„Joe's Garage“: Das beste Album Frank Zappas?

Eine Untersuchung zu Inhalt, Aussage, verwendeten Motiven und Hintergründen der „Rock-Oper“


Seminararbeit, 2011

21 Seiten, Note: 1,7

Antonia Krihl (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung - Musikalische Bisexualität und Fehlinterpretationen

2. Zur Person Frank Zappas …
2.1 Frank Zappa um 1979 - Lebensumstände und weiteres …

3. „ Joe's Garage “ - Aufbau und Inhalt …
3.1 Die (wichtigsten) Protagonisten …
3.2 Act I …
3.3 Act II …
3.4 Act III …
3.5 Frank Zappas Arbeit - Besonderheiten …
3.5.1 Sozialkritik als politisches Element bei Frank Zappa und erste Vermutungen zu den Hintergründen der Geschichte um „ Joe's Garage “ …
3.5.2 Bezug zu Franz Kafka …
3.5.3 Bezug zu Georg Büchner …
3.5.4 Bezug zu Scientology …

4. Stimmen zu „ Joe's Garage “ - das beste Zappa-Album aller Zeiten? Thesen, Antithesen und eigene Bewertung …

5. Bibliographie …

1. Einleitung - Musikalische Bisexualität und Fehlinterpretationen

Ein Künstler, der bis heute polarisiert, ein Chamäleon, das besonders beim konservativen Teil der Gesellschaft der USA immer wieder Anstoß erregte, ein Zyniker, der sich selbst und seine Umwelt immer wieder schamlos von Neuem aufs Korn nahm und dabei doch nie die Ernsthaftigkeit des Lebens vergaß. Frank Zappa war das alles und stets noch mehr. Auch wenn man Zappa und seine Musik nicht wirklich kennt und sich vielleicht nicht gerade ausführlich - ob durch persönliche oder andere Beweggründe geprägt - mit seinem Schaffen auseinandergesetzt hat, die Assoziationen sind doch deutlich und erfolgen nach eigenem Empfinden sehr schnell: Ein weitestgehend autodidaktischer Künstler, der es geschafft hat, mit seinen vielseitigen, „bunten“ und ambivalenten Werken in aller Munde zu sein, auch noch Jahre nach seinem Tod. Ein Mann, dessen Arbeitsweise von Umfang und Tragweite einem schier unerschöpflichen Kraftwerk ähnelt - auch wenn diverse Kritiker0 die Ergebnisse dieser Arbeit nicht immer als positiv bewerteten. Wie bereits oben erwähnt - Frank Zappa polarisiert. Und eben weil es so viele unterschiedliche Stimmen gibt, die das Lebenswerk bzw. die einzelnen Bestandteile des Lebenswerks dieses Künstlers beurteilt haben, wird es niemals ganzheitlich möglich sein, zu einem abschließenden Urteil in Bezug auf „gut“ oder „schlecht“ zu kommen. Diese beiden recht profanen und „schwarz-weiß“-malerischen Termini könnten zum Beispiel für die Unterteilung „ästhetisch“ -„harmonisch“ und „unästhetisch“ - „disharmonisch“ stehen. Zappa brach Tabus, nutzte unkonventionelle Mittel um seine künstlerischen Ziele zu verfolgen und brach für seine Musik mit musiktheoretisch festgelegten und oft auch starren Regeln. Er selbst drückte folgendermaßen aus, wie schwierig es teilweise war, seine Mitmusiker von dem starren Korsett musiktheoretischer Zwänge zu befreien: „ Es ist schwer zu erreichen, da ß Musiker h äß lich spielen, denn es widerspricht ihrer Ausbildung. Es ist schwer, ihnen verst ä ndlich zu machen, da ß all diese H äß lichkeit zusammengenommen schön klingen kann. “ 1.

Das Leben Frank Zappas liest bzw. hört sich wie ein einziges Abenteuer und genau so klingen auch seine Kompositionen - immer wieder erfindet sich der unkonventionelle Musiker selbst neu. Immer wieder komponiert er Musik, die für viele nur als chaotisch, dissonant und seltsam wahrgenommen wird, vor allem in Verbindung mit den verwendeten Texten und dem immer währenden Ziel, Aufsehen zu erregen, für Selbstbestimmung zu werben und auf Missstände in der amerikanischen Bevölkerung aufmerksam zu machen. Beißender Sarkasmus und maßlose Übertreibungen sowie anstößige Formulierungen führten nicht unbedingt zu einer Anerkennung Zappas als ernstzunehmender Musiker mit Hang zur Weltverbesserung. Autoren wie Wolfgang Reimers, Wolfgang Ludwig, Neil Slaven, Kelly Fisher Lowe, Don Shewey, Ben Watson und weitere beschäftigten sich mit dem Leben und der Musik Zappas und versuchten, eben diese Musik kritisch zu hinterfragen, ihren Sinn zu verstehen, um so auch der doch oft recht abstrakt erscheinenden Person Frank Zappas näher kommen zu können.

Die vorliegende Arbeit soll sich mit dem dreiteiligen, 1979 erschienenen Album „Joe's Garage“, dessen Bezügen und Auswirkungen auf die Musikwelt, sowie auf die Gesellschaft im Allgemeinen beschäftigen. Auch zu diesem Werk sind die Meinungen sehr unterschiedlich ausgeprägt, was im weiteren Verlauf dieser Arbeit genauer ausgeführt werden soll. War „Joe's Garage“ eine ganz besondere Glanzleistung Frank Zappas, wie es viele Stimmen behaupten? Oder ist „Joe's Garage“ vielmehr das ganze Gegenteil? Welches Echo löste die fiktive Geschichte über Joe und seine fast ständig unter Beschuss stehende Garagenband, die in einem System lebt, in dem Musik als Wurzel gesellschaftlichen und ökonomischen Übels angesehen wird, in der amerikanischen Öffentlichkeit aus? Anhand verschiedener Aussagen von Musikkritikern, Musikwissenschaftlern und anderen Geisteswissenschaftlern soll hier versucht werden, eine Aussage zu treffen über den tatsächlichen Grad von musikalischem und sozialkritischem Gehalt der Inhalte von „Joe's Garage“. Vielleicht ist es gerade dieses Album, das besonders deutlich macht, wie viele Aspekte neben der reinen Musik weiterhin eine Rolle gespielt haben in der Vorstellung Frank Zappas und in dem, was ihm, der selbst stets ein mit Misstrauen betrachtetes Individuum der Gesellschaft war, wichtig schien.

2. Zur Person Frank Zappas

Um zumindest ein Stück weit die Motivation und Ideen des für seine skandalösen Musikstücke und Auftritte bekannten Frank Zappas nachvollziehen zu können, ist es von Bedeutung, seine Herkunft und frühesten Einflüsse teilweise nachzuverfolgen.

Geboren wurde Frank Zappa als Francis Vincent Zappa Jr. II. am 21.12.1940 in Maryland als Kind von Eltern sizilianischer und neapolitanischer Abstammung. Von Kindesbeinen an war es um die Gesundheit des Jungen nicht besonders gut bestellt - Asthma, Ohrenschmerzen und Nasennebenhöhlenprobleme2 gehörten zu den Dingen, mit denen man sich beschäftigen musste. Wenn es auch in gesundheitlicher Hinsicht nicht ganz so gut aussah, war der junge Frank jedoch durchaus mit Intelligenz, gesunder Neugier und „ scharfem Verstand “ 3 ausgestattet. Laut seiner eigenen Aussage wäre er um ein Haar Wissenschaftler geworden, denn als Kind galt der Chemie seine größte Aufmerksamkeit - geprägt durch die Arbeit des Vaters als Meteorologe auf einem Militärgelände in Edgewood sowie durch seine eigene Vorliebe für Feuerwerk.

Schulisch gesehen tat sich Frank nicht sonderlich hervor, was nicht etwa an mangelnder Intelligenz oder zu wenig Verständnis lag sondern vielmehr mit seiner mangelnden Bereitschaft zu tun hatte, sich an Dingen, die ihn persönlich nicht interessierten, zu versuchen. Schnell war er gelangweilt und beschäftigte sich dann mit anderem, las Bücher, die ihn faszinierten und ihm etwas gaben, zeichnete gern und beschäftigte sich schließlich auch mit Musik. Von Anfang an war ihm dabei äußerst wichtig, dass der Humor in der Musik nicht zu kurz kommen durfte - ein Fakt, den man in Zappas späterer Entwicklung immer wieder entdecken kann und der von vielen Seiten fälschlicherweise als fehlende Ernsthaftigkeit interpretiert wurde.

Die weiter fortschreitende Kindheit und Jugend wurde nicht einfacher - schon allein durch die zahlreichen Umzüge war es für Frank nicht wirklich möglich, Wurzeln zu bilden und die durch ständige Schulwechsel bedingte wachsende eigene Isolation abzulegen. Freundschaften blieben daher ebenfalls weitestgehend auf der Strecke. Aber die Kreatitvität des Jungen wurde dadurch eher angeregt als abgeschwächt, er suchte sich seine eigenen Beschäftigungsmöglichkeiten und entdeckte in dem Zuge das Trommeln für sich, laut eigener Aussage nicht zuletzt wegen dem Krach, den man so veranstalten konnte. Auch, wenn seine „Karriere“ als Drummer letztlich nicht von Erfolg gekrönt war, weil er selbst, wie er freimütig zugibt, zu schlecht auf diesem Gebiet war, zeigt er sich nach wie vor sehr musikbegeistert - besonders R&B faszinierte ihn. Auch seine Vorliebe für das Zeichnen und die Malerei blieb bestehen - vielleicht ist dort sogar teilweise sein beginnendes Interesse für Komposition zu finden: „ Es gefiel mir, wie Musik auf dem Papier aussah. Es faszinierte mich, dass man die Noten sehen konnte und dass jemand, der wusste, wie man damit umgeht, sie anschaute und dann Musik daraus entstand. Für mich war das ein Wunder. “ 4.

Zu seinem bald darauf entstehenden und heute nach wie vor wohlbekannten Stil fand Frank Zappa unter anderem durch die Musik von Edgard Varèse. In der Zeitschrift „Look“ hatte er über ein bestimmtes Stück Varèses gelesen, dass als „ derma ß en dissonant und scheu ß lich “ 5 beschrieben wurde, dass man sich nicht vo]]rstellen könnte, jemand würde diese Musik wirklich aus freien Stücken besitzen und hören wollen6. Trotz dieser Kritik war jedoch offenkundig bekannt, dass Varèse Schüler bei Richard Strauss und Claude Debussy war - zwei durchaus anerkannte und erfolgreiche Komponisten des 19. bzw. 20. Jahrhunderts. Die Musik Debussys gilt auch heute noch als Bindeglied zwischen Romantik und Moderne.

Varèse faszinierte Zappa mit seiner Musik, in welcher er versuchte, das diatonische System, Melodie und Harmonien weitestgehend zu verbannen und in seinen Kompositionen darauf zu verzichten7 - dafür fand das Schlagzeug umso mehr Verwendung bei ihm, was Zappa beeindruckte: „ Diese Dissonanzen, diese Akkorde waren schon ziemlich brutal, so empfand ich das. Ich mag solche Akkorde. In dieser Musik sind die Trommeln sehr laut und man hört sie sehr oft, was man in anderen Formen klassischer Musik nicht erlebt. “ 8. Ab diesem Punkt war Frank Zappas Entwicklung in musikalischer Hinsicht fast schon vorgezeichnet. Alles in der Musik, was nicht den allgemeinen Regeln der Musiktheorie und Harmonielehre folgte, wurde von ihm mit besonderem Interesse betrachtet, aufgenommen und später in seiner eigenen Musik verarbeitet.

2.1 Frank Zappa um 1979 - Lebensumstände und weiteres

Bis zum Jahr 1979 hatte Zappa mehrere Umstrukturierungen innerhalb der Besetzung der 1964 zunächst als „Mothers“ gegründeten „Mothers of Invention“ vorgenommen. Erlebnisse wie der hinterhältige Anschlag eines 24-jährigen unzufriedenen Zappa-Konzertgängers bei einem Auftritt Ende 1971 und ein nachfolgender neunmonatiger Rollstuhlaufenthalt, der ein dauerhaft verkürztes Bein zur Folge hatte, prägten Zappa nachhaltig und förderten durch die erzwungene Ruhe auch seine Komponiertätigkeiten9. Er veröffentlichte zunächst mit „Waka/Jawaka“ und „Grand Wazoo“ zwei Soloprojekte und widmete sich dann wieder verstärkt dem Jazzrock. Ab ca. 1973 veränderte Zappa die Besetzung der „Mothers of Invention“, holte sich mit neuen Musikern auch neue Anregungen und Zugangsmöglichkeiten zu seinen Kompositionen. Heraus kamen brillante Musikstücke, die allerdings diversen Kritikern zufolge mit seltsamen, aber gleichzeitig auch Zappa- typischen Texten kontrastierten10.

Nach „Sleep Dirt“, „Orchestral Favorites“ und „Sheik Yerbouti“, einem der bestverkauften Alben Frank Zappas, erfolgte mit der Geburt der jüngsten Tochter Diva im Juli 1979 auch im Privatleben des Künstlers eine weitere Veränderung.

[...]


0 Vgl. Slaven, S. 13, 305. Meyer, S. 68. Kniß, S. 20-22, Watson, S. 102.

1 Vgl. Ludwig, S. 48.

2 Vgl. Slaven, S. 20.

3 Vgl. Slaven, S. 20.

4 Vgl. Slaven, S. 24.

5 Vgl. Slaven, S. 25.

6 Vgl. Slaven, S. 25.

7 Vgl. Slaven, S. 26.

8 Vgl. Slaven, S. 27.

9 Vgl. Slaven, S. 203-206.

10 Vgl. Reimers, S. 13-15 und Slaven, S. 211-219.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
„Joe's Garage“: Das beste Album Frank Zappas?
Untertitel
Eine Untersuchung zu Inhalt, Aussage, verwendeten Motiven und Hintergründen der „Rock-Oper“
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V183031
ISBN (eBook)
9783656070368
ISBN (Buch)
9783656070252
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
garage, album, frank, zappas, eine, untersuchung, inhalt, aussage, motiven, hintergründen, rock-oper
Arbeit zitieren
Antonia Krihl (Autor), 2011, „Joe's Garage“: Das beste Album Frank Zappas? , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183031

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