Chattende Spieler, surfende Infosucher und shoppende Profis - Entwicklung einer Nutzertypologie für deutschsprachige Internetnutzer


Diplomarbeit, 1999

110 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG
1.1. Quo Vadis, Internet?
1.2. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

2. DAS INTERNET - ZAHLEN UND FAKTEN
2.1. Internetnutzung international
2.2.Internetnutzung in Deutschland ii
2.3. Suchhilfen im Internet
2.4. Die dritte Befragungswelle des GfK-Online-Monitors

3. TYPOLOGIEN IN DER MARKT- UND MEDIENFORSCHUNG
3.1. Definition und Einsatzgebiet
3.2. Online-Typologien
3.3. Konkretisierung der Fragestellung

4. METHODE
4.1. Probleme der aktuellen Forschung
4.2. Beurteilung anderer Online-Erhebungsmethoden
4.3. Stichprobenziehung und Repräsentativität der Studie
4.4. Fragebogen und Datenerhebung
4.5. Datenauswertung

5. ERGEBNISSE
5.1. Struktur und Repräsentativität der Stichprobe
5.2. Schwerpunkte der Internet-Nutzung
5.3. Entwicklung der Nutzertypen
5.3.1. Die Internet-Profis
5.3.2. Die Newbies
5.3.3. Die Alltagsnutzer
5.3.4. Die qualifizierten Infosucher
5.3.5. Die kommunikativen Spieler

6. INTERPRETATION DER ERGEBNISSE UND WEITERFÜHRENDE ÜBERLEGUNGEN

7. LITERATURVERZEICHNIS

8. ANHANG
8.1. Fragebogen
8.2. Tabellen zu den Clustern
8.3. Detailergebnisse der statistischen Analysen

9. GLOSSAR

10. ABBILDUNGS- UND TABELLENVERZEICHNIS
10.1. Abbildungen
10.2. Tabellen

Vorbemerkung

Diese Arbeit entstand in Zusammenarbeit mit der Gruner + Jahr EMS GmbH. Im Rahmen einer größer angelegten WWW-Umfrage zur Suchmaschine Fireball wurden Nutzungsmöglichkeiten des Internets erhoben, diese wurden zu Typologien verdichtet, welche im Rahmen dieser Arbeit diskutiert werden.

Manchmal war es unvermeidlich, auf technische Begriffe zurückzugreifen. Diese sind im laufenden Text kursiv dargestellt. Im Anhang findet sich ein Glossar mit den Begriffserklärungen.

Mein Dank gilt vor allem meiner Erstgutachterin, Frau Prof. Beate Schneider und meinem Zweitgutachter, Herrn Dr. Detlev Kalb für die sehr gute Betreuung während der Entstehung dieser Arbeit. Des weiteren danke ich der Gruner + Jahr EMS GmbH, hier insbesondere Herrn Wachtel, für die großzügige materielle und immaterielle Unterstützung dieser Diplomarbeit, ohne die diese Arbeit in dieser Form nicht möglich gewesen wäre. Auch Frau Holtermann und Herrn Diestelmann, die immer ein offenes Ohr für meine Fragen hatten möchte ich danken.

Vor allem aber danke ich meinen Eltern, die mich immer dabei unterstützt haben, meine Interessen zu verwirklichen, so daß ich sorgenfrei studieren konnte.

Nicht zuletzt danke ich Christoph Bahn, Mathias Blühdorn, Stephan Hanisch und Annette Kreis für ihre Unterstützung.

1. Einleitung

„...und dann magst du dich wo immer befinden, ruhend, marschierend, fahrend, fliegend, du wirst erreicht werden von den zahllosen Hinzen und Kunzen, denen du entgehen möchtest.“

Alexander, Moszkowski, 1920

1.1. Quo Vadis, Internet?

Nach den ,einschlägigen‘ Zeitschriften zu urteilen, scheint das Zeitalter der grenzenlosen Kommunikation angebrochen zu sein. Die Autoren dieser ,einschlägigen‘ Zeitschriften werden wahrscheinlich einen oder mehrere der folgenden Standpunkte über die Auswir­kungen des Internet auf die Menschheit vertreten:

1. „Das Internet wird die Welt verändern. Es wird die Erde zu einem Paradies ver­wandeln, weil nämlich alles Wissen der Menschheit von jedem abgerufen werden kann. Zu jedem Problem wird das Internet eine Lösung bieten. Geschäfte, Ban­ken, echter menschlicher Kontakt ... all dies wird in naher Zukunft überflüssig werden, denn wir haben ja das Internet.“.
2. „Das Internet wird die Welt verändern. Es wird die Erde in eine Hölle verwandeln, weil nämlich alles Wissen der Menschheit von jedem abgerufen werden kann. Ir­gendwann wird die Welt von einem Haufen radikaler Terroristen mit Atombom­ben in die Luft gesprengt. Die entsprechende Bauanleitung haben sich diese Leu­te aus dem Internet besorgt.“.
3. „Das Internet als ein dezentrales Netzwerk ist nicht zu kontrollieren. Die Men­schen werden sich in virtuellen Gemeinschaften organisieren und sich selbst verwalten. Staatengemeinschaften in der Form, in der wir sie kennen, werden überflüssig.“.
4. „Der Staat wird uns völlig überwachen und die Kontrolle über unser aller Leben übernehmen. Alle unsere eMails werden automatisch mitgelesen, der Telefonver­kehr wird überwacht. Auch unsere Computer werden mit Überwachungspro­grammen ausgestattet, die alle unsere Aktivitäten über das Internet an eine zen­trale Stelle melden werden.“.
5. „Das Internet ist nur eine vorübergehende, von den Medien künstlich am Leben erhaltene Erscheinung. In ein paar Jahren werden die großen Firmen feststellen, daß mit dem Internet kein Geld zu verdienen ist. Die Leute werden zwar feststel­len, daß das Internet ein paar ganz nützliche Funktionen hat, im Großen und Ganzen wird unser Leben aber nicht beeinflußt. Alle werden so weiterleben wie vor dem Internet.“.

In jedem dieser Standpunkte findet sich ein Quentchen Wahrheit, keinem ist aber un­eingeschränkt zuzustimmen. Was aber unbestritten ist: Das Internet hat in den letzten Jahren gesellschaftliche Veränderungen bewirkt, wie noch kein anderes Medium jemals zuvor. Dies geschah in einer schier unglaublichen Geschwindigkeit.

Bill Gates erwartet, daß Personalcomputer immer mehr an Bedeutung verlieren wer­den. Statt dessen werden andere Geräte wie Fernseher, Palmtops und Kameras zu den wichtigsten Internet-Anwendungen gehören (Internet Intern, 1998). Tatsächlich über­legen einzelne Unternehmen schon heute, Internet-Funktionalitäten in alltägliche Haus­haltsgeräte zu implementieren. Inzwischen gibt es sogar schon den Kühlschrank, der online mit dem Supermarkt verbunden ist und eine Bestellung abgibt, sobald keine Milch mehr da ist (RÖTZER, 1999). Es ist heute noch gar nicht vorstellbar, welche Aus­wirkungen der Einzug der Vernetzung in unsere Haushaltsgeräte und Einrichtungsge­genstände haben wird.

Auch im Medienbereich hat das Internet zu einschneidenden Veränderungen ge­führt. Das Internet stellt ein ,Supermedium‘ dar, daß die Eigenschaften der anderen Me­dien in sich vereinigt. Geser (1997) definiert die zentralen Merkmale des Internet fol­gendermaßen:

- Dezentralität: Jeder Nutzer ist ein gleichgestellter Kommunikationspartner, der alle Fähigkeiten zum Generieren, Senden, Empfangen, Speichern, Verarbeiten und Weiterleiten von Information auf sich vereinigt. Dadurch verschwindet die Asymmetrie zwischen (wenigen) Produzenten und (vielen) Konsumenten, auf der alle bisherigen Massenmedien beruhen. Und es verflüchtigt sich die technische Grundlage, die bisher für die Differenzierung des Mediensystems in Buch- und Presseverlage, Radio- und TV-Gesellschaften und Telephonunternehmungen ver­antwortlich war (Negroponte, 1995).
- Resilienz: Information wird im Internet nicht durch vorbestimmte Leitungen spe­diert, sondern in Pakete zerlegt, die an ihrem Kopf ihre Bestimmungsadresse tra­gen und sich im Netz selbständig ihren Weg suchen. Zur Resilienz gehört auch, daß sich der Datentransfer unabhängig von den Spezifika der physischen Compu- ter und ihrer Betriebssysteme vollzieht. Deshalb hat sich das Internet rasend schnell weltweit verbreiten können, ohne daß einheitliche Hard- oder Software­standards dazu nötig waren.
- Globalität: Das Internet ist global in dem strikten Sinne, daß jeder Netzzugang den Zugang zu weltweiten, an keine nationalen Grenzen gebundenen Kommuni­kationswegen impliziert. Als Folge entsteht zwingend ein Kommunikationsraum, der sich den territorialstaatlichen Kontrollen entzieht und nur durch eine weltstaatliche Instanz kontrollierbar wäre.

Die Synergien zwischen Medienunternehmen und Online liegen auf der Hand: der In­halt ist bereits für das klassische Medium vorhanden und muß für das Internet ,nur noch‘ entsprechend aufbereitet werden. Esser (1999) vermutet aber, daß langfristig im Internet nur mit Anzeigenblattstrukturen Gewinn zu machen ist. Er meint damit folgen­des: Die Inhalte werden verschenkt und bei genügender Akzeptanz werden Umsätze über elektronische Werbeformen erzielt. Die Zeitungsverlage erkannten die Gefahr des Internet für ihr Kerngeschäft schon früh und investierten hohe Beträge in den Aufbau von WWW-Präsenzen. Eigentlich finanzierten sie damit den Kampf gegen sich selbst, frei nach dem Motto: „Bevor uns andere Konkurrenz machen, besetzen wir den Markt lieber selbst.“.

Claudia Mast (1997) stellt folgende Prognose: „Die Innovationen im Kommunikati­onssystem ergänzen zunächst herkömmliche Medienleistungen, sie beinhalten jedoch auch das Potential, sie langfristig abzulösen. Das würde die parzellierenden bzw. seg­mentierenden Effekte der Medienkommunikation stärken und neuartige Integrations­prozesse initiieren. Auf jeden Fall werden sich die Integrationsleistungen der Medien ändern - verstanden als die Möglichkeit des Einzelnen, sich mit ,seiner‘ Gesellschaft, in der er lebt und ,seinem‘ Kulturraum, dem er sich zugehörig fühlt, zu identifizieren.“.

Was im Internet genutzt wird und von wem, darüber existierten bis vor kurzem nur vage Vermutungen. Auch in Deutschland existierten vor einigen Jahren nur Spekulatio­nen über die Nutzerschaft dieses Mediums. Im Zuge der Kommerzialisierung des Inter­net wurde es aber immer wichtiger, repräsentative Daten über das Internet bzw. dessen Nutzerschaft zu erhalten. Irgendwie mußten die riesigen Investitionen, die von den Me­dienunternehmen getätigt wurden, vor den Unternehmensvorständen gerechtfertigt wer­den. Es wurde begonnen, das unbekannte Wesen Internet näher zu untersuchen.

Im Laufe der Zeit stellte sich aber heraus, daß die bis dahin entwickelten Instrumen­te der empirischen Sozialforschung nicht ohne weiteres auf das Internet anwendbar wa­ren. So verlockend die Möglichkeit erschien, auf elektronischem Wege Daten über die Nutzerschaft zu erhalten, die sofort elektronisch weiterverarbeitet werden konnten, so schwierig gestalteten sich auch die Herausforderungen. Neben einer methodischen Aus­bildung ist vor allem auch technisches Verständnis nötig. Oft fehlte bei den Verantwortli­chen entweder das eine oder das andere, in manchen Fällen sogar beides (SchüÜR- Langkau, 1998). Ein Problem, mit dem die Studien heute immer noch kämpfen, ist die einheitliche Definition der Internet-Nutzung.

Nachdem Versuche, das Internet selbst als Befragungsmedium für repräsentative Er­hebungen zu nutzen, erst einmal fehlschlugen1, entschlossen sich mehrere Unterneh­men, Erhebungen auf Basis herkömmlicher Methoden durchzuführen, was wiederum hohe Investitionen erforderte. Resultate dieser Bemühungen waren beispielsweise der GfK-Online-Monitor und die ACTA-Studie (Allensbacher Computer- und Telekommuni­kationsanalyse) des Instituts für Demoskopie Allensbach. Inzwischen liegen von beiden Studien die Ergebnisse der zweiten Erhebungswelle vor, die dritte Erhebungswelle des GfK-Online-Monitors wird bei Fertigstellung der vorliegenden Arbeit gerade ausgewertet.

Die Ergebnisse zeigen, daß das Internet dabei ist, sich von einem Medium für Stu­denten und Computerfreaks hin zu einem Massenmedium zu entwickeln. Allein in den 6 Monaten, die zwischen den beiden Befragungswellen des GfK-Online-Monitors lagen, stieg die Zahl der Internetnutzer um 30% auf 7,3 Millionen Menschen zwischen 14 und 59 Jahren. Die Zahl derer, die prinzipiell die Möglichkeit haben, das Internet zu nutzen, ist noch höher. Sie beträgt zur Zeit 12,2 Millionen.

Um der werbetreibenden Wirtschaft Informationen über die Werbeträger im Internet zur Verfügung zu stellen, haben sich in Deutschland inzwischen zwei Meßgrößen eta­bliert, die aus den Server-Logfiles der Angebote generiert werden: „Page-Impressions“ (gesehene Seiten) und „Visits“ (Besuche beliebiger Benutzer). Diese Meßgrößen haben aber den großen Nachteil, daß sie nichts über die soziodemographische Struktur und die Nutzungsgewohnheiten der Personen aussagen, die diese WWW-Angebote nutzen.

1.2. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Das Internet bietet, im Gegensatz zu den anderen Medien, eine Vielzahl von Nutzungs­und Interaktionsmöglichkeiten. Darüber hinaus ist es von seinen Nutzungsmöglichkei­ten her viel offener, wobei aber nicht einzelne als ursächlich für die Internetnutzung an­gesehen werden können. Die Internetnutzer werden daher mit vielfältigen und unter­schiedlichen Nutzungserwartungen und -präferenzen an das Medium herangehen.

Produzenten von Webauftritten, die hohe Reichweiten erzielen sollen, müssen die Offenheit des Mediums berücksichtigen. WWW-Präsenzen sollten so gestaltet werden, daß sich möglichst viele Nutzer von ihnen angesprochen fühlen, diese sich möglichst lange auf den Webseiten aufhalten und auch oft wiederkommen. Die Inhalte sollten also möglichst gut auf die Nutzungsmuster der Besucher der Seiten abgestimmt sein. Trotz der Bedeutung solcher Informationen liegen zur Zeit noch kaum empirisch gesicherte Erkenntnisse zu diesem Themenbereich vor.

Ziel dieser Arbeit ist daher die Entwicklung einer Nutzertypologie für Internet­Nutzer. Diese kann entscheidende Anhaltspunkte für die Konzeption der Inhalte von WWW-Auftritten geben. Aus den vielen Nutzungsparametern werden kohärente Grup­pen gebildet, die wiederum die Nutzungsmuster der Internet-User widerspiegeln sollen. Informationen über diese Gruppen erlauben es, Internet-Präsenzen inhaltlich gezielter auf die Bedürfnisse ihrer Nutzer abzustimmen, bzw. spezielle Angebotskombinationen für bestimmte Nutzergruppen zu erstellen. Zur Bildung der Nutzertypologie werden Nutzer der Suchmaschine Fireball zu ihrer Internet-Nutzung, ihren Nutzungsinteressen und ihrer individuellen Internet-Erfahrung befragt.

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in sechs Kapitel. Im Anschluß an diesen Teil wird ein Überblick über die Internet-Nutzung sowie eine theoretische Einführung in die Typologiebildung gegeben, aus der sich die konkreten Fragestellungen dieser Untersu­chung herleiten lassen. Im vierten Teil werden die Methoden und das Untersuchungsde­sign ausführlich beschrieben. Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit der Darstellung der Ergebnisse der Untersuchung, die im anschließenden Kapitel diskutiert werden.

2. Das Internet - Zahlen und Fakten

Als Grundlage für weitere Betrachtungen werden im folgenden die wichtigsten Eckdaten zur Entwicklung des Mediums Internet dargestellt. Ein besonderer Augenmerk gilt dabei der soziodemographischen Struktur der deutschen Internet-Nutzer sowie deren Nut­zungsinteressen.

Vor einigen Jahren wurde das Internet noch lächelnd als ein Medium für Freaks ab­getan. Dies hat sich grundlegend geändert. Breite Bevölkerungsgruppen nutzen das In­ternet inzwischen so selbstverständlich wie das Fernsehen. Dabei bestehen allerdings relativ große Unterschiede zwischen den verschiedenen Regionen der Welt.

2.1. Internetnutzung international

Um die Größe des Internet und dessen Wachstum zu betrachten, bieten sich zwei Mög­lichkeiten an. Ein erster Eindruck von der Größe des Internet läßt sich durch die Zählung der Internet-Hosts gewinnen, über die der Zugang zum Internet erfolgt. Der Vorteil dieser Methode besteht darin, daß diese Zahlen relativ exakt sind. Sie sind aber nicht mit den tatsächlichen Nutzerzahlen zu verwechseln. Hinter einem einzelnen Host können sich theoretisch Tausende, aber auch gar kein Nutzer verbergen. Die Hostzahlen können für Europa durch eine Datenbankauszählung bestimmt werden und sind daher genauer als die Angaben über die weltweiten Hosts. Diese wiederum werden durch ein techni­sches Verfahren ermittelt, bei dem die an das Internet konnektierten Rechner auf ein bestimmtes Signal (Ping) antworten müssen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2.1 Entwicklung der Anzahl der Internet-Hosts in Deutschland, Europa und weltweit

1 Quelle: DENIC, 1998

2 Quelle: RIPE NCC, 1998

3 Quelle: Lottor, 1998

4 Zwischen 1997 und 1998 wurde das Zählverfahren umgestellt, daher ist ein Vergleich dieser Zahlen unzulässig.

Bei einer angenommenen durchschnittlichen Wachstumsrate von 20% wäre im Jahr 2000 weltweit mit über 50 Millionen Hosts zu rechnen, auf Deutschland bezogen wären das 2,3 Millionen Hosts. Beim Vergleich der weltweiten Nutzerzahlen treten schnell me­thodische Schwierigkeiten auf. Das Online-Unternehmen NUA Internet Surveys versucht dennoch jedes Jahr aus den unterschiedlichen Studien eine Schätzung der Nutzerzahlen herzuleiten. Die im Umlauf befindlichen Studien verwenden aber die unterschiedlichsten Definitionen und Meßparameter. Außerdem stammen sie meist aus unterschiedlichen Untersuchungszeiträumen. Sie sind daher nur bedingt miteinander vergleichbar und nicht für einen absoluten Vergleich geeignet. Sie erlauben es allerdings Trends abzulei­ten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2.2 Anzahl der Onlinenutzer in den verschiedenen Regionen der Welt

Quelle: NUA, 1999

Danach sind im Januar 1999 weltweit über 152 Millionen Menschen online. Mehr als die Hälfte davon lebt in den USA oder in Kanada. Danach folgt Europa mit etwa 33 Mil­lionen Usern. Diese Zahlen zeigen, daß die Entwicklung des Internet in Europa noch lange nicht abgeschlossen sein kann. Inzwischen scheint es aber im europäischen Raum mehr Internet-Nutzer zu geben als im australisch-pazifischen Raum, was vor einem Jahr noch nicht so war.

Vergleicht man die europäischen Nutzerzahlen miteinander, dann liegt Deutschland im oberen Mittelfeld. Zwar liegt Deutschland mit 7,5 Millionen Internet-Nutzern nach absoluten Zahlen an der Spitze, dies entspricht aber nur 9,1% der Gesamtbevölkerung. Angeführt wird die Tabelle von den nordeuropäischen Staaten. Hier stellt das Internet ein billiges und praktisches Kommunikationsmedium dar. Da diese Staaten relativ dünn besiedelt und weite (Kommunikations-)Wege die Regel sind, wird es dort dazu häufiger genutzt als in anderen Ländern. Am Ende der Tabelle finden sich erwartungsgemäß die osteuropäischen Staaten.

Am 28.01.1999 kündigte die Telekom eine drastische Senkung der T-Online- Gebühren an (Deutsche Telekom, 1999). Dies wird die Entwicklung des Internet in Deutschland beschleunigen, da diese bis jetzt durch die im Vergleich zu anderen Län­dern verhältnismäßig hohen Telefongebühren im Ortsbereich behindert wurde. Im Zuge der Liberalisierung des deutschen Telefonmarktes wird es wahrscheinlich zu weiteren Preissenkungen kommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2.3 Onlinenutzung in Europa

Quelle: Focus Online, 1999

2.2. Internetnutzung in Deutschland

Nachdem die Online-Nutzung weltweit und in Europa betrachtet wurde, soll nun ein de­taillierterer Blick auf die deutschen Internet-User folgen. Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf die Analysedaten des GfK-Online-Monitors (Gruner + Jahr EMS GmbH, 1997 & 1998A). Im Zeitraum vom 22.05.1998 bis zum 02.08.1998 wurden 7.434 Telefoninterviews unter den 14-59jährigen Personen in Deutschland durchgeführt. Die Daten sind repräsentativ für die 46,4 Millionen Menschen dieser Altersgruppe.

Bei der Auswertung der Daten des GfK-Online-Monitors wurden drei verschiedene Nutzerdefinitionen verwendet, die hier zitiert werden.

Als ,Online-Nutzer‘ werden alle Personen bezeichnet, die proprietäre Angebote innerhalb eines Onlinedienstes (z.B. T-Online oder AOL) und / oder das Internet nutzen. Diese Personengruppe läßt sich wiederum in zwei weitere Untergruppen aufspalten, nämlich in die

- ,reinen Online-Nutzer‘, die ausschließlich die proprietären Angebote innerhalb eines Onlinedienstes nutzen, das Internet aber nicht besuchen und die
- ,Internet-Nutzer‘. Damit sind hier alle Personen definiert, die auf jeden Fall das Internet nutzen. Sie können durchaus die proprietären Angebote eines Online-Dienstes in Anspruch nehmen, es kann aber auch sein, daß sie sich ausschließlich auf die Internet-Nutzung über einen Provider ohne eigenes In­haltsangebot beschränken.

Soziodemographie der deutschen Internet-Nutzer

Die Gesamtzahl der Online-Nutzer in der 2. Welle des Online-Monitors beläuft sich auf 7,5 Millionen Personen, diese teilen sich auf in 6,9 Millionen Internet-Nutzer und 0,6 Millionen reine Online-Nutzer. Die Internet-Nutzer machen also das bestimmende Po­tential des Mediums aus. Darüber hinaus wurde ein Potential von 4,8 Millionen Men­schen ermittelt, die bereits über eine Zugangsmöglichkeit zum Netz verfügen, diese aber (noch) nicht nutzen.

Die Internet-Nutzer in Deutschland sind im Vergleich zur Gesamtbevölkerung über­durchschnittlich jung. Hauptsächlich in der Gruppe der 20 bis 29jährigen (32%) zeigt sich eine starke Überrepräsentierung im Vergleich zur Gesamtbevölkerung (21%). Bei den Altersklassen scheint es eine Annäherung an die Strukturen der Gesamtbevölkerung zu geben.

Der Anteil der weiblichen Nutzer nimmt langsam zu (29,9%), obwohl die männli­chen Nutzer immer noch in der Überzahl sind (70,1%). In der Zukunft wird sich die Ge­schlechterverteilung wahrscheinlich weiter dem Bevölkerungsdurchschnitt annähern.

Die Internet-Nutzer sind im Vergleich zur Gesamtbevölkerung überdurchschnittlich hoch gebildet und weisen überdurchschnittlich hohe Haushaltsnettoeinkommen auf. Personen mit einem Einkommen von mehr als DM 6.000.- machen bei den Internet­Nutzern einen Anteil von über 28% aus. In der Gesamtbevölkerung macht diese Gruppe nur 14% aus. Vor einigen Jahren wurde noch von einem Medium der Studenten gespro­chen, inzwischen besteht die größte Einzelgruppe der Internet-Nutzer aus den sonstigen Angestellten (45,4%).

Das Internet in Deutschland entwickelt sich von einem elitären Medium hin zu ei­nem Massenmedium. Die Nutzer unterscheiden sich in ihrer soziodemographischen Struktur jedoch immer noch signifikant vom Rest der Bevölkerung. Eines zeichnet sich aber jetzt schon ab: Je mehr das Internet Verbreitung finden wird, um so mehr werden sich die soziodemographischen Strukturen dem Bevölkerungsdurchschnitt angleichen. Bei den Altersklassen und ansatzweise auch innerhalb der mittleren Berufs- und Ein­kommensgruppen konnte inzwischen eine Annäherung an die Strukturen der Gesamt­bevölkerung erkannt werden, was sich als Indiz für eine mittelfristige Reichweitenzu­nahme in allen strukturellen Schichten werten läßt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2.4 Soziodemographische Strukturen der Internet-Nutzerschaft in Deutschland

Alle Angaben in Prozent

Quelle: GfK-Online-Monitor

Nutzungsverhalten und Nutzungsgründe

41% der Nutzer erhalten extern eine Zugangsmöglichkeit, d.h. über Unternehmen, Uni­versitäten oder andere Institutionen, 36% nutzen eine private Zugangsmöglichkeit. Dar­über hinaus gibt es 23% Doppelnutzer, die sowohl über einen externen als auch privaten Zugang zum Internet verfügen. Die externen Nutzer sind überwiegend tagsüber im Netz anzutreffen, die Privatnutzer sind hauptsächlich abends aktiv, wenn die Telefongebühren niedriger sind. Die Doppelnutzer sind sowohl tagsüber als auch abends überdurch­schnittlich häufig im Netz anzutreffen.

Die durchschnittliche Nutzungsdauer pro Tag liegt bei 38 Minuten. Sie ist zwischen den beiden Erhebungswellen um 10 Minuten gestiegen. Pro Internet-Besuch ergibt sich eine durchschnittliche Dauer von 74 Minuten. Die Spitzenzeiten der Internet-Nutzung liegen vormittags zwischen 9.00 Uhr und 12.00 Uhr (überwiegend extern) und abends zwischen 18.00 Uhr und 22.00 Uhr (überwiegend von zu Hause aus). Fast jeder Zweite ist täglich im Netz anzutreffen.

Die Betrachtung der 10 am häufigsten genannten Nutzungsmöglichkeiten zeigt wei­tere Details der Internet-Nutzung. 51% der Internet-Nutzer geben an, daß sie Datenban­ken zu bestimmten Themen nutzen. Es folgen das Abrufen aktueller Nachrichten (44%) und Download von Software (41%). Jeweils etwa 40% geben an, Unternehmensdarstel­lungen und Wirtschaftsinformationen zu nutzen. 31% rufen politische Informationen und Veranstaltungskalender ab. Am Ende der Top Ten finden sich Angebote mit Produk­tinformationen mit Bestellmöglichkeit, Chatten und das Abrufen von regionalen Nach­richten.

Nachrichten, kommerzielle Angebote und Informationen mit Nutzwert stellen die zentralen Interessen der Internet-User dar. Der Schwerpunkt der Internet-Nutzung liegt also bei den informationsorientierten Angeboten und nicht, wie so oft vermutet wurde, bei den unterhaltungslastigen Nutzungsmöglichkeiten. Gerade im Bereich Information liegt schließlich einer der zentralen Vorteile des Internet gegenüber den klassischen Me­dien. Kein anderes Medium erlaubt es, auf aktuelle Ereignisse in der ganzen Welt so schnell zu reagieren und diese zu verbreiten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.1 Die 10 wichtigsten Gründe für die Internet-Nutzung

Quelle: Grüner + Jahr EMS GmbH (1998)

Eine andere Herangehensweise bei der Untersuchung der Nutzung von Internet­Angeboten besteht in der Auswertung von automatisch generierten Informationen, den Zugriffsprotokollen von Webservern. Für die deutschen WWW-Angebote existiert dazu keine Statistik, dafür aber für den amerikanischen Markt. Auf den Webseiten H0T100.COM (http://www.hot100.com) werden die Daten von einigen hundert Proxy­Servern ausgewertet und daraus eine Liste der am häufigsten aufgerufenen US- amerikanischen Webseiten generiert. Den Spitzenplatz nehmen die Portale von AOL und Netscape ein. Das mag aber wohl eher daran liegen, daß bei der von diesen Unterneh­men gelieferten Software diese Homepages als Startseiten eingerichtet sind, bei jedem Start erfolgt also automatisch ein Zugriff auf diese Seiten. Das eigentlich Interessante zeigt sich bei der genaueren Betrachtung der ersten zehn Plätze: Hier befinden sich 8 Suchmaschinen. Navigationsinstrumente für das Internet nehmen folglich einen zentra­len Schwerpunkt bei der Internetnutzung ein. Sie werden dazu genutzt, um die relevan­ten Informationen im Internet überhaupt erst zu finden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2.5 Was sind die populärsten Webseiten?

Quelle: Hot100.com fhttp://www.hot10Q.comì

2.3. Suchhilfen im Internet

Wie eben festgestellt, stellen Suchmaschinen die zentralen Anlaufstellen für Internet­Nutzer dar. Nach einer schon 1997 erschienenen Studie von Commerce-Net / Nielsen­media (Commerce-Net, 1997) setzen 71% der US-amerikanischen und kanadischen In­ternet-User Suchmaschinen als hauptsächliches Instrument ein, um Informationen im Internet zu finden. Andere Quellen, die eingesetzt werden, sind Empfehlungen von Freunden und Bekannten (9,8%), Zeitungen und Zeitschriften (8,5%), Links auf anderen Webseiten (8,4%), TV (3,6%) und gedruckte Internet-Verzeichnisse (3,3%). Die klassi­schen Medien spielen also beim Auffinden von Informationen im Internet erwartungs­gemäß eine untergeordnete Rolle.

Im Internet steht inzwischen eine enorme und ständig wachsende Menge von Do­kumenten zur Verfügung. Es ist für wissenschaftliche Informationssuchende neben tra­ditionellen Printveröffentlichungen zu einer wichtigen Informationsquelle geworden. Im Gegensatz zur relativ geordneten Welt der gedruckten Publikationen ist es jedoch oft schwierig, gezielt Informationen im Internet zu finden. Daher ist der Internet-User auf Suchmaschinen und Internet-Kataloge angewiesen.

Die vorliegende Untersuchung wurde unter Nutzern der Suchmaschine Fireball durchgeführt. Kritiker könnten nun einwenden, daß durch diese Vorauswahl die Stich­probe zu stark eingeschränkt wurde. Suchmaschinen im Allgemeinen und Fireball im Besonderen werden aber von einer breiten Nutzerschaft im Internet aufgerufen. Im fol­genden wird ein Überblick über die Suchdienste im Internet gegeben und die besondere Rolle von Fireball für das deutschsprachige Internet dargestellt.

Typologische Beschreibung von WWW-Suchdiensten

Grundsätzlich können drei verschiedene Arten von Suchdiensten unterschieden werden (vergleiche dazu Karzauninkat, 1998, S. 22 und Oehler, 1998):

1. Manuell erstellte Kataloge: Seiten werden von einer Redaktion gesichtet und in ei­nen Schlagwortkatalog einsortiert. Dieser wird für den Suchenden hierarchisch präsentiert. Manuell erstellte Dienste sind durch die Möglichkeit des Browsing in systematischen Verzeichnissen und die bei der Erschließung oftmals verwende­ten allgemeineren Begriffe besonders für allgemeine Fragestellungen geeignet. Ihr Vorteil besteht darin, daß durch die Redaktion bereits eine Gewichtung der Seiteninformationen und somit eine Präzisierung der Suchergebnisse geleistet wurde. Nachteile sind die Unvollständigkeit der Datenbanken (eine Redaktion kann nur einen Bruchteil der im Internet erhältlichen Informationen indexieren) und die mangelnde Aktualität, da sich die Seiteninhalte im Internet schnell än­dern können. Diese werden in Katalogen nicht automatisch aktualisiert. Der wohl bekannteste Katalog ist Yahoo (http://www.yahoo.de).

2. Roboterbasierte Suchdienste: Sie bestehen im wesentlichen aus drei Teilen. Der erste Teil ist der sogenannte ,robot‘, ,spider‘ oder ,crawler‘. Dies ist eine Software, die Seiten automatisch abruft und diese an den zweiten Teil des Suchdienstes schickt, die Indizierungssoftware. Diese legt die Daten strukturiert in einer Da­tenbank ab und macht die Internet-Seiten somit durchsuchbar. Eine dritte Soft­warekomponente ist für die Auswertung der Suchanfragen zuständig und schickt diese an die Datenbank, um von dort aus die Ergebnisse zu präsentieren. Robo­terbasierte Suchdienste sind vor allem für spezielle Suchfragen geeignet, bei de­nen spezifische oder wenig gebräuchliche Suchbegriffe verwendet werden kön­nen. Ebenso eignen sie sich für die Suche nach Dokumenten, von denen Teile bekannt sind, wie Eigennamen oder Teile von URLs. Für umfassende Suchen im Internet ist die Verwendung von roboterbasierten Suchdiensten unerläßlich, da nur mit automatisierten Methoden große Teile des Internet indexiert werden können. Sie sind ungeeignet bei zu allgemeinen Suchbegriffen und zu weiten Themen, weil die Suchergebnisse dann unüberschaubar werden. Probleme robo­terbasierter Suchdienste bestehen auch in der Möglichkeit der Manipulation, das Herausreißen der Seiten aus ihrem Kontext sowie der fehlenden Qualitätskon­trolle. Fireball (http://www.fireball.de) gehört zu dieser Kategorie von Suchdien­sten.

3. Simultane Suchdienste: Diese besitzen keine eigene Datenbank, sondern fragen mehrere Einzelsuchdienste ab. Teilweise findet auch eine Nachbearbeitung der Treffer vor der Ausgabe statt, bei der Dubletten und tote Links entfernt werden. Simultane Suchdienste eignen sich besonders für Fragestellungen, die mit weni­gen, speziellen Begriffen beschrieben werden können. Sie ersparen dann die Be­nutzung mehrerer Einzeldienste. Kompliziertere Anfragen können von den si­multanen Suchdiensten nicht unterstützt werden, da sich die Einzeldienste in ih­rer Bedienung zu sehr unterscheiden. Für erschöpfende Suchen sind simultane Suchdienste nicht geeignet, da nur ein Bruchteil der Suchergebnisse jedes Ein­zeldienstes ausgewertet wird. Die Ergebnisse hängen daher auch sehr stark von der Qualität der Reihenfolge der Suchergebnisse bei den Einzeldiensten ab. Ins­gesamt können simultane Suchdienste nicht besser sein als die Einzeldienste, auf die sie sich beziehen. Ein Beispiel für einen solchen Dienst ist die Metasuchma­schine des RRZN Hannover (http://meta.rrzn.uni-hannover.de).

Diese Darstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Über die oben ge­nannten Suchdienste hinaus existieren auch Mischformen sowie spezielle Informations­quellen im Internet, auf die im Rahmen dieser Arbeit aber nicht eingegangen wird. Dem interessierten Leser sei hier die Suchfibel von Karzauninkat (1998) zur vertiefenden Lektüre empfohlen.

Die Sonderrolle von Fireball für das deutschsprachige Internet

Die Suchmaschine Fireball ist eine Weiterentwicklung von Flipper, einer Suchmaschine die im Rahmen einer Diplomarbeit an der TU Berlin entstand. Diese wurde im Rahmen einer Kooperation mit dem Verlagshaus Gruner + Jahr massiv ausgebaut.

Die Besonderheit von Fireball liegt in der Spezialisierung auf deutschsprachige Sei­ten. Alle Seiten, die durch die oben erwähnten ,robots‘ gefunden werden, durchlaufen eine Spracherkennung, so daß nur größtenteils deutschsprachige Seiten in die Daten­bank aufgenommen werden. Diese ist hochaktuell, in der Regel werden angemeldete Sei­ten der Nutzer innerhalb von 24 Stunden in den Index aufgenommen. Für den deutsch­sprachigen Raum stellt Fireball zur Zeit die umfassendste und schnellste Volltextsuch­maschine dar. Zur Zeit werden etwa 7 Millionen deutschsprachige WWW-Dokumente verwaltet (Stand Februar 1999). Es ist jedoch auch möglich, fremdsprachige Seiten zu suchen. Entsprechende Anfragen werden an den Suchdienst AltaVista (http://www.altavista.com) weitergeleitet.

Zusätzlich zu den Suchfunktionen bietet Fireball redaktionelle Inhalte sowie Surftips, diese Inhalte werden hauptsächlich von Redaktionen aus dem Mutterverlag betreut. Es bestehen aber auch Kooperationen mit externen Unternehmen. Mittels der Live-Suche kann der Benutzer die Suchanfragen von anderen Nutzern (selbstverständlich anonymi­siert) verfolgen. Aktuell von anderen Nutzern angemeldete Seiten, können über die soge­nannte Live-Anmeldung abgefragt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.2 Entwicklung der Zugriffszahlen von Fireball

Quelle: IVW

Von allen IVW-gemeldeten Internet-Präsenzen hat Fireball die mit Abstand höchsten Nutzerzahlen. Fireball stellt somit eine ideale Plattform dar, um deutschsprachige Inter­net-Nutzer zu erreichen.

2.4. Die dritte Befragungswelle des GfK-Online-Monitors

Einen Tag vor Fertigstellung dieser Diplomarbeit wurden die Ergebnisse der 3. Welle des GfK-Online-Monitors veröffentlicht (w&v, 1999), so daß es nicht mehr möglich war, die entsprechenden Zahlen einzuarbeiten. Die Grunddaten sollen aber der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Danach hat sich die Zahl der Online-Nutzer in den letzten 6 Monaten schon wieder um rund 40% auf jetzt 8,4 Millionen Menschen vergrößert. Jeder 5. deutsche Bundesbürger zwischen 14 und 59 Jahren nutzt zumindest gelegentlich das Internet oder einen Online-Dienst. Der Frauenanteil ist inzwischen auf 31% gestiegen. Nach wie vor sind die Altersgruppen zwischen 20 und 39 Jahren die bedeutendste Grup­pe. Die Reichweite von Fireball beträgt innerhalb der deutschen Bevölkerung 1,9 Millio­nen. Die GfK sagt voraus, daß selbst unter pessimistischen Schätzungen am Ende des Jahres 10 Millionen Menschen in Deutschland online sein werden. Die Zahlen, die in der vorliegenden Studie verwendet wurden, sind somit schon wieder veraltet. Die Prognose, daß sich die soziodemographische Struktur der Online-Nutzer mehr und mehr der Be­völkerungsstruktur angleichen wird, scheint sich zu bestätigen.

3. Typologien in der Markt- und Medienforschung

Im vorigen Kapitel wurde die soziodemographische Struktur der Internet-Nutzer betrach­tet. Soziodemographische Daten alleine erklären jedoch noch nicht die eigentliche Inter­net-Nutzung. Die Gründe für die Internet-Nutzung sind durch eine Vielzahl von Fakto­ren bestimmt. Gerade bei sehr großen Datenbeständen stellt sich aber für den Forscher das Problem, diese Datenmengen ordnungsgemäß zu klassifizieren. In der Markt- und Medienforschung wird dafür häufig das Verfahren der Typologisierung eingesetzt, vor allem dann, wenn bei einer zu großen Anzahl beschreibender Merkmale tabellarische Auswertungen mit einfachen Korrelationen nicht mehr ausreichen, um die komplexen Zusammenhänge zu systematisieren. Das Verfahren und seine Einsatzgebiete werden hier beschrieben.

3.1. Definition und Einsatzgebiet

In der Typologie der Wünsche (Burda, 1982) findet sich eine ausführliche Erklärung zum Verfahren der Typologisierung: „Die Analyse von Gemeinsamkeiten und Verschie­denheiten von Merkmalen erfolgt durch die Aufdeckung von unterschiedlichen Verbrau­chergruppen (= Typen, Segmente, Cluster). Die Diskriminanzanalyse setzt die Definition von Gruppen voraus (...), die Typologie dagegen bildet selbständige Gruppen nach der Ähnlichkeit bzw. Unähnlichkeit der befragten Personen. Personen, die einander ver­gleichsweise ähnlich sind, werden zu einem Typ zusammengefaßt. Die einzelnen Typen sollen sich dabei möglichst stark voneinander unterscheiden. (...) Die Typologie reduziert bzw. verdichtet also eine große Anzahl von Einzelpersonen auf eine überschaubare An­zahl von Typen oder Segmenten.“

Wendt (1976) definiert den Begriff Typus wie folgt: „Im ursprünglichen Sinne unter­scheidet man zwei Arten von Typen. Die einen beziehen sich auf den Durchschnitt, also die durchschnittlichen Merkmalsausprägungen, wie sie der Schwerpunkt eines Ballungs­zentrums aufweist. Dieser Fall liegt im wesentlichen bei der vollständigen Klassifikation vor. Davon unterschieden ist der Idealtypus, der in erster Linie durch Extremalwerte bzw. die wesentlichen Züge einer Klasse charakterisiert wird. Dies führt zu einer Art unvoll­ständiger Klassifikation. In jedem Fall kann ein Typus dadurch beschrieben werden, daß die ihm zugehörenden Individuen ähnliche Merkmalsausprägungen aufweisen - zum Unterschied von den Segmenten, bei denen die Merkmalsausprägungen gleich sind.“.

Als statistisches Verfahren kommt bei der Typologisierung die Clusteranalyse zum Einsatz. Deren Ziel besteht darin, Objekte so in Gruppen aufzuteilen, daß jedes Objekt den anderen Objekten in seiner Gruppe ähnlicher ist als den Objekten außerhalb der Gruppe. Die Clusteranalyse beschäftigt sich also mit der Klassifikation von Daten und bedient sich dazu den Verfahren der Taxonomie (Green & Tull, 1982).

Die Typologisierung hat sich in der kommerziellen Markt- und Medienforschung für bestimmte Fragestellungen weitgehend durchgesetzt und wird dort häufig eingesetzt. Schon in den siebziger Jahren setzten eine Vielzahl von namhaften Instituten Statistik­software zur Typologisierung ein, nachzulesen bei Wendt (1976, S. 30-31). Die drei geläu­figsten Studien, die Typologisierungen einsetzen, sind:

- Sinus-Milieus: Sie wurden 1979 vom Sinus-Institut in Heidelberg entwickelt. Wertprioritäten und Lebensstile werden zu einer Basis-Typologie der deut­schen Bevölkerung verdichtet. Diese Studie gehört zu den bekanntesten ihrer Art, die hier erstellten Typologien werden häufig in anderen Studien einge­setzt.
- Typologie der Wünsche: Die Typologisierung erfolgt durch Konsum- und psy- chographische Daten. Zielgruppenmodelle sind Sinus-Milieus, Konsummoti­ve und die Geschlechtsrollenorientierung.
- Media-Analyse: Sie setzt seit 1978 Demotypen zur Auswertung ein, statistisch homogene Personengruppen, die durch eine Vielzahl von demographischen Merkmalen charakterisiert sind. In der MA können 3 Typologien gezählt wer­den und zwar für Haushalte, für Männer und für Frauen.

Es gibt jedoch auch Kritik an der Methode der Typologisierung. Wyss (1991, S. 391-393) merkt an, daß sich Typen oft nur umständlich beschreiben lassen. Die Vielzahl von Di­mensionen, welche die erarbeiteten Typen charakterisieren, sind alle zum Verständnis notwendig. Dies macht es teilweise sehr schwer, sich das Verständnis der Typen zu erar­beiten. Dies kann dazu führen, daß die Benutzer ihre eigenen Vorstellungen in die Typen projizieren und darüber die konkrete Aussage vergessen. Branchenbezogene Typologien können zudem nicht mit Markterkenntnissen aus anderen Forschungsprogrammen ver­bunden werden und leben aus sich selbst. Das Problem bei Lifestyle-Typologien besteht oft darin, daß diese Verhalten durch Verhalten erklären wollen, also Kaufverhalten durch Lifestyle-Verhalten. Dies führt unter Umständen sogar zu Tautologien: Der urlaubsfreu­dige Typ wird dadurch charakterisiert, daß er häufig Reisebüros frequentiert.

Warum nun die Typologisierung von Internet-Nutzern? Wie bereits im vorigen Kapi­tel erörtert, bietet das Internet eine Vielzahl von Nutzungsmöglichkeiten, wobei eine ein­zelne jedoch nicht als Erklärung und Beschreibung für die gesamte Internet-Nutzung ausreicht. Es bietet sich also an, die Internet-User nach ihren Nutzungspräferenzen zu befragen und diese dann anhand ihrer Internet-Nutzung zu Nutzertypen zusammenzu­fassen.

3.2. Online-Typologien

Auch in dem noch jungen Gebiet der Online-Marktforschung werden inzwischen Typo­logien eingesetzt. Die drei wichtigsten großen Studien, deren zentraler Inhalt Computer- bzw. Online-Nutzung ist, werden im folgenden etwas genauer betrachtet.

Online-Offline

Die Marktforscher des Spiegel-Verlages beanspruchen für sich, mit der Studie Online- Offline die ersten gewesen zu sein, die Nutzertypen für den Online-Markt entwickelt ha­ben (Kontakter, 1997). Der Online-Markt spielt aber beim näheren Hinsehen eine eher untergeordnete Rolle. Die zur Typologisierung herangezogenen Merkmale beziehen sich hauptsächlich auf die Nutzung von Computern. Die Autoren betrachten die Einstellun­gen zu verschiedenen Aspekten der Computernutzung, anstatt die tatsächliche Compu­ter- und Online-Nutzung als Basis zu nehmen. Daher stellt sich die Frage, ob man hier tatsächlich von Online-Nutzertypen sprechen kann, da es sich wohl eher um psychogra- phische Merkmale handelt. Der Vollständigkeit halber seien die Spiegel-Typen hier er­wähnt. Folgende Einteilung findet sich bei ,Online-Offline‘:

- Die Versierten: Sie nutzen den Computer am häufigsten von allen am Arbeits­platz, weil sie die mit ihm verbundene Arbeitserleichterung schätzen und sind aufgeschlossen gegenüber Multimedia und Computernetzen. Die Versierten er­warten, daß sich durch die neuen Möglichkeiten der EDV Handlungsspielräume erweitern und Kommunikationsbarrieren abbauen. Sie setzen auch privat einen Computer ein und nutzen ihn auch zur Entspannung und Unterhaltung.
- Die Pragmatiker: Sie betrachten den Computer emotionslos als Arbeitsmittel und nehmen gegenüber der Veränderung der Arbeitswelt eine abwartende Haltung ein, glauben aber an zukünftig zunehmende Handlungsspielräume im Arbeitsle- ben. Auch diese Gruppe ist gegenüber Multimedia und Computernetzen aufge­schlossen, lehnt die Computernutzung zum Zeitvertreib jedoch ab.
- Die Begeisterten: Diese Gruppe erlebt Computerarbeit als Aufwertung der eige­nen Tätigkeit und glaubt, daß die Computernutzung Freiräume für eine genußo­rientierte Lebensführung schafft. Sie befürchten aber auch latent, zum Moderni­sierungsverlierer zu werden und zeigen ein hohes Interesse an der unterhal­tungsorientierten Nutzung.
- Die Ängstlichen: Sie zeigen Distanz und sehen vorwiegend die Nachteile der Computerisierung. Sie fühlen sich durch die moderne Technik überfordert, leh­nen die Nutzung zur persönlichen Kommunikation und Zerstreuung ab und glauben, daß Computernetze Freiräume für gefährliche Entwicklungen bieten.
- Die Desinteressierten: Diese Gruppe weist einen unterdurchschnittlichen Anteil an Computernutzung am Arbeitsplatz auf. Sie zweifeln daran, ob der Computer zu Verbesserungen in der Arbeitswelt führt, sorgen sich aber auch nicht um wei­tere Arbeitsplatzvernichtung durch ihn. Nur ein geringer Teil von ihnen nutzt privat einen Computer.

Stern: Markenprofile 6

Eine weitere Typologie von Online-Nutzern wurde in der Stern-Studie „Markenprofile 6“ (Gruner + Jahr, 1996) gebildet. Hier erfolgt die Typologisierung anhand von Online­Interessen. Insgesamt wurde zu 19 Items das Interesse an der jeweiligen Nutzungsmög­lichkeit abgefragt. Durch eine Faktorenanalyse wurden vier Faktoren gewonnen, die als Haupteinflußgrößen für das Interesse an Online-Nutzung angegeben werden: Service, Werbung, Profession, News. Außerdem wurde auf der Basis dieser Items eine Clustera­nalyse durchgeführt, durch die sich insgesamt 5 Online-Typen herauskristallisierten:

- Professionelle Nutzer: Sie sind in erster Linie an der professionellen Verwendung von Online-Diensten (Recherchen, Faxen, eMail, Dateiübertragung, Homeban­king, Firmen- und Wirtschaftsinformationen) interessiert. Es handelt sich über­wiegend um Männer, jung, sehr gebildet und überaus einkommensstark.

[...]


1 Das prominenteste Beispiel ist wohl die W3B-Studie von Fittkau und Maaß. Die Autoren der Studie plan­ten 1998 deren methodischen Mängel durch Telefoninterviews auszugleichen, dies schlug allerdings aus finanziellen Gründen fehl.

Ende der Leseprobe aus 110 Seiten

Details

Titel
Chattende Spieler, surfende Infosucher und shoppende Profis - Entwicklung einer Nutzertypologie für deutschsprachige Internetnutzer
Hochschule
Hochschule für Musik und Theater Hannover
Note
1
Autor
Jahr
1999
Seiten
110
Katalognummer
V185338
ISBN (eBook)
9783656993117
ISBN (Buch)
9783867462686
Dateigröße
1190 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
chattenden, spieler, infosucher, profis, entwicklung, nutzertypologie, internetnutzer
Arbeit zitieren
Uwe Scheid (Autor), 1999, Chattende Spieler, surfende Infosucher und shoppende Profis - Entwicklung einer Nutzertypologie für deutschsprachige Internetnutzer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185338

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Chattende Spieler, surfende Infosucher und shoppende Profis - Entwicklung einer Nutzertypologie für deutschsprachige Internetnutzer



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden