Armut von Kindern und Jugendlichen in der Bundesrepublik Deutschland unter besonderer Berücksichtigung gesundheitlicher Aspekte


Hausarbeit, 2002
30 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung

2. Kindheit und Kinderarmut

3. Verbreitung und Ursachen der Armut im Kindes- und Jugendalter
3.1. Relative Einkommensarmut
3.2. Unterversorgungsarmut (Lebenslagenarmut)
3.3. Deprivationsarmut
3.4. Armut gemessen an politisch-normativen Vorgaben

4. Armutsrisiken

5. Ursachen ungleicher Risikoverteilung

6. Gesundheitliche Auswirkungen der Armut im Kindes- und Jugendalter

7. Armut und Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen: Ergebnisse der sozial-epidemiologischen Forschung in Deutschland
7.1. Schulbildung der Eltern (Mütter) und perinatale Mortalität
7.2. Beruflicher Status und Säuglingssterblichkeit
7.3. Regionale Unterschiede in der Säuglingssterblichkeit
7.4. Soziale Schicht und Morbidität
7.5. Schulbildung der Eltern und Morbidität der Kinder bezüglich kindlichem Asthma
7.6. Schultyp und Morbidität

8. Erklärungsansätze
8.1. Wohnbedingungen
8.2. Gesundheitsverhalten

9. Handlungsmöglichkeiten

10. Kinderarmut als Handlungsauftrag für die soziale Arbeit

11. Quellenverzeichnis

12. Autoren

1. Einleitung

Armut ist kein Relikt der Vergangenheit, es gibt sie heute und auch bei uns, in einem reichen, hochindustrialisiertem Land wie der Bundesrepublik Deutschland, wachsen immer mehr Kinder und Jugendliche in Armut auf. „Infantilisierung der Armut“ ist ein neues Schlagwort der Sozialwissenschaft und beschreibt, dass mittlerweile Kinder diejenige Altersgruppe bilden, die am häufigsten und massivsten von Armut bedroht ist. Weit über eine Million Kinder (Stand 2000; Butterwege „Kinderarmut in Deutschland) leben von Sozialhilfe. Etwa jedes fünfte Kind wächst in relativer (Einkommen-) Armut auf, was zu schweren psychosozialen Belastungen führen kann, fast zwangsläufig den Ausschluss junger Menschen aus vielen sozialen Lebenszusammenhängen nach sich zieht und damit auch die Chancengleichheit in der Gesellschaft nachhaltig beeinträchtigt.

Festgestellt werden kann jedoch zunächst einmal, dass die Lebensbedingungen der meisten Kinder und Jugendlichen in Deutschland als gut bis sehr gut zu bezeichnen sind:

- Kinder und Jugendliche haben innerhalb der Familie eine gesicherte materielle Existenzgrundlage. Allein ihr Konsumpotenzial ist gewaltig, beträgt doch die direkte Kaufkraft der Kinder zwischen 7 und 14 Jahren in Deutschland etwa 11,5 Milliarden DM jährlich (2000).
- Kinder und Jugendliche haben freien Zugang zur gesamten Palette unseres gesundheitlichen Versorgungssystems, und sind in der Regel gesund. Die Säuglingssterblichkeit ist als gering zu bezeichnen.
- Es besteht freier Zugang zu den Erziehungs- und Bildungsinstitutionen; in der Bundesrepublik Deutschland verlassen mehr als 50% der Jugendlichen die Schule mit der Fachoberschul- oder Hochschulreife.
- Die überwiegende Mehrheit der Schulabsolventen finden einen Ausbildungs-, Hochschul- oder Arbeitsplatz.
- Letztlich ist die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen soziokulturell eigenständig und genießt große Freiheiten, Gestaltungs- und Entfaltungsmöglichkeiten.

Für einen aber inzwischen größer werdenden Teil von Kindern und Jugendlichen in Deutschland sehen die Lebensbedingungen jedoch ganz anders aus.

Unsere Gesellschaft ist am Anfang des neuen Jahrtausends sozial gespalten. Der Wohlstand für einen Grossteil der Arbeitnehmer muss als relativ bezeichnet werden, weil sie latent davon bedroht sind in Armut zu geraten.

2. Kindheit und Kinderarmut

Kindheit ist eine spezifische und vielleicht die bedeutendste Entwicklungsphase im Leben eines Menschen. Sie ist eine subjektiv biographische Lebensetappe, in der die Fundamente der physischen, kognitiven, emotionalen und sozialen Entwicklung gelegt werden. Somit bildet sie die Etappe des Heranwachsens, des Erkundens und Erlernens, der Identitätsbildung, des Aufbaus zwischenmenschlicher Beziehungen, des Entstehens von Verhaltensregularien sowie Norm- und Wertvorstellungen, der Herausbildung eigener Urteils- und Handlungsfähigkeit sowie der Befähigung zur Zukunftsbewältigung. Zugleich ist die Kindheit, ebenso wie die sich anschließende Jugendphase, „eine gesellschaftlich bestimmte Lebenslage, abhängig von gesellschaftlichen Bedingungen, vor allem aber von der Zukunft und Zukunftsfähigkeit der zentralen Regelungen und Grundlagen unserer Arbeitsgesellschaft“. (Zukunftsperspektiven, Gesellschaftliches Engagement, Politische Orientierungen, 12. Shell-Jugendstudie, Opladen 1997, Seite. 13)

Da die Entwicklungsetappe „Kindesalter“ gegenwärtig in Deutschland durch gravierende Unterschiede in den Lebensbedingungen gekennzeichnet ist, führt die Kluft zwischen steigendem Wohlstand und wachsender, insbesondere durch zunehmende Arbeitslosigkeit der Eltern hervorgerufene Armut, verbunden mit dem Heranwachsen von Kindern unter Bedingungen ökonomischer Deprivation, zu einer sozialen Polarisation zwischen den Kindern. Als direkte Folge treten immer stärkere Unterschiede in den materiellen und sozialen Lebensbedingungen auf; die individuellen Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten von Kindern in Armutslagen werden erheblich eingeschränkt und die Chancengleichheit für eine gelingende Persönlichkeitsentwicklung und Sozialisation ist erkennbar beeinträchtigt. Aus der Sicht der pädagogischen Praxis sollte sich die Forschung stärker den sozialen, psychischen, pädagogischen und medizinischen Fragen zuwenden. Ein weiteres nicht zu unterschätzendes Problemfeld bildet die Tatsache, dass Kinderarmut sich erheblich von Erwachsenen- und somit auch von Elternarmut unterscheidet, „sowohl im Ausmaß als auch in der Qualität, da Kinder, besondere Bedürfnisse und Handlungsziele haben. Sie sind daher in spezifischer Weise auf zufriedenstellende und förderliche Lebensbedingungen angewiesen.“ (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Zehnter Kinder- und Jugendbericht. Bericht über die Lebenssituation von Kindern und die Leistungen der Kinderhilfe in Deutschland, Bonn 1998, Seite 88)

Untersuchungen zur Kinderarmut müssen aus diesem Grund genauso wie Schlussfolgerungen zum Umgang und Zurückdrängung von Armut schwerpunktmäßig auf Entwicklungserfordernisse und Bedarfsnotwendigkeiten der Kinder ausgerichtet werden. Neben der Sicherung des materiellen Lebensbedarfes ist ein zufriedenes, kindgemäßes und fröhliches Aufwachsen sowie die freie Entfaltung der Persönlichkeit die Befriedigung einer Reihe weiterer, die Entwicklung fördernder sozialkultureller Bedürfnisse bedeutsam. Kinder brauchen zur gelingenden Persönlichkeitsentwicklung und Sozialisation ein zufriedenes und ausgeglichenes Elternhaus, das ihnen Geborgenheit und Zuwendung geben kann. Dazu gehört neben existenziell-materieller Sicherheit die Vermittlung eines Gefühls von Zuversicht und seelischer Sicherheit zur freien Entfaltung bereits der kindlichen Individualität. Kinder brauchen Beständigkeit, einen geregelten Tagesablauf, die Versorgung mit kindgerechter Nahrung und Kleidung, gesundheitliche Betreuung, aber auch Kontrolle ihrer Handlungen. Wichtig für Kinder sind Freunde und ein verständnisvolles Umfeld. Kinder brauchen Freiräume und Bewegungsmöglichkeiten in einer kindgerechten Umgebung ebenso wie Bildung, Ausbildung, eine gesicherte Zukunft und entsprechende reale Lebensziele, die alle Kinder gleichermaßen durch eine ihnen zu bietende Chancengleichheit erreichen können.

Kinder gelangen durch die Abhängigkeit von ihren Eltern völlig unverschuldet in eine Armutslage. Ihre Befindlichkeiten und die Bewältigung von Folgeerscheinungen werden nicht nur, jedoch in starkem Maße durch das Fehlverhalten und die gesamte Familienkonstellation geprägt. Auch die gesellschaftliche Erziehungskompetenz, insbesondere von Schule und Sozialarbeit, steht im Zusammenhang mit Folgeerscheinungen der Kinderarmut vor erweiterten Aufgabenfeldern. Der Umgang der Öffentlichkeit mit Kinderarmut beeinflusst die Lebenssituation betroffener Kinder und sollte in die Beschreibung der Lebenslage und die Suche nach Lösungen zur Linderung und Vermeidung von Kinderarmut einbezogen werden. (Butterwegge 272ff)

3. Verbreitung und Ursachen der Armut im Kindes und Jugendalter

In der Diskussion um die Verbreitung von Armut wichtiger Punkt ist die Frage nach deren Bezugsgröße. Armut in der Bundesrepublik ist natürlich nicht mit der anderer Regionen der Welt vergleichbar, dazu notwendig ist ein bestimmtes Grundverständnis von Armut: Armut kann absolut und relativ gefasst werden. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass es in Wohlfahrtsstaaten wie der Bundesrepublik Deutschland absolute Armut nur in sehr geringer Zahl gibt. Mit absoluter Armut ist ein Niveau bezeichnet, unterhalb dessen die unumgänglich lebensnotwendigen Grundlagen (Essen, Kleidung und Wohnung) fehlen.

Spricht man von Armut in Deutschland, dann ist überwiegend nicht absolute Armut gemeint. Die relative Armut bezeichnet Personen oder Familien (Haushalte), die über nur so geringe Mittel verfügen, dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in der Bundesrepublik als unterste Grenze des Akzeptablen angesehen werden. Zur Bestimmung dieser Grenzen wären folgende Unterscheidungsbereiche möglich:

3.1. Relative Einkommensarmut

Von relativer Einkommensarmut wird gesprochen wenn das Nettoeinkommen einer Person weniger als die Hälfte des durchschnittlichen äquivalenzgewichtigen Nettoeinkommens in der Bundesrepublik Deutschland beträgt. Das monatliche Haushaltsnettoeinkommen wird in Beziehung zu der Anzahl und dem Alter der Haushaltsmitglieder gesetzt (Bedarfs- und Personengewichte). Die Verwendung von Personengewichten ermöglicht den Vergleich unterschiedlich großer Haushalte. Diese Gewichte steuern neben der Auswahl des verwandten Mittelwertes, zum Beispiel arithmetische Mittel oder Median, und der Entscheidung für einen Stellenwert, zum Beispiel 50% oder 60%, für maßgeblich die Höhe der Armutsquote.

3.2. Unterversorgungsarmut (Lebenslagenarmut)

Armut wird in diesem übergreifenden Konzept über eine kumulative Unterversorgung in einzelne Lebensbereichen ermittelt. Das Konzept geht von mehreren Lebensbereichen aus, die für ein sozialkulturell angemessenes Leben als zentral angesehen werden. Zu diesen Lebensbereichen gehören: Einkommen, Arbeit, Ausbildung und Wohnen. Darüber hinaus lassen sich noch weitere Bereiche anführen, wie Gesundheit, Freizeit oder kulturelle Teilhabe. Keineswegs geklärt ist allerdings die Frage welche dieser Lebensbereiche in die Analyse einbezogen werden sollen und wie die Schwellenwerte zu bestimmen sind. Obwohl in der Armutsdiskussion einhellig der multidimensionale und ganzheitliche (sozialökonomische) Charakter der Armut hervorgehoben wird, gibt es nur wenige Studien, die dieses Konzept in der Analyse nutzen.

3.3. Deprivationsarmut

Ein anderer Weg der Armutsmessung geht so vor, dass zunächst auf empirischer Basis der allgemein notwendige Lebensstandard aus Sicht der Bevölkerung ermittelt wird. Als Arm werden dann die Personen klassifiziert, die über eine bestimmte Anzahl dieser als notwendig angesehenen Ausstattungsmerkmale des Lebensstandards nicht verfügen, weil sie sich diese aus finanziellen Gründen nicht leisten können. Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass Dinge, auf die bewusst verzichtet wird, nicht als Deprivation gewertet werden.

3.4. Armut, gemessen an politisch-normativen Vorgaben

Ein häufig in der öffentlichen Diskussion herangezogener Indikator der Armutsentwicklung ist der Bezug von Sozialhilfe. Im Rückgriff auf das Verständnis von Armut als Bedürftigkeit findet dieses Maß aber auch in wissenschaftlichen Analysen Anwendung. In der Regel wird die laufende Hilfe zum Lebensunterhalt als Sozialhilfebezug ausgewiesen. Die Vermittlung eines unmittelbaren Zusammenhanges zwischen Sozialhilfe und Armut ist jedoch problematisch. So kann sich beispielsweise durch die Anhebung der Leistungen der Sozialhilfe der Kreis der Anspruchsberechtigten ausweiten. Eine derartige Entwicklung ist dann nicht als Anzeichen steigender Armut, sondern als Verbesserung der Lebenslage auf Sozialhilfe ausgewiesener Menschen anzusehen. Ein weiteres Problem der Sozialhilfe als Gradmesser der Armut ist die Dunkelziffer. Schätzungen gehen, je nach sozialer Gruppen, von mindestens 50% der Berechtigten aus, die von ihrem Rechtsanspruch, aus welchem Grund auch immer, keinen Gebrauch machen. Auch wenn die Sozialhilfe ein staatliches Instrument zur Bekämpfung der Armut ist, kann eine länger dauernde Angewiesenheit auf Sozialhilfe zu einem Leben auf unterem Lebensstandard führen.

Trotz aller Unterschiede in der Berechnung hat sich die Position durchgesetzt, dass Armut erstens eine relative Größe ist und dass sie zweitens mehrere Facetten und Aspekte der Lebenswelt umfasst, ohne jedoch deren jeweilige Dimensionen einvernehmlich zu benennen. Hinzu kommt, dass Armut in einer Gesellschaft oder für eine Altersgruppe nicht mit einer Ziffer beziehungsweise Quote „richtig“ angegeben werden kann, denn es gibt gegenwärtig keine wissenschaftlich allgemein akzeptierte Definition von Armut

Es kann festgestellt werden, dass Alleinerziehende, Haushalte mit mehreren Kindern sowie ausländische Haushalte ein erhöhtes Armutsrisiko tragen. Das häufigere Betroffensein der Kinder und Jugendlichen von Armut hängt mit strukturellen Veränderungen in der Gruppe der Armutsbevölkerung zusammen:

- Bis etwa Mitte der achtziger Jahre galt, dass überwiegend ältere Menschen und insbesondere Frauen mit unzureichender Rente in Armut lebten. Heute ist die Hauptursache für das Betroffensein von Armut die Arbeitslosigkeit. Arbeitslosigkeit bezieht sich auf Personen im erwerbsfähigen Alter, also Menschen von etwa 20 bis 60 Jahren, die in der überwiegenden Zahl in Familien (Eltern mit Kindern) leben. Somit wachsen immer mehr Kinder über eine kürzere oder längere Zeit in Armut auf.
- Trennungen und Scheidungen haben in der Bundesrepublik in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen, statistisch wird heute jede dritte Ehe geschieden. Bei jeder zweiten Scheidung sind Kinder betroffen. Die Mehrheit der Frauen und Mütter hat durch Scheidung mit sehr viel größeren Einkommenseinbußen zu rechnen als Männer. Frauen sind jedoch in der ganz überwiegenden Zahl, die als Alleinerziehende die Nachscheidungsfamilie ernähren müssen.
- Der Anteil der Alleinerziehenden hat somit ebenfalls in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Insgesamt sind 17% aller Familien in West- und 30% in Ostdeutschland Einelternfamilien. Von diesen Familien lebt knapp ein Drittel an der Armutsgrenze.
- Kinderreiche Familien stellen eine weitere Bevölkerungsgruppe, die von Armut bedroht ist. Kinder verursachen in der Bundesrepublik monatliche Kosten, die gegenwärtig mit mindestens 250 bis 400 € pro Kind veranschlagt werden. Bei drei und mehr Kindern ergeben sich monatliche Ausgaben, die eine Familie mit durchschnittlichem Einkommen in den Bereich der Einkommensarmut drängen.

Diese Entwicklungen machen deutlich, warum Kinder und Jugendliche stark von Armut betroffen sind. Neben einer wachsenden Minderheit der Kinder und Jugendlichen, die in Armutsverhältnissen aufwachsen, lebt auf der anderen Seite des sozialen Spektrums eine ebenfalls wachsende Zahl in sehr wohlhabenden Familien. Die Auseinanderentwicklung der Lebensbedingungen der heranwachsenden Generation hat deutliche Auswirkungen auf das Wohlbefinden sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher. (Statistisches Bundesamt/Robert Koch Institut 2001)

4. Armutsrisiken

Armut und Armutsrisiko sind ungleich verteilt. Wie sozialwissenschaftliche Studien beschreiben, ist das Risiko arm zu werden auf einige bestimmte Gruppen konzentriert.

Zwischen 1991 und 1996 stieg die absolute Zahl von Kindern und Jugendlichen, die außerhalb von Einrichtungen Hilfe zu Lebensunterhalt beziehen, von rund 755.000 auf über 1 Million. Während 1991 5,5% der unter 18jährigen Sozialhilfe bezogen, waren es 1996 bereits 6,3%. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen an der Gesamtzahl der Sozialhilfeempfänger lag 1996 bei 37,6%. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung hingegen beträgt nur gut 19%. Kinder und Jugendliche sind also überproportional von Sozialhilfe betroffen. (Butterwegge 10-13).

In Hinsicht auf das Armutsrisiko ist die Differenzierung geboten, dass nicht alle Kinder in gleichem Maße davon betroffen sind. Dies hängt vielmehr sehr stark von der Familienform ab. Alleinerziehende und Mehrkinderhaushalte sind stärker von Armut bedroht, und zwar sowohl im Hinblick auf die Gefahr der Sozialhilfeabhängigkeit an sich als auch im Hinblick auf die Dauer der Abhängigkeit. Während in zwei Dritteln aller Fälle der Sozialhilfebezug eine vorrübergehende Lebensphase ausmacht, unterliegen Alleinerziehende und Mehrkinderfamilien dem Risiko, dauerhaft von Hilfe zum Lebensunterhalt abhängig zu werden. In der Bundesrepublik Deutschland müssen etwa 13,7% (2000) aller Familien mit Kindern mit einem Nettoeinkommen von weniger als 3000 DM auskommen.

Armut verstellt Zugänge, sie verhindert gleichberechtigte Teilhabe. Für Betroffene wächst die Gefahr, von der Beteiligung an gesellschaftlichen Angeboten und Entwicklungen, Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und vielen anderen Selbstverständnissen ausgeschlossen zu werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Armut von Kindern und Jugendlichen in der Bundesrepublik Deutschland unter besonderer Berücksichtigung gesundheitlicher Aspekte
Hochschule
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst - Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen  (Soziale Arbeit und Gesundheit)
Note
2,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
30
Katalognummer
V18592
ISBN (eBook)
9783638229098
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Armut, Kindern, Jugendlichen, Bundesrepublik, Deutschland, Berücksichtigung, Aspekte
Arbeit zitieren
René Brandt (Autor), 2002, Armut von Kindern und Jugendlichen in der Bundesrepublik Deutschland unter besonderer Berücksichtigung gesundheitlicher Aspekte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18592

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Armut von Kindern und Jugendlichen in der Bundesrepublik Deutschland unter besonderer Berücksichtigung gesundheitlicher Aspekte


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden