Das Kloster St. Johann in Müstair und die heilige Erentrudis von Salzburg

Warum Reliquien der heiligen Erentrudis von Salzburg nach Müstair gefunden worden sind


Seminararbeit, 2010

17 Seiten, Note: bestanden


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I. EINLEITUNG

II. HAUPTTEIL
A. Die Quellen
1. Die Weihinschrift vom 11. Jahrhundert
2. Das Reliquienglas von 1512
3. Die Weihurkunde von 1512
B. Analyse der Quellen
1. Die Weihinschrift vom 11. Jahrhundert
2. Das Reliquienglas und die Weihurkunde von 1512

III. SCHLUSSWORT

IV. QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS

V. ANHANG

I. EINLEITUNG

Die drei Quellen, welcher dieser Arbeit zugrunde liegen, stehen alle in einem engen Zusammenhang mit der heiligen Erentrudis von Salzburg und dem Kloster St. Johann in Müstair, Graubünden. Die heilige Erentrudis wurde im 7. Jahrhundert in Worms geboren und starb 718 nach Christus in Salzburg. Sie war von adeligem Geschlecht und kam durch ihren Onkel, den heiligen Rupert, um 714 nach Christus nach Salzburg.1 Dieser gründete nach seiner missionarischen Tätigkeit, welche sich bis nach Ungarn erstreckte, die erste Peterskirche in Salzburg sowie auch das Frauenkloster Nonnberg, in welchem Erentrudis durch ihren Onkel als erste Äbtissin eingesetzt wurde.2 Die heilige Erentrudis galt als barmherzige Jungfrau, welche sich nicht scheute den Armen zu helfen, Kranke zu pflegen und Ungebildete zu unterrichten.3 Nicht lange nach ihrem Tod wurde sie heilig gesprochen.

Die Thematik, welche diese Seminararbeit behandelt, ist; wie Reliquien der heiligen Erentrudis in das St. Johann Kloster im Münstertal gelangt sind, oder warum genau die heilige Erentrudis von Salzburg für das Kloster St. Johann im Mittelalter von Bedeutung war? Man kann kaum davon ausgehen, dass sie nach Müstair ging, um die Gesamtlage der dortigen Bevölkerung zu verbessern oder gar um das Dorf zu missionieren, da man mit dem Klosterbau erst 775 nach Christus begonnen hatte,4 als die heilige Erentrudis schon lange gestorben war und die Gegend von Müstair bis dahin kaum besiedelt und so auch nicht von Bedeutung war. Tatsächlich wurden jedoch in einem Reliquienglas von 1512 aus dem Sepulcrum5 eines Altars in der Nikolauskapelle Reliquien samt Authentiken gefunden, welche von der heiligen Erentrudis stammen. Auch gibt es in der besagten Kapelle eine Weihschrift, welche ihr ein Kreuz im Chorraum widmet.

In dieser Arbeit wird in einem ersten Schritt die heilige Erentrudis vorgestellt sowie auch das Kloster St. Johann in Müstair. Danach werden die Primärquellen, nämlich die Weihinschrift aus dem 11. Jahrhundert in der Kappelle des Klosters von Müstair und das besagte Reliquienglas von 1512 samt Weihurkunde, vorgestellt. Diese Quellen wurden ausgewählt, da diese in Müstair selbst aufgefunden worden sind und möglicherweise mehr Aufschluss über das Leben im Kloster Müstair geben können. Durch die Jahresdaten und Inhalte der Primärquellen respektive ihrer Texte und ihrer Reliquien, kann es möglich sein, mehr über Müstair zu erfahren, sowohl aus historischen, als auch aus politischen oder gesellschaftlichen Aspekten her. Die Quellen können so über Müstair im Mittelalter berichten und auch eine Erklärung abgeben, warum die heilige Erentrudis in dem besagten Kloster verehrt worden ist.

In einem dritten Teil werden die weiter oben erwähnten Quellen kritisch hinterfragt und in Bezug auf die Forschungsfrage erörtert. Das heisst sie werden in Bezug aufs Kloster St. Johann gebracht, wobei die Frage gestellt wird, warum ausgerechnet die heilige Erentrudis von Salzburg als Heilige in Müstair gepriesen wurde. Es werden in einem Schlusswort die Ergebnisse zusammengefasst und ein Fazit gezogen.

II. HAUPTTEIL

A. Die Quellen

Bevor auf die Primärquellen, welche in diesem Text behandelt werden, eingegangen wird, kommt es zu einer näheren Beschreibung des Fundortes, nämlich das Kloster St. Johann in Müstair, sowie zur Vorstellung der heiligen Erentrudis von Salzburg, welche in diesen Quellen vorkommt.

Ich komme zuerst auf die heilige Erentrudis von Salzburg zu sprechen. Diese wurde im 7. Jahrhundert in Worms geboren. Das genaue Datum ist nicht ermittelbar, jedoch konnte man durch die Untersuchung ihrer Gebeine feststellen, dass sie circa 55 Jahre alt wurde.6 714 nach Christus kam sie durch ihren Onkel7, dem heiligen Rupert nach Salzburg, wo sie die erste Äbtissin des Benediktinerinnen Klosters Nonnberg wurde.8 Die heilige Erentrudis starb 718 nach Christus und wurde kurze Zeit darauf heilig gesprochen.9 Schon 788 nach Christus galt ihre Begräbnisstätte beim Kloster Nonnberg als Wallfahrtsort, welche häufig von Pilgern in verschiedenen Lebensnöten aufgesucht wurde.10 Die heilige Erentrudis galt als barmherzige Jungfrau und „die adelige Herkunft von ihr und ihren Mitschwestern, die ein hohes Bildungsniveau besassen, (...) befähigten sie, in dem verarmten Gebiet den Lebens- und Bildungsstandard der Bevölkerung zu verbessern und das Christentum einzupflanzen. Sie (, die Nonnen des Klosters Nonnebergs,) widmeten sich dem Gebete, pflegten Kranke, betreuten Arme und unterrichteten Erwachsene und Kinder“Ǥ11 Die heilige Erentrudis wird entweder als Jungfrau mit Krone oder als Äbtissin mit Kirchenmodell und Stab dargestellt.12

Das Kloster Müstair in Graubünden ist der Fundort meiner Quellen. Das Kloster im Kanton Graubünden wurde der Sage nach Ende des 8. Jahrhunderts durch Karl den Grossen errichtet.13 Eine der Legenden besagt, dass Karl der Grosse mit seiner Frau auf dem Rückweg von Mailand in Lebensgefahr geriet und zu seiner Frau gesagt habe, dass wenn sie es überleben würden, dann er ein Kloster an der besagte Stelle bauen liesse.14

826 nach Christus wurde das Kloster erstmals erwähnt und zwar im Reichenauer Verbrüderungsbuch.15 Mitte des 12. Jahrhunderts wurde der Männerkonvent aufgelöst und 1163 zu einem Benediktinerinnen Kloster mutiert.16 Trotz Bränden, Glaubenskrisen und andere Unruhen blieb das Kloster stets bestehen und ist seit 1983 UNESCO- Weltkulturerbe.17

1. Die Weihinschrift vom 11. Jahrhundert

Die Weihinschrift18, welche im Anhang zu finden ist, steht im Chorraum 91 der Nikolauskapelle im Kloster St. Johann. Sie liegt in der südlichen Hälfte der Apsis 91, auf halber Fensterhöhe zwischen dem mittleren Ost-Fenster und dem Süd-Fenster. Die Inschrift besagt, dass ein Kreuz in diesem Chorraum dem heiligen Nikolaus von Myra, der heiligen Maria sowie dem heiligen Rupert und der heiligen Erentrudis gewidmet ist. Die Inschrift erwähnt Bischof Thietmar, welcher die Weihung wohl durchgeführt hat. Ein Weihdatum ist nicht vorhanden.

2. Das Reliquienglas von 1512

Im September 1999 wurde ebenfalls in der Nikolauskapelle ein Reliquienglas von 1512 mit Inhalt aus dem Sepulcrum des Altars geborgen.19 Das Glas, ein Nuppenbecher20 mit einem Wachsdeckel, auf welchem ein Wappen eingestanzt ist, beinhaltet eine Konserkationsurkunde aus dem Jahre 1512, die Stephanus, episcopus Bellinensis, als Weihbischof des Altars betitelt und die auch erwähnt, welchen Heiligen der Altar gewidmet ist.21 Neben der Urkunde befinden sich im Glas auch Knochenrelikte mit Authentiken22 des heiligen Nikolaus aus Myra und der heiligen Erentrudis von Salzburg. Auf der einen Authentik steht entsprechend „de s(an)c(te) Erindrudis v(i)rginis“ und auf der anderen ist „de corpore S(an)c(t)i Nicolai epi(scopi) m(yr)e“ zu lesen. Zusätzlich beinhaltet das Glas Weihrauchkügelchen und Zedernholz.

[...]


1 Vgl. Keller; Erentrudis, in: Lexikon der heiligen und biblischen Gestalten, S. 217.

2 Ebd., S. 516.

3 Vgl. Sauser, Erentrudis, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, S. 1.

4 Vgl. Goll/Exner/Hirsch, Müstair , S. 43.

5 Sepulcrum: „ (lat. Grab) bezeichnet einen christlichen Begräbnisplatz, ein Begräbnis oder ein Grabmal (Kenotaph)Ǥ“ (Wikipedia, Sepulcrum, SǤ 1).

6 Vgl. Sauser, Erentrudis, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, S. 1.

7 Ob der heilige Rupert tatsächlich ihr Onkel war, ist nicht klar. Einige Quellen gehen davon aus, andere jedoch distanzieren sich von dieser Aussage.

8 Vgl. Keller, Erentrudis, in: Lexikon der Heiligen und biblischen Gestalten, S. 217.

9 Vgl. Kirchen.net, Erzdiözese Salzburg - Diözesepatrone, S. 4.

10 Vgl. Sauser, Erentrudis, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, S. 1.

11 Ebd., S. 1.

12 Wimmer, Erentrudis, in: Kennzeichen und Attribute der Heiligen, S. 120.

13 Vgl. Goll/Exner/Hirsch, Müstair, S. 43.

14 Vgl. Schreich-Stuppan, Geheimnisvolles Münstertal, S. 17.

15 Vgl. Goll/Exner/Hirsch, Müstair, S. 43.

16 Ebd., S. 44.

17 Ebd., S. 45.

18 Vgl. Anhang.

19 Ebd.

20 Nuppenbecher: „Trinkgefässe aus Glas, die aussen mit Glastropfen (Nuppen, Noppen, Warzen) verziert sindǤ“ (Zwahr, Nuppenbecher, in: Brock Haus, SǤ 129)Ǥ

21 Die Heiligen sind unter anderem: Der heilige Nikolaus aus Myra, der heilige Sebastian und die heilige Agnes.

22 Authentiken: Fingergrosse Streifen, auf denen der Heilgen Name steht. Diene als Echtheitsgarantie der Reliquien (Kasper, Reliquien, in: Lexikon für Theologie und Kirche, S. 1091).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Kloster St. Johann in Müstair und die heilige Erentrudis von Salzburg
Untertitel
Warum Reliquien der heiligen Erentrudis von Salzburg nach Müstair gefunden worden sind
Hochschule
Universität Zürich  (Historisches Seminar)
Note
bestanden
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V178365
ISBN (eBook)
9783656003977
ISBN (Buch)
9783656004233
Dateigröße
1032 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Salzburg, Kloster Müstair, Benediktiner, Reliquien, Heilige Erentrudis, Heiliger Rupert, Schweiz, Karl der Grosse, Churraetia
Arbeit zitieren
Nathalie Jacobs (Autor), 2010, Das Kloster St. Johann in Müstair und die heilige Erentrudis von Salzburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178365

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