Aspekte der Textkohärenz und Kommunikationsoptimierung in Verkehrsmeldungen


Bachelorarbeit, 2011

46 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kommunikation und ihre Optimierung
2.1. DerKommunikationsbegriff
2.2. Überlegungen zur Kommunikationsoptimierung

3. Der linguistische Textbegriff
3.1. Kriterien der Textualität und Texteigenschaften
3.2. Von Textfunktionen zu Textsorten
3.3. Kohärenz
3.3.1.Konstituenten der Textkohärenz auf grammatischer Ebene (Kohäsion)
3.3.2.Die thematische Ebene der Textkohärenz

4. Zum Textkorpus
4.1. Aufstellung des Textkorpus
4.2. Strukturmuster und Varianten von Verkehrsmeldungen

5. Textlinguistisch und kommunikationstheoretisch fundierte Analyse der Verkehrsmeldungen
5.1. Textklassenzuordnung / Analyse der Textfunktion der Verkehrsmeldungen
5.2. Analyse der thematischen Ebene der Textkohärenz (Themenentfaltung)
5.3. Analyse der grammatischen Ebene der Textkohärenz (Kohäsion)
5.4. Analyse der Kommunikationsoptimierung

6. Studie zur Verständlichkeit von Verkehrsmeldungen
6.1. Aufbau der Studie
6.2. Ergebnisse der Studie

7. Fazit und Ausblick

8. Quellenangaben
8.1. Literatur
8.2. Internet:

9. Anhang
9.1. Textkorpus
9.2. Tabellen und Diagramme

1. Einleitung

Der Straßenverkehr spielt im Leben der Menschen eine wichtige Rolle. Begriffe wie "Verkehrsader“ verdeutlichen seine Funktion im „Organismus“ unserer Gesellschaft. Der Austausch von Informationen und Waren sowie die Mobilität des Menschen selbst, prägen das Gesicht unserer Welt und liefern gleichzeitig die Basis der heutigen gesellschaftlichen Ordnung. Außerdem ist der Verkehr Abbild und Ausdrucksform kommunikativer Prozesse zugleich und wie alle kommunikativen Prozesse anfällig für Störungen.

Um die Auswirkungen dieser Störungen gering zu halten, und somit wirtschaftlichen oder gar menschlichen Schaden und Unannehmlichkeiten zu minimieren, werden Verkehrsmeldungen in verschiedenen Medien publiziert. Hier wird in Schrift und gesprochener Sprache vor Gefahren gewarnt und der Versuch unternommen die Verkehrsströme in „geordnete Bahnen“ zu lenken.

Ziel dieser Arbeit ist eine Untersuchung der Aspekte von Kohärenz und Kommunikationsoptimierung eben dieser Meldungen. Wegen ihrer simplen, kurzen Form, und dem gleichzeitig relativ hohen Bedarf an Informationsvermittlung, eignen sie sich besonders, um in den in ihnen greifenden Mechanismen der Kommunikationsoptimierung allgemeine Prinzipien zu erkennen. Da sie im Radio auch in gesprochener Form publiziert werden, sind sie ferner dazu geeignet, einen Vergleich zwischen ihrer schriftlichen und gesprochenen Umsetzung anzustellen. Da Unterschiede zwischen diesen beiden Umsetzungsformen, zumindest unter Betrachtung von Kohärenz und Optimierungsaspekten, nur marginal sind, wird dieser Vergleich in der vorliegenden Arbeit jedoch nur am Rande vorgenommen. Primärer Untersuchungsgegenstand sind hier schriftsprachliche Texte, die einfacher zu erheben sind und eine bessere Anwendung und Darstellbarkeit der Analyse erlauben. Die Optimierung von schriftlichen Kommunikationsvorgängen gewinnt gerade wegen ihrer Verwendung in den Internetmedien an Wichtigkeit. Die hier aufkommende Vielzahl an schriftlicher Information, die durch visuelle Informationen ergänzt und überlagert werden und sogar mit anderen Texten via Hyperlink kohärente Strukturen erzeugen, stellen den Nutzer vor die schwierige Aufgabe, die für ihn relevanten Informationen zu selektieren. Dies macht es aus verschiedenen Gründen notwendig, Inhalte auf möglichst optimierten und effizientem Wege darzustellen. Ziel dieser Arbeit ist es die hierbei genutzten Prinzipien der Kommunikationsoptimierung sichtbar zu machen und praktisch anwendbare Erkenntnisse zu Tage zu fördern. Dabei soll diese Arbeit nicht als ein grundsätzliches und uneingeschränktes Plädoyer für optimierte Kommunikation gelten. Nichts wäre langweiliger, als eine Welt voller optimierter Phrasen ohne schmückende Abwandlungen, die Sprachästhetik und individuellen Stil ausmachen.

Der im Titel der Arbeit genannte Begriff „Kohärenz“ gibt den Rahmen dieser Arbeit vor. Seine Rolle als zentraler Begriff in der Textlinguistik macht es notwendig (und im Zusammenhang zur Kommunikationsoptimierung auch sinnvoll), dass die hier zum Gegenstand erhobene Untersuchung innerhalb textlinguistischer Forschungsansätze erfolgt. Unter diesem Aspekt muss der Frage nachgegangen werden, welche Textualitätseigenschaften für die Textsorte „Verkehrsmeldungen“ charakteristisch sind.

Aus der Perspektive dieser beiden Hauptpunkte ergeben sich also zwei verschiedene Sichtweisen auf Verkehrsmeldungen, die doch eng miteinander verzahnt sind. Dazu soll die Hypothese aufgestellt werden, dass die Vermittlung der Informationen nur so effizient erfolgen kann, wie der Rezipienten in der Lage ist, auf einen mit kontextuellen Informationen angereicherten Fundus zurückzugreifen. Dieser Fundus speist sich dabei zum einen aus dem Wissen um sprachliche und soziale Konventionen und zum anderen aus der Möglichkeit, die Informationen des Textes mit aus ihm hervorgehendem Wissen zu verknüpfen.

Zunächst soll eine theoretische Einführung geboten werden, in der die aus sprach und kommunikationswissenschaftlicher Perspektive wichtigen Begrifflichkeiten erläutert werden. Zudem werden die der späteren Analyse zugrundeliegenden Aspekte in ihrer im Rahmen der Arbeit gebotenen Relevanz beschrieben. In diesem Teil wird neben textlinguistischen Begrifflichkeiten der Begriff der Kommunikationsoptimierung definiert. In dem daran anschließenden Kapitel wird der später zu analysierende Textkorpus vorgestellt und in seinen Strukturmustern erfasst. Hier soll auch der Versuch unternommen werden, eine Einteilungen der Verkehrsmeldungen in bestimmte Varianten vorzunehmen. Darauf folgt der eigentliche Analyseteil, in dem die Ergebnisse der Analyse vorgestellt und anhand einzelner Beispiele belegt werden. Hier sollen ferner die Ergebnisse einer kleinen Studie vorgestellt und diskutiert werden. Abschließend sollen die zutage geförderten Ergebnisse kritisch reflektiert werden und davon ausgehend konkrete Vorschläge zur Kommunikationsoptimierung erwachsen.

2. Kommunikation und ihre Optimierung

2.1. Der Kommunikationsbegriff

„Kommunikation“ ist ein vielfältig aufgefasster und ausgelegter Begriff. Seine zentrale Rolle in der Fragestellung dieser Arbeit verlangt jedoch eine Definition dessen, was wir hier unter „Kommunikation“ verstehen wollen. Mit einer genauen Eingrenzung dieses Begriffes schaffen wir nicht nur die Grundlage für eine Definition des Begriffs der Kommunikationsoptimierung; auch für die später vorgenommene Erläuterung des Begriffes „Text“, dessen zentrale Eigenschaft die kommunikative Funktion ist, scheint eine vorangestellte Definition dieses Begriffes sinnvoll. Aus den verschiedenen Auslegungen des Kommunikationsbegriffes werden die relevanten Aspekte herausgegriffen und in einem Kommunikationsbegriff gebündelt, welcher der Fragestellung dieser Arbeit am besten entspricht.

Ein in seiner Einfachheit überzeugendes Erklärungsmodell von Kommunikationsprozessen liefert das Übertragungsmodell von SHANNON und WEAVER (1949). Den Ablauf von Kommunikation beschreiben sie wie folgt: Die Informationsquelle wählt eine Botschaft aus, die vom Sender in ein Signal umgewandelt wird und auf dem Informationskanal zum Empfänger gelangt. Hier wird das Signal wiederum in die Botschaft zurückverwandelt und zum Bestimmungsort weitergeleitet (vgl. BADURA 1992, S. 16). Dabei weisen sie auch auf die Störanfälligkeit des Kommunikationskanals hin (ebd.). Daraus können wir eine vorläufige Definition festhalten, die Kommunikation als die mittels Signalen vorgenommene Übertragung von Informationen von einem Pol zu einem anderen sieht. Anhand dieser Definition lassen sich also vorerst folgende Grundfesten der Kommunikation ableiten: Information (Botschaft), Pole, Signal und Übertragung.

Diese der Informationstheorie entnommene monologische Sichtweise der Kommunikation liefert jedoch nur eine grobe Basis für einen soziologischen Kommunikationsbegriff, der auch auf pragmatische und semantische Aspekte der Informationsübertragung eingehen muss. Unter Einbeziehung von pragmatischen Aspekten liefert GROßE folgende Definition: „DieKommunikationläßt [sic] sich als Interaktion mit Hilfe von (sprachlichen oder nichtsprachlichen) Zeichen bestimmen, die zur Übermittlung von Informationen im allgemeinsten, standardsprachlichen Sinne des Wortes, gleich welcher Art und Intention dienen.“ (1976, S. 11). Der hier genutzte Begriff der Interaktion weist daraufhin, dass kommunikative Vorgänge eine Handlungen sind von zwei oder mehreren verschiedenen Instanzen sind.

Das Gelingen von Interaktion setzt wiederum das Vorhandensein von Konventionen oder Regeln voraus. Kommunikation ist also ein regelgebundenes Handeln, deren notwendige Bedingung ein Code ist, „durch den eine (...) Menge von Zeichen mit der dazugehörigen Menge von Bedeutungen verknüpft wird“ (KÖCKS 1987, S. 359 nach KRIEGER 1996, S. 98). Die Kommunikationspartner müssen also ein gemeinsames Verständnis aufweisen, was als Zeichen zu verstehen ist und vor allem wie dieses Zeichen zu verstehen ist. KÖCKS weist ferner dem intentionalen Charakter von Interaktionen eine besondere Bedeutung zu, der dazu führe, Kommunikation als Interaktionen zwischen Lebewesen zu verstehen (a.o.O.). Um auf diese Forderung von KÖCKS einzugehen, werden in dieser Arbeit die unbelebten Formulierungen „Sender“ und „Empfänger“ umgangen und statt dessen die Begriffe Emittent und Rezipient verwendet.

Die aus dem Modell SHANNON und WEAVER abgeleitete Vierteilung der Aspekte von Kommunikationsabläufen nach Information (Botschaft), Pole, Signal und Übertragung lässt sich nunmehr dank der Einführung des Begriffes der Interaktion im Sinne einer auf Zeichen basierenden „Übertragungshandlung“ in eine Zweiteilung nach Information und Interaktion abstrahieren. Doch auch damit sei nicht allen Aspekten von Kommunikation genüge getan, wie beispielsweise STROHNER und BROSE (2002) anmerken. Daher weisen sie in ihrem kognitiv fundierten Ansatz explizit auf die dritte Dimension der Kommunikation hin: Die Situation, der als Beeinflussung der Dimensionen Information und Interaktion eine eigenständige Rolle zukomme, und die auch das Medium der Informationsvermittlung beinhalte (vgl. 2002, S. 3f.).

Einem kognitiven Ansatz entsprechend legen STROHNER und BROSE ein besonderes Augenmerk auf die Vorgänge der Informationsverarbeitung. Sie umfasse eine Vielzahl von Teilprozessen, bei denen mindestens nach den miteinander eng verzahnten Aspekten Wissen, Emotion und Verhalten unterschieden werden müsse (vgl. 2002, S. 4). Das Wissen sei hierbei die Repräsentation bestimmter auf die Umwelt oder das eigene Wesen bezogener Aspekte im Zentralnervensystem des jeweiligen Individuums.

Halten wir also fest, welchen Begriff von Kommunikation wir aus diesen verschiedenen Sichtweisen ableiten: Kommunikation ist eine Interaktion zwischen Emittent und Rezipient, deren Intention der Austausch von Informationen ist. Dieser Austausch kann nur auf Grundlage eines gemeinsamen Zeichensystems der beteiligten Kommunikationspartner gelingen, das die Basis für eine dem Zweck der Handlung entsprechende Informationsverarbeitung liefert. Somit baut die Kommunikation einerseits auf bereits vorhandenem Wissen des Rezipienten auf und dient andererseits dem Erzeugen neuen Wissens sowie unter Umständen daraus folgenden Handlungen. So hält PRESTIN fest: „Das Gesamtziel der Kommunikation ist erreicht, wenndie Anschlusshandlung erfolgreich ist. Die Textoptimierung wäre dann an diesem Gesamtziel auszurichten“ (PRESTIN 2002, S. 70).

2.2. Überlegungen zur Kommunikationsoptimierung

Wie wir unter anderem beim Anblick der Kapitelüberschrift „Textrezeptionsprobleme“ von STRAßNER im Buch „Journalistische Texte“ (2000, S. 10) erkennen, scheint es nach wie vor zu Problemen bei der Rezeption von kommunizierten Inhalten zu kommen. Und wo eben diese Schwierigkeiten bestehen, ist folglich auch eine Notwendigkeit der Optimierung gegeben. Die Optimierung von Kommunikation bedeutet also insofern eine Überwindung dieser Rezeptionsprobleme. Im Folgenden soll nun eine nähere Bestimmung der Kommunikationsoptimierung auf Grundlage der im letzten Kapitel erläuterten Aspekte des Kommunikationsbegriffes vorgenommen werden.1

Bei der Erarbeitung des hier genutzten Begriffes der Kommunikation, wurde bereits auf die Nähe zu pragmatischen Ansätzen hingewiesen. Im Rahmen der Pragmatik können wir die Konversationsmaximen von GRICE (1968; 1975) zu Rate ziehen, die als Interpretationssystem von Sprechhandlungen dienen. Aus dem grundlegenden kommunikativen Prinzip der Kooperation leitet er die Maximen der Quantität, der Qualität, der Relation und der Modalität ab (vgl. bspw. LINKE et al. 2004, S. 222). Sie besagen, dass man in einer Konversation nur so informativ wie nötig (Quantität) und in möglichst deutlicher Form (Modalität) nur Wahres (Qualität) und Relevantes (Relation) mitteilen solle, beziehungsweise der Rezipient der Sprechhandlung davon ausgeht, dass der Emittent seine Sprechhandlung nach diesen Maximen gestaltet. Diese Eckpunkte der Konversationsmaximen können auch als Eckpunkte einer Kommunikationsoptimierung gelten, vorausgesetzt, sie werden alle nebeneinander durch den Emittenten beachtet.

Kommunikation in den Massenmedien, um die es sich im untersuchten Fall handelt, sei in erster Linie eine am Konsumenten/Rezipienten (der Zielgruppe) orientierte Form der indirekten Informationsvermittlung (vgl. MAJORIN 2008, S. 149). Eine Optimierung muss also daran ansetzen, die Kommunikation auf die von den Emittenten angenommenen Bedürfnisse der Rezipienten zuzuschneiden (vgl. STRAßNER 2000, S. 10; PRESTIN 2002, S. 75). Bei den Rezipienten seien wiederum „spezifische Bedingungen, Bestimmungen und Beschränkungen sozio ökonomischer, sozio kultureller, kognitiv intellektueller wie biographisch psychischer Art bestimmend für die Aufnahme der durch die Massenmedien vermittelten Aussagen und deren Inhalte“ (STRAßNER 2000, S.10).

Da Verkehrsmeldungen in erster Linie von Anstalten des öffentlich rechtlichen Rundfunks verbreitet werden2, müssen sie allein schon aus rechtlich zugeschriebenen Gründen potentiell fürjeden Verkehrsteilnehmer zugänglich sein. Konkret ergibt sich diese Aufgabe aus der Formulierung des Grundversorgungsauftrags im 4. Rundfunkurteil des Bundesverfassungsgerichtes, der die obligatorische Zielgruppenreichweite der öffentlich rechtlichen Anstalten im Allgemeinen als die gesamte Bevölkerung festlegt (vgl. STROHMEIER 2004, S. 271). Aus rechtlicher Hinsicht von Belang ist ebenso die Informationspflicht, die den öffentlich rechtlichen Rundfunkmedien in den Landesrundfunkgesetzen auferlegt ist (vgl. ebd., S. 250). So heißt es beispielsweise im „Gesetz über den Hessischen Rundfunk" von 1948, die Aufgabe des Hessischen Rundfunks bestünde in der Verbreitung von Nachrichten (vgl. INT I). Hierzu gelten Wetterberichte und Verkehrsmeldungen als Ergänzung, die im weiteren Sinne also ebenso in Entsprechung des Informationsauftrages publiziert werden.

Aus dem Zusammenspiel dieser rechtlich zugeordneten Aufgaben der öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten ergeben sich folglich auch Anforderung an die sprachliche Umsetzung ihrer Berichte und die Notwendigkeit eines hohen Optimierungsgrades. Die Meldungen sollten möglichst einfach gehalten sein, um ein hohes Maß an Verständlichkeit zu gewährleisten. Es besteht als Bedarf an „Einfachheit der sprachlichen Form“. Diese Begriff bezieht sich sowohl auf die Auswahl der lexikalischen Einheiten also auch der syntaktischen Strukturen (vgl. PRESTIN 2002, S. 67). Gerade in Internettexten komme dieser Form der Optimierung, aufgrund der medienspezifischen Rezeptionssituation, eine wichtige Funktion zu (vgl. DIETER 2007, S. 74).

Die Vereinfachung der verwendeten sprachlichen Mittel sei jedoch nur eine Dimension der Optimierung der Verständlichkeit (vgl. STROHNER 2002, S. 86). Kommunikationsoptimierung müsse des Weiteren ein Zusammenwirken von Vereinfachung und Kürze der Darstellung der Information sein. Dies zeigt auch der an Textverständlichkeit orientierte Ansatz von LANGER, SCHULZ v. THUN und TAUSCH3, der neben den beiden genannten auch noch zwei weitere Dimensionen der Optimierung schriftlicher Kommunikation benennt (vgl. PRESTIN 2002, S. 68). So seien auch die Dimension der Gliederung und Ordnung sowie die Dimension der zusätzlichen Stimulanz Optimierungsebenen, wobei letztere eine im Untersuchungsrahmen dieser Arbeit zu vernachlässigende Rolle spiel t4.

Um dem Kommunikationsbegriff von STROHNER und BROSE und dem darin zentralen Aspekt des Wissens gerecht zu werden5, ist die Kommunikationsoptimierung auch an die möglichst effektive Verknüpfung des kommunizierten Inhalts mit bereits vorhandenen Wissen des Rezipient gebunden. Dabei geht es nicht allein um Aspekte des Mediums beziehungsweise der Verständlichkeit der zur Kommunikation genutzten Zeichen. Das ausgetauschte Wissen selbst müsse durch den Rezipienten in Zusammenhang zu seiner Umwelt gesetzt werden können. Auf das Anwendungsgebiet von Verkehrsmeldungen übertragen berührt diese Forderung auch die Befähigung des Rezipienten der effektiven Lokalisierung der mitgeteilten Verkehrsänderung im Vergleich zu seiner Position.

Halten wir also die zentralen Aspekte der Untersuchung der Kommunikationsoptimierung in der vorliegenden Arbeit fest: Meldungen, wie geschriebene Texte im Allgemeinen, müssten, um als kommunikationsoptimiert gelten zu können, ein hohes Maß an Übersichtlichkeit und Verständlichkeit aufweisen (sowohl in sich selbst als auch in Verknüpfung zur Rezipientenumgebung) während sie gleichzeitig weitestgehend kurz gehalten sind.

3. Der linguistische Textbegriff

3.1. Kriterien der Textualität und Texteigenschaften

„Ein Text ist eine in sich kohärente Einheit der Kommunikation mit einer erkennbaren kommunikativen Funktion und einer in spezifischer Weise organisierten Struktur.“ GANSEL (2011, S. 10). Diese von GANSEL übernommene Definition des Textbegriffes verdeutlicht dessen inhaltliche Gebundenheit an den Begriff der Kommunikation und schreibt gleichzeitig der Funktion des Textes ein zentrales Charakteristikum zu. Diese Auffassung trägt, in der von BRINKER (vgl. 2005, S. 12ff.) vorgenommenen groben Einteilung der zwei Hauptströme textlinguistischer Forschung, einerseits den Forderungen der „kommunikationsorientierten Textlinguistik“ Rechnung. Der Verweis auf die Eigenschaft einer in sich kohärenten Struktur deutet aber andererseits auch darauf hin, dass Elemente der sprachsystematisch ausgerichteten Textlinguistik in die Definition von GANSEL mit eingeflossen sind.

Ein allgemein akzeptierte Auffassung von dem, was als Text bezeichnet wird, liegt in der Textlinguistik nicht vor. Dies resultiere aus der Tatsache, dass diejeweiligen Forschungsansätze ihren Untersuchungsgegenstand unter verschiedenen Aspekten betrachten und diese spezifischen Perspektiven sich somit auch in forschungsspezifischen Definitionen niederschlagen (vgl. BRINKER 2005, S. 12). Eine feste Definition des Textbegriffes sei gar abzulehnen, da sie zu einer Kanalisierung der innerhalb des Definitionsrahmens möglichen Untersuchungen führen würde.

Während eine der zwei Hauptrichtungen textlinguistischer Forschung, von BRINKER als sprachsystematisch ausgerichtete Textlinguistik bezeichnet, den Text als zusammenhängende Abfolge von Sätzen betrachtet und seine Analyse auf die grammatischen Zusammenhänge dieser Segmente beschränkt (vgl. ebd., S. 14), wird im kommunikationstheoretischen Ansatz darauf verwiesen, dass der Text nicht isoliert betrachtet werden dürfe (vgl. ebd., S. 15; GANSEL 2011, S. 8). Die Untersuchung eines Textes solle nicht mehr allein auf kohärent Strukturen innerhalb des Textes abzielen und sich somit auf syntaktische und semantische Beziehungen zwischen Sätzen beschränken, welche Textverbindung erzeugten.

Viel eher müsse die Untersuchung in Anlehnung an die Sprechakttheorie und die aus ihr abgeleitete Pragmatik stets die jeweilige Kommunikationssituation mit einbeziehen. In dieser Situation wiederum erfülle der Text eine bestimmte Funktion (vgl. GANSEL 2011, S. 8). Dieser Untersuchungsprämisse entsprechend wird der Textbegriff um das Element seiner Funktion erweitert, die wir im Folgenden, der gängigen Nomenklatur entsprechend, als Textfunktion bezeichnen wollen.

Entsprechend des eingangs des Kapitels erwähnten integrativen Textbegriffes von GANSEL, in dem die verschiedenen Ansichten der Textlinguistik über ihren Untersuchungsgegenstand in einer Textdefinition zusammengeführt werden, fügt auch BRINKER (2005, S. 17) an, dass sich diese beiden Textbegriffe nicht unvereinbar gegenüberstehen. Sie müssen vielmehr als sich ergänzende Ansichten gelten, die bei einer möglichst ausschöpfenden Textanalyse gleichermaßen berücksichtigt werden sollten (vgl. ebd.)6. Auch im Rahmen dieser Arbeit ist eine Verbindung der beiden Textauffassungen nötig. Ein an der kommunikationsorientierten Forschung ausgerichteter Textbegriff scheint wichtig, um sich der in dieser Arbeit zum Untersuchungsobjekt erhobenen Kommunikationsoptimierung nähern zu können. Die untersuchten Texte sind in einen komplexen Kommunikationsprozess eingebunden, in dem sie eine bestimmte Funktion erfüllen. Analog dieses speziellen Aspektes des Textbegriffes lässt sich vorerst festhalten, dass die Optimierung der Kommunikation auch an die Optimierung der Textfunktion gebunden ist. Doch auch die sprachsystematische Betrachtungsweise ist notwendig, um die Aspekte der Kohärenz und somit der textinternen Kriterien der Textualität erfassen zu können.

3.2. Von Textfunktionen zu Textsorten

Wie in der für diese Arbeit gewählten Textauffassung im vorigen Kapitel deutlich wurde, spielt die Textfunktion für die hier zu vollziehende Untersuchung eine zentrale Rolle. Da im praktischen Teil dieser Arbeit Verkehrsmeldungen auch im Hinblick auf ihre kommunikative Funktionalität hin untersucht werden sollen und die Textfunktion außerdem ein zentrales Charakteristikum einer jeweiligen Textsorte ist (vgl. BRINKER 2005, S. 145), scheint es an dieser Stelle notwendig, diese Begrifflichkeit näher zu beleuchten.

Wie mit dem Begriff der Funktion im Allgemeinen die Aufgabe eines Subjekts oder Objekts innerhalb eines Ganzen gemeint ist (vgl. GANSEL 1976, S. 25), so umschreibt der Begriff der Textfunktion die Aufgabe des Textes im Rahmen eines Kommunikationsprozesses (vgl. BRINKER 2005, S. 88). Die Textfunktion selbst trage dabei die Aufgabe, „den Hörer oder Leser darüber zu instruieren, als was er den Gesamttext auffassen soll (...)“ (GROßE 1976, S. 26).

Der grundsätzliche Erfolg der Textfunktion, nämlich das Unterrichten des Rezipienten über die Kommunikationsabsicht des Emittenten, setze wiederum voraus, dass Emittent und Rezipient innerhalb gemeinsamer Regeln des Kommunizierens in Verbindung treten (vgl. BRINKER 2005, S. 91). Somit wird das Merkmal der Konventionalität der Handlung, wie bereits bei der Kommunikation geschehen7, auch in die Definition der Textfunktion integriert. BRINKER (ebd.) merkt hierbei an, dass diese Definition nahe an die des illokutiven Aktes, also des zentralen Aspektes von Sprechhandlungen, angelehnt ist. Davon ausgehend definiert er die Textfunktion als „die im Text mit bestimmten, konventionell geltenden (...) Mitteln ausgedrückte Kommunikationsabsicht des Emittenten.“ (ebd., S. 100). Sie entspricht also der für den Rezipienten erkennbaren Motivation des Emittenten, aus der die Kommunikationshandlung vollzogen wird.

Eine genaue Typologisierung der Arten von Textfunktion ist umstritten, baut aber in den meisten Fällen auf dem Organonmodell BÜHLERs (1934; 1999) auf. Dieser benennt die Darstellungs , Ausdrucks und Appellfunktion als die drei grundlegenden Funktionen sprachlicher Zeichen (vgl. BRINKER 2005, S. 107; BÜHLER 1934, S. 28ff.). BRINKER sucht nun in seiner Klassifikation eine genauere Einteilung dieser Klassen vorzunehmen, und orientiert sich hierbei eng an der Sprechaktklassifikation SEARLEs (BRINKER 2005, S. 109). Wie SEARLE (1975) zwischen fünf Klassen von Illokutionstypen unterscheidet, so unterteilt auch BRINKER in fünf'Funktionsklassen (ebd., S.113 ff.):

- Informationsfunktion Der Emittent gibt dem Rezipienten zu verstehen, dass er ihn über etwas informieren will;
- Appellfunktion Der Emittent gibt dem Rezipienten zu verstehen, dass er ihn dazu bewegen will, eine bestimmte Einstellung einer Sache gegenüber einzunehmen;
- Obligationsfunktion Der Emittent gibt dem Rezipienten zu verstehen, dass er sich ihm gegenüber verpflichtet sieht, eine bestimmte Handlung zu vollziehen;
- Kontaktfunktion Der Emittent gibt dem Rezipienten zu verstehen, dass es ihm um die personale Beziehung zum Rezipienten geht;
- Deklarationsfunktion Der Emittent gibt dem Rezipienten zu verstehen, dass der Text eine neue Realität schafft.

Die Textfunktion ist dabei nicht mit der kommunikativen Funktion des Textes zu verwechseln. Während es durchaus möglich ist, dass der Text verschiedene kommunikative Funktionen übernimmt, so ist die Textfunktion immer nur die dominierende Funktion des Textes und bestimmt somit auch den Kommunikationsmodus des Textes (vgl. ebd., S. 89).

[...]


1 Natürlich ist, im Sinne des von SHANNON und WEAVER vorgeschlagenen Kommunikations modells, auch die Minimierung der Anfälligkeit für Störungen im Übertragungsvorgang die Grundlage für die Optimierung der Kommunikation. Eine Optimierung die an diesen Aspekten ansetzt, istjedoch in den in dieser Arbeit vorgestellten Kommunikationsvorgängen, rein technischer Natur, und wird daher an dieser Stelle nicht weiter verfolgt.

2 Meldungen zu Verkehrsbehinderungen werden von den zuständigen Behörden in erster Linie an Anstalten der öffentlich rechtlichen Rundfunkmedien weitergegeben, vgl. hierfür Kapitel 4 dieser Arbeit.

3 Langer; Schulz v. Thun; Tausch 1974; 2006.

4 Hier werden Aspekte untersucht, die die Attraktivität und somit eher Aspekte der Unterhaltsamkeit von Texten in den Mittelpunkt rücken.

5 Siehe Kapitel 2.1 dieser Arbeit.

6 Ähnlich äußert sich auch Gansel 2011, S.9.

7 Vgl. Kapitel 2.1. dieser Arbeit.

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten

Details

Titel
Aspekte der Textkohärenz und Kommunikationsoptimierung in Verkehrsmeldungen
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
46
Katalognummer
V180503
ISBN (eBook)
9783656036319
ISBN (Buch)
9783656036401
Dateigröße
616 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aspekte, textkohärenz, kommunikationsoptimierung, verkehrsmeldungen
Arbeit zitieren
Lorenz Rassmann (Autor), 2011, Aspekte der Textkohärenz und Kommunikationsoptimierung in Verkehrsmeldungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180503

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