Einwanderungsland Schweden - die Migrantenproblematik im schwedischen Schulsystem


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
31 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Das schwedische Schulsystem
2.1. Darstellung
2.1.1. Vorschule
2.1.2. Grundschule
2.1.3. Gymnasium
2.1.4. Lehrerausbildung
2.2. PISA

3. „Futurum“ - Modellschule Schweden
3.1. Darstellung
3.2. PISA

4. Exkurs: „Helene-Lange-Schule Wiesbaden“ Modellschule Deutschland
4.1. Darstellung
4.2. PISA

5. Vergleich
5.1. Vergleich der Schulsysteme
5.2. Vergleich der Modellschulen

6. Nachwort

7. Literatur

1. Vorwort

Die Ergebnisse der im Jahr 2000 durchgeführten PISA-Studie machen erneut deutlich, dass Migration das Bildungssystem Schule herausfordert und dass das deutsche Schulsystem dieser Herausforderung nur ansatzweise gerecht wird.

Im Verlauf des Seminars „Schule in der Einwanderungsgesellschaft“ wurde der Frage nachgegangen, was Schule in der Einwanderungsgesellschaft leistet und wie einzelne europäische Länder mit der Migrationsproblematik umgehen.

In der vorliegenden Arbeit beschäftigen wir uns mit dem Einwanderungsland SCHWEDEN. Es stellt sich die Frage, wie Schweden auf Kinder mit Migrations-hintergrund eingeht, besonders mit Blick auf die Institution Schule.

In unserer Ausarbeitung werden wir das schwedische Schulsystem vorstellen und kurz auf die Lehrerausbildung eingehen. Darüber hinaus möchten wir Modellschulen in Schweden genauer betrachten, sowie kurz auf die Ergebnisse der PISA-Studie im Zusammenhang mit solchen Reformschulen eingehen.

In einem Exkurs (Kapitel 4) wollen wir vergleichend einen kurzen Blick nach Deutschland werfen, um festzustellen, ob deutsche Reformschulen den schwedischen Modellschulen gewachsen sind. Auch an dieser Stelle werden wir die deutschen PISA-Ergebnisse aufgreifen.

Abschließend erscheint es uns wichtig, einen Vergleich zwischen dem schwedischen und dem deutschen Schulsystem herzustellen, sowie auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Modellschulen einzugehen.

Die Arbeit basiert an vielen Stellen auf der im Handapparat angegebenen Literatur. Darüber hinaus haben wir uns bemüht, neuere Medien, u.a. das Internet zu nutzen und sind bei unserer Recherche auf interessante Artikel gestoßen.

Zitate finden sich im laufenden Text wieder, d.h. wir haben beim Zitieren das Autor-Jahr-System angewandt.

2. Das schwedische Schulsystem

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

aus: Kreienbaum (1997): S. 128

2.1 Darstellung

Im Folgenden werden wir das schwedische Schulsystem und die Lehrerausbildung kurz darstellen. Der Schwerpunkt wird auf der Grundschule liegen.

2.1.1 Vorschule

Die schwedische Vorschule richtet sich an Kinder im Alter von einem bis ca. sieben Jahre, eben bis sie in die Grundschule eintreten (vgl. Schäfer, Hans-Peter (1996): S. 197). Die Vorschulerziehung ist in vier verschiedene Betreuungsformen unterteilt:

Die ganztägig geöffneten Tagesstätten ( daghem ) sind für Kinder von 1-7 Jahre, deren Eltern erwerbstätig sind oder sich noch in der Ausbildung befinden, gedacht.

Die Teilzeitgruppen ( deltisgrupper ) sind speziell für Kinder von 4-6 Jahren für etwa drei Stunden pro Tag.

Die Familientagesstätte ( familjedaghem ) ist für Säuglinge und Kinder bis zum zwölften Lebensjahr gedacht. Hier werden die Kinder bei einer Pflegeperson zu Hause betreut, ganz ähnlich der deutschen Tagesmutter.

In der Offenen Vorschule ( öppen förskola) treffen sich Vorschulkinder und deren Eltern einige Male in der Woche. Hier beschäftigen sich Vorschul-lehrkräfte und Sozial- und Freizeitpädagogen mit den Kindern und stehen den Eltern mit Rat und Tat zur Seite (vgl. Schäfer, Hans-Peter (1996): S. 197; Blossing, Ulf (2002): S. 47).

Die Vorschule wird verwaltet von dem Ministerium für Gesundheit und soziale Angelegenheiten (socialdepartementet) und dem Zentralamt für Gesundheits- und Sozialwesen (socialstyrelsen) (vgl. Schäfer, Hans-Peter (1996): S. 197). Primär sind die Gemeinden für die Vorschulen verantwortlich; daneben gibt es aber auch noch andere Träger wie Kirchen, Vereine und Elternkooperationen (Schäfer, Hans-Peter (1996): S. 197).

2.1.2 Grundschule

Die schwedische Grundschule erfuhr innerhalb ihrer 30 jährigen Geschichte viele Änderungen. Sie beinhaltet die Klassen eins bis neun und wird – im Gegensatz zum deutschen Schulsystem - als Einheitsschule bezeichnet (vgl. Schäfer, Hans-Peter (1996): S. 198). Die Schulpflicht in Schweden beginnt mit Vollendung des siebten Lebensjahres und endet mit dem sechszehnten Geburtstag (vgl. Schäfer, Hans-Peter (1996): S. 198; vgl. Rudvall, Göte (1998): S. 9). Die Grundschule ist somit eine Pflichtschule. In Schweden gibt es den sogenannten flexiblen Schulbeginn, das bedeutet, dass die Kinder schon mit sechs Jahren ein Recht auf Schulbildung haben. Diese Entscheidung ist den Eltern vorbehalten (vgl. Schäfer, Hans-Peter (1996): S. 198; vgl. Rudvall, Göte (1998): S. 9; Schwedisches Institut (2002): S. 1).

Es existieren etwa 4.800 Grundschulen in Schweden, etwa 900.000 Schüler besuchen eine solche Schule. Die Klassengröße beträgt im Schnitt 21 Schüler, das Schüler-Lehrer-Verhältnis beträgt 1:8,3 mit sinkender Tendenz (vgl. Schäfer, Hans-Peter (1996): S. 198). Neben den staatlichen (Grund-)Schulen gibt es in Schweden auch die Privatschulen, die etwa 1% der gesamten Schülerzahl ausmachen (vgl. Schäfer, Hans-Peter (1996): S. 199).

Die Grundschule ist in drei Stufen mit je drei Jahrgängen unterteilt. Es gibt eine Unter- und Mittelstufe, die sich sehr ähnlich sind und die Oberstufe. Beim Eintritt in die Oberstufe wird vom Klassenlehrer- zum Fachlehrerprinzip gewechselt. Hier bilden zwei oder mehrere Klassen des gleichen Jahrgangs, manchmal auch aus unterschiedlichen Jahrgängen, häufig sogenannte „Arbeitseinheiten“ (Schäfer, Hans-Peter (1996): S. 199). Die Lehrkräfte in diesen Arbeitseinheiten bilden wiederum Lehrerteams, die zusammen die Planung, Durchführung und Auswertung des Unterrichts konzipieren. Auch die Schüler dürfen laut Schulgesetz an der Planung und Auswertung des Unterrichts teilnehmen (vgl. Schäfer, Hans-Peter (1996): S. 199).

In den Klassen 1-3 und 4-6 werden alle Schüler in den gleichen Fächern unterrichtet. Zeugnisse gibt es ab der achten oder neunten Klasse zweimal im Jahr, immer nach dem Frühjahrs- und dem Herbsthalbjahr. In den Jahren vorher werden die Zeugnisse von Lehrer-Eltern-Gesprächen ersetzt (vgl. Schäfer, Hans-Peter (1996): S. 199). Diese späte Zensierung erhöht bei den Schülern die Lernmotivation und ist hilfreich für die Entwicklung des Selbstbewusstseins der Schüler (vgl. Rudvall, Göte (1998): S. 12).

Im Gegensatz zur Unter- und Mittelstufe können die Schüler der Oberstufe (Klassen 7-9) erstmals unterschiedliche Wege einschlagen. Beispielsweise werden in der Oberstufe die beiden Fächer Mathematik und Englisch in zwei unterschiedliche Niveaus aufgeteilt; die Schüler dürfen selber wählen, ob sie an dem Kurs mit dem höheren oder an dem mit dem niedrigeren Niveau teilnehmen möchten. Außerdem können die Schüler ein Wahlpflichtfach wählen (z.B. Deutsch, Französisch oder Kunst, wobei Deutsch und Französisch an jeder Schule angeboten werden muss) (vgl. Schäfer, Hans-Peter (1996): S. 199). Speziell für die Kinder mit Migrantenhintergrund gibt es an manchen Schulen Wahlpflicht-Kurse, in denen die Immigranten-Muttersprache gefördert wird. Etwa 0,3 % aller Schüler nutzen diese Möglichkeit (vgl. Schäfer, Hans-Peter (1996): S. 199). Die Grundschulen bieten den Schülern auch „freie Aktivitäten“ (Schäfer, Hans-Peter (1996): S. 199), um sie mit Vereinen, Verbänden u.ä. in Verbindung zu bringen. Für Schüler mit Lernschwierigkeiten gibt es Sonderunterricht, den Speziallehrer der Arbeitseinheiten leiten. Schüler mit schwerwiegenderen Problemen erhalten „angepassten Unterricht“ (Schäfer, Hans-Peter (1996): S. 199), in dem man versucht die Schüler zu fördern und die Möglichkeit offen zu halten, in den Klassenverband zurückzukehren (vgl. Schäfer, Hans-Peter (1996): S. 199).

Der Stundenplan ist in folgende sechs Bereiche gegliedert:

(1) Basisfächer
(2) Praktisch-ästhetische Fächer
(3) Gesellschaftswissenschaftliche Fächer
(4) Naturwissenschaftliche Fächer
(5) (Fremd-)Sprach-Wahlpflichtfächer
(6) persönliches Wahlpflichtfach

(vgl. Rudvall, Göte (1998): S. 10; Schwedisches Institut (2002): S. 1)

Die Basisfächer (in Deutschland als Hauptfächer bezeichnet) sind Schwedisch, Englisch und Mathematik. In diesen Fächern werden im neunten Schuljahr zentrale Prüfungen in jeder Klasse durchgeführt (vgl. Rudvall, Göte (1998): S. 10; vgl. Schwedisches Institut (2002): S. 2).

Neben der Festlegung der Ziele und Mindestziele, die Schüler nach der 5. bzw. 9. Klasse erreicht haben sollten, spielt im Lehrplan auch die Vermittlung von Werten, „auf denen die schwedische Gesellschaft basiert“ (Rudvall, Göte (1998): S. 10; Schwedisches Institut (2002): S. 2) eine Rolle:

- Unantastbarkeit des Menschenlebens
- Freiheit und Integrität des Individuums
- Menschen sind gleichwertig
- Gleichstellung von Frauen und Männern
- Solidarität mit den Schwachen und Schutzlosen

(vgl. Rudvall, Göte (1998): S. 10; vgl. Schwedisches Institut (2002): S. 2)

Seit dem Herbsthalbjahr 1995 gibt es das „Zensurensystem, das als lernziel- und wissensbezogen bezeichnet wird“ (Rudvall, Göte (1998): S. 12); es gibt hier die Noten genügend, gut und sehr gut.

Nach Beendigung der 9. Klasse erhalten die Schüler ein Abgangszeugnis mit Zensuren, die „nach landesweit festgelegten Maßstäben“ (Rudvall, Göte (1998): S. 12) erteilt werden.

Kritiker sind der Meinung, die schwedische Grundschule sei trotz vielfältiger Reformen

„noch immer entsprechend den Wünschen der Jungen strukturiert [Die Jungen] dominieren das Lernklima im Klassenraum und beeinflussten die Wahl zwischen den verschiedenen Fächern und Programmen.“ (Schäfer, Hans-Peter (1996): S. 201)

Trotz dieser Vorwürfe an das schwedische System – berechtigt oder nicht – ist Tatsache, dass die Mädchen die besseren Noten haben, auch in den Fächern, die von Jungs „dominiert“ werden wie Metall- oder Holzarbeit (vgl. Schäfer, Hans-Peter (1996): S. 201).

[...]

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Einwanderungsland Schweden - die Migrantenproblematik im schwedischen Schulsystem
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Gesellschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Schule in der Einwanderungsgesellschaft
Note
2,0
Autoren
Jahr
2003
Seiten
31
Katalognummer
V18782
ISBN (eBook)
9783638230506
Dateigröße
704 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese HA beinhaltet eine Darstellung des schwedischen Schulsystems vom Kindergarten bis zur Berufsausbildung (Studium) (einschl. Umgang mit der Migrationsproblematik), sie geht auf die PISA Studie ein und macht einen Exkurs über die Helene Lange Schule in Wiesbaden Reformschulmodell).
Schlagworte
Einwanderungsland, Schweden, Migrantenproblematik, Schulsystem, Schule, Einwanderungsgesellschaft
Arbeit zitieren
Vera Witkowski (Autor)Nadine Reuther (Autor), 2003, Einwanderungsland Schweden - die Migrantenproblematik im schwedischen Schulsystem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18782

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