Geschichte der Rhetorik: Die Redekunst im alten Rom


Hausarbeit, 2007

12 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entstehung der Redekunst

3. Griechische Lehrer in Rom

4. Einzug der Redekunst in Rom
4.1 Die Produktionsstadien der Rede

5. Rom, Cicero und die Rhetorik
5.1 Ciceros Werk „Über den Redner“

6. Marcus Fabius Quintilian und die rhetorische Pädagogik

7. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das im Seminar vorgestellte Buch von Barbara Berckhan „Die etwas intelligentere Art, sich gegen dumme Sprüche zu wehren" hat mich zunächst von daher angesprochen, dass auch ich schon in der ein oder anderen Situation sprachlos vor meinem Gegen­über stand und mich gegen verbale Attacken nicht wehren konnte. Die Vorgesetzte, die mit Worten ihre private Frustration an mir ausgelassen hat, der Verkäufer, der mich mit seiner arroganten Art und ein paar wenigen treffsicheren Worten versteinert zurück gelassen hat. Man spricht gemeinhin von der Macht der Worte, die einen treffen, ja sogar verletzen können. Aber wer hat im Gegensatz dazu nicht auch schon einen Vor­trag, eine Rede gehört, von der er durchweg emotional ergriffen war oder so beein­flusst wurde, dass er aufgrund dessen eine Entscheidung getroffen oder seine Mei­nung über etwas geändert hat. Wenn auch nur als spontane Reaktion auf das Gesag­te, das durchaus bei intensiverer Überlegung wieder revidiert wurde. Die Begabung eines Redners, die perfekt platzierten Worte, das Mitreißen der Zuhörer - wo nimmt dieses Wissen darüber seinen Ursprung? Wo kommt die Redekunst her, wer hat sich damit zuerst und intensiv auseinandergesetzt? Dies waren die Fragen, die mich aber dann doch dazu veranlasst haben, nicht über das Buch von Frau Berckhan zu schrei­ben, sondern der Geschichte der Rhetorik auf den Grund zu gehen. In sieben Zeitalter wird jene aufgeteilt und beim Sichten der Literatur darüber war es Marcus Tillius Cicero und damit die Redekunst im alten Rom, die mich begeistert und angeregt haben, mei­ne Hausarbeit über diese Epoche zu verfassen.

Auch wenn sich vorliegende Arbeit in der Hauptsache mit der römischen Redekunst befasst, möchte ich zunächst im ersten Teil auf die Entstehung der Redekunst im alten Griechenland eingehen. Im zweiten Teil war es für mich spannend, wie die Rhetorik dann ihren Weg zu den Römern nahm. Der dritte Teil setzt sich mit dem Leben und Wirken zweier herausragender Redner des antiken Roms auseinander, Marcus Tillius Cicero und Marcus Fabius Quintilian.

2. Entstehung der Redekunst

Bei dem Versuch die Wurzeln der Redekunst ausfindig zu machen, befindet man sich im antiken Griechenland mit der ungefähren Jahreszahl 500 v. Chr. Aus der damaligen Zeit ist wenig überliefert und so manche Schriften gingen verloren. Deshalb fällt es schwer zu ergründen, worauf genau die Entstehung zurückzuführen ist. Einen gemein­samen Konsens finden aber jene, die sich ausgiebig mit der Geschichte der Rhetorik befasst haben. So lässt sich in einschlägiger Fachliteratur nachlesen, dass die Ent­wicklung der Rhetorik mit der Beendigung der Tyrannenherrschaft auf Sizilien (das seinerzeit zu Großgriechenland gehörte) ihren Anfang nahm.

Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. fand eine Abschwächung der Adelsherrschaft und gleichzeitig eine Verstärkung des Bauerntums statt. Auslöser hierfür war die Zunahme der Bevölkerung. Aus der Tendenz, dass entgegen den damaligen Gepflogenheiten zunehmend Adelige das Handeln betrieben, entwickelten sich starke Konflikte. Dies bewirkte, dass vermehrt Alleinherrscher, so genannte Tyrannen, das Volk regierten. 200 Jahre später, im 5. Jahrhundert v. Chr. wurde auf Sizilien die Tyrannenherrschaft beendet. Mit dem Sturz des Tyrannen Thrasybulos 467 v. Chr., der die Stadt Syrakus beherrschte, ordneten sich die dortigen Machtverhältnisse neu. Hier taucht der Name Korax auf, ein Mann mit hoher Position unter dem Herrscher Thrasybulos. Korax war darauf aus, in der sich wandelnden politischen Ordnung eine ansehnliche Stellung zu erhalten. Zu diesem Zweck berief er eine Versammlung ein, auf der er eine bemer­kenswerte Rede hielt, welche nach Unterteilung der Redegattungen der politischen Kategorie (genus deliberativum) zu zuordnen ist. Sie machte ihn letztlich so berühmt, dass er anfing die Kunst der Rede zu methodisieren und zu lehren. Sein Schüler Teisi- as schrieb das erste rhetorische Lehrbuch. Er gilt auch als Schöpfer der juristischen Rede (genus iudiciale). Wirtschaftliche und politische Schwierigkeiten wurden zu jener Zeit zum Anliegen der Öffentlichkeit und die Rhetorik fand darin ihren Nährboden. Als Urheber der dritten Redegattung, der Lobrede (genus demonstrativum), wird Gorgias von Leontinoi genannt. Dieser wiederum war einer der Lehrlinge von Teisias. (vgl. Genzmer S.10-13)

Ein weiterer Aspekt zur Entstehung der Redekunst war das geschickte Verhandeln vor Gericht. Mit der Abschaffung der Tyrannenherrschaften und dem Aufbau der Demokra­tie in Griechenland ging es unter anderem auch darum, alte Besitzansprüche geltend zu machen. Wenn man aus heutiger Sicht daran denkt, wie Staatsanwälte und Anwälte ihr Plädoyer bei Gericht vortragen, fällt es nicht schwer sich vorzustellen, dass diejeni­gen, die am Eindruckvollsten argumentieren und reden konnten, am meisten Erfolg dabei hatten. Und da es zu jener Zeit keine Anklagevertreter gab, konnte jeder Bürger eine Anschuldigung erheben, der Indizien für ein Verbrechen hatte. Wer sich als Be­schuldigter seiner Beredsamkeit nicht sicher war, konnte sich an einen Redenschreiber (Logographen) wenden, der ihm seine Verteidigung in Form einer Rede schrieb. Ge­stattet war dies jedoch keineswegs und recht billig war das für den Angeklagten wohl auch nicht (vgl. Duden S.19). Der bekannteste Logograph im damaligen Griechenland war Isokrates. Er eröffnete im 4. Jahrhundert v. Chr. eine erfolgreiche Rhetorikschule. Bei jenen Verhandlungen vor Gericht ging es, wie es heute auch noch üblich ist, um den Tathergang, die Zeugenaussagen und die Beweismittel. An dieser Stelle entwi­ckelte sich der klassische Redeaufbau, welcher in folgende fünf Teile gegliedert ist:

- 1. Einleitung (exordium): Ziel hierbei ist, die Zuhörer und vor allem die Richter in eine Situation zu versetzen in der sie offen, wohlgesinnt und neugierig werden.
- 2. Erzählung (narratio): Hier soll die Sachlage in Kürze, Klarheit und Adäquatheit ausgeführt werden.
- 3. Beweisführung (argumentatio)
- 4. Widerlegung des Gegners (refutatio)
- 5. Schluß (peroratio): Im letzten Teil soll das Wichtigste nochmals zusammenge­fasst werden, es soll ein Schlusseffekt erzeugt werden, um die Richter auf die Seite des Ausführenden zu bekommen (vgl. Duden S.20).

Bei Punkt fünf wird deutlich, dass es nicht darum ging, den Sachverhalt rational vorzu­tragen. Es sollte vielmehr eine Wirkung auf die Zuhörer haben. Überspitzt gesagt wur­de versucht auf sie einzuwirken. Aristoteles beschäftigte sich ein wenig später intensi­ver damit, wie man in einer Rede Affekte, Gefühle und Emotionen weckt (vgl. Duden S.20). Gorgias, der Urheber der Lobrede wie oben genannt, formulierte das eben Ge­sagte in folgender Definition: „Rhetorik ist die Verfertigerin von Überzeu- gung(sgründen), Überredung, Vertrauen, Gehorsam und Täuschung auf der Basis von Vertrauen (gegenüber dem Redner) und der Glaubwürdigkeit (des Redners)" (Duden S.23). Gorgias war fasziniert von den Auswirkungen des Logos (das Wort, der Satz, die Rede, der Sinn) und sprach in diesem Zusammenhang von einer „magischen Macht" des Wortes, denn „Der wahrhaft Mächtige,..., sei der Rhetor. Nicht Fakten und Fachwissen bewegten die Menschen, etwas zu tun oder zu lassen, sondern das Kön­nen des Redners, die entfesselte Macht der Rede" (Duden S.24). Für Gorgias war es interessant, die Wirkung des Wortes auf das Gemüt der Zuhörer zu erkunden. Er brachte gar musikalische Elemente in die Rede mit ein. Rhythmus, Klang und Wohl- proportioniertheit waren für ihn wichtige Merkmale. (vgl. Duden S.24)

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Geschichte der Rhetorik: Die Redekunst im alten Rom
Hochschule
Evangelische Hochschule Ludwigsburg (ehem. Evangelische Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburg; Standort Ludwigsburg)
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
12
Katalognummer
V184879
ISBN (eBook)
9783656097020
ISBN (Buch)
9783656097174
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte der Rhetorik, Rhetorik, Redekunst, Cicero, Quintilian, Aufbau einer Rede, Reden halten, Soziale Arbeit, Sozialpädagogik
Arbeit zitieren
Dipl. Sozialpädagogin (FH) Jennifer Nerlich (Autor), 2007, Geschichte der Rhetorik: Die Redekunst im alten Rom, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184879

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