. Eine Einführung in die Mythologie, Geschichte und Theorie des erotischen Films. München 1978, S. 110.

10 vgl. ebd. S. 111.

11 vgl. Georg Seeßlen. Der pornographische Film. S. 104.

12 vgl. ebd. S. 128.

13 Richard Corliss: That Old Feeling: When Porno Was Chic. In: Time Magazine, 29.03.2005, URL: http://www.time.com/time/columnist/corliss/article/0,9565,1043267,00.htm

14 D 1967, R: Erich F. Bender

15 vgl. Georg Seeßlen/ Claudius Weil: Ästhetik des erotischen Kinos. S. 222.

16 vgl. ebd. S. 224.

17 vgl. Enrico Wolf, S. 160.

18 vgl. ebd. S. 164.

19 vgl. ebd. S. 188.

20 USA 1972, R: Gerard Damiano. Der Film hatte ein Einspielergebnis von 25 Mio. $ und wird oft als profitabelster Film aller Zeiten bezeichnet.

21 USA 1972, R: Artie & James Mitchell

22 1973 wurde eine fünf Seiten lange Besprechung des Films Deep Throat in der New York Times sehr bekannt, die in ihrer Überschrift den Begriff Porno Chic verwendete und die Welle pornografischer Filme zu beschreiben, die zu diesem Zeitpunkt erstmals in amerikanischen Mainstream-Kinos vorgeführt wurden

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Video Killed The Pornstar
Untertitel
Die Auswirkungen des Mediums Video auf die Pornoindustrie
Hochschule
Universität zu Köln  (Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften)
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V177922
ISBN (eBook)
9783640998128
ISBN (Buch)
9783640998340
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pornofilm, Pornstudies, Video, Boogie Nights
Arbeit zitieren
Christina Vollmert (Autor), 2010, Video Killed The Pornstar, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177922

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Titel: Video Killed The Pornstar



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