Alternativer Tourismus am Beispiel des Kultur- und Begegnungszentrums Waldsassen


Diplomarbeit, 2007
107 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einführung

2. Alternativer Tourismus
2.1. Definition "Alternativer Tourismus"
2.2 Alternative Tourismusformen
2.2.1 Sanfter Tourismus - eine nähere Betrachtung
2.2.1.1 Begriffserklärung und Definition
2.2.1.2 Rahmenbedingungen für Sanften Tourismus
2.2.1.3 Varianten des Sanften Tourismus
2.2.1.4 Leitbild und Ziele des Sanften Tourismus
2.2.1.5 Kundengruppen im Sanften Tourismus
2.2.1.6 Beispiele für Sanften bzw. Nachhaltigen Tourismus
2.2.1.7 Die Zukunft des Sanften Tourismus
2.2.1 Kulturtourismus
2.2.2.1 Definition von Kulturtourismus
2.2.2.2 Erscheinungsformen des Kulturtourismus
2.2.2.3 Struktur des kulturtouristischen Angebots
2.2.2.4 Kundengruppen im Kulturtourismus
2.2.2.5 Chancen und Risiken im Kulturtourismus
2.2.2.6 Aktuelle Fakten zum Kulturtourismus
2.2.2.7 Die Zukunft des Kulturtourismus

3. Die Klosterstadt Waldsassen
3.1 Lage und Erreichbarkeit
3.2 Zahlen, Daten, Fakten
3.3 Tourismus in Waldsassen
3.3.1 Zahlen, Daten, Fakten
3.3.2 Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele
3.3.3 Kulturelle Veranstaltungen und Events
3.3.4 Freizeit und Sport
3.3.5 Pauschalangebote in Waldsassen

4. Das Kloster Waldsassen - Sitz des Zisterzienserordens
4.1 Geschichte des Klosters
4.2 Die Klostergebäude
4.3 Das Kloster heute - Zahlen, Daten, Fakten
4.4 Das Projekt St. Joseph

5. Das KuBZ - Kultur- und Begegnungszentrum Waldsassen
5.1 Die Entwicklung der Stiftung
5.2 Das Zentrum als Zukunftschance
5.3 Orientierung an den Trends im Tourismus
5.4 Ziele des Kultur- und Begegnungszentrums
5.5 Aufgaben des Zentrums
5.5.1 Musik und Meditation als Schwerpunkte
5.5.2 Weitere Akzente
5.5.2.1 Beitrag zur internationalen und interkulturellen Begegnung und Verständigung
5.5.2.2 Möglichkeiten für Begegnung und Kommunikation
5.6 Die Umweltbildungseinrichtung Waldsassen - die Umweltstation
5.7 Nutzergruppen
5.8 Programm des Kultur- und Begegnungszentrums
5.9 Neue Angebote und zukünftige Programmerweiterungen
5.10 Marketing des Kultur- und Begegnungszentrums
5.10.1 Besucherinformation
5.10.2 Events
5.10.3 Merchandising
5.10.4 Weitere Akzente im Marketingbereich

6. Empirische Untersuchung

7. Resümee

Anhangverzeichnis

Anhang

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Hartes Reisen - Sanftes Reisen

Abbildung 2: Entwicklung des Sanften Tourismus

Abbildung 3: Das magische Fünfeck im Zentrum Sanfter Tourismusentwicklung

Abbildung 4: Von der Kulturreise zur Reisekultur

Abbildung 5: Strukturen im Kulturtourismus

Abbildung 6: Effekte im Kulturtourismus

Abbildung 7: Der Tagesablauf im Zisterzienserkloster

Abbildung 8: Die Bedürfnispyramide nach Maslow

Abbildung 9: Projekte und Themenschwerpunkte der Umweltbildungseinrichtung

Abbildung 10: Das Programmangebot des KuBZ

Abbildung 11: Wirkungen von Events

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung

Tourismus ist für die ländlichen Regionen der Oberpfalz in Bayern ein wachsender und für einige Bewohner existentiell wichtiger Wirtschaftszweig. Es gilt hierbei zu beachten, dass die touristischen Nachfrager heutzutage reiseerfahren sind und meist auch anspruchsvoller. Das soll nicht heißen, dass sich die grundlegenden Motive des Reisens geändert haben, sondern dass neue Erwartungen und andere Zielgruppen dazu gekommen sind.

Der Tourist der heutigen Freizeit- und Erlebnisgesellschaft wird in Zukunft höhere Anforderungen an das Angebot im Natur- und Kulturbereich der Urlaubsdestination stellen.„„Rundum- Unterhaltung“, „Urlaub als großes Event“, „Aktivurlaub“, „Kunst- und Kulturgenuß“ könnten die Trends der Zukunft sein. Andererseits erwartet der „gespaltene Konsument“ zugleich Ruhe und Umweltschonung sowie Sinnesorientierung.“1

Als Folge aus diesen Entwicklungen ist die Tourismusbranche gefordert, neue Konzepte zu konstruieren, alternative Tourismusarten zu forcieren und dem Reisenden individuell zugeschnittene Reisemöglichkeiten anzubieten.

Aktuelle Reiseformen sind unter anderem der Kultur- und Naturtourismus, als Ausprägungsformen der Bedürfnisse des modernen Gastes. Diese Reiseformen sollen als alternative Tourismustypen dargestellt werden und anhand der Arbeit des Kultur- und Begegnungszentrums in der Klosterstadt Waldsassen vorgestellt werden.

Die theoretische Behandlung des Themas erfolgt gestützt auf ausgewählte touristische Fachliteratur, Internetrecherchen, offizielle Daten und Statistiken, sowie einer selbst durchgeführten Gästebefragung.

Zunächst einmal sollen allgemeine Begriffserklärungen und Definitionen zu alternativen Tourismusformen gegeben werden. Im anschließenden Teil der Arbeit wird die Destination Waldsassen, sowie das Kloster kurz vorgestellt.

Das Hauptaugenmerk liegt auf der Betrachtung und Analyse der Arbeit des Kulturund Begegnungszentrums Waldsassen.

Es wird erörtert, worin die Ziele des Zentrums liegen, an welchen Trends sich die Einrichtung orientiert und worin die Hauptaufgaben bestehen. Des weiteren wird die Umweltbildungseinrichtung vorgestellt sowie die Nutzergruppen des Kultur- und Begegnungszentrums. Aktuelle Entwicklungen, ein Überblick über die Marketingmaßnahmen und eine Empirische Untersuchung in Form einer Gästebefragung runden das Thema ab. Abschließend werden die Zukunftschancen erörtert und eventuelle Handlungsbedarfe dargestellt.

2. Alternativer Tourismus

Zunächst eine Abgrenzung des Begriffes Alternativer Tourismus.

Alternativtourismus gilt als eine Sonderform des Reisens und meint neue Reiseformen und Reiseinhalte, um individuelle Gästebedürfnisse befriedigen zu können. Entstanden ist der alternative Tourismus aus der Unlust vieler Reisender am traditionellen, althergebrachten Pauschaltourismus.

Bei der Pauschalreise kann der Gast alle Reiseleistungen, wie zum Beispiel Anreise, Transfers oder Unterkunft vorab als Gesamtpaket buchen.1 Bei der vom Reiseveranstalter angebotenen Pauschalreise hat der Kunde relativ wenig Aufwand und Arbeit, aber auch geringe beziehungsweise meist keine Handlungsspielräume seinen Urlaub selbst zu gestalten, was nicht allen Reisenden entspricht.

Aus dieser Unzufriedenheit entwickelten sich „ „individuelle, andere, neue, alternative, sanfte, einsichtige“ Reiseformen“.2

Zu Beginn des Alternativtourismus war die Gegenbewegung zur Pauschalreise der Rucksack-Tourist oder Globetrotter.3 Doch heute versteht man unter alternativen Tourismusformen weitaus mehr, was in den folgenden Ausführungen dargestellt wird.

2.1 Definition „Alternativer Tourismus“

Überwiegend wurde Alternativreisen mit Reiseformen der Globetrotter und Tramperszene in Verbindung gebracht oder aber synonym mit Rucksack- oder Freaktourismus verwendet.³ Doch aktuell wird der Begriff auch als Werbemittel in der Tourismusbranche genutzt. Die Welt soll „ „anders, behutsam, billig, do-it- yourself, alternativ, neu, sanft,...“ entdeckt werden.“2

Nachstehende Fakten sind typisch für Alternativtourismus:

- Abgrenzung zum Massentourismus

Wichtig für die Mehrzahl der Alternativtouristen ist die klare Abgrenzung vom Massentourismus, die Urlaubsform, bei der gleichzeitig Hunderte von Touristen in das gleiche Zielgebiet unterwegs sind, in gleichen Hotels übernachten und in großen Gruppen zur gleichen Zeit verpflegt und zur Besichtigung einheimischer Attraktionen geleitet werden.1 Der Alternativtourist möchte sich nicht durch Pauschalarrangements, geregelte Tagesabläufe, Animation oder Reiseleitung beeinträchtigen lassen und sehen sich selbst nach ihrem Verständnis, als Nicht-Touristen.2

- Reiseform

Als Reiseform entscheiden sich die Alternativtouristen für die selbstorganisierte Reise alleine oder in der Kleingruppe. Häufig haben die Individualreisenden mehr Zeit zur Verfügung als der Normaltourist und vermeiden die typischen „Touri-Aufenthaltsorte“ im Zielgebiet.2

- Informationen über das Gastland

Der Alternativreisende schätzt sich selbst als „überdurchschnittlich an Land und Leuten interessiert“3 ein und empfindet sein Anwesendsein im Vergleich zum typischen Massentourist als eher kleines Problem.4

Ausgehend von den vorangegangenen Fakten kann man nun Reisegrundsätze des Alternativtouristen ableiten.

So ist für diese Reisenden eine individuelle, freie Gestaltung der Reise sehr bedeutsam. Das fängt beispielsweise an beim Zusammenstellen der Anreise oder aber dem Finden einer geeigneten Unterkunft auf eigene Faust. Der Tourist möchte zudem das ursprüngliche Leben der Bewohner am Zielort kennen lernen. Dies kann in der Wohn- oder Lebensweise in der Destination sein, oder aber bei Dingen des täglichen Lebens, wie zum Beispiel in den Bereichen Lebensmitteln oder Fortbewegungsmitteln.

Im Idealfall leben die alternativen Gäste wie die Einheimischen im Urlaubsgebiet - in derselben Art von Unterkunft, mit den landestypischen Einrichtungen oder Ausstattungen. Der Reisende versteht sich als Anti-Massentourist, lehnt vorab organisiertes Programm ab und ist in kleinen Gruppen oder als individuell Alleinreisender unterwegs.

2.2 Alternative Tourismusformen

Beispiele für Alternative Tourismusformen sind zum Beispiel der Sanfte Tourismus und der Kulturtourismus. Beide Arten sind für das Kultur- und Begegnungszentrum Waldsassen von großer Bedeutung, weswegen im folgenden diese beiden Tourismustypen näher beleuchtet werden.

2.2.1 Sanfter Tourismus - eine nähere Betrachtung

Hinleitend zur Arbeit des Kultur- und Begegnungszentrums und den dazugehörigen Einrichtungen Umweltstation und Naturerlebnisgarten wird nun näher und detaillierter auf die alternative Reiseart des Sanften Tourismus eingegangen.

Sanfter Tourismus ist vom Begrifflichen schwer abzugrenzen, da es keine allgemeingültige Definition zum Thema gibt, sondern in der Fachliteratur viele verschiedene Tourismustypen auftauchen, die sich nahezu mit der gleichen Thematik befassen.

Ein entscheidendes Element beim Sanften Tourismus ist die umweltpädagogische Komponente. Der Reisende soll Informationen gewinnen, Erfahrungen machen, Neues erlernen und die Natur erleben - ohne aber das Gefühl übermittelt zu bekommen, dass er in der „schönsten Zeit des Jahres“ belehrt werden soll. Sanfter, Nachhaltiger, Natur- oder Ökotourismus werden heute vermehrt synonym verwendet, da diese Reiseformen ineinander übergehen, sich in vielen Details überschneiden und in der praktischen Umsetzung nahezu identisch sind.

Folgende Tabelle stellt die wichtigsten Fakten von Harten und Sanften Reisen gegenüber:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 (Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Freyer, W., Tourismus, 2006, Seite 522)

2.2.1.1 Begriffserklärungen und Definition

„Sanfter Tourismus“ wird in der Branche aktuell häufig als Synonym für eine große Anzahl ähnlicher Tourismusarten und -formen verwendet, deren Basisanliegen sinngleich sind.

Gemeint sind Tourismusformen, welche - anders als der traditionelle Tourismus - zumeist höhere Ansprüche an die wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Effekte des Reisens stellen.

Mit dem Ausdruck „Sanfter Tourismus“ werden dem Reisen meist folgende Attribute zugeteilt:

„- sanft, weich, still, ruhig, schonend, verträglich, einfach, freundlich,
- ökologisch, naturnah, naturorientiert, umweltfreundlich, grün,
- sozial, kulturell, sozio-kulturell verträglich,
- nicht-technisiert, motorlos, -extensiv, angepasst,
- „sustainable“

oder:

− alternativ, anders, neu, intelligent, mit Einsicht.“1

Im Zeitverlauf entwickelte sich der Sanfte Tourismus vom rein ökologischem Konzept hin zu den Zusatzaspekten Ökonomie und Soziales.

Entwicklung des Sanften Tourismus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 (Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Freyer, W.,Tourismus, 2006, Seite 523)

2.2.1.2 Rahmenbedingungen für Sanften Tourismus

Zunächst entstehen im Rahmen traditioneller Reiseformen einzelne Zusatzangebote ökologischen Tourismus. Angeregt werden diese durch das erhöhte Interesse der Reisenden an Natur und Umwelt, generell gestiegene Umweltsensibilität, dem Nachholbedürfnis Erwachsener an Information und dem Wunsch bereits früh bei der nächsten Generation Bewusstsein für Umwelt und Natur zu fördern.

Schritte zur Einrichtung ökologischer Reiseangebote sind anfangs oft nur minimal, wie zum Beispiel Informationstafeln an Wanderwegen, oder Gästeführer, die auf Umweltfragen hinweisen. Bei ansteigenden Zahlen der Touristen infolge solcher Angebote werden weitere Investitionen im Bereich des Ökotourismus sinnvoll, wie beispielsweise der Bau von Naturerlebnispfaden oder Tiergehegen.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass Sanfter Tourismus im Normalfall als Zusatzangebot zu einer vorhandenen Urlaubsform oder Attraktion existiert, oder aber als Nischenprodukt annonciert wird.

2.2.1.3 Varianten des Sanften Tourismus

Wie schon vorhergehend erläutert, kann Sanfter Tourismus schwer abgegrenzt werden - folglich gibt es eine Vielzahl von Varianten. Nachfolgend sollen einige bedeutsame Modulationen des Sanften Tourismus dargestellt werden:

- Naturtourismus:

Unter Naturtourismus fällt der Besuch von National- oder Naturparks, Naturstudienreisen, Safaris, Wanderungen, Radtouren, Expeditionen und Trekkingtouren. Das Hauptaugenmerk liegt hier beim Erleben von Natur und Umwelt mit allen Sinnen, sowie beim Erlernen vom verantwortlichen Umgang mit natürlichen Ressourcen.

- Agrotourismus:

Hierbei versteht man den Besuch von Landwirtschaftsausstellungen, von landwirtschaftlichen Museen, Besichtigungen landwirtschaftlicher Betriebe, Mitarbeit auf Höfen in der Destination, sowie das Leben gemeinschaftlich auf landwirtschaftlichen Betrieben im Zielgebiet. Der Schwerpunkt liegt bei der ursprünglichen Landwirtschaft und beim Sammeln von Erfahrungen und Wissen im Agrarbereich.

- Geotourismus:

Geotourismus meint unter anderem Entdeckungen von Vulkanismus, geologische Wanderungen, Fossiliensammlungen, Höhlenbesichtigungen, Ausgrabungsteilnahmen, und viele weitere Aktivitäten im geologischen Bereich. Hier geht es vor allem darum Informationen zu erlangen und praktisch neues oder mehr Wissen zu gewinnen.

- Bioparktourismus

Dies sind hauptsächlich Besuche in Zoos oder Tierparks, Aquarien, Vogelschutzstationen oder ähnlichen. Hauptsächlich kann der Reisende Tiere beobachten und Sensibilität für Natur und Lebewesen erlernen.

- Wissenschaftstourismus

Wissenschaftstourismus betrifft Angebote von Naturwissenschafts- und Technikmuseen, die dem Gast die Möglichkeit bieten, gut aufbereitete sowie interessant gestaltete Informationen zu erlangen.1

2.2.1.4 Leitbild und Ziele des Sanften Tourismus

Sanfter beziehungsweise Nachhaltiger Tourismus sollte vor allen Dingen sozial, kulturell, ökologisch und wirtschaftlich verträglich sowie langfristig ausgerichtet sein. Heutige und zukünftige Generationen werden in die Überlegungen der sanften Tourismusplanung einbezogen. Die Ziele müssen dementsprechend lauten:

- Gerechtigkeit im ethischen und sozialen Bereich
- Kulturelle Anpassung und Wertschätzung
- ökologisches Verantwortungsgefühl
- sinnvolle und ergiebige Wirtschaftlichkeit

Die folgende Darstellung des sogenannten magischen Fünfecks zeigt die Wechselwirkungen und Zielkonflikte der verschiedenen touristischen Aspekte untereinander auf.

Das magische Fünfeck im Zentrum Sanfter Tourismusentwicklung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 (Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Bieger, T., Tourismuslehre, 2006, Seite 42)

Die Zielsetzungen im Sanften Tourismus lassen sich zudem in drei Klassen unterteilen - in ökonomische, soziale und ökologische.

Zu den ökonomischen Zielen zählen unter anderem der Beitrag zur Wertschöpfung der Destination, die Stärkung der regionalen Wirtschaft oder auch die Schaffung von Arbeitsplätzen im Zielgebiet.

Soziale Ziele beinhalten beispielsweise die Beteiligung der einheimischen Bevölkerung am Tourismus, den interkulturellen Austausch oder aber auch ganz allgemein die Zufriedenheit der Reisenden und der Bereisten. Zum Beispiel dürfen Beschäftigte der Tourismusindustrie nicht ausgebeutet werden und die Arbeitsbedingungen müssen gerecht und menschenwürdig gestaltet sein.

Ökologisch gesehen sollten Zielsetzungen unter anderem in einem verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen, der Reduzierung von Emissionen sowie der Vermeidung von negativen Auswirkungen auf die Biodiversität liegen.

Für alle Marktteilnehmer und Interessensgruppen gibt es verschiedene Verhaltensweisen und -ansätze, um die Leitbildern und Ziele des Sanften Tourismus realisieren zu können.

Anbieter sollten also demnach ökologisch, sozial und wirtschaftlich verträglich offerieren und ein ökologisches betriebliches Management entwickeln.

Die Nachfrager der touristischen Leistungen sollten ihre ökologischen Gesellschafts- und Reiseverhalten weiterentwickeln, sozialverträglich reisen sowie wirtschaftsverträglich im Zielgebiet handeln. Das fängt schon damit an, natürliche Ressourcen umsichtig zu nutzen, den Müll verantwortungsbewusst zu entsorgen, einheimische Produkte zu kaufen oder aber landestypische Angebote in der Gastronomie zu nutzen.

Auf dem Tourismusmarkt sollten zukünftig ökologisch, ökonomisch und gesellschaftlich verträgliche Märkte und Marktsegmente gegenüber den weniger verträglichen Marktbereichen gefördert, geschützt, entwickelt und unterstützt werden.

Im Politikbereich schließlich sollte eine sanfte Tourismuspolitik den Rahmen für eine verträglichere Tourismusentwicklung schaffen, sowie die Trends durch sanfte Zielsetzungen steuern (zum Beispiel durch Gesetze, Verordnungen oder aber steuerliche Anreize).1

2.2.1.5 Kundengruppen im Sanften Tourismus

Nach den Ausführungen zu den Zielsetzungen und Leitbildern, sowie möglichen Umsetzungsgedanken zum Sanften Tourismus wird nun auf die potentiellen Kundengruppen eingegangen.

Im Allgemeinen ist es für 84% der Reisenden wichtig, im Urlaub intakter Natur und Umwelt zu begegnen. In der Liste der beliebtesten Urlaubsaktivitäten steht auf Rang fünf das Erleben von Naturschönheiten mit 42%.2

Reisen, die nach subjektiver Einschätzung der Urlauber in erster Linie Naturreisen sind, finden zu 49% im Inland statt. Das heißt, der Naturtourismus ist auch in Zukunft ein wichtiges Segment für den Deutschlandtourismus.3

Natururlaub ist unter anderem eine Altersfrage - vor allem bei Touristen ab 30 spielt die Natur bei der Reiseentscheidung eine gewichtigere Rolle. Bei den unter 30- Jährigen hingegen ist das Erleben der Umwelt nicht so bedeutend.2

Ebenfalls wichtig ist das Naturerleben für Familien mit kleinen Kindern und für Paare ab 40. Familien interessieren sich hierbei vor allem für die Besuche von Naturoder Nationalparks oder aber die Beobachtung von Tieren.2

Natur erleben ist für 42% der Frauen, aber nur für 36% der Männer ein wichtiges Urlaubsmotiv.2

Die naturinteressierten Reisenden generell...

- sind eher älter als jünger
- sind vor allem Familien mit jüngeren Kindern oder ältere Paare
- sind neben der Natur auch aufgeschlossen für Kultur und Bildung
- wollen etwas für ihre Gesundheit tun
- suchen ein gesundes Klima
- möchten Zeit füreinander haben
- bereisen gerne Naturattraktionen, wie zum Beispiel Natur- oder Nationalparks
- wandern und radeln gerne
- sind zugänglich für leichte sportliche Aktivitäten
- unternehmen gerne Ausflüge
- organisieren ihre Reisen vornehmlich selbst
- verbringen ihren Urlaub in erster Linie in Deutschland, vorzugsweise in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein oder Niedersachsen
- haben besonderes Interesse an Natururlaub, Gesundheitsurlaub, Urlaub auf dem Bauernhof und in Ferienwohnungen oder Ferienhäusern.1

2.2.1.6 Beispiele für Sanften beziehungsweise Nachhaltigen Tourismus

Anhand der folgenden Ausführungen wird dargestellt, welche Umsetzungen es aktuell im Bereich der Sanften Reisegestaltung gibt. Unterschieden werden die Bemühungen nach Reiseveranstaltern, Umweltsiegel, Umweltdachmarken, Beherbergungsbetrieben, Städte, Gemeinden und Regionen, sowie einige Einzelaktionen im Bereich des Nachhaltigen Tourismus. Die Aktivitäten in diesem Bereich sind ein weites Feld und deshalb werden nur einige beispielhafte Aspekte herausgearbeitet.

Begonnen wird mit einem sehr einflussreichen Teilbereich - dem Segment der Reiseveranstalter:

Veranstalter

- Nachhaltiger Tourismus als Unternehmensleitbild wie zum Beispiel das Forum „anders reisen e.V.“
- Nachhaltigere Reiseangebote - TUI - Naturerlebnisreisen oder Studiosus- Reisen
- TUI Umweltmanagementsystem

Umweltsiegel

- Umweltauszeichnung des DRV
- zahlreiche verschiedene Umweltprämierungen auf regionaler Ebene

Umweltdachmarken

− Umweltdachmarke Viabono - Viabono ist eine Dachmarke für nachhaltigen Tourismus in Deutschland, die Reisende auf sanfte Reisen aufmerksam machen will. Viabono entstand auf Initiative des BMU und UBA zusammen mit Vertretern der Tourismusindustrie und Verbraucher- und Umweltverbände. Das Angebot umfasst Pauschalangebote verschiedenster touristischer Leistungsanbieter, die alle dem Kriterienkatalog von Viabono unterliegen. Der Vertrieb erfolgt über das Internet unter www.viabono.de, sowie auf Messen oder Tagungen.

Beherbergungsbetriebe

- Einführung von Umweltmanagementsystemen, wie exemplarisch EMAS II
- Ganzheitliche Ansätze (z.B. Biohotels)
- teilweise Ansätze, wie abbaubare Putzmittel oder umweltfreundliches Toilettenpapier

Städte, Gemeinden, Regionen

- Leitbilder für Nachhaltigen Tourismus, wie das Umweltkonzept Werfenweng in Österreich
- Ökologische Ansätze in den Bereichen Transportmittel, Mobilität, Ressourcenverbrauch, Emissionsausstoß oder Müllentsorgung

Einzelaktionen

- Beitrag zum Klimaschutz der DEHOGA, BMU und IHA (Energiesenkungspotentiale ausnutzen)
- Abholservice der Hotels vom Bahnhof, wie zum Beispiel AMEROPA
- Klimabewusstes Reisen (atmosfair)
- Kostenlose Nutzung des Nahverkehrs mit der KONUS Gästekarte im Schwarzwald
- Zeitschriften wie „Verträglich Reisen“

2.2.1.7 Die Zukunft des Sanften Tourismus

Wie im vorhergehenden Teil dargestellt, gibt es schon viele Bemühungen im Bereich des nachhaltigen Tourismus. Wichtig ist für die Zukunft, dass nicht nur Nischenprodukte angeboten werden, sondern dass möglichst viele potentielle Gäste erreicht werden.

Zukünftig muss man ein modernes Marketingkonzept entwickeln - ausgehend von Kundenwünschen und -bedürfnissen hin zur individuellen Angebotsgestaltung in den Zielgebieten. Wenn man weiß, was der zukünftige Gast erwartet, können moderne und simultan nachhaltige Konzepte des Destinationsmanagements entwickelt werden.

"Umwelt und Tourismus" ist ein wichtiges Thema, welches auch in Zukunft verstärkt Beachtung finden muss.

Eine weitere alternative Tourismusform ist die, des Kulturtourismus, welcher im folgenden Teil näher betrachtet und erläutert wird.

2.2.2 Kulturtourismus

Kulturtourismus ist wohl so alt, wie der Tourismus selbst, denn fremde Kulturen und Länder waren schon immer anziehend und faszinierend für Reisende. Typischer Strandurlaub jedoch drängte den Kulturtourismus lange Zeit etwas in den Hintergrund und erst seitdem der Massenmarkt Sonne, Strand und Meer einen gewissen Sättigungsgrad erreicht hat, sucht der potentielle Gast verstärkt nach neuen Erlebnissen im Urlaub.

Kulturtourismus stellt heute nicht mehr nur ein Nischenprodukt dar, sondern ist ein wichtiger Bereich der touristischen Nachfrage und Angebot.

Doch zunächst eine Definition und Begriffserläuterung des Kulturtourismus.

2.2.2.1 Definition von Kulturtourismus

In der Fachliteratur gibt es mehrere Definitionen für den Begriff Kulturtourismus. Nachfolgend werden einige davon wiedergegeben.

„Der Kulturtourismus nutzt Bauten, Relikte und Bräuche in der Landschaft, in den Orten und in den Gebäuden, um dem Besucher die Kultur-, Sozial- und Wirtschaftsentwicklung des jeweiligen Gebietes durch Pauschalangebote, Führungen, Besichtigungsmöglichkeiten und spezielles Informationsmaterial nahe zu bringen. Auch kulturelle Veranstaltungen dienen häufig dem Kulturtourismus“1

Andere Definitionen verstehen unter Kulturtourismus jede Reise, die auf Kultur in weitestem Sinne ausgerichtet ist, wobei Bildungs- und Studienurlaub besondere Formen dieser Reiseart darstellen. Mit dieser Begriffserklärungen wird das Verhältnis von Kultur zu Kulturtourismus sehr deutlich und veranschaulicht sehr gut ein weites touristisches Betätigungsfeld.

Eine andere Definition, in der die ökonomischen Effekte von Kulturtourismus Beachtung finden, ist die folgende:

„Tourismuswirtschaftlich werden alle Aktivitäten als kulturell bezeichnet, die der Reisende als solche empfindet“.1

Der Kulturtourismus bezeichnet demnach alle Reisen, deren Schwerpunktmotiv kulturelle Aktivitäten darstellen.

Im engsten Sinn steht Kulturtourismus für eine neue, ganz bestimmte Form des Deutschlandtourismus. Entstanden ist er mit der Deutschen Wiedervereinigung 1990. Die Konzentration liegt zuallererst auf Zeugnissen deutscher Geschichte. Das macht die Abgrenzung zu traditionellen Bildungs- und Studienreisen deutlich, deren Ziel insbesondere die Kunstgeschichte fremder Länder ist. Im engst gefassten Sinn versteht man also aktuell und im speziellsten Sinn die neue, kulturelle Deutschlandreise - eine Deutschlandkulturreise. Eine auf Kultur - in einem breiten Verständnis - ausgerichtete Reise bezeichnet man als Kulturreise. Die Kulturreise ist demnach ein Oberbegriff für ein neues Segment im Tourismus. Bildungs- und Studienreisen ordnen sich demnach diesem Oberbegriff unter.

Eine noch ausgedehntere Begriffsfassung bezieht „Kultur im Tourismus“ mit ein. Kulturtourismus heißt demnach alles, jede Tourismusform, in welcher kulturelle Gesichtspunkte integriert sind. Schwierig ist hier nur die Frage, wie viel Kultur die Tourismusform verträgt und wie viele Kulturelemente soll Tourismus enthalten? Eine Erweiterung des Begriffs Kulturtourismus hat auch eine Ausdehnung des Kulturbegriffs für den Tourismus zur Konsequenz. Es wird deutlich, dass im Grunde alle Tourismusformen immer auch mit Kultur zu tun haben, sei es bei der Lebensweise am Zielort, den Sitten, landestypischen Gebräuchen, Speisen oder Getränken.2

Im weitesten Sinn wird der Begriff „Kulturtourismus“ gleichbedeutend mit „Reisekultur“ verwendet. In diesem Verständnis verstärkt der Begriff Kulturtourismus das „Bewußtsein, daß Tourismus immer selbst bereits Kultur ist und zwischen Kulturen des Herkunftlandes der Reisenden wie des Gastlandes der Bereisten vermittelt (vermitteln sollte).“1

Von der Kulturreise zur Reisekultur:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 (Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Dreyer, A., Kulturtourismus, Seite 20)

2.2.2.2 Erscheinungsformen des Kulturtourismus

Es gibt eine Vielzahl touristischer Erscheinungsstrukturen im Kulturtourismus, aber wie schon bei der Begriffsbestimmung ist auch hier eine eindeutige Zuordnung schwierig.

Je nach Intensität der kulturellen Aktivitäten im Reisezeitraum können als Erscheinungsformen des Kulturtourismus folgende angesehen werden:

- zum einen Städtereisen, deren Fokus auf Kultur und nicht auf Geschäftsreisen oder Shoppingtour liegt,
- als klassische Erscheinungsform gilt die Studienreise, mit Anbietern wie Studiosus,
- eine weitere Ausprägungsform sind die Bildungsreisen, die zum einen das Themenfeld Sprachreisen beinhalten, aber auch zum anderen, Musikbildungsreisen. Beinahe alle Formen der Weiterbildung werden angeboten,
- ein letztes Beispiel für Kulturtourismus ist auch der Thementourismus, der je nach Thematik eben auch kulturelle Bezüge aufweisen kann. So war Deutschland zum Beispiel 1996 mit dem „Lutherjahr“, sowie 1999 mit dem „Goethejahr“ positioniert.1

2.2.2.3 Struktur des kulturtouristischen Angebots

Das kulturtouristische Spektrum ist vor allem unüberschaubar und verändert sich ständig - durch eine vielfältige Anzahl von dynamischen Angeboten in diesem Bereich. Am besten lässt sich die Struktur der Angebotspalette mit folgender Darstellung erläutern:

Strukturen im Kulturtourismus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 (Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Steinecke, A., Kulturtourismus, 2007, S.7)

2.2.2.4 Kundengruppen im Kulturtourismus

Im Kulturtourismus werden vor allem drei Gästebereiche unterschieden:

- Die Kulturinteressierten: Diese Kundengruppe wählt das Zielgebiet nicht wegen des kulturellen Angebots vor Ort, ist jedoch offen für die Besichtigung kultureller Attraktionspunkte
- Die Kulturreisenden: Sie entscheiden sich wegen eines bestimmten Angebotes für eine Destination. Das Kulturangebot ist für dieses Gästesegment wichtiger als das Zielgebiet an sich.
- Die Eventtouristen: Diese Reisenden wählen ein kulturell populäres Ziel für einen einmaligen Besuch anlässlich eines Events, einer Ausstellung, einer Veranstaltung, etc. und wiederholen diesen kaum.1

2005 haben 4% der Deutschen eine Studienreise unternommen und 8% eine Kulturreise (inkludiert den Besuch von Festspielen, Theatern, Konzerten, etc.). Aktuelle Daten in den Reiseabsichten zeigen, dass die Zahl der deutschen Reisenden, die geplant haben, eine Studien- bzw. Kulturreise in den nächsten drei Jahren zu unternehmen stagniert ist.2

Wesentlich größer ist der Anteil der Deutschen, für die es im Urlaub besonders wichtig ist, etwas für Kultur und Bildung zu tun. Ein Wert von 14% zeigt, dass dieses Reisemotiv aber im unteren Spektrum der breiten Reisegründe liegt. Der Unterschied zu den anderen Reisemotiven liegt darin, dass nur ein sehr geringer Teil der Reisenden das Kultur- und Bildungsmotiv als völlig unwichtig betrachten. Es gibt demnach kaum Urlauber, für die Kultur überhaupt keine Rolle spielt.

Bildung und Kultur haben in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen, was zum einen auf ein gestiegenes Bildungsniveau, dem breiteren Kulturbegriff als auch einer höheren Erwartungshaltung der potentiellen Gäste an das Angebot zurück zu führen ist.3

32% der Deutschen haben in den letzten Jahren kulturelle Attraktionspunkte und Sehenswürdigkeiten frequentiert. Diese Auch-Kultururlauber oder Besichtigungsurlauber sind mengenmäßig die größte Gruppe innerhalb der Kulturtouristen.1

Ein vergleichbares Ergebnis liefert die Studie des Irish Tourist Board 1988 - etwa ein Viertel aller internationalen Touristenankünfte in der Europäischen Gemeinschaft konnte so dem Kulturtourismus zugeordnet werden. Bei 10% dieser Ankünfte handelt es sich um „specific cultural tourists“ - die Gästegruppe, für die Kulturattraktionen das Hauptmotiv der Reise darstellen. Die restlichen 90% bezeichnet man als „general cultural tourists“ - Besichtigungsurlauber mit einem breiteren Reisegrundspektrum.2

Ob Kultur als zentrales oder ergänzendes Reisemotiv angesehen wird ist abhängig von individuellen Präferenzen und Interessen.

Bedeutsame Einflussfaktoren auf die Reisebeweggründe sind unter anderem das Bildungs- und Einkommensniveau, sowie das Alter und die Lebensphase der Deutschen. So ist Kultururlaub vor allem für ältere Menschen, aber auch kinderlose Paare mittleren Alters interessant. Mit wachsender Bildung und mit steigendem Einkommen wächst die Nachfrage an kulturellen Angeboten. Zudem ist ein gewisses Image mit Kultururlaub verbunden und eine Abgrenzung zur breiten Masse findet statt.

Der Kulturtourist ist in der Regel ein besonders aktiver, mobiler und ausgabefreudiger Urlauber. Sie verfügen über breite Reisekompetenzen und sind deshalb sehr anspruchsvoll. Dieses Gästesegment erwartet im Kulturbereich ein komplexes, attraktives Produkt, dass sich aus Elementen von Kultur-, Konsum-, Erlebnis- und Verwöhnkomponenten zusammensetzt.

Besonders ausgeprägt im Kulturtourismus ist die relativ geringe bzw. antizyklische Saisonalität. Oftmals werden Reisen mit kulturellem Hintergrund in der Vor- oder Nachsaison unternommen, was zu einer optimierten Auslastung der gegebenen Unterkunftskapazitäten im Jahresverlauf führen kann.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass es sich beim Kulturtourismus aufgrund des positiven Images, des hohen sozialen Status und der hohen Pro-Kopf-Ausgaben um ein enorm attraktives Marktsegment handelt.1

Mit diesem Hintergrund wird nun auf die Chancen und Risiken des Kulturtourismus eingegangen.

2.2.2.5 Chancen und Risiken des Kulturtourismus

Folgende Ausführungen zeigen die Chancen des Marktsegments Kulturtourismus:

- Hohe Wertschöpfung: Im Allgemeinen gilt Kulturtourismus als Qualitätstourismus mit hoher Wertschöpfung. Diese hohe ökonomische Wertschöpfung beeinflusst auch Umweltschutz-, Landschafts- und Ortspflege-maßnahmen, was folgendes Diagramm veranschaulicht.

Effekte im Kulturtourismus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6 (Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Dettmer, H., Tourismustypen, 2000, S. 47)

- Zeitliche und räumliche Unabhängigkeit: Bis zu einem gewissen Grad ist der Kulturtourismus saisonunabhängig, da sich der qualifizierte Teilnehmerkreis überwiegend aus gut bzw. höher gebildeten, wirtschaftlich und zeitlich unabhängigen Gästesegmenten zusammensetzt.

Kulturtourismus ist ein geeignetes Mittel Reiseströme zu bekannten Hauptreisezeiten zu entzerren und somit tourismuspolitische Ziele wesentlich zu unterstützen. Auch für weniger attraktive oder nachgefragte Destinationen ist Kulturtourismus eine gute Chance, da Kulturgegenstände oder Veranstaltungen Reiseanlass sind und die räumliche Attraktion nicht so sehr im Vordergrund steht.

- Stabilisierender Faktor: Kulturtourismus unterliegt nicht so sehr ökonomischen Schwankungen, ist eher preisunelastisch, da die Nachfrager im allgemeinen eher aus gehobenen Einkommensschichten kommen. Somit ist Kulturtourismus ein Mittel zur antizyklischen Tourismuspolitik.

- Verbesserte Lebensqualität in den Zielgebieten: Die Wartung, Pflege und Verbesserung des kulturellen Angebots hebt, wie touristische Investitionen im Allgemeinen, die Lebensqualität der lokalen Bevölkerung. Überdies können durch touristische Initiativen und Entwicklungen bestimmte Formen des kulturellen Lebens erstmalig in den ländlichen Raum getragen werden.

- Intensiviertes Heimatgefühl: Durch die Pflege und Erhaltung traditioneller Volkskultur sowie lokaler Kulturdenkmäler wird nicht nur das touristische Attraktivitätspotential gesteigert, es stärkt auch das Heimatbewusstsein und sichert so den Fortbestand traditioneller Kultur- und Lebensformen. Ist man sich der Gefahr der Verkitschung bewusst, können durch sinnvolle Mitteleinsätze und Kulturtourismus vergessene Bräuche, Traditionen oder Kulturgüter wieder entdeckt und für künftige Generationen bewahrt werden.

Risiken des Kulturtourismus gibt es entgegen dieser genannten Vorteile und Chancen auch, was im Folgenden dargestellt ist.

Risiken sind unter anderem:

− Bedrohung des kulturellen Erbes: Massenhaftes Auftreten von Kulturtourismus kann in einigen Bereichen zu einer ernsthaften Bedrohung des kulturellen Erbes führen, Kulturdenkmäler durch Besuchermassen in Mitleidenschaft gezogen werden. Ein Gegenmittel kann im „Visitormanagement“ liegen, um die Kulturgüter zu schützen und sie zu bewahren, aber dennoch erlebbar zu machen.

[...]


1 Freyer, W., Tourismus, 2006, Seite 26

1 Vgl. Dettmer, H., Tourismustypen, 2000, Seite 60

2 Freyer, W., Tourismus, 2006, Seite 518

3 Vgl. Freyer, W., Tourismus, 2006, Seite 518

1 Vgl. Freyer, W., Tourismus, 2006, Seite 205

2 Vgl. Freyer, W., Tourismus, 2006, Seite 518

3 Freyer, W., Tourismus, 2006, Seite 519

4 Vgl. Freyer, W., Tourismus, 2006, Seite 519

1 Freyer, W., Tourismus, 2006, Seite 522

1 Vgl. Viegas, A., Ökodestinationen, 1998, Seite 17ff.

1 Vgl. Freyer, W., Tourismus, 2006, Seite 524

2 vgl. DTV, Natur, Erlebnis, Angebote, 2005, Seite 6

3 vgl. DTV, Natur, Erlebnis, Angebote, 2005, Seite 7 ff.

1 vgl. DTV, Natur, Erlebnis, Angebote, 2005, Seite 9

1 Dettmer, H., Tourismustypen, 2000, Seite 35

1 Dreyer, A., Kulturtourismus, 2000, Seite 22

2 Vgl. Dreyer, A., Kulturtourismus, 2000, Seite 22

1 Dreyer, A., Kulturtourismus, 2000, Seite 21

1 Vgl., Dreyer, A., Kulturtourismus, 2000, Seite 27

1 Vgl. Dettmer, H., Tourismustypen, 2000, Seite 37

2 Vgl. F.U.R. Reiseanalyse 2006, Seite 102

3 Vgl. Steinecke, A., Kulturtourismus, 2007, Seite 11

1 Vgl. F.U.R. Reiseanalyse 2006, Seite 110

2 Vgl. Steinecke, A., Kulturtourismus, 2007, Seite 12.

1 Vgl. Steinecke, A., Kulturtourismus, 2007, Seite 13 ff

Ende der Leseprobe aus 107 Seiten

Details

Titel
Alternativer Tourismus am Beispiel des Kultur- und Begegnungszentrums Waldsassen
Hochschule
Hochschule Deggendorf
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
107
Katalognummer
V181707
ISBN (eBook)
9783656053224
ISBN (Buch)
9783656053002
Dateigröße
1476 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
alternativer, tourismus, beispiel, kultur-, begegnungszentrums, waldsassen
Arbeit zitieren
Carina Stark (Autor), 2007, Alternativer Tourismus am Beispiel des Kultur- und Begegnungszentrums Waldsassen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181707

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