Asylbewerberinnen und Identität - Auswirkungen des Asylbewerberstatus auf die Selbstkonzeption von weiblichen Flüchtlingen


Examensarbeit, 2010

75 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Identität
2.1. Das soziologische Theorem der Identität
2.2. Kultur und kulturelle Wahrnehmung
2.3. Bestandteile der Identität
2.3.1. Rolle
2.3.2. Status
2.3.3. Selbst- und Fremdwahrnehmung
2.3.4. Identitätspolitik
2.4. Wirkungsbereiche der Identität
2.5. Die soziale Kategorie Geschlecht
2.5.1. Interkulturelle Konzepte des sozialen Geschlechts
2.6. Zusammenfassung

3. Fluchtmigration
3.1. Die Flucht
3.2. Asyl und Exil
3.3. Der Flüchtlingsbegriff
3.4. Flucht und Frauen
3.4.1. Fluchtursachen von Frauen
3.4.2. Geschlechtsspezifische Flucht- und Verfolgungsbedingungen
3.5. Ehre und Schande als kulturelles Selbstkonzept
3.6. Zusammenfassung

4. Wechselwirkungen Migration und Identität
4.1. Emigration und Immigration
4.2. Akkulturationsstrategien
4.3. Identitätsarbeit als Neukonstruktion der sozialen Wirklichkeit
4.4. Flucht und Exil als biographische Brüche
4.5. Identitätsarbeit verändert weibliche Rollenvorstellungen
4.6. Identitätsarbeit bedeutet, soziale Wirklichkeit nicht vermitteln zu können
4.7. Identitätsarbeit bedeutet Rassismus zu verstehen
4.8. Zusammenfassung

5. Der Asylbewerberstatus
5.1. Was ist ein Asylbewerber?
5.2. Hypothesen
5.3. Auswertungen
5.3.1. Zur Anzahl
5.3.2. Fluchtgründe, Herkunftskulturen, Bildungsstand
5.3.3. Herkunftsländer und geschlechtsspezifische Verfolgung
5.3.4. Asylanerkennung für Frauen
5.4. Zusammenfassung

6. Auswirkungen des Asylbewerberstatus auf die Selbstkonzeption
6.1. Auswirkungen auf die Wirkungsbereiche der Identität
6.1.1. Arbeit und Leistung
6.1.2. Materielle Sicherheit
6.1.3. Leib
6.1.4. Soziales Netzwerk
6.1.5. Werte
6.2. Zusammenfassung
6.3. Auswirkungen auf die Identität
6.3.1. Statusfragen
6.3.2. Rollen
6.3.3. Selbst- und Fremdbilder
6.4. Zusammenfassung

7. Schluss

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die derzeitige Integrationsdebatte lenkt den Blick kontrovers auf ausländische Frauen. Ausgelöst durch Thilo Sarrazin, fortgeführt von Alice Schwarzer, reibt sie sich zwar am medialen Widerstand einzelner Repräsentantinnen und wird den- noch über die Köpfe der Betroffenen hinweg geführt. Das Schicksal der Flüchtlings- frauen wird öffentlich kaum diskutiert und doch repräsentieren sie diejenigen, deren Leid aus dem Fernsehen bekannt ist, in deren Länder unsere Spendengelder fließen und die besonders unter der Flucht zu leiden haben.1 Dass die Gesetz- gebung keine geregelte Einwanderung kennt2 und somit das Asyl zum einzigen außereuropäischen Zugang macht, öffnet Tür und Tor für die Einteilung der Asyl- suchenden in Wirtschaftsflüchtlinge, Wohlstandsflüchtlinge, Scheinasylanten und Familiennachziehende, deren Abreise gesellschaftlich und gesetzlich vorbereitet wird. Dass aber gerade die Asylbedingungen die defizitäre Situation für Flücht- lingsfrauen verstärkt, habe ich während meiner Studienaufenthalte in Griechen- land und Italien durch das dort alltägliche Flüchtlingselend erlebt. Nicht nur die bundesdeutsche Diskussion zur Wahrnehmung von Migrantinnen im Sommer 2010 motivierte mich zur näheren Betrachtung der Zusammenhänge zwischen Fluchtmigration, Asyl und ihrer Bedeutung für die Identität von Frauen. Diese Ar- beit stellt darüber hinaus den Abschluss einer persönlichen Auseinandersetzung aufgrund meiner Erfahrungen mit der sozialen Wirklichkeit von Flüchtlingsfrauen in Deutschland dar. Dabei soll jede Wertung zwischen den Geschlechtern vermie- den werden.

Wie die aktuellen Studien zur Situation von Flüchtlingsfrauen in Deutschland be- tonen, ist das Erleben des globalen Massenphänomens Flucht äußerst individuell. Migration und Flucht setzen dabei die Rahmenbedingungen für die gesellschaftli- che Teilhabe des Individuums, die wiederum die Identität des Einzelnen bestimmt. Darauf aufbauend geht meine Arbeit von der Annahme aus, dass Identität zum ei- nen durch die Interaktion mit der Gesellschaft entsteht und zum anderen durch Status, Rolle, Selbst- und Fremdbild bestimmt wird, wie das Kapitel 2 zur Identität darlegt. Die Identitätstheorie nach Petzold stellt dar, dass Identität in fünf gesell- schaftlichen Bereichen funktioniert: Arbeit und Leistung, Materielle Sicherheit, Leib, Werte und Soziales NetzwerkǤ Er nennt sie die ‚5 Säulen der Identität‘; ich erkenne in ihnen die Wirkungsbereiche der Identität. Der Bereich des sozialen Netzwerkes manifestiert durch seine gesellschaftsrepräsentierende Funktion die Schnittstelle zwischen der individuellen Identität und den gesellschaftlichen Wir- kungsbereichen. Das Geschlecht hingegen zähle ich zum Leib, was in Kapitel 2 ein- gehend dargestellt wird. Flucht und Asyl wirken direkt auf die fünf aufgezählten Bereiche, da sie die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verändern. Sie bewe- gen ebenfalls die subjektive Identität: Rolle, Status, Selbst- und Fremdbild:

Die Abbildung verdeutlicht die Wechselwirkungen zwischen Identitätsbestandtei- len, Wirkungsbereichen und äußeren Einflüssen. Obwohl der Begriff der Selbst- konzeption aus dem psychologischen Bereich stammt, vereint Petzold den Identi- tätsbegriff mit dem der Selbstkonzeption auf eine pragmatische, sozialwissen- schaftliche Weise. Dass Migrationsprozesse im Bereich Asyl ebenfalls mit dem Be- griff Exil zu verbinden sind, wird neben den geschlechtsspezifischen Bedingungen für Frauen in Kapitel 3 erläutert. Das darauf folgende Kapitel geht auf die Wech- selwirkungen zwischen Fluchtmigration und Identitätsprozessen ein. Die besonde- ren Gegebenheiten des Migrationsprozesses und des Asylbewerberstatus für die Situation von Frauen stellt das Kapitel 5 dar. Spezielle Auswirkungen auf Selbst- konzeption und damit auf die Identität von Asylbewerberinnen werden in Kapitel 6 diskutiert. Ich stütze mich hier auf aktuelle Studien des Instituts für Menschen- rechte in Berlin, des Psychosozialen Zentrums für Flüchtlingsfrauen in Düsseldorf, des Duisburger Instituts für Soziologie, des Bundesministeriums für Migration und Flüchtlinge (BAMF), des Statistischen Bundesamtes sowie der UNO und des UNHCR. Ergänzend greife ich auf persönliche Eindrücke meiner Arbeit im Asylbe- werberheim Heiligenhaus zurück, die in Gesprächen mit Parlamentariern und Diakonievertretern zusätzlich reflektiert wurden. Leider können des Umfangs we- gen nicht alle interessanten Aspekte vollständig thematisiert werden.

Das Kapitel zur Identität bietet einen kurzen Überblick über das soziologische Theorem der Identität, sowie über die soziale Kategorie Geschlecht.

2. Identität

2.1. Das soziologische Theorem der Identität

Der Versuch, die Auswirkungen der Migrationsprozesse auf die Identität zu be- schreiben, das Subjekt in der Beziehung zu seiner Umwelt zu sehen. Denn Identität entsteht und gestaltet sich durch die Interaktion zwischen Subjekt und Gesell- schaft. Durch diese Interaktion ergibt sich eine innere, persönliche Ebene des Sub- jekts und eine äußere, öffentliche Ebene.3 Die äußere Ebene ist diejenige, welche von der außenstehenden Gesellschaft und dem sozialen Netzwerk, wahrgenom- men, bewertet und geformt wird. Die innere Ebene umfasst neben den psychologi- schen Emotionen und dem Willen, die Handlungsmotivation, die Kompetenzen und Ressourcen einer Person. Das Verhältnis beider Ebenen zueinander wird u.a. von Mead beschrieben, der die äußere Ebene als ‚Me‘ und die innere Ebene als ‚I‘ be- zeichnetǤ Das ‚Me‘ nimmt erlernte und verfestigte Rollen ein und spiegelt darüber die Reaktionen der Umgebung wiederǤ Das ‚I‘ lernt im Laufe seines Lebens ver- schiedene Haltungen einzunehmen und stellt die internalisierten, sozialen Rollen- erwartungen dar, und weist dennoch in sich die unberechenbare Kraft des Indivi- duums gegen die äußeren Zwänge auf. Die subjektive Identität stellt demnach das handlungssichere Wissen um die sozialen Kategorien dar.

Das dritte und zuletzt ausgebildete Element der Identität nennt Mead den ‚mind‘Ǥ Dort findet das konstruktive, reflexive und problemlösende Denken statt.4 Über die Ausbildung des ‚mind‘ steht das Subjekt mit einer stabilen Identität in Beziehung zu seiner Umwelt,5 wodurch zu den entsprechenden Interaktionspartnern unterschiedliche ‚Me’s‘ ausgebildet werdenǤ Das ist wesentlich für die Migrationsprozesse von Erwachsenen. Die Begegnung neuer, anderer Gesellschaften erfordert Reflektionen bereits stabilisierter Identitäten, was beim Wechsel von Gesellschaften die Neu-Verhandlung bereits vorhandener ‚Me’s bedeutet.

Goffman, in Anlehnung an Mead, spricht von der sozialen, der personalen und der Ich-Identität.6 Die soziale Identität umfasst das Wissen der sozialen Handlungen, die personale Identität das Wissen um die eigene Person und Lebensgeschichtet. Die Ich-Identität ist die Konklusion dieser Erfahrungen sowie des diesbezüglichen subjektiven Empfindens. Goffmans Ergänzung zu Meads Entwicklungsmodell macht deutlich, dass migrierende Erwachsene ihren persönlichen Migrationshintergrund in der Aufnahmegesellschaft, für andere Migranten und die Herkunftsgesellschaft gestalten können. Das subjektive Empfinden nimmt dabei die eine wichtige Funktion für die Ich-Identität migrierender Subjekte ein. So können eigene Erfahrungen für die Reflektion des ‚Me‘ verwertet werdenǤ

Nach Krappmann werden Identitäten durch die Dimension des gesellschaftlichen Wandels permanent ausgehandelt.7 Gesellschaftlicher Wandel liegt Migrationspro- zessen zu Grunde, wodurch die Identitätenaushandlung grundlegend für Frauen in Migrationsprozessen ist. Denn in der Aushandlung findet die Gestaltung des eige- nen Migrationshintergrundes im Bezug auf das Subjekt und seine Umgebung statt.

Zusammenfassend kann das soziologische Theorem mit den Worten Keupps bestimmt werden:

„Identität kann als Antwort auf die Frage verstanden werden, wer man selbst oder wer jemand anderer sei. Unterschieden werden kann zwischen einer individuellen und einer kollektiven Identität. I. ist immer ein Akt sozialer Konstruktion: Die eigene Person oder Gruppe oder eine andere Person oder Gruppe werden in einem Bedeu- tungsnetz erfasst, das die eigene Besonderheit in der Differenz zu anderen Personen oder Gruppen herausstelltǤ“8

Im Bezug auf die Erfassung von Identitäten in Migrationsprozessen entspricht das von Keupp erwähnte gesellschaftliche Bedeutungsnetz der kulturellen Dimension, da kulturelle Bedeutungsnetze in der gesellschaftlichen Interaktion interpretiert werden. Der kulturspezifische Kontext betont zusätzlich die Individualität der Migrationsprozesse, wie sie bei Asylbewerberinnen zu finden ist.

2.2. Kultur und kulturelle Wahrnehmung

Der Begriff der Kultur steht für den abstrakten Sinnzusammenhang einer Gesell- schaft, die sich über Werte, Handlungen, Symbole und Kommunikationsformen definiert. Für Hofstede entsteht Kultur aus den im Verhalten sichtbar werdenden Werten (‚values‘), Symbolen, Helden und Ritualen einer GesellschaftǤ In der Menta- lität (‚mind‘), bestehend aus ‚thinking‘, ‚feeling‘, ‚acting‘, äußert sich Kultur, ähnlich der Identitätsebene ‚mind‘ von MeadǤ Kultur hat neben der identitätsstiftenden Funktion auch die der Koordination und Orientierung der Interagierenden.9 Dem- entsprechend setzt das soziale Netzwerk die Rahmenbedingungen für die Soziali- sation und die Vorgaben für die Ausbildung von subjektiver Identität. Insofern grenzt sich diese Arbeit von der Kulturdifferenzhypothese10 ab, nach der Unter- schiede zwischen Subjekten ethnisch begründet werden, als das davon ausgegan- gen wird, dass Migrationsprozesse nach soziologischen Kriterien verlaufen.

Der Begriff der kulturellen Identität weist auf eine subjektive Zugehörigkeit zu ei- ner Sprache, einer Region, einer Weltanschauung hin, welche sozialpolitisch in An- lehnung an Huntingtons ‚Clash of Cultures‘ missbraucht werden kann.11 Die zu- nehmende öffentliche Ethnisierung von alltagswahrgenommenen Differenzen führt zu der Dichotomie traditioneller und moderner Gesellschaften nach entwick- lungstheoretischen Modellen: „Der am Standard der westlichen Industrienationen gemessene sozioökonomische Entwicklungsstand der Herkunftsländer gilt als Krite- rium für die kulturelle Rückständigkeit der Einwanderer,“12 wodurch nicht nur die Zuweisung eines geringeren sozialen Status legitimiert wird, sondern auch ge- schlechtsspezifisches Verhalten erklärt. Zur Vermeidung dessen, greife ich auf die Kulturdimensionen Hofstedes zurück. Trotz ihrer kulturdifferenzierenden Ten- denz, beschreiben sie diejenige soziologische Organisation von kollektiver und subjektiver Identität, welche in der Dichotomie traditionell/modern vereinfacht wird: Machtdistanz (Frage nach dem allgemeinen Vertrauen in den Staat), Un- sicherheitsvermeidung (Frage nach dem Sicherheitserleben) und Langzeitorientie- rung (Frage nach der zeitlichen Organisation).13 Modernität bezeichnet in der eth- nisierten Wahrnehmung ein hohes Sicherheitserleben sowie eine detaillierte Lang- zeitplanung, während Traditionalität neben einem geringen Sicherheitserleben und Zeitplanung auch eine Geschlechtertrennung fokussiert. Demzufolge stellt der Begriff Geschlechtersegregation lediglich eine Gesellschaftsform dar, wird dennoch ethnisiert und unreflektiert mit der Vorstellung über traditionelle Gesellschaften gleichgesetzt. Hofstedes Dimensionen Individualismus und Maskulinität beschrei- ben das mögliche soziale Gefüge sowie das mögliche Geschlechterverhältnis in ei- ner Gesellschaft. Maskuline Gesellschaften gelten als segregativ, bemessen nach ökonomischen und sozialen Faktoren, nach denen Deutschland ein maskulines Land darstellt.14 Subjekte in individualistischen Gesellschaften orientieren sich am Einzelnen, während das Handeln in kollektivistische Gesellschaften an sozialen Strukturen, wie der Groß-Familie, orientiert ist.15 Auf weitere Aspekte zur sozialen Kategorie Geschlecht gehe ich in Kapitel 2.5 ein.

Zwischenfazit: Identität und Gesellschaft

Identität findet in der Interaktion zwischen dem Subjekt und seiner Umgebung statt. Die Umgebung besteht einerseits aus dem sozialen Netzwerk, andererseits aus der Mehrheitsgesellschaft. Durch die Interaktion werden nach Mead das ‚Me‘, nach Goffman die personale Ebene, und das ‚I‘, die soziale Ebene der Identität aus- gebildet. Die Identitätsebenen sind bestimmt durch eine höhere kulturelle Ebene, welche Hofstede den gesellschaftlichen ‚mind‘ nenntǤ Dort werden Muster zur In- teraktion ausgebildet. Diese Muster finden sich wiederum in der dritten subjekti- ven Identitätsebene von Mead, dem ‚mind‘, auf welchem das subjektive problemlö- sende Denken stattfindet. Goffman nennt dies die Ich-Identität, welche durch die Erfahrungen und das subjektive Empfinden geprägt ist. Kultur dient den subjekti- ven Identitätshandlungen, auf der inneren und äußeren Ebene, in Migrationspro- zessen als Orientierung. Deutschland, als Aufnahmegesellschaft orientiert sich bei der Diskussion über Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen an kulturell geprägten Folien. Um bestimmte Phänomene benennen zu können, werden Frauen Rollen und Statuspositionen zugeschrieben. Differenzorientierte öffentliche Diskussionen benutzen dafür sozialwissenschaftliche Dichotomien über Gesellschaften und Ge- schlechterverhältnisse, womit aber wirkende Machtmechanismen verschleiert werden. Kollektive Identitäten werden über subjektive Identitäten hergestellt, die sich in der Aushandlung von Rollen und Status äußern.

2.3. Bestandteile der Identität

Das Erleben von Migrationsprozessen unterscheidet sich nur subjektiv zwischen Männern und Frauen, wobei beide Geschlechter von spezifischen Risiken und Chancen der Migration betroffen sind. Die Auswirkungen dessen werden durch die Reflektion mikrosoziologischer Migrationssituationen erfahrbar.16

2.3.1. Rolle

Rollen bezeichnen die sozialen Handlungspositionen des Individuums in der Ge- sellschaft.17 Sie werden in der Interaktion gebildet18 und sind ein wesentlicher Be- standteil bei der personalen und kollektiven Identitätskonstruktion19. Rollen wer- den zugewiesen, ausgebildet, übernommen und spiegeln damit die gesellschaftli- chen Erwartungen an die individuelle als auch kollektive Identität wider. Anpas- sung an zugeschriebene Rollen ist essentiell für den Erhalt der Gesellschaften, weshalb es Sanktionen bei Rollenverstößen gibt. Die Funktionen von Frauen- und Männerrollen werden, wie beispielsweise von der feministischen Bewegung, im Gesellschaftsdiskurs ausgehandelt.20 Die gesellschaftlichen Rollen, wie institutio- neller und sozialer Art, sind wichtig für den Gesellschaftsdiskurs. Im Fall der aktu- ellen Integrations- und Migrationsdiskurse führt die Problematisierung von Islam, Türken und Arabern, unabhängig ob ihrer religiösen Ausrichtung, zur Rolle des gesellschaftlichen Problemträgers. Neben der Rollenzuweisung, gibt es die Rollen- übernahme durch die subjektive Identität, wie eben bei Muslimen die verstärkte Hinwendung zum problematisierten Islam zu beobachten ist.11 Identitätshandlun- gen definieren sich demnach durch die Rollenübernahme und der Erwartungsent- sprechung,22 was unmittelbar mit dem gesellschaftlichen Status zusammenhängt. Denn Asylbewerberinnen sind in ihren Identitätshandlungen auf den gesamtge- sellschaftlichen und individuellen Status angewiesen.

2.3.2. Status

Die Rollenhandlungen sind definiert über den gesellschaftlichen Status:23 „Status [ǥȐ meint den relativen Ort einer Person in einem eingrenzbaren sozialen Kontext, aus dem sich bestimmte Rollenerwartungen ergeben. [ǥȐ Der Status einer Person wirkt für deren Interaktionspartner handlungsorientierendǤ“2[4] Zu unterscheiden ist der erworbene und der zugeschriebene Status, als Teil der sozialen Identität: „Denn Zuschreibungen verorten und bewerten das Individuum und definieren durch entsprechende Erwartungen an sein Verhalten auch das Bild, das es von sich selbst hat oder haben sollte“.25

Der erworbene Status ist in westlichen Gesellschaften bestimmt durch die Leistung und dessen gesellschaftliche Anerkennung26. In der Ausländerpolitik wird der so- ziale Status auf den Aufenthaltsstatus übertragen, welcher durch den Aufenthalts- zweck legitimiert wird: Der Aufenthaltszweck erlaubt Rückschlüsse auf die soziale Verortung der Person mit Konsequenzen für den rechtlichen Aufenthaltsstatus.27

Dass Personen als fremd wahrgenommen werden und sie ihre diversen Daseinsbe- rechtigungen in der Gesellschaft oftmals begründen müssen (Polizisten, die schwarze Männer öfter kontrollieren als Weiße28 ), liegt an der Selbst- und Fremd- wahrnehmung, die mit der äußeren Identität einhergeht, und eine Folge dessen ist, was Hofstede der Kultur und seiner identitätsstiftenden, sowie aus- und eingren- zenden Funktion zuschreibt.

2.3.3. Selbst- und Fremdwahrnehmung

Die Selbst- und Fremdwahrnehmung wird auch als Innenperspektive und Außen- perspektive29 sowie Fremdbild und Selbstbild30 bezeichnet. Nach Mead31 nimmt das Subjekt sein Selbstbild erst durch Wahrnehmung des eigenen Fremdbildes wahr: Die Spiegelfunktion32 der Umgebung beeinflusst die innere Identität. Die Einstellungen und Handlungen einer Person basieren auf dem Streben nach Aner- kennung und sozialer Zugehörigkeit, welche Keupp basal für die Herstellung von Identität nennt.33 Dennoch festigen sich Selbstbilder im Laufe des Lebens und ver- ändern sich zugleich prozesshaft. Das hat Einflüsse auf die Fremdwahrnehmung, für welche die Konstruktion von Fremdheit symptomatisch ist: „Fremde sind nur fremd in Beziehung zum Gegenüber [ǥȐ Fremdheit ist demnach ein Konstrukt aus der von der eigenen Gruppe aus anders definierten Merkmalen. Dazu zählen Sprache, Hautfarbe, Alltagsroutinen usw. als sichtbare äußere Zeichen [ǥȐ.“ Diesen Abgren- zungsprozess zeigt Lillig: „Indem wir als Angehörige der Mehrheitsgesellschaft bei- spielsweise allen Flüchtlingen unterstellen, sie hätten ihr Land verlassen in dem ein- zigen Streben es sich in unserem Sozialstaat endlich gut gehen zu lassen [ǥȐ blenden wir völlig aus, welche Tragik für jeden Menschen mit dem unfreiwilligen Verlassen seines Lebensraumes verbunden sein kannǤ“33 Doch auch die Kritik an Darstellungen wie diesen, welche die Flüchtlingsfrauen allzu oft in eine diffuse, passive Opferrolle drängen,35 ist dahingehend berechtigt, als dass eine Fremdwahrnehmung auf eu- rozentrische Kulturmuster hin unreflektiert, diskutiert wird. Die Steuerung der eigenen Fremdwahrnehmung fällt unter die Identitätspolitik.

2.3.4. Identitätspolitik

Sowohl die Frau, die, um ihre Abschiebung zu verhindern, ihre Ausweise wegwirft und ihre Kinder bittet über ihre wirkliche Herkunft zu schweigen, als auch die, die versucht, vor deutschen Beamten ihre Vergewaltigung durch Polizisten ihres Hei- matlandes während der Inhaftierung des Ehemannes als politische Verfolgung gel-

tend zu machen, betreiben Identitätspolitik.36 Goffman betont die Identitätspolitik bei den sozialen Anpassungsprozessen37: Identität sei eine Frage der Präsentation. Die soziale Identität sei nach Anselm Strauss38 eine Maske, welche die personale Identität zu schützen suche. Durch die äußere Anpassung wird die soziale Veror- tung gesteuert, was Folgen für die Rollenübernahme und den sozialen Status hat.39 Soziale Wirklichkeit wird dementsprechend im machtbestimmten Raum definiert, welcher ausschlaggebend ist für die Identitätspolitik.40 Das betrifft umso stärker jene Frauen, die bei der Anhörung die Erfahrung der sexuellen Gewalt aus weibli- cher Scham verschweigen und bei späterem Nachtrag mit dem Vorwurf der Mani- pulation abgeschoben werden.41 Identitätspolitik findet vor allem in der Selbstdar- stellung in den Wirkungsbereichen der Identität statt, die Petzold als Fünf Säulen bezeichnet.

2.4. Wirkungsbereiche der Identität

„Die persönliche Identität setzt sich aus verschiedenen Teilbereichen zusammen: Ge- schlechtsidentität, Berufsidentität, Elternidentität, ethnische Identität, subkulturelle Identität, Patientenidentität - um nur einige zu nennen“Ǥ42 Die Teilbereiche sieht Petzold als „situative Facetten einer Identität“.43 Petzold, dessen anthropologisches Konzept über Identität, Selbst und Ich auf Morenos Rollentheorie basiert, vereint psychologische und soziologische Ansätze.44 So bezeichnet er das ‚I‘ als Identifika- tion und das ‚Me‘ als Identifizierung. Ähnlich wie bei Goffman vereint Identität das biographische Wissen und die soziale Konstitution im personal-biographischen Sinnzusammenhang als Prozess: „Identität erweist sich als […] Stabilisierung einer Innen-Außen-Differenz und Verbindung von Innen und Außen.“45 Da Identitätserle- ben nicht situationsenthoben sei, hat Petzold fünf Bereiche herausgestellt, die, „wie das Identitätskonzept selbst“46, jeweils von Identifikation und Identifizierung be- stimmt sind:

- Der Leib, „der ‚my body‘ und ‚social body‘ zugleich ist“

In Migrationsprozessen spielt der äußere Leib insofern eine Rolle, als dass äußere Merkmale in sozialen Zusammenhängen bewertend wahrgenommen werden. Die Kategorie Geschlecht, als leibliche Komponente, dient inneren und äußeren Identi- fikationsprozessen.

- Das soziale Netzwerk, das „zu meiner Identität beiträgt, und in dem ich zur Identität anderer beitrage“

Das soziale Netzwerk dient Sozialisations- und Identitätsprozessen als Repräsentant der Gesellschaft. Das soziale Netzwerk erhält in der Fluchtmigration eine unterstützende und segregative Funktion.

- Arbeit und Leistung, „die für eine prägnante Identität konstitutiv werden. In der Arbeit, im konkreten Tun, erkenne und verwirkliche ich mich selbst, wird mir Möglichkeit der Identifikation gegeben. In gleicher Weise aber werde ich durch meine Arbeit auch erkannt“

Produktive Leistungen zu erbringen, ist eine häufige Migrationsmotivation und erhält eine stabilisierende Funktion.

- Materielle Sicherheiten, wie „ökonomische Absicherung, Besitz, ökologisches Eingebundensein geben mir Möglichkeiten der Identifikationen“Ǥ

In der Fluchtmigration spielt der materielle Besitz eine Rolle, da Flüchtende zumeist zu Besitzlosen werden.

- Werte, als „dem letzten Bereich, der Identität trägt und der noch wirksam bleibt, wenn alle anderen ‚Säulen der Identität‘ schon geborsten sind. Die Werte werden so- zial vermittelt, aber ich bekenne mich zu ihnen [ǥȐ aber teile sie mit anderen“47.

Werte, nach Hofstede ein essentieller kultureller Bestand, dienen der Orientierung in Migrationsprozessen, und unterliegen migrationsbedingten Wandlungen. Werte führen nicht nur zur eigenen sozialen Absicherung, sondern auch zu Ein- und Aus- grenzung von Subjekten und Gruppen, Rollenerwartungen und Statuszuschreibun- gen. Dortige Verunsicherungen beeinflussen alle anderen Bereiche, so dass ethnisierte Werte und Weltanschauungen zu gesellschaftlichen Zwischenräumen von Migrantencommunities führen (die sozialpolitisch als Ghettoisierung bezeich- net werden48 ). Werte über geschlechtsspezifische Rollenzuschreibungen und Ver- haltenserwartungen rechtfertigen machtbestimmte Konzepte von Ehre und Schande und führen u.a. zu sozialen Problemen, wenn es um die Unterbringung von Männern und Frauen aus verschiedenen Nationen in gemeinsamen Wohnhei- men geht, oder um die Rechtfertigung von frauenspezifischen Asylgründen vor Gericht. Somit stehen die fünf Säulen Petzolds als Wirkungsbereiche der Identität für die Handlungsbereiche des Individuums in seiner Gesellschaft. Asylbewerbe- rinnen sind in diesen Bereichen mit den Auswirkungen der Fluchtmigration als auch den Bedingungen des Asylbewerberstatus konfrontiert.

Zwischenfazit: Ethnisierungen in der Gesellschaft

Die subjektive innere und äußere Identität liegt in der Rolle, dem Status, dem Selbst- und Fremdbild sowie der Identitätspolitik des Einzelnen innerhalb seiner Gesellschaft. Petzold nennt diese das soziale Netzwerk des Individuums, welche Identifikationen und Identifizierungen anbietet, organisiert und formt. Rolle, Sta- tus, Selbst- und Fremdbild und Identitätspolitik wirken in den gesellschaftlichen Bereichen (Leib, materielle Sicherheit, Arbeit und Leistung, Werte und dem sozia- len Netzwerk) des Individuums. Hier sind die phänotypischen Teilidentitäten, nach Mead die verschiedenen ‚Me’s,. Im Bereich Leib ist die soziale Kategorie Geschlecht situiert. Die Identität und die Wirkungsbereiche beeinflussen sich gegenseitig, wo- durch das soziologische Theorem der Identität und die Identitätstheorie Petzolds einander gegenüber gestellt werden kann. Das soziale Netzwerk nach Petzold ent- spricht der Gesellschaft, in welcher durch die Interaktion Identität ausgebildet wird. Durch Migrationsprozesse werden direkt die Petzold’schen Wirkungsberei- che beeinflusst, mit unmittelbarer Wirkung auf die Rolle, den Status, das Selbst- und Fremdbild sowie die individuelle Identitätspolitik. In der Asylpolitik werden jene Bereiche genauestens kontrolliert, was in den späteren Kapiteln weiter ausge- führt wird. Die soziale Kategorie Geschlecht, im identifikatorischen Bereich Leib, ist die soziale Basis für die individuelle Identitätsarbeit, was besonders für Asyl- bewerberinnen im Rahmen ihrer Fluchtmigration die Auseinandersetzung mit Gewalt bedeutet.

2.5. Die soziale Kategorie Geschlecht

Als Komponente des Leibes ist es ein Wirkungsbereich der subjektiven und kollek- tiven Identität. Die Gesellschaft49 manifestiert das biologische Geschlecht durch historische Prozesse der asymmetrisch institutionalisierten Wertschätzungen, Ei- genschaften, Verhaltensweisen und Rangordnungen zum Kriterium des sozialen Geschlechts in Form von geschlechtsspezifischen Rollenbildern und Rollenerwar- tungen. Obwohl die patriarchalische Regelungsform nur eine der möglichen For- men der Geschlechterverhältnisse50 darstellt, ist sie in allen Kulturen präsent. Der politische Leitbegriff ‚Patriarchat‘51 versucht das gesamte System der Ausbeutung und Unterdrückung von Frauen in bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaften durch männliche Dominanz zu erfassen.52 Die Kritik am Patriarchat lautet, „dass das Konstruktionsprinzip der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft nicht in der patri- archalischen Struktur, sondern in der gesellschaftlichen Arbeitsteilung zwischen dem reproduktiven und produktiven Bereich steht, und dass die Frauen weitgehend dem reproduktiven Bereich zugewiesen werden und dadurch aus dem die Leistung prä- mierenden Gesellschaftssystem herausfallen, während die Männer in dem produkti- ven Bereich, wo die individuelle Leistung prämiert wird, ihre gesellschaftliche Domi- nanz ausbauen können“.53 Für die Überwindung der Macht- und Gewaltmechanis- men im Geschlechterverhältnis muss die Opposition des individualistischen pro- duktiven Bereiches und des reproduktiven Bereiches diskutiert werden. Demnach steht das soziale Konzept des ‚Patriarchats‘ für die Zuschreibung männlicher Ei- genschaften für den individualistischen, produktiven gesellschaftlichen Bereich und dessen höherer Bewertung.

In kollektivistischen Gesellschaften, welche nicht obligatorisch mit einer Ge- schlechtersegregation verbunden sind, ist der Frauenraum durch eine höher be- wertete Schutzfunktion54 gesellschaftlich so organisiert, dass im Regelfall eine Un- terversorgung vermieden wird. Zur Form dessen gibt es kulturspezifische Unter- schiede, die zu harten Sanktionen bei der Entfernung aus dem Frauenraum führen, wie es derzeit durch die öffentlichen Morde im Iran geschieht. Die beispielsweise im Senegal praktizierte Polygamie führt zu einer durch Alter festgelegte Hierarchie unter den Ehefrauen: die jüngste Frau untersteht allen anderen Frauen und die älteste Frau trägt die Verantwortung für die jüngeren Frauen.55 Hier erlangt der Frauenraum eine Bedeutung, die nicht mit westlichen Status- und Rollenbeschrei- bungen zu bemessen ist. Die Zuweisung in den sozial weiblichen, reproduktiven Bereich bedeutet im kapitalistischen System finanzielle und materielle Unsicher- heit, Unterversorgung und minder gestellten Zugang zu wichtigen gesellschaftli- chen Institutionen (Universität, Arbeitsmarkt).

Dadurch ergibt sich, dass eine hohe Individualität und Eigenproduktivität in Deutschland als erworbenes Statussymbol der Weiblichkeit gilt. Eine durch Kinder erforderliche Zurückgezogenheit und Abhängigkeit erfährt eine soziale Abstufung, die gerade bei Akademikerinnen zu einer verschärften Kinderlosigkeit führt.

2.5.1. Interkulturelle Konzepte des sozialen Geschlechts

Mütter mit Migrationshintergrund erfahren strukturelle Diskriminierung in Deutschland, da sie nur durch die Erwerbstätigkeit das Statussymbol der Unab- hängigkeit erwerben können. Westliche Frauen sind darauf angewiesen sich den Zutritt zum produktiven Bereich zu verschaffen, um eine strukturelle Benachteili- gung zu vermeiden. Die von den westlichen Frauen geforderte Emanzipierung ist die weibliche Individualisierung, welche eine kulturspezifische Wertschätzung erfährt. Schad nennt hier die wirkenden Mechanismen von Machtansprüchen zwi- schen Gesellschaften, welche sich über die Mischung von der sozialwissenschaftli- chen Kulturdifferenzhypothese und Alltagserfahrungen in der Form von Diskrimi- nierung und institutionellem Rassismus äußert. Probleme, die zwischen Vertretern von Migrantencommunities und Vertretern der Aufnahmegesellschaft entstehen, entsprächen jener Wirklichkeit, welche die Sozialwissenschaften mit der Begrün- dung von ethnischen, kulturellen, traditionellen, modernen, industriellen Identitä- ten geschaffen haben.56

So stellt Treibel57 fest, unter Migrantinnen finde eher eine Individualisierung statt, um den Aufenthalt und die Unterhaltssicherung innerhalb der kapitalistischbürgerlichen westlich-deutschen Gesellschaft zu sichern. Das bedeutet eine Veränderung für das gesellschaftliche Fremdbild auf Asylbewerberinnen. Obwohl sie im breiten Gesellschaftsdiskurs kaum wahrgenommen werden, sind sie diejenigen mit der größten Individualisierungstendenz.

2.6. Zusammenfassung

Das Zusammenspiel der Identitäten ist essentiell im gesellschaftlichen Miteinan- der, welches Mead im Hinblick auf die Identitätsentwicklung zwischen ‚game‘ und play unterscheidet.58 Die Individuen verhalten sich in ihren Rollen und definieren ihre Statuspositionen, wodurch soziale Abgrenzungen, Herab- und Hochstufungen geschaffen werden. Auf der Basis von kulturellen Bedeutungsnetzen werden kon- fliktreiche Machtgefüge zwischen den Gesellschaften, den sozialen Gruppen und den Geschlechtern geschaffen. Im bundesdeutschen Gesellschaftsdiskurs sucht der Blick auf die Migrantin Problemlösungen für festgefahrene Strukturen: sie symbo- lisiert den gesellschaftlichen Wandel von Werten, Traditionen, Symbolen und Hel- den innerhalb Deutschlands und dessen Bezug zur Welt. Flüchtlingsfrauen symbo- lisieren das Unrecht in der Welt, entweder durch Männer, durch Regierungen, durch Kriege oder durch Naturkatastrophen. Doch ist den Asylbewerberinnen die Flucht bis nach Deutschland gelungen, weshalb der Asylantrag vor dem Hinter- grund eines Erfolgs zur Beherrschung ihrer Lage zu sehen ist.

[...]


1 Vgl. Gürne, Markus (22.8.2010): Rückschau - Pakistan. Die Wut wächst. Hier wird die Situation der Witwe Wawa geschildert, die sich nicht waschen könne und dadurch ihre Würde verliere. Mit dieser Aussage im deutschen Fernsehen gezeigt zu werden, ist im Bezug auf ihre Würde kontraproduktiv.

2 Vgl. Auler, Andrea (20.09.2010): Kommen, um anzukommen. In: Wirtschaftswoche, H. 38. S. 20-25.

3 Vgl. Hall, Stuart (2008): Rassismus und kulturelle Identität. Argument-Verlag: Hamburg. S. 182.

4 Vgl. Hill, Paul B. (1990): Was ist Identität. In: Esser, H. (Hg.): Generation und Identität. Theoretische und empirische Beiträge zur Migrationssoziologie. Westdt. Verlag: Opladen. S. 26.

5 Hettlage-Varjas nennt die Identität dann gefestigt und reif, sobald sie nicht mehr nur auf den Druck der Umwelt reagiert, ͣsondern diese mit seinen subjektiven Augen sieht und interpretiert“ (vgl͘ HettlageVarjas, Andrea (2002): Frauen unterwegs. Identitätsverlust und Identitätssuche zwischen den Kulturen. In: Rohr, E./ Jansen, M. (Hg.): Grenzgängerinnen. Frauen auf der Flucht, im Exil und in der Migration. Psychosozial-Verlag: Gießen. S. 170).

6 Vgl. Hill (1990): S. 27f.

7 Vgl. Hill (1990): S. 27f.

8 Keupp, Heiner (2008b): Identitätskonstruktionen. Das Patchwork der Identitäten in der Spätmoderne. Rowohlt-Taschenbuch-Verl.: Reinbek bei Hamburg. S. 107.

9 Vgl. Hofstede, Geert (2001): Culture's Consequences. Comparing Values, Behaviors, Institutions, and Organizations Across Nations. Sage Publications: Thousand Oaks - London - New Delhi. S. 9ff.

10 Vgl. Schad, Ute (2000): Frauenrechte und kulturelle Differenz. Das Geschlechtsverhältnis in Theorie und Praxis der interkulturellen Sozialen Arbeit. Luchterhand: Neuwied. S. 6.

11 Vgl. Schad (2002): S. 6.

12 Schad (2002): S. 6.

13 Hofstede, Geert: Cultural Dimensions. URL: www.geert- hofstede.com/geert_hofstede_resources.shtml. Zugriff: 30.9.2010.

14 Ebd.

15 Ebd.

16 Reiseratgeber erläutern mikrosoziologische Rollenverteilungen zwischen Geschlechtern, wie im Sprachführer zu Ägypten: ͣFrauen sollten auf die Frage, ob sie verheiratet sind, tunlichst mit Nein antworten. Es wirft ein schlechtes Licht auf den Familienstand, wenn der Ehemann nicht anwesend ist. Wenn man als Mann alleine unterwegs ist, antwortet man trotzdem mit Ja.“ In: Semsek, Hans-Günter (2004): Ägyptisch-Arabisch, Wort für Wort. Reise Know-How Verlag: Bielefeld. S.123.

17 Vgl. Petzold, Hilarion/ Mathias, Ulrike (1982): Rollenentwicklung und Identität. Von d. Anfängen d. Rollentheorie zum sozialpsychiatrischen Rollenkonzept Morenos. Junfermann: Paderborn. S. 9. Laut Moreno ist die Rollentheorie eine Handlungstheorie.

18 Vgl. Jordan, Stefan (2008): Rolle. In: Farzin, S./ Jordan, S. (Hg.): Lexikon Soziologie und Sozialtheorie. Hundert Grundbegriffe. Reclam: Stuttgart. S. 247.

19 Vgl. Keupp, Heiner (2008a): Identität. In: Farzin, S./ Jordan, S. (Hg.): Lexikon Soziologie und Sozialtheorie. Hundert Grundbegriffe. Reclam: Stuttgart. S. 108.

20 So werden im Rahmen von Deeskalationsstrategien im polizeilichen Außendienst verstärkt Frauen eingesetzt. Vgl. Meier-Andrae, Valerie (10.4.2010): "Frauen wirken deeskalierend". Wiesbadener Kurier. URL: www.wiesbadener-kurier.de/region/wiesbaden/meldungen/8730592.htm. Zugriff: 30.09.10

21 Vgl. Wohlrab-Sahr (2008): Was hat ein Tschador im heute-journal zu suchen? In: Schimank, U./ Schö- neck, N. (Hg.): Gesellschaft begreifen. Einladung zur Soziologie. Campus-Verl.: Frankfurt/Main, S. 23-36.

22 Vgl. Abels, Heinz (2006): Identität. Verlag für Sozialwissenschaften: Wiesbaden. S. 250.

23 Vgl. Abels (2006):252.

24 Lamnek, Siegfried (2002): Status. In: Endruweit, G./ Trommsdorff, G. (Hg.): Wörterbuch der Soziologie. Lucius & Lucius: Stuttgart. S. 575.

25 Abels (2006): S. 349.

26 Der Begriff der Leistungsgesellschaft benennt diesen Wert.

27 Jede Statusveränderung, bestimmt durch den Aufenthaltszweck, ist geregelt, kontrolliert und einge- schränkt: Die Aufnahme eines Studiums für Asylbewerber ist strukturell nahezu unmöglich. Vgl. Flücht- lingsrat Berlin (2010): Gesetzgebung. URL: www.fluechtlingsrat-berlin.de/gesetzgebung.php#Kita. Zu- griff: 01.10.2010.

28 Vgl. Lillig , Marion (2004a): Polizisten und Asylbewerber in Duisburg: Duisburg. S. 16.

29 Vgl. Haußer, Karl (2002): Identität. In: Endruweit, G./ Trommsdorff, G. (Hg.): Wörterbuch der Soziologie. Lucius & Lucius: Stuttgart. S. 219.

30 Vgl. Lenz, Karl (2009): Soziologie der Zweierbeziehung. Eine Einführung. Verlag für Sozialwissenschaften: Wiesbaden. URL: dx.doi.org/10.1007/978-3-531-91439-8. S.202.

31 Vgl. Hill (1990): S. 26.

32 Vgl. Hettlage-Varjas (2002): S. 169.

33 Vgl. Keupp, Heiner (2009): Diskursarena Identität: Lernprozesse in der Identitätsforschung. In: Keupp, H./ Höfer, R. (Hg.): Identitätsarbeit heute. Klassische und aktuelle Perspektiven der Identitätsforschung. Suhrkamp: Frankfurt am Main. S. 34.

34 Lillig , Marion (2008): Identitätskonstruktionen von Exilantinnen. Aufgeben nur Pakete und Briefe, nicht und nie mich. Lang: Frankfurt am Main. S. 1.

35 Vgl. Cyprian, Gudrun/ Pablo-Dürr, Marissa (2002): Zur Lebenslage von Migrantinnen: Restriktionen und Spielräume. In: Hammer, V./ Lutz, R. (Hg.): Weibliche Lebenslagen und soziale Benachteiligung. Theoretische Ansätze und empirische Beispiele. Campus-Verlag: Frankfurt/Main. S. 249f.

36 Vgl. Akram, Susan M. (2000): Orientalism Revisited on Asylum and Refugee Claims. In: International Journal of Refugee Law. Vol. 12, Issue 1. S. 7-40.

37 Vgl. Abels (2006): S. 347.

38 Vgl. Abels (2006): S. 347.

39 Auf die Macht der Anderen, einem Individuum eine soziale Identität zuzuschreiben, und die Strategien, mit denen es sich vor Zugriffen auf seine Identität schützt, hebt Erving Goffmans Studie ͣStigma" (1963) ab. Vgl. Abels (2006): S. 251f.

40 Vgl. Abels (2006): S. 348.

41 Vgl. Lipka, Susanne (2002): Flüchtlingsfrauen im Asylverfahren in Deutschland. In: Rohr, E./ Jansen, M. (Hg.): Grenzgängerinnen. Frauen auf der Flucht, im Exil und in der Migration. Psychosozial-Verlag: Gie- ßen. S. 46.

42 Hettlage-Varjas (2002): S. 170.

43 Petzold/ Mathias (1982): S. 177.

44 Vgl. Petzold/ Mathias (1982): S. 166.

45 Petzold/ Mathias (1982): S. 174.

46 Petzold/ Mathias (1982): S. 175.

47 Petzold/ Mathias (1982): S. 175.

48 Schad (2002): S. 8.

49 Vgl. Han, Petrus (2003): Frauen und Migration. Strukturelle Bedingungen, Fakten und soziale Folgen der Frauenmigration. Lucius u. Lucius: Stuttgart. S. 12ff.

50 Vgl. Han, Petrus (2003): S. 16.

51 Der Begriff ‚Patriarchat‘ wurde durch die die Frauenbewegung der 1960’er Jahre an den Herrschaftsbegriff ͣPatriarchalimus“ Webers angelehnt. Vgl. Han (2003): S. 17.

52 Vgl. Han, Petrus (2003): S.17.

53 Han, Petrus (2003): S. 17.

54 Vgl. Hofstede, Geert (2001): S. 35.

55 Vgl. den Film ͣMooladé“ von Ousmane Sembene, Senegal 2009.

56 Vgl. Schad (2002): S. 11ff.

57 Vgl. Treibel, Annette (2009): Migration als Form der Emanzipation. Motive und Muster der Wanderung von Frauen. In: Butterwegge, C./ Hentges, G. (Hg.): Zuwanderung im Zeichen der Globalisierung. Migra- tions-, Integrationsund Minderheitenpolitik. Verlag für Sozialwissenschaften: Wiesbaden. S. 103-120.

58 Vgl. Abels (2006): S. 258.

Ende der Leseprobe aus 75 Seiten

Details

Titel
Asylbewerberinnen und Identität - Auswirkungen des Asylbewerberstatus auf die Selbstkonzeption von weiblichen Flüchtlingen
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
75
Katalognummer
V184608
ISBN (eBook)
9783656094968
Dateigröße
1380 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschlecht, Asyl, Frau, Soziologie, Identität, Status, Rolle, Petzold
Arbeit zitieren
Johanna Damerau (Autor), 2010, Asylbewerberinnen und Identität - Auswirkungen des Asylbewerberstatus auf die Selbstkonzeption von weiblichen Flüchtlingen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184608

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