Geschlechtsspezifische Gesprächsstile

Man(n) dominiert - Zum sprachlichen Verhalten der Geschlechter in Gesprächen


Hausarbeit, 2011

21 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Historischer Hintergrund
1.2 Feministische Gesprächsforschung: This is a Man`s World
1.3 Auswertung vorgestellter theoretischer Ansätze

2. Gesprächskontrolle: Wann ist ein Mann ein Mann?
2.1 Unterbrechungen
2.2 Minimalreaktionen
2.3 Redezeit, Anzahl und Dauer der Redebeiträge
2.4 Gesprächsthema
2.5 Bewertungen der Ergebnisse bezüglich der Gesprächskontrolle
2.6 Gesprächsarbeit: A woman`s worth

3. Schlussbemerkungen: Gibt es eine Geschlechtsspezifische Wahrnehmung?

Abstract

Literaturverzeichnis

1. Einleitung.

Die vorliegende Arbeit handelt von gesprächsspezifischen Gesprächsstilen. Es geht um bestimme Verhaltensweisen, die bei den Sprechern unterschiedlichen Geschlechts in Gesprächen zum Ausdruck kommen. Gibt es tatsächlich ein typisch männliches und ein typisch weibliches Gesprächsverhalten? Was heißt es überhaupt „typisch“ Mann und „typisch“ Frau? Sind Mann und Frau wirklich grundlegend verschieden, dass sie womöglich sogar eine eigene Sprache sprechen?

Der Aufsatz ist deskriptiv und beinhaltet keine eignen Studien zum weiblichen und männlichen Sprachverhalten in Gesprächen. Es werden einige bedeutende theoretische Forschungsansätze, die auf dem Gebiet der gemischtgeschlechtlichen Gesprächsforschung gemacht wurden, vorgestellt und analysiert. Bevor es losgeht, müssen die zwei wichtigsten und in dieser Arbeit am häufigsten angewandten Begriffe geklärt und definiert werden. Es handelt sich um die beiden Termini „Frau“ und „Mann“

Dem Lexikon nach kann man folgende Definition von einer Frau entnehmen: „eine Frau ist ein weiblicher, erwachsener Mensch. Das geschlechtliche Gegenstück ist der Mann. Der Begriff wird verwendet, um das Geschlecht, die soziale Rolle oder beides zu unterscheiden“[1]. „Frau“ wird in der deutschen Sprache auch als einfachste, übliche Anrede für Frauen verwendet. Ein Mann ist beschrieben als ein erwachsener Mensch männlichen Geschlechts. Das geschlechtliche Gegenstück ist die Frau. Der Begriff Mann „ist jedoch aufgrund der fundamentalen Einflüsse der Geschlechtlichkeit auf die menschliche Gesellschaft mit sehr vielen weiteren assoziativen und teilweise sehr emotionalen Bedeutungen beladen“[2].

Aus diesen Definitionen können wir zum einen entnehmen, dass es sich hierbei um die Bezeichnung eines Geschlechts oder Sexus geht, zum anderen erkennen wir, dass dieses Geschlecht an soziale Rollen geknüpft ist. Die soziale Rolle der beiden Geschlechter muss sich also von einander unterscheiden, sonst würde man sie nicht betonen. Nun ist aber die soziale Rolle des Mannes und der Frau nicht der Gegenstand der vorliegenden Arbeit. Deswegen hier eine kurze Antwort auf die Frage, ob ein Mann und eine Frau sich unterscheiden. Die Antwort lautet eindeutig „Ja“. Denn auch ein Mann unterscheidet sich von einem Mann, wie sich auch eine Frau von einer Frau unterscheidet. In diesem Sinne möchte ich mich meinem Aufsatz zum Vergleich der Gesprächsstile widmen.

1.1 Historischer Hintergrund

oder am Anfang war die feministische Sprachforschung.

I`am woman, hear me roar

In numbers too big to ignore

And I know too much to go back an' pretend

'Cause I've heard it all before

And I've been down there on the floor

No one's ever gonna keep me down again

Oh yes, I am wise

But it's wisdom born of pain

Yes, I've paid the price

But look how much I gained

If I have to

I can do anything

I am strong

I am invincible

I am woman

(Women “I am Woman”)

In den 1970er Jahren tauchte eine neue Bewegung in den Wissenschaften auf, die - zunächst in den USA entstehend - sich schon bald auch in vielen anderen Ländern verbreitete. Angetrieben durch die in vielen Lebensbereichen, aber vor allem durch die in den Wissenschaften vorherrschende Benachteiligung der Frauen gegenüber ihrem Gegenstück – dem Mann. Ein kurzer Exkurs in die Vergangenheit.

Siebziger Jahre. Wir befinden uns in der Zeit, in der die Hippiära langsam ihrem Ende zugeht und durch die Punkmusik abgelöst wird, Richard Nixon wird bei den Präsidentenwahlen in den USA mit dem zweitbesten Ergebnis der Geschichte bestätigt, Ölpreise steigen enorm an und es kommt zu einer Ölkrise, Nixon tritt zurück, Ende des Vietnamkrieges, Der Pate bekommt einen Oscar, in Deutschland findet die erste Fußballweltmeisterschaft statt, und die politische Zeitschrift „Emma“ wird von der Feministin Alice Schwarzer gegründet. Ausgehend von der Tatsache die Welt sei eine von Männern dominierende, lag das Anliegen und das Interesse der Feministinnen darin, „positive weibliche Eigenschaften sichtbar zu machen und zu ihrer positiven Bewertung beizutragen“[3]. Das Bestreben der feministischen Forschung besteht seit dem darin, die Differenzen zwischen sozialen Geschlechtern zu analysieren. Den Frauen sollte der Zugang in die von Männern dominierende Öffentlichkeit verschafft werden und auch außerhalb des privaten Bereiches Anerkennung zugesprochen werden. Diese Sichtbarmachung der Frau verbreitete sich auf alle Lebensbereiche und so auch auf die Sprachwissenschaft. In der geschlechterbezogenen Sprachforschung sollten die Unterschiede im sprachlichen und kommunikativen Verhalten der Frauen und Männer erfasst und analysiert werden.

Von den Anhängern des Feminismus in den Sprachwissenschaften wird in den Anfängen der feministischen Sprachforschung die Unterrepräsentation von Frauen in der Sprache kritisiert. Im ersten Stadium der feministischen Sprachforschung steht die sprachliche Diskriminierung und Benachteiligung der Frauen gegenüber den Männern. Plädiert wird für die gleichen Rechte für Frauen und Männer und die Forderungen in dem Defizitkonzept zusammengefasst[4].

Nicht mehr als Opfer und Benachteiligte, sondern als Sprecher mit einer anderen Sprechweise erscheinen Frauen in dem Differenzkonzept, welches in der zweiten Phase der feministischen Sprachforschung das Defizitmodell ablöst[5]. Nicht die Kompromissbereitschaft steht im Vordergrund des Konzepts, sondern der Kampf für die Anpassung der Männer an die Frauen. Während das Defizitkonzept darauf abzielt, dass Frauen durch ihre Machtlosigkeit keine eigene Identität entwickeln können und zudem an dieser Lage nichts ändern[6], geht das Differenzkonzept davon aus, dass Frauen und Männer unterschiedlich sind. Weibliche Eigenschaften erhalten einen positiven Wert und ihre Überlegenheit gegenüber den Männern wird hervorgehoben.

Im Defizitkonzept wird das männliche Sprachverhalten als Norm angesehen und jede Abweichung als Mangel bewertet. Das Differenzmodell vernachlässigt seinerseits die Möglichkeit vom Geschlecht als einer sozialen Konstruktion[7]. Diese Eigenschaft des Geschlechts als Heterogene Größe taucht in den Konstruktivistischen Konzepten auf. Das Konzept des „ doing gender[8] weist darauf hin, dass Geschlecht sich erst in einer Kommunikation konstituiert. Das Geschlecht ist ein soziales Geschlecht, welches aus sozialen Alltagshandlungen reproduziert wird. Alexander Brock merkt an, dass das doing gender Konzept vor allem das biologische Geschlecht vernachlässige und den Faktor ignoriere, dass in bestimmten Institutionen Geschlechterungleichheiten stark verfestigt sind[9].

1.2 Feministische Gesprächsforschung: This is a Man`s world.

In den 70er Jahren wurden Gesprächstile in autoritäre, dominante und kooperative Stile unterschieden, dabei wurde der männliche Gesprächsstil als dominant und der weibliche Gesprächsstil als kooperativ betrachtet[10]. Es stellte sich die Frage, ob sich Männer und Frauen in Gesprächen sprachlich unterschiedlich verhalten und wenn sie es tun, welche kommunikativen Verhaltensweisen und welche sprachlichen Mittel auf den Gesprächsstil verweisen? Aus den Untersuchungen von Gesprächen zwischen den Geschlechtern entstanden verschiedene theoretische Ansätze. Die wichtigsten sollen in Kürze erläutert werden.

Nach dem Dominanz-Unterdrückungsansatz werden Frauen in Gesprächen zwischen unterschiedlichen Geschlechtern grundsätzlich dominiert und unterdrückt. Der Ansatz geht unter anderem auf Senta Trömel-Plötz zurück und geht von der Annahme aus, dass Frauen und Männer unterschiedliche Gesprächsstile haben, wonach Frauen einen „kooperativen“ und Männer einen „kompetitiven“ Gesprächsstil pflegen, was die Kommunikation zwischen den Geschlechtern erschwert, so dass Frauen in gemischtgeschlechtlichen Gesprächen zum Scheitern verurteilt sind[11]. Diese Annahme wird durch die Analyse von verschiedenen sprachlichen Analysekriterien in Gesprächen zwischen Frauen und Männern begründet. Untersucht werden dabei unter anderem die Unterbrechungen und Unterbrechungsversuche männlicher und weiblicher Gesprächspartner, Themenwechsel, Themeneinführung, Redezeit. Die Theorie der Zwei Kulturen „geht zurück auf Gumperz (1982), der Kommunikation zwischen den Kulturen erforschte“[12]. Dieser Ansatz wurde auf die verbale Interaktion zwischen Frauen und Männern übertragen. Das männliche und weibliche Gesprächsverhalten wurde als stark unterschiedlich betrachtet und die Unterschiede auf den Erwerb von den Kommunikationsregeln in getrennten geschlechtlichen Gruppen verwiesen worden[13]. Maltz und Borker (1982, 1991) nehmen an, dass Mädchen und Jungen bereits im Alter von fünf bis fünfzehn Jahren bestimmte sprachliche geschlechtstypische Verhaltensmuster erlernen, so wird das Verhalten der Mädchen als Nicht- Aggressiv und Nicht- Dominant charakterisiert, während ein dominantes Sprachverhalten den Jungen zugeschrieben wird[14]. Auch hier wird den Frauen ein kooperatives Sprachverhalten und den Männern ein bestimmendes auferlegt. Aus diesem Grund wird dabei oft von einer „interkulturellen Kommunikation“[15] zwischen Männern und Frauen gesprochen.

1. 3 Auswertung vorgestellter theoretischer Ansätze

Ich fasse hier noch mal zusammen: Der Doing Gender Ansatz impliziert, dass sich das Geschlecht erst in einer Interaktion konstituiert und auf diese Weise immer wieder neu dargestellt wird. Das Geschlecht wird erst in einem Gespräch durch das aktive kommunikative Handeln immer wieder hergestellt wird[16]. Ignoriert wird dabei die Präsenz von sex, dem biologischen Geschlecht.

Auch der Dominanz Unterdrückungsansatz und die Theorie der Zwei Kulturen weisen Lücken auf. So vernachlässigt der Dominanz Ansatz neben den kulturellen und ethnischen Unterschieden auch die kulturellen und die generationsspezifischen, außerdem wird nicht auf den individuellen Gesprächstyp eingegangen. Weitere identitätsstiftende Merkmale wie zum Beispiel Alter, Beruf, Status, allgemeine Werte, Engagement oder Mitgliedschaft in einem Sportverein, die neben dem Geschlecht existieren, werden in dem Konzept nicht beachtet. Die Konzeption der Theorie der Zwei Kulturen zeigt eine starke Generalisierung. Frauen und Männern wird ein stereotypisches Verhalten zugewiesen. Frauen und Männer werden als Homogene Gruppen betrachtet[17], so dass zu sehr auf die Unterschiede zwischen diesen Gruppen geschaut wird als auf ihre Gemeinsamkeiten. Auch hier werden individuelle Faktoren und andere Merkmale, die neben dem Geschlecht eine Person charakterisieren und Einfluss auf das kommunikative Verhalten nehmen können, außer Acht gelassen.

2. Gesprächskontrolle: Wann ist ein Mann ein Mann

Mit der Frage „Wann ist ein Mann ein Mann?“, beschäftigten sich nicht nur die Sprachforscher sondern auch Vertreter verschiedener wissenschaftlicher Bereiche und weniger wissenschaftlicher Bereiche. So zum Beispiel auch die Musik Branche. Herbert Grönemeyer widmet den Männern sogar ein ganzes Lied, in dem er sich mit dieser essentiellen Frage auseinandersetzt. So heiß es in dem Lied: „Männer haben `s schwer, / nehmen` s leicht außen hart und innen ganz weich, / werden als Kind schon auf Mann geeicht. / Wann ist ein Mann ein Mann? / Wann ist ein Mann ein Mann? / Wann ist ein Mann ein Mann?“. Obwohl kein Sozialforscher, kein Linguist und auch kein Kulturwissenschaftler, sagt Grönemeyer hier etwas sehr wichtiges. Und zwar in der Zeile „werden als Kind schon auf Mann geeicht“. Dem würden auch die Vertreter der „Zwei Kulturen“ Theorie zustimmen. Geschlechterrollen und damit auch das geschlechterspezifische Verhaltensmuster werden in der Kindheit und der Jugendzeit erlernt, heißt es darin. Wie bereits erläutert, werden auf der Basis dieser Annahme Frauen und Männern bestimmte Verhaltensmerkmale zugeschrieben, die sich auch in Gesprächen zwischen den Geschlechtern widerspiegeln sollen. Trotz des unterschiedlichen theoretischen Hintergrundes haben die Theorie der „Zwei Kulturen“ und der Dominanz-Unterdrückungsansatz Gemeinsamkeiten in der Beschreibung des typisch weiblichen und typisch männlichen Gesprächsstils. In beiden Konzeptionen übernimmt der Mann eine bestimmende Rolle im Gespräch, während die Frau in Gesprächen kooperiert und durch die Gesprächsarbeit[18] die Konversation voran bringt. Wodurch sich die Gesprächsdominanz und die Gesprächsarbeit charakterisieren und auf welche Weise sich die männliche Kontrolle über das Gespräch und die weibliche Gesprächsarbeit in gemischtgeschlechtlichen Konversationen realisiert, wird durch die Analyse von verschiedenen Gesprächen untersucht.

Um ein Gespräch zu kontrollieren stehen dem Sprecher und der Sprecherin verschiedene Mitteln zu Verfügung. Feministische Gesprächsforschung versucht herauszufinden, ob diese Mittel tatsächlich hauptsächlich von Männern angewandt werden und ob man behaupten kann, dominante und nicht dominante Formen seien geschlechtsspezifisch. Dazu wurden in den empirischen Forschungen verschiedene Analysekriterien ausgewählt, um diese Behauptungen zu überprüfen[19]. Als Analysekriterien für die Gesprächskontrolle wurden Unterbrechung, Minimalreaktion, Einführung des Themas und Themenwechsel gewählt[20]. Hier sollen diese Kriterien in Kürze vorgestellt und erläutert werden.

2.1. Unterbrechungen

Ein Sprecherwechsel kann auf drei regelgerechte Arten hervorgerufen werden: durch Selbstselektion - am Ende eines Gesprächsschnitts meldet sich der Gesprächspartner oder die Gesprächspartnerin selbst zu Wort; wenn der gegenwärtige Sprecher oder die gegenwärtige Sprecherin den nächsten Sprecher oder die nächste Sprecherin wählt; wenn der Gesprächsleiter oder die Gesprächsleiterin die nächste Sprecherin oder den nächsten Sprecher wählt[21]. Unterbrechungen und Unterbrechungsversuche stellen eine Missachtung dieser Regeln dar. Da sie das Rederecht einer Person angreifen, wird einer Person durch Unterbrechungen die Möglichkeit genommen das eigene Thema zu entwickeln und sich im Gespräch darzustellen. Auf diese Weise stellen Unterbrechungen einen „Akt der personaler Gewalt“[22] dar. Wird jemand unterbrochen, so zeigt es Desinteresse, Unaufmerksamkeit, Ungeduld oder die Aufforderung den Redebeitrag zu beenden. West und Zimmerman (1975) analysierten Unterhaltungen zwischen Männern und Frauen und zeigten in ihren Ergebnissen, dass in elf Unterhaltungen 96 Prozent aller Unterbrechungen von Männern initiiert werden[23]. Frauen dagegen würden Männer kaum unterbrechen. In einer Untersuchung von Gesprächen zwischen Ärzten und Patienten und Patientinnen konnte West (1984) die Hypothese von der männlichen Dominanz in Gesprächen noch einmal bestätigen, indem er die Verteilung von Unterbrechungen in zehn Gesprächen zwischen männlichen und weiblichen Ärzten mit ihren Patienten untersuchte[24]. Es zeigte sich, dass Ärztinnen nur 32 Prozent aller Unterbrechungen initiieren, während die Ärzte 69 Prozent; Patienten und Patientinnen unterbrachen Ärztinnen ebenso häufig oder häufiger als die Ärztinnen sie, männliche Patienten unterbrachen Ärztinnen häufiger als umgekehrt und die Verteilung von Unterbrechungen zwischen Patientinnen und Ärztinnen war symmetrisch[25].

Zimmerman und West (1975) untersuchte Zweiergespräche und stellte fest, dass Männer Frauen systematisch unterbrechen[26]. Auch Frank beobachtet in gegengeschlechtlichen Gesprächen die Tendenz, dass Frauen häufiger von Männern unterbrochen werden als umgekehrt[27].

Gräßel (1991) dagegen konnte bei ihrer Analyse von Fernsehdiskussionen, an denen Männer und Frauen teilnahmen, keine geschlechtstypische Verteilung von Unterbrechungen erkenne und konnte die Annahme, dass die Männer Frauen häufiger unterbrechen nicht bestätigen[28]. Gräßel macht dabei auf die Bedeutung des Status einer Person und seinen Einfluss auf die Unterhaltung aufmerksam und kommt zum Ergebnis, dass statushohe Personen, Personen des jeweils anderen Geschlechts häufiger als die des eigenen Geschlechts unterbrechen[29]. Unabhängig vom Status versuchten Frauen Männer häufiger zu unterbrechen, während Männer gleich häufig Männer und Frauen unterbrachen[30].

Schmidt (1988) betont, dass Unterbrechungen eher vom Persönlichkeitstyp abhängen[31].

Die vorgestellten Studienergebnisse zeigen wie oft Unterbrechungen als negativ angesehen werden. In ihrer Funktion können Unterbrechungen aber auch unterstützend oder kooperativ sein. Dass Unterbrechungen nicht immer einen negativen Charakter haben müssen zeigt Becker (1995) in ihrer qualitativen Analyse von Gesprächen. Sie befasste sich mit der Frage nach den Gründen für Unterbrechungen und nimmt an, dass es in der Art der Unterbrechungen geschlechtsspezifische Unterschiede gibt[32]. Männer und Frauen unterbrechen also auf unterschiedliche Weise. Nach Becker unterbrechen Männer provozierend und aggressiv, während die Frauen einen „diplomatischen Umgang“ in der Art ihrer Unterbrechungen pflegen[33]. Auch Becker zeigt, dass Männer häufiger unterbrechen als Frauen. Frank schließt auch die Möglichkeit nicht aus, dass Frauen und Männer möglicherweise aus unterschiedlichen Gründen unterbrechen[34]. Unterbrechungen können durchaus andere Implikationen haben, als nur einen Dominanzanspruch. Kotthoff (1992) sieht Unterbrechungen auch als Zeichen der Involviertheit[35]. Da Unterbrechungen, zum Beispiel der Nachfrage dienen können, kann durch sie der Informationsgehalt eines Redebeitrages gesteigert werden, da der Sprecher oder die Sprecherin aufgefordert werden ihre Position genauer zu erläutern. Auf diese Weise kann durch das Unterbrechen Interesse gezeigt werden und gleichzeitig bestätigt der Zuhörer oder die Zuhörerin den Sprecher oder die Sprecherin und zeigt, dass sie oder er zuhört.

Vor einer kontextunabhängigen Beurteilung und einer Bewertung von Unterbrechungen außerhalb des Gesprächs warnt unter anderem Frank[36]. Kotthoff (1992) kommt zum Fazit, dass „das Zählen von Unterbrechungen allein, welches in der feministischen Linguistik einmal betrieben wurde […], sagt überhaupt nichts aus über deren Bedeutung“[37]. Nicht die Funktion von Unterbrechungen im jeweiligen Gespräch allein ist entscheidend, sondern auch die Wahrnehmung von Unterbrechungen durch die Zuhörer und den jeweiligen Sprecher oder die jeweilige Sprecherin. Interessant wäre es meines Erachtens nach zu überprüfen, ob Unterbrechungen von weiblichen und männlichen Zuhörern unterschiedlich interpretiert werden.

[...]


[1] Entnommen aus: http://wissen.woxikon.de/frau (Abfrage: 23.03.2011)

[2] Entnommen aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Mann (Abfrage: 23.03.2011)

[3] Trömel-Plötz, Senta (1996): „Frauengespräche: Sprache der Verständigung“, S. 18

[4] Vgl. Klann- Delius (2005): S. 10ff

[5] Vgl. Ebd.: S.13f

[6] Vgl. Ebd. S. 13

[7] Begriff nach Klann- Delius, S. 14

[8] West/Zimmerman zitiert nach Klann- Delius S. 14

[9] Vgl. Brock (2003): S. 158

[10] Vgl. Samel, Ingrid (2000): „Gesprächstypische Gesprächsstile“ , S. 177

[11] Vgl. Trömel-Plötz (1984), nach Frank, Karsta (1992): S.16ff.

[12] Faschingbauer (2002): S. 60

[13] Vgl. Ebd.

[14] Vgl. Ebd. S.60f

[15] Ebd. S.60, S.61

[16] Vgl. Brock, Alexander (2003): S. 158

[17] Vgl. Faschingbauer, Tamara (2002): S. 63

[18] Begriff nach Samel, Ingrid (2000): S.179

[19] Vgl. Ebd.: S. 178f.

[20] Vgl. Frank, Karsta (1992): S. 19

[21] Vgl. Sacks (1971) nach Henne, Helmut (1995): Einführung in die Gesprächsanalyse. S. 23f.

[22] Frank, Karsta (1992): S. 54

[23] Vgl. West/Zimmerman (1975) nach Samel (2000): S. 183f.

[24] Vgl. West (1984) nach Samel (2000): S. 184

[25] Vgl. Ebd.

[26] Vgl. Zimmerman/West (1975,1983) nach Frank (1992): S.29, S. 33f., S.36

[27] Vgl. Frank (1992): S. 36

[28] Vgl. Gräßel (1991) nach Samel (2000): S. 185

[29] Vgl. Ebd.

[30] Vgl. Ebd.

[31] Vgl. Schmidt (1988) nach Samel (2000): S. 186

[32] Vgl. Becker (1995) nach Samel (2002): S. 187

[33] Vgl. Ebd.

[34] Vgl. Frank (1992): S. 55

[35] Vgl. Kotthoff (1992) nach Samel (2002): S. 186

[36] Vgl. Frank (1992): S. 54

[37] Kotthoff (1992) zitiert nach Brock S.155

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Geschlechtsspezifische Gesprächsstile
Untertitel
Man(n) dominiert - Zum sprachlichen Verhalten der Geschlechter in Gesprächen
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Veranstaltung
Gender, Sprache und Migration
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V179426
ISBN (eBook)
9783656018384
ISBN (Buch)
9783656019206
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geschlechtsspezifische, gesprächsstile, verhalten, geschlechter, gesprächen
Arbeit zitieren
Swetlana Gorich (Autor), 2011, Geschlechtsspezifische Gesprächsstile, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179426

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