Eine ikonographische Analyse des Denkmals für die ermordeten Juden Europas als Ausdruck der Veränderung des kulturellen Gedächtnisses


Masterarbeit, 2009

131 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung
1.1. Fragestellung und Zielsetzung
1.2. Forschungsstand
1.3. Aufbau der Arbeit

II. Theoretischer Teil
11.1. Gedächtnistheorien
11.1.1. Das kollektive Gedächtnis nach Maurice Halbwachs
11.1.2. Das kulturelle Gedächtnis nach Jan Assmann
11.2. Erinnerung in den Modernen
11.2.1. Erinnerung in der ersten Moderne
Schweigen
Der Sieg des Sozialismus über den Faschismus
Konfrontation
Veränderung des Opferfokusses
11.2.2. Erinnerung in der Zweiten Moderne 3l
Universalisierungstendenzen durch Massenmedien 3l
Gedenken wider Willen
Gedenkstätten und Monumente als Spiegel der Gesellschaft

Nach der Wende
Zusammenfassung des Übergangs von der Ersten zur Zweiten Moderne 4l
11.3. Kunst und Gedächtnis, Kunst nach dem Holocaust
11.3.1. Wege zum Dekonstruktivismus
Konstruktivismus
Die Befreiung vom Ornament
11.3.2. Dekonstruktivismus
11.3.3. Herausforderungen der Architektur im digitalen
Zeitalter
Das Erhabene
Schwache Form
Architektur und Mensch
11.3.4. Eisenmans Begriffe für ein neues architektonisches
Zeitalter
Aura
Das Interstitielle
Schrift in der Architektur
Erinnerung und Dekonstruktion
11.3.5. Definition des Begriffes Denkmal
Das Denkmal als politische Ausdrucksform
Unterscheidung zwischen Denkmal und Mahnmal

III. Exemplarischer Teil
111.1. Entstehungsprozess des Denkmals für die ermordeten
Juden Europas
111.2. Die Auseinandersetzung mit dem architektonischen
Konzept im Rahmen des Wettbewerbes für ein Denkmal für die ermordeten Juden Europas 7l
111.2.1. Die verschiedenen Entwürfe zum Denkmal 7l
111.2.2. Eisenman und Serra 7l
111.2.3. Vergleichbare Entwürfe des engeren
Auswahlverfahrens l997/
Libeskind „Steinatem - Stonebreath"
Gerz „HISTORY HURTS"
111.2.4. Eisenman II
111.2.5. Eisenman III
111.2.6. Der Ort der Information
Der Raum der Dimensionen
Raum der Familien
Raum der Namen
Raum der Orte
Die Foyers
111.2.7. Welche Form von Erinnerungsarbeit findet im Ort
der Information statt?
111.3. Der Entstehungsprozess des Denkmals für die ermordeten Juden Europas im Hinblick auf die Interpretation von Erinnerungskultur
111.3.1. Aufgaben und Ziele des Denkmals für die
ermordeten Juden Europas
111.3.2. Die Widmung
111.4. Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas und das
kulturelle Gedächtnis der Deutschen
111.4.1. Identitätskonkretheit
111.4.2. Rekonstruktivität
111.4.3. Geformtheit
111.4.4. Organisiertheit
111.4.5. Verbindlichkeit
111.4.6. Reflexivität
111.4.7. Zusammenfassung
111.5. Abstraktion und Holocaust - Eisenmans Architekturtheorie angewendet auf das kulturelle Gedächtnis
111.5.1. Aura
111.5.2. Schrift und Spur
111.5.3. Abstraktion

IV. Schlussbetrachtung

V. Abstract

VI. Anhang
VI.1. Literaturverzeichnis
VI.2. Abbildungsverzeichnis
VI.3. Biografie Peter Eisenman
VI.4. Daten zum Denkmal

I. Einleitung

I.l. Fragestellung und Zielsetzung

In unmittelbarer Nähe von zwei der populärsten Plätze der deutschen Hauptstadt, dem Brandenburger Tor und dem Potsdamer Platz befindet sich auf einem weiten Platz eine große Anzahl von Betonpfeilern eng aneinander gestellt. Der interessierte Besucher von Berlin findet weder Bezeichnung noch Funktion des Pfeilerfeldes aus Beton. Dass es sich um das Denkmal für die ermordeten Juden Europas handelt, erfährt der Besucher erst am Eingang zur unterirdischen Ausstellung. Die vorliegende Arbeit wird die Entscheidung für dieses Denkmal untersuchen.

Die Untersuchung dient der Beantwortung der Frage, ob die Veränderung des kulturellen Gedächtnisses und der Erinnerungskultur in Deutschland gleichfalls eine Veränderung in der Formensprache der Architektur von Erinnerungsorten nach sich zog. Als Fallbeispiel dient das Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Es wird gezeigt, dass dieses exemplarisch für die Veränderung der deutschen Erinnerungskultur innerhalb der letzten 20 Jahre steht.

In dieser Arbeit wird dazu in einem methodischen Zweischritt verfahren. Auf einer dreifachen theoretischen Basis, bestehend aus Theorien des kulturellen Gedächtnisses, Architekturtheorie und historischer Kontextualisierung aufbauend, wird eine Fallstudie zum Denkmal für die ermordeten Juden Europas entwickelt.

Warum funktioniert Gedenken an einem abstrakten Ort wie dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas? Was sagt das Denkmal für die ermordeten Juden Europas also über die Erinnerung in der Gegenwart aus? Zur Analyse dieser Fragen werden die einschlägigen Theorien von Jan Assmann und Aleida Assmann, sowie Maurice Halbwachs herangezogen. Diese werden im theoretischen Teil expliziert. Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas wird auf dieser Basis auf Kohärenz mit Merkmalen des kollektiven und des kulturellen Gedächtnisses hin untersucht.

Erste wichtige Fragen zum Entstehungskontext sind: Wie wurde die Geschichte des Holocaust in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg wahrgenommen? Welche Modi des Umgangs mit dem Holocaust gab es in den Achtziger Jahren, als die Idee zur Denkmalsetzung entstand?

Wesentlich für die Klärung der Hauptfrage zur Verknüpfung von kulturellem Gedächtnis und Denkmal sind folgende Unterfragen:

Welches Verständnis hat Eisenman von der künstlerischen Umsetzbarkeit der Erinnerung an den Holocaust? Und auf welchen Theorien gründet sich sein Entwurf für das Denkmal für die ermordeten Juden Europas? Welche Auffassung hat der Architekt Peter Eisenman von einer „Architektur im digitalen Zeitalter"1 ? Wie wirken sich die Universalisierungstendenzen der Zweiten Moderne auf die Formensprache in der Architektur aus?

In diesem Zusammenhang ist auch eine Untersuchung vorhergehender Konzepte für das Denkmal unerlässlich. Zwei besonders aussagekräftige Entwürfe des ersten Wettbewerbes von Daniel Libeskind und Jochen Gerz für ein Denkmal für die ermordeten Juden Europas werden unter diesem Gesichtspunkt näher erläutert und in Bezug zu den Entwürfen von Peter Eisenman und Richard Serra gesetzt.

Den exemplarischen Hauptteil der Arbeit bildet die Analyse der geschaffenen und umgesetzten Möglichkeit eines Denkmals für die ermordeten Juden Europas, 60 Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges. Daher leitet sich eine zentrale Frage ab: Welche Veränderungen fanden innerhalb dieses Zeitraumes im kulturellen Gedächtnis der Deutschen statt? Die historische Kontextualisierung, welche im theoretischen Teil erfolgt, wird dazu wesentliche Anhaltspunkte liefern.

Bei der Betrachtung der Architektursprache ist es notwendig, zu untersuchen, welche ästhetischen Einflüsse auf das von Eisenman und Serra konzipierte Denkmal wirkten. Des Weiteren wird dargestellt, welche künstlerischen Mittel für Eisenman und Serra beim Entwurf des Denkmals eine Rolle gespielt haben. Denn die Form ist zentrales Element der Wirkung des Denkmals. Es wird untersucht, was die Besonderheit des vermeintlich abstrakten Denkmalkonzeptes von Eisenman ist.

Außerdem muss im Zusammenhang mit der Klärung der Frage nach den Einwirkungen der Erinnerungskultur auf das Konzept des Denkmals auch die Entstehung eines Orts der Information erläutert werden. Hier werden insbesondere die Konzeptionen der Ausstellungsgestalterin Dagmar von Wilcken kurz erläutert.

In der Schlussbetrachtung soll ersichtlich werden, welche Schnittmengen zwischen der Architektursprache des Denkmals und dem kulturellen Gedächtnis bestehen. Die Arbeit wird aufzeigen, ob und wie Gedenken im abstrakten Raum funktioniert. Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas wird dabei exemplarisch für eine Veränderung der Gedenkkultur in Deutschland stehen.

1.2. Forschungsstand

Einen wesentlichen Teil der vorliegenden Arbeit wird die Darstellung der Verknüpfung der ästhetischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, wie sie für das Denkmals prägend waren, einnehmen. Es war daher notwendig eine umfangreiche Materialsammlung durchzuarbeiten. Die Forschungslage wird nun knapp skizziert. Wesentliche Publikationen zum Denkmal für die ermordeten Juden sind beispielsweise erschienen von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas unter dem Titel: Materialien zum Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin 2005; weiterhin von Claus Leggewie und Erik Meyer („Ein Ort, an den man gerne geht", 2005), sowie von Holger Thünemann (Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, 2003).

Denkmalästhetische Entwicklungen zeigten unter anderem James E.

Young (Nach-Bilder des Holocaust, 2002; Formen des Erinnerns, 1997) und Mark Godfrey (Abstraction and the Holocaust, 2007) auf. Einschlägige Theorien zur Erinnerungskultur finden sich in den Werken von Jan Assmann (Das Kulturelle Gedächtnis, 1999) und Aleida Assmann (Erinnerungsräume, 2009; Der lange Schatten der Vergangenheit, 2007), sowie von Maurice Halbwachs (Das kollektive Gedächtnis, 1985). Eine erste Arbeit, die sich mit dem Zusammenhang zwischen Denkmalen und dem kulturellen Gedächtnis beschäftigt, wurde von Jochen Spielmann (Entwürfe zur Sinngebung des Sinnlosen, 1990) zum Denkmal für Auschwitz verfasst. Seine Analyse dient als wichtige Grundlage des exemplarischen Teils dieser Arbeit.

Daniel Levy und Natan Sznaider (Erinnerung im globalen Zeitalter, 2001) beschäftigen sich mit der Erinnerung an den Holocaust in den USA, Israel und der BRD. Sie prägen außerdem eine Neuformulierung des Moderne-Begriffs. Sie werden als wichtige Grundlage für diese Arbeit dienen.

Der Dekonstruktivismus als künstlerische Ausdrucksform wird unter anderem bei Philip Johnson und Mark Wigley (Dekonstruktivistische Architektur, 1988) ausführlich besprochen.

Peter Eisenman (Aura und Exzeß, 1995; Ins Leere geschrieben, 2005) verfasste die philosophischen Grundlagen seiner Architektur selbst. Sie bilden einen wichtigen Ausgangspunkt zum Verständnis seiner Architektur.

Kritisch anzumerken ist, dass das Werk von Richard Serra, der offenkundig an der Konzeption des Denkmals großen Anteil hatte, bisher zu geringe Beachtung in der Literatur zum Denkmal für die ermordeten Juden Europas findet. Sein ästhetischer Einfluss sollte in einer Arbeit größeren Maßstabes als der vorliegenden näher erforscht werden.

Wünschenswert wäre außerdem eine Auswertung der pädagogischen Arbeit am Denkmal für die ermordeten Juden Europas im Hinblick auf die Verknüpfung von Denkmalästhetik und kulturellem Gedächtnis. Die Workshops „Denkmal und Gedächtnis" und „Berlin als Erinnerungslandschaft"2, welche von Jochen Spielmann konzipiert wurden, greifen diese Verknüpfung bereits auf. Eine qualitative sozialwissenschaftlich fundierte Analyse der Workshops würde zu einer Erweiterung des hier behandelten Fokusses beitragen. Dies wurde in der vorliegenden Arbeit, zugunsten einer sinnvollen Beschränkung auf die genannten Fragestellungen, bewusst und in Rücksicht auf die Expertise der Autorin, ausgespart.3

1.3. Aufbau der Arbeit

Im Folgenden wird knapp die Struktur der Arbeit skizziert. Die Arbeit besteht aus zwei Hauptteilen: Einem theoretischen und einem exemplarischen Teil.

In dem theoretischen Teil werden grundsätzliche Begriffe zum Thema der Erinnerung und des Gedächtnisses geklärt. In erster Linie werden hier die Theorien von Maurice Halbwachs zum kollektiven Gedächtnis und von Jan Assmann zum kulturellen Gedächtnis besprochen.

Die Theorien dienen als Grundlage des Verständnisses von Gedenken und Gedächtnis und finden in der Analyse des Denkmals Anwendung. Der Begriff des Denk- bzw. Mahnmals wird außerdem näher erläutert. Weiterhin bilden die Theorien Peter Eisenmans eine wichtige Grundlage zum Verständnis der Formensprache des Denkmals. Da die Theorien zum Dekonstruktivismus wesentlich durch Jacques Derrida geprägt sind, finden auch dessen Gedanken zum Gedenken Eingang in den theoretischen Teil.

Wesentlich für das Verständnis der Veränderung des kulturellen Gedächtnisses sind historische Debatten und gesellschaftspolitische Ereignisse, welche in der Nachkriegszeit über die Erinnerung an den Holocaust stattfanden. Diese werden ebenso im theoretischen Teil besprochen.

Der exemplarische Teil widmet sich dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Die Entstehungsgeschichte wird kurz wider gegeben und das Denkmal sowie der Ort der Information beschrieben. Anschließend erfolgt die Darstellung des Zusammenhangs mit der deutschen Erinnerungskultur und die Rückbindung an die Theorien von Assmann und Halbwachs.

Abschließend werden wichtige Begriffe der Architekturtheorie Eisenmans und des Dekonstruktivismus auf das kulturelle Gedächtnis bezogen.

In der Schlussbetrachtung werden Ergebnisse der gesamten Arbeit nochmals diskutiert und die Bedeutung der neuen Denkmalkunst in Bezug auf das gesellschaftliche Erinnern an den Holocaust aufgezeigt.

II.Theoretischer Teil

11.1. Gedächtnistheorien

„Auf! Bauen wir uns eine Stadt und einen Turm, sein Haupt bis an den Himmel, und machen wir uns einen Namen, sonst werden wir zerstreut übers Antlitz der Erde!"4

Jan Assmann verwendet das oben genannte Bibelzitat in seinem Hauptwerk „Das kulturelle Gedächtnis". Er zieht Parallelen zum kollektiven Gedächtnis, welches von dem Soziologen Maurice Halbwachs eingehend untersucht wurde. Assmann spielt darauf an, das die Identität der Babylonier sich durch einen Riesenbau ausdrückte. Der Bau des Turms zu Babel ist für ihn Ausdruck einer ethnopolitischen Groß-Identität.

Ziel dieser Arbeit soll die Analyse der Identität sein, welche sich durch das Denkmal für die ermordeten Juden Europas manifestierte.

Mit den Theorien von Assmann und Halbwachs werden wichtige Grundlagen für eine derartige Analyse geschaffen.

11.1.1. Das kollektive Gedächtnis nach Maurice Halbwachs

Maurice Halbwachs hält bereits auf den ersten Seiten seiner Monographie zum „kollektiven Gedächtnis" fest, dass Erinnerung nicht notwendigerweise von Zeugen aufrechterhalten wird. Er geht von einem Kollektiv aus, das mehrere Teilstücke eines Ereignisses aufbewahrt. Durch das Zusammenfügen der einzelnen Teilstücke ergibt sich ein zusammenhängendes Bild des zu erinnernden Ereignisses. Personen, die an einem Ereignis beteiligt waren, müssen dieses nicht immer gleich erinnern. Die Perspektive des Erinnernden ist individuell.5 Geschehnisse können in der Erinnerung nachträglich verändert werden. Beispielweise geschah es häufig, im Zuge der Aufarbeitung des Holocaust in den Kriegsverbrecherprozessen, dass die deutschen Täter ihre Schuld leugneten oder falsche Angaben machten, um ihre Schuld abzumildern.

Innerhalb eines Kollektivs ist für Halbwachs wichtig, welchen Standpunkt das Individuum einnimmt. Es ist möglich, dass es dabei zu Diskontinuitäten zwischen den zu erinnernden Ereignissen und den einzelnen beteiligten Personen kommt. Das Bild der Vergangenheit ist beschränkt auf das selektive Wahrnehmen während des zu erinnernden Momentes in der Vergangenheit. Es wird nur das erinnert, was in einem Moment bewusst wahrgenommen wurde.6

Für Halbwachs ist außerdem die Unterscheidung zwischen innerem und äußerem Gedächtnis von zentraler Bedeutung. Historische Ereignisse, die durch Medien zugänglich sind, nehmen einen Platz im Gedächtnis der Nation ein. Wenn die Einzelperson nicht aktiv an diesen Ereignissen beteiligt war, so handelt es sich laut Halbwachs um ein äußeres, entliehenes, historisches Gedächtnis. Erinnerungen, die sich auf selbst erlebte Ereignisse beziehen, nennt Halbwachs inneres, autobiographisches Gedächtnis.7 Individuelles Gedächtnis

Historische Ereignisse sind darüber hinaus Unterteilungspunkte der kollektiven Zeit. Das Leben von Individuen orientiert sich an historischen Ereignissen und wird durch diese, oftmals gesamtgesellschaftlich relevanten Ereignisse, geprägt. Für die Deutschen ist der Holocaust eines der einschneidendsten Ereignisse ihrer Geschichte. Die Aufarbeitung seitens der Deutschen nimmt eine wichtige Rolle in der historisch-politischen Bildung beziehungsweise im historisch-politischen Bewusstsein ein. Halbwachs spricht davon, dass Menschen nachträglich verschiedenen Lebensphasen nationale Geschehnisse zugliedern. Obwohl die geschichtlichen Daten und Ereignisse einerseits fundierend für eine Gruppe sind, sind sie für das Individuum nur äußere Zeichen. Individuelles und kollektives Gedächtnis sind demnach voneinander zu trennen.8 Historische Daten oder Ereignisse nehmen nur Einfluss auf den Menschen, wenn sie bewusst wahrgenommen werden. Solange die Verarbeitung des Holocaust an Schulen, in der Politik, den Bildungseinrichtungen und historischen Forschungen andauert, wird der Holocaust auch einen Platz im individuellen Gedächtnis einnehmen.

Die bewusste Wahrnehmung zum Zeitpunkt des Geschehens beeinflusst das individuelle Gedächtnis maßgeblich. Die Zeugenschaft an einem Ereignis ist also prägend für das individuelle Gedächtnis. Hierbei schlägt die Autorin eine vierfache Untergliederung der Wahrnehmung des Ereignisses vor.

1. War die Person aktiv am Geschehen beteiligt, findet das Ereignis direkten Eingang in das individuelle Gedächtnis.
2. Wurde das Ereignis durch mediale Vermittlung (Radio oder Fernsehen) wahrgenommen, nimmt die Person das Ereignis direkt, aber gefiltert, wahr.
3. Erzählungen durch Personen, die aktiv an dem Ereignis beteiligt waren, können ebenso Aufschluss über ein Ereignis geben. Hierbei kann sich der Zuhörer einfühlen, erhält aber subjektive Informationen.

Dies ist bei der „Oral History" der Fall. Die Interviews mit Zeitzeugen des Holocaust ermöglichen dem Betrachter einen emotionalen Zugang zum Holocaust. Die „Oral History" ist ein Zeugnis der Gegenwart, welches in diese gegenwärtigen Entstehungsbedingungen eingebettet ist und von diesen bedingt sein kann. Sie wird auch als „Erfahrungsgeschichte" bezeichnet, weil es ihr um die Untersuchung von Verarbeitungsformen historischer Erlebnisse und die Veränderungen der Selbstdeutungen von Menschen in der Geschichte [geht]"9. Halbwachs spricht auch davon, dass Personen, die zu einer Zeit lebten, an der andere Personen nicht aktiv teilgenommen haben, für diese zu Vertretern des kollektiven Gedächtnisses dieser Zeit werden.

4. Nach Halbwachs lässt sich Geschichte im individuellen Gedächtnis auch durch historische Zeugnisse konstruieren.10 Ereignisse, die eine Person während ihres Lebens nicht bewusst wahrgenommen hat, können ihr individuelles Gedächtnis also indirekt beeinflussen. Die Ereignisse sind dann rational erfassbar, aber nicht immer emotional. Definition von Geschichte bei Halbwachs

Halbwachs definiert Geschichte nicht als chronologische Folge von Daten und Fakten. Für ihn ist Geschichte die Summe der Unterscheidungsmerkmale zwischen verschiedenen Epochen. Während die Geschichte an Objektivität und Fakten interessiert ist, konstruiert sich das kollektive Gedächtnis aus Erfahrungen von Gruppenmitgliedern. Das individuelle Gedächtnis ist Voraussetzung für das historische Gedächtnis. Halbwachs wählt als Beispiel das historische Bewusstsein eines Kindes, welches sich durch mündliche Überlieferungen formt, lange bevor es mit geschichtlichen Daten konfrontiert wird.11 Er sieht jedoch auch die Gefahr, dass historische Tatsachen durch diese Art von „Erfahrungsgeschichte", nach Art der „Oral History", überblendet werden. Führungen von Zeitzeugen an Gedenkstätten stellen die Besucher vor ein solches Problem. Die Differenzierung zwischen historischem Fakt und den Erlebnissen des Zeitzeugen sind nicht immer nachvollziehbar. Es besteht die Gefahr, dass von der Erzählung einer Einzelperson unangemessen auf den historischen Fakt geschlossen wird.

Die Vergangenheit, die über das soziale Umfeld weitergegeben wird, beeinflusst die persönlichen Erinnerungen. Halbwachs bezeichnet diese Vergangenheit auch als gelebte Erinnerung, welche stärker im (sozialen) Gedächtnis verankert ist als historisch vermittelte Vergangenheit.12

„Gelebte Geschichte verfügt über alles, was notwendig 1st, um einen lebendigen und natürlichen Rahmen zu bilden, auf den das Denken sich stützen kann, um das Bild seiner Vergangenheit zu bewahren und wiederzufinden."13

Ein Mensch erinnert sich, indem er, ausgehend von der Gegenwart, versucht die Vergangenheit zu rekonstruieren. Angeeignete historische Daten und Fakten verschmelzen dabei mit persönlichen Erinnerungen. Mit der „Personalisierung"14 der Geschichte erhält die Vergangenheit Eingang in die persönliche Erinnerung.15 Die Herstellung von Zusammenhängen zwischen geschichtlichen und biographischen Daten ermöglicht also einen einfacheren Zugang zur Vergangenheit. In der Geschichtsdidaktik von Museen wird diese Gegenüberstellung bereits erfolgreich angewendet.16

In dem Gedächtnis jedes Menschen existieren Lücken, die durch die Einbildungskraft ausgefüllt werden. Einige Teile der Erinnerung sind stärker ausgeprägt als andere. Die schwächeren Erinnerungen werden durch andere Personen des Kollektivs ergänzt.17

Für Maurice Halbwachs umfasst nationale Geschichte das Kollektiv der Bürger einer Nation. Wie oben bereits angeführt, können individuelle Ereignisse das historische Gedächtnis verdecken. Für das Individuum stellt sich die Schwierigkeit, dass die Berührungspunkte zwischen der nationalen Geschichte und den eigenen Erfahrungen zum Teil nicht explizit sind.18 Dieser Schwierigkeit versuchen Bildungseinrichtungen mit neuen Konzepten entgegen zu wirken. Einzelschicksale, wie das der Anne Frank, werden als Ausgangspunkt für ganze Ausstellungen genommen.19

Jeder Mensch ist Mitglied verschiedener Gruppen im Laufe seines Lebens. Jede dieser Gruppen hat wiederum ein eigenes kollektives Gedächtnis. Das kollektive Gedächtnis ist nicht gleichbedeutend mit Geschichte, es ist kein „historisches Gedächtnis". Die Geschichte beginnt für Halbwachs dort, wo die Tradition aufhört. Das Ende der Tradition bedeutet auch das Ende des sozialen Gedächtnisses einer Gruppe. Sprachforscher machen es sich beispielsweise zur Aufgabe, die letzten Sprecher einer aussterbenden Sprache zu dokumentieren, um deren Wissen und Tradition festzuhalten. Da die Sprache ein Mittel ist, um Traditionen zu weiterzugeben, ist deren Verlust auch mit dem Aussterben von Traditionen verbunden. Soziolinguisten und Philosophen sehen den Sprachverlust als Verlust einer Variante des Menschseins20.

Halbwachs bezeichnet das kollektive Gedächtnis als kontinuierliche Denkströmung. Das kollektive Gedächtnis erhält lebendige Erinnerungen, wozu unter anderem Traditionen und Riten zählen.

Das kollektive Gedächtnis erstreckt sich aber immer nur auf eine bestimmte Gruppe, die diese Erinnerungen teilt. Menschen sind meist Mitglieder mehrerer Gruppen und gehören damit auch mehreren kollektiven Gedächtnissen an.21 Ein Ereignis wie der Holocaust zerstört oder erschüttert die soziale Struktur einer Gesellschaft, in diesem Fall der Opfergruppen der nationalsozialistischen Verfolgung. Die Gruppe nimmt eine Unterbrechung ihrer Kontinuitätslinie an, die nun fortgesetzt werden soll. Im Fall der jüdischen Überlebenden des Holocaust ist von einer Umbruchssituation auszugehen. Halbwachs bezeichnet dies als Aufeinanderfolgen von zwei Perioden eines kulturellen Gedächtnisses. Hierbei muss betont werden, dass es keine klaren Trennungslinien innerhalb des kollektiven Gedächtnisses gibt, sondern nur unregelmäßige und unbestimmte Grenzen.22

Innerhalb der Geschichte gelten Vergangenheit und Gegenwart als zwei benachbarte historische Perioden. Wenn Träger des kollektiven Gedächtnisses verschwinden, also Mitglieder der Gruppe sterben, verschwinden auch Teile des Gedächtnisses. Halbwachs räumt jedoch die Möglichkeit ein, dass Teile der Gruppe die Erinnerung der verschiedenen Mitglieder weiter tragen können. Es ist darum nie absolut feststellbar, wann eine Erinnerung aus dem kollektiven Gedächtnis erloschen ist.23

Ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen dem kollektiven Gedächtnis und der Geschichte ist die scheinbare Einzigartigkeit der Geschichte im Gegensatz zur Pluralität der kollektiven Gedächtnisse.

Geschichtsschreibung betrachtet die Unterschiede der Ereignisse, während das kollektive Gedächtnis an den Ähnlichkeiten der Erlebnisse seiner Mitglieder interessiert ist. Historiker fassen die Merkmale kollektiver Entwicklungen zusammen und vergleichen diese miteinander.24 Sie sind Beobachter, die an den Wandlungen innerhalb der Geschichte interessiert sind.25

II.1.2. Das kulturelle Gedächtnis nach Jan Assmann

Jochen Spielmann, Kunsthistoriker und Pädagoge, verfasste 1990 eine Arbeit über die Relevanz des kulturellen Gedächtnisses im Zusammenhang mit der Entstehung der Gedenkstätte in Auschwitz. Darin macht er die Konjunktur der Vergangenheitsbewältigung in den 1980er Jahren, gerade im Rahmen des Historikerstreits (siehe unten), deutlich.26 Die Verankerung des Holocaust im kulturellen Gedächtnis Deutschlands muss heute, nach dem Bau des Denkmals für die ermordeten Juden Europas, wiederum neu verhandelt werden. Innerhalb der deutschen Gesellschaft geht es inzwischen weniger um die Frage, ob die Deutschen des Holocausts gedenken sollen, sondern in welcher Form, also wie, sie dies tun sollen. Um dieser Annahme eine Basis zu geben, werden nachfolgend die Thesen Jan Assmanns zusammengefasst. Formen kollektiver Erinnerung

Was bei Maurice Halbwachs der Sprung zwischen den verschiedenen Perioden des Gedächtnisses einer Gruppe war, wird bei Jan Assmann als Genealogie bezeichnet. Seiner Meinung nach gibt es keine Lücke (floating gap) zwischen zwei Ebenen der Vergangenheit. Die Genealogie (Ahnenforschung) überbrückt den Sprung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, indem sie die Gegenwart durch die Vergangenheit legitimiert.27

Jan Assmann spricht weiterhin von einem kommunikativen und einem Generationen-Gedächtnis. Innerhalb des kommunikativen Gedächtnisses werden Erinnerungen weitergegeben oder ausgetauscht, die sich auf die jüngere Vergangenheit beziehen. Es sind demnach Erinnerungen, die der Mensch mit seiner Generation, seinen Zeitgenossen teilt.28

Das Generationen-Gedächtnis ist an eine Gruppe, eine Generation gebunden. Solange diese besteht, wächst das Gedächtnis der Gruppe - ebenso vergeht es mit dem Verschwinden der Gruppe.

Jan Assmann weist auf die bimodale Funktionalität des kollektiven Gedächtnisses hin. Es bildet zwei Formen der Erinnerung aus: die fundierende Erinnerung und die biographische Erinnerung.

Die fundierende Erinnerung steht in engerem Zusammenhang mit dem kollektiven Gedächtnis, denn es bezieht sich auf Rituale und Mythen. Assmann fasst es begrifflich unter festen Objektivationen sprachlicher und nichtsprachlicher Art [...]"29 zusammen. Sie stützen die Identität einer Gruppe mittels Zeichen- und Symbolsystemen.

Die zweite Funktion des kulturellen Gedächtnisses ist die biographische Erinnerung. Diese beruht auf sozialer Interaktion und wächst kontinuierlich. Bezogen auf Maurice Halbwachs lässt sich hier auch vom individuellen Gedächtnis sprechen, das eng mit der Persönlichkeit eines Menschen korrespondiert.30

Das kulturelle Gedächtnis ist die institutionalisierte Mnemotechnik. Sie orientiert sich an prägnanten Ereignissen in der Vergangenheit. In der Geschichte eines Volkes sind diese Fixpunkte historische Daten, während es sich im Volksglauben um Mythen handelt. Da Mythen ebenfalls Erinnerungsfiguren sind, existiert der Unterschied zwischen Mythos und Geschichte im kulturellen Gedächtnis nicht.

Durch die Erinnerung wird die Geschichte zum Mythos. Der Mythos kann auch als eine Art fundierende Geschichte bezeichnet werden. Er kann eine legitimierende Funktion für ein Volk übernehmen.31

Während das kommunikative Gedächtnis Erinnerungen des Alltäglichen festhält, ist das kulturelle Gedächtnis Träger des Festaktes. Da das Wissen einer Gesellschaft von Spracherwerb und Alltagskommunikation abhängig ist, ist die Teilhabe am kommunikativen Gedächtnis diffus. Die Teilhabe am kulturellen Gedächtnis hingegen ist differenziert. Jan Assmann spricht hier von Wissensbevollmächtigten wie Priestern oder Lehrern, welche an erster Stelle in der Wissensverbreitung agieren. Sie können auch als Kontrollorgane des kulturellen Gedächtnisses bezeichnet werden.32

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich die kollektive Erinnerung in zwei Dimensionen aufspaltet. Erstens die Zeitdimension, da der Alltag und auch die hervorragenden Ereignisse sich je auf einen bestimmten Zeitpunkt und einen Zeitraum beschränken. Zweitens existiert eine Sozialdimension, die einerseits die oben erwähnten Wissensbevollmächtigen und andererseits die Allgemeinheit der Gruppe umfasst. Wenn keine Verschriftlichung des Wissens vorhanden ist, dann kann das identitätssichernde Wissen der Gruppe in einem menschlichen Gedächtnis gespeichert werden, zum Beispiel in der Person des Lehrers oder des Priesters. Assmann spricht diesem menschlichen Gedächtnis drei Funktionen zu: Speicherung, Abrufung und Mitteilung. Beispielsweise speichert ein Priester zunächst religiöses Wissen und teilt dieses durch die Predigt der Gemeinde mit. Die Predigt als Ritus stellt dabei das abzurufende Moment dar.33

Was das kulturelle Gedächtnis wesentlich vom kommunikativen Gedächtnis unterscheidet, ist sein Potential den Menschen zu ihrer Alltagsdimension eine zweite Dimension hinzu zu fügen. Assmann bezeichnet diese als „Dimension der Negationen und Potentlalltäten”34. Sie negiert die Alltagswelt, indem sie ihr einen Ritus an einem festgesetzten Termin mit einem exklusiven Status entgegensetzt. Im Gegensatz zum kommunikativen Gedächtnis besitzen die Anlässe des kulturellen Gedächtnisses eine „Geformthelt und Zeremonlalltät"35.

Das kulturelle Gedächtnis braucht außerdem feste Orte, an denen es sich festmacht. Für Assmann ist das ursprünglichste Medium der Mnemotechnik die Verräumlichung. Wenn Assmann von Erinnerungsräumen oder Gedächtnisorten spricht, meint er damit nicht nur die Denkmale und Gedenkstätten. Es handelt sich vielmehr, gerade auch im Sinne der Mnemotechnik, um gedankliche Erinnerungsräume. Jedes Ereignis nimmt einen bestimmten Raum in unserer persönlichen Erinnerung ein. Außerhalb des individuellen Gedächtnisses arbeitet die Erinnerungskultur mit Zeichensetzungen im natürlichen Raum. Ganze Landschaften können dabei als Medium des kulturellen Gedächtnisses dienen.36 Es wäre durchaus möglich, das Denkmalgelände des Denkmals für die ermordeten Juden Europas (die ehemaligen Ministergärten) als Erinnerungslandschaft zu bezeichnen, da es verschiedene historisch und politisch wichtige Epochen in seiner Architektur vereint37. Nach Aussage von Assmann werden diese Landschaften nicht durch Denkmale akzentuiert, sondern als Gesamtkonstrukt in den Rang eines Zeichens erhoben, das heißt semiotisiert. Assmann spricht in diesem Zusammenhang auch von topographischen Texten des kulturellen Gedächtnisses38.

Optionen des kulturellen Gedächtnisses

Assmann geht im weiteren Verlauf seiner Ausführungen der Frage auf den Grund, woher das historische Bewusstsein erwächst. Er geht dabei von „Quietiven" und „Inzentiven" der geschichtlichen Erinnerung aus. Während die Quietive die geschichtliche Erinnerung blockieren, sind die Inzentive die antreibenden Faktoren der Erinnerung. Dabei ist davon auszugehen, dass der Antrieb für ein Interesse an der Vergangenheit in erster Linie nicht „historisch" ist, sondern der Legitimation dient. Beispiel wären auch hier die Genealogien.

Jan Assmann differenziert die Begriffe der „kalten" und „heißen" Gesellschaft nach Claude Lévi-Strauss. Er begreift nicht ganze Gesellschaften als „heiß" oder „kalt", sondern nur Elemente von Gesellschaften. Die Quietive, also die „kalten" Elemente, hemmen den Wandel und haben ihren Sinn in der Kontinuität. Es handelt sich dabei um Institutionalisierungen wie das Sonntagsgebet in der katholischen Kirche oder der Schabbat der Juden. Die Inzentive als „heiße" Elemente haben ihren „Motor" in einem einmaligen Ereignis, welches der Gesellschaft einen Veränderungsimpuls bieten kann.39 Herrschaft ist für Assmann das Inzentiv der Erinnerung. Dabei wird die Besonderheit einer Einzelperson im Gedächtnis der Gruppe festgehalten. Der Staat schafft immer auch die Rahmenbedingungen sozialer Erinnerung.40 Das Inzentiv der staatlich organisierten Kulturen ist das Streben der Beherrschten nach Wandel, nach Veränderung ihrer wirtschaftlichen Lage, ihrer sozialen Stellung. Assmann geht hier nicht von demokratisch organisierten Staatsgebilden, sondern eher von monarchischen oder totalitären Strukturen aus. Wenn die Beherrschten, die Untertanen, die erinnernden Momente sind, so tendiert der Herrscher eher zum Vergessen. Kein Ereignis, das seine Macht in Frage stellt, soll erinnert werden. Diese Form der Erinnerung bezeichnet Assmann als „kaltes Gedächtnis"41 und ordnet diesem die Annalen und Königslisten zu. Sie präsentieren eine Geschichte, in der sich scheinbar nichts verändert hat. Die Geschichte wird damit ihrer Zeichen entledigt, sie wird entsemiotisiert.42

Die Mythologie hingegen ist laut Assmann die Zeit des Werdens und der Veränderung:

„Erinnerung, im Sinne verinnerlichter Vergangenheit, bezieht sich auf die mythische, nicht auf die historische Zeit; denn nur die mythische Zeit ist die Zeit des Werdens, während die historische Zeit nichts anderes als die Fortdauer des Gewordenen ist."43

Wie eingangs aufgeführt, entsteht ein Mythos immer als ein fundierendes Element einer Gesellschaft. Assmann führt als Beispiel den Exodus-Mythos44 der Juden auf. Der Auszug aus Ägypten ist noch heute im Pessach-Fest der Juden verankert, welches die Befreiung und den Beginn der Geschichte des jüdischen Volkes bedeutet. Verinnerlichte und damit erinnerte Vergangenheit drückt sich in der Erzählung, zu der auch der Mythos zählt, aus. Sie trägt zur Entwicklung oder Kontinuität des Umgangs mit Vergangenheit bei.45 Ein in Israel und Deutschland unterschiedlich interpretiertes Ereignis ist der europäische Holocaust. Der Holocaust wird innerhalb der deutschen Gesellschaft nicht als Mythos, sondern als historische Tatsache verstanden. In Israel hingegen dient der Holocaust darüber hinaus als Legitimierung des Staates und als Orientierung für die Israelis.46 Erinnerung hat in diesem Zusammenhang nichts mit Geschichtswissenschaft gemein, sondern besitzt vielmehr eine soziale Funktion. Die Erinnerung an den Holocaust, an das Überleben bezeichnet Jan Assmann als „Mythomotor"47 der Israelis.48 Es existieren zwei Funktionen des Mythos. Erstens hat dieser eine „fundierende" Funktion. Die Gegenwart wird dabei aus historischen Ereignissen hergeleitet und legitimiert, wie bei dem oben beschriebenen Exodus-Mythos, der sich in jüdischen Festtagen widerspiegelt. Geschichte erfüllt bei der „fundierenden" Funktion eine gottgewollte und unabänderliche Funktion.

Zweitens wird von der „kontrapräsentischen" Funktion des Mythos gesprochen. Hierbei wird die Defizienzerfahrung der Vergangenheit betont. In der Erinnerung der Gruppe überwiegt die Trauer um das Verlorene, das Verschwundene. Im kulturellen Gedächtnis der Gruppe wird der Bruch zwischen Vergangenheit und Gegenwart bewusst gemacht. Die Bedeutung der Gegenwart wird der Bedeutung der Vergangenheit in diesem Fall sogar untergeordnet. Assmann geht davon aus, dass extreme Defizienzerfahrungen die kontrapräsentische Mythomotorik in revolutionäre Bewegungen umschlagen lassen.

Die zwei Funktionen des Mythos schließen sich nicht gegenseitig aus. Es ist möglich, dass eine Gruppe mehrere Mythen als fundierende und identitätsstiftende Momente besitzt. Es ist aber auch möglich, dass ein Mythos beide Funktionen für die Gruppe in sich vereint.

In den Untersuchungen von Assmann wird der Religion eine bedeutende Funktion im kulturellen Gedächtnis zugeordnet. Die Religion präsentiert für Assmann die Ungleichzeitigkeit, weil sie durch ständige Wiederholung und Erinnern fortbesteht. Diese Art von Ungleichzeitigkeit bildet auch das Fundament des kulturellen Gedächtnisses. Die Zweizeitigkeit scheint für Assmann jedoch ein Zeichen vergangener Kulturepochen zu sein. Dem Alltag ordnet er die Tendenz zur Eindimensionalität zu, da dieser zur Schablonisierung und Routinisierung neigt. Dadurch, dass der Mensch in dieser Art von Routine verfährt, ist es ihm möglich, sich innerhalb der Vielfalt der Anforderungen, die an ihn gestellt werden, zu orientieren und zu handeln. Das kulturelle Gedächtnis wird aus dem Alltag nicht ausgeschlossen, es bildet einen notwendigen Hintergrund für diesen.49

Der Identitätsbegriff nach Assmann

Identität ist ein soziales Phänomen. Die einzelne Person grenzt sich mit ihrer Identität von anderen Mitgliedern der Gruppe ab. Gleichzeitig besitzt eine Gruppe eine Identität, die die einzelnen Mitglieder einer Gruppe miteinander verbindet. Assmann bezeichnet dies als Dialektik von Dependenz und Konstitution. Die Mitglieder einer Gruppe teilen mindestens ein Merkmal ihrer Identität. Dieses Merkmal bildet die Grundlage der Gruppenidentität.50

Das individuelle Bewusstsein ist grundsätzlich auch soziogen, weil es sich im Laufe des Lebens durch äußere Einflüsse formt. Die Sozialisation einer Person ist entscheidend für die Ausbildung ihrer Identität. Gleichzeitig fließt das Bewusstsein der Individuen in die Gemeinschaft ein und formt diese. Die Gemeinschaft ist Träger des kollektiven Selbstbildes.51

Assmann geht von weit zurückreichenden Ereignissen aus, welche das Bewusstsein einer Gruppe für ihre Identität formen. Die Vorstellung von Gemeinschaft beruht auf der Vorstellung einer Kontinuität. Das Verlassen dieser Kontinuität ist für das Individuum zumeist ohne schwerwiegende Folgen. Die Aufgabe oder der Verlust der Ich- Identität52 kann für das Individuum hingegen höchst schädliche Folgen nach sich ziehen. Da die Identität die Person ausmacht, führt dieser Verlust auch zur Orientierungslosigkeit innerhalb der bestehenden gesellschaftlichen Strukturen.53

Kultur und Gesellschaft sind als Bedingungen des Menschseins zu begreifen. Die kollektive Identität markiert die gesellschaftliche Zugehörigkeit. Assmann beschreibt sogar den Eremiten in Abhängigkeit zur Gesellschaft, indem er sie negiert, sich also gegen sie absetzt. Die Gesellschaft ist also auch unabdingbar für die Formung der Identität des Eremiten.54

Während die kollektive Identität die Zuordnung zur Gesellschaft ausmacht, ist die kulturelle Identität ausschlaggebend für die Zuordnung zu einer Kultur. Assmann spricht auch von einer anthropologischen Reflexivität. Der Umgang mit anderen Menschen prägt unsere eigene Persönlichkeit. Menschen formen ihre Identität, indem sie sich in Bezug zu anderen Menschen setzen.55 Kultur ist eine symbolische Sinnwelt, durch die dem Menschen die Welt vermittelt wird und sie so für ihn bewohnbar macht.56

Grundstrukturen kollektiver Identität

Wie bereits Maurice Halbwachs verwendet auch Jan Assmann das Beispiel des Turmbaus zu Babel. Die Bauherren verbindet zunächst das gemeinsame Projekt des Turmbaus. Als ihnen jedoch die Möglichkeit zur Kommunikation abhanden kommt, ist auch das Projekt nicht mehr realisierbar. Die Kultur, die die Gruppe vormals einte, hat sich zu stark binnendifferenziert, was zur Spaltung des Kollektivs führte.57 Eine Gefahr, die bei der starken Verfestigung einer Gruppenidentität entsteht, ist die Fremdheit, die sie bei Außenstehenden erzeugt.

„Kulturell Induzierte Fremdheit kann sich bis zu Xenophobie, Völkerhaß und Vernichtungskrieg steigern. Auch diese Ambivalenz gehört zur Phänomenologie des kulturellen Gedächtnisses. Liebe und Haß sind zwei Seiten derselben gruppenbildenden Grundfunktion."58

Der seit Jahrtausenden verbreitete Antisemitismus ist nur ein Beispiel für die Fremdheit von der Assmann hier spricht.59 Er spricht jedoch auch von einer besonderen Integrationskraft der Juden, die durch deren „Distinktivität" zustande kommt. Die heimatlosen Juden haben gewissermaßen durch das Bewusstsein ihres „Auserwähltseins" die Integration in eine andere Ethnie geleistet.

Wenn sich eine Kultur (zum Beispiel die jüdische Kultur) innerhalb einer Kultur bewegt, sich jedoch gegen diese durch Bräuche und äußere Merkmale abgrenzt, spricht man von einer „limitischen Struktur". Es existiert eine Grenze zur anderen Kultur, aber diese ist nicht territorial gesetzt.60

Die Persistenz von ethnischer Identität schreibt Assmann dem kulturellen Gedächtnis und dessen Organisationsform zu. Dem Untergang von Ethnien geht schrittweises kulturelles und kollektives Vergessen voran. Im Fall des Holocaust handelt es sich hingegen um physische Auslöschung von Ethnien. Assmann geht jedoch davon aus, dass eine Ethnie, solange sie im kulturellen Gedächtnis weitergetragen wird, nicht untergeht. Als das Mittel, welches einer Ethnie besondere Persistenz verleiht, wurde die Religion erkannt.61

II.2. Erinnerung in den Modernen

II.2.1. Erinnerung in der ersten Moderne

Daniel Levy und Natan Sznaider gliedern die europäische

Erinnerungskultur in die Erste und Zweite Moderne. Sie gehen dabei in erster Linie auf die Erinnerungspolitik der BRD ein. Die DDR wird nicht berücksichtigt, kann aber im Sinne einer gesamtdeutschen Geschichtsaufarbeitung an dieser Stelle nicht ignoriert werden und wird ergänzend behandelt.

Den Übergang von der ersten zur Zweiten Moderne markieren einerseits die Auseinandersetzung mit der eigenen Schuld der Deutschen und die Fokussierung der Opfer. In diesem Kapitel werden diese wichtigen Markierungspunkte der Erinnerungsarbeit der Deutschen expliziert. Es wird eine punktuelle Analyse der Nachkriegsjahrzehnte vorgenommen. Der Fokus dieser Arbeit muss in den 80 und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts, sowie dem beginnenden 21. Jahrhundert liegen, da dies der Zeitraum der Debatte um das entstehende Denkmal ist. Da die

Erinnerungskultur der Ersten Moderne jedoch das Fundament der Erinnerungskultur der Zweiten Moderne bildet, dienen die folgenden Ausführungen dem besseren Verständnis der Analyse.

Schweigen

„In den 50er Jahren hat sich die deutsche Gesellschaft vor allem mit sich selbst beschäftigt. Deutsche Gesellschaft meint in diesem Sinne die Restgesellschaft dieser postnationalsozialistischen ,Volksgemeinschaft' . Das heißt also Deutschland ohne diejenigen, die die Deutschen aus dieser ,Volksgemeinschaft' in der NS-Zeit hinausgedrängt und hinausgedacht haben. Diese Selbstbezogenheit ist die Generalerklärung dafür, dass in der Tat der Mord an den europäischen Juden und die anderen nationalsozialistischen Verbrechen damals weitgehend aus dem Blick geraten sind. Man hat versucht, gegen das Gefühl einer übermächtigen Schuld sich selbst als Opfer zu begreifen und auch zu dokumentieren."62

Sowohl die Historiker Daniel Levy und Natan Sznaider als auch der Historiker Norbert Frei63 machen deutlich, dass es in den 1950er Jahren noch keine Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen wie in dem späteren Umfang geben konnte. Die Deutschen waren mit der Aufarbeitung ihrer eigenen Verluste und auch der Neukonstruktion eines demokratischen Staates, der Bundesrepublik Deutschland, beschäftigt. Der Fokus der Deutschen lag zunächst auf ihrer eigenen Opferrolle und nicht auf den Opfern des Nationalsozialismus. Der Begriff „Holocaust" existierte in dieser Zeit noch nicht. Es gab keinen Namen für die Verbrechen und somit auch nicht das Bewusstsein für die Singularität dieses Verbrechens.64 Norbert Frei macht auch deutlich, dass die Medien in den 50er und 60er Jahren ebenfalls die Opfermentalität transportieren. Es wird das Bild der Fremdbeherrschung durch die Nationalsozialisten vermittelt. Die ersten Konfrontationen erfolgten durch die Alliierten, welche Dokumentarfilme über die Befreiung der Konzentrationslager nutzten, um Bildungsarbeit zu leisten. Dies stieß jedoch in breiten Teilen der Bevölkerung auf Gegenwehr. Das Tagebuch der Anne Frank galt daraufhin als adäquate abgemilderte Form der Auseinandersetzung.65

Levy und Sznaider vertreten den Standpunkt, dass das Schweigen der Nachkriegszeit erst zur Demokratisierung Westdeutschlands beigetragen hat. Die fehlende Auseinandersetzung mit den jüdischen Holocaustopfern machte es für die Bürger der Bundesrepublik möglich, neue kulturelle Grundlagen zu schaffen und eine „Normalisierung" des Alltags zu erreichen.66

Der Sieg des Sozialismus über den Faschismus

Im Gegensatz zur BRD begriff sich die DDR nicht als Nachfolgestaat des Dritten Reiches. Die gesamte Erinnerungskultur der DDR stand im Zeichen des antifaschistischen Kampfes. Dies hatte vor allem zur Folge, dass die DDR-Bürger nicht mit einer Kollektivschuld belastet waren. Die DDR wurde als Staat von Widerstandskämpfern heroisiert. Buchenwald wurde bereits 1958 als erste Gedenkstätte eröffnet. Es diente der FDJ zum obligatorischen Besuch innerhalb des Geschichtsunterrichts oder der NVA zum Ableisten des Fahneneids. Als Erinnerungsort für Individualbesucher etablierte es sich erst mit der Änderung der Erinnerung an den Holocaust in der Zweiten Moderne.67

Der Nationalsozialismus wurde von Geschichtswissenschaftlern der DDR umfangreich aufgearbeitet, das Leid der europäischen Juden jedoch ausgeklammert. In erster Linie wurde das Leid der sowjetischen Kriegsgefangenen und der antifaschistischen Widerstandskämpfer, welche dem Faschismus zum Opfer gefallen waren, fokussiert. Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden wurde lediglich als bloßes Instrument zur Spaltung und Verwirrung der Arbeiterklasse interpretiert, welches von den faschistischen Machthabern zur bewussten Ablenkung vom Klassenkampf eingesetzt wurde."68.

Nach der Eröffnung der Gedenkstätte Buchenwald folgten in den 1960er Jahren die Gedenkstätten Ravensbrück, Sachsenhausen und Mittelbau­Dora. Hier wurden regelmäßig staatliche Gedenkveranstaltungen durchgeführt. Diese waren stark ritualisiert und wurden im Gedenken aller Opfer des Faschismus abgehalten. Einerseits wurde durch die Gedenkveranstaltungen an authentischen Vernichtungsorten eine große Öffentlichkeit erreicht.69 Andererseits wurde ein wesentliches Ziel der nationalsozialistischen Politik - die Ausrottung des jüdischen Volkes - durch die mangelnde Differenzierung der Opfer nicht angemessen dargestellt und damit verharmlost.

Konfrontation

In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts nahm die Konfrontation der Kinder der Kriegsgeneration mit ihren Eltern zu. Der Auschwitz­Prozess, der ab 1965 mit einer Dauer von 20 Monaten geführt wurde, kann als einer der wichtigsten Wendepunkte in der Geschichte der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit gelten. Norbert Frei macht deutlich, dass mit dem Beginn des Prozesses die fortwährende Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Nationalsozialisten begann. Er weist dem Prozess eine Zäsurbedeutung zu.70

Trotz der einsetzenden Konfrontation mit den Verbrechen ist festzuhalten, dass es sich um eine „institutionalisierte Strategie der Versöhnung"71, nicht um eine breite gesellschaftliche Beschäftigung mit dem Holocaust handelte. Die institutionalisierte Strategie könnte auch als die passive Form der Demokratisierung begriffen werden, da die Bewältigung der im Namen Deutschlands begangenen Verbrechen in die Hände des deutschen Rechtsstaates gelegt wird. Die kulturelle Strategie hingegen beinhaltet die aktive Auseinandersetzung der deutschen Bürger mit ihrer Schuld, zum Beispiel in Form von Errichtung von Gedenkstätten.

Veränderung des Opferfokusses

Levy und Sznaider sehen die Verankerung des Holocaust im kollektiven Gedächtnis der Deutschen erst in den 1970er Jahren.

Erinnerungsformen wie die Gedenkstättenarbeit finden erst in diesem Jahrzehnt statt. Mit Willy Brandt, der ab 1969 Bundeskanzler war, entwickelt sich der Holocaust zum Maßstab eines neuen demokratischen Selbstverständnisses der Bundesrepublik."72 Insbesondere der „Kniefall" vor dem Ehrenmal der Toten des Warschauer Ghettos im Jahr 1970 läutete den Wandel von der institutionellen zur kulturellen Strategie der Demokratisierung des Gedenkens mit Fokussierung der jüdischen und polnischen Opfer ein.

Im selben Jahr fand auch die erste offizielle parlamentarische Gedenkfeier zum Ende des Zweiten Weltkrieges statt.73 Außerdem wichtig im Hinblick auf die Konfrontation mit den Verbrechen der Nationalsozialisten sind mehrere Debatten um die Verjährung der Verbrechen, die sich von 1965 bis 1979 erstreckten. Die Verjährungsfrist war in der deutschen Rechtssprechung auf 20 Jahre ausgelegt. Dies implizierte, dass „Hauptbeschuldigte, gegen die eine Unterbrechung der Verjährung deshalb nicht möglich war, weil man ihre Taten noch nicht kannte, nach dem 8. Mai 1965 sicher vor Strafverfolgung aus dem Untergrund oder dem Ausland wieder auftauchen konnten."74 Die Abgeordneten des Bundestages hielten diese Tatsache für unhaltbar. Ein neuer Beschluss legte darum fest, dass der Berechnungszeitraum erst bei 1950 ansetze, da erst ab diesem Zeitpunkt eine uneingeschränkte deutsche Gerichtsbarkeit, insbesondere für NS-Verbrechen, gegeben sei.

Die Aufarbeitung förderte jedoch weiteres belastendes Beweismaterial aus ausländischen Archiven zutage, welches den Bundestag zu einer Verlängerung der Verjährungsfrist um weitere zehn Jahre veranlasste. Letztlich wurde 1979 beschlossen, die Verjährungsfrist aufzuheben, da erstens weiteres Material aus den Archiven der DDR und der UdSSR erschlossen werden konnte und zweitens „weiteres unbekanntes Material zu erwarten war"75.

Gerade in den Debatten um die Verjährungsfrist wird eine Bereitschaft der Regierung der Bundesrepublik und später auch der DDR deutlich, die nationalsozialistischen Verbrecher ihrer gesetzlichen Bestrafung zuzuführen. Da Verbrechen nur in dem Rahmen der in der Zeit der Verübung geltenden Rechtsbedingungen76 gesühnt werden können, kann nicht in den heutigen Maßstäben der Vergeltung gedacht werden. Ein Gesetz hinsichtlich des Völkermordes existierte erst seit 1954, resultierend aus den Erfahrungen des Dritten Reiches.77 Die Angeklagten des Auschwitz-Prozesses wurden nach den Gesetzen des NS-Staates verurteilt und erhielten Strafen, die von Freisprüchen bis zu lebenslänglicher Haft reichten78.

Im Jahr 1979, dem Ende der Verjährungsfrist, wurde die US- amerikanische Serie „Holocaust" im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Dies führte einerseits zu einer Etablierung des bis dahin kaum geläufigen Begriffes „Holocaust" und einer wesentlich stärkeren emotionalen Auseinandersetzung mit dem Schicksal der jüdischen Opfer. Die deutsche Perspektive öffnete sich vom Völkermord hin zum Individuum. Denn auch wenn die Täter nur für Individualstraftaten belangt werden konnten, bedeutete die neue Fokussierung auf das Schicksal einzelner jüdischer Opfer eine erneute Wende im kulturellen und kollektiven Gedächtnis:

„Tatsächlich erscheint die vierteilige Sendung über die Familienschicksale zweier deutscher Familien, einer jüdischen und einer nationalsozialistischen, aus heutiger Sicht als Schlüsselereignis, nicht nur im Hinblick auf ihre begriffsprägende Kraft. Das inzwischen längst auch in Deutschland etablierte Narrativ, das den industriellen Massenmord an den Juden als ,Zivilisationsbruch' (Dan Diner) ins Zentrum der Erinnerungskultur rückt, artikuliert sich hier zum ersten Mal mit aller Wucht. Denn in der Erinnerungskultur war am Anfang eben nicht ,Auschwitz' oder ,Holocaust', sondern viel eher der Krieg - und das gilt zunächst für seine Gewinner nicht anders als für die Verlierer."79

Daniel Levy und Natan Sznaider bestätigen in ihrem Werk „Erinnerung im globalen Zeitalter: Der Holocaust" jene Perspektive eines Bruchs oder Wechsels, der innerhalb der Gedenkkultur mit der Erinnerung an den Holocaust stattgefunden hat. Sie bezeichnen diesen Bruch als Übergang zwischen der Ersten und Zweiten Moderne. Im folgenden Kapitel soll auf diesen Übergang und die daraus erwachsene Erinnerungskultur des 21. Jahrhunderts eingegangen werden.

II.2.2. Erinnerung in der Zweiten Moderne

Die nun folgenden Ausführungen basieren, wie im vorhergehenden Kapitel festgehalten, auf den Überlegungen von Levy und Sznaider. Beide Autoren machen anhand beschriebener Kriterien den Übergang von der Ersten zur Zweiten Moderne innerhalb der Erinnerungskulturen Deutschlands, Israels und den USA fest. Im Folgenden wird der Fokus auf der Erinnerungskultur Deutschlands liegen. Folgende Fragestellungen werden dabei bearbeitet: Warum sprechen wir in der Ersten Moderne von einer vergangenheitsbezogenen Erinnerung und in der Zweiten Moderne von einer zukunftsweisenden Erinnerung? Was sind die Merkmale des kosmopolitischen Gedächtnisses und welche gesellschaftspolitischen Tendenzen und Ereignisse gehen dieser Gedächtnisform voraus?

Universalisierungstendenzen durch Massenmedien

Der Übergang von der Ersten zur Zweiten Moderne ist gleichzeitig auch der Übergang vom kommunikativen, gruppenbezogenen, zum kulturellen Gedächtnis, welches von den Trägern lösbar ist. Die Universalisierung, welche in den 1980er Jahren begann, ging einher mit der Amerikanisierung des Holocaust. Wie schon angesprochen bezieht sich diese auf Beiträge wie die US-Fernsehserie „Holocaust". Durch Medien wie diese80 wurden die kaum vorstellbaren Ereignisse des Holocaust für ein breites Publikum zugänglich gemacht.

[...]


1 Eisenman, Peter: Architektur als eine zweite Sprache: die Texte des Dazwischen, In: Eisenman, Peter: Aura und Exzeß - Zur Überwindung der Metaphysik in der Architektur, Wien 1995, S. 152.

2 Siehe hierzu die Bildungsangebote der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas: http://www.stiftung- denkmal.de/besucherservice/bildungsangebote/workshops#cathead17, Stand: 06.10.2009.

3 Als Ergänzung könnte zukünftig die sozialwissenschaftliche Dissertation von Katharina Steinberg dienen. Diese befindet sich momentan in der Anfangsphase und nimmt beispielsweise Besucherbefragungen in den Blick.

4 Bibel, Genesis/1. Mose, Kapitel 11.

5 Halbwachs, Maurice: Das kollektive Gedächtnis, Frankfurt/Main 1985 (im Original 1950 erschienen), S. 3ff.

6 Halbwachs, Maurice: Das kollektive Gedächtnis, Frankfurt/Main 1985 (im Original 1950 erschienen), S. 7f.

7 Halbwachs, Maurice: Das kollektive Gedächtnis, Frankfurt/Main 1985 (im Original 1950 erschienen), S. 35f.

8 Halbwachs, Maurice: Das kollektive Gedächtnis, Frankfurt/Main 1985 (im Original 1950 erschienen), S. 39.

9 Universität Konstanz Fachbereich Geschichte und Soziologie, Fach Geschichte, In: http://www.uni konstanz.de/FuF/Philo/Geschichte/Tutorium/Themenkomplexe/Quellen/Quellenarten/Oral history/oral history.html, Stand: 23.03.2009.

10 Halbwachs, Maurice: Das kollektive Gedächtnis, Frankfurt/Main 1985 (im Original 1950 erschienen), S. 41.

11 Halbwachs, Maurice: Das kollektive Gedächtnis, Frankfurt/Main 1985 (im Original 1950 erschienen), S. 48ff.

12 Halbwachs, Maurice: Das kollektive Gedächtnis, Frankfurt/Main 1985 (im Original 1950 erschienen), S. 55.

13 Halbwachs, Maurice: Das kollektive Gedächtnis, Frankfurt/Main 1985 (im Original 1950 erschienen), S. 55.

14 Zum Beispiel in Erzählungen über Personen und durch Zeitzeugenberichte.

15 Halbwachs, Maurice: Das kollektive Gedächtnis, Frankfurt/Main 1985 (im Original 1950 erschienen), S. 57f.

16 Das Anne Frank Zentrum in Berlin stellt in seiner Ausstellung eine allgemeine Zeitleiste des Nationalsozialismus einer Zeitleiste mit Daten und Fakten aus dem Leben der Anne Frank gegenüber.

17 Halbwachs, Maurice: Das kollektive Gedächtnis, Frankfurt/Main 1985 (im Original 1950 erschienen), S. 62f.

18 Halbwachs, Maurice: Das kollektive Gedächtnis, Frankfurt/Main 1985 (im Original 1950 erschienen), S. 64.

19 Siehe Anne Frank Zentrum Berlin.

20 „Jede Einzelsprache ist ein vollgültiger Entwurf des Menschseins, mit eigenen intellektuellen Spezialitäten, eine eigene historisch tradierte Anpassung an menschliche Bedürfnisse der Kommunikation. Unsere Vorstellungen zum Ausdrucksreichtum der Sprachen sind ziemlich schwach ausgeprägt, weil wir die eigene Sprache per Instinkt als Zentrum aller Dinge erworben haben. Uns gehen Alternativen des Menschseins verloren, die wir uns aus eigener Kraft kaum wieder vorstellen können." Aussage von Wunderlich, Dieter: Was verlieren wir, wenn Sprachen sterben?, Düsseldorf 1998, In: Philosophische Fakultät Universität Düsseldorf, http://user.phil-fak.uni-duesseldorf.de/~wdl/Bedroht.pdf, Stand: 24.03.2009.

21 Halbwachs, Maurice: Das kollektive Gedächtnis, Frankfurt/Main 1985 (im Original 1950 erschienen), S. 68.

22 Halbwachs, Maurice: Das kollektive Gedächtnis, Frankfurt/Main 1985 (im Original 1950 erschienen), S. 70.

23 Halbwachs, Maurice: Das kollektive Gedächtnis, Frankfurt/Main 1985 (im Original 1950 erschienen), S. 71.

24 Halbwachs, Maurice: Das kollektive Gedächtnis, Frankfurt/Main 1985 (im Original 1950 erschienen), S. 73.

25 Halbwachs, Maurice: Das kollektive Gedächtnis, Frankfurt/Main 1985 (im Original 1950 erschienen), S. 76.

26 Spielmann, Jochen: Entwürfe zur Sinngebung des Sinnlosen, Berlin 1990, S. 16.

27 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 49f.

28 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 50.

29Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S.52.

30 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 52.

31 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 52,76.

32 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 54f

33 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 56

34 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 57

35 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 58

36 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 60

37 So die ehemaligen Ministergärten des 19. Jahrhunderts, das ehemalige Gestapo­Gelände, die Wohngebäude der 1980er Jahre der DDR, die jetzigen BRD- Ländervertretungen und nicht zuletzt das 2005 entstandene Denkmal.

38Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 60.

39 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 68ff

40 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 71.

41 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 72f.

42 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 74f.

43 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 75.

44 Exodus ist ein Teil der Thora und handelt vom Auszug der Israeliten aus Ägypten: Die Israeliten müssen sich im Verlauf des Buch Exodus gegen die Herrschaft der Ägypter, Philister, Babylonier, Griechen und der Römer behaupten. Aus der Überwindung der jeweiligen Herrschaft gehen auch Bräuche wie das Chanukka-Fest hervor. Diese geht auf die Rückeroberung des Tempelberges durch Judas Makabae zurück, welcher die Hellenisten verjagte. Im Tempel befand sich nur noch ein kleines Faß Öl, welches vom jüdischen Glauben zeugte. Judas konnte damit die Menora acht Tage lang speisen. An Chanukka soll an acht Tagen täglich ein Licht der Menora entzündet werden.

45 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 75.

46 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 76.

47 Die „Mythomotorik" hat eine selbstbildformende, handlungsleitende und orientierungsstiftende Bedeutung für eine Gruppe. Vgl.: Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 80.

48 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 77f.

49 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 79f.

50 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 130f.

51 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 132.

52 Jan Assmann bezeichnet die kollektive Identität als Wir-Identität und die individuelle Identität als Ich-Identität.

53 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 133.

54 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 133f.

55 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 134.

56 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 136f

57 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 149.

58 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S.152.

59 Der religiös motivierte Judenhass hatte seinen Ursprung in < den Identitätsproblemen des jungen Christentums, die sich als „wahres Israel" ausriefen. Da die Juden den Messias Jesus ablehnten, wurden sie als Verweigerer des göttlichen Heilsplans angefeindet. Spätere Angriffe auf die Juden wurzelten vor allem in Sozialneid, da Juden, wiederum ausgelöst durch ihre Berufsbeschränkung, oft zu den wirtschaftlich besser gestellten Schichten zählten.

60 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 153.

61 Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis, 2. Auflage München 1999, S. 160.

62 Frei, Norbert/Schernbeck, Thomas: Die Bedeutung des Frankfurter Auschwitz­Prozesses, Hessischer Rundfunk 2005, In: Begleitmaterialien „Das Ende des Schweigens" http://www.hr-online.de/website/static/spezial/auschwitz- prozess/downloads/nfrei.pdf, Stand: 21.05.2009.

63 Frei, Norbert/Schernbeck, Thomas: Die Bedeutung des Frankfurter Auschwitz­Prozesses, Hessischer Rundfunk 2005, In: Begleitmaterialien „Das Ende des Schweigens" http://www.hr-online.de/website/static/spezial/auschwitz- prozess/downloads/nfrei.pdf, Stand: 21.05.2009.

64 Levy/Sznaider: Erinnerung im globalen Zeitalter - Der Holocaust, Frankfurt a.M. 2001, S. 67.

65 Levy/Sznaider: Erinnerung im globalen Zeitalter - Der Holocaust, Frankfurt a.M. 2001, S. 73.

66 Levy/Sznaider: Erinnerung im globalen Zeitalter - Der Holocaust, Frankfurt a.M. 2001, S. 80.

67 Gössel, Sylvia: Den Faschismus »mit Stumpf und Stiel ausgerottet« - Vergangenheitspolitik und Erinnerungskultur in der DDR, In: JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis, http://d-a-s-h.org/dossier/11/03 DDR.html (Stand: 22.09.2009).

68 Gössel, Sylvia: Den Faschismus »mit Stumpf und Stiel ausgerottet« - Vergangenheitspolitik und Erinnerungskultur in der DDR, In: JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis, http://d-a-s-h.org/dossier/11/03 DDR.html (Stand: 22.09.2009).

69 Altendorf, Bettina: Der Umgang mit Gedenkstätten in Deutschland, In: Shoah.de - Zukunft braucht Erinnerung, http://zukunft-braucht- erinnerung.de/nachkriegsdeutschland/gedenkkulturen/469.html, Stand: 15.09.2009.

70 Frei, Norbert/Schernbeck, Thomas: Die Bedeutung des Frankfurter Auschwitz­Prozesses, Hessischer Rundfunk 2005, In: Begleitmaterialien „Das Ende des Schweigens" http://www.hr-online.de/website/static/spezial/auschwitz- prozess/downloads/nfrei.pdf, Stand: 21.05.2009.

71 Anne Sa'adah: Germany's Second Chance, Cambridge 1998, zitiert von: Levy/Sznaider: Erinnerung im globalen Zeitalter - Der Holocaust, Frankfurt a.M. 2001, S. 75.

72 Levy/Sznaider: Erinnerung im globalen Zeitalter - Der Holocaust, Frankfurt a.M. 2001, S. 117.

73 Levy/Sznaider: Erinnerung im globalen Zeitalter - Der Holocaust, Frankfurt a.M. 2001, S. 117f.

74 Grabitz, Heike: Die Verfolgung von NS-Verbrechen in der Bundesrepublik Deutschland, der DDR und Österreich, In: Steininger, Rolf: Der Umgang mit dem Holocaust - Europa-USA-Israel, Wien u.a. 1994, S. 206.

75 Grabitz, Heike: Die Verfolgung von NS-Verbrechen in der Bundesrepublik Deutschland, der DDR und Österreich, In: Steininger, Rolf: Der Umgang mit dem Holocaust - Europa-USA-Israel, Wien u.a. 1994, S. 206.

76 Die Verbrechen die unter nationalsozialistischer Herrschaft begangen wurden, können demnach auch nur in den Grenzen der damals geltenden Gesetze verhandelt werden. Das heißt, dass die heute als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit" oder auch als Genozid verstandenen Verbrechen nicht als solche bestraft werden konnten. Das Strafgesetzbuch sah in der Zeit des Nationalsozialismus nur eine Verurteilung von Individualstraftaten vor.

77 Grabitz, Heike: Die Verfolgung von NS-Verbrechen in der Bundesrepublik Deutschland, der DDR und Österreich, In: Steininger, Rolf: Der Umgang mit dem Holocaust - Europa-USA-Israel, Wien u.a. 1994, S. 207.

78 In den meisten Fällen mussten die Täter ihre Strafen nicht vollständig verbüßen. Siehe auch: http://saalbau.com/auschwitz-prozess/der-auschwitz- prozess/prozessbeteiligte/angeklagte/, Stand: 21.05.2009.

79 Classen, Christoph: Zum Themenschwerpunkt, In: Zeitgeschichte-online, Thema: Die Fernsehserie „Holocaust" - Rückblicke auf eine „betroffene Nation", hrsg. von Christoph Classen, März 2004/Oktober 2005, http://www.zeitgeschichte- online.de/md=FSHolocaust-Vorwort-Classen, S. 1.

80 Weiterhin entstanden Dokumentationen wie „Children in the Holocaust" (1980) von Jack P. Eisner und Roman Kent. Überlebende geben hierin die Perspektive ihrer Kindheit im Holocaust wider.

Ende der Leseprobe aus 131 Seiten

Details

Titel
Eine ikonographische Analyse des Denkmals für die ermordeten Juden Europas als Ausdruck der Veränderung des kulturellen Gedächtnisses
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)  (Kulturwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Europäische Kulturgeschichte
Note
1,5
Autor
Jahr
2009
Seiten
131
Katalognummer
V180361
ISBN (eBook)
9783656030942
ISBN (Buch)
9783656031178
Dateigröße
2111 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eine, analyse, denkmals, juden, europas, ausdruck, veränderung, gedächtnisses
Arbeit zitieren
Franziska Franze (Autor), 2009, Eine ikonographische Analyse des Denkmals für die ermordeten Juden Europas als Ausdruck der Veränderung des kulturellen Gedächtnisses, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180361

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