Die karolingische Minuskel als Ergebnis der Bildungsreform Karls des Großen zur Zeit der karolingischen Renaissance


Term Paper, 2009
15 Pages

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Gliederung:

1. Die Schrift als Ergebnis ihres Umfeldes

2. Die karolingische Renaissance

3. Reformen unter Karl dem Großen
3.1. Allgemeine Reformen
3.2. Bildungsreform
3.3. Schrift- und Sprachreform

4. Die karolingische Minuskel
4.1. Entstehung und Entwicklung der karolingischen Minuskel
4.2. Verbreitung der karolingischen Minuskel
4.3. Merkmale der karolingischen Minuskel
4.4. Folgen der karolingischen Minuskel

5. Schlussbemerkung

6. Literaturverzeichnis

1. Die Schrift als Ergebnis ihres Umfeldes

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit einer der wichtigsten Schriften des frühen Mittelalters: der karolingischen Minuskel. Es genügt jedoch nicht sich allein mit den Besonderheiten dieser Schrift auseinanderzusetzen, sondern man muss sie im Kontext ihres Umfeldes sehen, denn genau wie die Architektur und die Kunst vermag das geschriebene Wort den Zeitgeist einer Epoche auszudrücken. Somit ist es unumgänglich sich zunächst mit dem geschichtlichen Hintergrund zu befassen, in dessen Mittelpunkt Karl der Große und sein Reich steht. Nachdem er 771 alleiniger Herrscher der Franken wurde dehnte er durch Kriege in Sachsen und im Langobardenreich seine Macht aus. Doch nicht die Kriege und Feldzüge gaben Karl seinen Beinamen, sondern sein Geschick nicht nur im Äußeren, sondern auch im Inneren des Landes zu wirken, sei es in Staatsangelegenheiten oder in den Bemühungen um eine Kultur und Bildung. Nicht umsonst wird Karl in sehr vielen Dichtungen, Sagen oder in der Geschichtsschreibung als einer der größten Kaiser verherrlicht.[1] Was genau bedeutet nun aber „im Inneren wirken“? Das von ihm durchdachte Reformprogramm, durch welches die Bedingungen des öffentlichen Lebens verbessert werden sollten, und die Ergebnisse, die daraus hervorgingen, werden als karolingische Renaissance bezeichnet.

2. Die karolingische Renaissance

Der Aufschwung Westeuropas in sämtlichen kulturellen Bereichen war selbstverständlich keine Einzelleistung von Karl dem Großen. Neben Paulus Diaconus, einem langobardischen Geschichtsschreiber und Mönch, und Theodulf von Orléans, einem westgotischen Dichter, der später auch als Berater Karls fungierte, war vor allem Alkuin, ein angelsächsischer Gelehrter, einer der wichtigsten Mitbegründer der karolingischen Renaissance.[2] Da das 6. und 7. Jahrhundert von Einigen als Dunkles Zeitalter bezeichnet wird[3], das heißt als ein Zeitraum, in dem nur wenige Schriftquellen oder Funde existierten, kann diese Neubelebung der Kultur gar nicht hoch genug angesehen werden. Man darf dabei jedoch nicht außer Acht lassen, dass Karl in keiner Weise versucht hat Neuerungen anzustreben. Er ersetzte Altes nicht durch Neues, sondern versuchte „das Vorhandene für die Zwecke seiner Herrschaft brauchbarer zu machen“.[4]

Daher ist der Begriff der karolingischen Renaissance an sich ein sehr Umstrittener. J.J. Ampère ist der erste, der das Wort Renaissance, das bis ins 18. Jahrhundert Wiederentdeckung des klassischen Altertums und Neubelebung der Künste bedeutete, mit dem Tun Karls verbindet und zugleich behauptet, es sei die erste große Wiederentdeckungsepoche überhaupt gewesen.[5] Dem kann ich jedoch nicht ganz zustimmen. Karl kam es nicht darauf an die Antike wieder auszugraben, auch wenn es sein mag, dass er sich an altehrwürdigen Vorbildern orientierte, wie den Kaisern Konstantin und Theodosius.[6] Er folgte dennoch seinem eigenen Kurs, den er auch in seinen Kapitularien erwähnt, der Kurs der norma rectitudinis, [7] der hauptsächlich drei Hauptanliegen erfasst: „das Fehlerhafte zu verbessern (errata corrigere), das Unnütze zu beseitigen (superflua abscindere) und das Richtige, Rechte zu bekräftigen (recta cohartare).“[8]

Man kann sagen, dass Karl das, was die Antike hervorgebracht hat, für seine eigenen Zwecke benutzte und dass er niemals den Geist und die Lebensanschauung des Altertums wiederbeleben wollte.[9] Unter diesen Voraussetzungen begann Karl Reformen einzuführen. Es wäre ein Irrtum diese Reformen als revolutionär oder progressiv anzusehen, da er, wie schon erwähnt, nicht die Absicht hatte das System komplett umzukrempeln, sondern darauf bedacht war, das, was da war, so umzuformen, dass es seine Herrschaft erleichterte. Natürlich ist das sehr leicht gesagt. In manchen Bereichen allerdings konnte kaum an das Vorhandene angeknüpft werden, sodass hier tatsächlich eine Grunderneuerung der Verhältnisse von Nöten war.

3. Reformen unter Karl dem Großen

3.1. Allgemeine Reformen

Einer dieser Bereiche war das Münzwesen, das in der Zeit vor Karl dem Großen so sehr in Unordnung geraten war, dass eine Währungsreform unumgänglich schien.[10] Da unter den Merowingern sowohl zahlreiche weltliche als auch geistliche Männer das Münzrecht ausüben durften, entwickelten sich die einzelnen Prägungen und Legierungen der Münzen in jeder Region anders. Man konnte schließlich nicht mehr garantieren, dass die Zahl, die auf die Münze geprägt worden war, ihrem tatsächlichen Wert entsprach. Blieb nur das Gewicht der Münze, der so genannte Metallwert, als Zahlungsmittel.[11] Dass dies aber eine sehr aufwendige Art und Weise zu bezahlen darstellte, versteht sich von selbst. Karl der Große zentralisierte das Münzwesen, legte es also allein in die Hand des Königs und führte ein neues Basisgewicht ein, das man als Karlspfund bezeichnet. Das genaue Gewicht ist unbekannt, aber es ermöglichte die Einführung des karolingischen Denars, eine Silbermünze, die sogar bis in die Neuzeit hinein noch ein Vorbild für viele weitere Währungen sein sollte.[12]

Auch das Gerichtswesen eignete sich nicht mehr für Karls Herrschaftszwecke. Es wies vor allem zwei Probleme auf: Zum einen kamen wegen der Lösung durch Fehde oder Blutrache einige Streitfälle gar nicht erst vor das Gericht und entzogen sich somit des königlichen Rechts, zum anderen hütete man sich einflussreiche Männer anzuklagen, die ein Verbrechen begangen hatten. Denn eine Untat konnte erst dann geahndet werden, wenn sie vor Gericht gebracht wurde. Er war Karls Bestreben den öffentlichen Richter nun näher in den Vordergrund zu rücken, um somit das Rechtswesen zu verbessern. Er sandte Königsboten aus, die Rügezeugen ernennen sollten. Diese arbeiteten unter Eid und hatten die Aufgabe Verbrechen, die in ihrem Gebiet begangen wurden, vor dem Richter anzuklagen. Da viele gerade das vermeiden wollten, kam es tatsächlich dazu, dass die rechtliche Selbsthilfe zurückging.[13]

Die Heeresreform kann als eine der folgenreichsten Maßnahmen angesehen werden. Zunächst einmal war jeder freie Franke dazu verpflichtet Kriegsdienst zu leisten. Dennoch kamen diesem Aufruf nicht alle nach. Das lag zu einem großen Teil daran, dass der Fuß- vom Reiterkampf abgelöst wurde und für einige die nötige Ausrüstung dafür, wie etwa ein Schild, eine Lanze, ein Schwert, ein Bogen und einen Köcher, Kleidung, Verpflegung und nicht zuletzt ein behuftes Pferd, viel zu teuer war.[14] Daher erschienen die Freien mitunter erst verspätet oder gar nicht. Dies führte Karl zu der Unterscheidung zwischen Teilnahme und Unterstützung.[15] Um auf einige Männer nicht komplett verzichten zu müssen, entlastete er sie insofern, dass sie diejenigen, die sich die Militärsausrüstung leisten konnten, nur zu unterstützen hatten und ihm in seinen Feldzügen dienen sollten. Karl ebnete damit den Weg für die mittelalterliche Feudalisierung und das Berufskriegertum. Zudem bildete sich daraus das System des Vasallentums, was bedeutet, dass sich die Schwächeren in der Gesellschaft unter den Schutz eines Stärkeren begaben. Sie bekamen von diesen Land und Güter, waren aber dazu verpflichtet ihren Herren militärische Gefolgschaft zu leisten.[16]

Diese Reformen sind blieben nicht die Einzigen. Weitere durchdrangen nahezu alle Bereiche und gelangten auch in die Politik und in das Verwaltungswesen. Aber die mit Abstand wichtigste Entwicklung zeigte sich im Bereich der Bildung.

3.2. Bildungsreform

Karl der Große war ein Mann, der an den Künsten und der Wissenschaft sehr interessiert war. Bedauerlicherweise war es um die Bildung im Frankenreich recht schlecht bestellt[17] und da diese nicht allein durch die Eroberung eines Gebietes verbreitet werden konnte setzte sich Karl zur Aufgabe diese Missstände zu beheben, indem er die klügsten Gelehrten aus allen Ländern an seinen Hof befahl. Diese Angelsachsen, Iren, Langobarden, Westgoten und auch Franken sollten die Bildungsgüter ihrer Heimat vermitteln. Aus diesem Kreis von Hofgelehrten erwuchs eine Hofschule als zentrale Bildungsstätte des Reiches, an der sich viele und gute Schüler aus dem ganzen Reichsgebiet ausbilden lassen konnten. Der Abt und Angelsachse Alkuin war dabei allen anderen Lehrern weit überlegen. Doch sie hatten nicht nur die Aufgabe zu unterrichten, sondern auch Karl als Berater zur Seite zu stehen und in seinem Namen Schriften zu verfassen, die dann im ganzen Reich als allgemeingültig galten. Dazu gehörten unter anderem auch die Überarbeitung und Herstellung von Schulbüchern, die sich mit den septem artes liberales beschäftigen, den sieben freien Künsten, sowie sämtliche Erlasse und Kapitularien.

[...]


[1] Vgl. Hoffmann 1919, S.1-4

[2] Vgl. Patzelt 1965, S. 10

[3] Vgl. Patzelt 1965, S. 10-11

[4] Aus: Fleckenstein 1962, S. 74

[5] Vgl. Patzelt 1965, S. 10-11

[6] Vgl. Riché 1987, S. 157

[7] Vgl. Fleckenstein 1962, S. 81

[8] Aus: Fleckenstein 1962, S. 77

[9] Vgl. Patzelt 1965, S.21

[10] Vgl. Braunfels 1965, S. 149

[11] Vgl. Fleckenstein 1962, S. 74-75

[12] Vgl. Braunfels 1965, S. 151-152

[13] Vgl. Fleckenstein 1962, S. 75

[14] Vgl. Fleckenstein 1962, S. 75-76

[15] Vgl. Riché 1987, S. 117-119

[16] Vgl. Fleckenstein 1962, S. 76

[17] Vgl. Patzelt 1965, S. 32-33

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Details

Title
Die karolingische Minuskel als Ergebnis der Bildungsreform Karls des Großen zur Zeit der karolingischen Renaissance
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg  (Buchwissenschaft)
Course
Geschichte der Schriftformen in Mittelalter und Früher Neuzeit
Author
Year
2009
Pages
15
Catalog Number
V184692
ISBN (eBook)
9783656095996
ISBN (Book)
9783656096085
File size
472 KB
Language
German
Notes
Die Arbeit wurde im Rahmen der Übung nicht benotet, wurde vom leitenden Dozenten aber als "gut" bewertet.
Tags
Karolingische Minuskel, Schriftform, Schriftreform, Karl der Große, karolingische Renaissance, Karolinger, Schrift, Bildungsreform
Quote paper
Dany Handschuh (Author), 2009, Die karolingische Minuskel als Ergebnis der Bildungsreform Karls des Großen zur Zeit der karolingischen Renaissance, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184692

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