Wirkt Entwicklungshilfe wirklich oder kann Entwicklungspolitik für ein Land schädlich sein?

Eine kritische Betrachtung der Entwicklungshilfe


Hausarbeit, 2011
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gründe für positive und für negative Entwicklung durch Entwicklungshilfe
a. positive Entwicklungen
b. negative Entwicklungen

3. Fehler der Entwicklungshilfe und der Humanitären Hilfe und dadurch entstandene Fehlentwicklungen

4. Fazit

1.Einleitung

Nicht erst mit der Hungerkatastrophe am Horn von Afrika rückt der richtige Einsatz von Entwicklungshilfe in den Fokus der Öffentlichkeit. Entwicklungszusammenarbeit wird geleistet, um die ökonomischen Unterschiede zwischen den Entwicklungsländern und den Industriestaaten abzubauen. Wie diese geleistet wird und wie genau das Geld schlussendlich verwendet wird ist immer wieder Anlass für Diskussionen. Allein im Jahr 2007 hat die internationale Staatengemeinschaft insgesamt 34,1 Mrd. Dollar, 2006 waren es sogar 40 Mrd. Dollar an Official Development Assistance an die Staaten der Subsahara Regionen gezahlt1. ODA wird definiert als Leistung, die von öffentlichen Stellen stammt und den ökonomisch sich entwickelnden Staaten entweder direkt oder über internationale Organisationen zur Verfügung gestellt wird. Was die ODA allerdings nicht umfasst ist die direkte Hilfe durch Nichtregierungsorganisationen, diese meist Technische Entwicklungshilfe ist in der Statistik der ODA nicht enthalten.

Trotz dieser beträchtlichen Summen schaffen es die meisten afrikanischen Staaten nicht ihr Armutsproblem effektiv zu bekämpfen. Nach dem Human Development Index der Vereinten Nationen befinden sich 40 der 50 ärmsten Staaten in Afrika2. Afrika ist der einzige Kontinent mit einer sinkenden Lebenserwartung und der Anteil Afrikas am

Welthandel hat sich in den letzten 20 Jahren halbiert und das trotz anhaltender Entwicklungshilfe.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Entwicklungshilfe und Wachstum in Afrika (5-Jahre gleitende Durchschnitte). Daten: ADI.

Im März 2010 veröffentlichten die Vereinten Nationen den „Report of the Monitoring Group on Somalia“3, in dem festgestellt wurde, dass nahezu die Hälfte der gesamten Nahrungsmittelhilfe des Welternährungsprogramms seinen eigentlichen Bestimmungsort nicht erreicht hat, sondern in die Hände von Warlords, deren Geschäftspartnern und lokalen Mitarbeitern gelangt ist. Gelangt die Hilfe nicht dort an, wofür sie bestimmt ist, ist die Entstehung von bestimmten Sekundäreffekten wahrscheinlich. Hieraus entstehen nun die Fragen, ob diese Gelder in der Folge ihrer Fehlleitung einen Schaden in Form von einer Intensivierung eines bestehenden Konfliktes bewirkt haben und ob dieser Vorgang unter Umständen hätte verhindert werden können und angenommen ja, mit welchen Mitteln bzw. ob Hilfe wirklich hilft. Ebenso wichtig ist die Frage nach den Gründen wieso Entwicklungshilfe nicht das bewirkt bzw. bewirkt hat, was damit bezweckt werden sollte, eine nachhaltige Entwicklung und Förderung des betreffenden Landes. So kam die Weltbank zu dem Schluss, dass Entwicklungsgelder dort positive Wachstumseffekte haben, wo Empfängerländer sich um geordnete Rechtsverhältnisse und um eine solide Finanzund Handelspolitik bemühten. Aber auch dieses Ergebnis blieb nicht unumstritten, so stellte das Deutsches Institut für Entwicklungspolitik folgenden „paradoxen Effekt“ fest:

„Nach wie vor liegen keine eindeutigen Befunde der makroquantitativen Aggregatdatenforschung zur Wirksamkeit der Entwicklungshilfe hinsichtlich der Steigerung des Wirtschaftswachstums vor.“4

Ziel diese Hausarbeit soll unter der Frage „ Wirkt Entwicklungshilfe wirklich oder kann Entwicklungspolitik für ein Land schädlich sein? “ die Wirksamkeit von Entwicklungshilfe untersuchen und eine Antwort auf die Frage liefern ob Entwicklungshilfe auch schädlich sein kann. Dazu wird anfangs auf die möglichen Gründe für eine positive Entwicklung durch Entwicklungshilfe und auf mögliche Gründe für eine negative Entwicklung durch Entwicklungshilfe eingegangen. Danach werden die Fehler in der Entwicklungshilfe und der Humanitären Hilfe aufgezeigt um im Anschluss entstandene Fehlentwicklungen durch Entwicklungshilfe herauszuarbeiten. Ziel soll es sein zu beschreiben, ob Humanitäre Hilfe in falsche Kanäle gelangen kann, um darauf aufbauend die daraus resultierenden kritischen Sekundäreffekte darzulegen.

Im Fazit werden mögliche Konsequenzen für die zukünftige Entwicklungshilfe diskutiert und mittels der gewonnenen Erkenntnisse die Entwicklungshilfe kritisch betrachtet und die zugrunde liegende Forschungsfrage „ Wirkt Entwicklungshilfe wirklich oder kann Entwicklungspolitik für ein Land schädlich sein? beantwortet.

2. Gründe für positive und für negative Entwicklung durch Entwicklungshilfe

a. positive Entwicklung

Bevor auf die Gründe für eine positive bzw. negative Entwicklung eines Landes durch Entwicklungshilfe eingegangen wird, ist es wichtig zu klären wie genau Wirksamkeit gemessen wird und was genau das Ziel von Entwicklungshilfe sein soll. Der Entwicklungshilfeausschuss der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sieht die „ökonomische Entwicklung und Wohlfahrt“ als Hauptaufgabe der Entwicklungshilfe. Wie umfassend dies dabei verstanden werden soll, darauf gab bereits Gunnar Mrydal 1974 eine Antwort bei seinem Versuch, den Begriff der Entwicklung handhabbar zu machen:

„By development I mean the movement upward of the entire social system […]. This social system encloses, besides the so-called economic factors, all noneconomic factors, including all sorts of consumption by various groups of people; consumption provided collectively; educational and health facilities and levels; the distribution of power in society; and more generally economic, social, and political stratification; […]”5

Selbst wenn man nur die Millennium Goals als Zielfaktoren bestimmt, ergibt sich ein sehr heterogenes Bild von zu erreichenden Zielgrößen, nicht alle davon mit klar messbaren Indikatoren. Eine Analyse so vieler Zielfaktoren ist schwer machbar. Daher beschränkt man sich häufig auf das ökonomische Wachstum. Dieses ist zum einen Selbstziel, zum anderen aber auch notwendige Bedingung, um andere Entwicklungsziele zu erreichen.

Eine Wirksamkeitsbeurteilung setzt immer einen Abgleich von Soll- mit Ist-Zustand voraus. Dafür ist es zunächst notwendig, die Ziele und Motive für Entwicklungshilfe herauszuarbeiten. Schnell stellt man fest, das die politisch verkündeten Ziele so vielfältig sind, dass diese eine methodische Beurteilung schwierig machen. Daher wird in der wissenschaftlichen Literatur meist ein Schwerpunkt auf die Wachstumsförderung gelegt. Bisher war es schwierig einen eindeutigen Nutzen aus Entwicklungshilfe auf makroökonomischer Ebene zu beweisen. Eine vielfach herangezogene Erklärung dafür kam von Burnside und Dollar, die zeigten, dass die Wirksamkeit von der Politikqualität des Empfängerlandes abhängt. Ausgehend von diesem Ergebnis wurden von Collier und Dollar Politikimplikationen vorgestellt, um die Effektivität der Entwicklungshilfe zu steigern. Danach verlagerte sich der Fokus zunehmend auf die Frage nach den Bedingungen, unter denen Entwicklungshilfe wirksam werden würde. Im folgenden wird auf 3 Thesen genauer eingegangen.

Laut Burnside und Dollar ist die Politikqualität des Empfängerlandes entscheidend für einen positiven Einfluss von Entwicklungshilfe.6 Vergleicht man nun das Ranking im Korruptionsindex von Transparency International7 und dem Ranking des Human Development Index der UNO, erkennt man, dass Staaten mit hoher Korruption auch einen niedrigeren Rang im HDI einnehmen. Entwicklungshilfe ist also nur in Ländern wirksam, welche eine hohe Politikqualität, gesicherte Eigentumsrechte sowie eine niedriges Korruptionslevel aufweisen.

Die zweite These ist, dass der Einfluss der Entwicklungshilfe von deren Art abhängt. Manche Hilfen werden keinen Einfluss auf das Wachstum haben (z.B. Nothilfe), andere werden kurzfristig wirken (Investitionen in Infrastruktur) und wieder andere, wie die Förderung der Demokratie, greifen eher langfristig. Dies soll allerdings nicht bedeuten das aus wirtschaftlichen Gründen keine Nothilfe mehr geleistet werden soll. Die Entwicklungspolitik ist von zwar Interessen geleitet, aber auch von Werten. Was bedeutet, dass in vielen Fällen wirtschaftliche Gesichtspunkte nur eine untergeordnete Rolle spielen dürfen bzw. spielen. Es ist folglich also zu begrüßen, dass es in den letzten Jahren einen Wandel in der Entwicklungshilfe gegeben hat. Es wurde erkannt das wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Strukturreformen nötig sind. Und es Verhaltensänderungen der häufig korrupten politischen Führungsgruppen geben muss. Korruptionsbekämpfung, Nation Building, Aufbau von Verwaltungsstrukturen, gute Re]gierungsführung, also Good Governance, funktionstüchtige Rechts- und Verwaltungsstrukturen spielen eine prominentere Rolle als früher. Es wurde ebenfalls erkannt, das diese Punkte der Grundstein für in- und ausländischen Investitionen sind.

Die dritte These lautet: Entwicklungshilfe kann in ihrer Wirksamkeit durch beständige strukturelle Bedingungen eines Landes beeinflusst werden, z.B. dessen geografische Lage. Welchen Einfluss hat zum Beispiel die Lage des Landes auf die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln. Wichtig dabei sind ebenfalls soziale Strukturen im Land, wie auch die ethnische Zusammensetzung. Ein Land, das viele verschiedene Ethnien aufweist birgt ein größeres Risiko von Konflikten unterhalb dieser Gruppen. Staatliche Unterstützung für die Ärmsten entspricht gewöhnlich weder den Sitten noch den politischen Prioritäten der Herrscher in der Dritten Welt. Dies wird besonders deutlich in Ländern mit unterschiedlichen Rassen, Stämmen oder Kulturkreisen.

Ein Großteil der Ökonomen ist der Meinung das Entwicklungshilfe wirkt. Das ist weniger einer „weil nicht sein kann, was nicht sein darf“-Einstellung geschuldet als vielmehr den positiven Erfahrungen auf der Mikroebene. Die zugrunde liegenden Motive für Entwicklungshilfe , seien sie handelsstrategischer oder machtpolitischer Art , weichen von den öffentlich geäußerten Zielen wie Armutsbekämpfung ab. Vielleicht ist es einfach zu viel verlangt, dass Entwicklungshilfe zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen soll.

b. negative Entwicklung

Bereits in den 60er Jahren kam erste Kritik an der Praxis der betriebenen Entwicklungshilfe auf, so sprach bereits 1964 der Soziologe Richard Behrendt davon, das neben dem Technologietransfer in die Entwicklungsländer parallel auch eine gesellschaftliche Entwicklung erfolgen müsse.8 Bereits zu diesem Zeitpunkt warnte er davor, dass durch eine ungleiche Verteilung der Entwicklungshilfe unter Umständen eine kleine „Entwicklungselite“ entstehen und sich als herrschende Klasse manifestieren könne. Durch den zu schnell angestrebten Wechsel hin zu einer westlich orientierten Gesellschaft seien die traditionellen Macht- und Ordnungssysteme bankrott. Laut Behrendt bilde sich stattdessen ein starkes Streben in Richtung Nationalstaat heraus, dessen Folge eine äußere Abgrenzung, in Form von territorialen Konflikten und danach eine innere Abgrenzung, durch die Benachteiligung bestimmter Volksgruppen sei. Richard Behrendt zieht daraus den Schluss, das der betriebenen Entwicklungspolitik eine grundlegende Systematik fehle, allenfalls sei diese improvisiert.9 Albert Hirschman sieht genau wie Behrendt soziokuturelle Faktoren als entwicklungshemmend. Laut Gunnar Myrdal vollziehen Entwicklungsländer, notwendige politische, ökonomischen und bildungspolitischen Reformen nicht. Myrdal schreibt dem „schwachen Staat“ einen wesentlichen Teil der Verantwortung zu, der durch seine Laxheit und Willkür die Menschen dazu anstiftet sich der öffentlichen Ordnung zu entziehen.10

Wie auch andere Politikfelder in Deutschland, so unterliegt auch die Entwicklungshilfe dem Subsidiaritätsprinzip, was bedeutet, das Entwicklungshilfe keine Aufgaben übernehmen darf, die vom Entwicklungsland selbst erfüllt werden können. Allerdings lässt sich erkennen, dass dieses Prinzip der Subsidiarität in der Praxis oftmals gebrochen wurde bzw. eine zu geringe Rolle gespielt hat. Die Entwicklungshilfe scheitet daran, das sie meist keine stringente Systematik aufweist. Ausländischen Helfer die in der Regel nur einige Jahre in den jeweiligen Entwicklungsländern bleiben wollen in dieser Zeit "etwas erreichen". Sie werden immer dazu neigen, mehr zu tun, als sie nach dem Subsidiaritätsprinzip tun sollten. Damit aber verdrängen sie afrikanische Eigendynamik und behindern deren Stärkung. Nach dem Subsidiaritätsprinzip sollte sich Entwicklungshilfe so schnell wie möglich selbst überflüssig machen, doch allein in Deutschland leben tausende Menschen von der Entwicklungshilfe. Einen weiteren Wiederspruch zum Subsidiaritätsprinzip findet man in der technischen Zusammenarbeit. Dort werden zu viele Mittel verschenkt, also ohne ein Verlangen gegeben. Allerdings werden Menschen mit geschenkter Hilfe zur Untüchtigkeit erzogen. Wer wirtschaftlich etwas bewegen will und das dazu nötige Geld nicht hat, muss es sich leihen und zurückzahlen. Dass alle entwicklungswilligen Menschen Zugang zu Krediten bekommen, dazu kann externe Hilfe allerdings einen wesentlichen Beitrag leisten, vor allem durch Förderung des Mikrokreditwesens.

[...]


1 Bundeszentrale für Politische Bildung (2011)

2 Human Development Index (2011)

3 Monitoring Group on Somalia (2010)

4 Faust/Leiderer (2006): Seite 34ff

5 Mrydal (1974):

6 Burnside/Dollar (2000)

7 Korrputionsindex Transpareny International

8 Lohmann (2010):

9 Lohmann (2010):

10 Myrdal (1970): f und 137f

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Wirkt Entwicklungshilfe wirklich oder kann Entwicklungspolitik für ein Land schädlich sein?
Untertitel
Eine kritische Betrachtung der Entwicklungshilfe
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Veranstaltung
Die Europäische Union und Afrika
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V187463
ISBN (eBook)
9783656107910
ISBN (Buch)
9783656108443
Dateigröße
677 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wirkt, entwicklungshilfe, entwicklungspolitik, land, eine, betrachtung
Arbeit zitieren
Nicolas Hellmuth (Autor), 2011, Wirkt Entwicklungshilfe wirklich oder kann Entwicklungspolitik für ein Land schädlich sein?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187463

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