Bildet trotz der Ambivalenz des Begriffes 'ruach' die Geistvorstellung des Alten Testaments das Fundament für die Dämonenvorstellung des Neuen Testamentes?

Exemplarische Untersuchung anhand der biblischen Person Sauls


Seminararbeit, 2011
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Einführung in die Quelle
2.1. Allgemeine inhaltliche Darstellung des I Buches muel
2.2. ul im historischen Kontext

3. Darstellung und Einordnung des Begriffes Geist in das Gesamtwerk (muel I)
3.1. Allgemeine Kategorisierung der Textstelle
3.2. Einblick in den Originaltext
3.3. Die Ambivalenz des Bergriffes ruach
3.4. Böser Geist = Dämon?
3.5. Das theologische Bild hinter der Textstelle

4. Auswertung und Bewertung

5. Literaturverzeichnis.

1. Einleitung:

„Als nun der Geist des Herrn von Saul gewichen war, quälte ihn ein böser Geist, vom Herrn gesandt."(1. Sam 16,14)

Kann man diese Textstelle des Alten Testaments als frühes Fundament für die Dämonenvorstellungen des Neuen Testaments verstehen, oder verbirgt sich etwas anderes hinter der Formulierung „böser Geist"?

Inwieweit die Geistvorstellung des Alten Testaments, angelegt an das hebräische Wort ruach (רוּחַ), die Basis für die Dämonenvorstellung des Neuen Testaments und auch unsere heutigen Zeit bildet, wird in dieser Seminararbeit diskutiert. Auch die Entwicklung der christlichen Dämonologie wird deshalb thematisiert, um mögliche Differenzen in den Vorstellungen zu verstehen.

Um die Ambivalenz des Begriffes Geist genauer beschreiben zu können, werden verschiedene Textstellen aus dem gesamten ersten Buch Samuel untersucht.

2.Einführung in die Quelle :

2.1. Allgemeine inhaltliche Darstellung des I Buches Samuel

Allgemein wird das Geschehen dieses Buches durch die drei Personen Samuel, Saul und David bestimmt. In den einleitenden Kapiteln 1-8 wird die Jugend des Propheten Samuel beschrieben. Unterbrochen wird dieser Erzählstrang durch die Kapitel 4-6, in denen auf die Bedrohung durch die Philister hingewiesen wird. Israel äußert als Reaktion auf die neue Bedrohung den Wunsch nach einem König (Kap. 8), welcher dann in Person Saul in Kapitel 9 und 10 von Samuel gesalbt und ernannt wird. In Kapitel 11 folgt dann auch schon die erste Handlung Sauls als König, er erringt einen partiellen Sieg gegen Ammoniter und gewinnt somit Zustimmung für das Einführen eines Königtums im Volk Israel. Diese Zustimmung wird durch die Rede zur Errichtung eines Königreiches (Kap. 12) von Samuel weiter forciert, ehe Saul weitere Siege über die Philister (Kap. 13-14) erringt.

Das Kapitel 15 ist von einer scharfen Wendung der inhaltlichen Handlung des Buches geprägt. Saul, der auf Gottes Befehl einen Sieg über die Amalekiter erringt, folgt nicht gänzlich Gottes Wort und lässt den König Agag leben und bereichert sich an dessen Vieh. Gott spricht als Reaktion auf den Ungehorsam durch Samuel die Verwerfung über Saul aus und lässt David von Samuel zum König salben (Kap. 16). In Kapitel 16 bis 18 werden David und Saul in einem Erzählstrang zusammen gefasst, während dessen David sogar die Tochter Michal von Saul zum Weib bekommt. Durch die Verwerfung von Gott entwickelt sich zunehmend Eifersucht gegen David in Saul („Und Saul beneidete David von jenem Tage an und forthin." 1.Sam 18,9), die in Kapitel 19 dazu führt, dass David von dem Hof Sauls flieht. Diese Fluchterzählung wird mit wenigen inhaltlichen Einstreuungen bis Kapitel 27 beschrieben. Kapitel 28 und 29 beschreiben dann die erneute Bedrohung Israels durch die Philister, was in letztendlich in Kapitel 31 zu dem Tod Sauls durch das eigene Schwert führt. Der Untergang Sauls wird auch noch später in dem Buch 1 Chronik, Kapitel 10, thematisiert.

2.2. Saul im historischen Kontext

Das erste Buch Samuel bildet das Fundament für eine historische und gesellschaftliche Veränderung des Staates Israel weg von einem losen Gesellschaftsverbund (Richterzeit) hin zu einer Institutionalisierung der Gesellschaft mittels eines Königs (Königezeit). Zusammen mit dem 2. Buch Samuel betrachtet man deshalb die beiden Bücher als das Zentrum des dtr Werkes[1].

Die Richterzeit, auch Konsolidierungsphase genannt[2], ist eine Gesellschaftsform, die nach der Landnahme ab dem Jahr 1200 v. Chr. das frühe Israel für ca. 200 Jahre geprägt hat. Das Volk Israel ist in dieser Zeit noch in verschiedene Stämme geteilt. Außer ihrem gemeinsamen Glauben an den kanaanäischen Gott El[3] sind die Stämme nicht gesellschaftlich und soziologisch mit einander verwoben. Eine zentrale Identifikationsgröße wie ein monomentales Zentralheiligtum gibt es noch nicht[4], erst mit dem Bau des Jerusalemer Tempel im Jahr 957 v. Chr. gewinnt das Volk Israel solch ein Zentralheiligtum. Die Richterzeit ist bestimmt durch das Wirken der „kleinen Richter" und der „großen Richter". Die so genannten „kleinen Richter" werden in Ri. 10,1-7; 12,7-15 namentlich erwähnt und dienen sowohl der diplomatischen Kommunikation zwischen den Stämmen als auch der juristischen Klärung gewisser Problemfälle innerhalb der Stämme[5]. Von diesem Amt muss man die „großen Richter" wiederum differenziert betrachten, denn diese werden nur temporär im Kriegsfall eingesetzt, um die Stämme zu schützen. Theologisch betrachtet steckt hinter diesem Gedanken ein göttlicher Wille, der die einzeln Heerführer in ihr Amt einsetzt. Ein „großer Richter" ist folglich als ein charismatischer, von Gott bestimmter Heerführer zu sehen.

Durch das Einsetzen einer dauerhaften Bedrohung des Volkes Israel durch die Philister, die sich vermutlich mit der Duldung des ägyptischen Staates im 11 Jh. v. Chr.[6] an der Westküste Israels ansiedeln, ist Israel gezwungen, die bestehenden Gesellschaftsstrukturen zu überdenken, um ein neues Gesellschaftsmodell zu entwickeln, das der Bedrohung stand halten kann. Israel führt als Reaktion auf die Bedrohung die Königsherrschaft ein und ernennt Saul zum ersten König über Israel. Saul, der selbst noch mit dem alten gesellschaftlichen Richtermodell aufgewachsen ist, führt ein stehendes Heer ein, welches eine Steuerreform voraussetzt. Sonstige innenpolitische Reformen gehen von Saul nicht aus, der die einzelnen Posten des Königshofes nur mit Verwandten besetzt[7].

Saul kann auf Grund seiner Sozialisation nicht final als König im heutigen bekannten Sinne verstanden werden. Er ist vielmehr als ein Übergangskandidat zwischen zwei Epochen zu sehen, der den Schutz Israels vor den Philistern gewährleisten muss. Erst mit dem Regierungsantritt von König David (bis 960 v. Chr.) erhält Israel eine Königsherrschaft, die nicht nur militärische, sondern auch politische Ausprägungen hat[8]. Politische wie auch militärische Erfolge lassen Israel dann auch seine erste große Blütezeit erleben[9]. Davids Nachfolger, sein eigener Sohn Salomo, verändert wiederum die Regierungsform und konzentriert sich verstärkt auf innenpolitische Reformen.

Nach Salomos Tod (927 v. Chr.) teilt sich Israel in das Nordreich und das Südreich auf. 722 v. Chr. erfolgt der Niedergang des Nordreiches durch die Eroberung durch die Assyrer und 587 v. Chr. der Niedergang des Südreichs durch die Babylonier mit der anschließenden babylonischen Exilszeit. Diese Entwicklung bedeutet auch gleichzeitig das Ende der Königszeit (1000-587 v. Chr.).

Dieses Hintergrundwissen über die historischen Entwicklungen und weitreichenden Veränderungen zu Zeit Sauls soll als Grundlage dienen, um die biblische Person Saul besser zu verstehen.

3. Darstellung und Einordnung des Begriffes Geist in das Gesamtwerk (Samuel I)

3.1. Allgemeine Kategorisierung der Textstellen

Insgesamt werden in dieser Seminararbeit zehn Textstellen, in denen das Wort Geist bzw. vergleichbare Konnotationen auftauchen, untersucht. Um ein möglichst breites Spektrum an Assoziationen zu dem Wort Geist zu gewinnen, werden neben den drei wissenschaftlich relevanten Bibelübersetzungen (Elberfelder/Zürcher/Luther) auch die sprachlich moderner „Gute-Nachricht" Bibelübersetzung in die Parallelanalyse integriert.

Die Textstellen stammen alle aus dem ersten Buch Samuel, beziehen sich allerdings nicht ausschließlich auf Saul, sondern auch punktuell auf David (vgl. 1 Sam. 16,13) oder auch auf Sauls Boten (vgl. 1 Sam. 19,20).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] vgl. dtv-Atlas Bibel (2009): S. 65

[2] vgl. Mommer, Peter (2009): Module der Theologie: Altes Testament, S. 44

[3] vgl. ebd. S. 44

[4] vgl. ebd. S. 45

[5] vgl. ebd. S. 46

[6] vgl. Mommer, Peter (2009): Module der Theologie: Altes Testament, S. 46

[7] vgl. ebd. S. 47

[8] vgl. dtv-Atlas Bibel (2009): S. 67

[9] vgl. Mommer, Peter (2009): Module der Theologie: Altes Testament, S 47

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Bildet trotz der Ambivalenz des Begriffes 'ruach' die Geistvorstellung des Alten Testaments das Fundament für die Dämonenvorstellung des Neuen Testamentes?
Untertitel
Exemplarische Untersuchung anhand der biblischen Person Sauls
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V181126
ISBN (eBook)
9783656039006
ISBN (Buch)
9783656038832
Dateigröße
583 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ambivalenz, geistvorstellung, alten, testaments, fundament, dämonenvorstellung, neuen, testamentes, sauls
Arbeit zitieren
Niklas Peuckmann (Autor), 2011, Bildet trotz der Ambivalenz des Begriffes 'ruach' die Geistvorstellung des Alten Testaments das Fundament für die Dämonenvorstellung des Neuen Testamentes?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181126

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