Liebeslyrik aus unterschiedlichen Jahrhunderten - Vergleich zweier Gedichte von Francesco Petrarca und Ulla Hahn im Hinblick auf ihr Liebesverständnis


Seminararbeit, 2003
24 Seiten, Note: 2

Leseprobe

INHALT

1. Einleitung
1.1 Texte
1.2 Fragestellung

2. Francesco Petrarca
2.1 Petrarkismus
2.2 Beschreibung der Form des Gedichtes
2.3 Analyse des Inhalts unter Berücksichtigung der Stilmittel…
2.4 Aussage des Gedichtes im Hinblick auf das Liebesverständnis von Petrarca

3. Ulla Hahn
3.1 Populärste Lyrikerin der achtziger Jahre
3.2 Beschreibung der Form des Gedichtes…
3.3 Analyse des Inhalts unter Berücksichtigung der Stilmittel…
3.4 Liebesverständis von Ulla Hahn

4. Fazit: Vergleich der Gedichte

5. Literatur

1. Einleitung

1.1 Texte

Francesco Petrarca

CXXXII[1]

S'amor non è, che dunque è quel ch'io sento?
Ma, s'egli è Amor, per Dio che cosa e quale?
Se bona, onde l'effecto aspro mortale?
Se ria, onde sí dolce ogni tormento?

S'a mia voglia ardo, onde 'l pianto e lamento?
S'a mal mio grado, il lamentar che vale?
O viva morte, o dilectoso male,
come puoi tanto in me, s'io nol consento?

Et s'io 'l consento, a gran torto mi doglio.
Fra sí contrari vénti in frale barca
mi trovo in alto mar, senza governo,

sí lieve di saver, d'error sí carca,
ch' i' medesmo non so quel ch'io mi voglio;
e tremo a mezza state, ardendo il verno.

Übersetzung (Martin Opitz)[2]:

Francisci Petrarchae [3]

1 Ist Liebe lauter nichts / wie daß sie mich entzündet ?
Ist sie dann gleichwol was / wem ist jhr thun bewust ?
Ist sie auch gut vnd recht / wie bringt sie böse Lust ?
Ist sie nicht gut / wie daß man Frewd’ aus jhr empfindet ?
5 Lieb’ ich ohn allen Zwang / wie kan ich Schmertzen tragen ?
Muß ich es thun / was hilfft`s / daß ich solch Trawren führ ?
Heb` ich es vngern an / wer ists / wer dann befihlt es mir ?
Thue ich es gern’ / vmb was hab` ich zu klagen ?
Ich wancke / wie das Gras so von den kühlen Winden
10 Vmb Vesperzeit bald hin geneiget wird / bald her:
Ich walle wie ein Schiff das durch das wilde Meer
Von Wellen vmbgejagt nicht kan zu rande finden.
Ich weis nicht was ich wil / ich wil nicht was ich weis /
Im Sommer ist mir kalt / im Winter ist mir heiß.

Ulla Hahn: Anständiges Sonett (1981)[4]

Schreib doch mal

ein anständiges Sonett

St. H.

1

Komm beiß dich fest ich halte nichts

vom Nippen. Dreimal am Anfang küß

mich wo’s gut tut. Miß

4 mich von Mund zu Mund. Mal angesichts

2

der Augen mir Ringe um

und laß mich springen unter

der Hand in deine. Zeig mir wie’s drunter

8 geht und drüber. Ich schreie ich bin stumm.

3

Bleib bei mir. Warte. Ich komme wieder

zu mir zu dir dann auch

11 »ganz wie im Kehrreim schöner alter Lieder«.

4

Verreib die Sonnenkringel auf dem Bauch

mir ein und allemal. Die Lider

14 halt mir offen. Die Lippen auch.

1.2 Fragestellung und Vorgehensweise

Die Hausarbeit trägt den Titel: „Liebeslyrik aus unterschiedlichen Jahrhunderten – Vergleich zweier Gedichte von Francesco Petrarca und Ulla Hahn im Hinblick auf ihr Liebesverständnis.“ Dabei vergleichen wir das Gedicht „Francisci Petrarchae“ von Martin Opitz und das Gedicht „Anständiges Sonett“ von Ulla Hahn im Hinblick auf ihr Liebesverständnis. Neben anderen Dichtern übersetzte auch Opitz das Sonett Nr. 132 aus dem Canzoniere, dass schon im 16. Jahrhundert sehr großen Anklang gefunden hatte und gab ihm die Überschrift „Francisci Petrarchae“, was übersetzt heißt: „Ein Sonett Petrarcas“. Durch einige Abänderungen versuchte er, die Aussage des Gedichtes noch weiter zu verdeutlichen. Aufgrund der starken Ausdruckskraft haben wir bei der Analyse die Übersetzung von Opitz verwendet.

Um die jeweils geschichtlichen und biographischen Hintergründe zu verdeutlichen, berichten wir in den Punkten 2.1 und 3.1 über den Petrarkismus und einige wichtige Lebensabschnitte Hahns. Anschließend beschreiben wir die Form und gehen unter Berücksichtigung der rhetorischen Figuren auf den Inhalt ein. Im Folgenden überprüfen wir anhand anderer Gedichte von Francesco Petrarca und Ulla Hahn, ob unsere ausgewählten Gedichte Ausnahmen sind oder sich Form und Thematik in anderen Texten fortsetzen. Dabei gehen wir speziell auf das Liebesverständnis ein. Im anschließenden Fazit vergleichen wir die Ergebnisse der analysierten Gedichte miteinander.

2 Francesco Petrarca

2.1 Petrarkismus

Als Petrarkismus bezeichnet man eine Renaissancebewegung, deren Urheber der Italiener Francesco Petrarca ist. Er hat im 14 Jahrhundert gelebt und ist ein Vorbild für die barocke Liebeslyrik in Deutschland. Sein bekanntestes Werk ist die „Canzoniere“ (= „Seufzer des Herzens“), eine Gedichtsammlung bestehend aus 366 Gedichten, davon 317 Sonetten, die hauptsächlich auf die Liebe Petrarcas zu einer Frau namens Laura basieren. Doch nicht die Geliebte ist Hauptthema der Gedichte, sondern der Liebende mit seinen Zweifeln, Ängsten und Problemen.

Laura war Petrarcas größte Liebe, sie starb 1348 an der Pest, was ihn sehr mitgenommen hat. Er erkannte daran, dass die Liebe einerseits etwas sehr Schmerzvolles ist, aber andererseits auch das, was das Leben eines Menschen lebenswert macht. Allerdings gibt es Kritiker, die davon ausgehen, dass die Liebe zu Laura rein fiktiv gewesen sei.[5]

Er selber bezeichnete seine Gedichte auch als „Verstreute Reime“ und seine Sammlung als „Fragmente der Volkssprache“ (Petrarca 2000, 23). Dies zeigt, dass Petrarca seine Gedichte nicht als Zusammenhang sah. Er wollte, dass man jedes Gedicht separat liest und versteht.[6]

Kennzeichnend für Petrarca ist, dass ein Motiv, wie die Liebe zu einer Frau, übertrieben zum Ausdruck gebracht, und damit verallgemeinert wird und dass die Konsequenz des Gedichtes im letzten Vers noch einmal zusammengenommen wird.

Petrarca wurde damit zum Vorbild für viele andere Dichter, unter anderem für Gryphius und Fleming. Diese Nachahmung wird allgemein als Petrarkismus bezeichnet. Auch Martin Opitz beschäftigte sich mit den Gedichten Petrarcas.

[...]


[1] aus: Francesco Petrarca Canzoniere (1987): Übersetzung von Karl Förster. Ausgewählt, eingeleitet und mit Anmerkungen versehen von Gerhard Regen. Mainz: Diederich’sche Verlagsbuchhandlung, S.128.

[2] aus: Meid, Volker (1982): Gedichte und Interpretationen. Renaissance und Barock. Band 1. Stuttgart: Reclam, S. 124.

[3] Martin Opitz gab dem Gedicht den Titel „Francisci Petrarchae“, was übersetzt heißt „Ein Sonett Petrarcas“.

[4] aus: Hahn, Ulla (1993): Liebesgedichte. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt.

[5] Vgl.: Meid, Volker (1982): Gedichte und Interpretationen. Renaissance und Barock. Band 1. Stuttgart: Reclam, S. 127.

[6] Vgl.: Tilmann, Winfried (2000): Francesco Petrarca. Canzoniere. Eine Auswahl. Italienisch/Deutsch. Ditzingen: Reclam, S. 23.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Liebeslyrik aus unterschiedlichen Jahrhunderten - Vergleich zweier Gedichte von Francesco Petrarca und Ulla Hahn im Hinblick auf ihr Liebesverständnis
Hochschule
Private Fachhochschule für Wirtschaft und Technik Vechta-Diepholz-Oldenburg; Abt. Vechta  (Germanistik)
Veranstaltung
Das Ich im Gedicht - Proseminar Literaturwissenschaft
Note
2
Autoren
Jahr
2003
Seiten
24
Katalognummer
V18714
ISBN (eBook)
9783638229968
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Liebeslyrik, Jahrhunderten, Vergleich, Gedichte, Francesco, Petrarca, Ulla, Hahn, Hinblick, Liebesverständnis, Gedicht, Proseminar, Literaturwissenschaft
Arbeit zitieren
Sarah Wielenberg (Autor)Jessica Frerking (Autor), 2003, Liebeslyrik aus unterschiedlichen Jahrhunderten - Vergleich zweier Gedichte von Francesco Petrarca und Ulla Hahn im Hinblick auf ihr Liebesverständnis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18714

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