Clusterpolitik im Ruhrgebiet

Chance für die Region?


Hausarbeit, 2009

26 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Cluster in der Theorie
2.1 Grundlagen des Konzepts
2.2 Clusterpolitik

3. Clusterpolitik in NRW und im Ruhrgebiet
3.1 Grundlagen der Clusterpolitik in NRW
3.2 Kompetenzfeldansatz
3.3 Ziel 2-Förderung
3.4 Die Wirtschaftsförderung metropole Ruhr GmbH (wmr)
3.5 ChemSite
3.6. Dortmund-project
3.7 Entwicklung der Arbeitslosenquote und der Gründungen im Ruhrgebiet S.18

4. Fazit

5. Literatur/Quellen

1. Einleitung

Die Regionalpolitik in Deutschland steht seit vielen Jahren, spätestens mit dem Beginn der Globalisierung, vor großen Herausforderungen. Viele Produkte können im Ausland deutlich billiger produziert werden und sind auch qualitätsmäßig nicht mehr viel schlechter als die aus Deutschland. Diese Entwicklung hat insbesondere das produzierende Gewerbe und die Industrie stark unter Druck gesetzt. Das Ruhrgebiet hat dieser Prozess stärker als andere Regionen getroffen. Seine besondere Rolle ist in seiner ehemals monostrukturellen Ausrichtung begründet. Die Konzentration auf Kohle, Stahl und Eisen brachte dem Revier über Jahrzehnte hinweg herausragende wirtschaftliche Erfolge und Wohlstand. Der Niedergang dieser Industrien brachte dem Ruhrgebiet aber später eben solche Probleme (s. Heinze et al. 1996, S. 13).

Dementsprechend hat die Strukturpolitik eine lange Geschichte in Nordrhein-Westfalen (NRW) und insbesondere im Ruhrgebiet. Seit 1966 wird sie aktiv von der Landesregierung betrieben (vor allem mit dem Entwicklungsprogramm Ruhr). Damals stand die Schaffung von Industriearbeitsplätzen im Mittelpunkt. Doch dies reichte bald nicht mehr aus. Man musste sich neue Gedanken machen, wie den Strukturproblemen im Ruhrgebiet Einhalt geboten werden könnte.

An dieser Stelle kommt das Clusterkonzept ins Spiel, das sich seit vielen Jahren erfolgreich auf der ganzen Welt als regionalwirtschaftliches Entwicklungsmodell etabliert hat (s. Fromhold-Eisebith 2008, S. 79). Es hat für neuen Schwung und neue Ideen in der Regionalpolitik gesorgt und ist in vielen Regionen nicht mehr aus der strategischen Planung wegzudenken. In meiner Arbeit möchte ich der Frage auf den Grund gehen, ob das Clusterkonzept bzw. eine Clusterpolitik für das Ruhrgebiet ein erfolgversprechendes Modell sein könnte, um die immer noch großen strukturellen Probleme zu lösen.

Das Land NRW hatte und hat stärker als andere Bundesländer mit dem Strukturwandel zu kämpfen. Die Arbeitslosenquote liegt seit Jahren über dem Durchschnitt der alten Bundesländer, während die Wachstums- und Beschäftigungsentwicklung unterdurchschnittlich ist. In NRW als größtes deutsches Bundesland sind die Probleme, mit denen die Landespolitik befasst ist, vielfältiger Natur und haben größere Ausmaße als in den meisten anderen Bundesländern. (s. Heinze et al., 1996, S. 10)

Ansätze einer Clusterpolitik sind in NRW seit ungefähr Mitte der 90er Jahre erkennbar, insofern ist es möglich, einige bereits bestehende Aktivitäten zu betrachten und zu bewerten, inwieweit diese erfolgreich waren oder zumindest einen kleinen Beitrag zu einer Lageverbesserung bringen konnten.

Ich werde zunächst das Clusterkonzept vorstellen, um zu klären was man sich überhaupt darunter vorzustellen hat und welche Schwierigkeiten es dabei unter Umständen gibt. Im nächsten Punkt werde ich dann auf den Begriff „Clusterpolitik“ eingehen und darstellen, wie die politisch verantwortlichen Akteure auf der regionalen Ebene versuchen, das Konzept des Clusters politisch umzusetzen und Impulse auf die Wirtschaft geben wollen. Außerdem möchte ich hier aufzeigen, was in der theoretischen Diskussion für eine gelungene Clusterpolitik als vorteilhaft angesehen wird.

Im dritten Kapitel werde ich dann betrachten, wie die Clusterpolitik in NRW bisher umgesetzt wurde. Zunächst werde ich beschreiben, was die theoretischen Grundlagen der Clusterpolitik sind. Ein zentraler Punkt ist dabei der Kompetenzfeldansatz, auf den ich im folgenden Part näher eingehen werde. Im nächsten Schritt geht es um die Vorstellung der finanziellen Förderung im Rahmen des Ziel 2-Projekts, also mit EU-Mitteln. Nicht unerwähnt bleiben soll außerdem die zentrale Koordinierungsinstitution der Clusterpolitik in NRW, nämlich die Wirtschaftsförderung metropoleruhr GmbH (wmr).

Das Kapitel 3 wird fortgesetzt mit dem Blick auf zwei wichtige Clusterinitiativen im Ruhrgebiet, die ChemSite und das dortmund-project. Diese beiden Initiativen waren mit die ersten, die mit einer Clusterausrichtung gestartet wurden und da sie bereits seit 1997 bzw. 2000 laufen, besteht hier die Möglichkeit erste Bilanzen zu ziehen und diese Clusteraktivitäten kritisch zu begutachten.

Den Abschluss des Kapitels bildet der Blick auf die Entwicklung der Arbeitslosenquote im Ruhrgebiet und die Entwicklung der Zahl der Gewerbeanmeldungen als zwei Indikatoren dafür, ob erste positive Wirkungen der Clusterstrategie des Landes NRW anhand von Zahlen festzumachen sind.

Den Abschluss der Arbeit wird naturgemäß ein Fazit bilden, in dem ich die Ergebnisse der Betrachtung der Aktivitäten in NRW und dem Ruhrgebiet abschließend bewerten möchte und eine Einschätzung abgeben möchte, ob die Clusterpolitik im Ruhrgebiet als erfolgreich anzusehen ist oder nicht.

2. Cluster in der Theorie

2.1 Grundlagen des Konzepts

Die Definition von Clustern ist die folgende: Eine Ballung (oder Anhäufung) von Unternehmen einer Wertschöpfungskette einschließlich ihrer Zulieferer und Dienstleister, die über Materialverflechtungen und Wissensaustausch miteinander in Beziehung stehen. (s. Bathelt 2008, S. 164). Das Ziel ist, wettbewerbsrelevante Vorteile nahräumiger Kooperation und Konkurrenz zu generieren (s. Fromhold-Eisebith 2008, S. 81).

Wenn man über das Clusterkonzept spricht, kommt man nicht daran vorbei, den Namen Michael Porter zu erwähnen. Er ist sozusagen der Vater des Konzepts, der es sehr anschaulich als Diamant mit vier Elementen dargestellt hat: Das erste Element sind Unternehmensstrategien, -strukturen und Rivalität. Porter hält es grundsätzlich für gut, dass Unternehmen einem harten Wettbewerb ausgesetzt sind, da dies Dynamik, Produktivitätssteigerungen und Innovationsfähigkeit fördere. Das zweite ist die Existenz oder das Fehlen von verwandten und unterstützenden Industrien. Die räumliche Nähe von vor­oder nachgelagerten Industrien begünstigt den Informationsaustausch und den kontinuierlichen Austausch von Ideen und Innovationen. Dritter Punkt sind die Faktorbedingungen. Dazu zählt er die Verfügbarkeit einer qualifizierten Arbeiterschaft sowie eine adäquate Infrastruktur. Das vierte Element sind die Nachfragebedingungen. Dieser Faktor ist seiner Meinung nach am schwierigsten zu beeinflussen. Hierbei geht es um das Anspruchsniveau der Konsumenten einer Volkswirtschaft. Je höher dieses ausgeprägt ist, desto mehr Anforderungen werden an die Unternehmen gestellt, ihre Produkte ständig zu verbessern bzw. neue zu entwickeln. (s. Meyer-Stamer 2000, S. 6 f.)

Diese vier Faktoren stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern verstärken sich gegenseitig. Porter betont außerdem, dass es keinen Königsweg zum ökonomischen Erfolg eines Clusters gibt, sondern immer der Einzelfall betrachtet werden muss, um die darauf angepassten Lösungen zu finden. (s. Meyer-Stamer 2000, S. 4)

Holger Schiele weist darauf hin, dass ein Cluster mehr ist als lediglich eine Anhäufung von Unternehmen in gewisser räumlicher Nähe. Er schlägt vor, dass man vier Gruppen betrachten muss, die räumlich geballt vorhanden sein sollen: Die direkten Wettbewerber eines Unternehmens, seine wichtigsten Kunden, die Zulieferer des Unternehmens und Organisationen, die unterstützend wirken (Verbände, Bildungs- und Beratungseinrichtungen usw.). (s. Schiele 2003, S. 27)

Er hat auch die vier Elemente des Diamanten von Porter etwas differenzierter dargestellt. Zunächst prägen mehrere gleiche Unternehmen die Wettbewerbsstruktur eines Clusters. Gleich heißt in diesem Zusammenhang der gleichen Branche zugehörig. So entsteht ein starker Konkurrenzdruck. Zweitens ist die Bedeutung des Heimatmarktes wichtig. Es sollte zahlreiche, anspruchsvolle Kunden geben, welche Interesse an den gefertigten Produkten oder angebotenen Dienstleistungen haben. Außerdem ist eine wettbewerbsfähige Zuliefererindustrie wichtig für das Funktionieren des Clusters, da sie die hohe Qualität der Produkte mit garantiert. Zudem werden die Unternehmen im Cluster durch eine gute Infrastruktur unterstützt. (s. Schiele 2003, S. 28 f.)

Grundsätzlich kann man feststellen, dass Cluster bei den Beziehungen zwischen Unternehmen, zwischen Unternehmen und Mesoinstitutionen und bei den Beziehungen zwischen Staat und privatem Sektor ansetzen, also in Bereichen, in denen sich Zusammenarbeit traditionell und strukturell als schwierig erweist, insbesondere was ein vertrauensvolles Verhältnis der Akteure angeht. (s. Meyer-Stamer 2000, S. 18)

Für die Cluster-Beratung ist es zielführend, partizipative Methoden einzusetzen, um Fragen und Probleme der Unternehmen gleich am Anfang zu klären. Außerdem ist eine genaue Analyse der Situation vor Ort und des jeweiligen Unternehmens nötig, um das Anforderungsprofil treffend zu entwickeln und keine falschen Hoffnungen zu wecken. Zunächst sollte die Beratung darauf abzielen, kurzfristige Probleme zu lösen, um erstmal Erfolgserlebnisse zu haben und so das Vertrauen der Beteiligten zu gewinnen. (s. Meyer- Stamer 2000, S. 27 f.)

Außerdem ist ein integriertes und effizientes Standortmanagement vonnöten, dass sich aus verschiedenen Bausteinen zusammensetzen sollte:

- Moderations- und Networkingfunktionen (Gesprächsführung, Kontaktvermittlung, Konfliktklärung, Konsensbildung usw.)
- Analyse- und Strategiebildungsfunktion
- Projektentwicklungsfunktionen (Generierung der Verwertung von Ideen, Entwicklung von Vorschlägen und Projektdesigns, Hilfestellung bei der Akquisition von Fördermitteln Letztlich geht es darum, ein professionelles Standortmanagement aufzubauen, das für eine Kooperation und Interaktion der verschiedenen regionalen Akteure sorgt.

(s. Heinze 2004, S. 14)

Durch Cluster werden - bei erfolgreicher Initiierung - Wettbewerbsvorteile generiert, die hauptsächlich auf nicht-preisliche, systemische Faktoren zurückzuführen sind.

Qualitätsproduktion, permanente und schnelle Produkt- und Prozessinnovationen, verbesserte Forschungs & Entwicklungs (F & E)-Kapazitäten, schnell abrufbares Detailwissen und spezifisches Know-how, das im F&E-Bereich inkorporiert ist, und die Fähigkeit zum raschen Informationsaustausch entstehen. Das Cluster wird im Optimalfall zur Basis der Herausbildung systemischer Wettbewerbsfähigkeit. (s. Meyer-Stamer 2000, S. 6)

2.2 Clusterpolitik

Zu Beginn möchte ich kurz darstellen, warum Clusterpolitik in der deutschen Strukturpolitik seit einigen Jahren eine große Rolle spielt. Voraussetzung dafür war ein Perspektivwechsel in der Strukturpolitik. Es wird nicht mehr unbedingt das Prinzip der Chancengleichheit als oberstes Ziel gesehen, sondern es geht verstärkt um die Förderung vorhandener (oder zu weckender) Wachstumspotenziale. Der Spruch „Stärken stärken“ bringt dieses Prinzip auf den Punkt. Schwache wirtschaftliche Wachstumsraten, immer noch hohe Arbeitslosenquoten und eine rückläufige demographische Entwicklung haben die Frage aufgedrängt, ob das bisherige Verfahren des Gießkannenprinzips und der Chancengleichheit wirklich als sinnvoll zu sehen ist. Ab ungefähr Mitte der 90er Jahre setzte sich die Einschätzung durch, dass es unter Umständen mehr bringt, die regionalen Wachstumsfaktoren entsprechend zu entfalten, damit diese wiederum positiv auf umliegende Regionen/Branchen ausstrahlen. (s. Dammer 2004, S. 26 f.)

Auch wenn Clusterpolitik immer in den Kontext der Regionalpolitik eingebettet ist, ist es sinnvoll sie wegen ihrer spezifischen Eigenart davon zu unterscheiden. Aus regionalpolitischer Sicht ist es sinnvoll, Cluster als lokal-regionale Verdichtungen weltweiter Produktionszusammenhänge zu verstehen. Clusterpolitik kann nicht nur auf lokale Strukturen fixiert sein, sondern muss zwischen verschiedenen administrativen Ebenen abgestimmt und integriert sein. (s. Bathelt 2008, S. 170)

Doch nun zur genauen Definition von Clusterpolitik: Clusterpolitik ist eine spezifische Form von Industriepolitik, die durch zwei besondere Merkmale gekennzeichnet ist: Erstens ist sie auf die Förderung der regionalen Ebene ausgerichtet. Und zweitens zielt sie darauf, eine Weiterentwicklung von Branchenkonzentrationen oder Netzwerkbausteinen zu Clustern zu leisten. Die Clusterpolitik bedient sich im Gegensatz zur früheren reinen Industriepolitik vor allem „weicher“ Steuerungsmedien, also insbesondere kommunikativer Mittel. Die wichtigsten Instrumente des Clustermanagements sind Beratung und Information. (s. Bruch­Krumbein 2000, S. 69 f.)

Die Clusterpolitik muss auf verschiedene Clusterdimensionen reagieren. Da ist zum einen die vertikale Clusterdimension: Unternehmen, die in einer Wertschöpfungskette als Zulieferer, Produzenten oder Abnehmer mit anderen Unternehmen in Beziehung stehen. Hier geht es für die Clusterpolitik vor allem darum, regionale Netzwerke zu fördern, um Synergie- und Lerneffekte der Unternehmen zu ermöglichen. Dazu ist Vertrauen zwischen den Unternehmen vonnöten und dass sich ein routinemäßiger, regelmäßiger Informations- und Gedankenaustausch etabliert. Die Politik könnte hier Informationen über regionale Zulieferer und Serviceprovider bereitstellen und eine stärkere regionale Arbeitsteilung fördern. Auch wäre es günstig, wenn die Politik Lücken in der Wertschöpfungskette erkennt und die Unternehmen darauf Aufmerksam macht bzw. Abhilfe schafft. Ziel dieser Aktivitäten ist die Förderung vertikaler Kooperationen und Wissenstransfers, um die Potenziale der Region besserzu nutzen. (s. Bathelt2008, S. 173)

Das zweite Moment ist die horizontale Clusterdimension: Diese Dimension bezieht sich auf Unternehmen mit ähnlicher Produktpalette, die teilweise in Konkurrenz zueinander stehen. Ziel der Clusterpolitik kann es hier sein, Kooperationen dieser Unternehmen bei der Erforschung neuer Entwicklungen zu fördern. Anreize hierzu können über öffentliche Forschungsetats und in Verbindung mit einer Universitäts- oder Fachhochschulkooperation sein. Zudem kann die Politik versuchen, neue Unternehmen anzuwerben und Unternehmensgründungen zu unterstützen. (s. Bathelt 2008, S. 173)

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Clusterpolitik im Ruhrgebiet
Untertitel
Chance für die Region?
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Soziologie)
Veranstaltung
Wirtschaftsregionen im Vergleich
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
26
Katalognummer
V179753
ISBN (eBook)
9783656023548
ISBN (Buch)
9783656023791
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Cluster, Ruhrgebiet, Wirtschaftsstandorte, Wirtschaftspolitik, Raumplanung, Wirtschaftssoziologie
Arbeit zitieren
Gunnar Wett (Autor), 2009, Clusterpolitik im Ruhrgebiet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179753

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