Die Zukunft des Wassers

Motive und Ansätze für eine nachhaltige Entwicklung


Hausarbeit, 2011

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Gegenwärtige Wassersituation
1.1 Vorkommen
1.2 Verfügbarkeit
1.3 Verbrauch

2 Die (zukünftige) Wasserkrise

3 Leitlinien einer neuen Wasserethik
3.1 Schutz der Ökosysteme
3.2 Gerechtere und eXzientere Wassernutzung .
3.3 Zielgerichtete Entwicklungshilfe und -politik .
3.4 Gerechte Wasserbewertung

Schlussfolgerung

Literatur

Tabellenverzeichnis

1 Prozentanteil der urbanen und ländlichen Bevölkerung mit Zugang zu Trinkwas- ser und sanitären Anlagen

2 Wasser-Stress-Index nach Falkenmark

Abbildungsverzeichnis

1 Intersektoraler Wasserverbrauch nach Regionen

Einleitung

Wasser, du hast weder Geschmack noch Farbe, noch Aroma. Man kann dich nicht beschreiben. Man schmeckt dich, ohne dich zu kennen. Es ist nicht so, dass man dich zum Leben braucht:

du selber bist das Leben!

Antoine de Saint–Exupéry

Wasser ist ein kostbares Gut. Sogar auf fremden Planeten wird nach ihm gesucht, um damit vergangenes oder mögliches Leben zu erklären. An seiner Wichtigkeit für das gesamte ökologische System der Erde besteht kein Zweifel. Dieses ökologische System sorgt durch seine Kreisläufe auch dafür, dass Wasser ständig in Bewegung ist und damit unser Klima und Wetter mitbestimmt. Das heißt aber auch, dass Wasser nicht gleichmäßig auf der Erde verteilt ist. In den Industrienationen meist ausreichend vorhanden, fehlt es in anderen Regionen der Welt schon für die nötigsten Dinge: als unbedingt benötigtes Trinkwasser, für die Zubereitung von Speisen sowie als Voraussetzung zur Aufrechterhaltung der einfachsten Hygienemaßnahmen.

Die vorliegende Arbeit untersucht die gegenwärtige Wassersituation, die für zahlreiche betrof- fene Regionen und Gesellschaften bereits jetzt sozial und wirtschaftlich riskant ist. Dazu führt die Arbeit zu Beginn in die aktuelle Verfügbarkeit und Nutzung der Wasserressourcen ein. An- schließend werden die Gefahren dargestellt, die den betroUenen Gesellschaften bei unveränderter Nutzung drohen. Um diesen Gefahren zu entgehen, gibt es mannigfaltige Ansätze, die alle ei- nem gerechteren und nachhaltigeren Umgang verpWichtet und auch gleichen Voraussetzungen unterlegen sind. Mit der Beschreibung und Analyse dieser, durch Literaturrecherche zusammen- getragenen Ansätze, beschäftigt sich der umfangreichste Teil dieser Arbeit, bevor dann in der Schlussfolgerung eine Zusammenfassung und kritische Würdigung der Maßnahmen geschieht.

1 Gegenwärtige Wassersituation

Jede Gesellschaft unterliegt in Bezug auf ihren Umgang mit Wasser anderen Voraussetzungen.

Zum einen sind dies soziokulturelle Faktoren, die den Umgang und die Wertschätzung von Wasser bestimmen. In vielen Religionen steht Wasser für die Fruchtbarkeit und das Leben. In der babylonischen Schöpfungsmythologie (Enuma eliš) geht die Welt gar aus einem riesigen Ozean hervor. Während die in verschiedenen Kulturen beschriebene SintWut hingegen die Auslöschung der in ihrem Verhalten verfehlten Zivilisation zum Ziel hatte.

Zum anderen werden diese Voraussetzungen schlicht auch durch die geographischen Gegebenheiten, den Entwicklungs- und Bildungsstand der Gesellschaft, das politische System und der ökonomischen Leistungsfähigkeit der Industrie bestimmt.

Der unterschiedlich kulturelle Umgang und die globale Ungleichverteilung der Wasservorkommen lassen den Schluss zu, dass Wasser als ausschließlich regionale und keinesfalls als globale Ressource zu betrachten ist (Engelmann und Leroy, 2000).

Im Folgenden sollen Vorkommen, Verfügbarkeit und Verbrauch von Wasser zur Veranschaulichung der aktuellen Situation kurz erläutert werden.

Gegenwärtige Wassersituation

1.1 Vorkommen

Als ich im RaumschiU um die Erde kreiste, konnte ich sehen, wie wunderschön unser blauer Planet ist.

JURI GAGARIN

Dass unsere Erde als blauer Planet bezeichnet wird, ist dem Umstand geschuldet, dass ihre OberWäche zu zwei Dritteln mit Wasser bedeckt ist (Gleick, 1996)1. Dies lässt den vermeintlichen Schluss zu, Wasser stünde der Weltbevölkerung im ÜberWuss zur Verfügung. Doch nur etwa 3 Prozent der weltweiten 1.400 Millionen Kubikkilometer Wasser stellen überhaupt Trinkwasser dar. Der Großteil zirkuliert als Salzwasser in den Kreisläufen der Ozeane. Aber auch die überwiegende Menge des Trinkwassers ist für den Menschen nicht nutzbar. Das in Permafrostböden oder Gletschern gebundene sowie in nicht erschließbar tief liegenden Speichern lagernde Wasser ist unzugänglich oder schlicht nicht nutzbar. Lediglich 0,3 Prozent des Trinkwassers (etwas weniger als 100.000 Kubikkilometer) stehen als eigentlich nutzbare Ressource zur Verfügung.

Diese Wassermenge, die sich als Kreislauf in Flüssen und Seen sowie als Verdunstung und Niederschlag in der Atmosphäre wiederVndet, ist global sehr ungleich verteilt. Den größten EinWuss auf diese Verteilung stellt die geographische Lage der Region dar. Zum einen, weil dadurch die innerhalb des Gebietes zur Verfügung stehenden Vorkommen umgrenzt werden. Dabei handelt es sich um Grundwasser, Seen oder Flüsse. Zum anderen, weil durch die Lage Klimafaktoren, wie Niederschlags- und Evapotranspirationsmenge2, Temperatur, Sonneneinstrahlung etc. beeinWusst werden. Diese EinWussgrößen bestimmen beispielsweise die Zeit, die Wasser nach dem Niedergehen als Niederschlag bis zur Verdunstung zur Nutzung verfügbar ist.

Weiterhin entscheidend ist, ob die zu betrachtende Region neben endogenen auch über exo- gene Wasservorkommen verfügt. Als Extrembeispiel sei hier auf den Nil verwiesen. Er trägt als ZuWuss vom südlich gelegenen Nachbarn Sudan, zu 97 Prozent der Wasservorkommen Ägyptens bei (Engelmann und Leroy, 2000) und ermöglicht damit die Ansiedlung von 98 Prozent der Bevöl- kerung auf einer - im Vergleich zum Rest des Landes recht fruchtbaren - LandesWäche von nur 5,5 Prozent (Hultin, 1995).

Zunehmende, durch Abholzung, Überweidung und falsche Bewässerungsmethoden auch an- thropogen verursachte DesertiVkation verringert die Wasservorkommen ebenfalls (Burns, 1995).

1.2 Verfügbarkeit

Sind Wasservorkommen vorhanden, steht dieses Wasser längst noch nicht allen Bevölkerungs- teilen zur Verfügung. Die Erschließung von Vorkommen, die Aufbereitung und Reinigung, nicht zuletzt der Transport des Wassers, fordern einen Vnanziellen und technischen Aufwand. Diese Aufgabe ist von Entwicklungsländern kaum zufriedenstellend zu meistern. So gibt es gravierende Unterschiede zwischen der Versorgung von Städten und ländlichen Gebieten (Gleick et al., 2008), wie der Tabelle 1 für einige Länder Afrikas beispielhaft zu entnehmen ist. Ebenfalls hinderlich für die Verfügbarkeit von Wasser ist die ungenügende Abwasserentsorgung in Entwicklungsländern (siehe ebenfalls Tabelle 1), durch welche das (ohnehin knappe) Trinkwasser verschmutzt und unbrauchbar gemacht wird.

Tabelle 1: Prozentanteil der urbanen und ländlichen Bevölkerung mit Zugang zu Trinkwasser und sanitären Anlagen (Datenquelle: World Health Organization: Global Health Observatory Data Repository, Stand: 2008)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Um die Verfügbarkeit von Wasser international vergleichbar und diskutierbar zu machen, de- Vnierte Malin Falkenmark im Jahre 1989 den Wasser-Stress-Index (Falkenmark, 1989). Dieser er- möglicht die Kategorisierung unterschiedlicher Staaten und Regionen anhand der Wasserverfüg- barkeit. Als Ausgangspunkt diente Falkenmark ein täglicher Pro-Kopf-Verbrauch von 100 Litern als Minimum für den persönlichen Grundbedarf und die notwendige Hygiene. Dies ergibt eine jährliche Menge von 36,5 Kubikmeter. Hinzugerechnet werden muss ein weiterer, auf den Ein- zelnen umgerechneter Verbrauch für die Produktion von industriellen und landwirtschaftlichen Gütern, die Energieerzeugung und den Erhalt der Ökosysteme. Falkenmark bestimmte daraufhin die in der Tabelle 2 aufgeführten Grenzwerte (Verfügbarkeit pro Kopf per annum) zur Bestimmung unterschiedlicher Knappheiten.

Laut Klaphake (2003) waren im Jahre 1995 bereits über 40 Prozent der Weltbevölkerung von mindestens chronischem Wassermangel betroUen. Durch weiteres Bevölkerungswachstum, gera- de auch in den von Wasserknappheit betroUenen Staaten, soll die jährlich zur Verfügung stehende Pro-Kopf-Menge erneuerbaren Trinkwassers bis zum Jahr 2025 um weitere 30 Prozent abnehmen (Wallacher, 1999).

1.3 Verbrauch

So unterschiedlich Wasser über die Erde verteilt ist, so uneinheitlich stellt sich auch dessen Ver- brauch dar. Unabhängig vom persönlichen Bedarf eines jeden Einzelnen wird Wasser außerdem für die Herstellung pWanzlicher oder tierischer Erzeugnisse, die Produktion von Gütern und Er- zeugung von Energie sowie zum Erhalt der Ökosysteme benötigt.

Tabelle 2: Wasser-Stress-Index nach Falkenmark

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Verteilung des Verbrauchs ist vom Entwicklungsgrad der Gesellschaft und der Wirtschafts- struktur in Bezug auf die Drei-Sektoren-Hypothese3 abhängig. Dabei wird gerade in den Entwick- lungsländern, welche klimatisch bedingt bereits über knappe Wasserressourcen verfügen, beson- ders viel Wasser für aufwendig betriebene Landwirtschaft genutzt. Je höher die Industrialisierung und SpeziVzierung der Gesellschaft fortgeschritten ist, desto höher steigt der Verbrauchswert der Industrie, während der Wert der Landwirtschaft entsprechend zurückgeht. Gründe dafür sind zum einen der gesteigerte Energiebedarf der Industrie, für dessen Produktion ebenfalls Wasser benö- tigt wird (zur Kühlung der Kraftwerke) sowie die Tatsache, dass Lebensmittel aus preislichen Gründen importiert werden, da ein eigener Anbau wirtschaftlich nicht sinnvoll wäre. Die sehr unterschiedlichen sektoralen Verbrauchswerte des Jahres 2007 nach Regionen sind Abbildung 1 zu entnehmen.

2 Die (zukünftige) Wasserkrise

Was die Wasser- und Sanitärversorgung angeht, so leidet die Welt an einem Überschuss an Konferenz-Aktivitäten und einem DeVzit an glaubwürdigen Handeln.

KEVIN WATKINS

Bei einer Analyse der aktuellen Wassersituation und des Versorgungsgrades der Gesamtbevölkerung sowie der Betrachtung, dass das Thema Wasser medial seit einiger Zeit eine immer größer werdende Aufmerksamkeit erzeugt, muss man nicht von einer erst zukünftig drohenden Krise sprechen. Die Welt lebt bereits in einer solchen (Klaphake, 2003).

[...]


1 Alle weiteren Volumen- und Prozentangaben in Bezug auf Wasser entstammen dieser Quelle.

2 Als Evapotranspiration wird die Summe der Verdunstung von Wasser im PWanzenreich (Transpiration) und der auf unbewachsenem Land (Evaporation) bezeichnet (Hupfer und Kuttler, 2005).

3 Bewertung (nach Clark und Fourastié) des Entwicklungsstandes einer Gesellschaft anhand der Gliederung ihrer Wirtschaft in die Bereiche RohstoUgewinnung (primärer Sektor), RohstoUverarbeitung (sekundärer Sektor) und Dienstleistungen (tertiärer Sektor). Vgl. Arentzen und Lörcher (1994).

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Zukunft des Wassers
Untertitel
Motive und Ansätze für eine nachhaltige Entwicklung
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Weltrisikogesellschaft
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V181583
ISBN (eBook)
9783656049241
ISBN (Buch)
9783656048787
Dateigröße
1352 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologie, Umweltsoziologie, Wirtschaftsoziologie, Wasser, Nachhaltigkeit, Ethik, Umweltethik, Wirtschaftsethik, Umweltpolitik
Arbeit zitieren
Martin Hartmann-Schüler (Autor), 2011, Die Zukunft des Wassers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181583

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