Die Problematisierung menschlicher Erkenntnisfähigkeit in Graham Swifts "Waterland" und Peter Ackroyds "Chatterton"


Diplomarbeit, 2011
202 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Theoretische Einleitung
1.1 Skizzierung des Problemkontexts
1.2 Diverse Vorüberlegungen im Hinblick auf die Thesen
1.2.1 Geschichte der Begriffe Wahrheit und Fiktion
1.2.2 Naiver, physikalischer und kritischer Realismus
1.2.3 Postrukturalismus und Dekonstruktivismus
1.2.4 (radikaler) Konstruktivismus
1.3 Was verhindert die Erkenntnis einer objektiven Wirklichkeit?
1.3.1 Sprache
1.3.2 Diskurse
1.3.3 Zeitliche Distanz, Perspektivität & Standortgebundenheit
1.3.4 Erinnerung
1.4 Macht und Wissen
1.5 Mögliche Konsequenz der Wahrheitsproblematik
1.6 Motive der Geschichtsschreibung und -erzählung
1.7 Fazit

2. Thesen
2.1 Ist der Mensch fähig eine objektive Erkenntnis der Geschichte zu erlangen? ...
2.2 Ist der Mensch in der Lage die wahre Geschichtsentwicklung zu erkennen?
2.3 Besitzt der Mensch die Fähigkeit das „Ursprüngliche“ zu erkennen?

3 Analytische Ausführungen im Rahmen der Romane
3.1 Einordnung der Romane in ein Genre
3.2 Analysen beider Romane im Hinblick auf These 2.1
3.2.1 Thematisierung relevanter Aspekte in den Romanen
3.2.2 Thematisierung von Macht und Wissen in den Romanen
3.2.3 Konsequenzen der Wahrheitsproblematik in den Romanen
3.2.4 Benennung der Motive der Geschichtserzählung in den Romanen
3.2.5 Formale Gestaltung zur Unterstützung der in den Romanen getroffenen Annahmen hinsichtlich der These 2.1
3.3 Analysen beider Romane im Hinblick auf These 2.2
3.3.1 Thematisierung des Geschichtsverlaufs in den Romanen
3.3.2 Formale und inhaltliche Gestaltung zur Unterstützung der in den Romanen getroffenen Annahmen hinsichtlich der These 2.2
3.4 Analysen beider Romane im Hinblick auf These 2.3
3.4.1 Thematisierung der Ursachenbestimmung in den Romanen
3.4.2 Thematisierung der Originalität in den Romanen
3.4.3 Thematisierung der Intertextualität in den Romanen
3.4.2 Formale Gestaltung zur Unterstützung der in den Romanen getroffenen Annahmen hinsichtlich der These 2.3
3.5 Gemeinsamkeiten beider Romane

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1. Theoretische Einleitung

1.1 Skizzierung des Problemkontexts

Erkenntnisoptimismus versus Erkenntnisskepsis

Der Titel dieses Abschnitts „Erkenntnisoptimismus versus Erkenntnisskepsis“ fasst das Augenmerk dieser Arbeit prägnant zusammen.

Die menschliche Erkenntnisfähigkeit wurde im Rahmen verschiedener wissenschaftlicher Kontexte thematisiert. Wie und was können Menschen erkennen? Wie und was können Menschen mit Sicherheit wissen? Diese Fragen beschäftigen die Menschen seit jeher, die Reichweite lässt sich zum einen durch eine historische Betrachtung erahnen. Bereits hunderte Jahre vor Christus beschäftigten sich Menschen, vordergründig Philosophen, mit der Erkenntnis. Zudem erweiterte sich seither das wissenschaftliche Umfeld, welche dieses Problem zu ihrem Forschungsgegenstand ernannte. Die Erkenntnisfähigkeit der Menschen ist inzwischen in der Sprachwissenschaft, der Historiographie, der Soziologie als auch in der Hirnforschung relevant. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt in den Möglichkeiten einer wahrheitsgetreuen Darstellung vergangener Wirklichkeit in der Historiographie.

Da sich die Erkenntnis auf die Wirklichkeit und Wahrheit bezieht, lauten die zentralen Fragen: Gibt es eine unabhängig existente Wirklichkeit? Ist eine Erkenntnis der Wirklichkeit und Wahrheit möglich? Woran scheitert womöglich diese Erkenntnis? Begriffe, wie Realität, Wirklichkeit, Wahrheit, Objektivität oder Fiktion gehören im Hinblick auf diese Fragestellungen zu den primär assoziierten. Die genaue Definition, insbesondere die Kriterien einer gegenseitigen Abgrenzung, der essentiellen Begriffe Wahrheit und Fiktion beschäftigt die Menschheit bereits sehr lange. Der folgende Abschnitt ermöglicht eine kurze historische Betrachtung dieser beiden Begriffe.

1.2 Diverse Vorüberlegungen im Hinblick auf die Thesen

1.2.1 Geschichte der Begriffe Wahrheit und Fiktion

Als Grundlage für diesen Abschnitt dient Joachim Zelters Sinnhafte Fiktionen und Wahrheit, da Zelter sowohl die ideengeschichtliche als auch die literaturgeschichtliche Entwicklung1, einschließlich der Umwertung des Fiktionsund Wahrheitsbegriffs, in diesem Werk umfasst.

Die vielschichtige Verwendung und Bewertung der Fiktion lässt sich bereits anhand der Etymologie erahnen. „Fiktion“ beruht auf dem lateinischen „fingere“, adäquate deutsche Übersetzungen sind: ersinnen, erdichten, lügen, denken, bearbeiten oder entwerfen. Die teilweise widersprüchliche Verwendung, Auslegung und Evaluation der Fiktion sind bereits in diesen Übersetzungen ersichtlich (vgl. Zelter, S. 17).

Ideengeschichtliche Umwertung der Begriffe Wahrheit und Fiktion

Die dichotomische Auffassung lässt sich auf religiöse Weltanschauungen zurückführen.

Aurelius Augustinus unterscheidet in seinem 14.Buch des De civitate Dei strikt zwischen der göttlichen Wahrheit und der menschlichen Erkenntnis, die zudem eine Wertopposition innehaben. Nach Augustinus ist die Wahrheit, ausschließlich göttlich, und absolut. Da sie sich der Möglichkeit einer irdischen, menschlichen Erkenntnis entziehe, sei jegliche weltliche Erkenntnis eine Lüge, eine Einbildung, eine Fiktion (vgl. Zelter, S. 19, 48). Folglich existiert zwar eine objektive, allgemeingültige und vollständige Wahrheit, diese wird jedoch lediglich Gott zugeschrieben, während das sündige, irdische Wissen eine Fiktion darstellt.

Die negativ besetzte Assoziation des Fiktionsbegriffs entwickelte sich, nach Zelter, u.a. anhand der religiösen Kritik an Gottesbildern.

In diesem Zusammenhang ist das weitläufig bekannte Nietzsche-Zitat: „Gott ist tot!“ interessant. Nietzsche behauptete, dass der Glaube an die Existenz eines Gottes einerseits verbunden ist mit dem Glauben an eine absolute, für die gesamte Menschheit gültige Wahrheit. Andererseits ermögliche die Religion das Leben als ein sinnvolles und zielgerichtetes Ganzes zu erfassen. Mit dem Willen zur Wahrheit, zur wissenschaftlich begründeten Wahrheit sei nach Nietzsche Gott gestorben (vgl. Ostwald, S. 208). Demnach stürzt der Tod Gottes die Menschen in eine Sinnkrise. Diese Entwicklungen lassen sich u.a. an den Folgen der Aufklärung aufzeigen. Eine Umwertung des Fiktiven verknüpft Zelter eng mit den Konsequenzen der Aufklärung.

Die Aufklärung erzielte die Entzauberung und Desillusionierung der Welt, das Entlarven und Eliminieren illusionärer und unhaltbarer Wirklichkeitsbilder. Die Aufklärungskritik richtet sich gegen diese „Entzauberung“ und hatte schließlich eine Umwertung des Fiktiven zur Folge.

Zu den wesentlichen Merkmalen der Aufklärung gehört die Berufung auf die menschliche Vernunft sowie die wissenschaftliche Begründung jeglicher Erkenntnis. Dieser Schwerpunkt suspendierte die wundersamen, vordergründig religiös geprägten und insbesondere nützlichen Wirklichkeitsbilder vor der Aufklärung.

Die rationalistische „Entzauberung“ der Welt führte zum Verlust sinnstiftender, vollständiger, harmonisierender Wirklichkeitsbilder, die die Sehnsucht nach vergangenen schönen Illusionen, der Fiktion, hervorbrachte, die ein kohärentes und ganzheitliches Wirklichkeitsbild ermöglichen.

Vaihinger greift diesen Gedanken auf und bezeichnet in Die Philosophie des Als Ob die Fiktion als eine notwendige Bedingung jeder wissenschaftlichen Erkenntnis sowie als eine sinnstiftende Instanz in einer entzauberten, fragmentierten und unbefriedigenden Welt (vgl. Zelter, S. 27-31).

In Anbetracht der Tatsache, dass die wissenschaftliche Erkenntnis auf theoretischen Annahmen sowie vereinfachten Modellen der Wirklichkeit basiert, verdient Vaihinger Zuspruch.

Wahrheit: Von einer absoluten Größe zur nützlichen Hypothese

Francis Bacon ist der Überzeugung, dass der Mensch in der Lage wäre, zu essentiellem Wissen und zur objektiven Wahrheit zu gelangen, falls es gelingen würde, die von Menschen verursachten, falschen Wirklichkeitsbilder zu beseitigen (vgl. Zelter, S. 23).

Bacons Ansichten ähneln Augustinus insofern er die Existenz einer objektiven und göttlichen Wahrheit behauptet. Im Gegensatz zu Augustinus vertritt Bacon die Ansicht, dass der Mensch diese erfassen kann, jedoch nur als passiver Rezipient einer göttlichen Selbstoffenbarung. In diesem Sinne ist die menschliche Erkenntnisfähigkeit ebenfalls durch die Religion begrenzt und losgelöst von den kognitiven Bemühungen seitens des Subjekts (vgl. Zelter, S. 47-59).

Hobbes verlagert die Wahrheit im Sinne einer absoluten göttlichen Offenbarung in die subjektiv, relative Wahrnehmung der Menschen, die im Wesentlichen sprachlich bedingt ist. Zelter zitiert Hobbes wie folgt: „For True and False are attributes of Speech, not of Things. And where speech is not, there is neither Truth nor Falsehood (vgl. Zelter, S. 57).” Er betont die Abhängigkeit der Wahrheit von der Sprache: Sprache bildet die Wahrheit nicht ab, sondern bringt sie hervor. Folglich wird die Objektivität der Wahrheit ersetzt durch die intersubjektive Verwendung einer gemeinsamen Sprache.

Außerdem schließt Hobbes die Erinnerung als ein weiteres Hindernis der Erkenntnis ein2, was im folgenden Zitat zur Geltung kommt: „No Discourse whatsoever, can End in absolute knowledge of Fact, past or to come. For, as for knowledge of Fact, it is originally, Sense; and ever after, Memory [...] (vgl. Zelter, S. 58).”

George Berkeley geht einen Schritt weiter als Hobbes und verortet die Erkenntnis ausschließlich in die subjektive Wahrnehmung und das Bewähren von nützlichen Hypothesen über die Wirklichkeit. Aufgrund der Einsicht, dass die Sinneswahrnehmung jedem Betrachter ein anderes Wirklichkeitsbild vermitteln kann, wurde das Bestreben die Erkenntnis als Übereinstimmung der subjektiven Wahrnehmung mit der objektiven Wirklichkeit zu beschreiben zunehmend kritisiert. Berkeley stütze seine Annahmen insbesondere auf das wissenschaftliche Arbeiten, demnach haben physikalische Größen und Gesetze zwar keine adäquate Entsprechung bzw. Deckung mit der wirklichen Welt, jedoch haben sie sich im Umgang mit der Wirklichkeit bewährt, daher stellen sie lediglich hilfreiche Hypothesen über die Wirklichkeit dar und nicht die Wirklichkeit an sich (vgl. Zelter, S. 61).

Im Zuge dieser Entwicklungen lösten sich die wertbeladene Dichotomie zwischen Wirklichkeit und Fiktion auf und Fiktionen gewinnen zunehmend den Status einer unabdingbaren Voraussetzung für die Erkenntnis über die Wirklichkeit. Zudem wird „Erkenntnis“ unter dem Aspekt der lebenspraktischen Nützlichkeit erfasst. Vaihinger oder der amerikanische Pragmatismus sind Vertreter dieser Theorie (vgl. Zelter, S. 68-74). F. Nietzsche spitzt diese Umwertung zu, indem er „ [...] die „Lüge“ zu der letztmöglichen Daseinsform des Menschen erhebt (vgl. Zelter, S. 64).“

Fiktion: Von der Abgrenzung zur göttlichen Wahrheit zur Voraussetzung für jegliche Erkenntnis Ein verändertes Verständnis der Wahrheit hat selbstverständlich ein verändertes Verständnis von Fiktion zur Folge.

Die Bewertung des Fiktionsbegriffs wandelte sich sehr beachtlich. Ausgehend von einer Kontrastierung zur Wahrheit, stellte die Fiktion beispielsweise das Erdichtete oder das Erlogene dar, welche die Erkenntnis der Wahrheit verschleiere. Folglich war der Begriff der Fiktion mit negativen Attributen versehen.

Die oppositionelle Darstellung von Fiktion und Wahrheit einschließlich der negativen Attribuierung der Fiktion sowie die klare definitorische Trennung wichen der Einsicht, dass die Fiktion Erkenntnis ermöglichen kann. Zelter betont zudem die sinnstiftende Funktion der Fiktion, er bezieht sich dabei auf Vaihingers Die Philosophie des Als Ob3: „Nach Vaihinger bietet die Fiktion [...] die Möglichkeit einer sinnstiftenden und „vollbefriedigenden Welt- und Lebensanschauung“, die der sich „auflösende[n]“ modernen Welt neue Ganzheit verleihen kann (vgl. Zelter, S.6).“

Demnach fungiert sie nunmehr als Voraussetzung für die Erkenntnis. Folglich sind eine sichere, eindeutige und abgrenzende Bedeutungszuweisung sowie eine wertende Konnotation bezüglich der beiden Begriffe problematisch geworden.

Zusammenfassend lassen sich die Entwicklungen in der Philosophie wie folgt formulieren: der Mensch wird nicht mehr als der Spiegel der Wirklichkeit (Bacon, Augustinus) sondern als Konstrukteur der Wirklichkeit (Berkeley) begriffen. Die Wahrheit entwickelt sich von einer monistischen, absoluten, meist religiös bestimmten zu einer ausdifferenzierten und subjektabhängigen Größe. Des Weiteren orientiert sich die Wahrheit nicht an der ontologischen Übereinstimmung mit der Wirklichkeit, sondern an der praktisch, nützlichen Verwendung im Umgang mit der Wirklichkeit. In der Konsequenz findet eine Umwertung der Begriffsdichotomie zwischen Wahrheit und Fiktion statt. In Anlehnung an die „Realismusthese“4 bietet Zelter eine neue Definition der Wirklichkeit ohne die Fiktion als Wahrheit umzukehren und somit die Wahrheit als Fiktion zu sublimieren. Demnach entwerfen Menschen subjektive Wirklichkeitsbilder, um in der objektiven Wirklichkeit zu Recht zukommen, diese müssen jedoch der objektiven Wirklichkeit nicht entsprechen und bestehen nur solange sie sich bewähren. Folglich wird die absolute Wirklichkeit durch hypothetische und temporär gültige Annahmen über die Wirklichkeit ersetzt (vgl. Zelter, S. 35-36).

Bereits im obigen Abschnitt wurde deutlich wie schillernd die Idee der Wahrheit und der Fiktion sind. Diese und weitere Begriffe, wie Realität, Wirklichkeit, Wahrheit und Objektivität werden im Alltag selbstverständlich und meist unreflektiert verwendet5 und wirken daher oft trivial, eindeutig oder gar allgemeingültig. Das Wirklichkeitsbild einer real existierenden Wirklichkeit wird zuletzt durch tagtägliche Erfahrungen im praktischen Leben bestätigt. Es bedarf keiner großen Überzeugung folgendem Satz zuzustimmen: Das Haus, in dem ich lebe, ist wirklich existent. Ebenso wirken Schmerzen, Lust und Hunger als Indikator für die Existenz einer realen Welt, die diese Empfindungen in einer realen Person auslösen. Obgleich der naive Realismus innerhalb der Philosophie enorme Kritik erfahren hat, handeln alle Menschen im Alltag als naive Realisten, da es sich im praktischen Umgang mit der Umwelt bewährt. Das Sehen und Tasten dienen dem Menschen oft als Bestätigung für die Existenz einer realen Welt. Nichtsdestotrotz ist eine Definition dieser Begriffe äußerst kompliziert und findet Relevanz in vielen Theorien der Philosophie, Literaturwissenschaft und teilweise in der Naturwissenschaft. Neben mannigfaltigen Theorien und Ansätzen, die gar eine Weltanschauung repräsentieren, sollen drei vorgestellt und hinsichtlich der Erkenntnis von Wissen über eine objektive Wirklichkeit erläutert werden. Diese sind der naive und kritische Realismus, Poststrukturalismus sowie Dekonstruktion und schließlich der (radikale) Konstruktivismus. Die vorliegende Auswahl ist begründet in den oppositionellen Ansichten des Realismus im Vergleich zum Konstruktivismus hinsichtlich der ontologischen Bestimmung der Wirklichkeit. Das erstere nimmt an, dass eine objektive Wirklichkeit existiert, erkennbar ist und postuliert eine Übereinstimmung der realen Welt mit der sinnlichen Wahrnehmung dessen. Das letztere hingegen leugnet jegliche Erkennbarkeit, da in letzter Instanz die Existenz einer vom Konstrukteur unabhängigen Umwelt beziehungsweise Realität negiert wird. Während sich der Realismus und Konstruktivismus hauptsächlich auf die Wahrnehmung der Realität sowie die Konstitution der Realität beziehen, ist der Dekonstruktivismus im Wesentlichen in der Linguistik verankert (obwohl dekonstruktivistische Annahmen auf andere Wissenschaften ebenfalls einen Einfluss hatte). Im Rahmen der Literaturtheorie beschäftigt sich der Dekonstruktivismus mit der Produktion und Interpretation von Texten. Obgleich sie hauptsächlich eine erzähltheoretische Bewegung ist, bezieht sie sich sowohl auf die Erkenntnisfähigkeit als auch auf die Darstellbarkeit der Wirklichkeit. Die Beziehung eines Textes zu der Wirklichkeit ist eine zentrale Frage im Dekonstruktivismus.

Im Folgenden gilt es zu zeigen, dass die Historiographie in zweierlei Hinsicht auf einer unsicheren Grundlage basiert („wackeligen Beinen“ steht). Zum einen gründet sie auf die Wahrnehmung der Realität und der Existenz einer eindeutigen Realität, zum anderen auf die richtige Beschreibbarkeit dieser und der Interpretation von Texten, insbesondere von Quellen.

1.2.2 Naiver, physikalischer und kritischer Realismus

Die Ungerechtigkeit der Geschichte besteht darin, dass wir die gleichen Augen und Ohren haben wie unsere Vorfahren, obwohl wir weit mehr hören und sehen als sie (Hauschka, Ernst R.).6

Dem Realismus zufolge herrscht eine Dichotomie zwischen Subjekt und Objekt7, beide Glieder erhalten ihre Bedeutung durch die Abgrenzung zu dem jeweilig Gegensätzlichen und sind als an- sich- Seiende unabhängig voneinander existent. Somit existiert eine objektive Wirklichkeit, welche unabhängig von der menschlichen Wahrnehmung besteht.

Während das Subjekt als das „Erkennende“ klassifiziert wird, stellt das Objekt das „zu Erkennende“ dar.

Der Realismus versteht den Prozess des Erkennens als das Transzendieren, das Hinübergreifen, des Subjekts in den Bereich des Objekts, welches eine Bewusstseinsänderung im Subjekt verursacht. Das Objekt hingegen bleibe durch die Erkenntnis eines Subjekts unverändert.

Folglich ist im Rahmen des Realismus eine objektive Erkenntnis möglich, sie ist gegeben bei der Übereinstimmung des Objekts mit der im Subjekt entstandenen Vorstellung bezüglich des Objekts. In diesem Falle sei die Erkenntnis wahr (vgl. Messer, S. 6-8).

Es lassen sich drei Ansichten innerhalb des Realismus unterscheiden.

Der naive Realismus besagt, dass die objektive Wirklichkeit mit der sinnlich wahrgenommen Wirklichkeit übereinstimmt. Das heißt, dass die Welt so sei, wie die Menschen es mit ihren Sinnen wahrnehmen und zudem entspreche ihr mentales Bewusstsein über die Umwelt dem Abbild der realen Welt. Eine derartige Übereinstimmung zum Wahrheitskriterium für die Erkenntnis zu deklarieren bietet die Grundlage für die Kritik gegenüber dem Realismus. Die Kernproblematik stellt die Überprüfung bzw. die Kontrolle der Übereinstimmung dar, welche in letzter Instanz eine vom Subjekt unabhängige Erkenntnis voraussetzen würde. Die Schwierigkeit dieser Probe ist darin begründet, dass das Subjekt ausschließlich die eigene Vorstellung über das Objekt zur Verfügung hat und folglich das Objekt nicht an sich erfassen kann, um dann ein Abgleich zu vollziehen.

In diesem Zusammenhang sind folgende Fragen gerechtfertigt: Sind sinnliche Wahrnehmungen, audielle oder visueller Art für alle Menschen identisch, sodass es eine objektive Wahrnehmung gibt, die auf eine objektive Eigenschaft der Wirklichkeit schließen lässt? Schmeckt der Kaffee für jeden Menschen gleich? Empfinden alle Menschen Kälte gleichermaßen? Ist rot für jedermann gleich rot? Können diese Eigenschaften objektiv beschrieben werden? Können Menschen alle Gegebenheiten unserer Umwelt vollständig wahrnehmen?

Diese Fragen geben einen Hinweis auf die Komplexität der Wahrnehmung einerseits und der objektiven Deskribierbarkeit der Wahrnehmung andereseits. Im Rahmen dieser Arbeit können nicht alle beantwortet werden, trotzdem sind Überlegungen zu der letzten Frage sehr aufschlussreich: Können Menschen alle Gegebenheiten unserer Umwelt vollständig wahrnehmen?

In Anlehnung an den Ergebnissen der Sinnesforscher sieht das menschliche Auge lediglich elektronische Wellen zwischen 400 und 800 Nanometer und hört Schallwellen zwischen 16 bis 20.000 Hertz (vgl. Penzlin, S. 6). Werte außerhalb dieser Bereiche können Menschen aufgrund ihrer physisch, biologischen Ausstattung nicht wahrnehmen. Laut dem naiven Realismus müsste sich die Wirklichkeit auf die Werte beschränken lassen, die der Mensch mit seinen Sinnen erfassen kann. Folglich wären Ereignisse, die der Mensch mit seinen Sinnen nicht erfährt, schlichtweg nicht existent. Die Schwachstellen dieser Theorie zeichnen sich bereits ab.

Ein Vergleich zwischen Mensch und Tier verdeutlicht, dass die Argumentation des naiven Realismus schwer haltbar ist.

Im Gegensatz zu den Menschen verfügen einige Tiere über einen magnetischen Sinn, nehmen ultraviolettes Licht wahr oder orientieren sich an Ultraschall. Die unterschiedlich, biologische Beschaffenheit der Sinnesorgane eröffnen ihnen somit andere Wirklichkeiten, die den Menschen verwehrt bleiben, nichtsdestotrotz sind sie existent.

Der Frage nach der genauen Beschaffenheit der tierischen Wirklichkeit sowie dem Erklärungsvermögen dieser seitens des Menschen ist ein zentrales Thema in What is it like to be a bat? von Thomas Nagel8.

In Anbetracht der Ausführungen von Thomas Nagel und entgegen der Annahmen des naiven Realismus, ist zu vermuten, dass das Sehen kein Abbild der Wirklichkeit produziert, sondern vielmehr eine Konstruktion unseres Gehirns ist. Optische Täuschungen unterstützen diesen Einwand deutlich. Das Gehirn verarbeitet und interpretiert Informationen auf eine bestimmte Art und Weise, die nicht der Wirklichkeit entsprechen müssen, den Menschen jedoch dazu befähigen in seiner Umwelt zurechtzukommen9.

Demokrit vertritt den physikalischen Realismus. Er berücksichtigt den Einwand gegen den naiven Realismus, dass sinnlich wahrnehmbare Eigenschaften subjektiv seien und beschränkt die Möglichkeit der objektiven Wahrnehmung lediglich auf quantitative Eigenschaften. Die Anzahl, die Ausdehnung und Gestalt sind Beispiel für objektive Eigenschaften der Wirklichkeit (vgl. Penzlin, S. 10). Der kritische Realismus unterstellt zwar eine Beziehung zwischen den wahrgenommen Merkmalen der Wirklichkeit und der objektiven Beschaffenheit dieser, aber behauptet keine exakte Übereinstimmung (vgl. Penzlin, S.10).

Bezug zur Geschichte und Geschichtsschreibung

Werden die Annahmen des Realismus auf die Geschichte übertragen, existiert eine externe, vom Subjekt unabhängige Wirklichkeit vergangener Ereignisse, welche zudem erkennbar ist. Demnach ist ein objektiver Zugang zu der Vergangenheit möglich, welcher der Geschichtsschreibung erlaubt zu der wahren und eindeutigen Beschreibung der vergangen Ereignisse, den Fakten, zu gelangen. Die Historiographie im Sinne des naiven Realismus entspricht der Metapher eines Spiegels, welche die Geschichte unverstellt abzubilden vermag10. Messer, ein Vertreter des Realismus, berücksichtigt die (selbstverständliche) Abwesenheit der Geschichte in der Gegenwart und stützt die Verifikation der Geschichte auf die Echtheit, der Glaubwürdigkeit und dem Erkenntniswert historischer Quellen: „Als „echt“ gilt eine Quelle, wenn [...] die Aussage über einen Gegenstand wirklich ist, für die sie gehalten wird oder werden soll; wenn sie also z.B. wirklich von der Person stammt, die ihr als Verfasser genannt wird. [...] „Glaubwürdig“ ist eine Quelle, sofern sie als adäquater Ausdruck der berichteten Tatsachen gelten darf. Der Erkenntniswert endlich richtet sich nach der Ergiebigkeit, Genauigkeit usw. eines historischen Berichts [...] (vgl. Messer, S. 71).“

Des Weiteren nennt Messer Kriterien für diese. Im Folgenden werden exemplarisch ausgewählte Kriterien zitiert: „Die Echtheit einer Quelle ergibt sich: [...] b) aus der Übereinstimmung ihres Inhalts mit unzweifelhaft feststehenden Tatsachen; [...] Als Kriterium der Glaubwürdigkeit sind anzusehen: [...] d) die individuelle Beschaffenheit des Verfassers [...] (der zuverlässige Augenzeuge gilt im Allgemeinen als der glaubwürdigste). [...] Der besondere Erkenntniswert von Quellen hängt ab: [...] c) von ihrer [...] Vollständigkeit; d) von ihrer [...] Objektivität; e) von ihrer Eindeutigkeit [...] (vgl. Messer, S. 72).“

Diese Kriterien enthalten eine horrende Anzahl von kritischen Begriffen, wie: Tatsachen, Objektivität, Eindeutigkeit oder die äußerst lapidare Überbewertung eines Augenzeugen.

Das obige Zitat von Hauschka verwirft gerechtfertigter weise diese Ansicht und resümiert die genannten Kritikpunkte: Sinnesorgane vermögen nicht unverfälschte Abbilder der Wirklichkeit offenzulegen. Des Weiteren werden die positive Wirkung der zeitlichen Distanz auf eine mögliche Erkenntnis der Geschichte und die Abhängigkeit dieser von der Perspektive dargelegt. Schließlich wird das Ziel der Geschichte, die Sinngebung, impliziert. Die nachfolgenden Ausführungen werden detaillierter auf diese Punkte eingehen, trotzdem kann an dieser Stelle vorgegriffen werden, dass die Argumentation Messers nicht haltbar ist.

Ebenso überzeugend ist Nietzsches Standpunkt, er begegnet dem Realismus entschieden skeptisch, Seifert fasst Nietzsches Worte wie folgt zusammen: „die Tatsache, daß wir immer dieselbe geordnete Welt wahrnehmen, ebenso wie die Tatsache, daß sich unsere Auffassung von der äußern Welt durch die verschiedenen Sinneswahrnehmungen gegenseitig bestätige, beweise nichts für die Behauptung, daß die Dinge objektiv so seien, wie sie uns zu sein scheinen (vgl. Seifert, S. 17).“ Nietzsche pointiert diese Überlegungen mit den Worten: „[ebenso] wie ein Traum, ewig wiederholt, durchaus als Wirklichkeit empfunden und beurteilt werden würde (vgl. Seifert, 17).“

1.2.3 Postrukturalismus und Dekonstruktivismus

Der Geist einer Sprache offenbart sich am deutlichsten in ihren unübersetzbaren Worten (Marie von Ebner-Eschenbach).

Wie bereits erwähnt bezieht sich der Dekonstruktivismus im Wesentlichen auf die Interpretation von Texten. Im Zuge dessen werden jedoch ebenso Aussagen über die Beschaffenheit und Zugänglichkeit einer Wirklichkeit thematisiert. In Anbetracht der Tatsache, dass der Poststrukturalismus in Folge des Strukturalismus11 auftrat, werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Folgenden skizziert.

Beide Theorien akzentuieren die Sprache, da die Wirklichkeit durch die Sprache konstituiert sei und sie teilen das Verständnis der Welt als eine Welt der Zeichen. Zudem betonen sie die interne Vernetzung der Texte und leugnen die Existenz einer außersprachlichen Wirklichkeit.

Im Gegensatz zum Strukturalismus verfolgt der Dekonstruktivismus nicht die Suche nach zentrierten Gesetzmäßigkeiten und lehnt die eindeutige Bedeutungszuweisung in Saussureschen Zeichensystem ab, da die unauflösliche Verbindung zwischen Signifikant und Signifikat im Dekonstruktivismus aufgebrochen wird.

Einer der bekanntesten philosophischen Hauptvertreter des Dekonstruktivismus ist womöglich Jacque Derrida. Er löste die relativ stabile Beziehung zwischen Signifikat und Signifikant auf, indem er auf den unendlichen Prozess des „Sich- Unterscheidens und Aufeinander-Verweisens von Signifikanten“ betont (vgl. Metzler (2008), S. 130). Derridas Gedanke lässt sich am Aufbau eines Dudens gut nachvollziehen. Eine begriffliche Definition im Duden verweist meist auf weitere Begriffe. Statt exakter Festlegung einer Bedeutung entsteht somit ein stetiger Prozess der Verschiebung von Bedeutung. Im Zuge seiner Theorien rücken die Signifikanten in den Vordergrund, während das Signifikat an Halt, Struktur und Zentrum verliert. Die Bedeutungen richten sich nicht mehr an eine empirische Welt, sondern entwickeln sich entlang einer Signifikantenkette. Schließlich verweigert Derrida die Existenz einer „unmittelbar gegebenen und in der Sprache vergegenwärtigten Wirklichkeit (vgl. Zapf, S. 197).“ Folglich wird dem Text die Vermittlung eines Sinns in einem geschlossen System entsagt.

War im Rahmen der Hermeneutik eine sinnhafte Interpretation durch die Intersubjektivität, also eine gemeinsam geteilte Erfahrungswelt noch denkbar, wird eine eindeutige und sinnvolle Interpretation von Texten nunmehr geleugnet. Diese zwischen Signifikanten und Signifikat. Das Signifikant entspricht der konkreten sprachlichen Artikulation, während das Signifikat das mentale Konzept des Bezeichneten darstellt. Saussure lehnte ein ontologisches Verhältnis von Zeichen und Wirklichkeit ab, vielmehr postulierte er ein arbiträres Zeichensystem. Folglich wurde die direkte Beziehung zwischen Zeichen und realer Wirklichkeit suspendiert durch die Beziehung Signifikant und Signifikat sowie durch die Beziehung der Zeichen untereinander im Sprachsystem. Demnach erhalten die Zeichen ihre Bedeutung durch die Abgrenzung zu anderen Zeichen und nicht durch die empirische Erfahrung der kulturellen Welt. Der Strukturalismus ist darum bemüht, nach dem Vorbild der Naturwissenschaften, eine zentrale Struktur bzw. Gesetzmäßigkeiten für die Geisteswissenschaften aufzudecken, welche die Kognitionen der Menschen bestimmen. Die wesentlichen Merkmale des Strukturalismus sind die Akzentuierung der Sprache als Medium für die Wirklichkeitserfahrung als auch die Hervorhebung der internen Beziehung der Zeichen, die die Bedeutung der einzelnen Zeichen jedoch eindeutig bestimmen (vgl. Zapf, S.155-159).

Riege gilt ebenso für die Interpretation historischer Texte, auf welche die Historiographie u.a. angewiesen ist. Jeglicher Sinn und jegliche Bedeutung werden dekonstruiert. Diese Sinnentleerung betrifft jedoch nicht nur das sprachliche Zeichensystem, sondern umfasst alle Kulturphänomene.

Hubert Zapf fasst die wesentlichen Aspekte des Dekonstruktivismus in zwei Axiomen zusammen: „Es gibt keine Wirklichkeit ohne Schrift. Was uns gegeben ist, sind nur Texte, die fiktive Wirklichkeitsbilder erzeugen, und es ist unmöglich, aus dieser [...] Textualität und Fiktionalität auszubrechen (vgl. Zapf, S.198).“12 Die Wirklichkeit existiert demnach lediglich als Text, folglich bedeutet „erkennen“ interpretieren. Jede Interpretation verändert jedoch die Bedeutung entlang der Signifikantenkette („endloses Spiel der Differenzen“ vgl. Zapf, S. 198), so dass eine objektive und absolute Erkenntnis nicht möglich ist.

Das zweite Axiom bezieht sich auf die Identität: „Es gibt keine Identität, sondern nur Differenz, keine Kernpunkte des Denkens, sondern nur [...] eine unendliche Kette immer weiterverweisender Signifikanten. „Bedeutung“ [...] ist [...] prinzipiell entlang der gesamten Signifikantenkette verstreut und niemals in einem Zeichen vollständig gegeben (vgl. Zapf, S. 200).“

Letztlich lässt sich festhalten, dass infolge des Dekonstruktivismus die Grenzen kognitiver Fähigkeiten anerkannt werden, die Grenzen menschlicher Erkenntnisfähigkeit, wahres Wissen zu erlangen und die Welt sinnvoll zu erfassen.

Bezug zur Geschichte und Geschichtsschreibung

Wie bereits deutlich wurde bestreitet der Dekonstruktivismus die Kohärenz und die Möglichkeit der definiten Bestimmung und Interpretation jeglicher Kulturphänomene einschließlich der Literatur und der Historiographie und führt zu einer Sinnentleerung dieser. So wird der Literatur eine Autonomie abgesprochen, stattdessen verliert sie sich in der Intertextualität. Die Historiographie muss eine definite Aussagefähigkeit bezüglich einer Wirklichkeit einbüßen. Außerdem wird ihr die Möglichkeit einer Verifikation untersagt, da sie sich nicht auf ihrerseits sprachlich überlieferte Quellen berufen kann. Die Sinnentleerung erfolgt aufgrund des für den Dekonstruktivismus charakteristischen Standpunkts der Vorläufigkeit, Unvollständigkeit und Willkürlichkeit aller Sinnsysteme.

Der Dekonstruktivismus, geprägt von Jacques Derrida, vertritt schließlich die Auffassung, dass außerhalb der Texte keine Wirklichkeit existiert. Zudem behauptet er, dass sich die Beziehung der Wörter bei jeder Verwendung verändert und somit das „unendliche Spiel der Bedeutungen“ entstehen lässt. Hinsichtlich der Geschichte „[...] findet sich ihre Bedeutung [...] nicht in der Vergangenheit selbst, sie wird bloß in sie hineingelegt, von unterschiedlichen Historikern in unterschiedlicher Weise, aber mit jeweils gleicher Gültigkeit (vgl. Evans, S. 97).“ In Waterland und Chatterton wird eine derartige Geschichtsauffassung dargelegt, da verschieden Versionen gleichwertig nebeneinander existieren.

W. Wolf fasst die Auswirkungen des Dekonstruktivismus auf eine objektive Erkenntnis der Wahrheit prägnant zusammen: „Mit dem [...] endlosen Regreß von Sinn-Dekonstruktion und jeweils vorläufiger und subjektiver Neukonstruktion erweist sich De - konstruktion somit [...] als radikal skeptische Verabschiedung jeglicher Möglichkeit objektiver Wahrheitsfindung (vgl. Wolf, S. 310).“ Als Folge des Dekonstruktivismus werden die binären Oppositionen von Fiktion und Wirklichkeit aufgelöst und zudem eine Pluralität von Bedeutungen postuliert.

1.2.4 (radikaler) Konstruktivismus

Alles was man sich vorstellen kann, ist real (Pablo Picasso).

„Die Welt ist unabtrennbar vom Subjekt, von einem Subjekt jedoch, das selbst nichts anderes ist als Entwurf der Welt, und das Subjekt ist untrennbar von der Welt, doch von einer Welt, die es selbst entwirft (vgl. Merleau-Ponty, Maurice S.489).“

Wie sooft sind Theorien und Philosophien schwer auf eindeutige Merkmale zu beschränken. Der Konstruktivismus wird ebenso facettenreich ausgelegt und vertreten. Finn Collin bietet in Konstruktivismus eine Übersicht zur Klassifizierung der differenzierenden Ausprägungen des Konstruktivismus.

Der erkenntnistheoretische Konstruktivismus vertritt die Ansicht, dass das Wissen von der physischen und sozialen Wirklichkeit eine Konstruktion ist. Der ontologische Konstruktivismus intensiviert den Gedanken des Konstruierens und stellt die Behauptung auf, dass die physische und soziale Wirklichkeit selbst eine Konstruktion sei (vgl. Finn, S. 25).

Weitere Differenzierungen richten sich nach der Frage des Konstrukteurs. Nach dem materialistischen Konstruktivismus sind technologische und ökonomische Größen die Konstrukteure. Der idealistische Konstruktivismus sieht die potentiellen Konstrukteure in abstrakten Größen, wie die Sprache, soziale Größen oder die Kognition (vgl. Finn, S. 20-21).13

Nach den Annahmen des ontologischen Konstruktivismus ist die physische Wirklichkeit eine Konstruktion der Wissenschaft, des theoretischen Wissens und der praktischen Anwendung der Wissenschaft: „Die physische Wirklichkeit ist eine Konstruktion unseres Wissens von ihr (vgl. Finn, S. 25).“ Die Behauptung, dass die physische Wirklichkeit eine Konstruktion sei, widerspricht jeglicher Alltagserfahrung und wirkt irritierend.14

Hingegen ist der erkenntnistheoretische Konstruktivismus bezüglich der physischen Wirklichkeit - wird er als Instrumentalismus verstanden - gut nachvollziehbar und wenig kontrovers. Die Wissenschaft basiert auf vereinfachte Modelle und abstrakte Konstruktionen der Wirklichkeit und dient vornehmlich der Bewältigung und Berechenbarkeit der Wirklichkeit. Das wissenschaftliche Wissen bietet kein Abbild der Wirklichkeit. Finn führt eindrucksvoll das Beispiel der Gradsysteme an, die lediglich der Orientierung dienen, jedoch keine Entsprechung in der Wirklichkeit haben (vgl. Finn, S. 27). Diese Ausführungen sind grundlegend für die Umwertung der Fiktion bei Vaihinger.

Die konstruktivistischen Auffassungen hinsichtlich der sozialen Wirklichkeit sind meist intuitiv verständlich. Sowohl das Wissen über die soziale Wirklichkeit als auch die soziale Wirklichkeit selbst sind mühelos in Einklang mit relativierenden Annahmen des Konstruktivismus zu bringen. Basierend auf eigene oder dokumentierte empirische Erfahrungen gelingt die Einsicht, dass soziale Wirklichkeiten historisch wandelbar und von der jeweiligen Gesellschaft bestimmt sind.

Schließlich ist das Verständnis über Menschen und Gesellschaft eine historisch wandelbare und regional abhängige Größe. Es hat sich nicht approximativ gen das „endgültige Bild vom Menschen oder der Gesellschaft an sich15 „ entwickelt (vgl. Finn, S. 31).

Sprechwörter wie: „Andere Länder, andere Sitten“ oder typische Phrasen wie: „Damals war es eben anders“ verdeutlichen den konstruktivistischen Charakter des allgemeinen Grundverständnisses bezüglich der sozialen Wirklichkeit.

Vor dem Hintergrund obiger Ausführungen lässt sich festhalten, dass moderate Ansichten lediglich die historische und regionale Bedingtheit von vorgeblich selbstständigen, natürlichen und subjektunabhängigen Phänomenen betonen, während der radikale Konstruktivismus die Ansicht verteidigt, dass diese konstruiert seien. Am deutlichsten wird dieser Standpunkt im ontologischen Konstruktivismus.

Der gemeinsame Nenner verschiedener Ausprägungen des Konstruktivismus ist jedoch die Leugnung der Existenz von allgemeingültigen, zeitlosen, natürlichen und universellen Phänomen.

Diese Ansicht basiert auf der Argumentation, dass vorherrschende Wirklichkeitsbilder nicht von dem Erkenntnisgegenstand bestimmt, sondern insbesondere von anderen, vom Gegenstand unabhängigen Faktoren konstruiert werden. Zudem wird unterstellt, dass der Prozess der Konstruktion unbewusst verläuft. Nach den Annahmen des Konstruktivismus wird diese Ignoranz durch die scheinbare Selbstständigkeit der Phänomene begründet. Der Konstruktivismus verfolgt das Ziel diese als Konstruktionen zu entlarven.

Somit widerspricht der Konstruktivismus deutlich dem Realismus, welche die Existenz und Eigenschaften der Wirklichkeit als unabhängig von der menschlichen Erkenntnis betrachtet. Schließlich divergieren die Ansichten des Realismus und des Konstruktivismus ebenso hinsichtlich der Erkenntnisfähigkeit der Menschen entscheidend. Der Realismus geht davon aus, dass bei einem erfolgreichen Erkenntnisbemühen das mentale Abbild der tatsächlichen Wirklichkeit entspricht, der Konstruktivismus hingegen bestreitet eine die Wirklichkeit abbildende Erkenntnis. Diese Ansicht lässt sich als „erkenntnistheoretischer Anti- Realismus“ zusammenfassen. Demnach ist „die Welt [...] so, wie sie in theoretischen Systemen dargestellt wird [...] (vgl. Finn, S. 19).“

Bezug zur Geschichte und Geschichtsschreibung

Wie bereits erwähnt erscheinen die obigen Überlegungen hinsichtlich der sozialen Wirklichkeit intuitiv widerspruchsfrei und finden sogar in geläufigen Sprichwörtern Erwähnung. Ungeachtet der Tatsache, dass die Historiographie darum bemüht ist die soziale Wirklichkeit, den Menschen und die Gesellschaft, zu beschreiben, wird der Relativismus in der Historiographie selten intuitiv eingestanden. Im Gegenteil: Die Vorstellung einer relativen und historisch wandelnden Geschichtsschreibung wird skeptisch beurteilt. Zumal mit einem Relativismus der Ausdruck „anything goes“16 assoziiert wird, welches im Zusammenhang mit der Historiographie zur Zerrüttung jeglicher Stabilität, emotionaler, wirtschaftlicher, politischer oder religiöser Stabilität, der Menschen führen würde. Angefangen von der Bibel bis hin zur Schilderung aller wirtschaftlichen und politschen Entwicklungen der Menschen verlieren im Zuge der „anything goes“ an Glaubwürdigkeit.

Wenn jedoch die wissenschaftliche Erkenntnis über den Menschen oder der Gesellschaft nicht absolut ist, kann die Geschichtswissenschaft und somit auch die Geschichtsschreibung ebenso wenig einen Absolutismus beanspruchen. Bereits Augustinus unterscheidet in seinem 11. Buch Confessiones drei Dimensionen der Zeit: Gegenwart des Vergangenen (Erinnerung), die Gegenwart des Gegenwärtigen (Anschauung) und die Gegenwart des Zukünftigen (Erwartung) und betont, dass alle Dimensionen „nur im denkenden Subjekt existent“ seien (vgl. Brandt, S.10). Eine derartige Definition ist eine konstruktivistische Auslegung der Wirklichkeit, die eine objektive, vom erkennenden Subjekt, unabhängige Wirklichkeit verneint. Folglich ist, nach den Annahmen des Konstruktivismus, eine objektive faktengetreue Geschichtsschreibung unmöglich. Das obige Zitat von Merleau-Ponty beschreibt diese mutuelle Konstruktion von Subjekt und Objekt.

Nichtsdestotrotz gilt es das „anything goes“ in der Historiographie zu verhindern. Die Inhalte der Geschichtsschreibung müssen intersubjektiv nachvollziehbar bleiben.

Die Ausführungen zu den einzelnen Theorien können nicht den Anspruch der Wahrheit erfüllen, obgleich sie sich mit dem Themenkomplex der Wahrheit beschäftigen. Oft sind sie bezüglich der eigenen Theorien sehr unflexibel, sogar selbst dann wenn sie eine Dynamik, Instabilität und Konstrukthaftigkeit jeglicher Sinnsysteme predigen. Es wären tiefgehende und langjährige Recherchen notwendig, um eine ausdifferenzierte und fundierte Einschätzung aller philosophischen und literaturwissenschaftlichen Theorien geben zu können. Jedoch ist eine derartige Bewertung nicht Ziel dieser Arbeit und würde zudem den Rahmen dieser Untersuchung überschreiten. Nichtsdestotrotz gilt festzuhalten, dass die (Wahrnehmung der) Wirklichkeit zu einem gewissen Maße einer Konstruktion bedarf, die selbstverständlich individuell ist und somit weder allgemeingültig noch objektiv sein kann, obgleich traditionell die Wirklichkeit als das vom Subjekt unabhängig Bestehende galt. In Anlehnung an das Verständnis der Unabhängigkeit der Wirklichkeit, war sie objektiv erkennbar.

Im Gegensatz dazu hat sich eine alternative Auffassung entwickelt, die eine Abhängigkeit zwischen dem Erkennenden und dem Erkannten, der Wirklichkeit und dem Wahrnehmenden unterstellt.

Die Wirklichkeit entspricht demnach einer Wirklichkeitskonstruktion. Somit wird das stabile, objektive, zeitlose und allgemeingültige Verständnis der Wirklichkeit suspendiert durch einen Pluralismus, da die Anzahl der Konstrukteure die Anzahl der Wirklichkeiten bestimmt.

Die Kritik zum Realismus unterstützt diesen Ansatz, sie verdeutlicht die Schwierigkeiten eine allgemeingültige, wahre oder objektive Wirklichkeit zu definieren und wirkt sensibilisierend für die kritische Auseinandersetzung mit der Objektivität hinsichtlich vergangener Ereignisse im Rahmen der sowohl individuellen Geschichte als auch der kollektiven Geschichte einer Gesellschaft. Biologisch unterschiedliche Ausstattungen oder Beschaffenheiten der Wahrnehmungsapparate bei Menschen und Tieren führen zu unterschiedlicher Abbildung der Realität. Ähnlich unterschiedlich sind Menschen hinsichtlich ihres Wissenstandes, ihrer Kulturen, Sprachen, Religionen, Diskurse, Interessen, politisch, wissenschaftlichen Situationen und sozialen Bedingungen, die ebenfalls divergierende Wahrnehmungen begründen können. Der Artikel Denken auf Asiatisch thematisiert teilweise diese Problematik und nennt verschiedene Experimente mit Probanden zweier unterschiedlicher Kulturen, um die abweichende Wahrnehmung und Selektion der zwei Gruppen, Amerikaner und Chinesen, vorzustellen. Zusammenfassend wurde festgestellt, dass Chinesen im Vergleich zu den Amerikanern zu einer eher holistischen Wahrnehmung neigen, wobei diese Befunde auf die kulturellen Unterschiede zurückgeführt worden sind. Die westlichen Kulturen seien im Gegensatz zu der asiatischen Welt, wesentlich mehr durch das antike Griechenland beeinflusst worden. Im Zuge dessen seien andere Denkstrukturen etabliert worden (vgl. Kühnen, S. 88).

Die Realität als Kriterium bzw. Referenz für die Wirklichkeitskonstruktion sind nunmehr gesellschaftliche Strukturen, Diskurse oder ähnliches. Im nächsten Abschnitt werden u.a. Sprache und Diskurse hinsichtlich ihrer Wirkungsweisen auf die Wirklichkeitswahrnehmung detaillierter besprochen.

1.3 Was verhindert die Erkenntnis einer objektiven Wirklichkeit?

Trotz der Entwicklungen im Zuge des Dekonstruktivismus und des Konstruktivismus: Die Vergangenheit hat tatsächlich stattgefunden. Die Menschen der Vergangenheit haben ebenso existiert wie die Menschen heute, sonst wären die Streitigkeiten um die Möglichkeiten der Historiographie wahrheitsgetreue und objektive (Re) -Konstruktionen der Vergangenheit zu schreiben nichtig. Obgleich verschiedene Theorien die Erkennbarkeit von Wahrheit und die Möglichkeit einer Objektivität unterschiedlich beurteilen, sind die Überlegungen bezüglich der Sprache, Diskurse, Perspektivität sowie der Erinnerung, die der Erkennung und Existenz einer objektiven Wahrheit hinderlich sein können, sehr überzeugend. Schließlich spielen sie in der Historiographie eine wesentliche Rolle. Im Vergleich zu andern Wissenschaften weisen die Geschichtswissenschaft und die Historiographie eine höhere Abhängigkeit von der Sprache auf. Sie sind nicht nur bei der Darstellung ihrer Ergebnisse wesentlich an die Sprache gebunden, sondern bereits bei der Erforschung ihres Gegenstands, denn dieser ist nicht mehr präsent. Ihre „Gegenstände“ sind sprach- bzw. zeichenabhängig, z.B. Dokumente, Zeugnisse, Erzählungen, Bilder oder Filme, die ihrerseits ebenso sprachlich (bzw. durch Zeichensysteme) geprägt sind. Zudem bezieht sich die Historiographie auf die Vergangenheit und entsteht daher aus der Retrospektive, folglich sind die Erinnerungen, Perspektivität, Standortgebundenheit und zeitliche Distanz zentrale Bedingungen der Historiographie. Diese Aspekte sind für die Frage der Objektivität in den Naturwissenschaften weitestgehend irrelevant. Die Hermeneutik kann als Einleitung zu diesem Kapitel dienen, da sie einige der oben genannten Aspekte berücksichtigt. Obgleich sie sich im Wesentlichen der Interpretation von Texten widmet, ist sie im Rahmen der Erkenntnisfähigkeit der Wirklichkeit erwähnenswert.

Hermeneutik

Die Hermeneutik beachtet die Kluft aufgrund der zeitlichen Distanz von Produktion und Interpretation eines Textes. Daher berücksichtigt sie im Vorhaben einer richtigen Textinterpretation die historische und kulturelle Verankerung eines Textes (vgl. Zapf, S.167).

Einige Vertreter der Hermeneutik, wie Dilthey, postulieren eine approximative Objektivität und vertreten somit einen Erkenntnisoptimismus. Voraussetzung für das Verstehen der ursprünglichen Bedeutung eines Textes sei die Erkenntnis der subjektiven Intentionen des Autors eingebettet in die historischen Bedingungen der Textentstehung (vgl. Zapf, S. 167).

Hingegen streitet Heidegger die objektivierende Hermeneutik ab. Er argumentiert, dass jegliche Erkenntnis an den historischen, sprachlichen und kulturellen Standort gebunden ist und die Rekonstruktion der vergangenen Bedingungen illusionär sei (vgl. Zapf, S.169).

Die problematisierenden Faktoren einer objektiven Erkenntnis, sprachliche und diskursive Bedingtheit der Erkenntnis sowie die zeitliche Distanz und die Standortgebundenheit werden demnach in der Hermeneutik anerkannt. Gadamer rettete die Möglichkeit einer Erkenntnis durch den Begriff der „Horizontverschmelzung“, welche die Verschmelzung der Subjektivität des Interpreten sowie die Subjektivität des Textes meint. Es ist der Versuch, die eigenen historischen Bedingungen als Interpret eines Textes zu überwinden, um die Bedingungen eines Textes weitestgehend erfolgreich zu rekonstruieren. Dieser Vorgang ist jedoch nur annährungsweise möglich. Basis jedes Verstehens ist nach Gadamer, dass „Vorverständnis“, welches die gemeinsame sprachliche und kulturelle Prägung einer Gesellschaft darstellt (vgl. Zapf, S. 172-173). Ein äquivalentes Schlagwort der Hermeneutik ist die Intersubjektivität, die ein „vorgängiges Sinn- und Wahrheitsgeschehen“ meint, die zu einem Verständnis befähigt (vgl. Zapf, S.170). Somit wird Sprache als essentielle Basis des Verständnisses verstanden.

Gadamer verdeutlicht die besondere Funktion der Sprache. Im Gegensatz zu der Auffassung, dass Sprache Erkenntnis beschränke und lenke, hebt Gadamer in seinem Werk Wahrheit und Methode (1960) die Notwendigkeit der Sprache als Bedingung für Erkenntnis und Verstehen hervor. Dieses bezieht sich nicht nur auf Texte, sondern schließt die Welterkenntnis mit ein (vgl. Metzler (2004), S. 254). Zu diesem Zweck prägte er den Begriff des „Vorverständnisses“, welche die Interpretation und das Verstehen voraussetzt, die nur durch eine gemeinsame Sprache und kulturelle Geschichte gewährleistet wird (vgl. Metzler (2004), S. 207). Daher ist der Einfluss der Sprache äußerst spannend.

1.3.1 Sprache

Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt (Wittgenstein, Ludwig).

Die Sprache ist für das menschliche Leben unabdingbar. Ohne die Sprache wäre weder das Denken noch die Kommunikation möglich. Die Erzählung im Allgemeinen und die Historiographie im Speziellen dient der Erklärung der Ereignisse, diese ist eng an die Verwendung der Sprache durch einen Außenstehenden gebunden, da das Ereignis sich nicht selbst erklären kann.17 Jedoch ist die Verwendung der Sprache keinesfalls neutral.

Linguistic turn

Die Beurteilung der Sprache wandelte sich nach dem linguistic turn grundlegend. Wurde die Sprache zuvor als ein neutrales und transparentes Instrument zur Erfassung der Wirklichkeit aufgefasst, war sie nun die unabdingbare Bedingung für jegliche Kognition sowie aller menschlicher Erkenntnis. Die Sprache strukturiere das Denken und konstruiere Wirklichkeit. Eine bezeichnende Metapher lautet: „Kultur als Text“ (vgl. Metzler (2008), S. 424-425). Dieser kann jedoch erweitert werden zu der Metapher „Wirklichkeit als Text“, da sie aussagekräftiger ist, insofern sie den Gedanken des linguistic turn umfassender und treffender formuliert. Getreu dieser Einsicht wird die Existenz, die Erkenntnis und die Erreichbarkeit einer Wirklichkeit jenseits der Sprache diffamiert.

Demnach prägt die Sprache insofern die soziale Wirklichkeit, als sie den Rahmen für mögliche Gedanken und im Zuge dessen den Rahmen für mögliche Handlungen festlegt, die ihrerseits soziale Praxen begründen. In letzter Instanz wirkt die Sprache als wesentlicher Konstrukteur der sozialen Wirklichkeit. Folglich bestimmt sie ebenso das neue Verständnis des Menschen. Im Zuge des Poststrukturalismus entwickelte sich die Idee des Subjekts „ohne Ursprung und ohne Einheit. Es ist „im tiefsten Inneren“ ein Zeichenprodukt; ein in der Sprache gefangenes und durch Sprache, im weiteren Sinne durch Kultur definiertes Wesen (vgl. Metzler (2008), S. 425).“

Ausgehend von der Intransparenz der Sprache veröffentlichte Ludwig Wittgenstein in Tractatus eine Pragmatik zur Erklärung sprachlicher Verwendung und Handeln. Zu diesem Zweck bediente er die Logik (vgl. Metzler (2008), S. 424). Aus diesem Werk stammt das Zitat „wovon man nicht reden kann, darüber sollte man schweigen“, welches in Chatterton verarbeitet wird (vgl. Wikipedia).

Die Behauptung, dass die Sprache die Artikulation oder Ausdruck steuert ist wenig überraschend. Dahingegen ist die Argumentation, dass Sprache zudem die Wahrnehmung und somit die Rezeption steuert zunächst sehr ungewöhnlich, da der Mensch von der Zwanglosigkeit und der Unbegrenztheit seiner Wahrnehmung überzeugt ist.

Falls die Sprache die Rezeption ebenso lenkt, ist neben dem (sprachlichen) Ausdruck nunmehr auch der Eindruck von der Realität an die Bedingungen der Sprache gebunden. Die Tatsache, dass bereits die Rezeption der Umwelt von der Sprache abhängig ist, verdient der besonderen Hervorhebung, da lediglich die Wahrnehmung von der Wirklichkeit schriftlich festgehalten werden kann. Eine objektive Historiographie kann nur gewährleistet werden, falls die Wahrnehmung einen objektiven Blick erlaubt. Die Tatsache, dass der visuelle Blick kein objektives Bild abbildet, ist bereits erläutert worden. Über die wirklichkeitskonstruierende Funktion der Sprache herrscht hingegen in vielerlei Theorien Konsens18.

Dieser Aspekt der Sprache wird unter dem Begriff der Narrativität gut beschrieben. In Anlehnung an den linguistic turn ist es wenig verwunderlich, dass die Narrativität, auch außerhalb der Erzähltheorie, an Bedeutung zunimmt. Vordergründig sind die Bedeutung der Narrativität für die Wirklichkeitsdarstellung sowie die Funktion von Erzählstrukturen in der Historiographie.

Gemäß interdisziplinärer Erforschung herrscht weitestgehend Konsens darüber, dass menschliche Wirklichkeitsentwürfe sich an der Narrativität orientieren, somit wird die Erkenntnis über die Wirklichkeit als (sprachliches) Konstrukt entlarvt. Die Klammer um das Wort sprachlich ist begründet, da Sprache im Rahmen dieser Arbeit weiter gefasst werden muss. Kulturelle, politische, soziologische, religiöse, wirtschaftliche Prägungen der Menschen sind ebenso bedeutsam für die Konstruktion der Wirklichkeit. Teilweise spiegeln sie sich in der Sprache wider. Jedoch liegt die Betonung auf der Konstrukthaftigkeit der menschlichen Erkenntnis.

Im Rahmen historiographischer Studien ist der Aspekt der Narrativität wesentlich, da sie den Schnittpunkt zwischen der Historiographie und Literatur darstellt. Aufgrund dieses Standpunkts wurde die Dichotomie zwischen historiographischen und literarischen Erzählungen aufgehoben.

Narrativität

„Narrative imitates life, life imates narrative (vgl. Bruner, Jerome (1987), S.13).”

Narrative sind im weitesten Sinne „kulturelle Verständigungsmuster“, kulturell geprägte Erzählweisen, Beschreibungs- und Darstellungsformen, welche die Art der Verarbeitung von Erfahrungen bestimmen (vgl. Fauser, S.87). Somit schlägt der Begriff die Brücke von literarischen Stilmitteln zu außerliterarischer Erfahrungs- und Handlungswelt.

Die Narrative Psychologie postuliert eine wechselseitige Beeinflussung des Erzählens, d.h. des sinnhaften Konstruierens eines Bedeutungszusammenhangs selektierter Ereignisse, und der Erinnerung an vergangener, Wahrnehmung gegenwärtiger und Antizipation zukünftiger Ereignisse (vgl. Fauser, S.88). Einen bedeutsamen Beitrag leistete Jerome Bruner mit seinen zahlreichen Studien, wie Acts of Meaning (1990) oder The Narrative Construction of Reality (1991). Gemäß seiner These werden Erfahrungen und Erinnerungen narrativ strukturiert und er behauptet sogar, dass Erfahrungen, die nicht narrativ organisiert wurden, vergessen werden. Bruner formuliert dies wie folgt: „As I have argued extensively elsewhere, we organize our experience and our memory of human happenings mainly in the form of narrative - stories, excuses, myths, reasons for doing and not doing and so on (vgl. Bruner (1991), S. 4).“

An dieser Stelle verwandelt sich der Begriff „Erfahrung“ selbst in einen äußerst problematischen Begriff, weil er nicht von der Wirklichkeit abhängt, sondern von der Sprache und den Narrationen. Die gutgläubige Idee einer freien, bindungslosen und außersprachlichen Wahrnehmung ist schlicht nicht haltbar. P. Ricœur argumentiert, dass aufgrund der narrativen Strukturierung der Erfahrungen und Handlungen lediglich vorläufige, aus der aktuellen Perspektive resultierende Interpretationen eines Lebensabschnitts erlangt werden kann. Ereignisse seien nur im Hinblick auf den Ausgang der Geschichte bedeutungsvoll (vgl. Fauser, S.92). Seine Argumentation ist vergleichbar mit der Aussage Diltheys, der das Prinzip des hermeneutischen Zirkels auf das Verstehen des Lebens überträgt19. Somit ist der gemeinsame Nenner beider Philosophen, die Betonung der Narration für das Erleben sowie für das Erzählen über das Erlebte. Da Narrationen das übergeordnete Ziel der Sinnstiftung haben, müssen sie nicht der Wahrheit entsprechen.

Bedeutsam ist, dass Sprache eine objektive Wahrnehmung verhindert, aber sie ermöglicht Wahrnehmung erst (vgl. Narrativität, Markus Fauser). Zudem wären ohne jegliche Verschriftlichung, Dokumentation oder Verbalisierung der Ereignisse mit den letzten Zeitgenossen verloren. Sprache hat folglich sowohl einen restriktiven als auch einen produktiven Charakter, einerseits filtert und beschränkt sie die Gestalt und Anzahl der Wirklichkeiten, andererseits bringt sie Wirklichkeiten hervor. Somit ist die Sprache ein doppelschneidiges Schwert.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Narrationen wesentlich sind für die Konstruktion der Wirklichkeit. Markus Fauser formuliert dies folgendermaßen: „Vergangenes wird durch sie erst erfahrbar, Zukünftiges kann so erst begründet werden. Ereignisse bekommen die Realität von geordneten, chronologisch strukturierten Vorgängen (vgl. Fauser, S. 90-91).“

Bezug zur Geschichte

Im Zuge der sprachlich bedingten Wahrnehmung der Wirklichkeit kann der Anspruch einer objektiven Darstellung der Vergangenheit nicht erfüllt werden. Am deutlichsten stellt W. Wolf den Zusammenhang zur Historiographie her. Er nennt Entobjektivierungsfaktoren und subsumiert drei Faktoren, die eine objektive Erkenntnis der Wahrheit verhindern, diese ent- objektivieren. Diese sind das Erkenntnissubjekt, Erkenntnisobjekt sowie die Narrativität, die Darstellungsmodi. Aufgrund der Entobjektivierungsfaktoren wird die Historiographie als Konstruktion entlarvt.

Unter dem Erkenntnisobjekt versteht Wolf, das Objekt der Erkenntnis zu verstehen, in Bezug auf die Historiographie bezeichnet es die wahre Vergangenheit basierend auf Fakten. Die Schwierigkeiten hinsichtlich des „Objekts“ sind bereits unter Poststrukturalismus, Dekonstruktivismus und Konstruktivismus kritisierend hinterfragt worden.

Die Auswirkungen der Sprache fasst Wolf unter dem Aspekt der Darstellungsmodi zusammen. Sie umfassen im Wesentlichen die narrativen Parallelen der Literatur und Historiographie, welches die Historiographie näher an die Fiktion verlagert bzw. fiktionalisiert.

In diesem Zusammenhang bezieht sich W. Wolf auf Stierle. Demnach organsiert die Historiographie, die Geschichte ausgehend von einem Anfang, teleologisch im Hinblick auf ein Ende. Sowohl der Anfang als auch das Ende setzt eine Selektion bestimmter Ereignisse voraus, da sie nicht von der Geschichte, den vergangenen Ereignissen bzw. dem Objekt intrinsisch vorgegeben wird. Die (interessengeleitete und standortgebunde) Selektion beruht auf einem angenommenen Ursache- Wirkungsverhältnis, welches zu einem Kausalzusammenhang zusammengefügt wird (vgl. Wolf, S. 322).

1.3.2 Diskurse

Nach den bisherigen Ausführungen wurde deutlich, dass sich das Erleben an der Sprache (Narration) orientiert, jedoch ergab eine eindrucksvolle Studie von Bartlett, dass die Kultur, weitergefasst der Diskurs, einen ebenso großen Einfluss ausübt. Bartlett forderte Probanden auf, eine zuvor vorgelesene Geschichte, nach einiger Zeit, wiederzugeben. Zudem konnte er beweisen, dass die Abweichungen mit der kulturellen Prägung der Probanden konform waren. Scheinbar unlogische und zusammenhangslose Inhalte wurden entsprechend der eigenen Kultur korrigiert (vgl. Birke, S. 27).

Infolge der engen Beziehung zwischen Sprache und Diskurs sind diese Ergebnisse wenig überraschend. Schließlich werden Diskurse meist über Narrationen weitergegeben. Umgekehrt beeinflussen Diskurse ihrerseits den Inhalt kursierender Narrationen innerhalb einer Gesellschaft. Diesbezüglich argumentiert

Bruner folgerichtig: „[...] life narratives obviously reflect the prevailing theories about „possible lives“ that are part of one´s culture. [...] eventually the culturally shaped cognitive and linguistic processes that guide the self-telling of life narrative achieve the power to structure perceptual experience, to organize memory, to segment and purpose-build the very „events” of a life (Bruner 1987, S. 15).“

Inzwischen wurde der Begriff des Diskurses einige Male in dieser Arbeit verwendet. Im Folgenden wird der Diskurs detaillierter betrachtet. Eine genaue Definition des Begriffs ist eine diffizile Angelegenheit, da der Begriff des Diskurses vielschichtig verwendet wird.20

Auffällig ist die besondere Akzentuierung der sprachlichen Aspekte in den Diskussionen über Diskurse. Jedoch ist es nicht gerechtfertigt, Diskurse als Synonym für die Sprache zu verstehen. Die unzulässige Gleichsetzung folgt aus den Argumenten, dass Wirklichkeiten nur sprachlich bzw. zeichenvermittelt zugänglich seien und die Sprache Wirklichkeiten konstruiere sowie den engen Zusammenhang zwischen Diskursen und Sprache. Ungeachtet dessen, dass Diskurse über die Sprache vermittelt werden und mutuale Beeinflussung der Inhalte besteht, sollte der Begriff des Diskurses weiter gefasst werden.

Im Rahmen dieser Arbeit umfasst der Diskurs die aktuell vorherrschende sprachliche, kulturelle, politische, wissenschaftliche, wirtschaftliche, soziale, religiöse Prägung der Menschen und erhält somit den Status eines Oberbegriffs.21 Essentiell ist die Idee, dass Diskurse die Wirklichkeit konstruieren. Sie regulieren zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Gesellschaften den Bereich des Machbaren, Denkbaren und Sagbaren (vgl. Landwehr, S. 21).

[...]


1 Da die literaturgeschichtliche Umwertung für Punkt 1.5. relevant wird, findet sie dort Erwähnung.

2 Die enge Beziehung zwischen Sprache und Erinnerung kommt in dieser Arbeit ebenfalls zum Ausdruck (vgl. Kapitel 1.3).

3 Der vollständigen Angaben lauten: Hans Vaihinger (1911) Die Philosophie des Als Ob: System der theoretischen, praktischen und religiösen Fiktionen der Menschheit auf Grund eines idealistischen Positivismus; Reuther & Reichard, Berlin.

4 Der Begriff wurde von Karl Popper geprägt. Nach der „Realismusthese“ existiert eine reale objektive Wirklichkeit, welche unabhängig von dem menschlichen Bewusstsein ist (vgl. Zelter, S. 35).

5 Kant behauptete sogar, dass die menschliche Erkenntnisfähigkeit ausschließlich in räumlichen und zeitlichen Dimensionen gelinge. Demnach könne sich der Mensch eine Wirklichkeit außerhalb dieser Dimensionen, nicht-räumliche und nicht-zeitliche, nicht einmal vorstellen (vgl. Finn, S. 13).

6 Zitate, die zur Untermalung des entsprechenden Kapitels dienen, sind dem Autor dieser Arbeit bekannte Zitate. Diese lassen sich mit Hilfe einer Google-Suche bestätigen. Sofern sie jedoch einer Literatur entnommen sind, sind sie mit Anführungszeichen gekennzeichnet. Die entsprechende Literatur ist im Literaturverzeichnis aufgeführt.

7 Im Dekonstruktivismus und Konstruktivismus löst sich diese Dichotomie jedoch weitestgehend auf, da die Autonomie der beiden Begriffe zunehmend angezweifelt wird.

8 Es gilt wissenschaftlich bewiesen, dass Fledermäuse Ultraschall zur Orientierung verwenden. Thomas Nagel behauptet, dass Neurowissenschaftler lediglich eine physikalische Untersuchung der Sinnesorgane von Fledermäusen bieten könnten. Die subjektive Empfindung und das Bewusstsein einer Fledermaus blieben ihnen jedoch unzugänglich. Jede Sinneswahrnehmung sei unweigerlich mit dem wahrnehmenden Subjekt verbunden: „[...] Every subjective phenomenon is essentially connected with a single point of view, and it seems inevitable that an objective, physical theory will abandon that point of view (vgl., Nagel, S. 2).” Aus diesem Grund seien diese Bewusstseinszustände für einen Menschen nicht sprachlich beschreibbar: „[..] There are facts that do not consist in the truth of propositions expressible in a human language. We can be compelled to recognize the existence of such facts without being able to state or comprehend them. […] And to deny the reality or logical significance of what we can never describe or understand is the crudest form of cognitive dissonance (ebd., S. 3).“ Aber Thomas Nagel beschränkt seine Theorie nicht auf eine Diskrepanz zwischen Mensch und Tier, sondern erwähnt die Wahrnehmung der Wirklichkeit eines (von Geburt an) blinden Menschen und die Möglichkeit einer objektiven Beschreibbarkeit der Wirklichkeit eines sehenden Menschen (ebd., ab S. 3). Der Artikel unterstreicht die Existenz realer Gegebenheiten, die sich unserer Sinne und unsere sprachlichen Beschreibung entziehen können sowie die Subjektivität jeglicher Wahrnehmung.

9 Erklärungsversuche bietet die Evolutionäre Erkenntnistheorie. Gemäß dieser konstruiere das Gehirn ein nützliches, aber womöglich unvollkommenes Bild der Wirklichkeit. Die Beschaffenheit und Vorgehensweise des Wahrnehmungsapparats, habe sich analog des Fortpflanzungserfolgs entwickelt (vgl. Penzlin, S. 11).

10 Vgl. Standpunkt von Ranke unter Punkt 2.1.

11 Die Grundideen des Strukturalismus lassen sich auf Annahmen von Ferdinand Saussure zurückführen. Saussure definierte ein sprachliches Zeichen als eine unauflösliche Kombination

12 Dieser Gedanke kommt im obigen Zitat ebenso zum Ausdruck.

13 Diese Ausprägung des Konstruktivismus lässt sich mit dekonstruktivistischen Annahmen in Einklang bringen, da der Dekonstruktivismus eine Wirklichkeit jenseits der Sprache leugnet. Dieser Aspekt kommt in beiden Romanen deutlich zum Ausdruck, da sie der Sprache eine wirklichkeitserzeugende Macht zuschreiben. Aus diesem Grund wird dieser Gedanke unter 1.3 erneut aufgegriffen und vertieft.

14 Der ontologische Konstruktivismus ist eine radikale Form des Konstruktivismus. Die wesentliche Kritik lässt sich anhand folgender Frage verdeutlichen: Wie sollte die Wirklichkeit eine Konstruktion eines seinerseits konstruierten Konstrukteurs sein? Diese Fragen werden nicht detaillierter besprochen.

15 Im ursprünglich Text ist: „an sich“ bereits in Anführungszeichen, da es gleichzeitig das Ende des Zitats darstellt, wurde der Ausdruck hier kursiv gesetzt.

16 Dieser Ausdruck wurde von Paul Feyerabend geprägt (vgl. Finn, S. 48).

17 Selbst in einem abstrakten (Gedanken-) Experiment, in welcher Ereignisse befähigt wären sich selbst zu erklären, kann das Problem der fehlenden Objektivität nicht aufgehoben werden. Der Gegenstand oder das Ereignis könnten ebenfalls eigene Interessen vertreten, zudem wären sie ebenfalls standortgebunden.

18 Einige sind im Rahmen dieser Arbeit bereits erwähnt worden (vgl. Hermeneutik, Poststrukturalismus, Dekonstruktivismus, Konstruktivismus).

19 Vgl. Ausführungen unter Punkt 1.6 Motive der Geschichtsschreibung und -erzählung.

20 Eine ausführliche Ausarbeitung bietet Achim Landwehr in Historische Diskursanalyse. Eine entsprechend genaue Ausführung wäre im Rahmen dieser Arbeit zu umfassend, daher wurden lediglich wesentliche Ergebnisse zusammengetragen.

21 Ernesto Laclau und Chantal Mouffe erweitern das Verständnis um den materiellen Charakter der Diskurse, somit ist der Hausbau ebenso diskursiv (vgl. Landwehr, S. 87). Laclau: „[...] es gibt nichts Gesellschaftliches, das außerhalb des Diskursiven bestimmt ist (vgl. Jäger, S.78).“ Foucault hat zusätzlich zu dem Diskurs den Begriff des Dispositivs entwickelt, um schließlich den außersprachlichen Aspekten der Wissensformation und der Wirklichkeitskonstruktion gerecht zu werden (vgl. Jäger, S. 75ff.)

Ende der Leseprobe aus 202 Seiten

Details

Titel
Die Problematisierung menschlicher Erkenntnisfähigkeit in Graham Swifts "Waterland" und Peter Ackroyds "Chatterton"
Hochschule
Universität Mannheim
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
202
Katalognummer
V189098
ISBN (eBook)
9783656130659
ISBN (Buch)
9783656130833
Dateigröße
1257 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
problematisierung, erkenntnisfähigkeit, graham, swifts, waterland, peter, ackroyds, chatterton, Graham Swift, Peter Ackroyd
Arbeit zitieren
Diplom Handelslehrerin Tülin Akkalp (Autor), 2011, Die Problematisierung menschlicher Erkenntnisfähigkeit in Graham Swifts "Waterland" und Peter Ackroyds "Chatterton", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189098

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Problematisierung menschlicher Erkenntnisfähigkeit in Graham Swifts "Waterland" und Peter Ackroyds "Chatterton"


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden