Inwieweit beeinflussen die etablierten Altersbilder einer Gesellschaft den Umgang mit dem demografischen Wandel?

Ein Vergleich von Deutschland und Japan


Hausarbeit, 2011
22 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Demografische Alterung
2.1 Bevölkerungsstrukturen in Deutschland
2.2 Bevölkerungsstrukturen in Japan

3. Gesellschaftliche Wahrnehmung
3.1 Altersbilder
3.2 Altersdiskriminierung

4. Phase des Ruhestands
4.1 Rahmenbedingungen des Ruhestandes
4.2 Selbstwahrnehmung von Alter und Ruhestand

5. Reaktionen auf die demografische Alterung durch die Politik
5.1 Aktivierung der Älteren in Deutschland
5.2 Technisierung der Altenpflege in Japan
5.3 Aktivierung vs. Technisierung - Vergleich und Diskussion

6. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Japan und Deutschland gehören zu den am schnellsten alternden Gesellschaften der Welt, da sie weltweit die geringsten Fertilitätsraten und gleichzeitig die höchsten durchschnittlichen Lebenserwartungen bei der Geburt aufweisen. Sowohl Deutschland als auch Japan sind Industrienationen, welche sich durch eine relativ alte Bevölkerungsstruktur charakterisieren lassen und sich im Prozess der Bevölkerungsalterung in einem fortgeschrittenen Stadium befinden. Beide Länder unterliegen seit vielen Jahren der demografischen Bevölkerungsalterung, doch aufgrund der unterschiedlichen Kulturen beider Länder, umfassen die Gesellschaften unterschiedliche Wahrnehmungs-, Denk- und Verhaltensmuster, die sich im Umgang mit dem Alterungsprozessen äußern. Diese zeigen sich vor allem in der Sichtweise auf die älteren Menschen und den damit verbundenen Altersbildern, die auch einen entscheidenden Einfluss darauf haben, wie die älteren Menschen sich selbst wahrnehmen.

Da ich eine vergleichende Arbeit anstrebe, wird es zu Beginn der einzelnen Kapitel eine allgemeine Einleitung zum betrachteten Themenaspekt gegeben, um im Anschluss den Fokus jeweils auf Deutschland und Japan im speziellen zu legen. Am Ende jedes Kapitels wird abschließend ein kurzes Zwischenfazit zu finden sein.

Zu Beginn dieser Arbeit sollen zunächst einige demografische Daten zur Alterung in Deutschland und Japan gegenübergestellt werden. Durch diese statistischen Angaben wird ersichtlich, inwieweit der Prozess der jahrelangen demografischen Alterung die Bevölkerungsstrukturen beider Länder bisher beeinflusst hat. Im Anschluss wird genauer dargestellt, wie die alternden Bevölkerungsgruppen jeweils von den Gesellschaften wahrgenommen werden, wodurch auch kulturellen Differenzen erkennbar werden. Dazu sollen einerseits die etablierten Altersbilder in Deutschland und Japan gegenübergestellt und andererseits die damit häufig einhergehende Problematik der Altersdiskriminierung in den Fokus gestellt werden. Daraufhin wird die Phase des Ruhestandes im Mittelpunkt stehen. In diesem Zusammenhang werden die Rahmenbedingungen dieser Lebensphase dargestellt, beispielsweise zu welchem Zeitpunkt sich der Renteneintritt vollzieht oder inwiefern die Renten für die wirtschaftliche Absicherung der älteren Bevölkerungsmitglieder ausreichen. Zudem wird es um die Selbstwahrnehmung dieses Lebensabschnitts durch die älteren Menschen gehen und die Art und Weise, wie sie mit dem Ruhestand umgehen und diese Lebendphase gestalten. Anhand dieser Darstellungen werden schließlich die Auswirkungen des jahrelangen demografischen Wandels auf die Bevölkerung deutlich. Deshalb werde ich im letzten Abschnitt die verschiedenen Konzepte seitens der Politik thematisieren, die als Konsequenz auf die starke Bevölkerungsalterung entstanden sind und mit denen Deutschland und Japan jeweils unterschiedlich darauf reagieren. Durch die anschließende vergleichende Diskussion beider Konzepte, soll mit Blick auf die gesellschaftlichen und kulturellen Hintergründe geklärt werden, ob diese denkbare Ansätze zum Umgang mit dem demografischen Wandel darstellen.

2. Demografische Alterung

„Der Prozess der Alterung der Bevölkerung ist durch eine Verschiebung der Altersstrukturen innerhalb der Bevölkerung gekennzeichnet - der Anteil jüngerer Menschen nimmt zugunsten des Anteils Älterer ab“ (Hoffmann/Menning 2004: 1). Diese Bevölkerungsentwicklung lässt sich sowohl in Industrie- als auch in Entwicklungsländern feststellen und die Ursachen sind dabei grundsätzlich ähnlich, denn in erster Linie sind es die sinkenden Fertilitätsraten und die steigende Lebenserwartung, die den Prozess der demografischen Alterung antreiben. Auch Vorgänge der Migration haben dabei einen Einfluss auf die Strukturverschiebung, jedoch nur in sehr geringem Maße.

Das Geburtengeschehen hat in Bezug auf die strukturellen Veränderungen der Bevölkerung eine besondere Bedeutung, da es die Reproduktion der Gesellschaft darstellt und damit einen enormen Einfluss auf die Erneuerung bzw. die Erhaltung der Gesellschaft übt. Die Lebenserwartung, als ein weiterer Einflussfaktor auf die demografische Alterung, gibt Auskunft über den Gesundheitszustand der Bevölkerung. Die Erhöhung der Lebenserwartung geht dementsprechend als ein Ergebnis aus den ökonomischen und technischen Fortschritten der vergangenen Jahrzehnte hervor. In den Industrienationen haben vor allem die Verbesserung der sozialen Lebensverhältnisse sowie die Fortschritte in der Medizin die steigende Lebenserwartung, besonders in den höheren Altersgruppen, beeinflusst.

2.1 Bevölkerungsstrukturen in Deutschland

In Deutschland sind die Geburtenzahlen historisch gesehen auf das bisher niedrigste Niveau abgesunken. Zwischen 2005 und 2010 lag die zusammengefasste Geburtenziffer für Deutschland bei 1,32 Kindern je Frau (Statistisches Jahrbuch 2010). Der Anteil der unter 15- jährigen an der Gesamtbevölkerung lag im Jahr 2010 bei 13,4% und war damit geringer als der Anteil der über 65-jährigen, welcher bei 20,5% lag (ebd.). Insgesamt lässt sich ein rapider Rückgang des Anteils der jungen Generation an der Gesamtbevölkerung Deutschlands verzeichnen, denn zwischen 1990 und 1996 hat sich der Anteil der unter 20-jährigen an der Gesamtbevölkerung von 44,2% auf 22,0% halbiert (vgl. Hoffmann/Höhne 1998: 1). Das „Geburtenniveau ist [zudem] zu gering, um den Anteil der verstorbenen Personen ersetzen zu können. Damit wird das einfache Ersatzniveau der Bevölkerung unterschritten, was zwangsläufig eine Reduzierung des Bevölkerungsbestandes und altersstrukturelle Verschiebungen zur Folge hat“ (Hoffmann 2002: 1).

Aber nicht nur die sinkende Geburtenziffer, sondern auch die beschriebene Steigerung der Lebenserwartung, wird in der deutschen Bevölkerung deutlich. Zwischen 2005 und 2010 lag die Lebenserwartung bei der Geburt für Männer bei 77,1 Jahren und für Frauen bei 82,4 Jahren (Statistisches Jahrbuch 2010). Dabei ist festzustellen, dass der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung zwischen 1999 und 2009 von 23,0% auf 25,9% gestiegen ist, denn im Jahre 1999 waren 26,4% der Frauen und 19,4% der Männer älter als 60 Jahre. 2009 gehörten bereits 28,5% der Frauen und 23,2% der Männer zu dieser Altersgruppe (Statistisches Bundesamt).

Aufgrund dieser Entwicklung lässt sich Deutschland den Ländern der Welt zuordnen, in denen der demografische Wandel zu besonders starken und vor allem rapiden Veränderungen der Altersstrukturen führt. Ein noch extremeres Beispiel für diesen Prozess der demografischen Alterung stellt allerdings Japan dar. Darum sollen im Folgenden die Bevölkerungsstrukturen Japans im Fokus der Betrachtung stehen.

2.2 Bevölkerungsstrukturen in Japan

Wenn man in Bezug auf Japan die entscheidenden Einflussfaktoren der demografischen Alterung betrachtet, lässt sich erkennen, dass Japan ähnliche Quoten wie Deutschland aufweist, jedoch vollziehen sich die strukturellen Verschiebungen in Japan zeitlich wesentlich rasanter. „Während in Deutschland die Verdoppelung des Bevölkerungsanteils alter Menschen von 7 auf 14% 42 Jahre benötigte (1930 bis 1972), fand dieser Prozess in Japan in nur 24 Jahren (1970 bis 1994) statt“ (Fürstenberg 2001: 6). Zudem ist die Geburtenziffer kontinuierlich niedrig, was zur Folge hat, dass Japan im Zeitraum von 2005 bis 2010 mit 1,27 Kindern je Frau nahezu die weltweit geringste zusammengefasste Geburtenziffer aufwies.

Auch in Bezug auf die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt stellt Japan ein Extremfall dar. Denn diese liegt im weltweiten Vergleich an erster Stelle. Von 2005 bis 2010 hatten die Männer eine Lebenserwartung von 79,0 Jahren und die Frauen von 86,2 Jahren. Im Jahre 1997 lag diese jedoch für Männer noch bei 77,2 und für Frauen bei 83,8 Jahren, was deutlich den Trend der steigenden Lebenserwartung sichtbar werden lässt.

Hinzukommend lässt sich auch in Japan die daraus resultierende Verschiebung der Altersgruppen stark wahrnehmen, denn 2010 machte die Altersgruppe der über 65-jährigen einen weitaus größeren Teil der Gesamtbevölkerung aus, als die unter 15-jährigen. Ähnlich wie in Deutschland la]g der Anteil der jungen Generation an der Gesamtbevölkerung dabei bei 13,2%, dagegen waren die über 65-jährigen mit 22,5% in der Gesamtbevölkerung vertreten (Statistisches Jahrbuch 2010).

Es stellt sich nun die Frage, wie die Gesellschaften auf die deutlich veränderten Altersstrukturen reagiert und welches Bild von den älteren Bevölkerungsgruppen vorhanden ist. Deshalb werden im folgenden Abschnitt zum einen die Altersbilder, welche in den Gesellschaften maßgeblich vertreten sind, genauer betrachtet und zum anderen die negative Seite der Altersdiskriminierung in den Fokus gestellt.

3. Gesellschaftliche Wahrnehmung

Wie die älteren Menschen von der Gesellschaft wahrgenommen werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Altersbilder werden beispielsweise durch die Darstellung älterer Menschen in der Werbung geprägt, da die Medien und insbesondere die Werbung einen erheblichen Einfluss auf die Meinungsbildung ausüben. Daneben ist auch die Arbeitswelt ein einflussreicher Faktor. Denn heute haben sich „immer stärker pluralisierte Altersbilder [etabliert], die durch fortgesetzte berufliche oder berufsähnliche Aktivität, geistige und/oder körperliche Aktivierung und individuelle Mobilität geprägt sind“ (Ruff 2009: 176). Zudem stellt auch die Altersforschung eine entscheidende Einflussgröße auf die Leitbilder des Alterns dar. Denn aus der Erforschung des Alters ergeben sich empirische Befunde, aus denen sich Theorien und Konzepte ableiten lassen, die die Vorstellung über das Alter in der Gesellschaft prägen.

Im Folgenden werden die in Deutschland und Japan etablierten Altersbilder gegenübergestellt, wobei auch der fließende Übergang von spezifischen gesellschaftlichen Altersbildern zu starren Altersstereotypen Beachtung finden soll, da sich daraus häufig die Problematik der Altersdiskriminierung ergibt. Auch diese äußert sich in beiden Ländern in verschiedener Weise, aufgrund des unterschiedlichen Umgangs mit dem Alter.

3.1 Altersbilder

Der erst kürzlich veröffentlichte „Sechste Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland“ befasst sich mit den vorherrschenden Altersbildern in unserer Gesellschaft. Um die Notwendigkeit eines solchen Altenberichts zu verdeutlich, wird darin betont, dass „die Zukunft des Alters und des Alterns […] in erheblichem Maße durch Altersbilder bestimm [ist, denn] Altersbilder sind nicht lediglich unbedeutende Begleiterscheinungen eines gesellschaftlichen Umgangs mit Alter, sie schaffen vielmehr eine Realität, an der sich das für eine Gesellschaft charakteristische Verständnis von Alter […] und der gesellschaftliche Umgang mit Alter orientieren und durch die der Umgang mit Alter begründet wird“ (Sechster Altenbericht 2010: 19).

Wie bereits erwähnt, prägen die medialen Altersbilder, welche vor allem über die Werbung vermittelt werden, die gesellschaftliche Wahrnehmung der älteren Menschen besonders stark. „In Anlehnung an [die] demografische Entwicklung zogen […] entsprechend mehr ältere Darsteller in die Reklame ein“ (Meissner 2005: 163). In der deutschen Werbung lassen sich ältere Menschen besonders in ihren geschlechterspezifischen Rollen finden, beispielsweise spiegeln sich ältere Frauen häufig in den Rollen der fürsorglichen Großmutter oder der kompetenten Hausfrau wider, älteren Männern werden dagegen eher die Rollen des berufstätigen Fachmanns oder des handwerklich begabten Experten zugeschrieben. Seit einigen Jahren werden entgegen des Jugendwahns auch ältere Frauen als Fotomodelle bei der Werbung für Kosmetikprodukte eingesetzt, um auf diesem Weg ein authentisches Bild vom Alter zu vermitteln. Die älteren Menschen werden aber nicht nur im Zuge der Werbung zunehmend öffentlich thematisiert, sondern auch durch die Fokussierung von negativen Klischees wie dem „schmarotzenden Alten“ oder dem „Mallorca-Rentner“. Durch die Etablierung solcher negativen Leitbilder, verschärfen sich zunehmend die Probleme zwischen der Generationen, welche sich vor allem im Generationenkonflikt äußern. Im anschließenden Abschnitt zur Altersdiskriminierung soll dieser daher im Fokus stehen.

Zuvor soll jedoch geklärt werden, welche Altersbilder in Japan das Gesellschaftsbild prägen. Aufgrund der öffentlichen Auseinandersetzungen mit dem enormen demografischen Wandel in Japan, werden die älteren Menschen in der Darstellung durch die Medien häufig präsentiert. Grundsätzlich ist dabei eine positive Einstellung zum Alter und zu den älteren Menschen zu verzeichnen, da altersbezogene Werthaltungen sowie die Ahnenverehrung Kernstücke der japanischen Kultur darstellen. Beispielsweise werden viele Feste zu Ehren der Alten gefeiert, wie das traditionelle Frühlingsfest, die der religiös geprägten Ahnenverehrung Ausdruck verleihen.

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Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Inwieweit beeinflussen die etablierten Altersbilder einer Gesellschaft den Umgang mit dem demografischen Wandel?
Untertitel
Ein Vergleich von Deutschland und Japan
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Soziologie des Alter(n)s
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
22
Katalognummer
V180708
ISBN (eBook)
9783656037583
ISBN (Buch)
9783656037910
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologie, Altersbilder, Japan, Deutschland, Demografischer Wandel
Arbeit zitieren
Gina Hardt (Autor), 2011, Inwieweit beeinflussen die etablierten Altersbilder einer Gesellschaft den Umgang mit dem demografischen Wandel?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180708

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