"Nach-gedacht": Der Mensch aus der Sicht der Historisch-Kritischen Anthropologie


Hausarbeit, 2002
8 Seiten, Note: sehr gut
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Einheit versus Vielfalt

Die „dunkle“ Seite des Menschen

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Betrachtet man die heutige „moderne“ Gesellschaft, kommt man nicht darum hinweg, zwei vorherrschende Tendenzen im Bewusstsein der Menschen zu erkennen: einerseits herrscht ein unbändiger Optimismus und Glaube an den angeblichen unaufhaltsamen Fortschritt, der sich vor allem auf den Gebieten der Wissenschaften und der Wirtschaft manifestiert, vor, andererseits greift eine gewisse Orientierungslosigkeit um sich, was die eigene Identität als Mensch betrifft.

Nur zu oft hört man dann in solchen krisengeschüttelten Zeiten Aufrufe, die an die wahre „Menschlichkeit“, an das wahre Wesen des Menschen appellieren. Doch was ist das „Wahre“ im Menschen beziehungsweise, was ist der Mensch letztendlich tatsächlich? Diese Arbeit versucht eine Antwort aus historisch-kritisch-anthropologischer Sicht darauf zu geben.

Einheit versus Vielfalt

Die traditionelle Sichtweise des Menschen von sich selbst, die vor allem auf dem Gedankengut der Aufklärung basiert und die heute noch sehr stark in unseren Hinterköpfen verankert zu sein scheint, ist die eines „vernünftigen“ und in seinen Handlungen „freien“ Wesens. Hinzu kommt dann vielleicht auch noch ein romantisierendes Bild einer einzigen „großen weltweiten Menschenfamilie“, in der der Mensch auf seine zentralsten Äußerungsformen (a la: jeder Mensch isst, weint, trinkt, lacht, liebt etc. pp.) reduziert wird. Dieses vereinheitlichende Gefühl, das vor allem auch durch die Wirkung der Massenmedien, so zum Beispiel durch das Fernsehen, das die große weite Welt sofort mit einem Knopfdruck ins Haus liefert, diese Einstellung also, den Menschen weltweit zu vereinheitlichen (wenn nicht sogar zu erziehen), und damit auch zu versimplifizieren, ist unter dem Begriff Adamismus bekannt geworden.

Der Mensch ist aber letztendlich, wie wir auch im Verlauf dieser Arbeit noch sehen werden, nicht so einfach zu definieren, auch wenn immer wieder neue Erkenntnisse in diversen Wissenschaften dies anders wahrhaben wollen – sowohl heute als auch in der Vergangenheit, und wahrscheinlich auch noch in kommenden Zeiten. Natürlich hat jede dieser einzelnen Wissenschaften auf ihre Weise nicht unbedingt „Unrecht“, und so liefert auch jede von ihnen einen wertvollen Beitrag zum besseren Verstehen vom Wesen namens „Mensch“, so auch, zum Beispiel die Soziologie, Psychoanalyse, diverse Psychologierichtungen oder auch die in unseren Tagen sehr populär gewordene Systemtheorie. Doch der Mensch ist, zumindest in den Augen der Historisch-Kritischen Anthropologie, mehr als die Summe seiner Teile, mehr als ein reines „biologisches“, „psychisches“ oder „soziales“ Wesen oder auch eine Kombination von all diesen Punkten

Bei all diesen Bestrebungen, das Wesen „Mensch“ besser zu verstehen und zu erfassen, sollte man sich jedoch auch stets vor Augen halten, dass die gelieferten Bilder dieser Bestrebungen immer vom Menschen selbst über sich selbst gemacht werden und gemacht worden sind und somit auch letztendlich niemals „objektiv“ oder gar „absolut“ sein können, auch wenn es somit das eingangs erwähnte Selbstgefühl des Menschen als „vernünftiges“ und „freies“ Wesen auf sehr unromantische Weise ernüchtert.

Die noch relativ junge Richtung der sogenannten „Historisch-Kritischen Anthropologie“ versucht nun dieser Vielseitigkeit des Menschen gerecht zu werden, indem sie sich primär als „Hermeneutik des Menschen Möglichen“ betrachtet und sich somit auch gegen alle Arten der Verallgemeinerungen stellt, die weder die Historizität, noch die Vielfalt und schon gar nicht die Unterschiede zwischen dem „natürlichen Individuum“ und der „geschichtlichen Person“ ins Auge fasst.

Wie schnell dies alles außer Sicht gelassen werden kann, wird uns zum Beispiel tagtäglich in den verschiedensten Filmen im Kino und Fernsehen demonstriert, die sich zwar als „authentische Historienfilme“ betiteln, nach dessen Betrachten aber einzig und alleine – wenn überhaupt – die Kostüme als „authentisch“ bezeichnet werden können. In solchen Bildern vom „damaligen“ Menschen wird in der Regel Vergangenheit und Gegenwart über ein und demselben Kamm geschert, wie zum Beispiel: Menschen im Mittelalter sprechen plötzlich so „zivilisiert“ wie in heutigen Tagen, Gefühle werden auf dieselbe Art und Weise ausgedrückt, Probleme aus heutigen Tagen gab es damals natürlich auch schon und so weiter und so fort.

Was ich damit sagen will ist, dass es dem Menschen, wenn er heute über sich selbst spricht, kaum in den Sinn kommt, dass sich der Mensch in anderen Zeiten und anderen Kulturen vielleicht ganz anders wahrgenommen hat als heute. Und wer weiß, vielleicht war es für die Menschen von „damals“ in keinster Weise „grausam“ beziehungsweise „unmenschlich“, als Menschenopfer dargebracht zu werden, Schläge zu bekommen, in unhygienischen Unterkünften zu hausen und vieles andere mehr? Derartige zeit- beziehungsweise epochenübergreifende Vergleiche und vor allem Bewertungen im Verstehen des Wesens Mensch sind jedenfalls alles andere als angebracht.

[...]

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
"Nach-gedacht": Der Mensch aus der Sicht der Historisch-Kritischen Anthropologie
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Pädagogik)
Veranstaltung
VO: Historisch-Kritische Anthropologie
Note
sehr gut
Jahr
2002
Seiten
8
Katalognummer
V18049
ISBN (eBook)
9783638224741
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nach-gedacht, Mensch, Sicht, Historisch-Kritischen, Anthropologie, Historisch-Kritische
Arbeit zitieren
Anonym, 2002, "Nach-gedacht": Der Mensch aus der Sicht der Historisch-Kritischen Anthropologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18049

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