Obdachlose Jugendliche in Wien

Motive obdachloser Jugendlicher im Alter von 14 bis 18 Jahren


Diplomarbeit, 2007

91 Seiten


Leseprobe

INHALT

EXECUTIVE SUMMARY

VORWORT

DANKSAGUNG

1 EINLEITUNG
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Sozialarbeiterische Relevanz
1.3 Formelle Gliederung

2 DEFINITION RELEVANTE BEGRIFFE
2.1 Straßenkinder
2.2 Straßenkarrieren
2.3 Straße
2.4 Straßenszene
2.5 Jugendlicher
2.6 Obdachlos
2.7 Fazit des Kapitels

3 URSACHEN UND ERKLÄRUNGSVERSUCHE FUR DIE EXISTENZ OBDACHLOSER JUGENDLICHER
3.1 Ursachen
3.1.1 Die Flucht aus der Familie
3.1.1.1 Das Aufwachsen in sozialen Ungleichheitsstrukturen
3.1.1.2 Ein - Eltern oder Patchwork Familie
3.1.1.3 Pubertäre Probleme
3.1.1.4 Gewalterfahrungen
3.1.2 Ausstoßung aus der Familie
3.1.3 Subkulturelle Orientierung
3.1.4 Partnerschaftskonflikte
3.1.5 Kurze Zusammenfassung der Ursachen
3.2 Wissenschaftliche Erklärungsversuche
3.2.1 Medizinisch - psychiatrische Ansatz
3.2.2 Das psychologisch -pädagogisch orientierte Erklärungsmodell
3.2.3 Sozialisationsbezogener Ansatz
3.2.4 Diskrepanztheoretischer Ansatz
3.2.5 Subkulturkonzept
3.2.6 Theorie des differenzierten Lernens
3.2.7 Erklärungsmodell der Labeling- Perspektive
3.2.8 Primäre und sekundäre Abweichungen
3.2.9 Systemisches Erklärungsmodell
3.2.9.1 Bindungsmodus
3.2.9.2 Art der Verhaltenskontrolle
3.2.9.3 Bedeutungsdimensionen des Weglaufens
3.2.10 Kurze Zusammenfassung der Erklärungsversuche
3.3 Erste Fluchten
3.4 Fazit

4 METHODIK DES QUALITATIVEN FORSCHUNGSTEILES
4.1 Forschungsmethode
4.2 Forschungszielgruppe
4.3 Durchführung der Interviews
4.4 Leitfadenorientierte Interviews
4.5 ExpertInneninterviews
4.6 Transkription
4.7 Auswertung

5 ANALYSE DER FORSCHUNGSERGEBNISSE
5.1 Erkenntnisse aus den Interviews mit der Zielgruppe
5.1.1 Hilfeschrei - Einstieg
5.1.2 Herkunftssystem Familie
5.1.2.1 Erziehung
5.1.2.2 Familienkonstellationen
5.1.3 Auswirkungen von mangelhafter Beziehung
5.1.4 Attraktivität der Straße
5.1.5 Geschlechtsspezifische Unterschiede
5.1.6 Lebenswelt Straße
5.1.6.1 Lebenseinstellung
5.1.6.2 Lebensalltag
5.2 Erkenntnisse aus den Interviews mit den ExpertInnen
5.2.1 Herkunftssytem Familie
5.2.2 Attraktivität der Straße
5.2.3 Geschlechtsspezifisch
5.2.4 Lebenswelt Straße
5.2.5 Sichtweise der Expertinnen
5.3 Gemeinsamkeiten/ Unterschiede
5.4 Zusammenfassende Analyse
5.4.1 Aus den Erkenntnissen ableitbare Motive obdachloser Jugendlicher
5.4.2 Motive, die sich aus dem Herkunftssystem Familie ableiten lassen:
5.4.3 Motive, die sich aus der subjektiven Empfindung ableiten lassen:
5.4.4 Motive, die sich aus der Attraktivität der Straße ableiten lassen:
5.4.5 Motive, die sich aus gesellschaftlichen Kontexten ableiten lassen:
5.4.6 Vergleich der Erkenntnisse mit der Literatur
5.4.6.1 Herkunftssystem Familie
5.4.6.2 Subjektive Empfindung
5.4.6.3 Attraktivität der Straße
5.4.6.4 Gesellschaftlicher Kontext
5.4.7 Fazit der zusammenfassenden Analyse

6 SOZIALARBEITERISCHE ANSÄTZE

7 RESÜMEE

LITERATUR

ABKÜRZUNGEN

ANHANG

Leitfaden der Zielgruppe

Leitfaden der Expertinnen

Auswertungsbeispiel

Executive Summary

Cornelia Gundacker

Obdachlose Jugendliche in Wien

Motive obdachloser Jugendlicher im Alter von 14-18 Jahren

Diplomarbeit, eingereicht an der Fachhochschule St.Pölten im Mai 2007

Inhalt dieser Diplomarbeit sind Motive von obdachlosen Jugendlichen, welche unter der Berücksichtigung des Genderaspektes aufgezeigt werden. Um die Forschungsfrage beantworten zu können, werden relevante Begriffe erläutert, Ursachen die in der Literatur vorzufinden sind angegeben, sowie wissenschaftliche Erklärungsversuche aufgezeigt. Nach der Darstellung der methodischen Vorgangsweise folgt die Ausführung der Ergebnisse der qualitativen Forschung. Aus diesen werden Motive abgeleitet, die Jugendliche in Wien haben, ihren Lebensmittelpunktauf die Straße zu verlegen. Motive obdachloser Jugendlicher lassen sich aus dem Herkunftssystem, der subjektiven Empfindung, der Attraktivität der Straße, sowie aus dem gesellschaftlichen Kontext ableiten. Hierbei sei festzuhalten, dass die Motive der Jugendlichen auf massive Problemlagen in den Familien zurückzuführen sind. Interessant erscheint, dass die Möglichkeit auf der Straße eigener Regisseur des Lebens sein zu können, sowie das Phänomen der Wohlstandverwahrlosung als Beweggründe hervorgekommen sind, welche sich in der Literatur nicht finden ließen. Dabei ist erwähnenswert, dass es sich bei obdachlosen Jugendlichen jeweils um ein individuelles und meist multiples Motiv handelt, dass zum Entschluss führt, das eigene Zuhause zu verlassen. Es wurden bezüglich des Genderaspektes keine expliziten Unterschiede gefunden. Abschließend wurden relevante sozialarbeiterische Ansätze herausgearbeitet.

Homeless adolescents in Vienna

Motives of homeless adolescents in the age between 14 and 18 years

Diploma thesis submitted at the University of Applied Sciene, St.Pölten, May 2007

The paper describes the motives of homeless adolescents, are seen under the consideration of the gender aspect. The paper consists out of an explanation of relevant terms and causes, which can be found in literature. Also, different ways of scientific explanations are pointed out.

After the description of methods and procedures follow the results of research. The reasons why adolescents put their center of life on the street can be seen out of those results. Motives of adolescents can be lead back to their former way of life, their individual feelings, the attraction of living on the street and to the society itself. It is important to see that the motives are caused by massive problems in their family surroundings. Adolescents feel that they have more power of their own life on the streets. This and the phenomenon of prosperity decline cannot be found in up to now’s literature. It is important to mention that individual and multiple problems can lead to homelessness. Regarding to the gender aspect there were no explicit differences found.

The final part of the paper deals with how social work can be applied in this field of work.

Vorwort

Als ich mich auf die Suche nach einem Thema für die Diplomarbeit begab, welches mich interessiert, begeistert, motiviert zu forschen und um die sozialarbeiterische Relevanz herauszuarbeiten, kamen mir all meine Ideen etwas zu ausschweifend und ungenau vor. Das Einzige worüber ich mir im Klaren war, dass es ein Thema sein sollte, welches sich auf Jugendlichen bezieht. Von diesem Gedanken aus, entwickelte sich die vorliegende Arbeit.

Ich habe mich entschieden ein Thema zu nehmen, auf welches ich in meinem ersten Praktikum in der Gruft (Betreuungszentrum für Obdachlose Erwachsene in Wien) aufmerksam wurde. Die Problematik der obdachlosen Jugendlichen, welche es laut Jugendwohlfahrtsgesetz (vgl. WrJWG) eigentlich nicht geben dürfte, wurde als Thema immer interessanter. Vor allem deshalb, weil laut Gesetz, Eltern (vgl. WrJWG §1) bzw. die Jugendwohlfahrt (vgl. WrJWG §16) für diese Jugendlichen sorgen müssten. Dennoch passierte es immer wieder, dass Jugendliche in der Gruft nach Schlafmöglichkeiten und Versorgung baten.

Ende des sechsten Semesters begann ich Literatur (vgl. Permien/Zink 1998; Heins 1996) und Material zum Thema zu sammeln, machte Besuche bei zuständigen Stellen, beobachtete immer mehr obdachlose Jugendliche - und war erschrocken und dennoch fasziniert. Ich war schockiert, wie viele Jugendliche es gibt die ihren Lebensmittelpunkt auf die Straße verlegt haben und mein Interesse wurde immer größer. Ich stellte mir immer mehr die Frage, was in den jeweiligen Lebensgeschichten passiert sein muss, dass sie sich trotz der Möglichkeit einer Unterbringung, für ein Leben auf der Straße entschließen, wo es täglich ein neuerlicher Kampf ist den sie durch zu stehen haben. Ich war von den einzelnen Beweggründen gebannt und fasziniert, was für Bewältigungsstrategien bezüglich Schlafplatz, Nahrung, usw. sowie Ressourcen diese Jugendlichen entwickeln, um ein für sie passendes und halbwegs zufriedenes Leben zu führen.

Die vorliegende Arbeit soll einen Beitrag leisten, die Motive von Jugendlichen aus Wien aufzuzeigen, die ihren Lebensmittelpunkt auf die Straße verlegt haben. Das Anliegen der Arbeit ist den Blick für Motive und deren Subjektivität zu schärfen, ein Verständnis für die Jugendlichen zu erlangen, welche sich für diesen Weg entscheiden. (vgl. Pantucek 1998; Thiersch 1992; Kap. 6)

Danksagung

An dieser Stelle möchte ich mich bei einigen Menschen bedanken, die mir bei der Erhebung, sowie der Erstellung dieser Arbeit mit Rat und Tat zur Seite gestanden sind.

Zuerst möchte ich mich bei meiner Studienkollegin und Freundin Barbara Plech bedanken. Sie hat mir bei der Befassung mit der Methodik der Forschung, sowie der Auswertung des gesamten Datenmaterials sehr geholfen und ist mir immer zu einer Diskussion meiner Gedanken und Vorstellungen zur Seite gestanden.

Ganz besonders bedanke ich mich bei meinem Freund Matthias Dirmüller der mit mir alle Höhen und Tiefen der Entwicklung und Verfassung dieser vorliegenden Arbeit durch gestanden hat und mich immer wieder aufbaute, sowie auch motivierte. Er diente mir neben der starken emotionalen Stütze als eine wichtige und hilfreiche computertechnische Unterstützung.

Bei meiner Mutter Gertrude Gundacker bedanke ich mich insbesondere für die geduldige und ermutigende Unterstützung, die sie mir zugute kommen ließ. Neben dieser verständnisvollen Unterstützung hat sie mir optimale Rahmenbedingungen für die Verfassung der Diplomarbeit geschaffen.

Meinen Betreuer DSA Alexander Bernardis, MAS danke ich dafür, dass er sich immer wieder für die Beantwortung meiner vielen Fragen Zeit genommen hat und mir seine Sichtweise meiner Arbeit erläuterte.

Ein großer Dank geht an die jungen Mädchen und Burschen, ohne deren Bereitschaft für ein Interview meine Arbeit nicht zustande gekommen wäre.

Mein Dank gebührt natürlich auch all den ExpertenInnen, welche sich für die Interviews zur Verfügung gestellt haben.

Zuletzt möchte ich all meinen Freundinnen und Bekannten dafür danken, dass sie sich meinen Ärger, Wut, Freude, Enttäuschung, Unsicherheiten, Fragestellungen etc. angehört haben, mich aufmunterten und mir immer wieder hilfreiche Gedanken lieferten.

Wien, am 13. April. 2007

1 Einleitung

Die Medien liefern uns immer wieder Bilder über das Elend von Straßenkindern der Dritten Welt. (vgl. Permien/ Zink 1998:219) Bei genauerer Betrachtung gibt es sie auch in Wien, jedoch fallen hier eher Jugendliche als Kinder unter diese Bezeichnung. (vgl. Bodenmüller/Piepel 2003:12; Caritas 2003:24-25) Obdachlose Jugendliche fallen in der Öffentlichkeit immer mehr auf und erregen durch ihr herumlungern auf diversen Plätzen und ihr schnorren häufig Aufsehen. Dies wird dann oft in diversen Zeitungsartikeln berichtet. (vgl. Falter 2002:14; Der Standard 2005:10; Hallol 998:20-23; Caritas 1997:2)

Wie im Vorwort schon kurz erwähnt, bin ich das erste Mal mit obdachlosen Jugendlichen im Rahmen meines Praktikums in der Gruft in Wien auf diese Gruppe von Jugendlichen aufmerksam geworden. Im Laufe der zahlreichen Praktika, welche ich während meines Studiums absolvierte, kam ich beispielsweise im Jugendzentrum, in der Justizanstalt Josefstadt, am Jugendamt und bei meinen abschließenden Praktikum im Krisenzentrum Nußdorf immer wieder mit dieser Klientinnengruppe in Kontakt. Im Praktikum, welches ich am Jugendamt absolvierte, vermehrten sich die Beschwerden und Hilferufe der Eltern, Lehrerinnen und Sozialpädagoginnen, dass Jugendliche den ganzen Tag und oft auch die Nacht auf der Strasse verbringen und dies dem geregelten Leben vorziehen.

Besonderes Interesse galt den Motiven der Jugendlichen. Hier war vor allem faszinierend, dass obwohl jede/r Jugendliche seine/ihre eigene individuelle Geschichte hatte, trotzdem gewisse Ähnlichkeiten aufgetreten sind. Während meiner damaligen Praktika stellte ich mir immer wieder die Frage, was diese Jugendlichen dazu bringt, auf der Straße leben zu wollen, anstatt sich an das Jugendamt zu wenden oder andere Hilfen anzunehmen.

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit dem Thema der obdachlosen Jugendlichen, deren Status es in Österreich laut dem Wiener Jugendschutzgesetz (WrJWG §1) eigentlich nicht gibt bzw. geben sollte auseinander. Das WrJWG sieht vor, dass sobald die Erziehungsberechtigten die Verpflegung, Erziehung, Bildung etc. nicht mehr bereitstellen können, die MA 11 (Amt für Jugend und Familie) dies übernehmen muss. Laut WrJWG §16 sieht die MA 11 die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in Pflegefamilien, Heimen, Wohngemeinschaften oder sonstigen Fremdunterbringungen vor. Die Realität sieht jedoch anders aus. Einige Jugendliche die ihr Zuhause verloren oder aufgegeben haben, leben meist in prekären Situationen auf der Straße, die sie oftmals zu kriminellen Handlungen verleiten.

Beobachtungen, Interviews, sowie Gespräche mit Freundinnen, Bekannten, Sozialarbeiterinnen, sowie Sozialpädagogeninnen haben mich auf die Gruppe der Jugendlichen aufmerksam gemacht, die nirgendwo Zuhause sind und sich immer auf der Suche nach Geborgenheit und eines Zuhauses befinden.

Um die Thematik der vorliegenden Arbeit einzuschränken wurde folgende Forschungsfrage formuliert: Welche Motive haben obdachlose Jugendliche in Wien um ihren Lebensmittelpunkt auf die Straße zu verlegen? Zu dieser wurde wie im Vorwort eingangs schon erwähnt Literatur gesucht und gelesen. Neben dem Literaturstudium setzte sich die Untersuchungsmethode mit leitfadenzentrierten Interviews zusammen. Nach der Einarbeitung in das Thema obdachloser Jugendlicher wurde ein Zeitplan erstellt um den Ablauf der Forschung zu planen. Nachdem mit Expertinnen des Bereiches Kontakt aufgenommen wurde, sind die ersten Interviews geführt worden. Mithilfe von Angaben der Expertinnen konnten Szeneorte gefunden werden. Es wurde der Kontakt mit der Zielgruppe hergestellt und Interviews durchgeführt. Durch die Interviews mit der Zielgruppe wurden wiederum andere Plätze gefunden, an denen sich obdachlose Jugendliche aufhalten. Dies erstreckte sich über einen Zeitraum von zwei Monaten.

Die Arbeit gibt den Jugendlichen Raum und Platz ihre Beweggründe darzulegen und für den/die Leserinnen begreiflich zu machen, wieso sie die Straße als attraktivsten Lebensraum in Anspruch nehmen, egal ob Tag oder Nacht.

Neben der Forschungsfrage ist es Ziel der Arbeit die von mir aufgestellte Hypothese zu überprüfen. Diese lautet: „Ich gehe davon aus, dass die in der Literatur beschriebenen Ursachen mit den Motiven von obdachlosen Jugendlichen in Wien übereinstimmen.“

1.1 Einführung in die Thematik

Obdachlosigkeit ist ein Phänomen, welches sich in der Sozialarbeit immer wieder findet. Es soll nun gezeigt werden, welche Motive Jugendliche haben den Weg der Obdachlosigkeit zu gehen und weshalb sie diesen in den meisten Fällen behalten wollen. Somit darf die Lebenssituation der Jugendlichen nicht außer Acht gelassen werden, welche jedoch nur kurz angeschnitten wird.

Der Bericht der Caritas Wien zum Thema „Straßenkinder in Wien“ (vgl.1997:2) zeigt die Problematik der immer mehr auf der Straße bzw. an öffentlichen Plätzen sichtbaren Jugendlichen auf, bei denen angenommen werden kann, dass sie kein Zuhause mehr haben. Die Erhebung am Westbahnhof im Jahre 2003 (vgl. Caritas 2003:24) und die Eröffnung der Notschlafstelle „away" zeigt das Problem ebenfalls auf.

Unter der Berücksichtigung, dass es sich folgend, um über 14 Jährige handelt, wird in der vorliegenden Arbeit von Straßenjugendlichen und obdachlosen Jugendlichen gesprochen. Beide Ausdrucksweisen werden synonym verwendet. Die Begriffsdefinitionen dieser und anderer relevanter Wörter zum Verständnis der Arbeit werden im zweiten Kaptitel definiert und erläutert.

Obdachlose Jugendliche, die ihren Lebensmittelpunkt ganz oder großteils auf die Straße verlegt haben, erfuhren in ihrem bisherigen Leben sehr viele enttäuschende und schmerzhafte Erlebnisse. Die Vergangenheit der Betroffenen ist meist von konfliktreichen Beziehungen in deren Familien, durch physische und psychischen Gewalt- und Missbrauchserfahrungen, durch Liebesentzug und/oder vielen anderen Problemen gekennzeichnet. (vgl. Ring/Tener 2006:11; Bodenmüller/Piepel 2003:16)

1.2 Sozialarbeiterische Relevanz

Das Thema der obdachlosen Jugendlichen ist für die Sozialarbeit von großer Relevanz (vgl. Otto/Thiersch 2005:1298), da es immer mehr Personen betrifft (vgl. Caritas 1997:2; Der Standard 2007:8) und Wohnungslosigkeit ein gesellschaftliches Problem (vgl. BAWO 1999:17; Caritas 2003:22) darstellt.

In letzter Zeit ist zu bemerken, dass von Obdach- bzw. Wohnungslosigkeit immer mehr junge Menschen betroffen sind. (vgl. Kattinger 1997:4; BAWO 1998:1) Die Verfügbarkeit über einen eigenen Wohn-, Lebensraum bedeutet die Erhaltung der psychischen und physischen Gesundheit, sowie die Teilnahme an einem öffentlichen Leben, ein Leben mit sozialen Kontakten und vielen mehr. (vgl. BAWO 1998:6) Damit sollte es die Aufgabe von Sozialarbeit sein hier anzusetzen, die Menschen in ihrer Lebenssituation zu unterstützen. Sie auf den steinigen Weg zur Reintegration in die Gesellschaft zu begleiten, oder wenn möglich schon im Vorfeld abzufangen. (vgl. Pantucek 1998:67)

Die sozialarbeiterische Bedeutsamkeit der Motive von Jugendlichen Obdachlosen liegt darin, dass die soziale Arbeit nur dann effektiv wirken kann, wenn man/frau Kenntnis über die Beweggründe der Jugendlichen AusreißerInnen hat. Erst dann können Angebote zielführend sein. Die sozialarbeiterische Relevanz dieses Gedankens ist eine Ableitung der sozialarbeiterischen Methode der Lebensweltorientierung. (vgl. Pantucek 1998) Diese Methode beinhaltet die Auseinandersetzung der konkreten Lebenswelt eines/einer Klientin, um ein Verständnis der Lebenslage zu erhalten. (vgl. Pantucek 1998:71) Denn erst ein Verstehen ermöglicht die Verständigung mit dem/der Betroffenen. (vgl. Pantucek 1998:142) Wenn sich ein/e Jugendliche/r beispielsweise einsam fühlt, dann wird sich diese/r in einer eigenen Wohnung allein bestimmt nicht wohl fühlen und sich dem Straßenleben widmen, da diese/r den Kontakt mit anderen sucht. (vgl. Jugendlicher C 2006:1) Nur wenn man/frau über die Bedürfnisse der Jugendlichen Bescheid weiß, können Hilfen ermöglicht werden, die die Jugendlichen auch annehmen, da diese in deren Interesse sind. Hier sei zu bedenken, dass nicht alles was Helferinnen diverser Berufsgruppen für gut erachten, von Klientinnen als hilfreich oder zielführend empfunden wird.

In der Literatur werden diverse Ursachen für die Verlagerung des Lebensmittelpunktes auf die Straße genannt, (vgl. Kap. 3) Diese Arbeit beforscht die Motive obdachloser Jugendlicher in Wien. Nach dem Fremdwörterbuch DUDEN (2003:900) bedeutet Motiv: Beweggrund, Antrieb, Ursache, Zweck, Leitgedanke; somit haben alle Begriffe dieselbe Aussagekraft. In der vorliegenden Arbeit werden die Ursachen, „warum Jugendliche obdachlos sind“ als Motiv betitelt, da dieser Begriff meiner Meinung nach eine subjektivere Aussagekraft besitzt und dadurch der Zielgruppe besser entspricht. Die subjektive Bedeutung des Wortes Motiv erkläre ich mir dadurch, da sich Ursachen ähneln können, Motive für die Verlagerung des Lebensmittelpunktes auf die Straße aber persönlicher sind.

Da die interviewten Jugendlichen ihre subjektiven Beweggründe für die Verlagerung ihres Lebensmittelpunktes auf die Straße mitteilten und die befragten Expertinnen ihre Ansichten zu den Beweggründen ebenfalls aus Sicht der Jugendlichen darlegten, bezieht sich die Forschungsfrage auf die Motive von obdachlosen Jugendlichen.

1.3 Formelle Gliederung

Die Diplomarbeit umfasst insgesamt sieben Kapitel.

Nach langen Überlegungen habe ich mich dazu entschlossen, den Theorieteil an den Beginn der Arbeit zu stellen und die Forschung im Anschluss zu erläutern, damit die Begrifflichkeiten und der Stand der Forschung zu dem Thema ersichtlich wird.

Das erste Kapitel leitet die vorliegende Arbeit ein und soll die Vorgangsweise der Arbeit nachvollziehbar machen. Im zweiten Kapitel werden diverse Begriffe zu dem Bereich der obdachlosen Jugendlichen erläutert und anhand von Literatur definiert. Dabei werden Begriffe wie Straßenkinder, Obdachlos, Wohnungslos usw. erklärt, damit alle Leserinnen von demselben Wissenstand ausgehen und es zu keinen Missverständnissen kommen kann.

In einem weiteren Kapitel werden die Ursachen, die in der Literatur immer wieder angegeben sind näher betrachtet. Dies ist für die Gegenüberstellung von Literatur und Forschungsergebnissen von Wichtigkeit. Anschließend werden wissenschaftliche Erklärungszugänge in den Mittelpunkt des Kapitels gestellt, wobei bei diesen auch das Weglaufen und die damit verbundenen ersten Fluchten beschrieben werden. Dies ist bezüglich der Motive relevant, da sich aus diesen ebenfalls Motive ableiten lassen die als Hilfeschrei interpretiert werden können, so dass es bei keiner Veränderung im Herkunftsmilieu zu einer Verlagerung des Lebensmittelpunktes auf die Straße kommen kann.

Im vierten Kapitel wird die methodische Vorgangsweise der qualitativen Forschung erörtert und deren Auswertung dargestellt. Mit den Ergebnissen der Auswertung setzt sich das nachfolgende Kapitel auseinander, wobei den gefundenen Kategorien die meiste Aufmerksamkeit geschenkt wird. Erwähnenswert ist, dass die Resultate getrennt voneinander aufgelistet werden, bevor sie miteinander verglichen werden. In einem weiteren Unterkapitel werden mit Hilfe der gewonnenen Ergebnisse Motive obdachloser Jugendlicher abgeleitet und aufgelistet. Diese Beweggründe werden anschließend mit den Ursachen in der Literatur verglichen und etwaige Unterschiede herausgearbeitet. Hierbei wird die aufgestellte Hypothese, inwieweit die Ursachen der Literatur mit den Motiven der befragten Personen in Wien übereinstimmen, überprüft.

Im sechsten Kapitel werden Möglichkeiten bzw. Ansätze für ein sozialarbeiterisches Handeln vorgestellt, um damit noch einmal die sozialarbeiterische Relevanz des Themas darzustellen.

Im Schlussteil wird die Fragestellung „welche Motive obdachlose Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren in Wien haben“ beantwortet, die Hauptergebnisse der Diplomarbeit zusammengefasst und nochmals benannt, abschließend folgt ein kurzer Ausblick auf das Themengebiet.

Im Zuge meiner Recherchen für die Arbeit habe ich festgestellt, dass zu dem Themenbereich der obdachlosen Jugendlichen wenig österreichische Literatur vorzufinden ist. Das vorhandene Material habe ich überwiegend aus Deutschland (vgl. Bodenmüller/ Piepel 2003; Röhnisch 2003) bezogen. Verwendete Studien (vgl. BAWO 1998; CARTIAS 2003) und Berichte (vgl. CARITAS 1997; Horacek 2002) sind vorwiegend aus Österreich gewählt worden.

Da aktuelle Studien und Berichte die Bezug auf den Forschungsgegenstand nehmen nicht gefunden werden konnten und die Tatsache, dass obdachlose Jugendliche offiziell nicht existieren, lassen den Schluss zu, dass diese Arbeit für den Raum Wien neue Erkenntnisse liefert.

In dieser Arbeit weder Daten noch Statistiken ausgewertet werden, da darauf verzichtet wird, Angaben über die Zahl der in Wien lebenden Jugendlichen zu verbreiten. Eine genaue Zahl obdachloser Jugendlicher lässt sich nicht ermitteln. Die allgemeine Erfassung von Straßenjugendlichen erfolgt meist über die Vermisstenstatistik, welche sich jedoch auch als sehr problematisch erweist, „...da erstens unklar ist, ob die Vermissten überhaupt ausgerissen oder aber auch einem Verbrechen zum Opfer gefallen sind, zweitens nicht alle tatsächlich Weggelaufenen als vermisst gemeldet werden und drittens die Erfassung von Vermissten (bundes-) länderspezifisch unterschiedlich sein kann.“(Bodenmüller 1995:15 zit. in: Röhnisch 2003:9)

In der Arbeit werden gendergerechte Formulierungen verwendet. Das große I wird an Stelle des Schrägstriches geschrieben, um deutlich zu machen, dass die Bezeichnung sowohl auf Frauen, als auch auf Männer Bezug nimmt. (Binnen-I)

2 Definition relevante Begriffe

Um das Verständnis der vorliegenden Arbeit zu erleichtern, werden im folgenden Kapitel, die wichtigsten Begriffe anhand von Literatur definiert und im Folgenden auf meine Begriffserklärung verwiesen, die in dieser Arbeit weitergeführt wird.

2.1 Straßenkinder

„Der Begriff Straßenkinder bezieht sich ursprünglich auf Lateinamerika, wo dieser Kinder und Jugendliche beschreibt, die auf der Straße leben und/oder arbeiten, für die die Straße im weitesten Sinne des Wortes zum zentralen Aufenthalts- und Überlebensort geworden ist.“ (Specht 1991:31 zit. in: Bodenmüller/Piepel 2003:11)

Manfred Liebel (vgl. 1994:164ff zit. in: Liebel 2000:125) erklärt in seinem Artikel, dass in Lateinamerika seit Beginn der 80er Jahre von Straßenkindern gesprochen wird.

Jürgen Zinnecker (vgl. 1979:729 zit. in: Liebel 2000:126) betont jedoch, dass die Rede von Straßenkindern bis auf die zweite Hälfte des 19.Jahrhunderts in Europa zurückgeht. Damals erschien „anonyme Großstadtstraßen als der Inbegriff einer Lebenswelt, in der vor allem junge Menschen jede Bindung preisgeben und wo sie dem pädagogischen Blick und der Kontrolle der Eltern entgleiten.“

Der Begriff der Straßenkinder sollte laut Peter Hansbauer (vgl. 1997:38 zit. in: Napolitano 2005:21-22), weiter konkretisiert werden, was am Besten mit einer Typisierung in vier Unterkategorien erfolgt.

Bei den Ausgegrenzten stellt die Straße den Endpunkt einer Kette von misslungener Integration dar. Es sind Jugendliche die weglaufen oder von ihrem Elternhaus hinaus geschmissen wurden. (vgl. Hansbauer 1997:38 zit. in: Napolitano 2005:21)

Die Auffälligen, bei denen die Straße als Ort der Selbstinszenierung und Identitätsfindung im Mittelpunkt steht. Diese Jugendlichen haben, so wie die Ausgegrenzten, negative Erfahrungen bezüglich gesellschaftlicher Integration gemacht. Sie fallen durch ihr äußeres Erscheinungsbild und ihre extremen Selbstdarstellungen in der Öffentlichkeit auf. (vgl. Hansbauer 1997:38 zit. in: Napolitano 2005:21-22)

Unter die Kategorie der Gefährdeten fallen Kinder und Jugendliche, für die die Straße ein Ort der kleinen Fluchten geworden ist. Dabei kommt es öfters zu einem Pendeln zwischen Elternhaus und Straßenszene, wobei die Gefahr besteht, dass diese Jugendlichen aufgrund der Anziehungskraft der Straße in die Szene abgleiten. (vgl. Hansbauer 1997:38 zit. in: Napolitano 2005:22)

Die Verweigerer wollen den bürgerlichen Zwängen entfliehen und fallen durch ihr provokatives Verhalten in der Öffentlichkeit auf. (vgl. Hansbauer 1997:38 zit. in: Napolitano 2005:22)

In sozialpolitischen Diskussionen wird der Begriff der Straßenkinder wiederum in drei Gruppen unterteilt, in die Gruppen der TrebegängerInnen, AusreißerInnen, AussteigerInnen. (vgl. Jordan/Trauernicht 1981:18 - 20; Degen 1995:28; Adick 1997:10 -11) Auf diese Begriffe wird jedoch nicht genauer eingegangen, da dies für die Bearbeitung meines Themas nicht relevant ist.

Eine treffende Beschreibung von Straßenkindern hat Martin Degen(vgl.1995:6) formuliert, denn seiner Ansicht nach sind Straßenkinder, Kinder und Jugendliche, die in Krisensituationen aufwachsen. Sie machen Erfahrungen, in welcher sie Gewalt erleben, einen Mangel an Zuwendung und Geborgenheit erlangen und unter beeinträchtigten Lebensbedingungen aufwachsen. Diese Kinder reagieren dann meist mit Misstrauen, der Verweigerung von Beziehungen und Gewalt gegen sich und andere. Ihr Lebensmittelpunkt befindet sich meist an öffentlichen Plätzen, wie beispielsweise Bahnhöfe und sie überleben meistens nur durch illegale Tätigkeiten wie Diebstahl, Hehlerei, Drogenhandel und Prostitution.

Hierbei sei anzumerken, dass sich aus dem Begriff der Straßenkinder, der Begriff der Straßenjugendlichen herauskristallisiert hat. Anstelle von Straßenkindern sollte der Begriff der Straßenjugendlichen verwendet werden, da es sich bei dieser Gruppe laut dem Deutschen Jugendinstitut (1995:140 zit. in: Napolitano 2005:23) um Heranwachsende zwischen dem 13. und 14. Lebensjahr bis hin zum Erwachsenen handelt. Auf den Begriff der Straßenjugendlichen wird im Fazit dieses Kapitels nochmals eingegangen.

2.2 Straßenkarrieren

„Während der Begriff Straßenkinder einer persönlichen Zuschreibung gleichkommt, berücksichtigt der Begriff der Straßenkarriere Wechselwirkungen, biographische Entwicklungen und den Aspekt, dass die betroffenen Jugendlichen die Straße wieder verlassen können. Er berücksichtigt, dass Straßenkarrieren bereits in einem Alter entstehen können, in dem die Jugendlichen noch lange nicht auf der Straße leben.“ (Bodenmüller/Piepel 2003:13)

Die Bezeichnung der Straßenkarrieren stammte vom Deutschen Jugendinstitut. Hanna Permien und Gabriela Zink (vgl. 1998:26-27) weisen darauf hin, dass es anfänglich vielleicht etwas zynisch erscheint, den Weg von Jugendlichen ihren Lebensmittelpunkt auf die Straße zu verlegen, als Karriere zu beschreiben. Sie erklären jedoch, dass der Karrierebegriff offen ist und keine implizierten Aussagen über notwendige Höhe- oder Tiefpunkte enthält. Es wäre generell verfehlt und sachlich unzutreffend, dass Straßenkarrieren als ein Endpunkt angesehen werden.

Bei dem Karrierebegriff lassen sich szenegebundene oder szenefixierte Karrieren, sowie Pendlerkarrieren unterscheiden.

Szenegebundene Karrieren sind Karrieren wo die Jugendlichen einmal auf der Straße gelandet sind, die dort bleiben und die ihre Kontakte zu ihrer Familie oder sozialen Einrichtungen sehr schnell reduzieren. (vgl. Permien/Zink 1998:280)

Szenefixierte Karrieren finden sich selten und wenn dann nur bei älteren Straßenjugendlichen. Diese haben meist keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie, oder zu Freunden. (vgl. Permien/Zink 1998:279)

Sehr viel öfters findet man Pendelkarrieren vor, diese werden so genannt, weil diese Jugendliche zwar stark auf das Leben auf der Straße fixiert sind, sie in ihrem jeweiligen Zuhause aber noch eine Art Versorgungsstation haben, auch wenn sie dort nicht mehr wohnen. Die Jugendlichen befinden sich immer in einer neuen Spirale zwischen Straße, Familie, Jugendhilfe und Gefängnis. Pendelkarrieren führen in der Regel immerzu einer Verfestigung der Straßenkarriere. (vgl. Permien/Zink 1998:279-280)

In den Pendelkarrieren lassen sich einzelne Phasen erkennen, die generell durch einen schrittweisen Verlust der üblichen Lebensbezüge und wachsende Distanz dazu, gekennzeichnet sind. Weiters findet eine zunehmende Verfestigung der Karriere auf die Straße durch Drogenkonsum und delinquenten Verhalten statt. (vgl. Permien/Zink 1998:326)

2.3 Straße

„Straße ist nicht lediglich der Verkehrsraum unter freiem Himmel, sondern umfasst die angrenzenden Räume und Gebäude mit, die öffentlichen Aufgaben dienen oder auch einfach öffentlich zugänglich sind. Straße und städtische Öffentlichkeit fallen gewissermaßen in eins. Allerdings: Straße umfasst ausschließlich die lokal gebundene Öffentlichkeit, die vermittelt durch die Präsenz der Teilnehmer am gleichen Ort ist.(...) Die Straßenöffentlichkeit zerfällt, genau gesehen, in einzelne Sektoren, in denen eigene soziale Regelsysteme Geltung beanspruchen.“ (Adick 1997:94)

Die Straße lässt sich durchaus als ein Lernort bezeichnen, welcher mit Schule und Familie gleichgesetzt werden kann. Straße kann als Institution jugendlicher Erziehung und Sozialisation angesehen werden. (vgl. Adick 1997:93)

Nach Simon (1927:502 zit. in Adiek 1997:98) sieht und fühlt sich das Kind ,, auf der Straße als vollberechtigtes Glied der großen Straßengemeinschaft. Es ahnt und erlebt hier, eingegliedert mit allen übrigen in die Ordnung der Straße, dass was wir Demokratie und sozialen Ausgleich nennen.“

Die Straße ist ein sozialer Ort, der Kindern und Jugendlichen ihren lebensweltlichen Prozess zum Ausdruck bringt und ihnen Hoffnung vermittelt. Wer sich für ein Leben auf der Straße entschließt, der oder die sucht nach Alternativen zu dem was er/sie im bisherigen Leben erfahren hat und will eigentlich nicht mehr dorthin zurück, von wo er/sie weggegangen ist. (vgl. Lutz/Stickelmann 1999:72)

Rainer Treptow hat eine sehr treffende Beschreibung gefunden, um die Straße nicht nur als Ort, sondern auch die damit verbundene Anziehungskraft und Möglichkeiten der Straße zusammengefasst: „Die Straße ist ein Ort der Zuflucht, ja der Geborgenheit - wenn andere Möglichkeiten unterbunden oder verstellt sind. Sie ist ein Ort der Aufregung, des Abwechselreichtums, der Eindrucksvielfalt, Kontakts, des Gelderwerbs, des Geldverdienens, ein Ort sozialer Nähe und der Erfahrung, wenigstens für eine gewisse Zeit eine soziale Zugehörigkeit zu besitzen, die ,für alle’ sichtbar ist; und ist zugleich ein Ort, an dem man sich rasch unsichtbar machen kann, um in der Anonymität unterzutauchen, ein Ort des Handelskönnens, aber auch ein Ort, an dem man selbst das Ziel von Handlungsstrategien ist - sei es als Ziel rivalisierender Jugendgruppen, das Ziel von Ordnungskräften, sei es von Streetworkern.“ (Treptow 1997:16 zit. in: Liebel 2000:126)

Hier zeigt sich, dass das Leben auf der Straße für Jugendliche durchaus attraktiv ist, da sie Anerkennung erfahren, ihr Leben abwechslungsreich und spannend erscheint. (vgl. Kap. 5.1.4) Der nachfolgende vorurteilhafte Aspekt der Straße ist für die Jugendlichen anziehend.

Die Straße wurde und wird auch oft heute noch als Schule der Unmoral bezeichnet, auf welcher Verwahrlosung der Jugend mit dem Herumtreiben, Schulschwänzen, dem nächtlichen Fortbleiben, Betteln und Stehlen beginnt. (vgl. Rühle 1922:o.A. zit. in: Lutz/Stickelmann 1999:42)

„Straßen waren und sind jene Orte, an denen sich Widerstand und Opposition, Überleben und Heranwachsen, Traum, Freiheit und Gefahren bündeln.“(Lutz/Stickelmann 1999:62)

2.4 Straßenszene

Der Begriff der Straßenszene wird erörtert, da sich wie im Kap. 5.1 zeigt, die Straßenszene mit ihren diversen Gruppierungen, deren Faszination, dem Abendteuergedanken, die Möglichkeit der Selbstbestimmung etc. einer wichtigen Bedeutung zukommt.

Der Straßenszene gehören meistens ganz unterschiedliche Subkulturen an, welche auch als Unterszenen betrachtet werden können. So manche Straßenszenen können als eigene Jugendkulturen angesehen werden, (vgl. Bodenmüller/Piepel 2003:33)

„Jede Szene hat ihren eigenen Stil, ihre Normen und Spielregeln und ihre Faszination. Allen Szenen gemeinsam ist jedoch die Gegenkultur zur Erwachsenenwelt und mehr oder weniger Formen der Provokation bis hin zu Aufsehen erregendem Risikoverhalten (...).“ (vgl. Bodenmüller/Piepel 2003:34)

Die Straßenszene hat für manche Jugendliche eine starke Anziehungskraft, da sie den Jugendlichen meistens Abendteuer, Erlebnis und Selbstbestimmung bietet. (vgl. Bodenmüller/Piepel 2003:35)

Weiteres gibt die Straßenszene Jugendlichen Halt, Orientierung, Schutz und gilt für diese meist als Ersatzfamilie; die Szene ist eine Ressource um auf der Straße zu überleben. (vgl. Bodenmüller/Piepel 2003:252)

2.5 Jugendlicher

Laut BMSG (2005:1) gelten in Österreich 0 bis 9 Jährige als Kinder, die 10 bis 14 Jährigen werden meist als „Kids“ bezeichnet und als Jugendliche gelten die 15 bis 18 Jährigen.

Die Bezeichnung des Begriffes „Jugendlicher“ der in der vorliegenden Arbeit eingesetzt wird, ist nach Kriterien einiger österreichischer Gesetzestexte gewählt worden.

Nach dem österreichischen Recht sind all jene Personen als Kinder zu bezeichnen, die das 14.Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Jugendliche somit jene Personen vom vollendeten 14.Lebensjahr bis zum vollendeten 18.Lebensjahr. Personen unter dem 18.Lebensjahr werden immer wieder auch als junge Menschen bezeichnet. (vgl. WrJSchG 2002:§3; JuSchG 2002:§1 Abs.1)

Das Kinder- und Jugendlichenbeschäftigungsgesetz (vgl. KJBG §3; KJBG §2 Abs1a) bezeichnet einen Jugendlichen, eine Jugendliche als eine Person zwischen dem 14 und 18 Lebensjahr.

Laut Gesetz teilt sich ein Jugendlicher den Wohnsitz mit seinen Eltern und kann somit seinen Aufenthaltsort nicht selbstständig bestimmen. Jugendliche, die auf der Straße leben, befinden sich somit in einer illegalen Situation. Die Eltern haben das Recht ihr Kind zurückzuholen, zu der Ermittlung des Aufenthaltes des Kindes können Behörden eingeschaltet werden. (vgl. ABGB §146b)

2.6 Obdachlos

Holtmannspötter (1996:17 zit. in: Otto/Thiersch 2005:1292) meint zu der Definition von dem Begriff Obdachlos, dass es ,, ...keine allgemeingültigen und von allen Fachleuten anerkannten Begriffe und Definitionen zur Beschreibung von Menschen, die über keinen hinreichenden Wohnraum verfügen“ gibt.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe BAWO (Dachverband von sozialen Einrichtungen für wohnungslose Menschen in Österreich) empfiehlt in Übereinstimmung mit dem UNO- Vorschlag, „im allgemeinen Sprachgebrauch den gängigen Ausdruck .obdachlos’ durch den Begriff ,wohnungslos’ zu ersetzten.“ (vgl. 1999:13) BAWO begründet dies damit, dass der Begriff „obdachlos“ die Betroffenen zu sehr stigmatisiert und die sozialen Probleme beträchtlich verkürzt, sowie der Komplexität der Probleme nicht gerecht wird. In der Fachliteratur, sowie auch bei Studien und Berichte der BAWO, setzte sich der Begriff„wohnungslos“ durch (vgl. BAWO 2004:3; BAWO 1999:13; Wolf zit. in: Otto/Thiersch 2005:1292)

Die FEANTSA (europäische Verband der Wohnungslosenhilfe) unterscheidet die Begriffe von der Wohnungslosigkeit und des Begriffs der Obdachlosigkeit inhaltlich dennoch voneinander. Der Begriff der Obdachlosigkeit bezeichnet Menschen, die auf der Straße leben oder in Notunterkünften übernachten, somit haben diese keinen festen Wohnsitz und keinen Zugang zu einer 24-h Unterbringung. Wohnungslose Menschen sind laut dieser Definition jene Menschen die in Unterbringungseinrichtungen für Wohnungslose leben, dazu gehören betreute, unbetreute, befristete und unbefristete Plätze in sozialen Einrichtungen. Frauenhäuser sowie Unterbringungen für MigrantInnen zählen ebenso dazu. (vgl. FEANTSA 2006:1)

In der vorliegenden Arbeit wird trotz des Stigmatisierungsgedankens von BAWO (vgl. BAWO 2004:3; BAWO 1999:13) von dem Begriff der Obdachlosigkeit gesprochen. Den/der Jugendlichen steht laut dem Gesetz (WrJWG §16 und WrJWG §1) ein Wohnplatz, egal ob bei den Eltern oder in einer Fremdunterbringung zu. Dieser Platz wird von vielen abgelehnt und sie entscheiden sich somit gegen die Wohnmöglichkeit und für die Obdachlosigkeit. Bei den Jugendlichen geht es nämlich nicht um die Suche nach einer Wohnung oder einen Schlafplatz, denn diesen hätten sie ja, sondern es handelt sich bei vielen um eine Suche eines Zuhauses, ein Gefühl willkommen zu sein, sich wohl zu fühlen, geliebt zu werden wie man/frau ist. (vgl. Bodenmüller/Piepel 2003:206)

Für Jugendliche bedeutet Obdachlosigkeit „„.ein Ausnahmezustand auf allen Ebenen. Nicht nur das Zuhause, verbunden mit Privatsphäre und Sicherheit bricht weg, sondern auch die schulische und berufliche Einbindung und finanzielle Absicherung.“ (Bodenmüller/Piepel 2003:257)

Ich entscheide mich für den Begriff der obdachlosen Jugendlichen, weil dieser, sowie der Begriff der Straßenjugendlichen, den ich im folgenden Fazit genau erläutere, den interviewten Jugendlichen am Besten entspricht. Einige dieser interviewten Jugendlichen hatten einen Platz in einer Wohngemeinschaft, in einem Krisenzentrum, manche hätten auch nach Hause gehen können, doch sie alle gehen nicht dort zurück wo sie her gekommen sind, sie sind auf der Suche nach der Geborgenheit und des Zuhauses. Dies entspricht meiner Ansicht nach der Obdachlosigkeit, denn für mich ist eine obdachlose Person, ein Mensch der auf der Suche nach der passenden Unterkunft für sich ist und somit keinen festen Wohnsitz im herkömmlichen Sinn hat. (vgl. FEANTSA 2006:1) Hierbei lehne ich mich an die europäische Definition, sowie Unterscheidung zu Wohnungslosigkeit von Obdachlosigkeit an. (vgl. FEANTSA 2006:1) Die Möglichkeiten die ihnen zustehen, sind für diese Jugendlichen aus den diversesten Gründen nicht passend. Diese Gründe werden in der zusammenfassenden Analyse erläutert. (vgl. Kap. 5.4.)

2.7 Fazit des Kapitels

ln der vorliegenden Arbeit wird synonym zu dem Begriff der obdachlosen Jugendlichen auch der Begriff der Straßenjugendlichen für die von mir definierte Forschungspopulation verwendet. Es werden damit Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren bezeichnet, die in unterschiedlichen Größenordnungen und Intensität ihren Lebensmittelpunkt auf die Straße verlegt haben und im engeren Sinn kein Zuhause besitzen.

Den Begriff der „Straßenjugendlichen“ übernehme ich von Gundula Röhnisch (vgl. 2003:15), die in ihrer Arbeit ebenfalls von Straßenjugendlichen spricht und diese so benennt, da dieser Begriff der Altersstruktur der auf der Straße lebenden Gruppe von Jugendlichen gerecht wird und weniger stigmatisierend, sowie skandalisierend wirkt.

„Die Bezeichnung ,Straßenjugendliche’ bezieht sich auf eine sehr heterogene Gruppe Jugendlicher..., deren Merkmale ... darin bestehen, dass sie kaum noch über herkömmliche soziale Bezüge verfügen, faktisch obdachlos sind, mehr oder weniger auf der Straße leben und dort dem (illegalen) Gelderwerb nachgehen.“(vgl. Röhnisch 2005:15)

Um Missverständnissen vorzubeugen sollen folgende Definitionsmerkmale, die vorwiegend von Literatur aus Deutschland und Studien aus Österreich entnommen wurden, als Hintergrund des Verstehens für die Verwendung der Bezeichnung Straßenjugendliche und obdachlose Jugendliche in dieser Arbeit dienen.

In der vorliegenden Arbeit handelt es sich um Jugendliche,

- bei denen eine weitgehende Abkehr von gesellschaftlichen vorgesehenen Sozialisationsinstanzen, wie Familie oder ersatzweise Jugendwohlfahrtseinrichtungen, sowie Schule und andere Ausbildungsstätten zu beobachten ist. (vgl. Permien/Zink 1998:24)
- die ihren Lebensmittelpunkt völlig oder zumindest teilweise auf die Straße verlegt haben, (vgl. Bodenmüller/ Piepel 2003:11)
- die faktisch ohne festen Wohnsitz sind, auch wenn formal eventuell ein solcher verfügbar ist, dieser von den Betroffenen aber nicht genutzt wird
- und, welche bereits Erfahrungen mit sozialarbeiterischer Betreuung gemacht haben.

Die in diesem Kapitel vorgestellten Begriffe scheinen vielleicht etwas viel und kompliziert, sie wurden jedoch erläutert, da sie von mir in dem Teil der Auswertung verwendet werden und ich dort auf deren Bedeutung nicht mehr eingehe. Der Begriff der Straßenkinder wurde genannt um den Leserinnen der vorliegenden Arbeit die Hintergründe des Begriffs Straßenjugendlicher beschaulich zu machen.

3 Ursachen und Erklärungsversuche für die Existenz obdachloser Jugendlicher

Im Folgenden werden Ursachen aus der Literatur, die dazu führen dass Jugendliche ihr Zuhause verlassen und ihren Lebensmittelpunkt auf die Straße verlagern, erläutert. Da einige Ursachen genannt werden und es zu einer Überflut an Informationen kommen könnte, wird am Ende des Kapitels eine kurze

Zusammenfassung gegeben. Anschließend werden gängige wissenschaftstheoretische Erklärungen abweichenden Verhaltens vorgestellt, wobei das Weglaufen von Zuhause dazuzählt. Nach einer kurzen Zusammenfassung dieser wissenschaftlichen Zugänge, wird auf die ersten Fluchten näher eingegangen, da diese in Hinblick auf die Forschungsfrage eine enorme Bedeutung haben.

3.1 Ursachen

In diesem Unterkapitel werden Ursachen vorgestellt, welche in der einschlägigen Literatur zu finden sind.

Die Ursachen für Obdachlosigkeit sind bei Erwachsenen meist Trennung, Scheidung, Mietrückstände, Arbeitslosigkeit, Verschuldung, was den Verlust der eigenen Wohnung bedeutet/bedeuten kann. (vgl. BAWO 1999:15) Martina Bodenmüller und Georg Piepel (vgl. 2003:11) geben an, dass sich Obdachlosigkeit bei Jugendlichen aus Problemen in der Familie wie beispielsweise Gewalt, familiäre Konflikte, massive Kontrolle, Vernachlässigung oder aufgrund ständigen Wechselns von Bezugspersonen, resultieren.

Jugendliche haben in fast allen Fällen einen Grund, wieso sie das Leben auf der Straße, dem Leben das sie im Elternhaus oder in einer Fremdunterbringung hätten, vorziehen. (vgl. Bodenmüller/Piepel 2003:16) Dabei ist es wichtig zu erwähnen, dass es meist nicht eine konkrete Ursache ist, wieso Jugendliche obdachlos werden. Sondern, dass sich diese Tatsache durch unterschiedliche zusammengesetzte Ursachenbündel erklären lässt, d.h. die Entstehung von Straßenkarrieren sollte nicht monokausal gesehen werden. (vgl. Permien/Zink 1998:25)

Die diversen Ursachen für die Verlagerung des Lebensmittelpunktes auf die Straße, kann in einzelne Unterpunkte unterteilt werden, die nun folgen.

3.1.1 Die Flucht aus der Familie

In Familien können diverse problematische Bedingungen beinhaltet sein, die zum Weglaufen von Jugendlichen führen können. Diese werden nun aufgelistet:

3.1.1.1 Das Aufwachsen in sozialen Ungleichheitsstrukturen

(vgl. Bodenmüller 1995:34)

Die Überschrift habe ich von Martina Bodenmüller (vgl.1995:34) übernommen, da diese meines Erachtens am Besten die Situation von Jugendlichen in materieller Armut umfasst, die Thema dieses Unterkapitel ist.

„Objektive Armut kann dann zum subjektiven Empfinden von Benachteiligung und somit zu Stress führen, wenn die Jugendlichen dem allgemeinen Konsumdruck ausgesetzt sind und feststellen, sich im Vergleich zu Gleichaltrigen, bestimmte Bedürfnisse nicht erfüllen zu können und auf Markenartikel mit Statussymbol verzichten zu müssen.“ (Röhnisch 2003:11)

Materielle Armut (enger Wohnraum, geringe finanzielle Möglichkeiten) kann Jugendliche in ihrer Entwicklung negativ beeinflussen. Manche Jugendliche würden den Konflikten wegen des wenigen Einkommens gerne entfliehen, woran sie eben wegen den geringen finanziellen Möglichkeiten wieder gehindert werden. (vgl. Röhnisch 2003:11)

„Armut, Schulden und beengende Wohnverhältnisse stellen für viele Familien eine große Belastung dar und tragen zur Eskalation von Problemen und Schwierigkeiten bei.“ (Bodenmüller/Piepel 2003:18) Dabei ist aber zu beachten, dass Straßenkinder nicht nur aus den unteren sozialen Schichten stammen.

Das Vorhandensein von Armut bedeutet für Kinder und Jugendliche eine sehr starke Beschränkung ihrer Entwicklungs-, Erfahrungs- und Lernmöglichkeiten. Somit kommt es zu einer Verringerung der Möglichkeiten der jeweiligen Kinder und Jugendlichen ihre Anlagen zu entfalten. (vgl. Lutz/Stichelmann 1999:48)

Daraus lässt sich schließen, dass der Existenzkampf für Familien eine große Belastung darstellt und den Eltern sowohl materiell als auch zeitmäßig wenig Ressourcen zur Verfügung stehen, sich mit den Problemen ihrer Kinder und deren Entwicklung auseinander zu setzen, so dass es bei Jugendlichen zu einer Verlagerung ihres Lebensmittelpunktes auf die Straße führen kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 91 Seiten

Details

Titel
Obdachlose Jugendliche in Wien
Untertitel
Motive obdachloser Jugendlicher im Alter von 14 bis 18 Jahren
Hochschule
Fachhochschule St. Pölten
Autor
Jahr
2007
Seiten
91
Katalognummer
V182111
ISBN (eBook)
9783656059547
ISBN (Buch)
9783656059370
Dateigröße
1049 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Obdachlos, Jugendliche, Sozialarbeit, Streetwork, Wien;
Arbeit zitieren
Cornelia Gundacker (Autor), 2007, Obdachlose Jugendliche in Wien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182111

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