Die Problematik der Bildergeschichte


Seminararbeit, 2002

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Aufsatzunterricht nach König
2.1. Ausgangsbasis
2.1.1. Die Nacherzählung
2.1.2. Die Erlebniserzählung
2.1.3. Der Beobachtungsaufsatz
2.2. Einführung der Bildergeschichte
2.3. Unterrichtserfahrung mit der Bildergeschichte

3. Denise Bredel: Die Bildergeschichte- eine ungeeignete Aufsatzdidaktik
3.1. Allgemeines zur Erzählung
3.2. Wie schreibe ich eine Bildergeschichte?
3.3. Ergebnisse

4. Schluss
4.1. Nachwort
4.2. Literaturliste

1. Vorwort

Bildergeschichten kennt jeder von uns aus der Schule. Die einen haben sie gemocht, die anderen nicht. Die Lehrer nutzen sie gerne im Unterricht, denn für sie ist die Bildergeschichte eine ideale Form, den Schülern das Schreiben von Aufsätzen beizubringen.

Ich habe dieses Thema als Thema meiner Hausarbeit ausgewählt, weil mich das Referat einer Kommilitonin im Seminar „Aufsätze schreiben“ im Wintersemester 2001/02 neugierig gemacht hat. Ihrem Referat lag nur der Text von Denise Bredel zugrunde. In diesem Text wurde Rudolf König mit seinem Aufsatz über „Die Nacherzählung von Bildergeschichten“ zitiert. Diese beiden Texte sind nun Grundlage meiner Hausarbeit.

Wenn ich mich an meine Schulzeit erinnere kann ich sagen, dass ich das Schreiben von Bildergeschichten immer sehr gemocht habe. Es war mir sehr viel lieber, als Texte nachzuerzählen oder von einem erlebten Ereignis zu erzählen. Hinzu kam, dass ich immer gute Noten auf meine Bildergeschichten bekommen habe. Ich glaube, das war auch ein Grund, warum ich sie so mochte. Doch ich habe auch mit anderen darüber gesprochen: viele von ihnen haben die Bildergeschichte überhaupt nicht gemocht. Sie fanden es langweilig, über irgendwelche Bilder zu schreiben, die der Lehrer vorlegte.

Das die Bildergeschichte selbst für Studentinnen noch ein Problem darstellt, zeigte sich, als wir im Seminar „Aufsätze schreiben“ alle eine Bildergeschichte selber schreiben sollten. Ausser zwei Studentinnen habe alle die Geschichte im Präsens erzählt. Daran sieht man, dass selbst wir als Studentinnen an der Universität, noch nicht begriffen haben, dass Erzählungen in der Vergangenheit, im Präteritum, erzählt werden. Ich kann mir daher vorstellen, dass es für die Schüler in der Sekundarstufe I sehr schwierig ist, Bildergeschichten, die sprachlich und gemäß der Aufgabenstellung korrekt sind, zu verfassen.

2. Aufsatzunterricht nach König

2.1. Ausgangsbasis

Zur damaligen Zeit wurden in Deutschlands Schulen folgende Aufsatzformen im Unterricht geübt:

1. die Nacherzählung
2. die Erlebniserzählung
3. der Beobachtungsaufsatz

2.1.1. Die Nacherzählung

Die Nacherzählung zielt darauf ab, die Kernhandlung eines Textes wiederzugeben. Für die meisten Schüler ist es jedoch sehr schwierig, sich von dem ihnen vorliegenden Text zu lösen und ihn in eigener Sprache wiederzugeben. Der Schüler wird somit nicht zur „sprachlichen Selbstständigkeit“[1] gefördert, denn oft übernimmt er die Gestaltungselemente (z.B. Redewendungen) des ihm vorliegenden, sprachlich korrekten Textes und schreibt somit zu nah an der Vorlage.

Das Vorgehen bei der Nacherzählung sieht meistens so aus: Der Schüler liest einen Text, zu dem er eine Nacherzählung schreiben soll. Er hat aber noch die genauen Redewendungen im Kopf, auch wenn das Lesen (oder Hören) des Textes schon einige Zeit zurück liegt, denn die Teile des Textes, die der Schüler als besonders gelungen ansieht, sind jene, die ihm im Gedächtnis bleiben. Grundsätzlich soll der Schüler den Text nacherzählen, indem er die Kernaussagen zusammenfasst und somit eine „kurze Version“ dieses Textes verfasst.

Die Nacherzählung ist also nicht ideal für die sprachliche Weiterentwicklung des Schülers, denn er übernimmt mehr aus dem ursprünglichen Text, als dass er eine eigene sprachliche Leistung erbringt.

2.1.2. Die Erlebniserzählung

Bei der Erlebniserzählung muss der Schüler (ohne Vorlage) ein selbst erlebtes Ereignis erzählen, also etwas Eigenes schreiben.

Für die einen Schüler gibt es hier keine Probleme: sie schaffen es, die eigenen Erlebnisse so aufzuschreiben, dass „treffliche Erlebnisaufsätze“[2] entstehen. Doch das trifft leider nur auf einen geringen Prozentsatz der Schüler zu, denn die Mehrheit tut sich mit dieser Art des Aufsatzes eher schwer und dies aus zwei Gründen:

1. Die Schüler wissen nicht, über welches Erlebnis sie schreiben sollen- sie sind sich nicht sicher, was erzählenswert ist und was nicht.
2. Den meisten Schülern fällt es schwer, aus den Erinnerungen an ein Erlebnis eine „lückenlose und anschauliche Erzählung“[3] zu formen.

Nach König besitzen die Ergebnisse dieser Aufsätze keine einheitliche Darstellung in Bezug auf Zeit, Folgerichtigkeit und Abwägung zwischen dem Wichtigen und dem Unwichtigen, der Inhalt der Texte ist zu schmal und durch die Phantasie der Schüler ist das Ziel des Aufsatzes nicht bzw. nicht mehr verfolgt worden.

Auch diese Art der Aufsatzerziehung ist nicht ideal für die Sekundarstufe I, denn die Schüler benötigen hierfür eine „gedankliche und sprachliche Selbstständigkeit“[4], die sie in diesem Alter noch nicht besitzen.

2.1.3. Der Beobachtungsaufsatz

Der Beobachtungsaufsatz ist die Vorbereitung auf den Bericht und die Beschreibung.

Beobachtungen zeichnen sich dadurch aus, dass etwas mit viel Zeit und Ausdauer betrachtet wird. Doch die Beobachtungen der Schüler in der Sekundarstufe I sind eher kurzer Natur, sie sind nur flüchtig. Ausserdem beobachten die Schüler am liebsten „lebende Wesen“ – doch für sie ist es in diesem Alter schwierig, aus der flüchtigen Beobachtung die Kernpunkte oder Kernszenen herauszufiltern, sie im Gedächtnis zu speichern und dann bei der Reproduktion die gesamte Beobachtung wieder aus den Teilpunkten zusammenzusetzen und daraus eine möglichst lückenlose Erzählung zu machen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Schüler bei der Nacherzählung zu starke Vorgaben hat, an die er sich halten muss, während er bei der Erlebniserzählung und dem Beobachtungsaufsatz zu viele Freiheiten bezüglich Thema und Sprache hat, mit denen er überfordert ist.

[...]


[1] König 1957, S. 57

[2] König 1957, S. 58

[3] König 1957, S. 58

[4] König 1957, S. 58

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Problematik der Bildergeschichte
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Deutsche Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Aufsätze schreiben
Note
2,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
16
Katalognummer
V17844
ISBN (eBook)
9783638223140
Dateigröße
383 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Problematik, Bildergeschichte, Aufsätze
Arbeit zitieren
Vera Witkowski (Autor), 2002, Die Problematik der Bildergeschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17844

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