Bazaar Economy - Die Geschichte des Marktes


Seminararbeit, 2010

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Der Bazars als eine Form des Marktes
1.1 Wirtschaftlicher Aspekt
1.2 Sozialer Aspekt

2 Der orientalische Bazar
2.1 Merkmale eines orientalischen Bazars
2.1.1 Trennung von Wirtschaft und Wohnen
2.1.2 Baubestand
2.1.3 Branchenordnung
2.1.4 Soziale und ökonomische Merkmale

3 „Bazaar Economy“

Schlusswort

Literaturverzeichnis 13

Vorwort

Die folgende Ausarbeitung beschäftigt sich mit dem Bazar, der sich nicht nur als wirtschaftliche Kraft charakterisieren lässt, sondern auch als eine soziale Struktur. So ist es von Nöten dieses wirtschaftlich-soziale Phänomen auf beiden Eben zu analysieren, um eine angemessene ethnologische Arbeit zu verfassen.

Im erste Kapitel werde ich mich mit dem Bazar in einem etwas breiteren Kontext befassenden, „Der Bazar als eine Form des Marktes“, in dem ich mich zuerst mit der rein wirtschaftlichen Seite des Marktes bzw. des Bazars beschäftigen und daraufhin mit den sozialen Aspekt auseinandersetzen werde.

Auch ist es wichtig den „Bazar“ als Begriff genauer zu definieren, da diese Bezeichnung heutzutage, aufgrund der Globalisierung in fast allen Kontinenten und Kulturen verwendet wird und deshalb häufig ein etwas abgewandeltes Verständnis dieses Begriffs existiert. Ursprünglich stammt „Bas-ar“ aus dem Persischen und bedeutet übersetzt „wieder – holen“ bzw. „handeln“. Jedoch beschränkt sich dieser Begriff nicht nur auf den persischen bzw. iranischen Raum, sondern auf dem gesamten Orient. Die allgemeingültige Bedeutung des Bazars lautet wie folgt: „Händlerviertel in orientalischen Städten“[1] oder „Warenmarkt oder Marktviertel im Orient“.[2] Daher werde ich mich im zweiten Kapitel, „Der orientalische Bazar“, auf die ebenerwähnten Definitionen beziehen und versuchen diese in den wichtigsten Punkten darzustellen.

Das letzte Kapitel widmet sich einem konkreten empirischen Beispiel eines orientalischen Bazars, „Bazaar Economy“. Hier werde ich die Studie von Clifford Geertz wiedergeben und sie punktuell mit einer weiteren Studie eines Marktes vergleichen.[3]

1 Der Bazars als eine Form des Marktes

Nach Karl Polanyi, einem philosophischen Ökonomen, gibt es vier verschiedene Typen wirtschaftlicher Gestaltung: Reziprozität, Redistribution, Haushalt und Markttausch, die er in seinem berühmten Werk „ The Great Transformation“ beschreibt. Der Bazar lässt sich am ehesten zum vierten Typus, dem Markttausch, zuordnen, der sich fundamental von den anderen drei Formen der Distribution abgrenzt. Laut Polanyi liegt der grundlegende Unterschied darin, dass die Wirtschaft hier nicht mehr in die soziale Beziehung eingebettet sei, sondern die soziale Beziehung in das Wirtschaftssystem[4]. Das würde dann nicht nur bedeuten, „dass das Marktsystem die Gesellschaft zu seinem Anhängsel degradiert“[5], sondern auch, dass es eine eigene Institution als Basis benötigt, ein Marktsystem wie zum Beispiel den Bazar.[6]

1.1 Wirtschaftlicher Aspekt

„Beim (Markt)Tausch handelt es sich um Transaktionen zwischen Individuen nach dem Zufallsprinzip, die unabhängig von ihrer gesellschaftlichen Beziehung sind. Nur diese beruhen auf rationaler Entscheidung und Nutzenmaximierung“[7]

Nach dieser Definition entspricht der Markttausch der Marktwirtschaft. Diese bezeichnet eine arbeitsteilig organisierte Wirtschaftsordnung, in der der Markt Angebot und Nachfrage steuert und kontrolliert und dadurch den Preis reguliert.

„Nur diese Wirtschaftsform beruht auf der Erwartung, dass Menschen sich immer so verhalten, um einen maximalen Gewinn zu erzielen. Sie setzt den Mechanismus der Preisbildung über Angebot und Nachfrage sowie den Einbezug von Arbeit, Boden und Geld in den Markt voraus.“[8]

Zwar wirkt das Marktprinzip häufig auch auf dem Bazar, jedoch nicht immer. So werden nicht alle ökonomischen Transaktionen rein rational durch Angebot und Nachfrage bestimmt, sondern auch durch persönliche Beziehungen, worauf ich im Laufe dieser Hausarbeit noch eingehen werde. Oberstes Ziel der Marktwirtschaft ist die Maximierung von Nutzen bzw. Erzielung von Gewinn. Damit grenzt sich die Marktwirtschaft von der Substistenzwirtschaft ab, bei der es primär um die Deckung des Eigenbedarfs und die essentielle Bedürfnisbefriedigung geht. Beim Markttausch hingegen steht nicht die Bedürfnisbefriedigung eines Menschen im Vordergrund, sondern die Gewinnerziehlung, das heißt wer letztendlich ein Konsumgut bekommt, hängt nicht davon ab wer es am dringendsten benötigt, sondern wer einen besseren Preis dafür bezahlt. Wie bereits erwähnt spielen in der idealtypischen Marktwirtschaft persönliche Beziehungen keine Rolle, sondern allein rationales Kalkül. Eine solche Wirtschaftsform benötigt als Basis, neben den grundlegenden Prinzipien; Eigentumsrecht, Vertrags- und Wettbewerbsfreiheit, ein allgemeingültiges, rationales Tauschmittel, Geld. Erst durch Geld wird eine rein rationale Beziehung zwischen den Verhandlungspartnern auf einem anonymen Markt möglich, bei der allein der Profit im Vordergrund steht. Laut Simmel würden Geldwirtschaft und Verstandesherrschaft im tiefsten Zusammenhang stehen. Ihnen gemeinsam sei die reine Sachlichkeit in der Behandlung von Menschen und Dingen, in der sich eine formale Gerechtigkeit oft mit rücksichtsloser Härte paare.[9] Durch Geld transformiert sich die subjektive Wertbeziehung in ein Verhältnis zum tauschenden Objekt, dies führt dazu, dass „die Dinge ihre Wertmaße wie durch einen selbstständigen Mechanismus gegenseitig bestimmen.“[10]. Denn nach Simmel „hat“ Geld nicht nur Relation, sondern „ist“[11] auch Relation. Auch in dieser Beziehung ist der Bazar weniger rational als die Marktwirtschaft, denn auf dem Bazar existieren verschiedene Arten von Geld. Somit verliert das Geld seinen absoluten Charakter, es ist nicht mehr Relation für alles. Dadurch wird die subjektive Wertbeziehung der Dinge beibehalten.[12]

1.2 Sozialer Aspekt

Auch wenn die wirtschaftliche Funktion beim Markt bzw. beim Bazar im Vordergrund steht, ist er trotz allem ein menschliches Interaktionssystem, das „nicht nur politisch, sondern geradezu religiös, ja fundamentalistisch belastet“[13] ist. Ein Phänomen, das unserer gesellschaftlichen, „symbolischen Sinnwelt“[14] entspringt. So kann es nicht anders sein, als dass der Markt ein soziales Phänomen ist. Um es in Adam Smiths Worten zu fassen, sei der Markt nur ein Spezialfall einer gesellschaftlichen Struktur, die in der Moralischen Natur der Menschen begründet sei.[15] Er ist eine Institution, die dazu angelegt ist menschliche Bedürfnisse zu befriedigen, beeinflusst somit den Wohlstand eines Volkes. So lässt sich darüber streiten, ob tatsächlich die wirtschaftliche Funktion auf dem Markt vor der sozialen steht oder doch eher andersherum. Es ist keine Frage, dass beim Markttausch die Maximierung von eigenem Nutzen und dadurch auch der Egoismus eine weitaus wichtigere Rolle spielt als bei allen anderen Wirtschaftsformen. Doch ist es auch so, dass nicht ein rein egoistischer Zugriff auf das Gut eines anderen erfolgt, sondern immer der sozial reflektierte Zugriff nach Maßgaben der zu erbringenden Gegenleistung. Somit können Menschen nur ihr Eigeninteresse verfolgen indem sie zugleich die Perspektive des anderen einnehmen. Genau das möchte Smith uns in einer seiner Hauptwerke „Wealth of Nations“ mitteilen, die häufig als eine Lehre des ökonomischen Egoismus missverstanden wurde.[16]

[...]


[1] DUDEN, das Fremdwörterbuch: Basar, Band V, S. 120

[2] BERTELSMANN, Universal Lexikon: Bazar, Band II, S.228

[3] WEIGKUHN, 1998, S. 44 ff

[4] POLANYI, 1978, S. 88f/ http://www.mpifg.de (12.08.2009) Jens Becher: Die soziale Ordnung von Märkten

[5] ebd.

[6] www.lai.at , 02..07.2009 theoretische Grundlage der ökonomischen Anthropologie / REINHARD, 2007, S. 5ff

[7] POLANYI, 1978, S.100

[8] POLANY, 1978, S.102

[9] SIMMEL, 1995, S.118

[10] SIMMEL,1995, S.121

[11] SIMMEL,1995, S.122/ GÜTH, 1994, S.52ff

[12] GÜTH, 1992, S. 5ff und 52ff

[13] WEIDKUHN, 1998, S.44

[14] LUCKMANN, 1967, S.43

[15] SMITH, 1990, S.16

[16] MERK, 1988 , S.5f / WEIDKUHN, 1998, S. 44ff

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Bazaar Economy - Die Geschichte des Marktes
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V179338
ISBN (eBook)
9783656016892
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bazaar, economy, geschichte, marktes, Markt, basar, orient, handel, wirtschaft, motive, motiv
Arbeit zitieren
Katharina Kibjakova (Autor), 2010, Bazaar Economy - Die Geschichte des Marktes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179338

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