Flow-Erleben bei Kindern. Die Polarisation der Aufmerksamkeit als Erziehung zu Flow


Hausarbeit (Hauptseminar), 1998
16 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhalt:

1.Einleitung

2.Die Polarisation der Aufmerksamkeit
2.1 Die Entdeckung Maria Montessoris
2.2 Die Beschreibung des Phänomens, Bedingungen und Folgen

3.Das Flow-Erlebnis
3.1 Die Entdeckung Mihalyi Csikszentmihalyis
3.2 Beschreibung des Flow-Erlebens, Bedingungen und Folgen

4. Die Zusammenschau
4.1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Flow und Polarisation der Aufmerksamkeit
4.2 Spielend Flow erlernen oder eine Erziehung zu Flow

Flow-Erleben bei Kindern - oder die Polarisation der

Aufmerksamkeit als Erziehung zu Flow?

1. Einleitung

Beschäftigt man sich mit neueren Arbeiten des Motivationspsychologen Mihalyi Csikszentmihalyi zum Flow-Erleben , so wird man unweigerlich an das Phänomen errinnert, das die zentrale Entdeckung Maria Montessoris war - die Polarisation der Aufmerksamkeit. Montessori entdeckte Anfang dieses Jahrhunderts dieses Phänomen bei Kindern durch Beobachtung und erforschte seine Bedingungen ; dies wurde zur Basis ihrer berühmten Erziehungslehre. Csikszentmihalyi gelangte in den 60ger Jahren aus einer anderen fachlichen Richtung - der motivationspsychologischen - ebenfalls durch Beobachtung zu seiner eigenen Entdeckung - dem Flow-Erleben beim erwachsenen Menschen.

Er ging nicht, wie Montessori, der Frage der Erziehung von Kindern nach, sondern fragte nach der Motivation erwachsener Menschen Dinge mit höchster Konzentration und Ausdauer zu tun, durch die sie keine erkennbaren Vorteile erwarten konnten.

So verschieden beide Ausgangsfragen sind, so ähnlich sind beide Beobachtungen und die daraus abgeleiteten Theorien der Erlebniszustände.

Im Folgenden soll zuerst jede Entdeckung für sich beschrieben werden, um danach einen Vergleich zu ermöglichen und beide zueinander in Beziehung zu setzen.

2. Die Polarisation der Aufmerksamkeit

2.1 Die Entdeckung Maria Montessoris

Maria Montessori (geb. 1870) studierte zuerst Medizin und wurde 1896 die erste Ärztin Italiens. In einer Assistentenstelle bekam sie erstmals Kontakt mit geistig behinderten Kindern und interessierte sich für die Studien der Arztpädagogen Itard und Seguin. Sie wurde Direktorin einer Geistig. Behinderten -Schule, führte dort Experimente mit sensomotorischen Materialien durch und entwickelte eine Methode zur Behandlung dieser Kinder, die grossen Erfolg hatte. 1902 begann sie ihr Zweitstudium im Fach Pädagogik und 1907 eröffnete sie das Kinderhaus (casa dei bambini) im römischen Elendsviertel San Lorenzo. Dort wandte sie ihre Prinzipien und einen Teil des von ihr entwickelten Materials auf die “normalen” Kinder an. Bei einem dieser ersten Versuche geschah folgendes: “ (...) ich beobachtete ein etwa dreijähriges Mädchen, das tief versunken war in der Beschäftigung mit einem Einsatzzylinderblock, aus dem es die kleinen Holzzylinder herauszog und wieder an ihre Stelle steckte. Der Ausdruck des Mädchens zeugte von so intensiver Aufmerksamkeit, dass er für mich eine ausserordentliche Offenbarung war. Die Kinder hatten bisher noch nicht eine solche, auf einen Gegenstand fixierte Aufmerksamkeit gezeigt. Und da ich von der charakteristischen Unstetigkeit der Aufmerksamkeit des kleinen Kindes überzeugt war (...) wurde ich noch empfindlicher für dieses Phänomen. Zu Anfang beobachtete ich die Kleine, ohne sie zu stören, und begann zu zählen, wie oft sie die Übung wiederholte, aber dann, als ich sah, dass sie sehr lange damit fortfuhr, nahm ich das Stühlchen, auf dem sie sass, und stellte Stühlchen und Mädchen auf den Tisch; die Kleine sammelte schnell ihr Steckspiel auf (...) und fuhr mit der Arbeit fort. Da forderte ich alle Kinder auf zu singen; sie sangen, aber das Mädchen fuhr unbeirrt fort seine Übung zu wiederholen, auch nachdem das Lied beendet war. Ich hatte 44 Übungen gezählt; und als es endlich aufhörte, tat es dies unabhängig von den Anreizen der Umgebung (...); und das Mädchen schaute zufrieden um sich, als erwachte es aus einem tiefen Schlaf.” (Montessori, in Oswald und Schulz-Benisch (Hrsg.), 1976, S.70). Dieses Phänomen wiederholte sich auch bei anderen Kindern. Montessori sagt: “Es konnte also als eine beständige Reaktion festgestellt werden, die im Zusammenhang mit gewissen äusseren Bedingungen auftritt, die bestimmt werden können.” (ebd.,S.70). Sie nannte diese Reaktion, d.h. dieses typische, konzentrierte Wiederholen einer Übung bis zur selbstständigen Beendigung “Polarisation der Aufmerksamkeit”.

2.2 Die Beschreibung des Phänomens, Bedingungen und Folgen

Grundbedingung des Verständnisses von Montessoris Beobachtung ist ihre Beschreibung des “absorbierenden Geistes”. Nach Montessori hat das Kind eine noch mehr unbewusste Geistesform. Diese ist absorbierend, d.h. das Kind saugt Wissen unbewusst auf. Am deutlichsten wird dies am Beispiel des Spracherwerbs: das Kind lernt seine Muttersprache perfekt, ohne bewusst zu lernen, sprich etwas von z.B. Grammatik zu wissen. Solcherart gelernte Informationen werden im vitalen Gedächtnis, der sog. Mneme gespeichert und bleiben für alle Zeit fixiert. Zwischen 3 und 6 Jahren beginnt das Kind in zunehmendem Masse willentlich zu absorbieren. Mit diesem “absorbierenden Geist” ist das Kind von Natur aus zu einer spontanen, organischen Entwicklung fähig, es sucht die Entwicklung seiner latenten Kräfte und kann die Mittel dazu selbst finden.(vgl.ebd., S.71). Das heisst, der Mensch besitzt von Geburt an eine vom Unbewussten zum Bewussten strebende Kraft. In Analogie zur Biologie, wo ein dynamischer Aufbau und ein immanenter Bauplan schon von der Keimzelle her das Leben formt, sieht Montessori wie die Vitalkraft, verbunden mit der eigenen Tätigkeit eines Menschen, der Initiative seines Geistes, zur Bildung des Menschen führt.(vgl. Helmig, 1977, S.61). Dies bedeutet, dass das Kind einen “inneren Hunger” nach der richtigen geistigen Nahrung hat. Um diesen zu befriedigen muss ihm die freie Wahl der Tätigkeit gelassen werden. “ Das Kind wird zu dieser Art der Aktivität (der Polarisation der Aufmerksamkeit - d. A. ) offensichtlich durch einen ursprünglichen, inneren Impuls, fast durch ein unbestimmtes Gefühl inneren Hungers, bewegt; und es ist diese impulsive Befriedigung dieses Hungers, die dann das Bewusstsein des Kindes auf diesen bestimmten Gegenstand lenkt (...).” ( Montessori, in Oswald und Schulz-Benisch (Hrsg.), 1976, S.145).Für das Zustandekommen der Konzentration ist also die freie Wahl der Arbeit oder Übung durch das Kind entscheidend (vgl. Helmig, 1977, S.61). Montessori erkennt allerdings den wichtigen Unterschied zwischen Freiheit und Vernachlässigung. Deswegen ist neben der grossen Bedeutung der Freiheit der spontanen Entwicklung des Kindes das Vorhandensein der geistigen Nahrung und seine Beschaffenheit ebenso wichtig. Dies wird realisiert durch die Vorbereitung der Umgebung und die von Montessori selbst entwickelten Materialien. “ Die Umgebung muss also Mittel zur Selgsterziehung enthalten. (...) Wie die Linsen eines Physikers nach den Gesetzen der Lichtbrechung hergestellt werden, so muss das pädagogische Instrument gemäss den psychischen Äusserungen des Kindes aufgebaut sein.” ( Montessori, in Oswald und Schulz- Benisch (Hrsg.), 1976, S.74). Montessori stellte verschiedene “sensible Phasen”, z.B. für Sprache, Ordnung, Bewegung , für kleine Gegenstände und für die Verfeinerung der Sinne fest. Für alle diese Bedürfnisse entwickelte sie Materialien, aus denen jedes Kind frei wählen konnte. So kann ein Entwicklungshilfsmittel idealerweise so gewählt werden, dass eine wirkliche Übereinstimmung zwischen den inneren Bedürfnissen und den Anregungen gegeben ist (vgl. ebd., S.82).

Diese Mittel sind die “ Leiter, deren Stufen die Seele bei ihrem Aufstieg führen.” und “ Die Konstruktion der aufsteigenden Leiter (...) erweitert sich immer mehr; wie ein umgekehrter Kegel, dessen Scheitelpunkt die Anfänge des psychischen Lebens selbst berührt und sich auf den ursprünglichen Impuls stützt, der das zweieinhalbjährige Kind zu Sinnesreizen führt (...). Und während der Kegel sich erweitert, wird er mit den wachsenden psychischen Bedürfnissen des Kindes immer komplizierter und schliesst in sich die Grundlagen der Kultur.” (ebd., S.85). Dies bedeutet, dass sowohl Bedürfnisse, wie auch Anforderungen stetig steigen und komplexer werden und damit wird das Phänomen der Polarisation der Aufmerksamkeit immer wieder von neuem möglich und es wächst der innere Aufbau des Kindes, die Organisation der Persönlichkeit mit.

Zwei weitere wichtige Merkmale des Materials, bzw. der Umgebung müssen noch erwähnt werden. Nämlich zuerst die Fehlerkontrolle, d.h. das Material, mit dem das Kind arbeitet muss in sich die Möglichkeit der Fehlerkontrolle enthalten, damit die Aufmerksamkeit gebunden bleibt. Dies bedeutet, wenn z.B. bei dem erwähnten Zylindersteckspiel ein Zylinder übrigbleibt oder nicht passt, erkennt das Kind den Fehler sofort, es löst das Problem und interessiert sich so immer mehr und versucht es aufs Neue. (vgl.ebd., S.145). Es erlebt einen Erfolg, eine Weiterentwicklung.

Deswegen darf auch das Material nicht in zu grosser Quantität vorhanden sein. Dies könnte “ die Aufmerksamkeit zerstreuen, die Übungen mit dem Gegenstand mechanisieren und das Kind an dem psychologischen Moment des Aufstiegs vorbeigehen lassen, ohne sich dessen bewusst zu werden, ohne ihn zu ergreifen.” (ebd., S79).

Hier kommen wir von den Bedingungen zu den Folgen.Montessori vermutet, dass eben dieses Gefühl der Entwicklung die Übung so angenehm macht. (vgl.ebd., S.146). Sie beobachtete, dass jedesmal, wenn die Kinder sich für eine Arbeit zu interessieren und sich selbst zu entwickeln begannen, sie von einer “lebendigen Freude ergriffen werden.” (ebd.,S.92). Sie sagt: “(...) ein Physiologe könnte mit exaktem Vergleich bestätigen, dass die Freude das Indiz des inneren Wachstums ist (...).” (ebd., S.92).

Dieses Wachstum bezieht sich nicht in erster Linie auf die Aneignung des Wissens, sondern auf die, durch die Konzentration entstehende, Strukturierung und Ordnung im Bewusstsein des Kindes. In der Beschreibung ihrer ersten Beobachtung des Phänomens fährt Montessori fort: “ Es schien als hätte sich in einer gesättigten Lösung ein Kristallisationspunkt gebildet, um den sich dann die gesamte chaotische und unbeständige Masse zur Bildung eines wunderbaren Kristalls vereinigte. Nachdem das Phämomen der Polarisation der Aufmerksamkeit stattgefunden hatte, schien sich in ähnlicher Weise alles Unorganisierte und Unbeständige im Bewusstsein des Kindes zu einer inneren Schöpfung zu organisieren (...). ” (ebd., S.70). So beginnt das Kind mit den langdauernden Übungen seine psychische Persönlichkeit zu organisieren und erlangt gleichzeitig eine klare und geordnete Kenntnis der Dinge (vgl. ebd., S 154). Mit dieser beginnenden inneren Ordnung setzt auch die äussere Ordnung und Disziplin von selbst ein. Beide sind als “ freie Entwicklung einer wachsenden und sich organisierenden Persönlichkeit” entstanden. (ebd., S.156).

Diese Ordnung des psychischen Lebens setzt mit der Polarisation der Aufmerksamkeit ein. Dies bedeutet auch, dass die Übungen in sich selbst Zweck der Handlung sind. Sie werden nicht ausgeführt um äusseres Wissen zu erlangen, sondern des ihnen eigenen Trainings- und Ordnungseffekts im Bewusstsein willens, der Freude auslöst.

Allerdings gehört zur Realisierung dieser Aufmerksamkeit nicht nur die äusserliche Nahrung in Form der passenden Übungen, sondern ebenso eine innere Bereitschaft. Montessori sagt: “ Schliesslich wirken zwei Kräfte auf die Zerebralzelle wie auf eine geschlossene Tür: die äussere Sinneskraft, die anklopft, und die innere, die sagt: öffne.” Daher gehört zur Aufmerksamkeit auch “ eine Vorbereitung der geistigen Zentren in Bezug auf den äusseren Gegenstand, der sie auf sich ziehen soll, d.h. eine innere, psychische ‘Anpassung’.” (ebd., S.149)

Ist dies alles gegeben, kann das Kind , seinen natürlichen Impulsen folgend, selbst eine Übung wählen, die genau seinem Bedürfnis und Entwicklungsstand entspricht. Sodann öffnet sich seine “innere Tür”, die äusseren Reize die vom Material ausgehen fesseln seine Aufmerksamkeit und, verstärkt durch die Fehlerkontrolle, kann es hochkonzentriert der Aufgabe nachgehen bis es neues Wissen und eine höhere Stufe der Ordnung im Bewusstsein erreicht hat und sich von selbst ab- und neuen Aufgaben zuwendet. Montessori sagt: “ Der sich auf diese Weise organisierende Geist, geleitet von einer Ordnung, die seiner natürlichen Ordnung entspricht, stärkt sich, blüht auf und offenbart sich in der Ausgeglichenheit, der Heiterkeit und in der Ruhe, die die wunderbare, für das Verhalten unserer Kinder charakteristische Disziplin ergeben.” (ebd.,S.84)

Sie betont weiter, dass diese Kinder eine einzigartige Sensibilität für die eigenen Bedürfnisse entwickeln, sodass sie bald selbst mit Bestimmtheit nach gewissen Materialien verlangen. Sie wissen was sie brauchen. Dies ist die Grundlage eines starken Charakters. “Sein Wille wird umso stärker sein und sein Geist um so ausgeglichener, je mehr sein inneres Leben normal gewachsen ist, sich nach den vorsorgenden Gesetzen der Natur organisierte und eine Individualität herausbildete. Um für den Kampf bereit zu sein, muss man nicht von Geburt an gekämpft haben, sondern man muss stark sein.” (ebd., S.15)

3. Das Flow-Erlebnis

3.1 Die Entdeckung Mihaly Csikszentmihalyis

Mihaly Csikszentmihalyi (sprich: mihai tschiksentmihai) ist ein zeitgenössischer, ungarischstämmig-amerikanischer Motivationspsychologe. Er ist heute Professor an der University of Chicago, mit vielen Gastprofessuren z.B. in Italien, Finnland, Brasilien und Kanada, ausserdem unterhält er Kontakte zu Kollegen in der ganzen Welt, so z.B. auch zum Max-Planck-Institut für psychologische Forschung in München.

Als Csikszentmihalyi seine Doktorarbeit über eine Gruppe männlicher Künstler machte, beobachtete er folgendes: “ Die Künstler (...) verbrachten Stunden um Stunden und Tag für Tag damit, sehr konzentriert zu malen oder an Skulpturen zu arbeiten.Ganz offensichtlich erlebten sie in ihrer Arbeit grosse Freude und hielten sie für das wichtigste auf der Welt. Aber gewöhnlich verlor ein Künstler alles Interesse an dem Kunstwerk, in das er soviel Zeit und Anstrengung investiert hatte, sobald es fertig war. Solange er an der Leinwand arbeitete war er völlig in seine Malerei versunken. Sie füllte sein Denken 24 Stunden am Tag aus. Kaum war aber der letzte Pinselstrich trocken, stellte er das Bild gewöhnlich in einer entfernten Ecke des Studios an eine Wand und vergass es sofort.” (Csikszentmihayi,1991, S.15/16). Die Frage, die sich für Csikszentmihalyi aus dieser Beobachtung ergab, war die nach der Motivation der Künstler. Sie konnten nicht erwarten berühmt zu werden oder Geld für ihre Werke zu bekommen. Das Kunstwerk selbst kam offensichtlich ebenfalls nicht als Belohnung in Betracht. Die Forschung zu intrinsischer Motivation stand damals - Mitte der 60ger Jahre- gerade erst in ihren Anfängen. Sie bezog sich vor allem auf den Aspekt, wie intrinsische Motivation die Kreativität bzw. die Leistungsfähigkeit beeinflusst. Dazu sagt Csikszentmihalyi: “ Sie (die Forscher- d.A.) setzten ein entsprechendes Erleben einfach voraus, wollten aber nicht wissen, wie dieses Erleben beschaffen war.” (ebd., S.19). Er jedoch stellte sich die Frage nach der “ Beschaffenheit des subjektiven Erlebens.(...) Wie fühlte man sich, wenn man intrinsisch motiviert ist? Warum war dieses Erlebnis belohnend?” (ebd., S.19).

Er beschäftigte sich vor allem mit drei Bereichen der psychologischen Literatur: der Literatur zur Selbstverwirklichung und zu intensiven Sinneserlebnissen ( Abraham Maslow und Marghanita Laski), der Literatur zu intrinsischer Motivation ( Robert White, D.E. Berlyne, Richard De Charms, u.a.), sowie mit Literatur zum Thema des Spiels ( Piaget, Sutton-Smith, Hiuzinga, Callois, Beach, Bekoff, Fagen, u.a.).Da das Spiel eindeutig intrinsisch motiviert ist, und er im Handeln und Erleben der Künstler spielerische Komponenten beobachtet hatte, erhoffte er sich hiervon ein grundlegendes Konzept, warum gewisse Aktivitäten erfreulich sind. Jedoch trennten alle Autoren Spiel und “wirkliches” Leben so strikt, dass eine direkte Übertragung auf seine Fragestellung nicht möglich war (vgl. Csikszentmihalyi, 1985, S.15/16).

Infolgedessen führte Csikszentmihalyi eine Studie mit Tiefeninterviews zum subjektiven Erleben an 200 Personen durch. Es handelte sich um Personen, die viel Zeit mit anstrengenden Tätigkeiten verbrachten, die nicht bezahlt und kaum anerkannt waren ( Amateursportler, Schachmeister, Felskletterer, Tänzer, Basketballspieler der High School und Komponisten ). Es waren spielerische und ernsthafte Aktivitäten darunter, um zu sehen, ob ihr Erleben ähnich war. Die Ergebnisse dieser Studie führten 1975 zur ersten Formulierung des Flow- Erlebnisses und zur Veröffentlichung des ersten Buches (“ Beyond Boredom and Anxiety- The Experience of Play in Work and Games”).

Die deutsche Übersetzung , aus der hier u.a. zitiert wird, erschien 1985. Eine wichtige Schlussfolgerung war, “dass nicht nur Spiel oder allgemeine Freizeitaktivitäten zu flow führen. Alle Aktivitäten können intrinsische Belohnung enthalten, auch die Arbeit.” (Csikszentmihalyi, 1991, S.20). Den authentischen, von Probanden verwendeten Ausdruck “Flow-Erlebnis” zog Csikszentmihalyi dem wissenschaftlicheren Begriff “autotelisches (=selbstbelohnendes) Erleben” vor, und in den folgenden Jahren wurde dieser Ausdruck zum allgemein anerkannten Wissenschaftsbegriff (vgl. Csikszentmihalyi, 1991 , S.19/20 und 1985, S.16).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Flow-Erleben bei Kindern. Die Polarisation der Aufmerksamkeit als Erziehung zu Flow
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Pädagogik und Psychologie)
Veranstaltung
Spieltheorien
Note
1
Autor
Jahr
1998
Seiten
16
Katalognummer
V18793
ISBN (eBook)
9783638230599
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Parallelen der Beobachtung und Theorie Maria Montessoris zur &quot,Polarisation der Aufmerksamkeit&quot, bei Kindern und der Forschung und Theorie Mihlyi Csikszentmihlyis zum &quot,Flow-Erleben&quot, bei Erwachsenen weisen frappierende Übereinstimmungen auf. In dieser Arbeit werden beide Ansätze dargestellt und der Frage nach ihrer Verbindung nachgegangen. Arbeit muss nicht anstrengend sein, Flow-Erleben lässt sie zu einer selbstlohnenden Tätigkeit werden. Lässt sich die Fähigkeit zum Flow erlernen?
Schlagworte
Flow-Erleben, Kindern, Polarisation, Aufmerksamkeit, Erziehung, Flow, Spieltheorien
Arbeit zitieren
M.A. Astrid Berger (Autor), 1998, Flow-Erleben bei Kindern. Die Polarisation der Aufmerksamkeit als Erziehung zu Flow, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18793

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Flow-Erleben bei Kindern. Die Polarisation der Aufmerksamkeit als Erziehung zu Flow


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden