Wie kommen Planungen in Städtebau und Stadtplanung zustande?

Darstellung und Bewertung ausgewählter Verfahren und Prozesse


Seminararbeit, 2010
23 Seiten, Note: 1,2
Regine Fischer (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Planung neu denken!?

2. Ausgewählte Ver1ahren und Prozesse der Stadtplanung
2.1 Städtebauliche Wettbewerbe
2.1.1 Grundlegendes
2.1.2 Ablau1
2.1.3 Wettbewerbstypen
2.1.4 Beispiel „Berliner Stadtschloss”
2.1.5 Bewertung
2.2 Leitbilder
2.2.1 Grundlegendes
2.2.2 Leistungs1ähigkeit
2.2.3 Beispiel „PERSPEKTIVE München”
2.2.4 Bewertung
2.3 Partizipation
2.3.1 Grundlegendes
2.3.2 Beispiel „Messestadt München Riem”
2.3.3 Bewertung

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Planung neu denken!?

„Nichts ist so beständig wie der Wandel” lautet ein bekanntes Sprichwort. Städte und Stadt− regionen in Deutschland und Europa befinden sich seit jeher in Veränderungs− und Wand− lungsprozessen, deren Zeiträume immer kürzer werden und an die es sich anzupassen gilt. Seit einigen Jahren zählen zu diesen sich ändernden Rahmenbedingungen neben dem Wett− bewerb der Städte untereinander insbesondere auch ökonomische, ökologische, städtebau− liche und soziale Entwicklungen.

In wirtschaftlicher Hinsicht führen Globalisierung und Europäisierung von Wirtschafts−, Fi− nanz− und Kommunikationstechnologie zu einem neuen Rollenverständnis von Städten und Kommunen. Ökonomische Veränderungen sorgen dafür, dass Unternehmen aufgrund fort− schreitender De−Industrialisierung und Tertiärisierung nicht nur größer und internationaler werden, sondern auch standortunabhängiger. Europäische Stadtregionen stehen jedoch nicht nur in verstärkter Städte− und Standortkonkurrenz zueinander, sondern sind gleichzei− tig aufgrund von Verflechtungs− und Integrationsprozessen auch stärker als bisher miteinan− der verknüpft.

Der demographische Wandel gilt zudem als eine der prägenden heutigen Herausforderun− gen − vor allem Schrumpfung und Alterung der Bevölkerung als nicht mehr umkehrbare Pro− zesse machen eine Reaktion und Anpassung der Städte notwendig. Damit einhergehend kann es aufgrund von Veränderungen der Lebensstile und Altersstrukturen zu einer klein− räumigen Polarisierung und Diversifizierung der Gesellschaft mit möglichen Folgeproblemen (z.B. Segregation) kommen.

Schließlich sind auch Umweltveränderungen, allen voran der Klimawandel und die Anpas− sung an dessen Folgen wichtige Einflussfaktoren auf Städte und die heutige Stadtentwick− lungsplanung.

Vor diesem Hintergrund gilt es die Frage zu stellen, ob es Planung neu zu denken gilt. Fest steht sicherlich, dass die heutige Planung bereits geprägt ist von einer Renaissance informel− ler Verfahren. Stadtplanung ist nicht mehr ausschließlich mit klassischen, formellen Instru− menten wie Flächennutzungsplan und B−Plan zu steuern. Vielmehr sind Maßnahmenbündel erforderlich, die auf einer breiten Kommunikationsbasis aufbauen und auf allen Planungs− ebenen angesiedelt sind. Entscheidender Bestandteil dabei sind und werden neue Konstella− tionen vielfältiger Akteure sein. Von besonderer Bedeutung ist die Privatinitiative, d.h. Wirt− schafts− und Bürgerbeteiligung (vgl. REIß−SCHMIDT: 2OO6: f−3).

In der vorliegenden Arbeit sollen vor diesem Hintergrund drei ausgewählte aktuelle Pla− nungsverfahren anhand von Beispielen vorgestellt werden. Sie unterscheiden sich gänzlich in ihrer Herangehensweise an Stadtplanung und Stadtentwicklung und lassen sich nicht direkt miteinander vergleichen, sondern wirken vielmehr oft neben− oder miteinander. Anliegen ist es an dieser Stelle daher, einen Einblick bzw. den Versuch einer Antwort darauf zu geben, wie Stadtplanung (heute) zustande kommt.

Zunächst geht es um ein klassisches Verfahren mit sehr langer Tradition in der (deutschen) Planungslandschaft − städtebauliche Wettbewerbe, die festgelegten Regeln folgen. Im An− schluss wird die Entwicklung städtischer Leitbilder skizziert, welche heute in zahlreichen Städten zu finden sind und in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen haben. Als drittes Verfahren wird schließlich das Instrument der Bürgerbeteiligung aufge− führt, die in Planungen eine immer bedeutendere Rolle spielt.

2. Ausgewählte Verłahren und Prozesse der Stadtplanung

2.1 Städtebauliche Wettbewerbe

2.1.1 Grundlegendes

Als bekanntes und weit verbreitetes, informelles Instrument haben städtebauliche Wettbe− werbe für Stadterweiterung, Stadtumbau und weitere Bauaufgaben eine sehr lange Traditi− on in Deutschland − vergleichbare Abläufe gehen bis ins f9. Jahrhundert zurück. BECKER (f992) bezeichnet Wettbewerbe als ein „seltsames Phänomen, dessen Ergebnisse Architek− turzeitschriften beherrschen und die öffentliche Meinung erregen”. Unabhängig von der Zielsetzung eines Wettbewerbs ist es seine zentrale Aufgabe, die beste städtebauliche und architektonische Lösung für eine konkrete Bauaufgabe oder ein größeres Gebiet zu definie− ren. Oder anders gesagt: städtebauliche Wettbewerbe helfen bei der Suche nach einer sach− gerechten Lösung sowie der sachorientierten Vergabe öffentlicher Bauaufträge (vgl. LH DRES− DEN; LEUE 2OO2: 45).

Die rechtliche Grundlage aller städtebaulichen Wettbewerbe bilden die sog. R ichtlinien Jür Planungswettbewerbe (RPW 2008), die v om Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadt− entwicklung v erfasst und v eröffentlich werden. Erst im v ergangen Jahr sind diese in Kraft getreten und haben die bis dahin wirkenden Grundsätze und Richtlinien Jür Wettbewerbe (GRW) abgelöst. Die Grundlagen sollen klare Regeln für alle Beteiligten festlegen und eine geordnete Form in die Konkurrenz zwischen Architekten und Stadtplanern bringen. Zudem zielen sie darauf ab, „alternati v e und optimierte Konzepte für die Lösung v on Planungsauf− gaben (…) zu finden” (§f Abs.2 RPW 2OO8). I m Detail sei auf die Veränderungen und Erweite− rungen in den neuen Richtlinien an dieser Stelle nicht näher eingegangen. Festzuhalten bleibt, dass sie die bisherigen Grundsätze optimieren und kompakter zusammenfassen.

Die Architektenkammer Baden−Württemberg hat wesentliche Regeln für (städtebauliche) Wettbewerbe zusammengefasst zu den sog. 7 Säulen Jür einen erJolgreichen Wettbewerbs− ablauJ:

1. Chancengleichheit: im Mittelpunkt steht der korrekte, faire und transparente Ablauf um alle Teilnehmer zu jedem Zeitpunkt gleich zu behandeln
2. Ausreichende Teilnehmerzahl: genügend Vorschläge sind nötig, um die beste Lösung
herauszufiltern bzw. zu finden
3. Eindeutige AuJgabenstellung: die Vorgaben sind klar dargestellt und unterscheiden
v erbindliche Vorgaben und (Wunsch−)Vorstellungen des Auslobers
4. Angemessenes Prei s− leist ungs− Verhältnis (in Form v on Preisen und Anerkennungen)
5. Kompetentes Preisgericht: die eingereichten Arbeiten werden unabhängig und nach−
v ollziehbar beurteilt und bewertet
6. Anonymität: gilt als entscheidende Voraussetzung v on städtebaulichen Wettbewer− ben jeder Art, um sich nur der Sache und der Aufgabe zu v erpflichten
7. VerpJlichtung zur BeauJtragung

(v gl. ARCH I TEKTENKAMMER BADEN−WÜRTTEMBERG 2OO8).

Während eines jeden städtebaulichen Wettbewerbes prämiert eine Jury, „gebildet aus internen und externen Fachleuten sowie bei pri v aten Vorhaben aus Vertretern der I n v esto− renseite (…) im Rahmen eines abgestimmten Verfahrens im Verlauf einer demokratischen Willensbildung den am besten geeigneten Entwurf aus einer Mehrzahl v on Wettbewerbsbei− trägen” (LH DRESDEN). Die Grundzüge dieses Verfahrens und des Ablaufs städtebaulicher Wettbewerbe sollen im folgenden Kapitel dargestellt werden.

2.1.2. Ablauf

Die bereits erwähnte Wettbewerbsjury besteht aus Fachpreisrichtern und Sachpreisrichtern. Der Unterscheid liegt darin, dass Fachpreisrichter Fachleute sind, die mindestens über die− selbe Qualifikation im selben Tätigkeitsbereich (z.B. Architektur) v erfügen sollten, wie die Teilnehmer selbst. Sachrichter hingegen müssen keine Fachleute auf dem Gebiet der gestell− ten Aufgabe sein (v gl. ARCH I TEKTENKAMMER BADEN−WÜRTTEMBERG).

Neben dem Preisgericht sind weitere Akteure an städtebaulichen Wettbewerben beteiligt: der Auslober (öffentliche oder pri v ate Auftraggeber), die Teilnehmer (natürliche oder juristi− sche Personen, die den Anforderungen an die Teilnahme genügen), Betreuer (die die I nter− essen des Auslobers wahrnehmen und bei der Erstellung der Auslobung, der Organisation und Durchführung des Verfahrens mitwirken) sowie die Architektenkammern, den Wettbe− werb registrieren (v gl. §2 RPW 2OO8).

Städtebauliche Wettbewerbe lassen sich unabhängig v on ihrer Zielsetzung in eine grobe Ab− laufstruktur einpassen. Diese besteht aus den Abschnitten vor dem Wettbewerb, Vorberei− tung des Wettbewerbes, DurchJührung/AblauJ, Beurteilung und Nach dem Wettbewerb.

Die entscheidenden Schritte dabei sind folgende: zunächst werden durch den Auslober Pla− nungsziele formuliert, die Wettbewerbsart festgelegt (v gl. Kapitel 2.f.3), die Ausschrei− bungsunterlagen v orbereitet und die Wettbewerbsbedingungen dargelegt.

Nach der Bekanntmachung in geeigneter Form, d.h. im Amtsblatt, der Fachpresse oder im Internet und der Verteilung der Unterlagen beginnt die Bearbeitung durch die Teilnehmer. Dies geschieht unter Berücksichtigung der Vorgaben des Auslobers und innerhalb einer v or− geschriebenen Bearbeitungszeit. Nach der Kontrolle der fristgemäßen Abgabe durch Auslo− ber und Betreuer tagt das Preisgericht. Die Sitzung endet mit der Entscheidung bzw. der Zu− teilung der Preise sowie der Empfehlung an den Auslober zur Beauftragung und weiteren Bearbeitung. Mit der Preisgerichtsentscheidung endet das anonyme Verfahren und in einem letzten Schritt wird die Öffentlichkeit über den Ablauf informiert und alle Wettbewerbsar− beiten sowie das Preisgerichtsprotokoll öffentlich ausgelegt (v gl. ARCHITEKTENKAMMER BADEN− WÜRTTEMBERG 2OO9).

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Wie kommen Planungen in Städtebau und Stadtplanung zustande?
Untertitel
Darstellung und Bewertung ausgewählter Verfahren und Prozesse
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Lehrstuhl für Raumentwicklung)
Veranstaltung
Zukunft von Städten und Regionen
Note
1,2
Autor
Jahr
2010
Seiten
23
Katalognummer
V180762
ISBN (eBook)
9783656036579
ISBN (Buch)
9783656036777
Dateigröße
844 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
planungen, städtebau, stadtplanung, darstellung, bewertung, verfahren, prozesse
Arbeit zitieren
Regine Fischer (Autor), 2010, Wie kommen Planungen in Städtebau und Stadtplanung zustande?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180762

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