Der Aufstieg des Fußballs in Ostasien


Seminararbeit, 2010

22 Seiten

Jacques Niedermeier (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung: Asiatische Stars in der Bundesligasaison 2010/2011

2. Wie der moderne Fußball nach Asien gelangte

3. Auf dem Weg zur Professionalisierung und heutige Strukturen
3.1 Südkorea - Erste ostasiatische Prof iliga: Die K-League
3.2 Japan - Die J.League zieht nach
3.3 China - Fußball zwischen Korruption und Kommunismus
3.4 Gemeinsamkeiten des Fußballs Japan, Südkorea und China
3.5 Fokussierung auf die Nationalmannschaft als politisches Instrument

4. Sonderfall Nordkorea - Fußball unter einer Diktatur.

5. Die wirtschaftliche Bedeutung des Fußballs in Ostasien

6. Fazit: Fußball in Ostasien - Notwendigkeit eines guten Konzepts

7. Literaturverzeichnis

1. Einführung: Asiatische Stars in der Bundesligasaison 2010/2011

Borussia Dortmunds Manager Michael Zore ging am 11. Mai 2010 kein unerhebliches Risiko ein. Für eine Ausbildungsentschädigung in Höhe von 350.000 Euro wurde der unbekannte japanische Offensiv-Spieler Shinji Kagawa verpflichtet. Zu Kagawas größten Erfolgen zählten bislang die Torschützenkrone in der zweiten japanischen Liga mit 27 Toren und der Aufstieg seines Teams Cerezo Osaka in die J.League.[1] Der 15-fache Nationalspieler wurde allerdings für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika nur in einen erweiterten Kader berufen und nahm letztendlich nicht als offizieller Spieler am Turnier teil.[2] Trotzdem gelang ihm bei Borussia Dortmund ein Traumstart in der Saison 2010/2011 und er konnte seine Klasse sowie Bundesligatauglichkeit mit zwei Toren in der Europa- League und zwei Toren im Revierderby gegen Schalke 04 unter Beweis stellen. Japanische Medien strahlen deshalb bereits die Europa-League-Spiele der Dortmunder aus.[3]

Doch nicht nur die 1. Bundesliga sieht sich nach neuen Spielern aus Asien um. Mit Tae-Se Jong gelang dem VfL Bochum die spektakuläre Verpflichtung des ersten nordkoreanischen Spielers in einer deutschen Profi-Liga. Der WM-Teilnehmer aus Ostasien schlug in Bochum voll ein und konnte im ersten Saisonspiel gleich zwei Tore erzielen.[4] Dies sind nur zwei ausgewählte Beispiele von erfolgreicher ostasiatischer Fußballer in Europa. Das Potential der beiden Spieler zeigt, dass man die asiatischen Ligen auf keinen Fall unterschätzen darf und auch dort auf Talentsuche gehen kann.

Trotz allem ist Fußball weltweit noch immer nicht auf einem konstanten Level und derselben Popularität angelangt. Ostasien holtjedoch seit vielen Jahren beständig auf und gelangt mehr und mehr an die europäischen Standards und Begeisterungsfähigkeit heran.

Wie gewichtig der ostasiatische Fußballmarkt ist, zeigen die Einschaltquoten der Weltmeisterschaft 1990 in Italien. Bereits damals sah knapp die Hälfte aller Zuschauer weltweit von einem Fernsehgerät in Asien aus zu.[5] Zudem birgt die Tatsache, dass ein Drittel der Weltbevölkerung auf dem asiatischen Kontinent lebt, ein großes Marktpotential für Fußball. Laut einer statistischen Erhebung des Weltfußballverbandes Fédération Internationale de Football Association (FIFA) aus dem Jahr 2006 stellt der asiatische Kontinent zudem mit 85 Millionen aktiven Fußballern die höchste regionale Zahl an Fußballern noch vor Europa (62 Millionen) und Afrika (46 Millionen).[6]

Doch was führte es zu diesem rasanten Aufstieg des Fußballs in Ostasien, vor allem in den letzten beiden Jahrzehnten? Welche Motive dienten dabei als Antreiber? Zur Klärung dieser Fragen werden vorrangig die Länder China, Japan und Südkorea, sowie Nordkorea als Sonderfall, behandelt. Die zentralen Punkte gehen dabei auf die Geschichte des Fußballs in Ostasien ein, klären die aktuellen Entwicklungen und Strukturen der einzelnen Ligen in den Ländern, stellen die besondere Bedeutung der Nationalmannschaft als politisches Instrument dar und setzen sich mit dem Fußball als Wirtschaftskatalysator in Ostasien auseinander. Als Hauptliteraturquelle werden dabei Arbeiten von Mag. Dr. Wolfram Manzenreiter, Mitarbeiter am Institut für Ostasienwissenschaften/Japanologie in Wien, verwendet.

2. Wie der moderne Fußball nach Asien gelangte

Ausschlaggebend für den Export des britischen Fußballspiels im 19. Jahrhundert, war die fortschreitende Kolonialisierung der asiatischen Länder durch die europäischen Seemächte. Viele Briten gelangten damals in ostasiatische Regionen und begannen das Fußballspiel zu lehren, wie etwa Leutnant Archibald L. Douglas im Jahr 1874 an der Marineakademie im japanischen Tsukiji. In den 1880er Jahren brachten englische Seeleute den Fußball nach Korea und rund ein Jahrzehnt später gab es erste Wettkämpfe zwischen Engländern in Hongkong.[7] Im Jahr 1892 wurde in Singapur von Mitarbeitern britischer Firmen der erste offizielle Fußballverband in Asien gegründet. Zunächst spielten in der Singapore Amateur Football Association (SAFA) allerdings nur Auswanderer gegeneinander. Wenig später übertrug sich die Begeisterung für den Sport auch auf die einheimische Bevölkerung.[8] Während aber die Kolonialzeit Anfang des 20. Jahrhunderts zu Ende ging, wuchs der US- amerikanische Einfluss in der Pazifikregion stetig. Folglich musste der Fußball mit typisch amerikanischen Sportarten wie Baseball, Hockey oder Basketball konkurrieren. Vor allem dem Baseballspiel gelang es, den Fußball weitgehend zu verdrängen. Erst in den letzten Jahren schaffte es der Fußball wieder, an Popularität zu gewinnen und konkurriert nun mit Baseball um den Platz der beliebtesten Sportart in Ostasien. Ausschlaggebend für die zunehmende Beliebtheit ist die starke Kommerzialisierung des Fußballs.[9] Seit 2002 gibt es in Ostasien die East Asian Football Federation (EAFF). Dies ist ein Fußballdachverband, vergleichbar mit der Union of European Football Associations (UEFA) in Europa. Die EAFF vereinigt insgesamt zehn Fußballverbände aus den Ländern VR China, Guam, Hongkong, Japan, Macao, Mongolei, Nordkorea, Südkorea, Taiwan und den Nördlichen Marianen. Seit 2003 trägt der Verband die Ostasienmeisterschaft in unregelmäßigen Abständen aus.[10]

3. Auf dem Weg zur Professionalisierung und die heutigen Strukturen

Da in Ostasien die Entwicklung des Fußball nach dessen Einführung durch die Briten in jedem Land unterschiedlich verlief, erfordert es jeweils einer gesonderten Betrachtung der einzelnen Länder. Grundsätzlich muss man sich der Tatsache bewusst sein, dass die Gründung von Profiligen (und einhergehender besserer fußballerischer Ausbildung) in Ostasien hauptsächlich der Stärkung der Nationalteams gilt. Nachfolgend werden in chronologischer Reihenfolge derjeweiligen Gründung die Länderligen näher erläutert.

3.1 Südkorea - Erste ostasiatische Profiliga: Die K-League

Das heutige Südkorea war schon Anfang des 20. Jahrhunderts ein fußballbegeistertes Land. Nach der Besetzung durch die Japaner wurde es zunehmend schwieriger, den Sport auf faire Art und Weise auszuüben. Für die olympischen Spiele 1936 in Berlin wurden nur zwei koreanischen Spieler für die japanische Nationalmannschaft nominiert (trotz sehr erfolgreicher koreanischer Stadtmannschaften, die mehrere länderübergreifende Wettbewerbe gewinnen konnten). Einen eigenständigen koreanischen Staat gab es zu dieser Zeit nicht. Im Jahr 1942 erließen die Japaner sogar die Abschaffung des koreanischen Fußballverbandes. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs und der Unabhängigkeit Koreas gründete sich 1945 die Korea Football Association (KFA). Auch nach der Trennung in zwei Staaten - Nordkorea und Südkorea - blieb die KFA als Fußballverband für Südkorea bestehen.1948 trat man schließlich der FIFA bei.[11]

Da sich Südkorea bis Ende der 1960er auch häufig für die Weltmeisterschaften qualifizieren konnte (Schweiz 1954, Chile 1962 und England 1966), aber anschließend über Jahre (erst wieder 1994 in den USA) hinweg die Qualifikation nicht mehr gelang, entschied man sich 1983 zur Gründung einer eigenen Profiliga. Die erste asiatische Profiliga startete unter dem Namen „Korean Super League“ und schickte nur zwei Profiteams sowie drei Amateurmannschaften in das Rennen um die Meisterschaft. In den folgenden Jahren wurde die Liga kontinuierlich aufgestockt (Stand 2010: 15 Mannschaften) und schließlich 1994 in „K-League“ umbenannt. Die Zuschauerzahlen pro Partie stiegen in den Stadien auf durchschnittlich 10.000.[12]

Annähernd jedes der späteren Profiteams agierte bereits vor der Ligagründung als semiprofessionelle Werksmannschaft. Es war nicht unüblich, dass Mitarbeiter einer Firma nur noch zum Fußball spielen abgestellt wurden und ihrer eigentlichen Tätigkeit nicht mehr nachgehen mussten. Aufgrund dieser starken Firmenbindung ergaben sich Vereinsnamen, wie die der „Jeonbuk Hyundai Motors“ und „Suwon Samsung Bluewings“, die beide noch in der aktuellen Saison in der К-League spielen. Problematisch wurde es bei einem Wechsel der Sponsoren. Es war kein Ausnahmefall, dass eine Mannschaft ihren Namen der Vorsaison ändern musste.[13] Ein extremerer Einschnitt der Vereine, bedeuteten die vereinzelten Umsiedlungen von kompletten Teams in ländliche Regionen. Da die Anzahl der Vereine in der Region um Seoul zu hoch war, beschloss man, einige Vereine in lokale Metropolen umzusiedeln. Eine Identifikation mit dem Verein war daher für südkoreanische Fans oft schwierig. Seit Ende der 1990er Jahre versucht man die Sponsoren aus den Vereinsnamen zu entfernen und das Abhängigkeitsverhältnis zu den Firmen zu lösen.[14]

3.2 Japan - Die J.League zieht nach

Erst zehn Jahre nachdem Südkorea die Profiliga eingeführt hatte, zog Japan nach und gründete 1993 die J.League. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde der Fußball im Wettkampfbereich (wie in Japan üblich) lediglich zwischen Schulen, Universitäten und Firmen ausgetragen (diesen war es aber bereits ab 1986 möglich, Spieler in den Profistatus zu erheben[15] ). Die Japan Football Association (JFA) wollte die Fußballkultur jedoch in einen lokalen Vereinsbereich integrieren um sie so fürjedermann zugänglich zu machen.[16] Die J.League versuchte bereits bei ihrem Start aus den Fehlern der К-League zu lernen. Bei ihrer Gründung stammte kein einziges der zehn Teams aus Tokio. Zentraler Gedanke

[...]


[1] Vgl.: goal.com (2010): Offiziell: Shinji Kagawa 'wechselt zu Borussia Dortmund. Online verfügbar unter: http://www.goal.com/de/news/968/transfermarkt/2010/05/11/1919226/offizien-shinji-kagawa-wechselt- zu-borussia-dortmund (zuletzt geprüft am 04.10.2010).

[2] Vgl.: kicker.de (2010): Kagawafliegt mit ans Kap. Online verfügbar unter: http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/525172/artikel_Kagawa-fliegt-mit-ans-Kap.html (zuletzt geprüft am 04.10.2010).

[3] Vgl.: Reschke, Jan (2010): BVB-StarKagawa: Das Super-Schnäppchen. Online verfügbar unter: http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,718320,00.html (zuletzt geprüft am 04.10.2010).

[4] Vgl.: goal.com (2010): Jong Tae Se trifft doppelt beim Bochum-Sieggegen I860 München. Online verfgübar unter: http://www.goal.com/de/news/831/2-liga/2010/08/23/2084505/jong-tae-se-trifft-doppelt- bei-bochum-sieg-gegen-1860 (zuletzt geprüft am 04.10.2010).

[5] Vgl.: Miller, Toby / Lawrence, Geoffrey / McKay, Jim / Rowe, David (2001): Globalization and sport. London: SAGE Publications Ltd, S. 64.

[6] Vgl.: fifa.com (2006): Fifa Big Count 2006: 270 Millionen Aktive im Fußball. Online verfügbar unter: http://de.fifa.com/aboutfifa/federation/administration/releases/newsid=529429.html (zuletzt geprüft am 11.10.2010).

[7] Vgl.: Horne, John / Manzenreiter, Wolfram (2007): Gefangen zwischen Kommerz und nationaler Politik? Der Aufstieg des Fußballs in Ostasien als Resultat globaler, nationaler und lokaler Prozesse, in: Mittag, Jürgen (Hrsg.): Das Spiel mit dem Fußball - Interessen, Projektionen und Vereinnahmungen. Essen: Klartext-Verlag, S. 266.

[8] Vgl.: Tomlinson, Alan (2005): Sport and leisure cultures. Minneapolis: University ofMinneapolis Press,

S. 131.

[9] Vgl.: Horne, John / Manzenreiter, Wolfram (2007): Gefangen zwischen Kommerz und nationaler Politik? Der Aufstieg des Fußballs in Ostasien als Resultat globaler, nationaler und lokaler Prozesse, S. 266.

[10] Vgl.: eaff.com(2010): lOFootball Associations. Online verfügbar unter: http://www.eaff.com/10fa/index.html (zuletzt geprüft am 06.10.2010).

[11] Vgl.: Jong-Young, Lee (2002): The development of football in Korea, in: Horne, John / Manzenreiter, Wolfram (Hrsg.): Japan, Korea and the 2002 World Cup. London: Routledge, S. 78 - 79.

[12] Vgl.: Cremer, Melanie / Embach, Carsten / Höft, Maike / Jürgens, Dirk / Thaler, Christian (2005): Markteintritt europäischer Fußballvereine in Asien: Chancen, Risiken und Handlungsempfehlungen, in: Wehrheim, Michael (Hrsg.): MarketingderFußballunternehmen. Sportmanagement undprofessionelle Vermarktung. Berlin: Erich Schmidt Verlag, S. 181.

[13] Vgl.: Horne, John / Manzenreiter, Wolfram (2007): Gefangen zwischen Kommerz und nationaler Politik? Der Aufstieg des Fußballs in Ostasien als Resultat globaler, nationaler und lokaler Prozesse, S.271.

[14] Vgl.: ebd., S. 276.

[15] Vgl.: Cremer, Melanie u.a. (2005): Markteintritt europäischer Fußballvereine in Asien: Chancen, Risiken undHandlungsempfehlungen, S. 178.

[16] Vgl.: Manzenreiter, Wolfram (2004): Japanese football and world sports: raising the global game in a local setting, in: Japan Forum 16/2, S. 293, (Online verfügbar unter: http://kenkyuu.jpn.univie.ac.at/fileadmm/STAFF_DIRECTORY/Manzenreiter/jf_worldsports.pdf- zuletzt geprüft am 07.10.2010).

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Der Aufstieg des Fußballs in Ostasien
Hochschule
Universität Passau
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V180133
ISBN (eBook)
9783656027423
ISBN (Buch)
9783656027225
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fußball, Politik, Asien, Thailand, Medien, China
Arbeit zitieren
Jacques Niedermeier (Autor), 2010, Der Aufstieg des Fußballs in Ostasien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180133

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