Der Eurodistrikt als Chance der grenzüberschreitenden Regionalplanung?

Potenziale, Grenzen und Perspektiven der deutsch-französischen Regionalplanung


Diplomarbeit, 2006
127 Seiten, Note: 1.3

Leseprobe

Der Eurodistrikt als Chance der grenz-
überschreitenden Regionalplanung?
Potenziale, Grenzen und
Perspektiven der deutsch-
französischen Regionalplanung
am Beispiel des
Eurodistrikt Region
Freiburg / Centre
et Sud Alsace
Meike Levin

Der Eurodistrikt als Chance der grenzüber-
schreitenden Regionalplanung?
Potenziale, Grenzen und Perspektiven der
deutsch-französischen Regionalplanung
am Beispiel des Eurodistrikt Region Freiburg /
Centre et Sud Alsace
Diplomarbeit
am Institut für Umweltplanung (IUP),
Abteilung Landesplanung und Raumforschung (ILR)
der Universität Hannover
sowie
am Institut Universitaire de Formation des Maîtres (IUFM)
und des Centre de Recherche sur les Economies,
les Sciences, les Arts et les Techniques (CRESAT)
der Université Haute-Alsace
Bearbeiterin:
Meike Levin
Matr.-Nr. 2051691
Betreuer:
Dr. Frank Scholles
Prof. Dr. Raymond Woessner
Hannover
30. November 2005 bis 30. März 2006

Wir müssen dafür sorgen,
dass die Brücke nicht
schmäler ist als der Fluss.
Sophokles (496 - 405 v.Chr.)
griech. Tragödiendichter

Die Übersetzung französischer Epochen,
Pläne, Programme, Gesetze, Verwaltungen
und Organisationen stellt immer nur eine
Annäherung an den Originalbegriff dar. Um
Missverständnissen vorzubeugen, wurde in
dieser Diplomarbeit auf eine Übersetzung ins
Deutsche verzichtet. Die französischen Begrif-
fe sind durch kursive Schrift im Text kenntlich
gemacht.
Die in Frankreich weit verbreiteten Abkürzun-
gen werden beim ersten Erscheinen erläutert,
im Folgenden dann abgekürzt. Eine Liste der
verwendeten Abkürzungen findet sich im An-
hang.
Die deutsche Sprache erlaubt leider nicht, die
behandelten Sachverhalte geschlechtsneutral
oder in sowohl weiblicher als auch männlicher
Form zu formulieren. Erfolgt im Text zugunsten
einer besseren Lesbarkeit keine explizite Dif-
ferenzierung zwischen den Geschlechtern, so
sind dennoch stets beide gemeint.
Die freundliche und entgegenkommende, an-
regende und inspirierende Unterstützung und
Hilfsbereitschaft vor Ort haben wesentlich zu
der Entstehung dieser Diplomarbeit beige-
tragen. So möchte ich einerseits den vielen
Diskussionspartnern danken, die sich die Zeit
genommen haben, mit mir über das Thema zu
sprechen und mir so einen Einblick in die The-
matik gaben. Andererseits gilt mein Dank der
Familie Fontalirand-Groenewald, die mit ihrer
herzlichen, anregenden und kreativen Art mich
nicht nur fachlich unterstützt haben.
Ein weiteres Dankeschön an all diejenigen, die
mich während meiner Diplomarbeitszeit fach-
lich und moralisch unterstützt haben.
Großer Dank richtet sich an meine Eltern, die
mich immer wieder ermutigt haben für das zu
kämpfen, was mir lohnenswert erscheint.
V
ORBEMERKUNG
D
ANK

Inhalt
E
INLEITUNG
R
AHMENBEDINGUNGEN
DER
GRENZÜ
-
BERSCHREITENDEN
Z
USAMMENARBEIT
Raumentwicklung in Europa ...
Zwei unterschiedliche Pla-
nungssysteme ...
Planung in der Französischen Re-
publik ...
Die Verwaltungsstrukturen ...
Das Planungssystem ...
Planung in der Bundesrepublik
Deutschland ...
Die Verwaltungsstrukturen ...
Das Planungssystem ...
Unterschiede und Gemeinsamkei-
ten der beiden Planungssysteme ..
Deutsch-französische Zusam-
menarbeit ...
Institutionalisierte Zusammenar-
beit im Grenzgebiet ...
Themen grenzüberschreitender
Zusammenarbeit im Oberrheinge-
biet ...
Fazit der momentanen Zusam-
menarbeit ...
I
NHALT
1
T
EIL
A
2
3
3.1
3.1.1
3.1.2
3.2
3.2.1
3.2.2
3.3
4
4.1
4.2
5
1
5
7
7
7
8
12
12
13
16
18
18
21
24
D
ER
E
URODISTRIKT
R
EGION
F
REI
-
BURG
/ C
ENTRE
ET
S
UD
A
LSACE
IM
O
BERRHEIN
Konzept und Umsetzung
des Eurodistrikt Region
Freiburg / Centre et Sud Al-
sace...
Besonderheiten des Konzeptes...
Entstehung und Ziele ...
Karlsruher Übereinkommen als
Gesetzesgrundlage...
Bisherige Umsetzung ...
Chronologie des Eurodistriktes ...
Gebietskulisse und Kooperations-
partner ...
Stand der Dinge ...
Analyse des Planungsgebietes...
Allgemeine Einordnung ...
Städtenetz und Regionalplanung ..
Bildung ...
Verkehrssituation ...
Wirtschaftliche Entwicklung ...
Siedlungsstruktur und Bevölke-
rungsentwicklung ...
Landschaft und Umwelt ...
Fazit der grenzüberschreitenden
Regionalplanung im Eurodistrikt
T
EIL
B
6
6.1
6.1.1
6.1.2
6.2
6.2.1
6.2.2
6.2.3
7
7.1
7.2
7.3
7.4
7.5
7.6
7.7
8
27
27
27
28
32
32
32
34
36
36
38
42
44
50
52
56
58
Der Eurodistrikt als Chance der
grenzüberschreitenden Regionalplanung?
Potenziale, Grenzen und Perspektiven der
deutsch-französischen Regionalplanung
am Beispiel des Eurodistrikt Region Freiburg / Centre et Sud Alsace

Institutionelle Betrachtung - Das
Konzept Eurodistrikt ...
Thematische Betrachtung - Die
sinnvolle Gebietskulisse ...
Z
UKUNFTSPERSPEKTIVEN
DES
D
REI
-
LÄNDERKOOPERATIONSRAUMES
Grundlegende Voraussetzungen
der zukünftigen Entwicklung ...
Regionalplanung und Metropol-
region...
Inhalte zukünftiger Regionalpla-
nung...
SWOT-Analyse der
Regionalplanung ...
Bildung und Ausbildung...
Inhalte des zukünftigen
Bildungssystems ...
SWOT-Analyse des
Bildungssystems ...
Verkehr und Mobilität...
Inhalte des zukünftigen regionalen
Personennahverkehrs...
SWOT-Analyse der
Verkehrssituation ...
Entwicklungspfade ...
Regionalplanung...
Bildungsbereich ...
Verkehrssituation ...
Fazit der zukünftigen
Entwicklung ...
S
CHLUSSBETRACHTUNG
Z
USAMMENFASSUNG
A
NHANG
8.1
8.2
T
EIL
C
9
9.1
9.1.1
9.1.2
9.2
9.2.1
9.2.2
9.3
9.3.1
9.3.2
10
10.1
10.2
10.3
11
12
13
58
60
63
63
64
71
75
75
78
82
82
86
89
89
91
93
95
98
99
Inhalt

Table des Matières
I
NTRODUCTION
C
ADRE
DE
LA
COOPÉRATION
TRANS
-
FRONTALIÈRE
Développement territorial en Eu-
rope ...
Deux systèmes d`aménagement
différents ...
L`aménagement vu par la Répu-
blique Française...
Les structures administratives ...
Le système d`aménagement ...
L`aménagement vu par la Répu-
blique Fédérale d`Allemagne...
Les structures administratives...
Le système d`aménagement ...
Différences et similitudes des deux
systèmes d`aménagement ...
Coopération franco-allemande ..
Coopération institutionnalisée de
la zone frontalière ...
Thèmes de la coopération trans-
frontalière du Rhin Supérieur...
Résumé de la coopération exis-
tante ...
T
ABLE
DES
M
ATIÈRES
1
P
ARTIE
A
2
3
3.1
3.1.1
3.1.2
3.2
3.2.1
3.2.2
3.3
4
4.1
4.2
5
1
5
7
7
7
8
12
12
13
16
18
18
21
24
L`E
URODISTRICT
R
EGION
F
REIBURG
/ C
ENTRE
ET
S
UD
A
LSACE
DANS
LE
R
HIN
S
UPÉRIEUR
Concept et réalisation de
l`Eurodistrict Region Frei-
burg / Centre et Sud Al-
sace...
Particularité du concept...
Chronologie et objectifs ...
L`accord de Karlsruhe comme
base juridique ...
Réalisation antérieures...
Chronologie de l`Eurodistrict ...
Périmètre et porteurs de projet ...
Etat des lieux ...
Analyse du périmètre de projet..
Présentation générale ...
Réseau de ville et aménagement
du territoire ...
Formation ...
Situation des réseaux de transport
Développement économique ...
Structure de l`urbanisation et crois-
sance de la population ...
Paysages et Environnement...
P
ARTIE
B
6
6.1
6.1.1
6.1.2
6.2
6.2.1
6.2.2
6.2.3
7
7.1
7.2
7.3
7.4
7.5
7.6
7.7
27
27
27
28
32
32
32
34
36
36
38
42
44
50
52
56
L`Eurodistrict, une ambition pour
l`aménagement d`un territoire transfrontalier?
Potentiels, limites et perspectives de
l`aménagement du territoire franco-allemand
à l`exemple de l`Eurodistrict Region Freiburg / Centre et Sud Alsace

Table des Matières
Résumé de l`aménagement
transfrontalier dans
l`Eurodistrict ...
Regard institutionnel - Le concept
de l`Eurodistrict ...
Regard thématique - Le périmètre
adéquat ...
P
ERSPECTIVES
DE
DÉVELOPPEMENT
DE
LA
COOPÉRATION
-
DES
-
TROIS
-
PAYS
Conditions pour le cadre de
développement futur ...
L`aménagement du territoire et
l`ambition métropolitaine ...
Thèmes de l`aménagement fu-
tur...
Analyse SWOT de l`aménagement
Formation ...
Thématiques du futur système de
la formation ...
Analyse SWOT du système de
formation ...
Circulation et mobilité...
Thématiques du futur transport
régional des voyageurs ...
Analyse SWOT de la situation des
transports ...
Chemins du développement...
L`aménagement du territoire...
Secteur de formation...
Situation des transports...
Résumé du développement
futur ...
E
PILOGUE
R
ÉSUMÉ
A
NNEXE
8
8.1
8.2
P
ARTIE
C
9
9.1
9.1.1
9.1.2
9.2
9.2.1
9.2.2
9.3
9.3.1
9.3.2
10
10.1
10.2
10.3
11
12
13
58
58
60
63
63
64
71
75
75
78
82
82
86
89
89
91
93
95
98
99

E
INLEITUNG

Abb. 1: Aufbau der Arbeit
Einleitung
1 E
INLEITUNG
Früher war der Gedanke eines vereinigten
Europas ein Traum der Philosophen und Visi-
onäre. Victor Hugo beispielsweise stellte sich
die ,,Vereinigten Staaten von Europa" vor, doch
diese Vision wurde durch zwei schreckliche
Kriege in der ersten Hälfte des 20. Jahrhun-
derts erst einmal zerstört. 60 Jahre nach dem
letzten Krieg auf diesem Kontinent ist die
Europäische Union Realität und macht sich
in allen Lebensbereichen bemerkbar. Selbst
die aktuellen Entwicklungen auf europäischer
Ebene und das ,,Non" der Franzosen zur euro-
päischen Konstitution können die Gegenwär-
tigkeit und Lebendigkeit eines ,,Europäischen
Bewusstseins" nicht gänzlich verneinen.
Gerade die Staaten Deutschland und Frank-
reich haben viel zu diesem Verständnis bei-
getragen. Von der ,,Erbfeindschaft" Ende des
19. Jahrhunderts ausgehend, spricht man
heute von der deutsch-französischen Freund-
schaft. Nach einem langen Prozess wechsel-
seitiger Annäherung zählt Frankreich als engs-
ter Verbündeter Deutschlands. So verwundert
es nicht, dass die deutsche Bundeskanzlerin
Angela Merkel nach einem Gespräch mit dem
französischen Staatspräsidenten Jacques Chi-
rac erklärte, dass ,,die deutsch-französischen
Beziehungen auch in Zukunft Motor für die eu-
ropäische Integration und Weiterentwicklung
der europäischen Union sein sollen".
1
Die Grundvoraussetzung dieser Weiterentwick-
lung Europas ist ein Öffnen der nationalstaatli-
chen Grenzen. ,,Nicht ein Europa der Mauern
kann sich über Grenzen hinweg versöhnen,
sondern ein Kontinent, der seinen Grenzen
das Trennende nimmt".
2
Ziel der vorliegenden Diplomarbeit ist es, län-
gerfristige strategische Ziele und Aufgaben für
die grenzübergreifende Regionalplanung zu
definieren und weiterzuentwickeln. Am Bei-
spiel des Eurodistrikt Region Freiburg / Centre
et Sud Alsace wird untersucht, inwiefern diese
Kooperationsform wegweisend sein kann und
welche Chancen und Grenzen sich für die ge-
meinsame Regionalplanung ergeben.
Die Arbeit gliedert sich in drei Teile (Abbil-
dung 1). Teil A beschäftigt sich mit der Frage,
ob die grenzüberschreitende Regionalplanung
denn eine weiterführende Chance benötigt?
Dazu werden die Rahmenbedingungen be-
schrieben und mit Blick auf die grenzüber-
schreitende Zusammenarbeit analysiert und
bewertet. Hierzu gehören Bemühungen auf
2
Teil A:
Rahmenbedingungen
Europa
F
D
Zusammenarbeit
Teil B:
Analyse
Eurodistrikt
Teil C:
Entwicklungspfade
Schlüsselelemente
Europa
Oberrhein
1
A
USWÄRTIGES
A
MT
& M
INISTÉRES
DES
A
FFAIRES
ÉTRANGÈRES
2005
2
R
ICHARD
VON
W
EIZSÄCKER
(*1920),
1984-94 Bundespräsident

Einleitung
europäischer Ebene, ein Verständnis der un-
terschiedlichen Staatsformen der Republik
Frankreich und der Bundesrepublik Deutsch-
land und den sich daraus ergebenden dif-
ferenten Planungssystemen. Des Weiteren
wird die existierende deutsch-französische
Zusammenarbeit auf den Prüfstand gestellt
und allgemein die Potenziale und Grenzen der
Rahmenbedingungen aufgezeigt.
Teil B geht auf die Frage ein, ob der Eurodis-
trikt dazu fähig ist, der grenzüberschreitenden
Regionalplanung diese Chance zu bieten. Dies
beantwortet eine Analyse des Konzeptes Euro-
distrikt und dessen Umsetzung am Beispiel des
Eurodistrikt Region Freiburg / Centre et Sud
Alsace. Die Besonderheiten des Konzeptes,
beispielsweise das Karlsruher Übereinkom-
men als Gesetzesgrundlage, werden zusam-
men mit der konkreten Umsetzung am Beispiel
vorgestellt. Eine Analyse des Planungsgebie-
tes nach räumlichen, sozioökonomischen und
ökologischen Strukturmerkmalen verdeutlicht,
dass im Planungsgebiet des Eurodistriktes kei-
ne langfristige, strategische Regionalplanung
möglich ist. Es kristallisiert sich ein anderer,
geeigneter Maßstab heraus, der Dreiländerko-
operationsraum Basel-Freiburg-Mulhouse. Die
institutionelle Betrachtung des Konzeptes Eu-
rodistrikt zeigt, dass dieser Mittel zum Zweck
sein kann, jedoch keinen Selbstzweck darstellt
und somit der grenzüberschreitenden Regi-
onalplanung eine Chance bieten kann, aber
nicht zwangsläufig muss.
Teil C beschäftigt sich mit den Zukunftspers-
pektiven des Dreiländerkooperationsraumes.
Dahinter steht die Frage, wie das Konzept Eu-
rodistrikt als Chance für die grenzüberschrei-
tende Regionalplanung genutzt werden kann,
und welche Handlungsempfehlungen sich
daraus ableiten lassen. Hierzu werden drei
Themen mit Schlüsselfunktion ausgewählt, die
Regionalplanung, der Bildungs- und Ausbil-
dungsbereich sowie die Sektoren Verkehr und
Mobilität. Anhand einer Stärken-Schwächen-
Chancen-Gefahren-Analyse (SWOT) werden
derzeitige Stärken und Schwächen herausge-
stellt und zukünftige Chancen und Gefahren
eruiert. Die Gegenüberstellung der Einzelas-
pekte kristallisiert Entwicklungspfade für die
Schlüsselfunktionen heraus. Abschließend
werden die drei Themenbereiche zusammen-
geführt und grundlegende Entwicklungspfade
skizziert.
3

T
EIL
A
Rahmenbedingungen der
grenzüberschreitenden
Zusammenarbeit

Das Thema Raumentwicklung in Europa hat
in den vergangenen Jahren zunehmend an
Bedeutung gewonnen. Um die europäische
Integration zu verwirklichen und die Wirk-
samkeit europäischer Politiken zu erhöhen
ist es notwendig, den Raumbezug explizit zu
berücksichtigen und auf dem Gebiet der euro-
päischen Raumentwicklung stärker zusammen
zu arbeiten.
So hat der ,,Ausschuss für Raumentwicklung
(CSD)" zusammen mit den Mitgliedstaaten im
Mai 1999 das Europäische Raumordnungs-
konzept (EUREK) verabschiedet.
3
Das EUREK vermittelt demnach eine von
den Mitgliedstaaten und der Europäischen
Kommission gemeinsam getragene Vision
vom künftigen Raum der Europäischen Uni-
on. Nach dem Subsidiaritätsprinzip sind die
dort festgehaltenen Aussagen über Situation,
Perspektiven und Herausforderungen recht-
lich nicht bindend. Dennoch gibt das Konzept
informelle Orientierungen an die Hand, um
die ,,Kohärenz und Komplementarität der Rau-
mentwicklungsstrategien der Mitgliedstaaten
sicherzustellen und die raumordnerischen
Aspekte der Gemeinschaftspolitiken zu koordi-
nieren"
4
. Das impliziert, dass die als positiv zu
bewertende Vielfalt des europäischen Raumes
nicht beeinträchtigt werden soll, sondern in
richtiger Art und Weise verzahnt werden muss.
Ein Europa der Regionen soll sich entwickeln,
in dem sich die regionale Eigenständigkeit der
Mitgliedsstaaten etabliert.
5
Durch Kofinanzierungen von Modellprojekten
fördert die EU diese Entwicklung, unter ande-
rem durch die Gemeinschaftsinitiative Interreg,
Raumentwicklung in Europa
momentan in der dritten Programmphase (In-
terreg III). Das Programm Interreg existiert in
drei Ausrichtungen:
·
Ausrichtung A für grenzüberschreitende
Zusammenarbeit in den Grenzgebieten
(Interreg IIIA),
·
Ausrichtung B für transnationale Zusam-
menarbeit in staatenübergreifenden Koo-
perationsräumen (Interreg IIIB) und
·
Ausrichtung C für interregionale Zusam-
menarbeit von Gebietskörperschaften
(Interreg IIIC).
6
Für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit
ist Interreg IIIA von besonderer Bedeutung. Die
Förderkulisse nach Abbildung 2 betreffen die
Binnengrenzen der EU und tangieren somit
auch das Planungsgebiet des Eurodistrikts Re-
gion Freiburg / Centre et Sud Alsace.
2 R
AUMENTWICKLUNG
IN
E
UROPA
Abb. 2: Fördergebiet Interreg IIIA 2004-2006 (Aus-
schnitt, entnommen aus EU 2004)
5
Interreg IIIA - Gebiete
andere Gebiete
3
BBR 2005a
4
BBR 2005b: 274
5
ebenda: 274f
6
E
UROPÄISCHE
U
NION
(EU) 2004

Diese Stärkung der Regionen, meist zu Lasten
nationalstaatlicher Aufgaben, wirkt sich in den
Gremien und somit der Interessenvertretung
aus. Um den Regionen auf europäischer Ebe-
ne eine Stimme zu geben, hat sich 1985 die
,,Versammlung der Regionen (VRE)" gegrün-
det, deren Sitz sich in Strasbourg befindet.
Mitglieder sind derzeit 250 Regionen aus 30
europäischen Ländern sowie 12 interregiona-
le Organisationen. Seit 1992 existiert darüber
hinaus der 337 Vertreter zählende ,,Beratende
Ausschuss der Regionen". Dieser steht dem
Europäischen Ministerrat und der Europäi-
schen Kommission in allen Fragen hinsichtlich
der Länder, Regionen, Autonomen Gemein-
schaften, kommunalen und lokalen Gebiets-
körperschaften zur Seite.
7
Raumentwicklung in Europa
Inwiefern die Europäische Union die grenz-
überschreitende Zusammenarbeit in Zukunft
mitgestalten wird, ist derzeit offen. Die Förde-
rung durch Interreg wird im Jahre 2007 fortge-
führt, doch durch die EU-Erweiterung muss
mit sinkendem finanziellem Budget gerechnet
werden.
6
7
W
IKIPEDIA
2005

Frankreich ist mit einer Fläche von 553.000 km²
etwa eineinhalb mal so groß wie Deutschland,
auffallend ist jedoch die im Vergleich geringe
Bevölkerungsdichte von 95 Einwohnern pro
km² (insgesamt 58.518.748 Einwohner).
8
3.1.1 Die Verwaltungs-
strukturen
Die V. Republik Frankreich ist der Verfassung
nach eine dezentralisierte Staatsform, die auf-
grund ihrer Vergangenheit jedoch sehr stark
vom Zentralismus geprägt ist.
Ergebnis dieser Konzentration aller zentra-
len, politischen, administrativen, industriellen,
wirtschaftlichen und kulturellen Aktivitäten in
Paris ist die Verschärfung der räumlichen Dis-
paritäten. Durch die lang praktizierte staatliche
Politik des Zentralismus findet sich ein extrem
starkes Gefälle zwischen dem Großraum Paris
und dem übrigen Frankreich, schon 1947 in ei-
ner Veröffentlichung von Jean Gravier passend
als ,,Paris et le désert français" (,,Paris und die
französische Wüste") beschrieben.
9
Die Décentralisation markiert den ab 1982 be-
gonnenen Prozess der Neuordnung des fran-
zösischen Staates (daher nicht gleichzusetzen
mit Dezentralisierung). Das Ziel war keinesfalls
ein föderalistisches System, doch das Aufbre-
chen traditioneller Strukturen und Schaffen
einer effektiven Verwaltung mit Stärkung der
Zwei unterschiedliche Planungssysteme - Frankreich
lokalen Politikebene. Diese Umstrukturie-
rungsprozesse der französischen Verwaltung
dauern bis heute an.
10
L´État und Gebietskörperschaften
Die nationale Politikebene spielt eine sehr gro-
ße Rolle, wesentliches Merkmal des französi-
schen Verwaltungssystems ist noch immer der
Zentralismus. Das Bild eines einheitlichen und
unteilbaren Staates ist wichtiger Bestandteil
der Staatspolitik, der Staat ist auf regionaler
Ebene in Form des Departements- und Régi-
onspräfekten auch heute noch präsent.
In Frankreich existieren drei Gebietskörper-
schaften, die Région, das Département und
die Gemeinde. Im Gegensatz zu dem deut-
schen System stehen diese gleichberechtigt
nebeneinander, es existiert keine hierarchi-
sche Ordnung und sie sind gegenseitig nicht
weisungsberechtigt.
11
Die Région wurde 1982 durch das Gesetz zur
Décentralisation eingeführt und ist hauptsäch-
lich für wirtschaftliche und soziale Entwicklung
zuständig. Im französischen Mutterland gibt es
21 Régions.
12
3 Z
WEI
UNTERSCHIEDLICHE
P
LANUNGSSYSTEME
3.1 P
LANUNG
IN
DER
F
RANZÖSISCHEN
R
EPUBLIK
7
8
INSEE 2006a
9
C
ARRIÈRE
2005
10
I
NFOBEST
2005
11
ebenda
12
Hinzu kommen Korsika und die französischen Über-
seegebiete. Sie sind aus den ehemaligen französischen
Kolonien hervorgegangen und nicht unabhängig, son-
dern gehören weiterhin zum französischen Staat. La
France de l´outre-mer (Guadeloupe, Franz. Guyana,
Martinique und Réunion) haben gleichzeitig den Status
Départements. Da diese Gebietskörperschaften für die
deutsch-französische Zusammenarbeit unrelevant sind,
werden sie im Weiteren nicht mehr berücksichtigt.
INSEE 2006b

Abb. 3: Régions und Départements im französischen
Mutterland
Abbildung 3 zeigt die Régions und Départe-
ments im französischen Mutterland. Die an
Deutschland angrenzenden Régions sind das
Alsace und Lorraine (Elsass und Lothringen).
Das Département als funktionale territoriale
Einheit stammt aus dem 18. Jahrhundert, der
Epoche der Centralisation. Die Größe der
Départements wurde durch die Entfernung von
einem Tagesritt der Hauptstadt festgemacht.
Die 96 Départements sind heutzutage zustän-
dig für Gesundheitsvorsorge und infrastruktu-
relle Belange. Inwiefern diese damals funktio-
nelle Einteilung heute noch Sinn macht, wird
mit der Einführung und Stärkung der Régions
weiter in Frage gestellt.
13
Die Gemeinde als kleinste Gebietskörper-
schaft spielt in Frankreich eine wichtige Rolle,
da Frankreich mit 36.763 Gemeinden (1990)
die höchste Anzahl innerhalb der EU erreicht.
Die Versuche, in den 1970er Jahren Gebietsre-
formen durchzuführen, scheiterten. So erklärt
sich die Struktur von fast 400 Gemeinden, die
weniger als 100 Einwohner zählen.
14
3.1.2 Das Planungssystem
Aménagement du territoire ist die räumliche
Umsetzung der französischen Raumordnungs-
politik zum Ausgleich räumlicher Disparitäten.
In den letzten Jahren hat die französische
Raumordnung tief greifende Veränderungen
erfahren. Dies äußert sich in neuen Raumord-
nungsgesetzen, welche einerseits Kompeten-
zen neu verteilen, und andererseits neuartige
Instrumente ins Leben rufen.
15
Um einen Überblick über die unterschiedlichen
Ebenen der Planung zu gewinnen, werden in
Tabelle 1 der Staat, die Gebietskörperschaften
und deren Zuständigkeiten vorgestellt. Zur
weiteren Zusammenarbeit der Planungsebe-
nen sind außerdem die jeweiligen Instrumente
der Planung und die entsprechende Gesetzes-
grundlage von Bedeutung.
Staatliche Raumordnungspolitik
Im Jahr 1995 wurde das Raumordnungs-
rahmengesetz
(Loi
d´Orientation
pour
l´Aménagement et de Développement du Terri-
toire, LOADT) erlassen, das erste umfassende
Raumordnungsgesetz in Frankreich. Hierin
wird dem Staat die Raumordnungskompe-
tenz zugesprochen, die jedoch hauptsächlich
Entwicklungsstrategien zur weiteren Dekon-
zentration und Décentralisation anstreben und
nicht unbedingt flächenbezogene Planungen
beinhaltet.
16
Zwei unterschiedliche Planungssysteme - Frankreich
8
13
F
ONTALIRAND
mdl. 2005
14
INSEE 2006c
15
K
ISTENMACHER
1996: 25
16
ebenda: 25

Fortführung dieses Gesetzes ist das Ge-
setz zur Orientierung von Raumplanung und
nachhaltiger Entwicklung vom 25. Juni 1999,
kurz Loi Voynet oder LOADDT gennant (Loi
d´Orientation pour l´Aménagement et le Déve-
loppement Durable du Territoire). Dieses Ge-
setz führt die rechtliche Grundlage für Pays
und Agglomérations ein. Während die Agglo-
mération sich auf Ballungsräume und deren
Einzugsbereich bezieht, umfasst das Pays
eine geographische, kulturelle und wirtschaft-
liche Interessensgemeinschaft.
Ein Pays stellt ein so genanntes ,,Beschäfti-
gungsbecken» (bassin d´emploi) dar und ist
keine ,,zusätzliche Verwaltungsebene, es ist
nur ein Projektgebiet, in dessen Rahmen die
Partner gemeinsam handeln»
17
.
Die Organe der staatlichen Raumordnungs-
politik sind das Comité Interministériel
d´Aménagement de Cohérence de Territoire
(CIACT) und die Délégation à l´Aménagement
du Territoire et à l´Action Régionale (DIACT).
Das 2005 eingeführte CIACT trifft sich jähr-
lich, um raumrelevante Planungen der Fach-
ministerien besser zu koordinieren und kann
Projekte finanziell unterstützen. Die DIACT als
eigene Institution agiert ebenfalls interminis-
teriell und ist beauftragt mit dem Entwurf, der
Koordinierung und Umsetzung der staatlichen
Politik. Hierzu hat sie eigene Finanzmittel
inne, im Gegensatz zu Deutschland ist es
eine Investitionsplanung. Es werden räumliche
Entwicklungsmodelle erarbeitet, jedoch ohne
flächendeckendes Planwerk.
18
Planung auf Ebene der Région
Die Région ist verantwortlich für die Erhaltung
der regionalen Identität, also der wirtschaft-
lichen, kulturellen und wissenschaftlichen
Entwicklung der Région und der regionalen
Raumplanung unter Achtung der Rechte der
Gemeinden und Départements. Die ihr zuge-
sprochenen Aufgaben fallen in den Bereich der
Wirtschaftsförderung, Infrastruktur, Tourismus,
Umweltschutz, Bau und Unterhalt von Gym-
nasien, regionaler Bahnverkehr und berufliche
Ausbildung. Wie schon erwähnt ist die Région
aus den Bemühungen der Décentralisation
hervorgegangen. Sie besitzt kein explizit raum-
planerisch wirksames Programm, doch durch
den Contrat de Plan état-région stehen ihr
Geldmittel zur Verfügung.
Planungsraum
Zuständigkeiten
Plan / Programm
Gesetzesgrundlage
Staat
Raumordnungskompetenz
Kein flächendeckendes
Planwerk
LOADDT
Région
Wirtschaftsförderung, Infrastruktur,
Tourismus, Umweltschutz, Gym-
nasien, regionaler Bahnverkehr,
berufliche Ausbildung
Contrat de Plan état-
région
Loi de la décentralisa-
tion
Département
Straßen- und Wegenetz,
Sozial- und Gesundheitswesen,
Wirtschaftsentwicklung,
Umwelt, Landwirtschaft,
Kultur, Sport
Contrat de Plan état-
département
Gemeinde
Kommunalplanung,
Grundschulen und Kindergärten
PLU
SRU
Interkommunale Struktu-
ren, z.B. communauté de
commune
können Kompetenzen übertragen
bekommen
SCOT (aus dem SRU)
Loi Chevènement
(Stadt-, Agglomerations-
und Kommunal-
verbände)
Tab. 1: Übersicht der Planungsebenen in Frankreich
Zwei unterschiedliche Planungssysteme - Frankreich
9
17
E
UROINSTITUT
2004: 17
18
L
ANG
2003: 43

Planung auf Ebene des Départements
Die aus Napoleons Zeiten hervorgegangenen
Départements können nur indirekt Einfluss auf
die Planung nehmen, da sie die Unterhaltung
des Straßen- und Wegenetzes in ihrer Kom-
petenz haben. Weitere Kompetenzen sind
das gesamtes Sozial- und Gesundheitswesen,
Wirtschaftsentwicklung, Umwelt, Landwirt-
schaft, Kultur, Sport sowie Oberschulen und
Schülertransporte. Auch auf dieser Ebene gibt
es kein offizielles Planwerk oder Programm
hierzu.
Kommunalplanung
Schon aufgrund ihrer Größe haben die Ge-
meinden nur sehr eingeschränkte Möglichkei-
ten der eigenständigen Entwicklungspolitik.
Ihre Zuständigkeitsbereiche sind die Gemein-
de- und Bauleitplanung. Mit dem Gesetz über
Solidarität und urbane Sanierung (SRU) soll
die Abstimmung der Städte- und Gebietspolitik
verbessert werden. Hierzu werden zwei neue
Instrumente ins Leben gerufen, das Schéma
de Cohérence Territoriale (SCOT) und der Plan
Local d´Urbanisme (PLU). Während der PLU
das gesamte Stadt- oder Gemeindegebiet ab-
deckt, hat der SCOT als Entwicklungsleitplan
eine übergeordnete Funktion inne und wird auf
interkommunaler Ebene erstellt.
19
Interkommunale Strukturen
Die interkommunale Zusammenarbeit hat in
Frankreich durch die Vielzahl der Gemeinden
und deren geringe Durchschnittsgröße lange
Tradition. Jedoch ging die ,,Häufung der Struk-
turen [...] mit einer zunehmenden Komplexität
der Rechts- und Finanzierungsform einher, da
jede Kategorie spezifische Regeln besitzt"
20
.
Mit dem Ziel, eine kohärente Entwicklungsstra-
tegie auf Ebene der Agglomerationen einzufüh-
ren, die Konsequenzen der Ausdehnung urba-
ner Gebiete zu kontrollieren, und die Qualität
des urbanen Raums zu verbessern, wurden
Ende 1990er zwei Gesetze erlassen:
·
SRU, Langtitel: Loi relative à la Solidarité
et au Renouvellement urbains (Gesetz
über Solidarität und urbane Sanierung
vom 13. Dezember 2000).
·
Loi Chevenèment, Langtitel: Loi relative
au Renforcement et à la Simplification de
la Coopération intercommunale (Gesetz
zur Stärkung und Vereinfachung der in-
terkommunalen Zusammenarbeit vom 12.
Juli 1999).
Während das Loi Chevènement ein Gesetz
zur Verwaltung von interkommunalen Struk-
turen darstellt, definiert das SRU neue Pla-
nungsinstrumente für gemeindeübergreifende
Kooperationsformen.
21
Das 1999 realisierte ,,Loi Chevènement" soll
die Komplexität der Formen interkommunaler
Zusammenarbeit neu ordnen und vereinfa-
chen. Hierzu werden nur drei Kooperationsfor-
men beibehalten:
·
Die städtischen Verbände (communauté
urbaine) für Ballungsräume über 500 000
Gemeinden,
·
Die Agglomerationsverbände (communau-
té d´agglomération) für Räume mit einer
Einwohnerzahl von mindestens 50 000
Einwohnern und einer Zentrumsgemeinde
mit mindestens 15 000 Einwohnern,
·
Und die Kommunalverbände (commu-
nauté de commune) für den ländlichen
Raum.
Zwei unterschiedliche Planungssysteme - Frankreich
10
19
vgl. L
ANG
2003: 46; G
ROENEWALD
mdl. 11/2005; L
A
DOCU
-
MENTATION
FRANCAISE
1989: 45
20
B
UNDESAMT
FÜR
R
AUMENTWICKLUNG
ARE 2004: 1
21
B
UNDESAMT
FÜR
R
AUMENTWICKLUNG
ARE 2004: 3ff

Hinzu kommen lediglich die Gemeindesyndi-
kate mit Aufgaben interkommunaler Zusam-
menarbeit im Dienstleistungsbereich. Darunter
versteht man das Syndicat Intercommunal
à Vocation Unique (SIVU) und das Syndicat
Intercommunal à Vocation Multiple (SIVOM).
Beide Zweckverbände sind auf freiwilliger Ba-
sis und dienen einem (SIVU) oder mehreren
Aufgabenbereichen (SIVOM).
22
Zwei unterschiedliche Planungssysteme - Frankreich
Im Rahmen solcher Kooperationsformen kann
dann ein SCOT nach dem SRU-Gesetz erar-
beitet werden. Der SCOT legt die Raumorgani-
sation und ­entwicklung für 10 Jahre fest und
hat die Unterstützung der Wirtschaftsentwick-
lung, die Kontrolle der Verkehrsorganisation,
den Erhalt der natürlichen Ressourcen, eine
diversifizierte Wohnpolitik und eine kontinuierli-
che Prävention von Risiken zum Ziel.
23
11
23
B
UNDESAMT
FÜR
R
AUMENTWICKLUNG
ARE 2004: 4
22
C
HRISTADLER
U
TTERWEDE
1999: 368

3.2 P
LANUNG
IN
DER
B
UNDESREPUBLIK
D
EUTSCHLAND
In Deutschland leben ungefähr 82 071 000
Menschen, was einer Bevölkerungsdichte von
230 Einwohnern pro km² entspricht. Diese
hohe Bevölkerungsdichte liegt weit über dem
europäischen Durchschnitt von 116 Einwoh-
nern pro km².
24
3.2.1 Die Verwaltungs-
strukturen
Die Bundesrepublik Deutschland repräsentiert
einen föderalen Staatenbund mit 16 Ländern
und Gewaltenteilung zwischen Bund und Län-
dern.
Die Verwaltungsebene Deutschlands ist
zweistufig aufgebaut. Somit gilt der Bund als
oberste Ebene, Gemeinden, Regionen und
Länder als untere. Auf jeder Ebene sind alle
Zuständigkeiten angesiedelt, es ändern sich
nur die Schwerpunkte und der zu betrachtende
Maßstab.
Diese Mehrschichtigkeit des Verwaltungsappa-
rates ist hierarchisch geordnet, die jeweils hö-
here Behörde ist für eine weiter unten stehen-
de Behörde (auf lokalem Niveau) weisungsbe-
rechtigt. Dieses Prinzip der gegenseitigen Ein-
flussnahme, auch Gegenstromprinzip genannt,
vereinigt das Bottom-up-Prinzip (Planung von
unten nach oben) mit dem Top-down-Prinzip
(Planung von oben nach unten).
Gebietskörperschaften
Als Gebietskörperschaften zählen der Bund
und die 16 Bundesländer mitsamt den Ge-
meinden.
Die Hauptaufgabe des Bundes ist die Gesetz-
gebung, die jedoch ebenso über die Vertreter
der Länder (Bundesrat) mitbestimmt wird.
Demnach ist der Bund dem föderalen Staats-
aufbau zufolge lediglich zu Rahmenkompeten-
zen befugt, während den Ländern und Gemein-
den die ausführende Kompetenz zukommt. Die
Folge sind 16 verschiedene Ausprägungen der
Bundesgesetzgebung.
25
Als Ergebnis der territorialen Neugliederung
Deutschlands nach 1945 entstanden die Län-
der. Sie waren erste staatliche Verwaltungsein-
heit und formten dann zusammen den Bund
als konstitutives Element. Die Verfassungen
der Bundesländer traten ab 1947 in Kraft in
Folge der Neuordnung der Besatzungszonen.
Mit der deutschen Wiedervereinigung 1990
wurden fünf weitere Bundesländer errichtet.
26
Abbildung 4 zeigt die insgesamt 16 Länder der
Bundesrepublik Deutschland. An Frankreich
grenzen die Bundesländer Rheinland-Pfalz,
Baden-Württemberg und das Saarland an, im
Rahmen dieser Diplomarbeit wird der Fokus
auf Baden-Württemberg gerichtet. Die Verwal-
tungsorganisation der Bundesländer gliedert
sich dreistufig, in die Landesregierung bzw.
das Ministerium, die Regierungspräsidien und
die Landkreise oder kreisfreien Städte. Jeder
Flächenstaat ist in Landkreise unterteilt, sie
gelten als Gebietskörperschaft, haben jedoch
keine Raumplanungskompetenzen inne. Ins-
gesamt gibt es in Deutschland 323 Landkreise
und 117 Kreisstädte (Kreisstädte übernehmen
die Aufgaben eines Landkreises, bilden jedoch
als Stadt einen eigenen Kreis).
27
Zwei unterschiedliche Planungssysteme - Deutschland
12
24
S
TATISTISCHES
B
UNDESAMT
D
EUTSCHLAND
2005
25
F
ÜRST
S
CHOLLES
2004: 4
26
W
IKIPEDIA
2006
27
I
NFOBEST
2005 und W
IKIPEDIA
2006a

Abb. 4: Bundesländer in Deutschland
Die Gemeinde zählt als Gebietskörperschaft
mit zu den Bundesländern, ist aber die kleinste
selbstständige territoriale Einheit. Aufgrund
mehrerer Gebietsreformen in den Jahren
1965-1979 konnte die große Anzahl an Ge-
meinden stark verringert werden, heute zählt
Deutschland 16 061 Gemeinden.
28
3.2.2 Das Planungssystem
In Deutschland wurde ein flächendeckendes
hierarchisches System von Raumordnungs-
plänen entwickelt, um durch Abwägung aller
Raumansprüche eine raumordnerische Ziel-
setzung festzusetzen. Die Raumplanung ist auf
allen Ebenen institutionalisiert und hat einen
hohen Koordinierungsbedarf. Sie besitzt keine
eigenen Mittel zur Durchsetzung ihrer Ziele.
Bedingt durch den dezentralen Staatsaufbau,
existiert in Deutschland kein steuerndes Zen-
trum. Stattdessen spricht man von einem ,,Netz
Zentraler Orte mit unterschiedlicher Bedeu-
tung"
29
. Zusammen gesetzt ist dieses Netz aus
vielen Ober- und Mittelzentren unterschiedli-
cher Spezialisierung, welche gesamträumlich
koordiniert werden muss.
Seit der Wiedervereinigung Deutschlands
stellen die räumlichen Disparitäten eine gro-
ße Herausforderung für die Regionalplanung
dar. Diese sind nicht nur zwischen Ost- und
Westdeutschland zu finden, sondern existieren
ebenso zwischen dem ländlichen und dem ur-
banen Raum, wobei diese auch in sich keine
homogenen Standorttypen darstellen.
Herausforderung hierbei ist allgemein der
Umgang mit begrenzten Ressourcen und der
Verlust von Freiräumen.
30
Ebenso wie sich der administrative Aufbau in
unterschiedliche Verwaltungseinheiten unter-
gliedert, so existieren unterschiedliche Pla-
nungsebenen, wie in Tabelle 2 dargestellt.
Bund mit Rahmengesetzgebung
Der Bund an sich hat keine Planungskompe-
tenzen, dennoch ist er für die Raumplanung
mitverantwortlich. Den im Raumordnungsge-
setz in den §§1 und 2 festgehaltenen Grund-
sätzen muss der Bund gerecht werden. Außer-
dem sind die Raumnutzungspläne verbindlich
und gelten somit auch für den Bund. Dies
geschieht durch das zuständige Ministerium,
im Moment das Ministerium für Verkehr-, Bau-
und Wohnungswesen.
Zwei unterschiedliche Planungssysteme - Deutschland
13
28
I
NFOBEST
2005
29
F
ÜRST
S
CHOLLES
2004: 6
30
ebenda: 6

Durch die Ministerkonferenz für Raumordnung
(MKRO), einer Koordination von Bund und
Ländern, versucht der Bund mehr Einfluss zu
nehmen, und stellt unverbindliche raumordne-
rische Leitbilder und Orientierungsvorstellun-
gen auf. Eine weitere Steuerungsmöglichkeit
besteht durch geförderte Modellvorhaben.
31
Bereits im Grundgesetz steht, dass der Bund
Rahmengesetzgebungskompetenz über die
Raumordnung inne hat und die Länder deren
Umsetzung durchführen sollen (Art. 75 Absatz
1 und Artikel 30 Grundgesetz). Durch das Bun-
desraumordnungsgesetz (ROG) werden die
Inhalte und Aufgaben weiter erläutert.
32
Bundesländer mit Landesplanung
Aufgabe der Landesplanung ist, die raumpla-
nerischen Belange gegenüber dem Bund und
der EU zu vertreten. Das Ziel einer nachhalti-
gen Raumentwicklung impliziert das Schaffen
und Gewährleisten gleichwertiger Lebens-
verhältnisse in der Bundesrepublik, günstiger
wirtschaftlicher Entwicklungsperspektiven und
gesunder Umweltbedingungen.
33
Der Untersuchungsraum dieser Arbeit liegt in
Baden-Württemberg, weshalb im Folgenden
deren Landesplanung vertieft betrachtet wird.
Der Landesentwicklungsplan Baden-Württem-
berg wird für das gesamte Bundesgebiet aufge-
stellt und ist verpflichtend. Die Landesplanung
ist nicht parzellenscharf, sie ,,enthält mitunter
Zielkonflikte, die [...] auf der Regionalebene
­ unter Berücksichtigung der konkreten regio-
nalen Belange ­ bereinigt werden müssen"
34
.
In Baden-Württemberg liegt diese erste Stufe
der Bundesverwaltung im Wirtschaftsministe-
rium
35
.
Regionalplanung
Regionalplanung ist in Deutschland die über-
gemeindliche Planung, mit dem Ziel der Koor-
dination und Abstimmung mit sich aus der Lan-
desplanung ergebenden Zielen und Anforde-
rungen. Die Aufgaben dieser Planungsebene
ist die vorausschauende, zusammenfassende,
überörtliche und überfachliche planerische Un-
terstützung der Entwicklung einer Region. Dies
beinhaltet auch die Aufgabe der räumlichen
Koordination mit den anderen Fachressorts
wie der Straßenbauplanung, der wasserwirt-
schaftlichen Planung, oder der Landschafts-
rahmenplanung.
36
Planungsraum
Zuständigkeiten
Plan / Programm
Gesetzesgrundlage
Bund
Raumordnungsrahmenkompetenz Raumordnungspolitischer
Handlungsrahmen
Raumordnungsgesetz,
GG §75, §30
Bundesland Baden-
Württemberg
Landesplanung
Landesentwicklungsplan
Baden-Württemberg
Landesplanungsgesetz
Baden-Württemberg
Region
Regionalplanung
Regionalplan
Landesplanungsgesetz
Baden-Württemberg
Gemeinde und kreisange-
hörige Städte
Kommunalplanung
Flächennutzungsplan und
teilweise Bebauungsplan
BauGB
Kommunalverbände z.B.
Region Freiburg
zugesprochene Kompetenzen
Tab. 2: Übersicht der Planungsebenen in Deutschland bzw. Baden-Württemberg (F
ÜRST
S
CHOLLES
2004: 41, verändert)
Zwei unterschiedliche Planungssysteme - Deutschland
14
31
ebenda: 38
32
ebenda: 36f
33
W
IRTSCHAFTSMINISTERIUM
B
ADEN
-W
ÜRTTEMBERG
2006a
34
F
ÜRST
S
CHOLLES
2004: 37ff
35
W
IRTSCHAFTSMINISTERIUM
B
ADEN
-W
ÜRTTEMBERG
2006b
36
F
ÜRST
S
CHOLLES
2004: 45ff

Als Mittler zwischen der übergeordneten In-
stanz der Landesplanung und dem kommu-
nalen Wirkungskreis (Gegenstromprinzip) ist
die Regionalplanung bundeslandabhängig in
den Landesplanungsgesetzen geregelt. Je
nachdem, ob sie stärker von den Gemein-
den oder dem Staat durchgeführt werden
soll, übernehmen Regionalverbände oder die
Bezirksregierung die Aufgaben der Regio-
nalplanung. In Baden-Württemberg erstellen
Regionalverbände die Regionalpläne und sind
somit planende Institution, während das Regie-
rungspräsidium als Ordnungsbehörde auftritt.
Im Gebiet des Eurodistriktes betrifft dies den
Regionalverband Südlicher Oberrhein und das
Regierungspräsidium Freiburg.
Aufgrund der kommunalen Planungshoheit
dürfen diese Regionalpläne nicht parzellen-
scharf sein, um den Gemeinden noch genü-
gend Spielraum zu geben. Ziele des Regional-
plans sind einerseits die Optimierung der Sied-
lungsstruktur und andererseits die Sicherung
und Verbesserung der Umweltqualität. In den
letzten Jahren rückt auch die Regionalentwick-
lung immer mehr in den Vordergrund, wie die
Positionierung der Region im globalen Regi-
onalisierungsprozess und die Verbindung mit
wirtschaftlichen Standortbedingungen.
37
Die Inhalte des Regionalplans sind Grundsät-
ze, Ziele und Empfehlungen, und werden meist
mittels persuasiver Steuerung von Seiten der
Planer durchgesetzt, also mithilfe von Über-
zeugung und Beratung.
38
Die dritte Stufe des Verwaltungsaufbaus eines
Bundeslandes, die Landkreise und kreisfreien
Städte, gelten ebenso als Gebietskörperschaf-
ten, tragen jedoch keine planungsrelevanten
Kompetenzen. Aus diesem Grund werden sie
nicht weiter ausgeführt.
Kommunalplanung
Die Gemeinden sind zuständig für die Bauleit-
planung, geregelt durch das Baugesetzbuch
(BauGB). Aufgabe der Bauleitplanung ist die
inhaltliche und räumliche Gesamtplanung des
Gemeindegebietes. Hierzu müssen die unter-
schiedlichen Belange abgewägt und in mehre-
ren Stufen Bürger beteiligt werden.
39
Die Flächennutzungsplanung als vorbereiten-
de Bauleitplanung mit dem Flächennutzungs-
plan wird auf dem gesamten Gemeindegebiet
erstellt und weist den Flächen Funktionen zu
(Wohnsiedlung, Gewerbegebiet etc.).
Für Teilgebiete des Flächennutzungsplanes,
vor allem in Siedlungsbereichen, werden Be-
bauungspläne erstellt (§§ 8ff BauGB). Durch
die kommunale Planungshoheit kommt den
Gemeinden in Deutschland ein großes Steue-
rungspotenzial zugute. So liegt der Bedarf und
die Aufstellung von Bebauungsplänen in der
Hand der Gemeinde. Diese Pläne sind parzel-
lenscharf.
39
Zwei unterschiedliche Planungssysteme - Deutschland
15
37
ebenda: 45f
38
ebenda: 46f
39
ebenda: 48

Zwei unterschiedliche Planungssysteme - Unterschiede und Gemeinsamkeiten
Für ein besseres Verständnis der Gemeinsam-
keiten und Unterschiede der Verwaltungs- und
Planungssysteme Deutschlands und Frank-
reichs, werden sie hier nochmals gegenüber
gestellt. Der analysierenden Beschreibung
folgend werden zunächst allgemeine, grund-
legende Unterschiede und Gemeinsamkeiten
dargestellt, im Anschluss daran die Gesetzes-
grundlagen und die zur Verfügung stehenden
Instrumente verglichen. Abschließend werden
die Gebietskörperschaften und deren Zustän-
digkeitsbereiche hinsichtlich der grenzüber-
schreitenden Zusammenarbeit näher betrach-
tet (vgl. Tabelle 1 und 2).
Verwaltungsaufbau
Generell unterscheiden sich der administrative
Aufbau Deutschlands und Frankreichs durch
die grundlegend verschiedenen Staatsformen,
dem Föderalismus und dem zentralistisch
geprägten Staat. Gemeinsam ist den beiden
Staaten, dass sie die Raumplanung bzw. Re-
gionalplanung in ihrer Verwaltung institutiona-
lisiert haben. Während sich Frankreich gerade
in einem Umstrukturierungsprozess befindet,
steht das deutsche Verwaltungssystem aktuell
unter großer Kritik und Diskussion. Ein wei-
terer grundlegender Unterschied liegt in der
Weisungsbefugnis. Während in Frankreich die
Gebietskörperschaften nicht weisungsberech-
tigt sind, findet sich in Deutschland ein streng
hierarchischer Aufbau der Gebietskörperschaf-
ten.
3.3 U
NTERSCHIEDE
UND
G
EMEINSAMKEITEN
DER
BEIDEN
P
LANUNGSSYSTEME
Gesetzesgrundlagen
Gemeinsam haben beide Planungssysteme,
dass sie durch offizielle Gesetze verankert
sind. An welche administrative Ebene diese
Gesetze jeweils anknüpfen ist jedoch unter-
schiedlich. In Frankreich geht die Initiative
vom Staat aus, in Deutschland greifen meist
länderspezifische Regelungen und Gesetze.
Diese Unterschiede resultieren aus einem lan-
ge Zeit zentralistisch regiertem Staat auf dem
Weg zur Décentralisation und einem seit 50
Jahren föderalistisch strukturiertem Staat.
Planerische Instrumente
Instrumente zur Steuerung von planerischen-
Belangen existieren in jedem der beiden
Staaten. Der Unterschied liegt wiederum da-
rin, dass diese an unterschiedlichen Stellen
ansetzen. Den französischen Ansatz kann
man mit dem Stichwort Investitionsplanung
zusammenfassen, die Gebietskörperschaften
haben direkte Geldmittel zur Verfügung. Der
deutsche Ansatz kann mit dem Stichwort per-
suasive Steuerung charakterisiert werden. Das
bedeutet, dass durch Überzeugung und Über-
redung die Akteure das Ziel verstehen und
danach handeln. In den letzten Jahren kann
man im Bereich der Planungsinstrumente eine
langsame europaweite Annäherung erkennen.
Dieser Prozess basiert hauptsächlich auf For-
derungen der EU.
16

Gebietskörperschaften
Gemeinsam ist Deutschland und Frankreich
die relativ klare Aufteilung des Staatsgebietes
in Gebietskörperschaften und Regionen. Je-
doch sind diese Gebietskörperschaften unter-
schiedlich aufgebaut und haben zudem andere
Zuständigkeitsbereiche. Um herauszufinden,
welche Gebietskörperschaften zusammenar-
beiten sollen, spielen diese Kompetenzberei-
che jedoch eine große Rolle. Insofern wird die
oftmals als ,,Vergleichsfalle" titulierte Kernfrage
der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit
deutlich, eine der großen Schwierigkeiten der
Kooperation. Diese Frage nach den Zuständig-
keiten kann man nicht generell beantworten,
sie muss im themenorientierten Kontext ge-
nauer betrachtet werden.
Zuständigkeitsbereiche
Die Zuständigkeitsbereiche für planungsrele-
vante Entscheidungen und Untersuchungen
unterscheiden sich in Frankreich und Deutsch-
land grundlegend.
In Frankreich sind die Zuständigkeitsbereiche
der Gebietskörperschaften nicht sehr scharf
getrennt, in einigen Bereichen können bei-
spielsweise Région und Département Kompe-
tenzen inne haben. Jedoch weisen die Kom-
petenzbereiche Schwerpunkte auf. Aus den
Überschneidungen der Kompetenzbereiche
werden Konflikte und Konkurrenzsituationen
deutlich. So hat z.B. die Région den Auftrag,
die Regionalplanung zu konkretisieren, doch
die Zuständigkeit für infrastrukturelle Angele-
genheiten ist bei den Départements angesie-
delt.
In Deutschland hingegen sind Planungskomp-
etenzen auf allen Ebenen verankert, es ändert
sich lediglich der Maßstab und die Ausführung.
Hinzu kommen in Deutschland die Fachres-
sorts, die zwar übergeordnet Teil der Regional-
planung sind, doch eine andere Stellung inne
haben.
Hinzu kommen gesellschaftspolitische Be-
sonderheiten der beiden Staaten, die in den
informellen Kooperationen und dem Informa-
tionsfluss eine entscheidende Rolle spielen
können. Am Rande erwähnt werden soll nur
die Möglichkeit in Frankreich, Mandatsträger
mehrerer Ämter zu sein und damit eine hohe
Machtpositionen einzunehmen. Dies kann
sich negativ oder positiv auswirken, einerseits
können politische Willensträger eine Zusam-
menarbeit erschweren oder auf informellem
Weg überhaupt erst möglich machen. Auch in
Deutschland nehmen die Bürgermeister einen
großen Machtstatus ein, doch sind mit Frank-
reich vergleichbare Amtsperioden nicht sehr
häufig.
40
Zwei unterschiedliche Planungssysteme - Unterschiede und Gemeinsamkeiten
17
40
C
HRISTADLER
U
TTERWEDDE
1999: 370; L
ANG
2003: 41

Deutsch-französische Zusammenarbeit - Institutionen
4 D
EUTSCH
-
FRANZÖSISCHE
Z
USAMMENARBEIT
4.1 I
NSTITUTIONALISIERTE
Z
USAMMENARBEIT
IM
G
RENZGEBIET
Die zunehmende Europäisierung rückt immer
mehr in unser Bewusstsein, nicht nur durch
die EU-Erweiterung und das jüngst kontrovers
diskutierte Verfassungsvotum. Die europäi-
sche Dimension wird insbesondere entlang
der Binnengrenzen spürbar, es entwickeln sich
neue Zentren europäischer Lebenswirklichkeit.
Diese Räume dürfen nicht mehr als nationale
Randgebiete gelten und als lokales, peripheres
Phänomen abgetan werden, sondern müssen
im Rahmen ihrer Bedeutung im Zentrum Eu-
ropas wahrgenommen und weiter entwickelt
werden.
Um Möglichkeiten und Grenzen der gegen-
wärtigen Zusammenarbeit zu analysieren, wird
zunächst die Politik der deutsch-französischen
Kooperation dargestellt. Grundsätzlich verfolgt
die grenzüberschreitende Zusammenarbeit
das Ziel, ,,traditionelle intraräumliche Aus-
tausch- und Verflechtungszusammenhänge
zu reaktivieren, zu intensivieren oder zu er-
leichtern, alte Kulturräume zu reanimieren,
für räumlich eingrenzbare politische Aufga-
benstellungen problemnahe, also regionale
Lösungen zu suchen und einen Beitrag zum
,Aufbau Europas von unten' zu leisten, indem
grenzüberschreitende bürgerschaftliche und
gebietskörperschaftliche Initiativen gefördert
wurden"
41
.
Folge dieser Förderpolitik ist ein ,,äußerst
komplexes, kaum noch transparentes Geflecht
sehr verschiedenartiger Organisationsformen,
institutioneller und informeller Arbeitsstruktu-
ren und Handlungsfelder"
42
, die im Folgenden
zusammenfassend vorgestellt werden.
Abbildung 5 zeigt einen Überblick aller in-
stitutionalisierten Kooperationsstrukturen im
deutsch-französischen Grenzgebiet. Hierzu
zählen staatliche Institutionen, aber auch über-
lokal wirkende Vereine und Institutionen. Im
deutsch-französischen Grenzgebiet sind dies
die Oberrheinkonferenz, die Euregios PAMINA
und TriRhena, die Großregion SaarLorLux und
die Eurodistrikte, die sich aktuell in der Grün-
dungsphase befinden.
Tabelle 3 gibt einen Überblick über die Instituti-
onen und Bearbeitungsthemen, die im Bereich
der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit
tätig sind.
Der Vergleich dieser Kooperationsformen
zeigt, wie vielfältig sie sind. Die Einwohnerzahl
der Projektgebiete schwankt zwischen 1,5 Mio.
(PAMINA) und 11,2 Mio. (Großregion SaarLor-
Lux), ebenso wie die Fläche von 5 000 km²
bis zu 65 000km². Die Kooperationspartner
sind Deutschland, Frankreich, aber auch die
Schweiz, Luxemburg und Belgien.
Klare Unterschiede sind hinsichtlich der Ko-
operationsvereinbarungen sichtbar: während
sich die Eurodistrikte und die Euregios auf das
Karlsruher Abkommen (vgl. Kapitel 5) stützen,
dienen ansonsten spezifische Regierungs-
vereinbarungen oder Vorschriften der EU als
Grundlage der Zusammenarbeit.
18
41
G
ÖTSCHEL
2004: 14
42
B
AASNER
N
EUMANN
2005: 88
Ende der Leseprobe aus 127 Seiten

Details

Titel
Der Eurodistrikt als Chance der grenzüberschreitenden Regionalplanung?
Untertitel
Potenziale, Grenzen und Perspektiven der deutsch-französischen Regionalplanung
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
1.3
Autor
Jahr
2006
Seiten
127
Katalognummer
V186152
ISBN (eBook)
9783869438849
ISBN (Buch)
9783867468923
Dateigröße
1958 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
am Beispiel des Eurodistrikt Region Freiburg / Centre et Sud Alsace
Schlagworte
eurodistrikt, chance, regionalplanung
Arbeit zitieren
Meike Levin-Keitel (Autor), 2006, Der Eurodistrikt als Chance der grenzüberschreitenden Regionalplanung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186152

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Eurodistrikt als Chance der grenzüberschreitenden Regionalplanung?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden