Beginen und Terziarinnen im Umkreis von Bettelordensklöstern


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
23 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsklärung
2.1 Entstehung der Beginen - Legenden um die Stifter
2.2 Beginen und Terziarinnen
2.3 Die Stellung der Beginen in der Gesellschaft

3 Beginen und Bettelorden
3.1 Möglichkeiten religiösen Lebens für Frauen bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts13
3.2 Beziehung zwischen Beginen und Bettelorden in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts
3.3 Neuordnung der Beziehungen zwischen Beginen und Bettelorden ab 1245

4 Schluss

5 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als Teil der religiösen Bewegungen des Mittelalters sind die Beginen bereits in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in den Blickpunkt der Forschung gerückt. Dabei sind die Ansätze der Betrachtung vielfältig und abhängig vom Betrachter. Während beispielsweise die Sozialgeschichte den Einfluss der Beginen im urbanen Kontext betrachtet, rücken die gender studies das Beginentum in die Nähe der Emanzipationsbewegung, und die Kirchengeschichte untersucht deren Wirkung im Rahmen der kirchlichen Erneuerungen des 13. Jahrhunderts. Jedoch werden sämtliche Forschungen immer wieder mit der Schwierigkeit konfrontiert, eine genaue Definition des Beginentums zu finden. Zu unterschiedlich sind dessen Erscheinungsformen und zu dürftig ist die Quellenlage vor allem über die Anfänge der Bewegung, um ein abschließendes Urteil fällen zu können. Schon im Mittelalter existierte kein klar umrissener Begriff für das Beginentum. Ursachen dafür sind unter anderem die fehlende einheitliche Organisationsstruktur und die Zwischenstellung der Beginen zwischen weltlichem und geistlichem Leben.

Die folgende Arbeit versucht einerseits das Phänomen des Beginenwesens näher zu beleuchten und andererseits der Frage auf den Grund zu gehen, warum sich aus dieser unabhängigen Bewegung nachweislich sehr enge Kontakte zu den neu entstandenen Bettelorden ergaben.

Das Auftreten von Beginen im 13. Jahrhundert ist kein Einzelphänomen, im Gegenteil, es betraf Frauen aller Schichten, nicht ohne Grund wird von einer Bewegung gesprochen. Doch welche Umstände führten zu dieser Bewegung? Um darauf eine Antwort zu finden, müssen die sozialen Bedingungen und deren Verschiebungen in der Gesellschaft näher betrachtet werden. Außerdem ist es von Bedeutung, die Stellung der Beginen innerhalb der Gesellschaft - ihre Tätigkeitsfelder und daraus resultierende Konflikte - zu untersuchen, um Schlüsse über die Zuwendung zu den Bettelorden ziehen zu können.

Zahlreiche Quellen belegen eindeutig einen Zusammenhang zwischen der Ansiedlung von Bettelorden und der Ausbreitung der Beginen. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass die Orden wichtig für die gesellschaftliche Integration der frommen Frauen waren. Doch stellt sich auch die Frage, wie die Zusammenarbeit zwischen Beginen und Orden funktionierte und welche Konflikte sich ergaben. Dieser Frage soll im zweiten Teil der Arbeit nachgegangen werden.

2. Begriffsklärung

Die beginische Lebensform entstand als Alternative zu den bisherigen religiösen Lebensformen für Frauen, zum Beispiel als Nonne oder Klausnerin. Allerdings gestaltet es sich als schwierig, ihnen einen genau definierten Platz im religiösen System des Mittelalters zuzuweisen; weder für die Institution noch für die Personen ist das uneingeschränkt möglich.1 Zu stark war die lokale Ausprägung. Beginengemeinschaften traten in unterschiedlichsten Formen auf, sie waren nicht einheitlich organisiert wie die religiösen Orden, es existierten weder zentrale Regeln noch eine übergeordnete Leitung. Des Weiteren war es unüblich für die einzelnen Beginenverbände, über Stadtgrenzen hinweg zu kooperieren. Somit stößt man in der Forschung auf die vielfältigsten Herausforderungen.

Probleme bereiten zum Beispiel die Betrachtung unter einem bestimmten Gesichtspunkt und die daraus folgende Verallgemeinerung der gefundenen Ergebnisse, da sie in der Regel nur lokale Phänomene widerspiegeln.2

Forschungsergebnisse über die Beginen wurden ebenfalls genutzt, um vorgefasste Meinungen zu untermauern. So untersuchten zum Beispiel die gender studies die Beginenbewegung aus dem Blickwinkel der weiblichen Emanzipationsbewegung, was sich als nicht unproblematisch darstellt, denn mit der Verwendung des Begriffes Frauenbewegung in diesem Zusammenhang und unter emanzipatorischen Gesichtspunkten, obwohl ein durchaus gängiger Begriff in der Erforschung der Frömmigkeitsbewegung, wird gleichzeitig eine Auflehnung gegen die Institution Kirche impliziert, eine Auffassung, die der mittelalterlichen Realität keinesfalls entspricht.3

Bereits im 19. Jahrhundert war die Bewegung der Beginen als Gegenstand der Forschung durchaus interessant. Mangels eindeutiger Quellenlage stellten diese ersten Forschungen lediglich Versuche dar, die Bewegung auf der Basis ihres Namens beziehungsweise ihres Erscheinungsbildes zu erklären. Allerdings konnten daraus kaum wissenschaftlich fundierte Aussagen getroffen werden.

2.1 Entstehung der Beginen - Legenden um die Stifter

Schon die Betrachtung der Bewegung unter dem Begriff Beginen ist ein Konstrukt, das lediglich die Beschäftigung mit dem Thema vereinfachen soll. Wie Birgit DeglerSpengler hinweist, taucht die Bezeichnung Begine in den Quellen kaum auf.4 Vielmehr werden sie in den wenigen vorhandenen Quellen mulieres religiosae, virgines continentes, sanctae, beatae oder auch swestriones5 genannt.

Die Entstehung der Bezeichnung Begine liegt im Dunklen, da die geschichtlichen Vorgänge, in denen das Beginentum wurzelt, keinen Eingang in die Quellen gefunden haben. Zahlreiche Erklärungsversuche wurden unternommen, von denen jedoch keiner wirklich überzeugen kann.

Joseph Greven weist in seinen Ausführungen über die Anfänge der Beginen auf drei Stifterlegenden hin.6 Die erste um den Lütticher Priester Lambert le Bègue bestand bis ins 14. Jahrhundert. Diese Geschichte erzählt von Lambert le Bègue, der im Besitz ungeheurer Ländereien und Reichtümer war. Seit dem Osterfest 1170 wandte er sich in seinen Predigten gegen die herrschende Simonie der Kirche und forderte in seinen Predigten die Rückkehr zum apostolischen Leben im Sinne des Evangeliums, ermahnte die Gläubigen zu täglichem Gebet und frommem, gottesfürchtigem Leben. Im Jahr 1179 begann er mit der Errichtung einer Kirche mit Friedhof und Wohnhäusern, umgeben von einer Mauer, auf seinem Grundbesitz. Nach deren Fertigstellung wies er die Wohnhäuser frommen Frauen - Jungfrauen und Witwen - zu, mit der Auflage zur Führung eines keuschen, gottgefälligen Lebens.

Durch die scharfe Kritik an seinen Amtsbrüdern in seinen Predigten kam es zu Konflikten mit der Kirche und Papst Lucius III. Lambert reiste daraufhin zum Papst, um sich zu rechtfertigen und erhielt die Erlaubnis weiterhin zu predigen; allerdings starb er kurz nach seiner Rückkehr nach Lüttich. Die Beginen führten ihr Leben unter Berücksichtigung der von Lambert le Bègue aufgestellten Regeln auf seinem Hof fort. Diese Geschichte gehörte zur Lütticher Lokaltradition, in deren Mittelpunkt vor allem die Keuschheit der frommen Frauen stand.

Die zweite Legende bezeichnet Greven als schon an sich romanhaft und phantastisch. Die Zeit ihrer Entstehung kann nicht genau benannt werden und es existieren lediglich drei Überlieferungen der Geschichte. Sie handelt von einem gut aussehenden und sehr gelehrten griechischen Königssohn, der als Magister an die Universität Prag kam. Als die Töchter des böhmischen Königs, Ghyselgundis und Nazarena, ihn erblickten, entbrannten sie in Liebe zu ihm. Doch der Königssohn lehnte ihre Heiratsabsichten ab, woraufhin ihn der König in den Kerker sperren ließ, was die Königstöchter aber nicht davon abhielt, ihn zu besuchen. Der Gelehrte konnte sie jedoch davon überzeugen, dass er sein Leben der Himmelskönigin gewidmet hatte. Die Töchter schworen daraufhin, ebenfalls auf eine Heirat zu verzichten und einem Orden beitreten zu wollen. Allerdings wurde ihre Aufnahme bei den Benediktinerinnen abgelehnt, da die erste Witwe und die zweite ungebildet waren. Infolgedessen empfahl der Magister dem König, für die beiden eine Kapelle vor den Toren der Stadt zu errichten, worin sie ungebunden an Ordensregeln ein kontemplatives Leben führen könnten. Jene Kapelle und ihre Bewohner wurden dann vom Magister, der inzwischen zum Bischof geweiht war, nach den Frauen des Königshauses benannt: nach der König Beatrix und deren Töchtern Ghyselgundis und Nazarena - BE-GHY-NA.

Die dritte existierende Legende stammt aus dem 15. Jahrhundert und bezieht sich auf die heilige Begga, die als Tochter Pippins des Älteren und Mutter Pippins des Mittleren als Stammmutter der Karolinger gilt. Historisch kann sie als wertlos bezeichnet werden, da sie nicht belegbar ist, jedoch gilt sie als stärkste der drei Legenden, die sich auch lange Zeit erhalten hat.7

Alle drei Legenden wurden bereits im 16. Jahrhundert kritisch untersucht und für haltlos erachtet, unter anderem aus dem Grund, weil die Bewegung nicht das Ergebnis einer bewussten Gründung war, sondern ein Phänomen, das sich aus zahlreichen Einzelerscheinungen zusammensetzte.

Dennoch stellen sie einen wichtigen Bestandteil in der Beginenforschung dar. Allen dreien gemein ist die Suche nach einer möglichst starken und schillernden Stifterfigur für eine neue, alternative Lebensform religiöser Frauen. Die Beginen waren aufgrund ihrer Lebensweise zahlreichen Anfeindungen ausgesetzt.8 Ihr frommes, einfaches Leben galt als wenig aristokratisch. Wie auch die anderen Orden wollten sie ihre Lebensform durch einen glanzverleihenden Stifter rechtfertigen und legitimieren. Je stärker die Persönlichkeit des Stifters ist - egal ob reicher begüterter Priester, ein griechischer Königssohn von ungeheurer Schönheit und Gelehrsamkeit oder die Ahnfrau Karls des Großen - umso stärker ist auch die Rechtmäßigkeit der neuen Bewegung.

Ein weiterer Forschungsansatz über die Anfänge der Beginen führt über die Etymologie.

[...]


1 Bereits Joseph Greven konstatiert in seinen Untersuchungen, dass der Name Begine nicht die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Genossenschaft ausdrückt, sondern nur Frauen zugeteilt wurde, die einen besonders sittenstrengen Lebenswandel hatten und eine hervortretende Frömmigkeit. - Greven, Joseph: Die Anfänge der Beginen. Ein Beitrag zur Geschichte der Volksfrömmigkeit und des Ordenswesens im Hochmittelalter. Münster 1912. S. 125.

2 Edith Ennen weist auf die Gefahr der Verallgemeinerung von örtlich auftretenden Ereignissen hin, die eine Verfälschung der tatsächlichen Fakten mit sich zieht. - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. München 1991. S. 135.

3 Vgl. Fößel, Amalie und Hettinger, Anette: Klosterfrauen, Beginen, Ketzerinnen. Religiöse Lebensformen von Frauen im Mittelalter. Idstein 2000. S. 15.

4 Vgl. Degler-Spengler, Birgit (Hg.): Beginen und Begarden in der Schweiz (= Helvetia Sacra Band IX/2). Basel 1995. S. 32.

5 Elm, Kaspar: Die Stellung der Frau in Ordenswesen, Semireligiosentum und Häresie zur Zeit der heiligen Elisabeth. In: Sankt Elisabeth. Fürstin, Dienerin, Heilige. Aufsätze, Dokumentation, Katalog. Siegmaringen 1981. S. 14.

6 Greven S. 3 ff.

7 Vgl. Greven S. 10 f.

8 Grundmann bemerkt hierzu, dass Frauen, die aus eigenem Entschluss heraus keusch leben wollten, grundsätzlich schon häresieverdächtig waren. - Grundmann S. 180.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Beginen und Terziarinnen im Umkreis von Bettelordensklöstern
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
23
Katalognummer
V183786
ISBN (eBook)
9783656084013
Dateigröße
624 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
beginen, terziarinnen, umkreis, bettelordensklöstern
Arbeit zitieren
Christian Ehmann (Autor), 2009, Beginen und Terziarinnen im Umkreis von Bettelordensklöstern , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183786

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