Politik mit dem Einkaufskorb

Politisch konsumieren – ist das möglich und erstrebenswert?


Hausarbeit, 2007
14 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Der Konsument
2.1 Der Konsument wird beeinflusst

3. Aspekte die den politischen Konsum (scheinbar) verhindern
3.1 Die globale Konsumverstrickung überfordert den Verbraucher

4. Politisch konsumieren ist möglich?!

5. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Politik mit dem Einkaufkorb“ klang für mich im ersten Moment sehr undurchsichtig. So wie ich Politik im Allgemeinen für sehr verworren empfinde. Politisches Engagement sucht man bei mir vergebens. Auch bin ich niemand der regelmäßig Nachrichten oder politische Sendungen verfolgt. Wortwahl und Reden von einzelnen Politikern klingen für mich nebulös, Taten und Entscheidungen auf dieser Ebene stehen für mich in kei­nem Verhältnis zu dem was notwendig wäre oder was im Wahlkampf versprochen wurde. Was aber ist, oder wie funktioniert nun politisches konsumieren? Bei der Bear­beitung des Materials zu dieser Hausarbeit wurde mir dann aber schnell klar, dass man nicht sehr viel von Politik verstehen muss um politisch konsumieren zu können. Es hat für mich mehr mit einem gesunden Menschenverstand zu tun und damit, dass ich mir einfach im Klaren darüber sein muss welche Zustände und Verhältnisse ich mit mei­nem Gewissen vereinbaren kann, wen oder was ich unterstützen möchte, oder eben nicht.

Für mich war keine BSE-Krise von Nöten, um mir bewusst zu werden, dass ich die Massentierhaltung und die Machenschaften die sich dahinter verbergen, nicht unter­stützen möchte. Die Umstände der Tierhaltung waren mir auch vorher schon bekannt. So dass es für mich selbstverständlich war, meinen Konsum, der ohnehin noch nie hoch war, einzuschränken und Fleisch wurde in meiner Familie von je her schon beim ortsansässigen Metzger gekauft. Ich kann mich auch noch sehr gut an den schwim­menden Öltank Brent Spar erinnern, den der Shell-Konzern in den 90igern in der Nord­see versenken wollte. Ich war damals mitten in meiner Ausbildung und war auf mein Auto angewiesen. Durch den Medienaufruf von Greenpeace war es für mich selbstver­ständlich nicht mehr bei Shell zu tanken, allerdings auch nicht mehr bei Esso, da dieser ebenfalls dem Shell-Konzern angehört. Diese beiden persönlichen Beispiele habe ich nie als politischen Konsum verstanden, doch waren sie genau das. Ich kann mich aber sehr wohl an das gute Gefühl erinnern, das ich empfand als sich der Shell-Konzern dem Massenboykott beugte und sich bereit erklärte den Öltanker an Land zu entsor­gen, denn ich war ein Teil dieses Boykotts. Zum ersten Mal habe ich mich nicht hilflos gefühlt gegenüber Großkonzernen, deren Machenschaften für mich genauso undurch­sichtig sind wie die der Politiker.

Möglichkeiten des politischen Konsums sind aber oft nicht so eindeutig wie der Aufruf eines Boykotts. In unserer Gesellschaft herrscht überwiegend das Denken, dass ich als einzelne Person kaum etwas, oder gar nichts ausrichten kann. Zudem lassen wir uns gerne blenden und sind somit beeinflussbar, z.B. durch Werbung. Dass aber sehr wohl jeder die Möglichkeit dazu hat seinen Teil zum politischen Konsum beizutragen, möch­te ich mit vorliegender Arbeit aufzeigen.

Der erste Teil dieser Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Konsumenten im Allgemei­nen, seinem Verhalten und Handeln und mit dem, wie er beeinflusst wird im Besonde­ren. Der zweite Teil zeigt Aspekte auf, die den politischen Konsum verhindern können. Im letzten Teil beschäftige ich mich mit einigen Möglichkeiten, die der Verbraucher hat, um politisch konsumieren zu können. Am Ende erfolgt noch eine kurze kritische Ausei­nandersetzung.

2. Der Konsument

Abgesehen von einer zunehmenden Anzahl an Hartz IV- Empfängern, die zweifelsoh­ne eine große und wichtige Rolle beim politischen Konsumieren spielen, gibt es in Deutschland immer weniger "Notwendigkeitskonsum" und immer mehr "Wunschkon­sum", mit dem wir zeigen, wer wir sind oder sein wollen. Während Kinder von Arbeits­losengeld II Empfängern täglich 3,42 Euro für Getränke und Nahrung zur Verfügung haben, tatsächlich aber mindestens 4,68 Euro notwendig wären um den Hunger mit der empfohlenen Mischkost zu stillen[1], hatte 2005 Greenpeace in Großbritannien ein ganz anderes Problem. Bei einer Umweltschutzaktion haben sich Demonstranten an Geländewägen gekettet um diese kraftstoffvernichtenden Klimafresser von den Stras­sen zu verbannen. Im Folgenden war es für die Besitzer dieser Autos unverständlich, was an ihren „Statussymbolen" falsch sein soll. Greenpeace hatte alle Hände voll damit zu tun, ihren Spendern zu erklären, dass es für die Umwelt nicht förderlich sei, mit ei­nem Wagen, der viermal so viel Sprit verbraucht wie ein Kleinwagen, zum Biomarkt zu fahren[2].

Politischer Konsum ist auch immer vom Bildungsstand abhängig. Und Bildungsstand ist meist auch mit Wohlstand verbunden. Das Bild aber auf einem Aldi oder Lidl Park­platz spiegelt die große Anzahl an teuren mittelklasse Autos wieder. „Von den Reichen lernt man das Sparen" heißt es im Volksmund. Aber auf welche Kosten wird hier ge­spart? Leider sind es zum großen Teil die Menschen, die das Aufgeben bzw. Kapitulie­ren von Milchbauern und Bauern im Allgemeinen beklagen, welche bei Aldi & Co. die Billigmilch kaufen. Es ist nun mal so, dass bei der Herstellung z.B. von Milch Unkosten entstehen, die gedeckt werden müssen. Wenn nun das Kilo Birnen aus China auf dem Wochenmarkt für einen Euro zu kaufen ist, so benötigt man kein Expertenwissen, um zu erkennen, dass sich hinter diesem Preis nie und nimmer z.B. gerechte Lohnkosten verbergen können.

Der Konsument weiß um sein Verhalten, dessen bin ich mir sicher. Aber was veran­lasst ihn dazu trotzdem so zu konsumieren, dass er es eigentlich nicht mit seinem Ge­wissen vereinbaren kann? Kraftstoffsparende Autos, Bio-Lebensmittel und Öko­Stromanbieter werden von einer Mehrheit der Deutschen gewünscht. Warum aber nimmt VW seinen 3-Liter-Lupo vom Markt, bleibt der Absatz von Bio-Lebensmitteln weit hinten zurück und hat nur etwa jeder 125. deutsche Haushalt zu einem Öko­Stromanbieter gewechselt? Diese Sachverhalte haben den Umweltredakteur der „Ta­geszeitung aus Berlin" (Taz) Bernhard Plötter dazu veranlasst ein Buch mit dem Titel „Kunde König ruiniert sein Land" zu schreiben. Er kommt zu den Ergebnissen, dass wir teilweise sehr wohl über Informationen verfügen, diese aber nicht umsetzen. Z.B. weiß der Konsument wie es in der Massentierhaltung aussieht, dass viele Ressourcen knapp sind, wie aktuell der Klimawandel ist und wie Aldi & Co. mit ihren Zulieferbetrie­ben und Mitarbeitern umgeht. An Zeitungsartikeln, Büchern und Dokumentationen im Fernsehen, die uns darüber informieren, mangelt es nicht. Und trotzdem kauft der Konsument das Billigfleisch, den schnellen Wagen und den „dreckigen" Strom. Plötter spricht hierbei vom „Verbraucherversagen", das sich durch die Bereiche Lebensmittel, Verkehr, Tourismus, Investment, Hausbau und Haushalt sowie soziale Aspekte des Konsums zieht. Natürlich kann man das Versagen bzw. Hinterherhinken des Verbrau­cherschutzes bemängeln, der es noch immer nicht bewerkstelligt bekommen hat, dass Verbraucher besser erkennen können, was wo drin ist und was woher kommt. Aber dies, so Plötter, könne „... nicht darüber hinwegtäuschen, dass es bisher niemandem eingefallen ist, sich bei dem Thema mal kräftig an die eigene Nase zu fassen"[3]. Weiter spricht Plötter von der Pflicht des Verbrauchers, darüber Bescheid zu wissen, was er mit seinem Konsum anrichtet: welche Produkte und Hersteller fördert er und an was wirkt er mit.

Das obige Beispiel von Greenpeace aus Großbritannien zeigt, so Plötter, „Der "korrek­te Konsument" ist vor allem korrekt in seiner Haltung - weniger in seinen Taten. Er und sie verfügen über genügend Bildung, Zeit und Geld, um sich Sorgen zu machen dar­über, was ihr Lebensstil anrichtet. Ihren Lebensstil ändert das aber nicht. Es sind zum Beispiel in Deutschland ausgerechnet die Wähler der Grünen, die Förderer von Green­peace und die LeserInnen der taz, die am meisten mit dem Flugzeug unterwegs sind - die postmaterielle, akademische obere Mittelschicht, die sehr genau über den Klima­wandel Bescheid weiß. Mit schlechtem Gewissen steigen wir (die Zeit ist knapp zwi­schen Job, Familie und Freunden) in den Billigflieger zwischen Berlin und Paris Wir leben mit immer weniger Menschen in immer größeren Häusern. Wir buchen unseren Urlaub nicht etwa pauschal in Touristenzentren, sondern ziehen unsere Spuren durch die letzten unberührten Gegenden der Erde. Wir verfügen über genug finanzielle Rück­lagen, um uns Gedanken darüber zu machen, wer mit unserem Geld wohl was anrich­tet - lassen unser Geld dann aber im Zweifel doch von der Deutschen Bank verwalten. Manchmal schaffen wir es sogar, unser Auto abzuschaffen. Wir haben ja immer noch den Zweitwagen“[4]. Als Gründe dafür führt Plötter mangelnde Informationen, fehlende attraktive Angebote, ungerechte Preise und vor allem die fehlende Zeit der Konsumen­ten an, die notwendig wäre, in ihrem Alltagsstress auch noch politisch konsumieren zu können[5].

2.1 Der Konsument wird beeinflusst

Tanja Busse, die Autorin des Buches „Die Einkaufsrevolution“, sucht nach weiteren Gründen für das „Verbraucherversagen“. Die Werbung spielt für sie eine ebenso große Rolle. Damit meint sie aber nicht etwa die in den fünfziger Jahren bekannt gewordene Manipulation der Werbefachleute, die mit tiefenpsychologischen Methoden das Be­wusstsein der Konsumenten infiltrierten. Denn der Konsument ist sich inzwischen dar­über bewusst. Sondern die schlichte Tatsache, dass in Deutschland Unternehmen 29 Milliarden Euro für Werbung ausgeben, nur damit der Konsument vergisst, dass die Dinge die er kauft auch hergestellt werden. „Diese 29 Milliarden Euro lenken unsere Aufmerksamkeit auf das, was die Unternehmen uns zeigen möchten: dass Autos ero­tisch sind, Tütensuppen familienstiftend und französische Zigaretten Garanten immer­währender Freiheit“.[6] Diese exorbitante Summe bewirkt was sie soll: Wir kaufen weni­ger ein Produkt, als eine Marke. Werbung bringt uns nicht auf die Idee nachzudenken,

[...]


[1] Zu den Ergebnissen kommt eine Studie des Forschungsinstituts für Kinderernährung der Universität Bonn. Vgl. Apotheken Umschau vom 15. November 2007 S. 6

[2] Zu dem Beispiel aus Großbritannien: Vgl. Plotter: Gutmenschen, kauft besser!

[3] Plötter Interview in der taz „Die Moral des Kunden und was er braucht" vom 18. März 2006

[4] Plötter: Gutmenschen, kauft besser! Artikel aus der taz.

[5] Vgl. Plötter: Gutmenschen, kauft besser! Artikel aus der taz.

[6] Busse S. 17

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Politik mit dem Einkaufskorb
Untertitel
Politisch konsumieren – ist das möglich und erstrebenswert?
Hochschule
Evangelische Hochschule Ludwigsburg (ehem. Evangelische Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburg; Standort Ludwigsburg)
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V184840
ISBN (eBook)
9783656098904
ISBN (Buch)
9783656099086
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politischer Konsum, Politik mit dem Einkaufswagen, Wirtschaftsethik, Soziale Arbeit, Sozialpädagogik, Sozialethische Dimension der Sozialen Arbeit
Arbeit zitieren
Jennifer Nerlich (Autor), 2007, Politik mit dem Einkaufskorb, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184840

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